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Europas Wurzeln

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Fragen des Glaubens schienen im Bewußtsein der Öffentlichkeit die längste Zeit reine Privatangelegenheit zu sein. In den Sozialwissenschaften spielten sie nur eine marginale Rolle. Mit der massiven Zuwanderung von Muslimen nach Europa hat sich die Situation aber geändert. Da lebt plötzlich mitten unter uns eine wachsende Zahl von Personen, die ihren Glauben öffentlich bekennen und deren Vertreter unmißverständlich erkären, der Glaube habe Einfluß auf die Gestaltung des öffentlichen Lebens zu nehmen. Was dabei herauskommen kann, läßt sich in den muslimischen Ländern besichtigen.
(V2000/2011)


 
I N H A L T
 

 

Einleitung

Welchen Stellenwert soll der Glaube im modernen Staat haben? Eine Frage, die an Aktualität gewonnen hat. In Frankreich wurde kürzlich das Tragen der Burka (einer Gesichtsverschleierung) verboten und Präsident Nicolas Sarkozy hat eine Debatte über die Laizität ausgelöst. In Ungarn hat die mit zwei Drittel-Mehrheit regierende Fidesz-Partei eine neue Verfassung beschlossen, die sich auf die christlichen Wurzeln des Landes bezieht, was im In- und Ausland eine heftige Polemik ausgelöst hat.
Fragen des Glaubens schienen im Bewußtsein der Öffentlichkeit die längste Zeit reine Privatangelegenheit zu sein. In den Sozialwissenschaften spielten sie nur eine marginale Rolle. Mit der massiven Zuwanderung von Muslimen nach Europa hat sich die Situation aber geändert. Da lebt plötzlich mitten unter uns eine wachsende Zahl von Personen, die ihren Glauben öffentlich bekennen und deren Vertreter unmißverständlich erkären, der Glaube habe Einfluß auf die Gestaltung des öffentlichen Lebens zu nehmen. Was dabei herauskommen kann, läßt sich in den muslimischen Ländern besichtigen.
Daß dies keine attraktive Perspektive für Europas Demokratien sein kann, erkennen auch die verbissensten Laizisten. Aber, was tun? Die Verunsicherung ist groß. Daher die neu aufgeflammte Debatte: Auf welchem geistigen Fundament stehen Europas Staaten? Haben sie christliche Wurzeln und verdanken sie diesen im Grunde genommen ihre Erfolge? Oder ist die religionskritische Aufklärung, die sich seit der Französischen Revolution als Speerspitze des Fortschritts versteht, die Basis der europäischen Gesellschaft? Kann ein Gemeinschaftswesen überhaupt ohne ein gemeinsames geistiges Fundament überleben?
Das sind Fragen, die uns im folgenden Schwerpunkt beschäftigen sollen.

C. Gaspari



Europas Zivilisation lebt von ihren christlichen Wurzeln

Der Abschied vom Glauben untergräbt das kulturelle Fundament (Christof Gaspari)

„Der Islam gehört zu Deutschland“ verkündete der deutsche Bundespräsident Wulff im Vorjahr und löste eine heftige Debat?te aus. Inwiefern stimmt das, wurde gefragt. Hat der Islam das Denken Europas geprägt, die Gestalt von dessen Einrichtungen: der Spitäler, Universitäten, Gerichten, Parlamenten…?


Wer sich näher mit der Frage beschäftigt, entdeckt klarerweise, daß die Botschaft Christi der Nährboden dieser Errungenschaften ist. Nur sind sich auch die Europäer – obwohl immer noch zu 75% Christen – dieser Tatsache nicht wirklich bewußt. Gleichgültigkeit gegenüber der Botschaft Christi macht sich breit: „Der vorwiegende Eindruck ist beim heutigen Menschen wohl derjenige, daß alle Religionen bei einer bunten Vielfalt von Formen und Gestalten im letzten doch dasselbe sind und meinen…“, diagnostizierte Kardinal Joseph Ratzinger in seinem Buch Glaube Wahrheit Toleranz.

