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nähere dich deinem Vater, der nichts als Liebe ist. Bei Ihm findest du wahren und echten Frieden, der alles Irdische überstrahlt

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KINDER

sind ein Segen

-

 

Jahrzehntelang wurde uns eingehämmert, wir stünden vor einer weltweiten Bevölkerungsexplosion. Man müsse die Zahl der Kinder beschränken, hieß es. Europa hat sich die Slogans zu Herzen genommen. Die Geburtenzahlen sanken und sanken - und zwar auf Werte, die man bis dahin nicht für möglich gehalten hätte ... Schon lange war ein bevorstehender Bevölkerungskollaps abzusehen, bereits zu Zeiten, da die Medien noch brav Geburtenbeschränkung predigten.

 
I N H A L T
 

Kinder  

Einleitung

Nunmehr hat sich das Thema “Uns gehen die Kinder aus - wer wird die Pensionen zahlen?!" in Politik und Medien herumgesprochen. Im Anschluß an die Veröffentlichung des Buches Minimum von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, das den Niedergang der Familie thematisiert, findet nun seit Wochen eine angeregte Debatte zum Thema Kinderlosigkeit und Familie statt. Die deutsche Regierung hat sich des Themas angenommen. Eine heftig umstrittene neue Kindergeld-Regelung soll insbesondere karrierefreudige Akademikerinnen dazu animieren, nicht weiterhin kinderlos zu bleiben. Ankurbelung der Geburten wird wieder zum politischen Thema.

Auf diesem Hintergrund haben wir den folgenden Schwerpunkt gestaltet. Er versucht etwas Klarheit in die kreuz- und querlaufenden Debatten zu bringen. Dabei geht es uns vor allem um einen zentralen Punkt: die Aufwertung des Kindes als kostbares, eigenständiges Wesen, das eine Herausforderung an die moderne, von Egoismus und Erfolgsstreben geprägte Gesellschaft darstellt.

Um es kurz zu sagen: Versuche, die “Kinderproduktion" anzuregen, um künftig Pensionen zahlen zu können, werden scheitern. Es geht nämlich letztlich darum, den Wert des Kindes als Lehrer des Lebens und als Quelle der Freude zu entdecken. Nicht umsonst fordert Jesus uns auf, “wie die Kinder zu werden".



Unsere Welt ist nicht kindergercht

Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Lange Abhandlungen, runde Tische, Statistiken, Leitartikel, Leserbriefe zu den Themen Familie und Förderung der Geburtenfreudigkeit prägten das Mediengeschehen der letzten Wochen. Sind wir klüger geworden? Ich bin nicht sicher. Viele haben das Thema mittlerweile satt, abgehakt, wenden sich anderen Fragen zu...

Im Medienzeitalter ist die Versuchung, so zu reagieren groß. Aus Gründen der Aktualität wird ein Thema hochgejubelt, jeder thematisiert es, aus allen Ecken werden Argumente hervorgeholt... Jeder scheint irgendwie rechtzuhaben, bis ein neuer Aspekt aufgetischt wird. Der Normalbürger resigniert bald, umso mehr als er den Verdacht hegt, daß sich ohnedies nichts wirklich ändern wird.

Wir stehen hier vor einem großen Problem: Debatten über entscheidende Fragen des Lebens werden vielfach so abgeführt, als ginge es um die Unterhaltung des Medienkonsumenten - und nicht um einen für unser Überleben notwendigen Lernprozeß.

Typisches Beispiel Der Spiegel. In einer Titelstory zum einschlägigen Thema war unter anderem folgendes zu lesen: “Familie ist die erfolgreichste Formation, gerade in Krisenzeiten. Ausgerechnet diese belastbarste Form für das Überleben der Gattung wurde von unserer Babyboomer Gesellschaft, den in den fünfziger Jahren Geborenen, zertrümmert ... Wir haben uns die eigenen Lebensgrundlagen entzogen. Dabei geht es um die knapp gewordene Ressource ,Kind' ... um die Ressource ,Liebe'."

Klingt gut, nicht wahr? Allerdings wird drei Wochen später (am 27. April) im Spiegel online unter dem Titel “Eine Hölle namens Familie" folgendes nachgeliefert: “Ein Gespenst geht um in Deutschland. Die gute alte Familie wird angesichts des Geburtenschwunds zur neuen Gesellschaftsutopie erklärt. Anscheinend haben wir alles vergessen: die autoritäre Enge, die Seelenqualen und Gewaltexzesse in den Terrorgemeinschaften der eigenen vier Wände." Im selben Medium total unvereinbare Positionen - das ist reiner Zynismus. Was gilt jetzt also? Versuchen wir eine Faktensammlung:

* Tatsache ist, daß derzeit in keinem europäischen Land ausreichend viele Kinder geboren werden, um das Bevölkerungsniveau aufrechtzuerhalten. In Deutschland und Österreich ist die Geburtenfreudigkeit so gering, daß man mit einem Rückgang von rund 40 Prozent von einer Generation zur nächsten rechnen muß. Größere Familien (mit drei Kindern oder mehr) werden zu Ausnahmeerscheinungen (nur mehr acht Prozent der Haushalte in Österreich beherbergen fünf oder mehr Personen). Schweden wegen seiner Politik der außerhäuslichen Betreuung von Kindern als vorbildlich hinzustellen, ist irreführend. Auch Schwedens Bevölkerung wird langfristig schrumpfen.

* Tatsache ist, daß Familie im Wertegefüge der Menschen einen ganz hohen Stellenwert einnimmt. Mit 89% liegt Familie im Jahr 2000 deutlich an erster Stelle, wenn die Österreicher nach dem in ihrem Leben sehr Wichtigen befragt werden (1991 waren es 86 %). Im Rahmen der Shell-Studie (2002) meinten 75 Prozent der weiblichen und 65 Prozent der männlichen Jugendlichen man brauche Familie “zum Glücklichsein".

* Befragt man Kinder, wie sie sich Familie vorstellen, so wird deutlich, daß sie sehr “konservative" Ansichten vertreten: 50% der 10jährigen finden eine Schwester oder einen Bruder am schönsten, 20% zwei, 7% drei und 11% finden mehr als drei Geschwister als Optimum.

* Tatsache ist, daß Kinder den materiellen Wohlstand der Eltern verringern. Untersuchungen haben ergeben, daß Frauen, die während ihrer Erziehungstätigkeit außerhäuslich nicht berufstätig sind, mit einem Verdienstentgang von rund 223.000 Euro rechnen müssen.

* Tatsache ist, daß Familie in den Medien überwiegend problematisiert und das Scheitern herausgestellt wird. Erfolg im Berufsleben, ein hohes Konsumniveau und aufwendige Freizeitvergnügen werden als lohnender Lebensinhalt attraktiv gemacht. Nicht zu übersehen ist weiters, daß das Berufsleben die Kräfte der Menschen immer mehr in Anspruch nimmt. Die Absicherung am Arbeitsplatz nimmt ab. Vom Mitarbeiter werden Flexibilität, Mobilität, lebenslanges Lernen (sprich Bereitschaft, sich neu auszurichten) erwartet. Halbwegs gesicherte Arbeitsplätze und für die Erhaltung einer Familie ausreichende Bezahlung werden zur Mangelware.

* Tatsache ist, daß die mit großem Aufwand betriebene Werbung tagtäglich zum Egoismus und zur Genußsucht animiert: “Geiz ist geil", “Ich will alles", “Geld macht glücklich" und ähnliche Slogans begleiten den Alltag.

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum die immer noch vorhandene Sehnsucht der jungen Menschen nach Familie und Kindern so oft nicht verwirklicht wird. Unsere Gesellschaft produziert einen Lebensentwurf, in den Kinder nicht passen. Ihn gilt es zu ändern. Die Stoßrichtung einer Neuausrichtung wird erkennbar, wenn wir die Frage stellen, was der Mensch zur Entfaltung seiner Persönlichkeit braucht. Die einschlägige Forschung liefert dazu Denkanstöße (siehe S. 5 und 6). Sie läßt die Stoßrichtung erkennen: Wer Kinder haben will, muß an einer kindgerechten Welt bauen.

