Die Kreuzigung.
Vier muskulöse Männer, dem Aussehen nach Juden, und des Kreuzes würdigere Juden als die Verurteilten, gewiß von der gleichen Sorte wie die Geißler, springen von einem Pfad zur Hinrichtungsstätte hinauf. Sie tragen kurze ärmellose Tuniken und haben Nägel, Hämmer und Stricke in den Händen, die sie den drei Verurteilten grinsend zeigen. Durch die Menge geht eine Bewegung grausamer Begeisterung. weiterlesen...
Kirche Weitental

†  Gott ist die Liebe - Er liebt dich  †
 Gott ist der beste und liebste Vater, immer bereit zu verzeihen, Er sehnt sich nach dir, wende dich an Ihn
nähere dich deinem Vater, der nichts als Liebe ist. Bei Ihm findest du wahren und echten Frieden, der alles Irdische überstrahlt

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Maria Valtorta - Der Gottmensch

Band 12

 

Dieses Werk ist eine Gnade unseres lieben Herrn, man lernt hier Jesus und seine Worte in der richtigen Art und Weise kennen, seine Liebe, seinen Gehorsam, seine klaren und wahren Worte, nicht verdrehte, nicht unverständliche oder hoch theologische, nein, einfache Worte. Er erklärt für jeden verständlich die Gleichnisse. Glaube ist kein Studium, es ist Demut, Hingabe, Geduld, Vertrauen, nicht mein Wille muss an erster Stelle stehen, sondern den Willen Gottes gilt es zu suchen, die Gebote gilt es zu halten und hier erlangt man ein Verständnis hierfür. Zudem stimmen die Worte Jesu mit seinem Leben überein, voller Hingabe an den Willen seines und unseren Vaters. Nimm dir Zeit es aufmerksam zu lesen, du wirst es nicht bereuen.

Das Werk kann man hier in Buchform erwerben:

Parvis-Verlag, Route de l'Eglise 71, 1648 Hauteville, Schweiz, Tel. +41 26 915 93 93, buchhandlung@parvis.ch, www.parvis.ch

Aus rechtlichen Gründen dürfen nur Auszüge daraus veröffentlicht werden!
 



Nur zu Testzwecken!

Inhalt
 

Band XII:
Die Verherrlichung

677. Der Morgen der Auferstehung. S. 9
678. Der Ostermorgen; Klage; Gebet Marias. S. 15
679. Die Auferstehung. S. 19
680. Jesus erscheint der Mutter. S. 23
681. Die frommen Frauen am Grab. S. 25
682. Zum vorigen Kapitel. S. 34
683. Jesus erscheint Lazarus. S. 39
684. Jesus erscheint Johanna. S. 45
685. Jesus erscheint Joseph, Nikodemus und Manaen. S. 48
686. Jesus erscheint den Hirten. S. 50
687. Jesus erscheint den Jüngern von Emmaus. S. 53
688. Jesus erscheint anderen Freunden. S. 61
689. Jesus erscheint den zehn Aposteln. S. 64
690. Die Rückkehr des Thomas. S. 74
691. Jesus erscheint den Aposteln mit Thomas. S. 80
692. Der auferstandene Jesus in Gethsemane. S. 88
693. Die Apostel gehen nach Golgotha: Und dann.... S. 107
694. Jesus bestätigt den Gläubigen an verschiedenen Orten seine Auferstehung. S. 122
695. Jesus erscheint am Ufer des Sees. S. 157
696. Jesus auf dem Tabor. S. 162
697. Jesus zu den Aposteln und Jüngern. S. 175
698. Das nachgeholte Passahfest. S. 192
699. Die Himmelfahrt des Herrn. S. 198
700. Die Wahl des Matthias. S. 212
701. Die Herabkunft des Heiligen Geist es. S. 216
702. Petrus, nicht mehr der rauhe Fischer in seiner neuen Würde als Oberhirte. S. 220
703. Maria empfängt Lazarus und Joseph von Arimathäa. S. 224
704. Maria und Johannes an den Orten der Passion. S. 230
705. Das Grabtuch wird Maria überbracht. S. 234
706. Das Martyrium des Stephanus. S. 240
707. Die verschiedenen Wirkungen und Folgen der Begegnungen mit Christus. S. 245
708. Die Beisetzung des heiligen Stephanus. S. 248
709. Gamaliel wird Christ. S. 251
710. Unterredung zwischen Petrus und Johannes. S. 257
711. Der selige Heimgang Marias. S. 261
712. Aufnahme Marias in den Himmel. S. 271
713. Erwägungen und Erklärungen zur Himmelfahrt und zum Heimgang der allerseligsten Jungfrau Maria. S. 276
714. Abschliessliche Bemerkungen zum Werk. S. 283

 

 

677. DER MORGEN DER AUFERSTEHUNG

Die Frauen setzen ihre Arbeit mit den Ölen fort, die während der Nacht im kalten Hof zu einer festen Paste geworden sind.

Johannes und Petrus halten es für angebracht, den Abendmahlsaal aufzuräumen und das Geschirr abzuwaschen; doch dann lassen sie alles so stehen, als ob das Abendmahl soeben beendet worden wäre.