Elisabeth

Diese Gleichgültigkeit macht sich die Speerspitze des kirchenfeindlichen Zeitgeistes zunutze, um insbesondere die Lehre der Katholischen Kirche anzugreifen und zu verunglimpfen: Da wurde kürzlich in Avignon das Werk eines „Fotokünstlers“ ausgestellt, „Piss Christ“: ein Kruzifix in einem Plexiglasbehälter mit des „Künstlers“ Urin. „Katholische Fundamentalisten“ hätten das Werk beschädigt, kritisierte Die Presse, ohne ein Wort über diesen unfaßbaren Skandal zu verlieren.
Die Parteinahme der Medien gegen alles, was nach christlichem Glauben riecht, begleitet unseren Alltag. Ein Beispiel gefällig? Dank ihrer Zweidrittel-Mehrheit beschloß die in Ungarn derzeit regierende Fidesz-Partei eine neue Verfassung, die auf die christlichen Wurzeln des Landes verweist. Das ließ bei den meisten führenden Medien die Alarmglocken schrillen. Dazu nur ein Beispiel: „Statt für eine Republik im Herzen der Europäischen Union scheint gerade die Präambel eher für ein Königreich zu Zeiten der Kreuzzüge geschrieben,“ schreibt Die Welt online. Und: Jetzt müßten sich „nicht nur Alleinerziehende und Nichtchristen, sondern auch Homosexuelle nach der Lektüre der künftigen Verfassung als Ungarn zweiter Klasse fühlen.“
In Sachen Religion wird medial mit zweierlei Maß gemessen: Plant der Pastor einer evangelikalen Splittergruppe in den USA eine Koran-Verbrennung, gibt es einen Medienaufruhr und kritische Statements von Spitzenpolitikern weltweit. Lassen hingegen iranische Revolutionsgarden öffentlich 300 Bibeln in Flammen aufgehen (geschehen am 8.2.11), nimmt der Westen kaum Notiz davon. Oder: Werden in Nigeria reihenweise Christen nach dem Wahlerfolg des christlichen Präsidentschaftskandidaten Goodluck Jonathan von Muslimen umgebracht, heißt es in den Medien lapidar, zwischen Christen und Muslimen sei es zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen.
In dieses Bild paßt, daß ein Tiroler Lehrer einem Schüler vor ein paar Wochen das „Grüß Gott“ verboten hat. Begründung: Fabelwesen hätten nichts in einer Grußformel zu suchen; oder daß man dem Brüsseler Erzbischof André-Joseph Léonard schon bei zwei Gelegenheiten Torten ins Gesicht geklatscht hat, weil er die Lehre der Kirche zu Abtreibungen und homosexuellen Handlungen vertritt; oder daß die EU-Kommission einen Schülerkalender herausgibt (3,2 Millionen Exemplare), in denen zwar muslimische Feiertage und jene der Hindus, Juden und Sikhs (!) verzeichnet sind, aber nicht die christlichen.
Es fehlt der Platz, um weitere Beispiele – es gibt sie leider in größerer Zahl – hier anzuführen. Deutlich aber wird: Unter den Eliten und in den Medien macht sich in Europa eine zunehmend glaubens- und kirchenfeindliche Haltung breit.
Mit dieser Glaubensfeindlichkeit verschüttet die moderne Gesellschaft jene Quelle, ohne die der Erfolgsstrom des Alten Kontinents nicht geflossen wäre. Allein die Tatsache, daß Europa als Kontinent bezeichnet wird, deutet auf den christlichen Ursprung hin. Denn rein geographisch gesehen ist es nichts anderes als ein von Binnenmeeren durchsetzter westlicher Ausläufer Asiens.
Europa als Begriff ist nur als kulturelle Einheit verständlich – und zwar als jener Raum, dessen Kultur wesentlich von der Botschaft Christi geprägt worden ist. Sie war es, die in den 1000 Jahren, die wir heute abschätzig als dunkles Mittelalter bezeichnen, die Grundlage für die europäische Lebensform und Zivilisation gelegt hat.