Kinder  

Um die Kinder muss es gehen

Ein Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft

Endlich erkennt Europa ein in der Geschichte bisher nicht bekanntes Problem: Es wachsen nicht genug Kinder nach. Es wird nach Auswegen aus der Bedrohung gesucht. Sie werden nur tragfähig sein, wenn sie das Problem kindergerecht lösen. Was das heißt, skizziert der folgende Beitrag.

Europa schrumpft. Die Großfamilien sterben aus, Jugendkriminalität und psychische Erkrankungen boomen. Immer deutlicher wird, daß eine große Zahl von Eltern und schließlich sogar von Lehrern mit den Kindern nicht mehr zurechtkommen - die Eltern haben nicht mehr genug Zeit für sie, die Lehrer kämpfen nicht selten vergeblich gegen eine lärmende, unkonzentrierte Masse von Schülern, die Jugendarbeitslosigkeit ist unerträglich hoch.

Was tun? Dem jungen Europa fällt in dieser Situation ein alter ideologischer Lieblingsgedanke ein: Weg mit dem Unsicherheitsfaktor Familie samt ihrem Unsicherheitsfaktor individueller Erziehung: Laßt Vater Staat die Sache übernehmen, einheitlich (und deshalb gerecht), durchorganisiert und mit klaren Chancen für alle. Kinderkrippen für die Säuglinge und Kleinkinder, Kindertagesstätten für die 3- bis 6jährigen, und ab dann ein einheitliches Ganztagsschulsystem.

Je mehr bedrängt die Nationen sind, umso lieblicher erscheinen ihnen diese Schalmeien; erstens fällt dann die “Falle Mutterschaft" für die emanzipierte Frau aus. Sie kann - kontinuierlich, mit kurzen Unterbrechungen als Wirtschaftsfaktor erhalten bleiben. Die Fessel der Eltern an ihre Brut - besonders auch für die Väter - verringert sich. Ausgebildete Erzieher böten eine größere Gewähr für erzieherischen Erfolg, meint man.

Gut gedacht - aber auch gut gewußt? Fällt nicht vielleicht irgendjemandem ein, daß diese Idee bereits einmal als Großexperiment der Sowjetunion 70 Jahre lang durchgepaukt worden ist? So lange, bis alles nachhaltig am Boden lag, so lange, bis Gorbatschow bilanziert: Die Kollektiverziehung war es, die uns zerstört hat.

Welche Erziehungsform ist nun aber erfolgreicher? Und - was vor allem gefragt werden müßte: Wie erleben denn die Kinder diese Erziehungsform? Was ist für sie bekömmlich, was nicht?

Um das zu beurteilen, stehen mehrere Wissenschaften parat, die sich - oft schon über Jahrhunderte - hauptberuflich mit dem Kind beschäftigen: Die Pädagogik, die Enwicklungspsychologie und - jüngeren Datums - die Kinderpsychotherapie, die Psychopathologie sowie (weniger ideologieanfällig) die Neurobiologie und die Hirnforschung. Die Aussagen dieser Wissenschaften geben ein anderes, sehr viel gewichtigeres Bild über die Notwendigkeiten ab, die es der kostbaren Pflanze Mensch möglich macht, sich seelisch gesund zu entfalten.

Abrißhaft soll versucht werden, diese Ergebnisse zusammenzufassen.

Erst vor etwa 30 Jahren ist in der Medizin die Erkenntnis aufgekeimt, wie groß die Bedeutung schon der Schwangerschaft für das Wohlbefinden des Kindes ist und damit für den Tenor seiner weiteren Entwicklung. Neu mußte gelernt werden, daß erschreckende Erlebnisse der Mutter schon wenige Wochen nach der Zeugung - von dem Augenblick an, an dem das sich bildende Nervensystem und das Herz zu arbeiten beginnen - mit ihr auch das Kind in Angst und Schrecken zu versetzen vermögen.

Die Contergankatastrophe lenkte zum ersten Mal die Mediziner mit einem tiefen Schock darauf hin, daß die Plazenta keineswegs - wie lange angenommen - eine undurchlässige Schutzhülle ist. Das bewirkte, daß eine neue Vorsicht entstand: Gegen Gifte wie Alkohol, Rauschgift und die Fülle der Medikamente, die den Markt bevölkern.

Ein neuer Schreck ist z. B. im Hinblick auf die Tranquilizer aufgetaucht: Die beruhigenden Wundermittel gegen Streß sind in den Verdacht geraten, das sich konstituierende Gehirn des Kindes nachhaltig zu schädigen! Eine weitere Nachricht kommt aus der Gynäkologie: 50% der Schwangerschaften in Deutschland enden mit einem Abort, nicht nur, weil man diese Kinder nicht haben will und Abtreibendes in Szene setzt, sondern weil die Mütter einfach zu dünn sind, um Mutterleib sein zu können, oder weil physische Störungen geschahen.

Was also braucht das Kind in den ersten neun Lebensmonaten im Mutterleib? Möglichst wenig Streß, möglichst viel Gesunderhaltung seiner Mutter und ihre ausschließlich gesunde, ausreichende Ernährung unter Ausschluß von Giftstoffen - und möglichst viel Rücksicht der Umwelt.

Haben wir diesen neuen Forschungsergebnissen bisher Rechnung getragen? Sind wir bereit, diese Erkenntnisse so zu verbreiten, daß zumindest die werdenden Eltern diese Grundnotwendigkeiten für ihr Kind umsetzen können? Davon kann keine Rede sein.

Nicht weniger leichtfertig und ignorant wird häufig mit den Problemen um die Geburt umgegangen. Narkosen während des Geburtsvorgangs können den Kindern schaden. Ein Kaiserschnitt ebenso wie eine Periduralanästhesie - ohne zwingenden lebensnotwendigen Grund und nur um die Schmerzen nicht aushalten zu wollen - können sich als ebenso ungut herausstellen wie die Einleitung der Geburt lediglich aus terminlichen Gründen.

Wir haben zu respektieren, daß es bestimmt ist, wann das Kind das Licht der Welt erblickt. Wer sich darüber hinwegsetzt, kann unter Umständen einen Streßpegel im kindlichen Gehirn hervorrufen, der es unruhig und unausgeglichen werden läßt - nicht nur in den ersten Lebensmonaten.

Aber wie erst bestätigen sich die schon lang vorhandenen Vermutungen der Entwicklungspsychologen über die Bedeutung der frühen Kindheit für die Persönlichkeitsentwicklung durch die Ergebnisse der neuen Hirnforschung!

Viel Nähe durch die Mutter, viel Nahrung aus ihrem Leib, viel Zärtlichkeit, viel Ansprache durch sie braucht das Kind in seinen ersten beiden Lebensjahren, wenn sich der Computer in seinem Kopf zur Höchstleistungsfähigkeit aufbauen soll! Erstaunlich sind die Forschungsergebnisse, die bestätigen, daß die leibliche Mutter in der ersten Lebenszeit ihres Kindes als die optimale Bezugsperson gemeint ist. Denn Mutter und Kind sind auch nach der Geburt in einem feingliedrigen System aufeinander eingestellt. Das Kind kennt, wenn es geboren wird, den Herzschlag seiner Mutter, ihre Stimme, ja sogar den Geschmack ihrer individuellen Milch, der dem des Fruchtwassers ähnlich ist. Es ist in einer speziellen Weise zufrieden, wenn das eintritt, was es gewissermaßen erwartet.

So erwartet es, wenn es sich meldet, angelegt zu werden und sich satt zu trinken, aus einer Quelle, die sich automatisch auf die Bedürfnisse des Kindes einstellt, nach Angebot und Nachfrage. Es wird von Todesangst erfüllt, wenn das über lange Zeit nicht geschieht, wenn man z.B. das Neugeborene, um es “artig zu machen", nächtelang schreien läßt. Es wird dann auch artig - aber mit der Grundstimmung von Resignation und dem Keim zu einer lebenslang währenden Anfälligkeit zur Depression.