«Er hat es uns gesagt», sagt Johannes.

«Er hat auch gesagt: "Schlaft nicht!" Er hat gesagt: "Sei nicht überheblich, Petrus. Weißt Du nicht, daß die Stunde der Prüfung anbricht?" Und... und er hat gesagt: "Du wirst mich verleugnen..."» Petrus weint wieder und sagt von tiefem Schmerz erfüllt: «Und ich habe ihn verleugnet!»

«Genug, Petrus! Nun bist du wieder du. Höre auf, dich zu quälen!»

«Niemals, niemals. Selbst wenn ich so alt wie die ersten Patriarchen werden und siebenhundert oder neunhundert Jahre wie Adam und seine ersten Enkel leben würde, hätte diese Qual doch kein Ende.»

«Hoffst du nicht auf seine Barmherzigkeit?»

«Doch. Wenn ich nicht an sie glauben würde, wäre ich wie Iskariot: ein Verzweifelter. Aber auch wenn er mir vom Schoß des Vaters aus, zu dem er zurückgekehrt ist, verzeiht, ich selbst verzeihe mir nicht. Ich! Ich! Ich, der ich gesagt habe: "Ich kenne ihn nicht, weil es in jenem Augenblick gefährlich war, ihn zu kennen; weil ich mich schämte, sein Jünger zu sein; weil ich Angst vor der Marter hatte... Er ging in den Tod, und ich... war darauf bedacht, mein Leben zu retten. Und um es zu retten, habe ich mich von ihm abgewandt, wie eine sündige Frau sich der von ihr geborenen Leibesfrucht entledigt, da es gefährlich wäre, wenn ihr unwissender Mann sie bei seiner Rückkehr vorfände. Schlimmer als eine Ehebrecherin bin ich... schlimmer als...»

Angezogen von der lauten Stimme, kommt Maria Magdalena herein. «Schrei doch nicht so. Maria hört dich. Sie ist so erschöpft! Sie hat keine Kraft mehr, und alles tut ihr weh. Dein sinnloses Herumschreien erneuert nur die Qualen, die euer Benehmen ihr bereitet hat...»

«Siehst du? Siehst du, Johannes? Eine Frau kann mir Schweigen gebieten. Und sie hat recht, denn wir, die dem Herrn geweihten Männer, konnten nur lügen und davonlaufen. Die Frauen waren tapfer. Du, du bist wenig mehr als eine Frau, denn du bist so jung und rein, du hast den Mut gehabt zu bleiben. Und wir, die Starken, die Männer, wir sind geflohen.

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Oh, wie muß mich die Welt verachten! Sage es mir, sage es mir nur, Frau. Du hast recht! Tritt mir mit deinem Fuß in den Mund, der gelogen hat. An der Sohle der Sandale klebt vielleicht noch etwas von seinem Blut. Und nur dieses mit dem Staub der Straße vermischte Blut kann dem Abtrünnigen etwas Vergebung, etwas Frieden schenken. Ich muß mich an die Verachtung der Welt gewöhnen. Was bin ich denn? So sagt mir doch, was bin ich?»

«Du bist nichts als großer Hochmut», antwortet Magdalena ruhig. «Schmerz? Das auch. Aber glaube mir, trotzdem sind von den zehn Teilen deines Schmerzes fünf – und ich will nicht sagen sechs, um dich nicht zu kränken – Selbstmitleid, weil man dich nun verachten könnte. Und gewiß werde ich dich verachten, wenn du wie ein dummes Weib immer weiterjammerst und klagst! Was geschehen ist, ist geschehen. Das wilde Geschrei macht es nicht wieder gut oder ungeschehen. Es zieht nur die Aufmerksamkeit auf sich und bettelt um ein Mitleid, das du nicht verdienst. Sei ein Mann in deiner Reue. Schrei nicht, tu etwas. Ich... du weißt, wer ich war. Aber als ich verstanden hatte, daß ich ekelerregender als Erbrochenes war, habe ich mich nicht in Krämpfen gewunden. Ich habe gehandelt. Öffentlich. Ohne Nachsicht mit mir selbst und ohne um Nachsicht zu betteln. Die Welt verachtete mich? Sie hatte allen Grund dazu. Ich hatte es verdient. Die Welt sagte: "Eine neue Laune der Dirne"? Und sie nannte meine Hinwendung zu Jesus eine Gotteslästerung? Sie hatte recht. Mein früheres Benehmen war der Welt bekannt und rechtfertigte jeden derartigen Gedanken. Nun, und was dann? Die Welt mußte sich überzeugen, daß Maria nicht mehr die Sünderin ist. Ich habe die Welt überzeugt durch Tatsachen. Mach du es ebenso und schweig!»

«Du bist aber streng, Maria», bemerkt Johannes.

