Kirche Weitental

†  Gott ist die Liebe - Er liebt dich  †
 Gott ist der beste und liebste Vater, immer bereit zu verzeihen, Er sehnt sich nach dir, wende dich an Ihn
nähere dich deinem Vater, der nichts als Liebe ist. Bei Ihm findest du wahren und echten Frieden, der alles Irdische überstrahlt

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Bewahre uns vor

VERWIRRUNG

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Verwirrung ist eine höchst aktuelle Erscheinung. Man drehe den Fernseher auf, höre Nachrichten, verfolge Talkshows, man führe sich im Internet die Lesermeinungen zu Zeitungsartikeln zu Gemüte oder lasse einfach nur die Kommentare mehr oder weniger prominenter Christen zu verschiedenen Ereignissen in der Kirche auf sich wirken: verwirrend und oft verwirrt. Hermann: In Bezug auf das Werk "Der Gottmensch" und "Medjugorie" siehe meine Kommentare (*)

 
I N H A L T
 

Verwirrung  

Einleitung

Man hat schon so oft gehört, daß der Priester betet: „Bewahre uns vor Verwirrung und Sünde“, daß man leicht darüber hinweghört. Wie bedeutsam diese Bitte jedoch ist, wird deutlich, wenn man bedenkt, daß sie in jeder Messe geäußert wird. Nun mag man denken: Vor Sünde bewahrt zu sein, ja, das hat was für sich. Aber Verwirrung? Ist die so schlimm? Dieser Frage wollen wir im folgenden Schwerpunkt nachgehen.
Eines steht fest: Verwirrung ist jedenfalls eine höchst aktuelle Erscheinung. Man drehe den Fernseher auf, höre Nachrichten, verfolge Talkshows, man führe sich im Internet die Lesermeinungen zu Zeitungsartikeln zu Gemüte oder lasse einfach nur die Kommentare mehr oder weniger prominenter Christen zu verschiedenen Ereignissen in der Kirche auf sich wirken: verwirrend und oft verwirrt.
Bei näherer Betrachtung erkennt man: Viele argumentieren – wenn sie überhaupt argumentieren – aus einer rein subjektiven Sicht, „aus dem Bauch heraus“, ohne höheres Referenzsystem, sie vertreten partielle Interessen, die absolut gesetzt werden, hören den anderen kaum zu, wiederholen ungeprüft, was man heute eben so denkt. „Du hast deine Wahrheit, laß mir meine,“ heißt es dann.
Wer das nicht gelten läßt, wird als autoritär, als Fundamentalist angesehen. Dabei ist es offenkundig: Wo jeder nur nach eigenen Maßstäben mißt und agiert, wächst die Verwirrung, kann man kein geordnetes Zusammenleben gestalten. Wenn wir nicht mehr dasselbe meinen, wenn wir ein und dasselbe Wort verwenden – man denke nur an das Wort „Liebe“ – hört sich auch das miteinander Reden auf.
Vor solcher Verwirrung, die jeden auf sich selbst zurückwirft, bewahrt uns die Offenbarung Christi. Sie gilt es, attraktiv als Fixpunkt in den Wirrnissen unserer Tage darzustellen.

Verwirrung

Verwirrung, wohin man schaut

Die vielen medial verbreiteten „Selbstverständlichkeiten“ (Christa Meves)

Wer die Zeitung aufschlägt, das Fernsehen aufdreht und sich einen halbwegs klaren Blick bewahrt hat, staunt: Mit größter Selbstverständlichkeit und viel Pathos werden die unsinnigsten Behauptungen, meist unwidersprochen, verkündet…

Nun ja,“ sagte kürzlich bei einem Interview eine junge Journalistin zu mir. „Früher hatte eben jeder für sich seinen Standpunkt – und den behielt er dann sein Leben lang starr bei. Aber heute haben wir den flexiblen Bürger: Vom Fernsehen und vom PC vielseitig informiert hat der Mensch doch die Chance, seine Meinung alle halben Jahre zu ändern. Heute ist er ebenso autonom wie kritisch. Er ist zum mündigen Bürger geworden.“
Ich versagte es mir, ihrer blauäugigen Einschätzung einige Gegenbeweise zu kredenzen; denn schließlich läßt sich nicht bestreiten, daß man gelegentlich einem mündigen, echt urteilsfähigen Menschen begegnet. Im Gespräch mit diesem stellt sich dann aber meist heraus, daß diese Reife die Frucht eines umfänglichen Lernens an der Erfahrung und durch literarische Zusatzbemühungen entstanden ist – ja, daß dieser erfreuliche Zustand viel eher bei Menschen zu finden ist, deren Informationsquelle einer reichlichen Fernseh- und Internetnutzung eher abhold ist.
Aber da mich die Wahrnehmungsblindheit der jungen Dame, die sich zum Beruf erwählt hatte, über aktuelle gesellschaftliche Zustände und das Verhalten der Menschen zu berichten, in Erstaunen versetzte, möchte ich zumindest in diesem Artikel einige kleine Beispiele für die Blindheit einer erschreckend großen Zahl von Menschen erbringen. Diese Blindheit haben sie als schleichende Indoktrination durch die Medien erworben und sie vertreten eine Meinung, die keineswegs auf eigenem Nachdenken beruht. Das Ausmaß von Verwirrungen in erstaunlich vielen Bereichen – besonders in ethischen Fragen – hat, so scheint es mir, in unserer Zeit eine enorme Verblasenheit hervorgerufen.
Jüngst hat sich in Deutschland z.B. ereignet, daß im größten Bundesland eine rot-grüne Mehrheit die Regierung erobern konnte, weil sie vor allem anderen die Forderung nach einer obligatorischen Einführung von Gesamtschulen zu ihrem Wahlschlager gemacht hatte. Und das, obgleich ausgerechnet in diesem Land bei einem Vergleich von Gesamtschulen mit gestuften Schulen die Erfahrung gemacht worden war, daß die Massenschule lediglich klägliche Mißerfolge zu verzeichnen hatte. Wie ist es möglich, daß man dies dennoch einer so großen Zahl von Bürgern – allerdings lange über die einhellig für die falsche Richtung plädierenden Medien – einzubläuen vermag? Die Verwirrung entstand dadurch, daß die Möglichkeit einer besseren Bildbarkeit der Kinder durch die Länge des Schulalltags – (und damit unbewußt die Abgabe von elterlicher Verantwortung) den Bürgern des Landes schmackhaft gemacht worden war.
Solche Beispiele lassen sich beliebig vermehren. Immer eindeutiger belegen Wissenschaftler die Gefahr von zu früher Kollektivierung der Kinder. Aber immer mehr schwangere Mütter planen dennoch, so rasch wie möglich wieder in die Erwerbstätigkeit zurückzukehren und behaupten mit Verve, daß das für die Babys notwendig sei, damit diese von Profis rechtzeitig tief genug gebildet würden. Und diese Lüge machen sich nicht etwa nur einfache Frauen zu eigen, um fortschrittlich zu sein, sondern auch besonders viele Akademikerinnen. Dabei sollten doch eigentlich sie logisches Denken an der Universität gelernt haben!
Ebenfalls als verwirrt haben sich die Synodalen der Evangelischen Kirche Deutschlands erwiesen, als sie am 10. November, einen Tag vor dem Namenstag Martin Luthers, einstimmig ein neues Pfarrdienstgesetz beschlossen und schwulen Pfarrern dadurch genehmigten, mit dem gleichgeschlechtlichen Partner in den Pfarrhäusern zu leben. Bei aller Toleranz, die bei kirchlichen Laien noch vertretbar wäre, ist Luthers Credo „sola scriptura“ (die Hl. Schrift als einzige Richtlinie) ausgeblendet worden und die Tatsache, daß „Pastor“ übersetzt Hirte heißt: Auf dem Boden der Aussagen von Jesus Christus müßte doch wohl der Pfarrer eher Vorbild zur Entstehung von Einehen und Familien in seiner Gemeinde sein.
Verwirrt sind ganze Heere von Parlamentarien, die PID – das heißt Prä-Implantations-Diagnostik – befürworten. Sie vertreten die medial geförderte Meinung, daß die künstliche Befruchtung und die darauf folgende Auslese von Erbkrankheiten erlaubt werden müßte, weil die europäischen Länder ringsum sie erlauben. Dabei merken sie nicht, daß dieses Argument von der Art ist, wie sie spätestens im Grundschulalter wegen eines besseren Denkvermögens überwunden sein sollte, nämlich daß eigenes Tun nicht durch das Fehlverhalten anderer gerechtfertigt ist. Darüber hinaus blendet diese geradezu skandalöse Einstellung vollkommen die Geschichte des 20. Jahrhunderts in Deutschland aus. Die Kanzlerin brachte es immerhin zu einem schwachen Veto…
Aber was für eine Anmaßung führt hier eine Regie, die dem Elternwunsch nach einem gesunden Kind einen höheren Rang zumißt, als der Ehrfurcht vor künstlich im Labor erzeugten Kindern, deren Überzahl oder Unbrauchbarkeit, dazu führt, daß man sie in den Müll kippt oder für die Forschung weiter verwendet!
Die Klarsicht ist auch den Menschen geraubt worden, die vor einiger Zeit in Angst und Schrecken vor der Schweinegrippe versetzt und zu Impfungen verleitet wurden, obgleich sich ergab, daß eine Übertragbarkeit auf den Menschen gar nicht bestand. Oder die Fehlvorstellungen zum Thema Aids: Man könne die Krankheit mit Milliarden von Kondomen – vor allem für Afrika – in den Griff bekommen. Dabei hat sich in Deutschland die Zahl der HIV-Infizierten trotz massiver Kondompropaganda in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt.
Daß Pornographie eine vertretbare Freizeitbeschäftigung zumindest für das männliche Geschlecht sei, ließ sich vor weniger Jahren noch ohne Widerspruch z.B. in einer katholischen Akademie verkünden, ohne von der sich entwickelnden internationalen Kinderschänderindustrie auch nur Kenntnis zu nehmen. Und dieses Einpendeln schändlichster aller Verbrechen gegen Kinder konnte noch nicht einmal verändert werden, nachdem die Frau Familienministerin einmal einen entsprechenden Blick ins Internet geworfen hatte…
Aufgenötigte Verwirrung bedeutet es auch, wenn man die Überachtzigjährigen unter zu Hilfenahme eines Blätterwaldes von Infos dazu zwingt, juristisch abzusichernde Vollmachtserklärungen abzugeben, nur damit sie in ihren letzten Tagen nicht in die Hände der ihnen staatlich überstellten sogenannten Betreuern fallen und so womöglich der Tendenz zur Euthanasie ausgeliefert werden.
Ebenfalls heilloser Verwirrung ist die Kindergartenpädagogik ausgesetzt. Neuerdings wird hier mit Eifer der „spielzeuglose Kindergarten“ propagiert, damit die Kinder zunächst einmal „zu sich selbst finden“ – und eigenständig die Erkenntnis gewinnen, ob sie ein Junge oder ein Mädchen sind. Sie sollten das frei entscheiden, so befiehlt es die Gender-Mainstreaming-Ideologie, die den Erzieherinnen bei Fortbildungen als pädagogischer Auftrag aufgenötigt wird. Und das, obwohl die Kinder – wie in den Kinderläden von Anno dazumal – nun wieder fragen: „Tante, müssen wir den ganzen Tag wieder tun, was wir wollen?“ Und die kleinen Jungen sagen: „Im Kreis hüpfen – das will ich nicht – das ist für Mädchen.“ Und die Mädchen: „Was soll ich mit dem Säbel? Ich bin ein Mädchen.“ Das heißt: Die Kinder würden ja ihren verwirrten Pädagogen einige Verbesserungsvorschläge und somit eine Belehrung über die eindeutige Wahrheit zuteil werden lassen.
Dies sind nur einige kleine Beispiele für die beispiellose Verwirrung, die sich derzeit wie ein Wirbelwind über Europa ausbreitet. Sie ist trauriges Merkmal einer allgemeinen Halt- und Orientierungslosigkeit, die Folge der Gegebenheit, daß man durch mediale Indoktrination viele Menschen zu gedankenlosen Akteuren ihres Nachahmungstriebes verdammt hat.
Schon Dostojewski hat – leider auch erfolglos – die Russen gewarnt: „Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt.“ Wo nicht an Gott, nicht an ein zukünftiges Leben geglaubt wird, da wird alles möglich. Und – so möchte man hinzufügen – dann wird auch Allgemeinverwirrung mit hohem Pegelstand möglich, wie wir das zur Zeit – massiver denn je – erleben.