In dem Augenblick, wo das Gehirn den Gesichtsinn des Kindes fertiggestellt hat - also einige Wochen nach der Geburt - prägt sich das Kind das Gesicht der Mutter mit einer wie darauf fixierten Nachhaltigkeit ein. Es muß ihr Gesicht wissen; dieses ist die Garantie dafür, sich an die zu halten, die ihm sein Überleben garantiert.

Wenn dieser Garant lange Zeit ausfällt, empfindet das Kind das als Lebensbedrohung und antwortet darauf - so sehen die Forscher jetzt - mit erhöhtem Cortisolspiegel, was der Umwelt durch anhaltendes Schreien und schlaflose Unruhe deutlich wird.

Nicht irgendjemand - nicht der Vater, nicht die Großmutter, erst recht nicht irgendwelche noch so gut ausgebildeten Säuglingsbetreuerinnen - kann die leibliche Mutter vollgültig ersetzen. (Allenfalls in der Not; denn dann frißt selbst der Teufel Fliegen).

Die leibliche Mutter ist jedenfalls hormonell auf diesen ersten strengen Dienst am Kind eingestellt. Sie verfügt über einen automatisch funktionierenden sogenannten “Ammenrapport", d.h. sie wird aktiviert, wenn das Kind sich meldet, und sie wird mit einer solchen Liebe, einer solchen Zuwendungsbereitschaft ausgestattet, daß sie darüber sogar ihren Ehemann geradezu aus dem Blickfeld verlieren kann. Der Vater kann das allerdings auch alles mit viel Bereitschaft und Mühewaltung lernen, aber keineswegs mit der gleichen Unmittelbarkeit, wie sie der leiblichen seelisch gesunden Mutter nach der Geburt ihres Kindes zur Verfügung steht.

Was geschieht, wenn man Kindern darüberhinaus in dieser ersten Lebenszeit fortgesetzt Trennungen von seinem Lebensgaranten zumutet? Das wissen wir nicht erst seit gestern durch die Bindungsforschung: die Kinder werden zunächst unwirsch, (ja, sie vermeiden es, ihrer Mutter strahlend lächelnd ins Gesicht zu sehen!). Später sind sie überempfindlich, ohne Selbstwertgefühl, oft nimmersatt in Bezug auf Materialien (inklusive Essen und Trinken) und sind von gleichgültiger Dickfällig- und Erfolglosigkeit, was sich alles im Teufelskreis verstärkt.

Diese Forschungsergebnisse sind umso gewichtiger, als sich durch zahlreiche Studien herausgestellt hat, wie wichtig es für die gesamte weitere Entwicklung ist, daß diese Entfaltungsbedingungen erfüllt werden. Kinder, denen die Urerwartungen während der Aufbauphase des Gehirns erfüllt wurden, sind nämlich zufriedener und damit ruhiger, gleichzeitig aber auch von unbändiger Neugier auf das Leben erfüllt. Das bewirkt, daß sie wesentlich lernfähiger sind. Ihre Synapsen, diese Milliarden von Verbindungen zwischen den Neuronen, entfalten sich in optimaler Fülle. Kinder, deren Bedürfnisse am Lebensanfang befriedigt wurden, sind somit im Alter von zehn Jahren den weniger natürlich gepflegten intellektuell um zwei Jahre voraus. Außerdem sind sie weniger anfällig, bei Superstreß zu dekompensieren, sie sind maßvoller, glücklicher, ausgeglichener und deshalb gemeinschaftsfähiger und auf der ganzen Linie erfolgreicher.

Wollen wir glückliche Kinder? Wollen wir Eltern sein, deren Einsatz für die Kinder sich durch liebevolle Nachkommen bezahlt macht? Wollen wir auf ein gedeihliches, christliches Abendland mit einer Hochkultur und einer gesunden Wirtschaft hoffen durch Menschen, die so viel Lebenskraft mitbekommen haben, daß sie in der Lage sind, über den Tellerrand ihres kraftvollen Ego hinauszuschauen und sich für die vielen einzusetzen?

Dann sollten wir schleunigst auf ein sorgfältiges, natürliches Aufwachsen unserer Kinder - besonders während der Entfaltungsphase des Gehirns - bedacht sein. Das heißt, dem Kind seine natürlichen Grundbedürfnisse zu erfüllen, also: Mutter und Kind eine ungestörte Phase zu gönnen, in der die Basis gelegt wird, die das Kind für ein erfolgreiches, befriedigendes Leben unabdingbar braucht.

Natürlich ist mit Erziehungskunde und einer Familienpolitik, die sich um die Ermöglichung eines gesunden Lebensansatzes bemüht, noch nicht alles getan. Es muß grundsätzlich in unser aller Bewußtsein, daß Kinder Geschöpfe sind, die ähnlich wie unsere Obstbäume einer sorgsamen phasenspezifischen Betreuung bedürfen, wenn sie gute Früchte tragen sollen. Für die Spezies Mensch gehört dazu, daß sie individuell angelegt sind und allein über die Beachtung ihrer Individualität gemeinschaftsfähig werden. Nicht dadurch, daß man sie als Säuglinge zusammenrottet, gelingt das, sondern indem man sie durch konstante Betreuung, wie die Familie sie bietet, liebesfähig macht, so haben die Langzeitstudien an Krippenkindern in den USA ergeben.

Phasenspezifisch erziehen heißt, auch die Dreijährigen aus diesem Gefüge nicht ganztägig herauszureißen, sondern sie allmählich an Gleichaltrige zu gewöhnen. Das sollte behutsam geschehen, mit nur allmählichem Aufstocken der Stunden, in denen die Kinder familienfern bleiben. Und auch die Grundschulzeit sollte - bei gesunden Familienstrukturen - noch eine Zeit sein, in der man auch wieder aus der Lerngemeinschaft entlassen wird, um in Freizeitbeschäftigungen eine Ahnung zu bekommen, wo die individuellen Begabungen angesiedelt sind.

Nur eine Gesellschaft, die das Glück, und das heißt die seelische Gesundheit der jungen Generation, fest als eine unaufgebbare Priorität in den Blick nimmt, wird Zukunft haben.

Denn das hat sich längst erwiesen: Wer bei seinen politischen Programmen nur kurzsichtige Ziele der Erwachsenen im Blick hat, kann auf Dauer nur Niedergang hervorrufen. Der Mensch im künstlichen Leben der Industrienationen darf es sich nicht herausnehmen, die Menschen über die ihm gesetzten natürlichen Grenzen hinaus zu manipulieren.

Das sollte sich das junge Europa schnellstens auf seine Fahnen schreiben.

Christa Meves

 

Berufen zur Mutterschaft

Über die schöne, schwere Berufung der Frau (Von Jo Croissant)

Mutterschaft - paßt das überhaupt noch in unsere Zeit? Ist sie nicht eine Zumutung für die moderne Frau? Nein, sagt Jo Croissant, es ist ihre eigentliche und schönste Berufung:

Die Frau sah keine andere Lösung, der Allmacht des Mannes zu entrinnen, als so zu werden wie er, ohne zu bemerken, daß sie dadurch ihre Weiblichkeit verleugnen müßte. So wurde die Mutterschaft zu einem Haupthindernis, das es unbedingt in den Griff zu bekommen galt: Es ist unmöglich, wie ein Mann zu arbeiten, wenn man ein Kind erwartet.

Machen wir uns die menschlichen und geistigen Folgen dieser Tatsache für unsere Gesellschaft klar? Die Frauen wollen nicht länger Leben schenken. Sie sind nicht mehr bereit, sich dafür zu opfern, daß ihre Kinder richtige Männer und Frauen werden, und keine verletzten Wesen, die zwar mit materiellen Dingen vollgestopft sind, aber das Wesentlichste entbehren mußten: eine Mutter, die sie so sehr liebt, daß sie ihr Leben für sie einsetzt.