«Mehr zu mir selbst als zu den anderen. Aber ich gebe zu, ich habe nicht die sanfte Hand der Mutter. Sie ist die Liebe. Ich... Oh, ich! Ich habe meine Sinne mit der Peitsche meines Willens bezwungen. Und ich werde es noch mehr tun. Glaubst du, ich hätte mir verziehen, daß ich die Unzucht gewesen bin? Nein! Aber ich sage es nur mir selbst. Immer werde ich es mir vorhalten. Ich werde mich verzehren und sterben mit diesem geheimen Schmerz, daß ich mich selbst weggeworfen habe, mit diesem untröstlichen Schmerz, daß ich mich entweiht habe und ihm nichts als ein zertretenes Herz geben konnte... du siehst... ich habe mehr als die anderen an den Salben gearbeitet... und mit mehr Mut als die anderen werde ich hingehen und ihn auswickeln... Oh, mein Gott! Wie wird er nun aussehen? (Maria Magdalena wird blaß bei dem Gedanken.) Und ich werde ihn erneut mit Salben bedecken und die anderen entfernen, die sich auf den zahllosen Wunden sicher schon zersetzt haben... Ich werde es tun, denn die anderen werden nicht dazu imstande sein und die Flügel hängen lassen... Aber es schmerzt mich, es mit diesen meinen Händen tun zu

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müssen, die so viele unzüchtige Liebkosungen verteilt haben, und mich seiner Heiligkeit mit diesem meinem befleckten Körper nähern zu müssen... Ich wollte... ich wollte, ich hätte die Hand der Jungfrau-Mutter für diese letzte Salbung ...»

Maria weint nun ganz leise, ohne Erregung. Wie anders ist sie doch als die theatralische Magdalena, die man uns immer beschreibt! Es ist dasselbe lautlose Weinen wie am Tag der Verzeihung im Haus des Pharisäers.

«Du sagst, daß... die Frauen Angst haben werden?» fragt Petrus.

«Nicht Angst... aber sie werden verstört sein beim Anblick seines gewiß schon verwesenden... aufgeblähten... schwarzen Leichnams. Und außerdem werden sie sich sicher vor den Wachen fürchten.»

«Willst du, daß ich mitkomme? Ich und Johannes?»

«O nein, auf keinen Fall. Wir Frauen werden alle zusammen gehen. Denn so wie wir alle dort oben bei ihm gewesen sind, ebenso ist es nur recht, daß wir alle an seinem Totenbett sind. Du und Johannes, ihr müßt hierbleiben. Sie darf nicht allein sein.»

«Kommt sie denn nicht mit?»

«Wir lassen sie nicht mitkommen.»

«Sie ist überzeugt, daß er aufersteht... und du?»

«Ich bin nach Maria die, die am meisten daran glaubt. Ich habe immer geglaubt, daß es so sein würde. Er hat es gesagt. Und er lügt nie... Er... ! Oh, früher nannte ich ihn Jesus, Meister, Erlöser, Herr... Nun erscheint er mir so groß, daß ich nicht mehr fähig bin, daß ich es nicht mehr wage, ihm einen Namen zu geben. Was werde ich zu ihm sagen, wenn ich ihn sehe ... ?»

«Glaubst du wirklich, daß er auferstehen wird?»

«Schon wieder einer! Wenn ich noch oft sagen muß, daß ich es glaube, und euch immer wieder sagen höre, daß ihr es nicht glaubt, werde ich am Ende selbst nicht mehr glauben. Ich habe geglaubt, und ich glaube. Ich habe geglaubt und habe schon lange sein Gewand vorbereitet. Und morgen, denn morgen ist der dritte Tag, werde ich es bringen.»

«Aber wenn du doch sagst, daß er schwarz, aufgebläht und häßlich sein wird?»

«Häßlich niemals. Die Sünde ist häßlich. Aber... nun ja. Er wird schwarz sein. Und? War Lazarus denn nicht schon verwest? Und er ist trotzdem auferstanden! Und sein Fleisch war erneuert. Aber wenn ich es doch sage... ! Schweigt, ihr Ungläubigen! Auch mir sagt die menschliche Vernunft: "Er ist tot und wird nicht auferstehen." Doch mein Geist, sein Geist – denn ich habe von ihm einen neuen Geist erhalten – jubelt wie der Klang silberner Posaunen: "Er steht auf! Er steht auf! Er steht auf!" Warum treibt ihr mich wie ein Schifflein gegen das Riff eurer Zweifel? Ich glaube! Ich glaube, mein Herr! Lazarus hat dem Meister mit zerrissenem Herzen gehorcht und ist in Bethanien geblieben. Ich, die ich weiß, wer

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Lazarus des Theophilus ist: ein Starker, kein ängstlicher Hase, kann sein Opfer ermessen, im Schatten geblieben und nicht beim Meister gewesen zu sein. Aber er hat gehorcht. Er war in diesem Gehorsam heldenhafter, als wenn er ihn mit der Waffe den Bewaffneten entrissen hätte. Ich habe geglaubt und glaube. Und hier stehe ich. In Erwartung wie sie. Doch laßt mich gehen. Der Tag bricht an. Sobald man genügend sieht, gehen wir zum Grab...»

Und Magdalena entfernt sich mit ihrem von Tränen brennenden, aber immer Mut ausstrahlenden Gesicht. Sie geht zu Maria hinein.

«Was war mit Petrus ?»

«Eine Nervenkrise. Doch nun ist es vorbei.»

«Sei nicht hart, Maria. Er leidet.»