 

Die Lehre der Kirche (Bollwerk gegen Verwirrung)

Über Ideologie, Sprachverwirrung und verlorenen Hausverstand (Weihbischof Andreas Laun)

Bewahre uns vor Verwirrung und Sünde“, betet der Priester nach dem Vater?unser in der Heiligen Messe. Daß Christen „vor Sünde“ bewahrt werden wollen, ist klar, aber was ist die „Verwirrung“, von der hier die Rede ist? Warum wird sie in einem Atemzug mit der Sünde genannt? Hängt Verwirrung mit Sünde zusammen, wenn ja, wie? Ist „Verwirrung“ dasselbe wie Irrtum und wenn nein, was ist sie dann?
Der Reihe nach: Griechisch heißt der Teufel „Diabolos“, übersetzt der, „der durcheinander wirft“, der „Verwirrer“. Wenn „Verwirrer“ eine Wesensbezeichnung des Teufels ist, begreift man sofort: Der „Vater der Lüge“, wie Jesus den Teufel nennt (Joh 8,44), ist auch der große „Verwirrer“ und seine Verwirrungen führen immer auch zur Sünde.
Nach dieser ersten Orientierung ist klar: Die gemeinte „Verwirrung“ ist nicht die des Schülers, der die Zahlen seiner Mathe-Aufgabe durcheinanderbringt. Gegenstand der teuflischen „Verwirrung“, gegen die sich das Gebet der Kirche richtet, sind vielmehr verwirrte Gottesbilder, Menschenbilder, Weltbilder und „Wert-Systeme“. In Folge dieser Verwirrungen beginnen die Menschen, sich vor Gott zu fürchten, sich selbst nicht mehr zu achten, die Schöpfung nicht mehr zu verstehen. Sie fangen an, das Gute böse und das Böse gut zu nennen (Jes 5,20).
Wodurch unterscheidet sich Verwirrung von Irrtum? Zugegeben, die Grenzen zwischen Irrtum und Verwirrung sind fließend, jede Verwirrung ist auch Irrtum, jeder Irrtum neigt zur Verwirrung. Der Unterschied liegt wohl darin: Bloßer Irrtum unterläuft einem sachlichen, vernünftigen Menschen. Die Verwirrung hingegen entsteht aus der Vermischung von Irrtum und Absage an Vernunft und gesunden Hausverstand!
Darum ist sie schwer greifbar, so wenig auflösbar wie ein Vorurteil, in das sie oft hinein kristallisiert. Verwirrung ist immun gegen vernünftige Argumente, sie hat Ähnlichkeit mit einem Rausch: Angesichts meiner kritischen Analyse des Kirchenvolksbegehren sagte mir vor Jahren Kardinal Hans-Hermann Groer: „Ich habe die NS-Zeit erlebt, es war wie ein Rausch. Auch jetzt ist es so, mit Vernunft wirst Du nichts dagegen ausrichten!“ Und Papst Benedikt XVI. sagte einmal: Wer Kinder zwingt, Verwirrtes zu glauben, macht sie anfällig für Manipulation!
Einwand: Das macht doch niemand!
O Doch: Wer Kindern etwa einzureden sucht, jedes Kind könne wählen, ob es „Junge oder Mädchen“ sein wolle, verwirrt und begeht damit einen Miß?brauch, für den er bestraft werden sollte wie für anderen Mißbrauch auch! Ähnliches gilt für die heute „politisch korrekte“ und im Gesetz verankerte Frühsexualisierung der Kinder! Besonders gefährlich sind jene Verwirrungen, denen es gelungen ist, sich die Gestalt einer politischen Ideologie zu geben.
Und weiter: Manche Verwirrung nistet sich in das Lehrgebäude einer Wissenschaft ein wie ein Parasit in einen Wirtsorganismus und zerstört sie so von innen: Etwa der Glaube an einen magischen „Zufall“ als Erklärung für die fantastische Welt der Tiere und Pflanzen und sogar des Menschen! Und dies, obwohl dieser „Glaube“ durch keine Erfahrung gedeckt ist und sich jeder experimentellen Überprüfung entzieht, also dem Anspruch der wissenschaftlich-kritischen Vernunft absolut nicht entspricht!
Andere Beispiele für „Verwirrung“ sind: Der Rassismus und der damit verbundene Glaube an die Höherwertigkeit der eigenen Rasse, ebenso der marxistische Glaube an die „klassenlose Gesellschaft“, herstellbar durch Enteignung und Terror.
Und heute? Leben wir in einer Zeit der Vernunft ohne Verwirrung? Mitnichten: Jetzt versucht man, die Wirklichkeit nicht nur durch Technik zu verändern, sondern durch Neubestimmung von Begriffen! Als ob man die – tatsächlich wunderbare – Macht des Menschen über die Materie beliebig ausdehnen könnte, indem man den Wörtern einen anderen Sinn unterschiebt und den Dingen ihre Bezeichnung raubt! Es ist, als ob ein armes Land glaubte, es könne sich mit Geld-Druck-Maschinen über Nacht in ein reiches Land verwandeln! Aber wird aus dem Mond eine Sonne, wenn man, um den Mond nicht zu diskriminieren, auch den Mond Sonne nennt? Wird aus einem Dummkopf ein gescheiter Mensch, wenn man ihm ein Ehrendoktorat zuspricht? Wer würde sich von einem nur „Ehrendoktor der Medizin“ gerne behandeln lassen?
Ein aktuelles Beispiel für diese Art der Verwirrung, die sich zudem einer weiteren Verwirrung als Mittel bedient, ist der Streit gegen die Familie: Weil in den ideologischen Nachfahren des Marxismus bis heute das Dogma vererbt wurde, man sollte die Familie zerstören, verwirren sie gerne ihre Umwelt durch die Behauptung, sie hätten eben ein „anderes Verständnis“ von Familie. Etwa so, wie mir kürzlich eine einflußreiche Politikerin sagte:: „Für mich“ ist Familie überall dort, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen“!
Die Widervernünftigkeit dieser Art von Verwirrung läßt sich an diesem Beispiel besonders deutlich zeigen: Erstens sind die Wörter „für mich ist“ als Einleitung zu einer Sachverhaltsdarlegung Unsinn und verwirrend in einem, weil unterstellt wird, die Existenz oder Nicht-Existenz eines Sachverhalts sei abhängig von der subjektiven Befindlichkeit oder den Gefühlen des Redners. Man kann sagen: „Für mich sind 10 Grad unter Null noch nicht kalt“, weil der eine die Kälte leichter aushält als der andere, aber man kann nicht sagen: „Für mich hat es heute Minus 10 Grad“, weil jedes Kind versteht, daß die Temperatur so ist, wie sie ist, und für alle Menschen „gleich“, auch wenn sie sie „ungleich“ empfinden.
Zurück zum Familienbegriff: Wenn jemand die Situation der Verantwortung eines Menschen für andere „Familie“ nennt, müßte er folgerichtig auch die Belegschaft eines Gefängnisses, eine Schule oder ein Krankenhaus „Familie“ nennen und eigentlich auch jede Großstadt, weil es in jeder Stadt einen Bürgermeister und eine Stadtregierung gibt, die eine gewisse „Verantwortung“ für die Einwohner der Stadt tragen, also „Familie“, auch wenn es Millionen sind!
Man spürt die Absicht: Mit der Vernebelung dessen, was Familie ist und, alles in allem, seit Beginn der Menschheit so genannt wurde, will man die Familie abschaffen und so die Gesellschaft in eine letztlich familienlose Menge von Einzelmenschen umbauen. Dann ist es folgerichtig, die Kinder von der Krippe bis zum Schulabschluß zu verstaatlichen, die Frauen in die Arbeit zu locken und bei all dem so zu handeln, als wäre der Staat der Großbesitzer seiner Bürger…
Eines zeigt die Geschichte jedenfalls: Kleine Verwirrungen bringen kleine Übel hervor, aber große Verwirrungen sind höchst gefährlich! Einfacher gesagt: Die Leugnung der Vernunft ist eine Katastrophe für die Menschen, auch wenn diese oft erst zeitverzögert ausbricht.
Das alles wirft die drängende Frage auf: Und was schützt vor Verwirrung, was hilft, die Menschen gegen sie zu immunisieren, welche Möglichkeiten gibt es, sie zu durchschauen und wieder frei von ihr zu werden? Die Antwort ist eigentlich einfach: Der erste Imperativ des Gewissens, sagt der Philosoph Josef Seifert, lautet: „Suche die Wahrheit!“ Man könnte auch sagen: Liebe die Wahrheit, hange ihr an mit der ganzen Kraft deiner Seele, bleibe ihr treu!
Tu dies, sagt das Gewissen weiter, selbstkritisch, demütig, lernbereit, aber auch bereit zu Widerstand und Opfer um der Wahrheit willen. Es handelt sich bei dieser Wahrheitssuche um eine Art Keuschheit des Verstandes, der sich von jeder Verführung durch Lüge, durch die Anpassung an das, was „man“ denkt, durch den Glanz einer Idee, die dem eigenen Ego schmeichelt, fernhält. Wenn Verwirrung mit dem Verlust des Hausverstandes einhergeht, kann man sie nur besiegen durch Rückkehr zu eben diesem Verstand! So, wie man Dehydrierung in einer Wüste nur durch Trinken von Wasser, viel, viel Wasser hintanhalten kann!
Der Glaube baut auf der natürlichen Tugend der Wahrheitsliebe auf. Er kann der natürlichen Vernunft auf eine unerhört neue, positive Weise weiterhelfen, wo sie, auf sich und ihre eigenen Kräfte allein angewiesen, möglicherweise scheitern würde: Denn der Glaube verweist auf die vom verwirrten Zeitgeist so oft verspottete „gesunde Lehre“ der Kirche (2 Tim 4,3)! Diese schützt und immunisiert besser als alles andere gegen die „Fabeln“ der jeweiligen Zeit, wie Paulus, aber auch Petrus die Verwirrungen nennen (1 Tim 4,7; Tit 4,4, 2 Petr 1,16).
Wahr ist zwar, daß z.B. in der Nazi-Zeit auch Katholiken, und nicht nur Ungebildete, auf Hitler hereingefallen sind. Und doch bleibt ebenso wahr: Jene Menschen, die sich wirklich konsequent und „mit Hirn“ an die Kirche hielten, blieben immun. So bleiben auch heute jene immun, die sich „auf den Felsen Petri“ flüchten und die Welt, ihre Ideologien und Verwirrungen „von dort oben“ her in den Blick nehmen und durchschauen. In einem anderen Bild: Wer in das Spinnenetz einer ideologischen Verwirrung geraten ist, wird die klebrigen Fäden kaum mit eigener Kraft entwirren oder zerreißen können.
Mit dem Bild des hl. Paulus (Eph 6,13ff) kann man nur raten: „Ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag widerstehen und, wenn ihr alles ausgerichtet habt, stehen bleiben könnt! So steht nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, bekleidet mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft zur Verkündigung des Evangeliums des Friedens! Bei alledem ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Pfeile des Bösen“ – und hier könnte man einfügen: die Pfeile der Verwirrung – „auslöschen könnt! Nehmt auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist Gottes Wort!“

Weihbischof Andreas Laun
 

Ordnung in den inneren Haushalt bringen

Gespräch über die Rolle des Psychotherapeuten (Univ. Doz. Raphael Bonelli; Christof Gaspari)

Immer mehr Menschen suchen Hilfe bei Psychotherapeuten. Was veranlaßt sie, solche Beratung in Anspruch zu nehmen? Ist Desorientierung und Verwirrung einer der Gründe dafür?