Keine Zukunft ohne Mütter

Die Frauen weigern sich, Leben zu geben. Das hat tiefere Auswirkungen auf die Zukunft unserer Welt, als man zugeben möchte. Ihre Weigerung, leiblich zu gebären, macht sie geistlich unfruchtbar, unfruchtbar für die Menschheit, weil Gott sich dann keine Söhne und Töchter mehr erwerben kann.

Jemand hat einmal gesagt, der Böse sei viel eifersüchtiger auf die Frau als auf den Mann; denn sie habe zuallernächst den Auftrag, Leben zu sein, Leben zu schenken und Kinder zur Welt zu bringen und dadurch engstens am Plan Gottes teilzuhaben. Die Schlange wisse, daß sie sich nur der Frau zu bemächtigen und ihre lebensspendenden Fähigkeiten zu verringern braucht, um Gott in Seinem Plan zu behindern.

Wenn die Frau sich ihrer unersetzlichen Berufung nicht stellt und die Gnade der Mutterschaft nicht annimmt, wenn sie nicht wieder Mutter wird, rennt die Welt ins Verderben. Wie wird unsere Zukunft aussehen, wenn es keine Mütter mehr gibt? Was wird dann aus unseren Kindern? Wie will Gott sie sich zu eigen machen, wenn niemand sie zur Welt bringt?

Jedes Kind ist ein Segen

Ich habe nie ein Kind gesehen, das nicht ein Segen gewesen wäre. Anfänglich wirft ein unerwartetes Kind alle unsere Pläne über den Haufen und verwirrt uns. Und doch ist es immer eine Gottesgabe, und wenn es als solche angenommen wird, dann vereinigt es die Familie. Alle schart es um sich, und jeden bringt es von seiner Selbstsucht ab. Es versöhnt Vater und Mutter und führt die Geschwister zusammen.

Gott ist der Vater jedes Kindes; Er gibt es nicht auf. Die Eltern können Ihm vertrauen und sich Seiner Vorsehung überlassen.

Unbestritten ist unsere Gesellschaft gegenwärtig in einem solchen Zustand, daß es manchmal heldenhaft erscheint, eine große Familie zu haben. Viele meiner Freundinnen sahen sich den Angriffen der Ärzteschaft ausgesetzt, wenn sie ihr viertes Kind erwarteten. Sobald sich die geringste Wahrscheinlichkeit für ein möglicherweise auftauchendes Problem ergab, wurde gleich eine Abtreibung vorgeschlagen. Daß sie das Kind wollten, wurde überhaupt nicht verstanden. Dank sei Gott, sie alle bekamen prächtige Babys und hatten eine unerwartet große Freude daran.

Eine Gnadengabe

Ein Kind im Schoß zu tragen und in der Gabe des eigenen Fleisches und Blutes so innig an der Schöpfung teilhaben zu können, ist für die Frau eine großartige Gnadengabe. Ihr ganzes Wesen ist auf die Berufung zur Mutterschaft hin angelegt. Das zu leugnen und ihren biologischen Rhythmus anzutasten, um alles Hinderliche aus dem Leben einer Frau auszuschalten, damit sie dem Mann gleich wird, ist im Grunde eine schwere Verstümmelung bis hinein in die tiefen Schichten ihres Unbewußten. Damit macht man sie unfruchtbar.

Die Frau ist aber dazu geschaffen, leiblich und seelisch Mutter zu werden. Nur wenn sie ihrer Berufung treu ist, kann sie sich voll entfalten. Wenn sie nicht das Glück hat, einen Ehemann zu finden, kann sie das noch größere Glück haben, ihrem Herrn zu begegnen und sich mit ihrem Gott zu vermählen. Sie wird dann nicht leiblich Mutter werden, sondern geistlich.

Es ist furchtbar, sein Leben lang Mädchen zu bleiben, ein “altes Mädchen" zu werden. Jede Frau ist dazu geschaffen, Mädchen, Ehefrau und Mutter zu sein: Mädchen als Tochter Gottes, Ehefrau als Braut Christi und Mutter der Menschen, ja der Menschheit, in einer Mütterlichkeit, die über das Fleisch hinausreicht und für ihr tiefstes Wesen grundlegend ist.

Das Leben einsetzen

Wenn man von Mutterschaft spricht, ist damit nicht nur die Tatsache gemeint, Kinder zu haben. Es handelt sich um jene Fähigkeit der Frau, ihr Leben einzusetzen, indem sie sich selbst einsetzt, ganz gleich, ob sie ledig, geweiht oder verheiratet ist oder keine Kinder bekommen kann.

Jede Frau hat den Leib einer Mutter, den Verstand und das Herz einer Mutter, und ihre Mütterlichkeit ist dazu berufen, sich mehr und mehr zu entfalten und allumfassend zu werden. Aber man muß wieder einen Sinn für das Opfer entwickeln, man muß sich mit all diesen Worten versöhnen, die uns so allergisch gemacht haben, und die doch geistig und religiös so Wunderbares meinen.

Die Überlegenheit des Menschen über das Tier beruht in der Tat auf seiner Fähigkeit zum Opfer aus Liebe, und nicht aus Pflicht oder Notwendigkeit.

Gott hat jeden Menschen zur Teilnahme an Seinem Schöpferwerk berufen, jeden nach seiner besonderen Berufung. Die Frau hat Er berufen, in all ihren Beziehungen zur Schöpfung Mutter zu sein, und Mutter sein bedeutet, sein Leben einzusetzen. Gott wollte die Frau nötig haben, um Sein eigenes Leben weiterzugeben, so wie Er des Mannes bedarf, um Seine Väterlichkeit weiterzugeben.

Viele Frauen haben ihre Identität als Mutter aufgrund aller damit verbundenen Zwänge und des von ihr erwarteten Verzichts zurückgewiesen. Kein Wort ist unserem Empfinden heute fremder als das Wort “Opfer". Wenn man es unglücklicherweise ausspricht, wird gleich ein mystisches Delirium vermutet und man bekommt den guten Rat, einen Psychiater aufzusuchen. Ich mache keine Scherze; einigen meiner Freundinnen, die eine Zeit der Prüfung durchmachten und dabei trotz allem ganz ausgewogene Menschen waren, ist das tatsächlich passiert. Denn die Sprache des Glaubens wird nicht geduldet, und man wird sofort für einen Schwärmer gehalten.

Trotzdem, wer liebt, ist bereit, für das Glück seiner Lieben alles aufzuopfern, sogar das eigene Leben. Daran erkennt man übrigens die wahre Liebe.

Auszüge aus Die priesterliche Frau - oder das Priestertum des Herzens, siehe Buchbesprechung.

 

Die Enkel - welche Freude

Episoden aus dem Alltag einer engagierten Großmutter

Kinder sind nicht nur Geschenk an ihre Eltern, sondern an die gesamte Familie. Wieviele Paare warten doch heute sehnsüchtig darauf, Großeltern zu werden! Enkel zu haben, ist tatsächlich einge wunderbare Erfahrung:

Erster Schauplatz: Die Schulhalle zu Mittag. Ich warte auf meine beiden jüngeren Enkel. Eigentlich hätte auch meine Tochter Zeit, die beiden zu holen, doch ich komme her, um ihre leuchtenden Augen zu sehen, wenn sie mich entdecken, und genieße ihre Arme um meinen Hals und ihre Begrüßungsbussis. Jede Großmutter sollte sich diese Freude, zumindest von Zeit zu Zeit, vergönnen. Haben die beiden nicht zur gleichen Zeit Schulschluß, freue ich mich darauf, mit einem der beiden die Zeit in gemütlicher Zweisamkeit beim Austausch der eben erlebten Freuden und Sorgen im Café nebenan zu verbringen, bis wir dann gemeinsam den Bruder holen.