«Ich auch. Aber siehst du, ich habe nicht einmal eine Liebkosung von dir verlangt. Ihn hast du schon getröstet... und ich meine, daß du allein, meine Mutter, Trost nötig hättest. Meine Mutter, meine heilige, geliebte Mutter! Habe Mut... Morgen ist der dritte Tag. Wir werden uns hier einschließen, wir, seine beiden in ihn Verliebten. Du, die heilige Verliebte, ich, die arme Verliebte... Aber ich bin es, so gut ich es eben kann, mit meinem ganzen Sein... Und wir werden auf ihn warten... Sie, die nicht glauben, werden wir dort einschließen mit ihren Zweifeln. Und hier will ich viele, viele Rosen aufstellen... Heute lasse ich die Truhe bringen ... ... Jetzt gleich gehe ich in den Palast und gebe Levi den Auftrag. Fort mit allen diesen furchtbaren Dingen! Unser Auferstandener darf sie nicht sehen... Viele Rosen... Und du wirst ein neues Kleid anlegen... Er darf dich nicht so sehen. Ich werde dich kämmen und dein armes Antlitz, das die Tränen entstellt haben, waschen. Ewiges Mädchen, ich werde deine Mutter sein... So werde ich endlich die Seligkeit verkosten, mütterliche Sorge zu tragen für ein Geschöpf, das unschuldiger ist als ein neugeborenes Kind! Liebste!» Und in ihrem Gefühlsüberschwang zieht Magdalena das Haupt der sitzenden Maria an ihre Brust, küßt sie, liebkost sie, streicht ihr die in Unordnung geratenen weichen Locken ihres Haares hinter die Ohren und trocknet die erneut und immer, immer fließenden Tränen mit dem Linnen ihres Gewandes...

Nun kommen die Frauen herein mit Lampen, Krügen und weithalsigen Gefäßen. Maria des Alphäus trägt einen schweren Mörser.

«Wir können draußen nicht weitermachen. Es weht ein leichter Wind, der die Lampen auslöscht», erklärt sie.

Sie stellen sich auf einer Seite an einen langen, schmalen Tisch, legen dort ihre Sachen nieder und stellen den Balsam fertig, indem sie die schon dicke, duftende Salbe im Mörser mit einem weißen Pulver vermischen, von dem sie ab und zu eine Handvoll aus einem Säckchen nehmen. Sie mischen und arbeiten mit aller Kraft, füllen dann ein weithalsiges Gefäß und stellen es auf den Boden. Mit einem anderen Gefäß machen sie es ebenso. Düfte und Tränen tränken die Harze.

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Maria Magdalena sagt: «Dies war nicht die Salbung, die ich hoffte, für dich vorbereiten zu dürfen.» Maria Magdalena, die Erfahrenste von allen, hat in der Tat immer die Zusammenstellung der Aromen angeordnet und überwacht, die so stark sind, daß sie die Tür und das Fenster zum Garten etwas öffnen müssen.

Alle weinen noch mehr nach dieser leisen Bemerkung Magdalenas.

Nun sind sie fertig. Alle Gefäße sind gefüllt.

Sie gehen mit den leeren Krügen, dem nun nutzlosen Mörser und vielen Lampen hinaus. Es bleiben nur zwei zuckende Lichter im Zimmer zurück, und auch sie scheinen zu schluchzen mit ihrem flackernden Schein...

Die Frauen kommen wieder herein und schließen das Fenster, denn der Morgen ist kühl. Sie legen die Mäntel an und nehmen große Taschen, in denen sie die Gefäße mit dem Balsam unterbringen.

Maria erhebt sich und sucht ihren Mantel. Doch alle umringen sie und wollen sie überzeugen, nicht mitzugehen.

«Du hältst dich kaum aufrecht, Maria. Seit zwei Tagen hast du nichts zu dir genommen, nur etwas Wasser.»

«Ja, Mutter. Wir werden es rasch und gut machen und bald zurück sein.»

«Hab keine Angst. Wir werden ihn wie einen König einbalsamieren. Du siehst, was für eine kostbare Salbe wir bereitet haben! Und so viel... !»

«Wir werden kein Glied und keine Wunde vergessen und alles richtig machen. Wir sind stark, und wir sind Mütter. Wir werden ihn wie ein Kind in die Wiege legen. Die anderen müssen dann nur noch das Grab verschließen.»

Aber Maria besteht darauf: «Es ist meine Pflicht», sagt sie. «Ich habe immer für ihn gesorgt. Nur in diesen drei Jahren, da er der Welt gehört hat, habe ich anderen die Sorge um ihn überlassen, wenn er fern von mir war. Nun, da die Welt ihn abgewiesen und verleugnet hat, gehört er wieder mir. Und ich bin wieder seine Magd.»

Petrus, der sich mit Johannes der Tür genähert hat, ohne daß die Frauen es bemerkt haben, flieht, als er diese Worte hört. Er flieht in einen verborgenen Winkel, um über seine Sünde zu weinen. Johannes bleibt an der Schwelle, sagt aber nichts. Auch er würde gerne mitgehen, doch er bringt das Opfer, bei der Mutter zu bleiben.