Inwiefern ist der Psychotherapeut mit Verwirrung konfrontiert?

Univ. Doz. Raphael Bonelli: Es ist sein tägliches Brot, daß zu ihm Menschen kommen, die nicht mehr recht wissen, wie es weitergeht. Viele Patienten suchen beim Therapeuten Hilfe, um die Dinge in ihrem Leben zu ordnen. Da denke ich an eine Passage im ersten Hochgebet: „Ordne unsere Tage in deinem Frieden…“ Verwirrung und Unordnung haben viel miteinander zu tun. Man verliert den Überblick, kann nicht mehr Prioritäten richtig setzen. Ein Beispiel: Sie pumpen etwa massiv Liebe in die „Übernächsten“, der eigene Mann, die eigene Frau werden jedoch links liegen gelassen. Das ist eine Störung der Prioritätensetzung, aber eben auch eine Orientierungsstörung. Eine andere: Die Mutter liebt den Sohn mehr als den eigenen Mann, spielt ihn – vielleicht unbewußt – gegen den Mann aus. Die Folge: Aggression des Partners gegen den Sohn, des Sohnes gegen den Vater, also große Unordnung im Gefüge der Familie – und damit Verwirrung. Noch ein Beispiel: Ein Mann liebt seine Mutter mehr als die eigene Frau – Ursache von so vielen Schwiegermutter-Schwiegertochter-Konflikten. Die erwähnten Konstellationen von Verwirrung sehe ich als systemischer Psychotherapeut (früher hat man Familientherapeut gesagt) relativ häufig. Es gibt eine zweite Form von Verwirrung…

Sie sprechen von Unordnung: Setzt das nicht voraus, daß Sie eine Vorstellung von anzustrebender Ordnung haben? Heute werden doch die unterschiedlichsten Familienmodelle gepusht.
Bonelli: In den theoretischen, ideologischen Diskussionen werden tatsächlich andere Familienmodelle propagiert. Aber in der Psychotherapie wird man mit der Realität konfrontiert, dem Leben der Menschen; dann merkt man, daß es die erwähnten Hierarchien der Liebe ganz klar gibt. Die Menschen geben das auch zu: Man sollte die eigene Frau mehr lieben als die Mutter, den Ehepartner mehr als die Kinder… Wo da Verschiebungen stattfinden, erfährt der Mensch das als Unordnung.

Gibt es diesbezüglich also doch einen gesunden Hausverstand?
Bonelli: Gesunder Hausverstand ist mir fast zu wenig. Es gibt so etwas wie einen Instinkt für die menschlichen Grundgegebenheiten: Was dem Menschen gemäß ist. Tief im Inneren haben die Menschen ein Gespür für das, was sie sind und was paßt. Aber das wird oft von Gefühlen überlagert, die in die andere Richtung ziehen. Wer von der Mutter gefühlsmäßig abhängig ist, sieht das Problem nicht klar. Aber das Prinzip, daß man seine Frau mehr lieben soll als die Mutter, erkennt jeder an, sobald er etwas Abstand nehmen kann.

Sie wollten eine zweite Form von Verwirrung erwähnen…
Bonelli: Ja, daß Menschen das, was sie schlecht machen, gut nennen: Man macht aus einem Defekt eine Tugend. Da sagt jemand beispielsweise nicht: „Ich bin egoistisch“, sondern: „Ich habe einen starken Willen und gehe meinen Weg.“ In der Psychotherapie kann man solche Sichtweisen hinterfragen und damit den Patienten zum Nachdenken bringen. Was ich allerdings häufig sehe: Solange Menschen ihre schlechten Taten gut nennen, können sie sich nicht ändern. Wenn einer sagt: „Meine Mutter hat mir das Leben geschenkt, ich muß alles für sie tun. Meine Frau tut Unrecht, wenn sie mehr Aufmerksamkeit fordert“, wird er sich nicht ändern. Erst wenn jemand erkennt, daß dieser Vorrang der Mutter auf einer tiefsitzenden Abhängigkeit beruht, kann es zu einem Aha-Erlebnis kommen. Die erwähnten Prioritäten in der Liebe scheinen mir so etwas, wie ein unausgesprochenes Allgemeingut der Psychotherapie zu sein. Daß jemand beispielsweise ein Kind dem anderen vorzieht, wird allgemein als ungerecht angesehen.

Wie führt man jemanden zur Erkenntnis der Grundordnung?
Bonelli: Ich versuche, Patienten auf ihre subjektive Ordnung anzusprechen. „Was ist Ihnen am wichtigsten?“, frage ich. Wenn es dann heißt: „Erstens Erhalt der Ehe, zweitens Erhalt der Arbeit, drittens psychisches Wohlbefinden“, kann ich darauf hinweisen, daß offenbar die Ehe wichtiger ist als das eigene Wohlbefinden. Also müsse er das Wohlbefinden, das ihm die Freundin bereitet, aufgeben, die Zeit, die er mit Golfspielen verbringt, im Interesse der Familie einschränken. Das praktisch umzusetzen, ist schwer, weil man eben schwach ist, weil einem die kurzfristige Befriedigung momentan wichtiger erscheint als das langfristige Glück. Eine häufige Quelle der Verwirrung ist darin zu sehen: Man gibt der kurzfristigen Befriedigung Vorrang vor dem langfristigen Glück.

Gibt es also eine Verwirrung bezüglich der Ordnung, zu der man sich eigentlich bekennt?
Bonelli: Ja, viele Menschen würden etwa sagen: Familie ist mir am wichtigsten. Aber dann tun sie alles für die Karriere und lassen die Familie links liegen. Spricht man sie darauf an, antworten sie: „Ich mache die beruflichen Anstrengungen nur für die Familie! Karriere nur, um Haus zu bauen, damit die Familie glücklich dort lebt.“ Das Ergebnis: Der Mann sitzt allein im großen Haus. Die Frau hat das Alleinsein nicht mehr ausgehalten. Dieses Verabsolutieren von Teilzielen ist eine Form der Verwirrtheit. Aufgabe der Psychotherapie ist die Klarstellung der Prioritäten des Patienten und die Hilfestellung, diese im Leben auch zu verwirklichen.

Gibt es eine Form der Verwirrung, die Sie bei gläubigen Menschen häufig antreffen?
Bonelli: Gläubige Christen haben oft besonders hohe Ideale. Sind sie sich der Liebe Got?tes aber nicht sicher, tun sie sich schwer, ihre Defekte und Sünden zu erkennen. Sie glauben, sie müßten fehlerlos sein, perfekt. Das führt leicht zum Selbstbetrug. Sie sagen dann: Die Kirche verbietet zwar – aber mir nicht, weil… Da gibt es absurde Konstruktionen, um den Schein zu wahren. Man spielt vor sich selbst ein Doppelleben. Das gilt übrigens für alle Menschen, die sich die Latte sehr hoch legen. Ein krasses Beispiel, das mir untergekommen ist: Ein linker „Grüner“, der große, schnelle Autos liebt! Seine Rechtfertigung: Er fahre das Auto nur, damit es kein anderer tut, denn er fahre ja nur selten. Analoges findet man oft in religiösen Kreisen.

In jeder Heiligen Messe betet der Priester: „Bewahre und vor Verwirrung und Sünde“. Erkennt der Psychotherapeut, daß Verwirrung und Sünde zusammenhängen?
Bonelli: Verwirrung erleichtert die Sünde. Der Ehebruch ist ein typisches Beispiel. Wer heiratet, will im allgemeinen treu bleiben. Zuerst spielen die Gefühle mit und alles erscheint einfach. Später wird es schwieriger. Die Verwirrung besteht dann darin, daß man sich sagt: Wahrscheinlich würde es der Ehe gut tun, wenn ich emotional stabiler bin… Im Vorfeld der Sünde tritt also Verwirrung auf. Oder man sagt : Es ist gar nicht so schlimm, wir halten ja nur Händchen… Bei zölibatären Menschen mit Problemen in diesem Bereich heißt es: Es ist ohnedies alles rein platonisch – so glaubt man, auch wenn die Beziehung klar erotisch ist. Dann heißt es wiederum: Ich brauche das jetzt. Endlich kümmert sich jemand emotional um mich. Oder: Man fühlt sich verantwortlich für die Person, mit der man die ehebrecherische Beziehung eingegangen ist, und verpflichtet, die Beziehung aufrechtzuerhalten. Totale Verwirrung also.

Aus eiskaltem Kalkül wird wohl seltener gesündigt.
Bonelli: Ja, Lüge und Selbstbetrug spielen eine große Rolle. Die Emotionen tragen wesentlich dazu bei. Sie können den Menschen richtig hineinlegen. Daher wird in der Psychotherapie versucht, die Emotionen zu relativieren. Sie sind kein Wahrheitsdetektor. Viele sagen: Ich spüre das so. Dann antworte ich: Aber morgen spüren sie es wahrscheinlich anders. Ihre jetzige Emotion ist eine Momentaufnahme. Zu erkennen: Ich bin nicht nur mein jetziges Gefühl, ist eine wichtige Einsicht. Mag sein, daß man in früheren Zeiten Emotionen zu wenig beachtet hat. Heute ist es umgekehrt. Deswegen gehen auch so viele Ehen in Brüche. Frauen sagen: Ich spüre nichts mehr. Aber man ist ja nicht verheiratet, um etwas zu spüren!


Bei näherem Bedenken: Wird da nicht offenbar, daß starke Gefühlsbetontheit leichter verwirrbar macht?
Bonelli: Personen mit den meisten Emotionen und großen Gefühlsschwankungen hat man früher hysterisch genannt. Jetzt sagt man histrionisch. Und von diesen Personen weiß man, daß sie am meisten manipulierbar, verführbar sind, was auch ein Form der Verwirrung darstellt. Gefühle tragen meiner Ansicht nach viel zur Verwirrung bei.