2. Schauplatz: Adventsingen in der ersten Klasse Volksschule. Aufgeregt sind die Kleinen und warten brav aufgereiht auf den Beginn ihrer Darbietung. Voll Liebe betrachte ich unseren jüngsten Enkel, Benjamin, und denke an die vielen schönen Erlebnisse, die wir miteinander haben durften, etwa an die ersten Schwimmversuche im gemeinsam verbrachten Urlaub. Oder an die Aufregungen, die der kleine Sturzpilot der Familie schon beschert hat: an den Vorderzahn, den er beim Versuch, mit der Schaukel das Fliegen zu erlernen, in den Parkettboden gerammt hat...

Das Singen beginnt. Benni schaut zu seiner Mutter und zu mir: Ob wir auch alles mitverfolgen? Na klar - und wie! Entspannt wie selten, genieße ich, wie die Kinder mit Freude und Eifer ihre Lieder vortragen. Und wenn nicht jeder Ton getroffen wird , ist es noch herziger.

3. Schauplatz: Osternacht in Wien, St. Rochus. Feierlich, ernst und voll Ehrfurcht hält Pauli (9) die Statue des Auferstandenen: mit der einen Hand den Sockel, mit der anderen den Rücken des Heilands. Als jüngster Ministrant, an der Spitze der Osterprozession schreitend, trägt er den Heiland in seinen Händen. Das Stehen dauert länger als erwartet. Wie lange kann er die Statue noch halten, schießt es mir durch den Kopf. Voll Sorge deute ich: Nimm beide Hände! Ein kurzes Kopfschütteln: nur auf diese Art ist der Heiland zu tragen, gibt er mir zu verstehen. Und daran hält er sich.

Ich bin stolz auf meinen Enkel, bitte seinen Schutzengel ihm doch beim Tragen zu helfen. Die Prozession setzt sich in Bewegung, Pauli voran. Offensichtlich läßt ihn nun die ehrenvolle Aufgabe das Gewicht vergessen. Seine behutsame ehrerbietige Haltung dem Herrn gegenüber überträgt sich auf mich und so erfahre auch ich des Auferstandenen Anwesenheit in besonderer Weise. Ja, Kinder können uns wirklich Jesus näherbringen.

4. Schauplatz: Ostersonntag im Garten. Der Jüngste der Familie, der bald zweijährige Maxi hält sich fest an Paulis Hand. Er hilft dem Großen beim Eiersuchen. Liebevoll kümmert sich der Größere um den Kleinen und läßt diesen immer wieder etwas finden. Ganz neidlos freut sich Maxi über jede Entdeckung des Cousins und klatscht begeistert in die Hände. Nichts will er für sich haben, nicht einmal das, was für ihn selbst versteckt war. Alles soll Pauli gehören, den er doch so verehrt. “Sind die beiden nicht ein wunderbares Vorbild für uns?", überlege ich und denke an den Satz: “Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder..."

5. Schauplatz: Fußballtmatch im Garten der Schwiegermutter am Ostersonntag. Wie so oft spielen da mehrere Generationen mit: Großvater, Großonkel, Onkel, zwei Väter und ihre drei Söhne. Alle sind mit großem Eifer bei der Sache, besonders die Buben. Sie wollen den Großen zeigen, wie vollwertig ihre Mitwirkung ist. Aber auch die erwachsenen Männer wollen beweisen, daß sie noch nicht zum alten Eisen zählen. Es wird also hart gekämpft aber doch mit Rücksicht auf die Jüngsten. Und mit Lob und Ansporn - auch wenn es “Gegner" sind - wird nicht gespart. Mit Maxi an der Seite, losgelöst von den Alltagssorgen, verfolge ich, zufrieden und froh, dieses für mich berührende Spiel dreier Generationen, das die Familienbande stärkt. Für wen soll ich Daumen halten?

6. Schauplatz: Internationales Basketball-Osterturnier in Floridsdorf: Unser ältester Enkel, Adrien (fast 14), spielt gegen eine deutsche Mannschaft. Nie hätte ich gedacht, daß Basketball so aufregend sein kann. Im Zentrum meiner Aufmerksamkeit steht natürlich Adrien: Er ist wendig, schnell, geschickt mit dem Ball - einfach “cool", wie seine Cousins sagen würden. Als er den ersten Korb wirft, klatsche ich begeistert. Schade, daß ich nicht auch so ein trompetendes Miniinstrument habe, wie meine Nachbarin, um meiner Freude Ausdruck zu verleihen.

Wie groß er schon geworden ist und wie sportlich! Es ist noch gar nicht solange her, daß er, an mich gekuschelt, begeistert meinen selbsterfundenen Geschichten gelauscht hat. Und so wißbegierig war er: So vieles gab es da zu erklären. Nun ist er es, der mir Fragen beantwortet: So weiß ich mittlerweile, was ein “Threesixty-dunk" und ein “Rebound" beim Basketball ist.

Ich muß aber auch erkennen, daß er ein junger Mann geworden ist für den ich zwar da bin, wenn er die Großmutter braucht, der aber auch recht gut ohne mich auskommt. Ja, alles schon dagewesen.

So bin ich sehr dankbar für meine Kinder, dafür, daß wir Enkel haben dürfen, die unser Leben nicht nur sehr bereichern sondern uns auch helfen, Wesentliches über das Leben, die Liebe und Gott wieder neu zu erfahren.


Sie sind meine Lehrer geworden

Die Kinder als große Herausforderung

Vor einiger Zeit schon hat mir der Herr ein großes Geschenk gemacht: die Freude am Dasein meiner Kinder! Viele fragen sich, ob das nicht selbstverständlich ist. Für mich war es das jedenfalls nicht. Meine Kinder waren eine große Herausforderung; ich war oft nicht mehr fähig, das Gute zu sehen.

Aber der Herr schenkte mir eine Freude, die mich trägt. Ich suchte, und Er ließ mich finden: daß die Kinder da sind! Sie auf ihrem Start ins Leben begleiten zu dürfen, für sie dasein zu dürfen, ihnen Mutter sein zu dürfen, zwei einmaligen Geschöpfen! An ihrer Freude am Leben teilhaben zu dürfen, an ihrem Lernen!

Sie sind meine Lehrer geworden, was Kindschaft - noch mehr Gotteskindschaft bedeutet: sich dem Vater ganz anzuvertrauen, offen zu sein für alles, was sie bekommen, neugierig, mit ihrem ganzen Verstand das Leben, Gott, die Welt erforschend.

Und sind es nicht die Augen Jesu, die mich täglich voll Liebe anblicken, meine ganze Liebe und Hingabe fordernd, erbittend? Ist es nicht Er, der gesagt hat: “Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben, ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben, ich war nackt, und ihr habt mich bekleidet, ich war krank und ihr seid zu mir gekommen..."? Was anderes kann der Dienst der Mutter sein?

Eine Mutter kann sichtbar nach außen oft nicht viel tun, sie hat oft (vor allem bei kleinen Kindern) keine andere Wahl, als dem Herrn zu vertrauen, daß Er ihren Dienst an den Kindern und an der Familie als Dienst an Ihm selbst annimmt. Das ist ihre Armut und das ist ihre Hoffnung, ihr Reichtum, ihre Freude!

Melanie Lutterotti


Jetzt bleibt mehr Zeit für die Kinder...

Kein leichter Abschied vom Karrieredenken

Erfolgreich im Beruf, glücklich verheiratet, zwei Kinder - und dennoch... Er nimmt eine Auszeit, ein Jahr, um sein Leben neu zu ordnen und erkennt: Ehe und Kinder sollen einen größeren Stellenwert im Leben bekommen.

Du hast von Mitte 2004 an ein Sabbatjahr eingelegt, also Dein Berufsleben für ein Jahr unterbrochen. Was war der Anlaß dafür?