Magdalena führt Maria zu ihrem Sessel zurück. Sie kniet vor ihr nieder, umfängt Marias Knie, erhebt das schmerzerfüllte und liebevolle Gesicht zu ihr und verspricht: «Sein Geist weiß und sieht alles. Aber ich werde seinem Leib durch Küsse deine Liebe und deine Sehnsucht bezeigen. Ich weiß, was Liebe ist. Ich weiß, was für ein Stachel, was für ein Hunger das Lieben ist. Wie man danach verlangt, bei dem zu sein, der unsere Liebe ist. Sogar bei der schändlichen Liebe, die Gold zu sein scheint und Schmutz ist, ist es so. Wenn daher die Sünderin die heilige Liebe zur lebendigen Barmherzigkeit

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kennt, die die Menschen nicht zu lieben verstanden haben, dann versteht sie noch besser, was deine Liebe ist, Mutter. Du weißt, daß ich zu lieben verstehe. Und du weißt, daß er an jenem Abend meiner wahren Geburt dort am Ufer unseres ruhigen Sees gesagt hat, daß Maria zu lieben versteht. Nun ist diese meine überschwengliche Liebe wie das Wasser eines überfließenden Beckens, wie ein über eine Mauer quellender blühender Rosenstrauch, wie Feuer, das Nahrung gefunden hat und immer stärker und größer wird, ganz auf ihn gerichtet und findet in ihm, der Liebe, immer neue Kraft... Oh, daß die Macht meiner Liebe nicht fähig gewesen ist, ihn am Kreuz zu ersetzen... ! Aber was ich für ihn nicht tun konnte – leiden, verbluten, an seiner Stelle sterben unter dem Spott der ganzen Welt, glücklich, glücklich, glücklich, für ihn zu leiden; und ich bin sicher, daß der Docht meines armen Lebens sich mehr in der triumphierenden Liebe als durch die schändliche Hinrichtung verzehrt hätte, und daß aus der Asche die neue, reine Blume des neuen, reinen Lebens, des jungfräulichen Lebens erstanden wäre, das nichts kennt als Gott – all dies, was ich für ihn nicht tun konnte, das kann ich immer noch für dich tun... Mutter, die ich aus ganzem Herzen liebe. Vertraue mir! Mir, die ich im Haus des Pharisäers Simon seine heiligen Füße so zart zu liebkosen wußte; ich werde nun mit meiner Seele, die sich immer mehr der Gnade öffnet, noch liebevoller seine heiligen Glieder liebkosen und seine Wunden pflegen, und mehr mit meiner Liebe als mit den Salben werde ich sie einbalsamieren, mit dem Balsam, der aus meinem Herzen, aus der Liebe und dem Schmerz kommt. Und der Tod wird diesem Fleisch, das so viel Liebe geschenkt hat und so viel Liebe empfängt, nichts anhaben können. Der Tod wird fliehen, denn die Liebe ist stärker als der Tod. Unbesiegbar ist die Liebe. Und ich, Mutter, werde meinen König der Liebe mit deiner vollkommenen und meiner grenzenlosen Liebe einbalsamieren.»

Maria küßt diese leidenschaftliche Frau, die endlich gefunden hat, was solcher Leidenschaft wert ist, und gibt ihren Bitten nach.

Die Frauen gehen hinaus mit einer Lampe. Im Zimmer bleibt nur noch eine. Als letzte geht Magdalena, nachdem sie der Mutter noch einen Kuß gegeben hat.

Im Haus wird es dunkel und still. Die Straße ist noch finster und menschenleer.

Johannes fragt: «Wollt ihr mich wirklich nicht mitnehmen?»

«Nein, du könntest hier nützlich sein. Leb wohl.»

Johannes geht zu Maria zurück. «Sie haben mich nicht gewollt ...» sagt er leise.

«Sei nicht gekränkt. Sie sind bei Jesus. Du bist bei mir. Johannes, beten wir ein wenig zusammen. Wo ist Petrus?»

«Ich weiß nicht. Irgendwo im Haus. Aber ich sehe ihn nicht. Und... Ich hätte ihn für stärker gehalten... Auch ich leide, doch er ...»

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«Er hat zwei Schmerzen. Du nur einen. Komm! Wir wollen auch für ihn beten.»

Und Maria betet langsam das «Vaterunser». Dann liebkost sie Johannes: «Geh zu Petrus. Laß ihn nicht allein. Er war in diesen Stunden in einer so tiefen Finsternis, daß er nun nicht einmal das geringe Licht der Welt erträgt. Sei der Apostel deines verirrten Bruders. Beginne bei ihm mit der Verkündigung. Auf deinem Lebensweg, der sehr lang sein wird, wirst du immer seinesgleichen finden. Beginne deine Arbeit bei deinem Gefährten...»

«Aber was soll ich ihm sagen ... ? Ich weiß nicht... alles bringt ihn zum Weinen.»