Heute gehört es dazu, daß sehr viel mit dem Gefühl argumentiert wird, daß man an das Gefühl appelliert…
Bonelli: Gefühle sind nicht nur gut. Sie sind dann gut, wenn sie uns zu einer guten Handlung hinziehen, aber schlecht, wenn sie zum Schlechten drängen. Es geht nicht darum, die Gefühle zu unterdrücken, wohl aber darum, mit ihnen richtig umzugehen. Jesus Christus, der perfekte Mensch, hatte Gefühle: Er hat geweint, war mitleidig, von Zorn erfüllt… Gefühle zu haben, ist gut, aber man darf sich nicht von ihnen beherrschen lassen. Affektive Reife bedeutet, Gefühle mit der Vernunft bewerten zu können. Man sieht es am Beispiel der Angstgefühle. Da geht es auch darum, sie nicht immer absolut ernstzunehmen. Das würde sie nur steigern. Man muß lernen, mit Angstgefühlen umzugehen, sie zu relativieren, sie vielleicht auch mit Humor zu entschärfen. Angst ist ein schlechter Ratgeber; sie macht unfrei. Die Psychotherapie lehrt die Menschen, Angstgefühle– etwa die Höhenangst – richtig zu bewerten: daß sie übertreibt, daß die eigene Wahrnehmung durch das Gefühl getrübt ist. Dadurch wird der Mensch freier. Das gilt für alle Gefühle: Sie sind subjektiv und brauchen eine vernünftige Bewertung.


Bringt eine gute Psychotherapie also Ordnung in den menschlichen Haushalt von Wille, Verstand und Emotion?
Bonelli: Ja. Hier Ordnung zu schaffen, hilft aus der Verwirrung. Die Kardinaltugend der Mäßigung bedeutet nach Josef Pieper, „in sich selbst Ordnung zu verwirklichen“. Das ist mir als Psychotherapeut ein ganz wichtiger Leitsatz geworden.
 

Im Dschungel von Prophezeihungen

Die notwendige Vorsicht im Umgang mit Privatoffenbarungen (Urs Keusch)

Erscheinungen, Offenbarungen, mystische Erfahrungen haben Hochkonjunktur. Wie schwer ist es, das, was hilfreich ist, von dem zu unterscheiden, was Verwirrung stiftet und in die Irre führt. Im folgenden ein Versuch, in dieser Frage etwas Klarheit zu schaffen.
Viele, sehr viele Menschen heute glauben, daß sie glauben, verlassen sich aber nicht wirklich auf Gott, sondern machen sich unaufhörlich Sorgen über die Dinge, die Gott allein für uns tragen kann: die Angst vor der Zukunft, vor Terror, Krieg, Umweltkatastrophen, die Angst vor dem Altwerden und die Angst um unsere Kinder. Weil wir uns nicht wirklich auf den Herrn verlassen, unsere Hoffnung nicht wirklich in seine wunderbare Vorsehung hinein bauen: darum fürchten wir uns nach allen Seiten.
Und von da her kommt so viel Unruhe: die Sucht nach Zeichen, nach Wahrsagerei, Wundern, Prophezeiungen und Offenbarungen – und das weltweit. Wir möchten mehr wissen, als uns im Licht des Glaubens gezeigt wird und Gott uns im Gebet offenbart. Von da her kommt dann auch viel Verwirrung im Glauben, Parteiungen in der Kirche, Mangel an Weisheit und Liebe.
Wir werden immer wieder an den Kirchenlehrer der Mystik, Johannes vom Kreuz, erinnert, der einmal sagt: „Man muß überzeugt sein, daß alle Visionen, Offenbarungen und übernatürlichen Empfindungen und was man sonst noch Hohes denken kann, viel weniger wert hat als der geringste Akt der Demut“.
Vom Hl. Don Bosco wird erzählt, wie er in einer Vision sah, daß von allen Seiten Wasser in das Schiff der Kirche eingedrungen sei, um es zu versenken. Damit haben wir eine Vision, die sich erfüllt. Ein solches Wasser ist – nebst manchen andern - auch die falsche Mystik, die Pseudomystik, die heute als Botschaften, Offenbarungen, geschwätzige Ansprachen von Verstorbenen, Prophezeiungen per Internet sekundenschnell über den Globus verbreitet und von „katholischen“ Verlagen in Schriften und Büchern herausgegeben werden, ohne daß man diese einer kirchlichen Prüfung vorgelegt hat, ja bisweilen in offenem oder verkapptem Ungehorsam gegenüber der Kirche.
Unberücksichtigt bleiben die geistlichen Folgen, die das für viele unwissende Menschen hat. Ein Beispiel: das Werk Der Gottmensch von Maria Valtorta, das am 16.12.1959  vom Heiligen Offizium (heute Glaubenskongregation) auf den Römischen Index der verbotenen Bücher gesetzt wurde. Auf Anfrage hin hat Kardinal Joseph Ratzinger 1985, damals Präfekt der Glaubenskongregation, in einem Brief bestätigt, daß dieses Werk vom Heiligen Offizium ein „‘Schlecht romantisiertes Leben Jesu‘ genannt wurde...“
Ferner schreibt er, daß man dieses Werk „nicht leichtfertig verurteilt hatte, sondern nach gründlichen Überlegungen, um die Schäden zu neutralisieren, die jene Veröffentlichung gerade bei den einfachen Gläubigen hervorrufen kann“ und daß der Index der Kirche „trotz seiner Abschaffung [im Jahre 1966] seinen moralischen Wert behielt“ (Brief vom 31. Januar 1985 an Kardinal Giuseppe Siri, Erzbischof von Genua).  
Viele gutgläubige Menschen sind sich nicht bewußt, daß heute in dem ganzen Umfeld des sogenannten „Übernatürlichen“, wo jeder schreiben und publizieren kann, was er will, nicht geringe Gefahren für die Seele und den persönlichen Glauben bestehen, wie ich das als Priester an vielen Menschen beobachtet habe: Nicht wenige Menschen geraten in tiefe innere Krisen, wenn sie erleben müssen, wie alles anders kommt, als prophezeit wurde, oder sich herausstellt, daß die Dinge, an die sie einmal so geglaubt und auf die sie gehofft haben, nicht „von oben“ kamen. Immer wieder begegne ich Menschen, die mir gestehen, daß ihr unkirchlicher Glaube an Prophezeiungen und Offenbarungen ihnen seelisch schwer geschadet habe, manche haben sich von der Kirche ganz abgewandt.
Eine Frau mittleren Alters sagte mir neulich: „Solange ich an Botschaften und Prophezeiungen glaubte, war ich innerlich immer gedrückt, ja, depressiv, meine ganze Familie litt darunter. Ich konnte mich am Leben gar nicht mehr recht freuen, weil mir immer die Angst im Nacken saß.“ Kinder solcher Familien sagen mir: „Wir haben nichts als Angst gehabt vor kommenden Katastrophen und Finsternissen, vor Krieg und Hungersnot.“
Das für mich erschütterndste Beispiel ist ein alter frommer Mann, der sehr viel gebetet hat und dem ich über mehrere Jahre die heilige Kommunion nach Hause brachte. Er sagte mir noch kurz vor seinem Sterben: „Ich habe fast alles an Privatoffenbarungen und Botschaften gelesen und daran geglaubt, weil ich die Muttergottes nicht zurückweisen wollte. Ja, ich habe mich deswegen sogar mit unserem Pfarrer überworfen, weil ich meinte, er glaube gar nicht wirklich. Nun bin ich bald 90, und alles ist anders gekommen, als immer gesagt wurde. Wie habe ich doch gehofft, Gott greife ein und vernichte das Böse in der Welt und es komme ein Sieg und ein Friede, statt dessen ist in den letzten Jahren alles nur noch viel schlimmer gekommen... Glauben Sie mir, manchmal habe ich Zweifel, ob nicht alles, was ich sonst glaube, [er meinte damit seinen christlichen Glauben] auch eine Täuschung ist?“...
Es erzählen mir Menschen – und man liest davon überall in religiösen Zeitschriften und Büchern –, was sie an „Gnadenorten“ alles an Wunderbarem erlebt hätten: ein untrüglicher Beweis für die Echtheit eines „Gnadenortes“. Seher und Seherinnen hätten Voraussagen gemacht, die wirklich eingetroffen seien, sie hätten diese erlebt bei Ekstasen, beim Schweben über dem Boden, sie hätten ihre Wundmale fotografieren können, Zeichen von Blut seien sichtbar auf Taschentüchern erschienen, ihr Rosenkranz habe sich in Gold verwandelt, auf einer Fotografie sei Jesus erkennbar, die Sonne habe am Himmel getanzt …
Wenn das subjektiv auch alles so erlebt wurde und Ergriffenheit ausgelöst hat, so sollte man doch wissen, daß das alles keine Beweise für die Echtheit, die Göttlichkeit einer Erscheinung sein müssen. Die Kirche hat das immer gewußt, darum hat sie seit den apostolischen Anfängen bis heute immer zu größter Vorsicht solchen „mystischen Phänomenen“ gegenüber gewarnt, weil in diesem Bereich schon die unglaublichsten Verirrungen in der Kirche geschehen sind, die Menschen in große Glaubensnot gebracht haben.
Was wir heute weltweit erleben – das Überborden des Pseudomystischen - ist der Kirche nicht fremd. So schreibt August Poulain in seinem „Handbuch der Mystik“: „Im 12. Jahrhundert beklagt sich der hl. Bernhard, daß man bis zum Überdruß von Weissagungen über das Unglück der Kirche und das Ende der Welt höre... Gerson, der am Konzil von Konstanz teilnahm [1414-1418], wo das Schisma beigelegt wurde, sagt, daß die Zahl heiliger und abgetöteter Personen, die falsche Offenbarungen hätten, unglaublich groß sei... Am Anfang des 16. Jh. waren die politisch-religiösen Propheten in Italien zu einer wahren Plage geworden... Religiosen und Einsiedler erklärten die Apokalypse, weissagten von der Kanzel und auf öffentlichen Plätzen Aufruhr, Revolutionen und dann das Ende der Welt. Auf dem Laterankonzil 1516 mußte Leo X. durch eine Bulle das öffentliche Prophezeien der Prediger verbieten“ (Siehe auch das Beispiel im Kasten unten).
Wenn wir der Hl. Schrift und vielen Heiligen glauben wollen, wird die Verführung der Gläubigen in den Zeiten des Antichrists unvorstellbare Dimensionen annehmen. Wir erleben heute so etwas wie ihre Ouvertüre. „Denn in der letzten Zeit vor dem Ende wird es zahlreiche falsche Propheten geben und Leute, die den Glauben zerstören. Schafe werden sich in Wölfe verwandeln und Liebe in Haß. Wenn die Haltlosigkeit zunimmt, werden die Menschen einander hassen, verfolgen und ausliefern. Dann wird der Weltverführer erscheinen und sich als Sohn Gottes ausgeben. Er wird Zeichen und Wunder tun, er wird die Erde beherrschen und Schandtaten anrichten, wie es dies seit Bestehen der Welt nicht gegeben hat. Dann kommen die Menschen in die Feuerprobe der Bewährung. Viele werden vom Glauben abfallen und verlorengehen. Die, die geduldig in Treue aushalten, werden gerettet und nicht verflucht“ (Zwölfapostellehre).
Es ist die Liebe und Klugheit einer Mutter, die auf 2000 Jahre Erfahrung zurückschaut, wenn die Kirche all diesen Dingen (auch Marienerscheinungen) gegenüber zurückhaltend ist und sein muß und die Gläubigen zu Zurückhaltung und Gehorsam ermahnt. Leider findet die Kirche oft nur wenig Verständnis und Gehorsam – und so werden dem Bösen, der Verwirrung und der Respektlosigkeit Tür und Tor aufgestoßen.
Und doch geht es der Kirche immer nur um dieses eine: Daß das prophetische Charisma in der Kirche rein bewahrt bleibe und sich zum Segen für die Kirche auswirke, denn nur so können echte, vom Himmel gewirkte Gnadenorte (wie z.B. Lourdes und Fatima und der ganze Reichtum wahrer Mystik vieler Heiliger in der Kirche) vor dem Zweifel und der Herabsetzung geschützt werden.
Es ist kein Wunder, daß im Zuge vieler falscher Erscheinungen der letzten Jahre auch echte Gnadenorte in Frage gestellt wurden und Priester und Gläubige sich innerlich davon abgekehrt haben, vor allem dort, wo der Ungehorsam in Pfarreien und Gebetsgruppen Spaltpilze hat sprießen lassen. Dazu sagt schließlich der Hl. Franz von Sales:
„Alles ist gesichert im Gehorsam, alles ist verdächtig, was außerhalb des Gehorsams geschieht... Wer sagt, er habe Eingebungen, und sich weigert, den Vorgesetzten zu gehorchen und Ratschläge zu befolgen, der ist ein Betrüger. Alle Propheten und Prediger, die von Gott erleuchtet waren, haben immer die Kirche geliebt, immer ihrer Lehre angehangen... Daher sind die außergewöhnlichen Sendungen teuflische Illusionen und nicht himmlische Einsprechungen, wenn sie nicht von den Hirten, die die kirchliche Sendung haben, anerkannt und gutgeheißen sind, denn damit stimmen Moses und die Propheten überein“ (Abhandlung über die Gottesliebe, II. Teil).