Johannes Reinprecht: Wir haben uns dafür entschieden, weil ich folgendes gemerkt hatte: Mache ich so weiter wie bisher, so wird es mich “zerbröseln" - sprich: ich zerbreche. Mir war klar, ich würde dann nicht mehr auf dem Weg sein, den ich eigentlich ursprünglich gehen wollte. Konkret: Nach etwa zehn stressigen Berufs- und fünf Ehejahren habe ich gespürt: Mein Gebets- und mein Eheleben leiden, die Beziehung zu den Kindern - Johanna war vor kurzem geboren und Clemens knapp zwei Jahre alt - kommt zu kurz. In Gedanken habe ich mir ausgemalt: Wie schaut das in 25 Jahren aus, wenn ich so weitermache (intensive, belastende 50 Stundenwochen, zeitaufwendige andere Beschäftigungen)? Meine Kinder sind dann junge Erwachsene, ich kenne sie eigentlich gar nicht wirklich, sie haben mich nie gefragt, wenn es um für sie relevante Fragen ging, irgendwie war ich ein Fremder für sie geblieben. Hingegen hätte ich gut für ihren materiellen Wohlstand gesorgt... Diese Vorstellung hat mich abgeschreckt. Wenn ich langfristig mit meinen Kindern eine intensive Beziehung haben will, muß ich sie auf ein solides Fundament stellen. Und dieses erfordert, daß ich Zeit für sie habe. Es kommt auf die Zeit miteinander an. Sie ist der wesentliche Faktor, weil Voraussetzung für die Qualität der Beziehung.

Sind das Erkenntnisse, die Dir im Sabbatjahr gekommen sind?

Reinprecht: Als ich mich zu dem Sabbatjahr entschlossen habe, hatte ich eine gewisse Sorge, daß manches in Brüche gehen könnte. In meinem Umfeld habe ich ja erlebt, daß Ehen zerbrechen, “unsinkbare Schiffe" untergehen. Andererseits hatte ich Sehnsucht nach einer tragenden Familiengemeinschaft, die für jeden von uns bereichernd ist und Entwicklung ermöglicht.

Wie ist das Sabbatjahr dann gelaufen?

Reinprecht: Da war vieles nicht so, wie ich es mir erwartet hatte. In den ersten fünf Monaten mußte das Haus, in dem wir jetzt wohnen, saniert werden, und wir haben unter äußerst beengten Verhältnissen gelebt - alles sehr belastend. Nach dieser Zeit war ich so richtig “sabbatjahrreif". Dann erst hat sich ein guter Rhythmus eingespielt: des Gebetes, der Familienzeit... Aber auch das war nicht die Idylle, von der ich geträumt hatte, kein monatelanger Höhenflug.

Also eher ein Flop oder doch wichtige Erkenntnisse?

Reinprecht: Ich habe mich - auch in einem Seminar - mit meiner “Visionsfindung" auseinandergesetzt. Wie sollte es in Beruf, Familie, Freizeit, Kirche für mich weitergehen? Das war insgesamt sehr bereichernd - auch wenn dabei kein fix-fertiges Ergebnis herausgekommen ist. Da ist nach wie vor vieles erst im Werden. Allerdings habe ich mich in diesem Jahr entschlossen, von da an Teilzeit zu arbeiten, drei Tage in der Woche. Das macht einen bedeutenden Unterschied zu früher aus. Ich bin nicht mehr im selben Arbeitsstreß. Jetzt bleibt Zeit für die Kinder und für andere Engagements, etwa für eine katholische Familiengruppe. Gewachsen ist in diesem Jahr eine große Sehnsucht nach Gott. Vorher habe ich Stille kaum ausgehalten. Heute ist für mich die Zeit der Stille, der Anbetung wichtig geworden, ein großer Gewinn.

Hat sich das Jahr auch auf Eure Ehe ausgewirkt?

Reinprecht: Ja. Unsere Beziehung ist viel intensiver, was nicht heißt, daß wir nicht auch Konflikte und nicht bewältigte Probleme haben. Aber eines steht fest: Das Jahr hat uns gut getan.

Wie wirkt sich das nun konkret auf die Beziehung zu den Kindern aus?

Reinprecht: Ich bin für sie jetzt viel vertrauter als früher, bin einer, der fehlt, wenn ich einmal länger in der Arbeit bin. Bei längerer Abwesenheit merke ich jetzt auch, daß ich die Kinder irgendwie wieder neu “erobern" muß. Dabei ist wichtig, daß mich Marietta den Kindern in den Zeiten meiner Abwesenheit als fehlend vermittelt, als einer, der aber bald kommt.

Wie kommst du mit der veränderten Berufssituation zurecht?

Reinprecht: Das ist schwierig. Ich bin 38 und in einer Lebensphase, in der man schon auf dem Weg ist, Karriere zu machen. Ich war vorher in einer Funktion mit Führungsverantwortung. Der Ausstieg aus dem Karrierepfad - obwohl ich kein Aussteiger im engeren Sinn bin - wurde vielfach nicht verstanden. Es gibt eben unterschiedliche Lebenskonzepte: Karriere- oder Familienorientierung. Damit sage ich nicht, daß Karriere und gelungene Familie nicht vereinbar seien - aber es ist sicher sehr anstrengend und schwierig. Man muß viel Energie einsetzen, Kompromisse machen, muß Glück und vor allem viel Gnade Gottes haben. Um es klar zu sagen: Der Verzicht auf die Karriere schmerzt, weil man als Mann in meinem Alter ja der Welt einen Hax'n ausreißen will.

Und was hast Du gewonnen?

Reinprecht: Manchmal habe ich mir gedacht - und es auch gesagt: Ich leiste mir den Luxus, Zeit für Frau und Kinder zu haben. Heute sage ich das nicht mehr. Mittlerweile weiß ich: Es ist kein Luxus, sich diese Zeit zu nehmen. Es ist lebensnotwendig, eine Frage des Überlebens unserer Ehe, der Beziehung zu den Kindern. Was ich hier lebe, ist ein ganz normales Vatersein. Das bedeutet: Meiner Familie Priorität einzuräumen. Verglichen mit der Karriere, den vielen Annehmlichkeiten, die unsere westliche Welt bietet (Urlaub, Wellness, sportliche Betätigung, materieller Überfluß...) haben für mich Frau und Kinder Vorrang. Das war nicht immer so. Mein Bewußtseinsprozeß diesbezüglich hat eine Zeit gedauert. Denn erst wie mir Marietta begegnet ist, wurde mir bewußt, wie wichtig die Ehe ist, erst in der Beziehung zu meinen Kindern ist mir halbwegs klar geworden, was es heißt, Vater zu sein, für diese Kleinen Verantwortung zu tragen...

... aber doch auch viel Freude zu erleben...

Reinprecht: Da gibt es immer wieder Momente, in denen ich als Vater tiefes Glück empfinde. Ich erinnere mich da an einen Abend vor ein oder zwei Wochen. Ich kam nach einem längeren Arbeitstag heim, Marietta und die Kinder waren noch auf. Johanna und Clemens sind auf mich zugestürmt, haben mich umarmt. Dann haben wir uns auf eine Matratze, die im Kinderzimmer ist, gelegt, ein Kind links unter dem Arm, eines rechts und langsam ist Johanna in meinem Arm eingenickt und auch Clemens hat sich sichtlich bei mir wohlgefühlt. In diesem Moment habe ich tief empfunden: Das ist wunderschön... Solche Momente sind es, die in meinem Herzen die immer wieder aufkommende Zweifel: lege ich zu wenig wert auf Karriere, auf Beruf, vernachlässige ich die Pflege meiner Fähigkeiten...?, ganz in den Hintergrund treten lassen.


Wunderbar ist ihre Offenheit

Kinder sind die beste Lebensschule

Für mich ist das Schönste an den Kindern, daß ich das, was ich von der Gnade Gottes bisher erfahren habe, an sie weitergeben kann. Ich habe schon in meiner frühesten Kindheit mit meiner Großmutter und meinen Eltern zu beten gelernt. So wurde das Gebet für mich das wichtigste im Leben, um die Beziehung zu Gott aufrecht zu erhalten: Stoßgebete und ein immerwährendes Gebet im Alltag. Und das möchte ich meinen Kindern weitergeben: Wenn wir in der Natur sind, loben wir Gott, wenn ich etwas Schönes sehe, preise ich den Herrn dafür. Diese Dankbarkeit, die Fröhlichkeit aus dem Glauben, die Freude an der Schöpfung und über Gottes Liebe möchte ich weitergeben.