«Wiederhole ihm sein Gebot der Liebe. Sage ihm, daß, wer sich fürchtet, Gott noch nicht genügend kennt, denn Gott ist die Liebe. Und wenn er sagt: "Ich habe gesündigt", dann antworte ihm, daß Gott die Sünder so sehr geliebt hat, daß er ihretwegen seinen eingeborenen Sohn gesandt hat. Sage ihm, daß man auf so viel Liebe mit Liebe antworten muß. Und die Liebe schenkt Vertrauen in den gütigsten Herrn. Dieses Vertrauen läßt uns sein Gericht nicht fürchten, denn durch das Vertrauen anerkennen wir die göttliche Weisheit und Güte und sagen: "Ich bin ein armes Geschöpf. Aber er weiß es. Und er gibt mir Christus als Unterpfand der Vergebung und als Stütze und Stab. Meine Armseligkeit wird besiegt durch meine Vereinigung mit Christus." Im Namen Jesu wird alles vergeben... Geh, Johannes. Sage ihm dies. Ich bleibe hier, mit meinem Jesus...» Und sie liebkost das Schweißtuch.

Johannes geht hinaus und schließt die Tür hinter sich.

Maria kniet nieder wie am Abend zuvor, von Angesicht zu Angesicht mit dem Schleier der Veronika. Sie betet und redet mit ihrem Sohn. Sie, die stark ist, um anderen Kraft zu vermitteln, beugt sich nun, da sie allein ist, unter ihrem schweren Kreuz. Doch von Zeit zu Zeit, wie eine Flamme, deren Docht sich wieder aufrichtet, erhebt sich ihre Seele in einer Hoffnung, die nicht sterben kann in ihr, die vielmehr stärker wird im Verlauf der Stunden. Und sie sagt auch dem Vater ihre Hoffnung und ihre Bitte.

678. DER OSTERMORGEN; KLAGE; GEBET MARIAS

Den ganzen Tag habe ich den gekreuzigten Jesus und Maria und Johannes unter dem Kreuz vor Augen.

Heute morgen, als ich die heilige Kommunion empfing, glaubte ich, vor einem lebenden Altar zu sein, denn sie waren da und schauten mich an mit ihren Blicken voll übernatürlicher Liebe. Eine so empfangene Kommunion ist unbeschreiblich.

Gegen Abend habe ich in mir diesen Satz gehört: «Dies war nicht die Salbung, die ich hoffte, für dich vorbereiten zu dürfen.» Es war eine Frauenstimme, eine volle, warme, leidenschaftliche

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Stimme. Nicht die sanfte, jugendliche, reine Stimme Marias, dieser jungfräuliche, helle Sopran.

Ich verstehe, daß es ein neues Wesen ist, das spricht, aber ich kann ihm keinen Namen und kein Gesicht geben, solange ich nicht die Vision habe.

Ich sehe wieder den Raum in dem gastfreundlichen Haus, wo Maria weint. Sie ist noch dort, auf ihrem Stuhl, bedrückt, erschöpft und gezeichnet von den vielen Tränen.

Auch die Frauen sind da. Im Schein der Öllampen bereiten sie die Salben vor, nehmen sie aus verschiedenen Amphoren, mischen sie in einem Mörser und füllen sie dann in weithalsige Gefäße, in die man leicht hineinfassen und den Balsam herausholen kann.

Die Frauen arbeiten weinend, und Maria Magdalena, deren Gesicht von Tränen gezeichnet ist wie von einer Verbrennung, sagt diese Worte, die die anderen Frauen noch stärker weinen machen.

Dann, als sie mit den Vorbereitungen fertig sind, hüllen sie sich in ihre Schals oder Mäntel. Auch Maria steht auf. Doch die Frauen umringen sie und wollen sie überzeugen, nicht mitzugehen. Es wäre zu grausam, wenn sie den Sohn wiedersehen würde, der nun am dritten Tag nach seinem Tod und bei den vielen Quetschungen und Wunden gewiß schon ganz schwarz und verwest ist. Und außerdem hätte sie nicht die Kraft zu gehen. Sie hat ja nur geweint und gebetet; nie gegessen oder geschlafen. Sie soll beruhigt sein und ihnen vertrauen. Sie werden mit ihrer Liebe als Jüngerinnen auch die Mutter vertreten und dem heiligen Körper alle Sorge angedeihen lassen, die erforderlich ist für eine endgültige Beisetzung im Grab.

Maria gibt nach. Magdalena, die zu ihren Füßen kniet und dabei in ihrer üblichen Haltung auf den Fersen sitzt, umarmt ihre Knie und schaut mit dem von Tränen geröteten Antlitz zu ihr empor. Sie verspricht, daß sie Jesus von der ganzen Liebe seiner Mutter berichten wird, während sie ihn nochmals einbalsamiert. Sie wisse ja, was Lieben heißt. Sie habe die niedrige, sinnliche Liebe vertauscht mit der heiligen Liebe zur lebendigen Barmherzigkeit, die die Menschen getötet haben, und sie verstehe zu lieben. Jesus habe ihr gesagt – schon an dem Abend, der zum Morgen ihres neuen Lebens geworden ist – daß sie eine große Liebe hat. Die Mutter solle sich nur auf sie verlassen. Sie, die Erlöste, die damals schon die Füße so sanft liebkost habe, werde nun auch die Wunden liebkosen und sie mehr mit ihrer Liebe als mit der Salbe einbalsamieren, damit der Tod dieses Fleisch nicht verderben könne, das soviel Liebe geschenkt hat und empfängt.