(*) Hermann:
1. Ich kann zwar die Bedenken zum Werk "Der Gottmensch" ein wenig nachvollziehen, aber niemals hätte es auf den Index gesetzt werden dürfen, denn es ist eine sehr große Hilfe für uns Christen um Jesus besser zu verstehen und vor allem sieht man hier seine so große Liebe zu den Menschen und vieles mehr. Vielleicht sah man in dem Werk eine Art "Konkurrenz" oder anderes, aber dieses Werk führt zu Jesus. Jesus nennt am Schluss des Werkes die Gründe, warum er es diktierte, siehe hier ganz unten unter 714.  ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN ZUM WERK.
Auszug: 
In den Priestern und Laien soll eine lebendige Liebe zum Evangelium und zu dem, was Christus betrifft, geweckt werden. Vor allem eine erneuerte Liebe zu meiner Mutter, in deren Fürbitte das Geheimnis des Heils der Welt liegt. Sie, meine Mutter, ist die Siegerin über den verfluchten Drachen. Stärkt ihre Macht durch eure erneuerte Liebe zu ihr und durch den erneuerten Glauben und die erneuerte Kenntnis dessen, was sich auf sie bezieht. Maria hat der Welt den Heiland geschenkt. Die Welt wird auch durch sie gerettet werden..

2. Medjugorje:
Die Kirche ist immer vorsichtig mit Erscheinungen, gerade jetzt, in Zeiten großer Veränderungen. Doch in Bezug auf Medjugorje kann ich beruhigen: es ist echt, das kann ich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen bestätigen und zwar 100%ig. Ich verstehe aber, dass viele sich damit schwertun. Ich rate dazu, selbst hinzufahren. Kaum in einem anderen Ort der Erde wird soviel gebetet, gebeichtet und innig die Hl. Messe gefeiert. Ich kenne den Ort seit 1987, damals noch sehr arm und einfache Leute.
NIE hätten Kinder in diesem ehemals kommunistischen Land etwas so großes inszenieren können, denn sie wurden sehr schikaniert...
Die Botschaften rufen zur persönlichen Umkehr zu Gott auf, Zeugen zu sein, zu beten und beichten, also zu den Grundelementen unseres Glaubens!
Mehr dazu hier: Medjogorje, der größte Gnadenort der Gegenwart

Ansonsten aber muss man mit den vielen Botschaften dieser Tage schon etwas vorsichtig umgehen!  Es gilt aber die Sakramente und das Gebet zu pflegen und treu zur Kirche zu stehen, dann irrt man nicht.
 

 
Verwirrung

Magdalena vom Kreuz

Geschichte einer Täuschung (Urs Keusch)

Was für unglaubliche dämonische Täuschungen möglich sind, zeigt das folgende Beispiel. Ich halte mich in meinen Ausführungen an das klassische „Handbuch der Mystik“ von August Poulain und ergänze den Bericht durch Aufzeichnungen von J. Görres in seinem Werk „Christliche Mystik“.
Magdalena vom Kreuz wurde im Jahre 1487 geboren und trat mit 17 Jahren in das Franziskaner-Elisabethenkloster von Cordoba/Spanien ein. Schon bald erlangte sie den Ruf außerordentlicher Heiligkeit. Dreimal war sie in diesem Kloster Äbtissin. Sie vollbrachte, so wird berichtet, „alle Wunderwerke Gottes“: Ekstasen, Levitationen (Schweben), hatte Erscheinungen von Heiligen, von Jesus Christus, sagte zukünftige Ereignisse voraus, die auch eingetroffen sind (z.B. die Gefangenschaft König Franz I.). Sie trug die Wundmale des Herrn an sich und ernährte sich elf Jahre lang ausschließlich von der Hl. Kommunion.
Nicht nur das Volk war überzeugt, sie sei eine große Heilige, sondern es gelang ihr, die angesehensten Leute zu täuschen: Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe, Herzoge, Gelehrte, Ordensmänner. „Man redete von ihr durch die ganze Christenheit. Die Prediger rühmten sie auf den Kanzeln, und alle andern huldigten ihr in gleicher Weise, ohne irgendeinem Zweifel an ihrem Verdienst und ihrer Heiligkeit Raum zu geben. Sie war der Gegenstand der zartesten Zuneigung aller Beichtväter des Klosters und der Provinziale des Ordens“ (Görres). Viele suchende Menschen „glaubten, in ihrer Lebensweise einen neuen Weg zu sehen, um zur Heiligung zu gelangen“. Man überhäufte sie mit Almosen, die so reichlich waren, daß sie damit fast das ganze Kloster von Grund auf neu bauen konnte. Von allen Seiten kamen angesehene Leute, um sie um Rat zu fragen...
Dieser Frau gelang es – wer hält es für möglich? - 38 Jahre lang alle Menschen zu täuschen: Sie sagte gegen Ende ihres Lebens aus, daß ihr mit fünf Jahren ein Dämon in Gestalt eines Engels des Lichtes erschienen sei und ihr verkündet habe, sie sei berufen, eine große Heilige zu werden, und er habe sie mit Stolz, Eitelkeit und Sinnlichkeit erfüllt. Er habe sie aufgefordert, ein frommes Leben zu führen.
Die Erscheinungen dieses „Lichtengels“ hätten sich im Laufe der Jahre wiederholt und sie immer tiefer in diese dämonische Abhängigkeit geführt. Mit zwölf Jahren habe sie schon als Heilige gegolten, habe viele gute Werke und (falsche) Wunder vollbracht. Sie habe Erscheinungen vieler Heiliger gehabt. Sie sagte auch aus, daß sie mit Hilfe ihres Geistes bisweilen das Kloster verlassen und ein anderes Kloster besucht habe. Dort habe sie alles gesehen, was sich zugetragen habe und es dann auch erzählt, um ihr geheimes Wissen zu beweisen. Sie gestand auch viele falsche Offenbarungen, Heilungen, Erscheinungen von Seelen, Engeln, Dämonen. Auch die Nahrungslosigkeit während elf Jahren und ebenso ihre Stigmata seien nicht echt gewesen. „Als der Tod näher kam, gestand sie alles öffentlich und bereute ihre Fehler. Man mußte den Exorzismus anwenden, um die Macht des Teufels über sie zu brechen. Sie wurde dann in ein anderes Kloster ihres Ordens geschickt, wo sie starb“ (A. Poulain).
Das ist nur ein Beispiel von vielen, die wir aus der Geschichte der christlichen Mystik kennen bis hinauf in unsere Tage. Daß es einer Frau im Kraftfeld dunkler seelischer und geistiger Mächte gelingt, die größten Theologen, Bischöfe, Kardinäle, Inquisitoren und Hofleute 38 Jahre lang geistig in ihren Bann zu ziehen und sie zu täuschen, das dürfte zu unserer Warnung aufgeschrieben sein.


Die verwirrende Sprache der Esoterik

Gespräch mit einem Experten für „Neue Religiosität“ (P. Clemens Pilar COP)

Begriffe, die früher eine spezifisch christliche Bedeutung hatten, werden heute von esoterischen Weltanschauungen mit anderen Inhalten gefüllt. Wird das zur Quelle von Verwirrung?

P. Clemens Pilar: Viele Christen schwimmen auf der Welle einer neuen Religiosität mit. Weil viele von ihnen so wenig im Glauben geschult sind, erkennen sie nicht, daß die Begriffe in unterschiedlicher Weise verwendet werden. Ein Beispiel ist der Christus-Begriff. Jesus Christus hat nämlich auch in der neuen Religiosität, die Elemente aus verschiedenen religiösen Traditionen zusammenmischt, eine Bedeutung neben anderen Religionsstiftern. Allerdings wird Er da nur als Lehrer gesehen, nicht als Erlöser. Er ist ein – sogar besonders erleuchteter – Lehrmeister, der zeigt, wie man einen Weg der Erlösung gehen kann. Aber Er ist nicht der, der den Menschen aus Sünde und Tod rettet. Dieser Meister bietet sich dann auch an, verschiedene religiöse Praktiken quasi zu taufen. Ein Beispiel: Im Yoga wird Jesus als der große Yogi beschrieben. Es gibt sogar ein Buch über „Jesus Yoga“. Und so gibt es ein Yoga der Seligpreisungen…

Was kann man sich darunter vorstellen?
P. Pilar: Da werden Körper?übungen aus dem Hata-Yoga genommen und, während man diese Übungen macht, betrachtet man Stellen aus den Seligpreisungen. Sich bei der Betrachtung des Wortes Gottes körperlich zu betätigen, mag vordergründig durchaus möglich sein. Aber man handelt sich damit den Yoga-Gedanken ein, daß der Mensch den Weg „von unten nach oben“ geht, sich also auf das Göttliche zubewegt. Aus dieser Sicht kommt es auf das Tun des Menschen an. Die christliche Botschaft ist jedoch, daß es primär auf das Tun Gottes ankommt: Gott wird Mensch, Er kommt dem Menschen entgegen. Da erkennt man, daß durch das Hereinnehmen von Elementen aus anderen Religionen in das Christliche, die Botschaft Christi ausgehöhlt wird. Genauer gesagt: Sie wird auf den Kopf gestellt.

Gibt es weitere Beispiele?
P. Pilar: Ja, die Meditation. Sie hat selbstverständlich auch in der christlichen Glaubenspraxis ihren Platz. Für uns Christen ist Meditation das Betrachten des Lebens Jesu als Antwort darauf, daß Gott gekommen ist. Man denke an die wunderbaren Schriften von Ignatius von Loyola, wo die Betrachtung des Lebens Jesu einen entscheidenden Stellenwert für die Unterscheidung der Geister hat. Weil Jesus da ist, kann ich Ihm im Gebet auch begegnen. Entscheidend ist da, daß das Tun Gottes zuvor kommt. Die östlichen und esoterischen Wege der Meditation werden als Methoden verstanden, durch die der Mensch von sich aus die Vereinigung mit dem Göttlichen erreichen kann. Demgegenüber weist ein römisches Schreiben aus dem Jahre 1989 darauf hin, daß man durch die Techniken der Meditation gewiß eine tiefe Seinserfahrung machen kann, Gottesbegnung ist aber immer ein reines Gnadengeschehen und nicht durch eine Methode des Menschen machbar.