Wichtig ist mir auch, daß sie spüren, wie sehr ich die katholische Kirche liebe. In dieser Kirche habe ich alles gefunden, was mich glücklich macht. Die Sakramente sind mein Lebensinhalt geworden. So nehme ich sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit in die Kirche. Meinen Jüngeren, der noch nicht in den Kindergarten geht, nehme ich täglich in die Messe mit. Beide Kinder gehen gerne in die Messe, wo sie einen Segen empfangen. So wachsen sie mit Gott auf.

Was Gott dann aus all dem macht, liegt natürlich an Ihm. Aber ich möchte den Acker so bestellen, daß Gott dann säen, wachsen und reifen lassen kann.

Wunderbar an den Kindern ist, daß sie noch so offen sind. Man kann ihnen so viel mitgeben. Darum lesen wir auch täglich Bibelgeschichten.

Ganz wichtig sind die Kinder für mich: Sie sind ein Heilmittel gegen den Egoismus. Ich bin einfach gezwungen, nicht mehr für mich zu leben, sondern eben für andere. So lerne ich auf eigene Wünsche zu verzichten. Die Partnerschaft ist diesbezüglich schon ein erster Schritt gewesen. Aber mit Kindern wird diese Herausforderung noch größer. Insgesamt bin ich froh, daß ich in diese Schule gehe - auch wenn es oft sehr schwer ist und ich eigentlich flüchten möchte.

Kinder zu haben, ist die beste Lebensschule. Gott hat das sicher so eingerichtet, damit wir als Menschen wachsen, vor allem in der Liebe, in der Fürsorge füreinander.

Christine Z.


Umkehr - werden wie ein Kind?

Das Kind im Erwachsenen freimachen: Weg einer guten Erziehung

Wer strebt nicht danach, die Dinge im Griff zu haben? Die Welt zu durchschauen und nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, ist heute sogar Maß des Fortschritts. Anders Jesus. Als die Jünger stritten, wer der größte unter ihnen sei, rief er ein Kind herbei, berichtet der Evangelist Matthäus...

Wahrlich ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in die Himmelsherrschaft hineinkommen. Wer sich klein macht wie dieses Kind, der ist der größte." Man muß sich ein wenig in die Paradoxie der Situation hineinfühlen. Die Nachfolger Jesu sind mit Komparativa und Superlativa beschäftigt. Worin übertrifft der eine den anderen? Wer hat die Fähigkeiten, Verdienste und damit den erlesensten Platz im kommenden Reich?

Und plötzlich finden sie sich einem von der Straße herbeigerufenen, ungewaschenen Kind gegenüber. Im Blick auf dieses Kind wird ihnen gesagt, ihre Umkehr stehe noch aus. Sie, die zukünftigen Autoritäten des Reiches, finden sich plötzlich vor die Tore dieses Reiches gestellt. Ihnen gegenüber steht dieses Etwas, das nichts aufzuweisen hat als erwartungsvoll zu Jesus aufschauende Augen. Dieses Kind ist es, das die Größe darstellt, nach der die Apostel fragen. Drastischer konnte die Blickwende nicht sein, zu der Jesus sie - und jeden Leser dieser Stelle - veranlaßt.

Zur Umkehr hatte schon der Täufer aufgerufen und auch Jesus selbst. Hatten die Apostel dieser Aufforderung nicht schon längst entsprochen? Hatten sie nicht alles verlassen und waren Ihm nachgefolgt? Gab es für sie eine bessere Orientierung als die am Meister selbst? Und jetzt rückt Er ein Kind an diese Stelle, wo Er, Jesus, früher für sie stand! Was für eine merkwürdige Gleichsetzung! Umkehr, das war doch bis jetzt für sie: werden wie Jesus. Und nun soll es heißen: werden wie ein Kind?

Wenn darin für sie ein Widerspruch bestand, so haben sie Entscheidendes im Leben Jesu noch nicht verstanden. “So lange bin ich schon bei euch und ihr habt mich noch nicht gesehen", lautet Jesu Vorwurf im Johannes-Evangelium. Offensichtlich sieht man Ihn nicht, wenn man Ihn nicht mit den unvoreingenommenen Augen eines Kindes sieht.

Was meint das? Daß man seine eigenen Vorstellungen und Gedanken nicht in die von Jesus hineinträgt. Und das ist nicht denkbar, ohne daß man zunächst selbst ein Kind wird. Nur das Kind sieht den Sohn. Und: “Wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat." So gelangt man mit dieser unscheinbaren Zuwendung zum Kind zum urbildlichen Kind selbst, das Jesus ist - und zum Vater.

Mit einer prophetischen Geste stellt Jesus das Kind in die Blickmitte derer, die nach dem Reich Gottes fragen, um sie in diesem Kind die gegenwärtige Gottesherrschaft erahnen zu lassen. Die Jünger mußten sich dabei als Anfänger erleben, so als ob sie noch nie begonnen hätten, ernsthaft Jesus wahrzunehmen. Diese Erfahrung war allerdings ihre Chance einzusehen: Ihn zu sehen, hängt nicht von ihren Fähigkeiten, ihrer Tüchtigkeit, ihren Verdiensten ab, sondern von ihrer Armut - der eines Kindes.

Das Kind im Erwachsenen ist gefährdet. Aber wenn einer wieder zum Anfänger wird, so als ob er nie begonnen hätte, und danach dürstet, daß Gott den neuen Anfang mit ihm mache und er ihn ohne Widerstand mitvollziehe, dann ist es licht auf dieser Erde und die Erlösung schreitet voran.

Das lebendige Kind in den Erwachsenen, auch in den Eltern, wäre der beste Garant für eine gute Kindererziehung. Denn dann würden sich die Eltern mit ihren Kindern zusammen Gott, dem gemeinsamen Vater zuwenden. Dadurch würden die Eltern die Kinderliebe im Lichte dieser absoluten Liebe sehen.

Das Kindsein ist somit der Weg des Erwachsenen. Es bedeutet Anfänger werden, anfangen dürfen, immer wieder anfangen dürfen. Und glauben bedeutet dann: zum Anfänger geworden zu sein und immer wieder zum Anfänger werden und dürsten, daß Gott uns den Anfang, den der Mensch nötig hat, schenkt - immer wieder neu.

Bernhard Dolna


Um harte Herzen zu rühren

Kinder sind bevorzugte Boten der Liebe Gottes (Von Urs Keusch)

Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte begegnet man als Religionslehrer und Priester vielen Kindern: aber es sind nur wenige, an die man sich noch nach Jahren erinnert, weil sie einem irgendwie besonders aufgefallen sind...

Ein solches Kind sehe ich jetzt noch vor mir, obgleich das, was ich jetzt von ihm erzähle, 17 Jahre zurückliegt. Das Kind war damals acht Jahre alt: ein kleines, scheues, hageres Büblein mit einem bleichen, schmalen Gesichtchen. Es sitzt mit etwa 10 anderen Kindern im Halbkreis vor mir und ich frage die Kinder: “Wo ist der liebe Gott?" - “Er ist im Himmel... Er ist überall... Er ist..." Da schaut mich der Kleine verwundert an und ich meine, er möchte etwas sagen, was sonst nicht seine Gewohnheit war.