Die Stimme Magdalenas ist voller Leidenschaft. Sie läßt mich an eine in Samt gewickelte Orgel denken, so sehr gleicht sie dem Klang einer Orgel, den Wärme und Leidenschaftlichkeit etwas weicher machen. Sie verrät eine Seele, die in Liebe entbrannt ist. Die gebrannt hat, die brennen und lieben mußte, und die nun, da Jesus sie erlöst hat, in Liebe zur göttlichen

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Liebe entbrannt ist. Ich werde diese Frauenstimme, die ein Bekenntnis des Seelenlebens dieser Frau ist, nicht vergessen. Ich werde sie nie mehr vergessen.

Die Frauen gehen mit ihrer Lampe hinaus. Das Haus ist nun ganz dunkel, und auch der Weg ist dunkel. Kaum die ersten Anzeichen eines Morgengrauens dort im Osten. Das kalte, reine Licht eines Aprilmorgens. Der Weg ist still und verlassen. Die Frauen, alle in ihre Mäntel gehüllt, gehen schweigend zum Grab Jesu.

Ich gehe nicht mit ihnen. Ich kehre zu Maria zurück, Jesus schickt mich zu ihr zurück.

Nun, da sie allein ist, hat sie wieder zu beten begonnen. Sie kniet vor dem Schweißtuch der Veronika, das von einem Regal herabhängt und von dem Leichentuch und den Nägeln gehalten wird. Sie betet und spricht mit ihrem Sohn. Es ist immer noch derselbe Kummer, zusammen mit einer Hoffnung, die sie angstvoll und unruhig sein läßt.

«Jesus, Jesus! Kommst du noch nicht zurück? Deine arme Mutter erträgt es nicht mehr länger, dich dort tot zu wissen. Du hast es gesagt, und niemand hat dich verstanden. Aber ich habe dich verstanden! "Reißt den Tempel Gottes nieder, und ich werde ihn in drei Tagen wieder aufrichten." Nun hat der dritte Tag begonnen. Oh, mein Jesus! Warte nicht, bis er vollendet ist, um zum Leben zurückzukehren, zu deiner Mama, die dich lebendig sehen muß, um nicht zu sterben bei der Erinnerung an deinen Tod, die dich schön, gesund, siegreich sehen muß, um nicht zu sterben bei der Erinnerung an den Zustand, in dem sie dich verlassen hat!

Oh Vater! Vater! Gib mir meinen Sohn zurück, damit ich ihn wieder als Mensch und nicht als Leichnam, als König und nicht als Verurteilten sehe. Danach, ich weiß es, wird er zu dir in den Himmel zurückkehren. Doch ich werde ihn heil gesehen haben nach so vielen Übeln, ich werde ihn stark gesehen haben nach so großer Schwäche, ich werde ihn siegreich gesehen haben nach so viel Kampf. Ich werde ihn als Gott gesehen haben nach so viel für die Menschheit erlittenem Menschsein. Und ich werde glücklich sein, auch wenn ich seine Nähe verliere. Ich werde ihn bei dir wissen, heiliger Vater. Ich werde ihn für immer frei von Schmerz wissen. Jetzt hingegen kann ich nicht, ich kann nicht vergessen, daß er in einem Grab liegt; daß er dort liegt, getötet von den vielen Schmerzen, die man ihm zugefügt hat; daß er, mein Sohn und Gott, das Schicksal der Menschen im Dunkel eines Grabes erleidet, er, dein Lebendiger.

Vater, Vater, erhöre deine Dienerin. Um meines "Ja" willen... Ich habe dich nie um etwas gebeten um meines Gehorsams willen. Dein Wille war mein Wille. Ich habe nichts verlangt für das Opfer meines Willens. Nun aber, nun, heiliger Vater, erhöre mich um des "Ja" willen, das ich dem von dir gesandten Engel geantwortet habe.

Er fühlt nun keinen Schmerz mehr, denn mit seinem drei Stunden

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währenden Todeskampf nach den Martern des Vormittages hat er alles vollbracht. Ich aber ringe seit drei Tagen mit dem Tod. Du siehst mein Herz und fühlst, wie es schlägt. Unser Jesus hat gesagt, daß kein Vogel eine Feder verliert, die du nicht siehst, und daß keine Blume auf dem Feld verwelkt, die du nicht in ihrem Todeskampf mit deiner Sonne und deinem Tau tröstest. Oh, Vater, ich sterbe an diesem Schmerz! Tue an mir wie an dem Sperling, dem du eine neue Feder schenkst, und wie an der Blume, die du erwärmst und tränkst in deiner Barmherzigkeit. Ich sterbe, der Schmerz bringt mich um. Ich habe kein Blut mehr in den Adern. Einst ist es ganz zu Milch geworden, um deinen und meinen Sohn zu nähren; nun ist es ganz zu Tränen geworden, da ich keinen Sohn mehr habe. Sie haben ihn mir getötet, getötet, Vater, und du weißt, auf welche Art und Weise!