Das sei am Beispiel der Stellung der Frau in der Gesellschaft illustriert: Hier läßt sich ein deutlicher Bruch zur Antike feststellen: Unter christlichem Vorzeichen habe sich im Mittelalter eine Kultur entwickelt, in der die Stellung der Frau weitaus bedeutender und ihr Einfluß viel größer gewesen sei als im Altertum und in der beginnenden Neuzeit, erklärt Historikerin Régine Pernoud in ihrem Werk La femme au temps des cathédrales: „In Rom war die Frau – ohne Übertreibung und ohne Paradox – nicht einmal Rechtssubjekt. Die Frau war einfach nur ein Gegenstand.“ Keine Rede davon, daß Frauen im Römischen Reich öffentliche Funktionen hätten ausüben können. Das römische Familienrecht sah nämlich vor, daß Frauen zu?nächst unter der Herrschaft des Vaters standen, um unter die des Ehemannes zu wechseln.
Die große Wende brachte das Christentum. Dazu Pernoud: „Die Worte Christi ... enthielten für die Frauen keinerlei Hinweis auf eine besondere Form von Schutz, aber sie machten auf besonders einfache, aber auf entwaffnende Art die grundlegende Gleichheit zwischen Mann und Frau deutlich: ,Wer seine Frau entläßt und eine andere heiratet, der bricht ihr gegenüber die Ehe, und wenn sie ihren Mann entläßt und einen anderen heiratet, so bricht sie die Ehe’.“
Nach christlichem Verständnis konnten Frauen nunmehr ihren Familienstand selbst bestimmen. Dazu ein Theologe aus dem 12. (!)?Jahrhundert, Hugo v. St. Viktor: „In Beziehung zum Mann ist die Frau weder Herrin, noch Magd, sondern Gefährtin.“
Unter christlichem Einfluß hat sich, Pernoud zufolge, auch eine Tradition der weiblichen Bildung entwickelt. In den ersten weiblichen Klostergründungen habe man das Studium der Psalmen, der Heiligen Schrift und der Schriftkommentare gepflegt.
Damit sei ein Stil entstanden, der etwas ganz Neuartiges dargestellt habe und der im Mittelalter von besonderer Bedeutung gewesen sei: „Der doppelte Einfluß, den Kirche und Frauen ausüben, trägt dazu bei, daß die Erziehung des Mannes auf ein Leitbild ausgerichtet wird, das sich später im gebildeten Prinzen verwirklicht, der Sorge für die Verteidigung der Armen trägt.“
Welchen Stellenwert die Frau auch im sozialen Leben einnahm, läßt sich am Beispiel der Klostergemeinschaft von Fontevraud in Frankreich illustrieren. Sie umfaßte ein Frauenstift und ein Männerkloster, und an der Spitze der Gemeinschaft stand – eine Äbtissin! Erwähnt sei in diesem Zusammenhang auch, daß im Mittelalter Frauen mit größter Selbstverständlichkeit Regentinnen waren. Fast alle belgischen und französischen Fürstentümer wurden damals das eine oder andere Mal von einer Frau regiert.
Soweit ein paar Schlaglichter. Die Stellung der Frau ist allerdings nur ein Bereich, an dem deutlich wird, daß die heute hochgeschätzte Gleichwertigkeit der Geschlechter eine christliche Errungenschaft ist. Und Gleiches gilt für vieles andere, was wir zum Wertekanon unserer Zivilisation zählen, wie die Ausführungen von Walter Brandmüller (Seite 6) zeigen.
Diese Tatsache in Erinnerung zu rufen, ist deswegen von großer Bedeutung, weil diese Errungenschaften, die uns so selbstverständlich erscheinen, auf Dauer gefährdet sind, wenn sie nicht von dem Geist gespeist sind, aus dem sie einst entstanden.
  