Ist nicht auch das Wort „vereinigen“ doppeldeutig?
P. Pilar: Die Vereinigung mit Gott im Christlichen ist am besten mit den Bildern der himmlischen Hochzeit beschrieben: Bei dieser Vereinigung der Liebe bleibt Gott Gott und der Mensch Mensch. Es bleibt der Dialog. Auf den Wegen der neuen Religiosität ist die Vereinigung das Aufgehen im Göttlichen oder das Erkennen der eigenen Göttlichkeit. Fundamental ist auch der Unterschied in der Sichtweise, wie Gott in uns ist. Uns Christen ist gesagt, daß wir Tempel des Heiligen Geistes sind. Augustinus spricht davon, daß Gott uns innerlicher ist, als wir uns selbst zuinnerst sind. Und dennoch bleibt Gott ein Gegenüber. Mystikerinnen wie Katherina von Siena, die in der Welt gelebt hat, haben den Weg in die „innere Kammer“ gefunden: Sie begegnen Gott in ihrem Herzen. Jesus sagt ja, es werde eine Zeit kommen, in der man Gott nicht an einem bestimmten Ort anbeten werde, sondern „im Geist und in der Wahrheit“. Diese Stelle der Heiligen Schrift wird allerdings auch von der neuen Religiosität zitiert. Aber dort geht man von der Annahme aus, daß der Mensch mit Gott ident sei. Daher soll man auf dem Weg der Innenschau die eigene Göttlichkeit erkennen – und in Anspruch nehmen. Heuer ist ein Buch erschienen mit dem Titel: Du bist göttlich, benimm dich auch so.

Also göttliche Macht in der Reichweite von jedermann…
P. Pilar: Ja. Da kommt die Vorstellung von Allmacht zum Ausdruck. Meistens geht es darum, auf der richtigen Energie-Ebene zu schwingen. Dann könne man alles haben, was man will.

Haben wir es also auch mit unterschiedlichen Vorstellungen vom Göttlichen zu tun?
P. Pilar: Tendentiell geht die neue Religiosität von einem apersonalen Gottesbild aus. Da ist der ganze Kosmos göttlich bzw. es gibt ein pantheistisches Gottesbild. Diese Vorstellung ist leider weit verbreitet: Vor Jahren hat eine Umfrage unter katholischen Jugendlichen ergeben, daß 43% an einen apersonalen Gott, eine kosmische Energie glauben. Es geht also in die Richtung: Gott ist Energie, ich bin eine göttliche Schwingung und stehe damit mit dem göttlichen Universum in Resonanz. In diesem Denken hat das Kreuz natürlich keinen Platz. Leiden muß nicht sein. Wer leidet, ist selber schuld. Er denkt eben nicht richtig. Der Ausweg: Man muß sein Denken ändern, die richtige Methode anwenden – und dann bin ich eben weder krank, noch arbeitslos, noch muß ich irgendwelche anderen Grenzen ertragen…
Jeder ist also für sein eigenes Heil verantwortlich. Wo es Rückschläge gibt hat er nicht die richtige Methode angewandt. Kann man das so sehen?
Das wirkt sich bis in die Gesellschaft aus. Wenn jeder für sein Glück und Unglück selbst verantwortlich ist, muß sich niemand mehr wirklich um die Probleme der anderen kümmern. Der Individualismus ist typisch für den Weg der Esoterik, der Egoismus in dem Sinn: Es kommt auf mich an. Es gibt keinen, der mich erlösen, der mir entgegenkommen und mein Leben ganz machen kann.


Woher kommt die Faszination dieser Ansätze?
P. Pilar: Da ist zunächst das Versprechen: Es gibt einen Weg zum Heil ohne Kreuz. Dazu kommt die Verheißung, es gäbe für alle Probleme einfache Lösungsmethoden. Das sind Lehren, die den Ohren schmeicheln, wie Paulus sagt. Ein weiterer Aspekt: Durch die Globalisierung lernen wir diverse religiöse Zugänge kennen. Verschiedene Religionen und Kulte existieren Tür an Tür. Menschen, die auf der Suche sind, begegnen diesem großen Angebot. Und so basteln sich viele eine „Patchwork-Religion“ zusammen.


Können Sie an einem Beispiel illustrieren, wie jemand in dieses Fahrwasser geraten kann?
P. Pilar: Ein krasses Beispiel für die Verwirrung, die sogar in der Kirche anzutreffen ist: Eine Frau interessiert sich für den Heilungsdienst. In ihrer Pfarre lernt sie das Reiki kennen und interessiert sich sofort dafür. Sie läßt sich ausbilden. Diese Ausbildung ist tat?sächlich jedoch eine rituelle Einweihung, was sie aber nicht erkennt. So wird sie Reiki-Heilerin in der Überzeugung, Heilung zu geben, sei ja sehr christlich. Auch Jesus habe geheilt. Mit besten Absichten wird sie da hineingezogen. Sie ist als Heilerin sogar recht erfolgreich. Viele wenden sich an sie. Als sie einmal Exerzitien macht, bekommt sie mit, daß sie eigentlich weiße Magie betreibt. Schlagartig wird ihr klar: Da muß ich raus – und sie sagt der Reiki-Praxis ab. Später gründet sie Gebetsgruppen, beginnt für Kranke zu beten und sich im christlichen Heilungsdienst zu engagieren.


Was kennzeichnet den Unterschied der beiden Zugänge?
P. Pilar: Reiki – der Kurs kostet etwas – gibt vor, daß man durch Initiation für eine göttliche Kraft geöffnet wird. Dann könne man nach eigenem Willen göttliche Kraft geben. Man kennt die Methode: Der Mensch wird Herr über diese Kraft. Auf sein Tun kommt es an. Im christlichen Heilungsdienst bin ich nicht Herr über göttliche Kraft. Ich bitte Gott um Sein Eingreifen und bin bereit anzunehmen, was der Herr in Seiner Souveränität wirken wird.

Für Menschen, die den Weg der Selbsterlösung gehen, ist es wohl schwierig, aus dieser Sackgasse herauszukommen?
P. Pilar: Die Geschichten sind sehr unterschiedlich. Manche stehen einfach an. Sie merken, daß ihre Probleme nicht wirklich gelöst werden. Immer wieder tauchen neue auf. Manche kommen auf dem Weg der esoterischen und okkulten Praktiken schwer in Bedrängnis. Sie suchen dann Hilfe. Manche sind in den Sog der Esoterik geraten und machen eher nur an der Oberfläche mit. Begegnen sie jemandem, der von einem Weg des Glaubens Zeugnis gibt, kann das für sie der Weg zum Ausstieg sein. Ein Beispiel: Wir sind viel mit der Wandermuttergottes unterwegs. Die Leute, die da von Tür zu Tür gehen, geraten in die unterschiedlichsten Situationen. Und so klopft eine Bekannte an einer Tür. Sie geht auf. Die Wohnung alles in schwarz. Satanistische und Hexensymbole, Literatur von Aleister Crowley. Aber die Frau ist erfreut, daß die Muttergottes kommt. Sie paßt gut in dieses Pantheon. Nach und nach versucht die Frau der Gastgeberin zu erklären, daß es da einen Widerspruch gibt. Und so ergibt sich ein fruchtbares Gespräch, das schließlich dazu führt, daß die Frau aus ihrem okkulten Dschungel herausfindet.

Wirkt das dann befreiend?
P. Pilar: Wer da herausfindet, sagt sich meist: Wie konnte ich nur? Bei der Frau, von der ich erzählt habe, war es ein Weg des Nachdenkens, das durch die Begegnung mit einem Zeugen für Christus ausgelöst wurde. Wer auf okkulten Wegen, etwa des Spiritismus oder von Reiki unterwegs war, bedarf dann oft des Dienstes der Befreiung, durch den er erlösend erfährt, daß Christus stärker ist als die Mächte der Welt, die die Seele durchaus belasten können.

Weite Kreise in der Kirche sehen einen solchen Dienst der Befreiung als suspekt an…
P. Pilar: Hier in Österreich, ja – aber nicht in der Weltkirche. Selbstverständlich muß man mit dem Thema sehr sensibel umgeben. Auch wenn da viel Schindluder getrieben wurde – selbsternannte Exorzisten haben da sicher geschadet –, müssen wir uns doch der Tatsache stellen, daß sich heute viele Menschen auf Geister und die Geisterwelt einlassen, was selbstverständlich Konsequenzen hat. Sicher findet da manches auch nur rein auf der psychologischen Ebene statt, aber sehr oft ist auch der Priester gefragt. Er sollte dieser Herausforderung dann auch gewachsen sind. Es geht darum, die Leute einerseits ernstzunehmen, andererseits das Problem nicht aufzublasen. Man muß die Leute anhören, erkennen, was passiert ist und mit einer guten Katechese aus dem Dschungel herausführen. Heilungsdienst ist ja nicht Exorzismus à la Film „Der Exorzist“! Es geht vor allem um Trost und Katechese. Viel Befreiung geschieht durch die gesunde Lehre und den sakramentalen Dienst der Kirche.

Reden wir noch über die Prävention. Was muß geschehen, damit nicht so viele Leute aufs Glatteis geraten?
P. Pilar: Viele Christen wissen überhaupt nicht mehr, was der christliche Glaube besagt. Ich denke da an die Begegnung mit der Pfarrersköchin einer Pfarre, in der ich vor Jahren übernachtet habe. Sie erklärte mir treuherzig, daß sie an die Reinkarnation glaube. Das komme ihr logischer vor als die Auferstehung. Eine Frau, die jeden Sonntag in die Kirche geht, zu Ostern die Auferstehung mitfeiert! Es fehlt einfach an der Katechese. Würde man die Meßbesucher am Sonntag über ihren Glauben befragen, würde man wohl auf große Lücken stoßen.

Was wäre also zu tun?
P. Pilar: Bei jeder Sonntagsmesse ist Gelegenheit für Katechese, eine gute Auslegung der Heiligen Schrift. Darüberhinaus braucht es zusätzliche Glaubensvertiefung in den Pfarrgemeinden. Man muß bei denen anfangen, die noch da sind. Ihnen helfen, den Glauben zu reflektieren. Vor 40 Jahren hat Kardinal Ratzinger darüber geschrieben. Schon damals war den Menschen auf erschreckende Weise das Glaubenswissen abhanden gekommen. Ergänzend sei gesagt: Glaubenswissen allein genügt nicht, es bedarf auch einer Begegnung mit Jesus. Aber das Wissen ist sehr wichtig, sonst ist man für Verwirrung anfällig.

Und welche Bedeutung hat das Zeugnis der Christen?
P. Pilar: Durch unser Leben sollte verständlich werden, wer und wie Christus ist. Das sollte auch unsere Gemeinschaften prägen. Manche der religiösen Vagabunden, die alles abgeklappert hatten, haben mir nach ihrer Bekehrung gesagt: Warum mußten wir euch so lange suchen? Warum seid ihr so schwer zu finden? Sich als Christ zu outen, ist nicht „in“. Aber genau das braucht es heute. Erkennbar zu machen, daß wir an Jesus glauben, der uns erlöst hat, der uns auch in unserer Begrenztheit annimmt.

Bedarf es nicht auch einer Rückbesinnung auf die Tatsache, daß Christ zu sein, nicht Zugehörigkeit zu einer Religion unter vielen ist, sondern Nachfolge Christi, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist?
P. Pilar: Das Wissen, daß es keinen anderen Weg zum Vater gibt als Jesus Christus, ist wahrscheinlich nicht sehr weit verbreitet. Denn unser postmodernes Denken ruht auf der Vorstellung, die Wahrheit sei nicht erkennbar und jeder müsse den Weg finden, den er für richtig hält. Wir Christen dürfen uns nicht damit begnügen, in Jesus einen Lehrer unter vielen anderen zu sehen. Er ist das Ziel, bei dem wir ankommen sollen. Der Getaufte ist angekommen. 