Ich habe kein Blut mehr! Ich habe es zusammen mit ihm in der Nacht des Donnerstags und an dem verhängnisvollen Freitag vergossen. Ich friere wie eine Ausgeblutete. Ich habe keine Sonne mehr, denn er ist tot; er, meine heilige Sonne, meine gesegnete Sonne, die aus meinem Schoß zur Freude seiner Mutter und zum Heil der Welt geborene Sonne. Ich finde keine Erquickung mehr, denn ich habe ihn nicht mehr, die süßeste Quelle seiner Mutter, die sein Wort trank und an seiner Gegenwart ihren Durst stillte. Ich bin wie eine Blume im ausgetrockneten Sand. Ich sterbe, ich sterbe, heiliger Vater. Und ich fürchte mich nicht zu sterben, denn auch er ist tot. Aber was wird aus diesen Kleinen werden, aus dieser kleinen Herde meines Sohnes, die so schwach, so ängstlich, so wankelmütig ist, wenn niemand sie stützt? Ich bin nichts, Vater. Aber für die Wünsche meines Sohnes bin ich wie ein bewaffnetes Kriegsheer. Und ich verteidige, ich werde seine Lehre und sein Erbe verteidigen, wie eine Wölfin ihre Jungen verteidigt. Ich, das Lamm, werde zur Wölfin werden, um zu verteidigen, was meines Sohnes und somit auch dein ist.

Du hast es gesehen, Vater. Vor einer Woche hat diese Stadt ihre Ölbäume ihrer Zweige beraubt, ihre Häuser geleert, ihre Gärten geplündert und sich heiser geschrien: "Hosanna dem Sohne Davids. Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn." Und während er über den Teppich der Zweige, der Gewänder, der Stoffe und der Blumen ritt, zeigten ihn die Bürger einander und sagten: "Es ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa. Er ist der König von Israel." Und als die Zweige noch nicht verwelkt und die Stimmen noch rauh waren von den vielen Hosannarufen, wandelten sich ihre Rufe in Beschuldigungen, Flüche und die Forderung nach seinem Tod; und die zu seinem Triumph gebrochenen Zweige wurden zu Ruten, die dein Lamm schlugen, das sie zum Tod führten.

Wenn sie das alles getan haben, als er noch unter ihnen weilte, als er noch zu ihnen sprach und ihnen zulächelte, sie ansah mit seinen Augen, die das Herz weich werden und selbst die Steine erzittern ließen, als er

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ihnen noch Wohltaten erwies und sie belehrte, was werden sie erst tun, wenn er zu dir zurückgekehrt ist?

Du hast ja seine Jünger gesehen. Einer hat ihn verraten, die anderen sind geflohen. Es genügte, daß er geschlagen wurde, und sie flohen wie ängstliche Schafe und brachten es nicht fertig, bei seinem Sterben in seiner Nähe zu sein. Nur einer, der Jüngste, ist geblieben. Nun kommt der Älteste. Schon einmal hat er ihn verleugnet. Und wenn Jesus nicht mehr hier ist und ihn anblickt, wird er dann seinem Glauben treu bleiben?

Ich bin ein Nichts, doch ein klein wenig von meinem Sohn ist auch in mir, und meine Liebe übertrifft meine Fehlerhaftigkeit und tilgt sie. So bin ich von Nutzen für die Sache deines Sohnes, für seine Kirche, die nie Frieden finden wird und tiefe Wurzeln schlagen muß, um nicht von den Stürmen entwurzelt zu werden. Ich werde jene sein, die für sie sorgt. Wie eine aufmerksame Gärtnerin werde ich darüber wachen, daß sie an ihrem Morgen stark und gerade wächst. Danach werde ich gerne sterben. Aber ich kann nicht leben, wenn ich noch lange ohne Jesus sein muß.

Oh, Vater, der du den Sohn zum Wohl der Menschen verlassen, ihn aber dann getröstet hast – denn gewiß hast du ihn nach seinem Tod in deinen Schoß aufgenommen – überlasse mich nicht länger meiner Verlassenheit. Ich ertrage sie und opfere sie auf zum Wohl der Menschen. Aber tröste mich jetzt, Vater. Vater, Erbarmen! Erbarmen, mein Sohn! Erbarmen, göttlicher Geist! Erinnere dich deiner Jungfrau!»

Am Boden liegend, scheint Maria nun mehr durch ihre Haltung als mit ihrem Herzen zu beten. Sie ist wirklich ein armes, zu Boden geschmettertes Geschöpf. Sie gleicht der verdurstenden Blume, von der sie gesprochen hat. Und sie bemerkt nicht einmal die Erschütterung eines kurzen, aber heftigen Erdbebens, das den Hauswirt und seine Frau aufschreien und aus dem Haus laufen läßt, während Petrus und Johannes sich totenbleich an die Schwelle des Zimmers schleppen. Als sie jedoch Maria so in ihr Gebet vertieft, so selbstvergessen, so fern von allem, was nicht Gott ist, sehen, ziehen sie sich zurück, schließen die Tür und kehren verängstigt in den Abendmahlsaal zurück.

 

Gepriesen sei Gott unser Vater, unser Schöpfer,
Gepriesen sei Jesus Christus, der sich aus Liebe für uns geopfert hat,

Gepriesen sei der Hl. Geist, der unser Lehrmeister sein möchte.

 

 

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