Europas Kultur enstand aus dem Christentum

s „La face interne de L’Histoire“ (Jean Dauja)

In seinem Buch La face interne de l’histoire geht der Historiker Jean Daujat in einem langen Kapitel auf das Mittelalter ein. Seine Kernaussage: „Europas Kultur ist unmittelbar aus dem Christentum hervorgegangen“.

Die Kirche hatte alle authentischen Werte der griechisch-römischen Zivilisation – wobei sie diese christianisierte – bewahrt und sie durch die Periode des Zusammenbruchs durchgetragen. Sie fand in den kirchlichen Einrichtungen, den Bistümern und deren Schulen, den Abteien und Klöstern Unterschlupf. Aus letzteren stammen übrigens sehr oft jene Mönche, die Europa evangelisiert haben. Der Benediktinerorden spielt bei der Entstehung der europäischen Kultur eine zentrale Rolle. Zum Großteil geht diese nämlich von dessen Klöstern aus.
In der allgemeinen Unsicherheit, die während dieser bewegten Jahrhunderte herrschte, fanden die Menschen oft Zuflucht bei den Bischofssitzen, den Klöstern, den Abteien, deren Einfluß sich entfaltete. Über ihren spirituellen Auftrag hinaus sahen sie sich oft genötigt, weltliche Aufgaben zu übernehmen.
Indem sie Europa christianisierte, hat die Kirche ihm auch alle zivilisatorischen Werte vermittelt, die sie selbst aufgenommen hatte. So wird die europäische Zivilisation als eine aus dem Christentum geborene Zivilisation ab dem 11. Jahrhundert in Erscheinung treten.
Am Ende des Römischen Reichs gab es zwar kurze Perioden christlicher Kultur: im Westen zur Zeit des Theodosius, im Osten in manchen Phasen des byzantinischen Reichs. Dabei handelte es sich aber nicht um Zivilisationen, die aus dem Christentum geboren waren. Vielmehr war es eine christianisierte griechisch-römische Zivilisation. Die europäische Kultur aber ist unmittelbar aus dem Christentum hervorgegangen.
Daher bleibt sie – auch als sie sich ab dem 15. Jahrhundert vom Christentum abwendet – in vielen ihrer Einrichtungen weiterhin von ihrem christlichen Ursprung geprägt: etwa in der Sonntagsruhe, im christlichen Kalender, dessen Feste fast alle christlich sind, geprägt aber auch in ihrer Mentalität: der Verpflichtung zur Solidarität, der gegenseitigen Hilfe, der Unterstützung von Bedürftigen.
Es war die Kirche, die sich bemüht hat, der Anarchie, der Unsicherheit, den Kämpfen der unzivilisierten Periode ein Ende zu bereiten, indem sie politische Ämter eingerichtet hat, etwa durch die Krönung von Chlodwig oder Karl des Großen. Nach dem Zerfall des Reiches von Karl dem Großen überlebte das „Heilige Römische Reich deutscher Nation“, eng mit der Kirche verbunden und in Frankreich wird es der Bischof Adalberon sein, der durch die Krönung von Hugo Capet Ende des 10. Jahrhunderts die Herrschaft der Kapetinger errichtet hat. Sie bleibt eine christliche Einrichtung selbst dann, wenn Throninhaber sich nicht wie Christen verhalten und von der Kirche getadelt werden. Christliche Initiativen stehen auch an der Wiege von sozialen Einrichtungen, Spitälern, Einrichtungen gegenseitiger Hilfe…
Was die Kultur betrifft, war es die Kirche, die Schulen und Universitäten gegründet hat. Die Theologie trug wesentlich zur neuen Blüte der Philosophie in ihrem Dienst bei. Auch die Wiedergeburt der Künste im Dienst des Gottesdienstes ist auf die Kirche zurückzuführen: Architektur, um Gebäude des Kults zu errichten, Skulpturen und Glasfenster, um sie zu schmücken, Buchmalerei, um Meßbücher zu verzieren, Musik und Gesang im Dienst der religiösen Feiern.
(…) Das hatte zur Folge, daß im Mittelalter die christlichen Konzepte Leitmotive für die Lebensgestaltung und die Kultur waren. Das irdische Leben wurde nicht als Selbstzweck, sondern als Weg zum ewigen Leben und alle Formen menschlicher Bemühungen wurden als Dienst am Reich Christi, als Erfüllung Seines Heilswerks, das allein zählte, angesehen.

 
 

Von Festen, Unis, Wallfahrten...

Über 1000 Jahre Bau an der Kultur Europas (Walter Brandmüller) In seinem kirchengeschichtlichen Buch Licht und Schatten geht der Autor unter anderem auf die wichtige Rolle ein, die die Kirche bei der Integration Euro?pas im Mittelalter gespielt hat. Im folgenden einige Passagen aus dem lesenswerten Buch:
Das kanonische Recht war ein Integrationsfaktor ersten Ranges für das sich formierende Europa. Aufs engste hing damit das kirchliche Gerichtswesen zusammen, dessen Instanzenzug vom örtlichen Gericht über das des Metropoliten bis an die Sacra Romana Rota bzw. die Signatura Apostolica, die beiden letztinstanzlich urteilenden päpstlichen Tribunalien, führte. Dadurch, daß gerade die letzteren von lokalen und territorialen Gewalten unabhängig und unbeeinflußt urteilten, war durch die päpstlichen Gerichte ein Höchstmaß an Rechtssicherheit garantiert. Mochte darum auch der päpstlichen Kurie, namentlich jener des späteren Mittelalters, der schlechte Ruf anhangen, man könne dort für Geld alles haben, so erfreuten sich doch die päpstlichen Gerichtshöfe höchsten Ansehens, und ihre Urteile wurden von Reykjavik bis Catania respektiert.