“Was meinst du?", frage ich ihn, “wo glaubst du, ist der liebe Gott?" Scheu wie ein junges Vöglein, das auf dem Nestrand sitzt, piepst das Büblein die Worte vor sich hin: “Wir sind der liebe Gott." - Ein Kichern geht durch die Reihe. Ich selbst war zuerst einmal sprachlos. Aber dann meinte ich auf einmal zu verstehen, was dieses Büblein sagen wollte. Ich spürte, daß dieses Kind die Einheit mit dem wunderbaren göttlichen Geheimnis des Lebens noch so stark, so intensiv spürte und erlebte, daß man fast ein Jesuswort auf dieses Kind hätte anwenden können: “Ich und mein Vater sind eins." (Joh 10,30)

Sind Kinder nicht eben doch auch noch ein wenig Mystiker? Ist ihnen nicht etwas anvertraut und noch eigen, was den “Größerwerdenden" schon bald abhanden kommt und was wir uns oft in Jahrzehnten der Umkehr und Buße mühsam wieder erkämpfen müssen, wie Jesus sagt: “Das Himmelreich leidet Gewalt" (Mt 11,11)? Warum hat uns Jesus das Kind als lebendiges Beispiel vor Augen gestellt und gesagt: “Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht ins Himmelreich gelangen"? ( Mt 18,3)

Es muß etwas unfaßbar Wunderbares um das Kind sein! Jesus nimmt in seinem Leben für das Kind in einer Weise Partei, daß es uns bisweilen erschüttern, ja, erschrecken muß. Er braucht für jene, die Kindern ein schlechtes Beispiel geben, sie vom Guten ablenken, die härtesten Worte: “Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde" (Mt 18,6). Warum diese erschreckend harten Worte, die vielleicht nur noch durch jene übertroffen werden, die Jesus von der Sünde gegen den Heiligen Geist spricht?

Ich denke, weil die Sünde gegen das Kind der Sünde wider den Heiligen Geist (fast) gleichkommt. Beides trifft Gott mitten ins Herz. Beides ist Kampfansage gegen die erbarmende Zärtlichkeit der Liebe Gottes. Beides verschließt und verhärtet das menschliche Herz gegenüber der Sehnsucht der barmherzigen Zuwendung Gottes. Denn durch das Kind will Gott an das verhärtete Herz der Erwachsenen rühren. Denn im Kinde spielt der Heilige Geist vor den Augen der “Großen". Wo Kinder zum Bösen verführt werden, dort ist der Liebe Gottes, dem Heiligen Geist, die Möglichkeit genommen, an die Herzen der Erwachsenen zu rühren. “Die Schwachen und Kleinen dieser Erde besitzen nicht nur - nach den Worten des Evangeliums - das Himmelreich, sondern sie verkünden es auch, indem sie den Weg zu ihm freimachen." (Gertrud v. Le Fort).

Ohne die Kinder würde sich das Angesicht der Erde kaum mehr erneuern, weil der Heilige Geist keine Füße mehr hätte, um sich unter die Erwachsenen zu mischen und keine Augen mehr, aus denen er strahlen könnte. Ohne Kinder müßten wir ganz verderben. Und je weniger Kinder es auf der Welt gibt, umso mehr breitet sich das Böse aus. Die Erinnerung an eine bessere, schönere und ewige Welt ginge uns fast ganz verloren. Wie wunderbar hat das der große Pädagoge Fr. W. Foerster zum Ausdruck gebracht, der selbst über viele Jahre hinweg in Zürich Kindern ein liebenswürdiger Erzieher war: “Kinder sind für das noch nicht ganz verhärtete Menschenherz stets wie Osterglocken, die alles auferstehen heißen, was nach oben will im Menschen.

“Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters" (Mt 18,10). - Spüren wir die Leidenschaft, mit der sich Jesus auf die Seite der Kinder, der Kleinen stellt? Warum diese so radikale Parteinahme? Weil Jesus selbst das vollkommene Kind ist, das Kind Seines himmlischen Vaters. Darum sagt Jesus in Vers 18 nicht: “Ihre Engel sehen stets das Angesicht Gottes", nein, Er sagt: “... das Angesicht meines Vaters". “Meines Vaters!" - Christus will hier unmissverständlich zum Ausdruck bringen: Die Kinder gehören mir, sie sind, wie ich, Kinder meines Vaters.

Denn nach rabbinischer Auffassung können die Engel Gottes Angesicht nicht sehen. “Höchstens den allerobersten, den “Angesichtsengeln" ist das vergönnt" (Hennoch 40). Doch die (Schutz-) Engel der Kinder sehen das Angesicht Gottes: nicht nur Gottes, sondern des Vaters Jesu Christi! Es sind die größten, die mächtigsten, die “allerobersten", die herrlichsten Engel, die Gott der Vater den Kindern zuteilt, weil sie Seine geliebten Kinder sind, die schutzbedürftigen kleinen Brüder und Schwestern seines vielgeliebten Sohnes Jesu Christi.

Was für ein Geheimnis und Wunder ist um das Kind! Wie sind sie schön, wahr und wahrhaftig und taufrisch ihre Seelen! Sie leben noch am Ursprung. Kaum ein Hauch vom Geist dieser Welt hat sie ihrem Ursprung entfremdet. Was die Bibel von der Weisheit spricht, die in Jesus Christus Kind und Mensch geworden ist, können wir auch auf das Kind anwenden, das noch am Ursprung spielt: “Ich bin Seine Freude Tag für Tag und spiele vor Ihm allezeit." (vgl Spr 8,30).

Das weiß auch der heilige Starez Sosima in “Die Brüder Karamasow" von F. Dostojewskij, der die Leute ermahnt: “Liebt besonders die Kinder, denn auch sie sind sündlos wie Engel und leben, um uns zu rühren, um unsere Herzen zu läutern und als ein Hinweis für uns. Wehe dem, der einem Kinde etwas zu leide tut... Jeden Tag und jede Stunde, jede Minute beobachte dich und gib acht, daß dein Aussehen würdig sei. Da bist du beispielsweise an einem kleinen Kinde vorbeigekommen, du gingst erbost, mit einem häßlichen Wort auf den Lippen und zornerfüllter Seele an ihm vorüber, du hast das Kind vielleicht gar nicht bemerkt, aber das Kind hat dich gesehen, und dein unschönes, ruchloses Angesicht mag sich in seinem schutzlosen kleinen Herzen eingeprägt haben. Du weißt es nicht einmal, hast aber damit vielleicht schon eine böse Saat in sein Herz gestreut, und die wird am Ende aufgehen; und das alles nur, weil du dich in Gegenwart des Kindes nicht in acht genommen und weil du dich nicht zu umsichtiger, tätiger Liebe erzogen hast."

Gott allein weiß, wie wir Erwachsenen an Kindern schuldig geworden sind und es vielleicht noch werden! Hätte das Kind von Bethlehem diese Schuld nicht ans Kreuz getragen, wir wären fast ohne Hoffnung. Aber darum, und gerade deswegen!, haben wir allen Grund, die Hoffnung in die Zukunft nicht zu verlieren und voll Zuversicht in den Kindern und mit den Kindern die Zukunft zu gestalten. Und vielleicht sind es gerade die Schmerzen und Tränen der Kinder, die uns alle noch retten werden. Daran mußte ich denken, als ich diese Tagebuchaufzeichnung der Hl. Faustyna Kowalska las:

“Als ich (Sr. Faustyna) eines Tages für mein Vaterland bette, wurde meine Seele von einem großen Schmerz zerrissen, und ich sagte: ,Barmherziger Jesu, ich flehe Dich an, im Namen Deiner Heiligen, aber vor allem durch die Fürbitte Deiner liebsten Mutter, von der Du als Kind erzogen worden bist, segne mein Vaterland! Jesus, schau nicht auf unsere Sünden. Schau auf die Tränen der kleinen Kinder, schau wie sie hungern und frieren. Um dieser Unschuldigen willen gewähre mir die Gnaden, die ich für mein Vaterland erbitte.' Da sah ich Jesus mit Tränen in den Augen. Er sagte zu mir: ,Du siehst, Meine Tochter, wie mir diese Kinder leid tun. Wisse, daß sie die Welt tragen.'"

Wisse, daß sie die Welt tragen!

“Trockne, Jesuskind,

die Tränen der Kinder!

Du bist es,

göttliches Kind von Betlehem,

das uns rettet

und von der Sünde befreit.

Zieh ein in das Herz eines jeden Menschen

und jeder Familie.

Sei du unser Friede

und unsre Freude." (Johannes Paul II.)



 

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