Historisch glaubwürdig

Was die Wissenschaft über das Neue Testament sagt (Kardinal Walter Brandmüller)

Viel Verwirrung gibt es bezüglich der Frage, wie man die Tex?te des Neuen Testaments zu ver?stehen habe: Erzählen die Evangelien vom Leben Jesu oder handelt es sich nur um Geschichten, in denen die Christen viele Jahrzehnte nach den Ereignissen – die nicht mehr zu rekonstruieren seien – ihren Glauben darlegen wollten? Im Buch Vernünftig glauben weist der Historiker Walter Kardinal Brandmüller nach, daß es sich bei den Evan?gelien um geschichtliche Berichte handelt. Im folgenden Auszüge aus dem Buch:


Die Jungfrauengeburt
Die Frage des Jungfräulichkeitsgelübdes Mariens wurde bisher von vielen strikt verneint, weil man meinte, daß es im ganzen jüdischen Kulturkreis, im jüdischen religiösen Denken undenkbar sei, daß ein Mädchen nicht Mutter werden wollte. Da kommt nun allerdings Qumran ins Spiel. Hier haben wir nämlich einen Text aus der Zeit vor Christi Geburt, die sogenannte Tempelrolle. Und in dieser Tempelrolle werden u.?a. am Ende Vorschriften über verschiedene religiöse Verhaltensweisen gegeben. Da ist nun auch die Rede von Jungfräulichkeitsgelübden. Von Unverheirateten wie von Verheirateten. Das gab es also wirklich und es war im essenischen Milieu offenbar nicht ungewöhnlich. Eine gewisse Nähe der Familie Jesu zu essenischen Kreisen haben wir ja schon erwähnt.


Die Sterndeuter
Nun, auch der Magierbesuch und der Stern von Betlehem sind durch die jüngste Forschung als historisch gesichert dargetan. Da ist auf Konrad Ferrari d’Occhieppo zu verweisen, den bedeutenden Kenner der antiken Astronomie und langjährigen Direktor des Instituts für historische Astronomie an der Akademie der Wissenschaften in Wien, der 2007 gestorben ist. Dessen Buch ist in mehreren Auflagen erschienen. Er hat u.?a. nachgewiesen, daß selbst der Wortlaut des Matthäusevangeliums (2,1–13) Ausdrücke aus der astronomischen Fachsprache enthält. (…)
Da geht es etwa um den Terminus „Anatole“: „Wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen.“ Das ist aber eine völlig falsche Übersetzung, richtig ist: „Wir haben seinen Stern bei seinem Aufgang gesehen!“ Wenn es „im Morgenland“ bedeuten würde, dann müßte es „en anatolais“ heißen, also im Plural stehen. Es steht dort aber „en anatolä“ und das ist der Frühaufgang eines Gestirns.
(…) Es handelt sich um eine dreimalige Konjunktion von Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische. Und diese Konjunktion ist ein besonderes astronomisches Phänomen, das sich nur alle ca. 800 Jahre ereignet. Und das ist genau im Jahre 7 – 6 vor Christus passiert. Man hat tatsächlich einen ganzen Kalender des Jahres 7?–?6 vor Chr. in einer Keilschriftbibliothek in Mesopotamien gefunden. Ferrari d’Occhieppo und andere haben ihn dann ausgewertet. (…) Es ist in der Tat erstaunlich, daß gerade in jüngerer Zeit eine Reihe von archäologischen Funden die geschichtliche Zuverlässigkeit der Evangelien untermauern.

Die Auferstehung
Im Unterschied zu den Totenerweckungen, die Jesus tatsächlich bewirkt hat – nennen wir hier nur die Tochter des Jairus – bedeutet Auferstehung Jesu nicht einfache Rückkehr in das irdische menschliche Leben. Vielmehr handelte es sich, so der Tenor der neutestamentlichen Aussagen, um den Übergang aus dem Tod in eine den Gesetzen von Raum und Zeit enthobene, mit menschlichen Begriffen nicht faßbare, verklärte Existenzweise, in welcher der Auferstandene seinen Jüngern, seinen Freunden sicht- und greifbar begegnet ist.
(…) Die Auferstehung Jesu ist in der Tat für den modernen Menschen, auch manchen modernen Theologen, eine Provokation. So etwas, meint man, kann es nicht geben. Unmöglich! (…)Es ist zu deutlich, welche Verlegenheit die Auferstehung bereitet, wenn man nicht schlicht und einfach die Quellen ernst nimmt und akzeptiert, daß es eben so, unerklärlich, aber tatsächlich passiert ist.
Wenn man dazu nicht bereit ist, dann aber müßte man mir wohl erklären, und zwar historisch plausibel erklären, wie es möglich war, daß ein solcher unglaublicherSchwindel nicht schon vor 2000 Jahren entlarvt wurde. Ein Blick in das Grab hätte doch genügt, um den Betrug platzen zu lassen. Aber stattdessen geschah das genaue Gegenteil.
Aus der durch das Karfreitagsgeschehen völlig demoralisierten und total frustrierten Gruppe der Jünger entsteht an dem Ort des Geschehens, vor den Augen der Zeitgenossen und einer feindlichen Autorität, eine Bewegung, die in Jerusalem sogleich Tausende von begeisterten Anhängern zählt, die dann die bekannte Welt erfaßt und bis heute in Expansion begriffen ist.
Den Zweifeln, ganz gleich, in welchem Jahrhundert sie geäußert wurden, steht das eindeutige Zeugnis der unmittelbar Beteiligten entgegen: „Wir, die wir nach seiner Auferstehung unmittelbar mit ihm gegessen und getrunken haben“ (Apostelgeschichte 10,40–42). Im 1. Korintherbrief (15,3–8) sagt Paulus, der Auferstandene sei 500 Brüdern auf einem Berg in Galiläa erschienen. „Die meisten von ihnen sind noch am Leben.“ Das konnte man nachprüfen!
Auch dem nüchternen Historiker ist, wenn er das Neue Testament ernst nimmt, klar, daß nach Kreuzigung, Begräbnis etwas geschehen sein muß, was die Beteiligten nur mit dem Begriff „Auferstehung“, leibliche, doch verklärte Auferstehung bezeichnen konnten. Wer das nicht akzeptiert, erklärt die Verfasser der neutestamentlichen Schriften entweder als Verrückte oder als Betrüger. Fragt sich nur, mit welchem Recht. Mit historisch-kritischer Methode hätte das jedenfalls nichts mehr zu tun.

Gegen Fakten gibt es kein Argument
Wie viel hat sich nicht am Ende schon als tatsächlich erwiesen, was Jahrtausende als unmöglich galt? Es sollten uns doch die verhältnismäßig engen Grenzen der menschlichen Vernunft, des menschlichen Erkenntnisvermögens, bewußt bleiben.
Ergo: Wenn auf historisch-kritischem Wege die Tatsächlichkeit eines Faktums, eines Ereignisses, gesichert werden kann, dann gilt: Contra factum non valet argumentum. Eine Tatsache kann durch kein Argument aus der Welt geschafft werden.


Einheit der Wahrheit

Was die Katholiken der Welt schulden (Johannes Holdt)

Frage: Warum schließen wir in der Meßfeier an das Vaterunser nicht wie die Evangelischen die Schlußformel an: „denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit…“?
Antwort: Weil dann die vielleicht wichtigste Bitte des Gottesdienstes unter den Tisch fallen würde: „Bewahre uns, Herr, vor Verwirrung und Sünde“.


Das Gebet, das die letzte Vater?unser-Bitte in der Messe weiterführt („Embolismus“), gehört zu den ältesten Elementen der Liturgie. Es trägt die Handschrift von Papst Gregor dem Großen: „Erlöse uns Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen. Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers, Jesus Christus erwarten“. Die Tatsache, daß heute viele Priester und Gemeinden meinen, dieses Gebet getrost eliminieren zu dürfen, beweist, wie weit die Verwirrung auch in der Kirche um sich gegriffen hat. Ist doch die katholische Liturgie nicht etwas nach eigenem Gutdünken Zusammengebasteltes, sondern der universale Gottesdienst der Kirche, an dem – wie das II. Vaticanum einschärft – „niemand etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern darf, und sei es auch ein Priester“ (SC 22).
Wenn für unsere chaotische Zeit ein Anliegen wichtig ist, dann der Wunsch, vor Verwirrung verschont zu bleiben. Für viele ist es die schlimmste Vorstellung, im Alter einmal nicht mehr Herr über sich selbst zu sein, verwirrt und dement zu werden. Der Verlust des Bewußtseins und der Vernunft beraubt den Menschen dessen, was ihn eigentlich zum Menschen als individuelle Persönlichkeit macht. Noch katastrophaler ist es, wenn eine Gesellschaft im Ganzen „den Kopf verliert“, völlig orientierungslos im Dunkeln tappt und sich willenlos von den jeweils stärksten Strömungen da- und dorthin treiben läßt.
Peter Seewald zeichnet in seinem neuen Interview-Buch mit Papst Benedikt ein treffendes Bild der wirren Welt von heute: „Wir sehen in unseren Tagen, wie die Welt Gefahr läuft, ins Bodenlose abzurutschen. Daß ein entfesseltes Wirtschaftssystem sich zu einem Raubtierkapitalismus entwickeln kann, der ungeheure Werte verschlingt; daß uns das Hochgeschwindigkeitsleben nicht nur überfordert, sondern auch desorientiert; daß neben der rastlosen auch eine ratlose Gesellschaft herangewachsen ist, die heute für falsch hält, was gestern noch als richtig galt, und morgen für richtig, was heute als falsch gilt. Da gibt es Krankheiten wie Burn-out als Massenphänomen, neue Süchte wie Spiel – und Pornosucht. Da entstand im Optimierungswahn der Konzerne ein kaum noch zu bewältigender Arbeitsstreß; da ist die prekäre Situation von Kindern, die unter dem Verlust von Familienbeziehungen leiden; die Dominanz der Medien, die eine Kultur des Tabubruchs, der Verdummung und der moralischen Abstumpfung entwickelt haben; da sind die elektronischen Unterhaltungsangebote, die unsere menschlichen Qualitäten manipulieren und zerstören könnten“ (Licht der Welt). Aber genau so will es die „Diktatur des Relativismus“, vor der zu warnen der Papst nicht müde wird. Eine Welt ohne verbindliche Maßstäbe der Orientierung, ohne Wahr und Falsch.
Wenn es Wahr und Falsch nicht mehr gibt, wenn das Ansichtssache ist, dann gibt es auch nicht mehr Gut und Böse. Dann aber gilt: Recht hat, wer sich durchsetzt; gut ist, was der augenblicklichen Mehrheit nützt. Und die hochzivilisierte Gesellschaft fällt zurück auf das Niveau des Dschungels: Fressen und Gefressenwerden, Kampf aller gegen alle, Überleben der Stärksten. Die Orientierungslosigkeit führt auf direktem (wenn auch schleichendem) Weg zur Unmenschlichkeit. Die Leugnung der Wahrheit zur Zerstörung des Menschen. Nicht umsonst nennt Jesus den Teufel (von griechisch „Diabolos“ Durcheinanderbringer) den „Vater der Lüge“ und „Menschenmörder von Anbeginn“ (Joh 8,44). Und wir verstehen, warum der hl. Thomas von Aquin sagen kann: „Die größte Wohltat, die man einem Menschen erweisen kann, besteht darin, ihn vom Irrtum zur Wahrheit zu führen“ (In Div. nom. 13,4).
Hier ist besonders die Kirche gefordert, der in der Nachfolge ihres Herrn das Zeugnisgeben für die Wahrheit aufgetragen ist (Joh 18,37). Dazu gehört auch und vor allem die Glaubenswahrheit. Denn gerade sie ist heute Mangelware. Die Unwissenheit im Glauben ist haarsträubend. Viele Getaufte sind religiöse Analphabeten – und darum eine leichte Beute für falsche Propheten, Gurus, Irrlehrer. Das ist auch eine Schuld derer, denen die Verkündigung des Glaubens aufgetragen ist, die dieses Amt aber nicht treu und beherzt genug ausüben. Dabei ist es ein Werk der Nächstenliebe – und nicht etwa kirchlicher Bevormundung – das „kostbare Gut“ des Glaubens (1 Tim 1,14) unverkürzt, unverwässert und unverfälscht weiterzugeben. Manche fordern heute die „Christenrechte in der Kirche“ ein. Ob sie dabei an das wichtigste Grundrecht des Gläubigen denken: den Glauben gemäß der Lehre der Kirche vermittelt zu bekommen?
Ja, die Verwirrung ist groß. Und am schlimmsten ist für den gläubigen Katholiken die Uneinigkeit in den eigenen Reihen. Wie selbstbewußt könnten wir einer ganzen säkularisierten Welt entgegentreten, wenn wir nur einig wären? Das I. Vaticanum zählt die „katholische Einheit“ zu jenen Kennzeichen der Kirche, die „einen mächtigen und fortdauernden Beweggrund der Glaubwürdigkeit und ein unwiderlegliches Zeugnis ihrer göttlichen Sendung“ darstellen (Dei Filius, Kap.3). Katholische Einheit meint dabei nicht Einförmigkeit und Gleichmacherei, sondern die dreifache Einheit des Glaubens, der Liturgie und des apostolischen Amtes in der Vielfalt der nationalen und kulturellen Besonderheiten. Der Bischof von Rom in seiner universalen Rechts- und Lehrautorität ist – wiederum nach Aussage des I. Vaticanums – das „dauerhafte Prinzip und sichtbare Fundament“ dieser Einheit.
Verwirrung, Uneinigkeit und Durcheinander müssen also nicht das letzte Wort haben. Es gibt ein Prinzip und Fundament, das uns die Einheit in der Wahrheit verbürgt – mitten im Chaos der Gegenwart. Ein Gegenmittel gegen die grassierende Immunschwäche des religiösen und moralischen Urteilsvermögens, von der schon so viele Köpfe und Herzen infiziert sind. Kollektive Demenz ist kein Schicksal. Allerdings heißt das: Den Verstand endlich einschalten und sich nicht weiter zeitgeistergeben treiben lassen mit der großen Masse. Dem Kompaß des Glaubens unbeirrt folgen, auch wenn der Weg steinig ist und es manchmal einsam wird. Nichts wiegt das Glück auf, frei zu sein durch die Wahrheit (Joh 8,32).


Leuchtturm im Nebel

Grundwahrheiten, die immer gelten (Christof Gaspari)

Jahrzehnte des wirtschaftlichen, technischen, medizinischen… „Fortschritts“ – und dennoch wächst das Unbehagen. Die Welt wirkt auf viele bedrohlich. Aus dem Gewirr der Heilsangebote wird die Lehre der Kirche immer deutlicher als zukunftsträchtige Wegweisung erkennbar.
Es mehren sich die besorgten Meldungen über das Bienensterben. Insbesondere die USA und Europa sind betroffen. Bis zu 85% betragen die Verluste in manchen Regionen. Die Ursachen sind nicht einfach zu klären. Da spielt vieles hinein: Umwelteinflüsse, gering konzentrierte Gifte, Strahlung von Mobiltelefonen, Anfälligkeit für Viren… – kurzum: veränderte Umstände des Lebensraums. Ein Beispiel nur für ein Phänomen, das zunehmend Sorgen bereitet: das Artensterben. Bis zu 120 Pflanzen- und Tierarten seien täglich vom Aussterben betroffen, liest man. Und die Klimaerwärmung werde die Ausfallsquote weiter steigern, behauptet ein Bericht in „Focus“.
Was das mit dem Thema „Verwirrung“ zu tun hat? Wenn es um Pflanzen- und Tierarten geht, wächst heute das Bewußtsein, daß es lebensfeindliche Umweltbedingungen gibt, die den Fortbestand von Arten gefährden. Bei Rindern und Hühnern macht man sich Gedanken über deren artgerechte Haltung. Tierschützer steigen auf die Barrikaden, um gegen Massentierhaltung, die man den Tieren nicht zumuten dürfe, zu protestieren.
Wer hingegen die Ansicht vertritt, auch der Mensch bedürfe bestimmter gedeihlicher Rahmenbedingungen, um leben und sich entfalten zu können, der wird als ewig gestrig belächelt. Dabei zeigen gerade die oben erwähnten, vom Bienensterben befallenen Regionen, Europa und die USA, daß dort Lebensbedingungen herrschen, die dem Fortbestand der „Spezies Mensch“ nicht zuträglich sind: systematische Ausmerzung des Nachwuchses durch Abtreibung, Förderung eines unfruchtbaren homosexuellen Lebensstils, Abwertung der Mütterlichkeit, von Ehe und Familie und als logische Folge massiv rückläufige Geburtenfreudigkeit, Überalterung, Anfälligkeit der Jugend für Drogen, Alkohol, psychische Labilität, beeinträchtigte Bindungsfähigkeit…
Warum werden diese Zusammenhänge nicht klarer erkannt? Weil eine Verwirrung um sich gegriffen hat, die es den Menschen vielfach unmöglich macht, die einfachsten Dinge wahrzunehmen, um den Hausverstand zu gebrauchen und eins und eins zusammenzuzählen.
Zwar werden bei auftretenden Problemen, etwa der Jugendkriminalität, sofort Heerscharen von Forschern losgeschickt, um das Geschehen von allen Seiten abzuklopfen und zu beleuchten. Mit einer Fülle von Detailwissen wird nun untersucht, befragt, nach Lösungsansätzen gesucht. Psychologen, Pädagogen, Sexualwissenschafter, Mediziner unterschiedlichster Fachrichtungen, Soziologen, Integrationsforscher, Sozialarbeiter, Familientherapeuten erteilen Ratschläge, Kommissionen erarbeiten Richtlinien und Gesetzesentwürfe, Hilfsstellen und Beratungseinrichtungen werden eingerichtet – und die Mißstände schreiten trotz der vielen partiellen Lösungsansätze weiter voran.
Unwillkürlich ist man an die Geschichte vom Turmbau von Babel erinnert: viel guter Wille, viel Anstrengung, sehr viel sogar, viel Aktivität – aber man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Es fehlt das Fundament, der Blick für das Ganze, für die Realität des Menschen ist verlorengegangen.
Man kann das Leben des Menschen aber nicht an dessen Grundgegebenheiten vorbei gestalten. Es reicht nicht, ihm zu essen und zu trinken zu geben, ihn zu bekleiden und ihm ein Dach über dem Kopf zu bauen, er findet nicht sein Auslangen mit fortgesetzter Unterhaltung und seichten Vergnügungen, mit Sex und Sportübertragungen… Um all das bemüht sich die Gesellschaft heute, mit all dem – und zwar stets mehr und mehr davon – will sie ihn beglücken. Allein, es funktioniert nicht. Und warum? Weil der Mensch als Abbild Gottes eine unausrottbare Grundsehnsucht in sich trägt, die gestillt werden muß: Die Liebe in der Wahrheit, wie Papst Benedikt in seiner 3. Enzyklika einleitend feststellt: „Die Liebe in der Wahrheit, die Jesus Christus mit seinem irdischen Leben und vor allem mit seinem Tod und seiner Auferstehung bezeugt hat, ist der hauptsächliche Antrieb für die wirkliche Entwicklung eines jeden Menschen und der gesamten Menschheit.“
Um diese Wahrheit kommt man einfach nicht herum. Die Liebe ist das Fundament menschlicher Existenz. „Sie ist das Prinzip nicht nur der Mikro-Beziehungen – in Freundschaft, Familie und kleinen Gruppen –, sondern auch der Makro-Beziehungen – in gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Zusammenhängen.“ (Caritas in veritate)
Das mag zunächst sehr abgehoben klingen. Ja, schön, schön, mag mancher denken. Aber wir haben dringendere Probleme zu lösen. Mit solchen Allgemeinplätzen kommen wir jetzt nicht weiter. Genau diese Haltung ist jedoch Ausdruck der heute vorherrschenden Verwirrung, die sich in Details verliert und das Wesentliche ausblendet. Indem man nicht mehr nach der Basis fragt, baut man am Turm von Babel mit immer verfeinertem Instrumentarium weiter und übersieht die bedrohlichen Risse, die mangels solidem Fundament überall weiter und weiter werden.
Die Verwirrung und die Fehlentwicklungen unserer Tage sind eine Chance, wieder über die Grundtatsachen menschlicher Existenz zu reden: Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes, von Gott geliebt und zur Liebe berufen. Er gelangt zu seiner Entfaltung nur in dem Maß, in dem er Liebe erfahren hat und daher Liebe weiterschenken kann. Daher die zentrale Bedeutung der stabilen, kinderfreudigen Familie. Wo sollen Kinder Liebe erfahren und tanken, wenn sich ihre Eltern in außerhäuslichen Aktivitäten (Beruf, Hobbys…) erschöpfen und sie von klein auf in Fremdbetreuung stecken? Das Wissen um die Bedeutung der Liebe gibt somit Entscheidungshilfen in Fragen der Familienpolitik, in Sachen Abtreibung, Euthanasie, Humangenetik, aber auch auf Fragen, die den Umgang mit der Schöpfung, die Gestaltung der Wirtschaft und der internationalen Beziehungen betreffen.
Noch einmal sei es gesagt, was im Dschungel des vorherrschenden Relativismus unter den Tisch fällt: Der Schöpfung, dem Menschen ist nicht alles zumutbar, weil sie das Werk Gottes sind, der in sie Ordnungen gedeihlicher Entfaltung gelegt hat. Diese sind uns in unüberbietbarer Weise geoffenbart worden, als Gott in Jesus Christus als Mensch unter uns gelebt hat. Er hat uns alles Wesentliche mitgeteilt. Er hat dafür gesorgt, daß diese Botschaft über die Jahrtausende hinweg durch das Lehramt des Petrus unverfälscht erhalten geblieben ist. Wie dankbar sollten wir für diesen Leuchtturm sein, der auch in der Wirrnis unserer Zeit zuverlässig den Weg weist.
Daß der Zeitgeist gegen diese Felsen anbrandet, darf uns nicht irremachen. Das ist normal. Allein ein Rückblick auf die großen Gestalten der letzten 150 Jahre auf dem Stuhl Petri (sel. Pius IX:, Leo XIII., hl. Pius X., Pius XII., sel. Johannes XXIII., Paul VI:, Johannes Paul II., Benedikt XVI.) kann uns beruhigen: Wir sind trotz aller rundherum geäußerten Kritik als katholische Christen sicher in der Wahrheit gehalten, haben in der Wirrnis unserer Tage einen zuverlässigen Anhaltspunkt, wenn wir nach Orientierung Ausschau halten.



 

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