Als Integrationsforum par excellence erscheinen die von den Päpsten einberufenen und von ihnen bzw. ihren Legaten geleiteten Allgemeinen oder Ökumenischen Konzilien. (…) Der Umstand, daß in der mittelalterlichen Christianitas kirchlicher und weltlicher Bereich sich gegenseitig durchdrangen, führte auch dazu, daß Könige und Fürsten auf Konzilien anwesend oder vertreten waren und, obgleich ohne Stimmrecht, nicht geringen Einfluß ausübten. (…) Was es bedeutete, daß da nun Konzilsteilnehmer aus allen Ländern in großer Zahl für lange Zeit, ja sogar jahrelang, auf engem Raum sich tagtäglich begegneten, ist nicht schwer zu ermessen. Es war die intellektuelle, kulturelle, religiöse, auch die politische Elite Europas, der durch die gemeinsame Konzilsteilnahme ein Forum seltener Art für den Austausch von Ideen, Erkenntnissen, Erfahrungen geboten war. (…)
Auf diese Weise wurde – wegen mancherlei Widerstände freilich nicht immer und überall in gleicher Weise – das kirchliche und vielfältig auch das bürgerliche Leben in ganz Europa weithin einheitlich ausgerichtet.

Die Universität ist die legitime Tochter der Kirche. Als in einem chronologisch und geographisch nicht einheitlich verlaufenden Prozeß aus dem Zusammenschluß von Schulen, die der Ausbildung von Klerikern, Notaren bzw. Richtern und Ärzten gedient hatten, sich Ende des 12. Jahrhunderts die „Studia generalia“ bildeten, zuerst in Paris und Bologna, da war es der Papst, der diesem lockeren Verband und der sich darum herum bildenden „Universitas magistrorum et scholarium“ die Rechtsgestalt verlieh. (…)
So breitete sich nach 1200 ein weitmaschiges Netz Hoher Schulen über ganz Europa aus: Bologna, Paris, Oxford, Cambridge, Salamanca, Coimbra entstanden nebst Padua und Montpellier noch im 13. Jahrhundert… Um 1300 gab es in ganz Europa 13 Universitäten, gegen Ende des Jahrhunderts 28, und um 1500 waren deren 68.
Was aber hat nun diese „Säule Studium“ mit europäischer Integration zu tun? Nun, diese Hohen Schulen hatten im wesentlichen die gleichen Strukturen, die Examina waren die nämlichen wie auch die Lehrinhalte – christliche Offenbarung und antike Überlieferung. Außerdem waren die akademischen Grade überall gültig. Schließlich hatte jeder Magister oder Doktor die „licentia ubique docendi“, die allgemeine Lehrbefugnis. Diese aber war päpstlicherseits verliehen. (…)
Auf diese Weise entstand eine „gesamteuropäische“ Schicht von litterati, die durch gemeinsame Lehrinhalte, Erfahrungen und Bildungserlebnisse geprägt, alsbald nicht nur die niedrigen Schulen, sondern auch bischöfliche und fürstliche Kanzleien und Gerichtshöfe bevölkerte und in zunehmendem Maße Einfluß, wenn nicht Macht gewann.

Seitdem Kaiser Konstantin den Sonntag zum arbeitsfreien, dem Gottesdienst vorbehaltenen Tag erklärt hatte, bildete dieser ein im ganzen Imperium und nach dessen Ende im ganzen sich neuformierenden „Europa“ ein herausragendes, das Alltagsleben bestimmendes Strukturelement. Ähnliches gilt, namentlich seit Papst Leo dem Großen, zunehmend auch von den großen Festen und den Fest- bzw. Fastenzeiten der Kirche.
Indem nun allenthalben Kauf- und Verkaufsurkunden, Testamente, Verträge und Friedensschlüsse, sogar private Briefe nach dem kirchlichen Festkalender datiert wurden, wurde – sichtbar – auch das profane Geschehen in Bezug zur Geschichte des Heils gebracht. Die Jahre zählte man ohnehin seit dem 6. Jahrhundert nach Christi Geburt – als „Anni Domini“, „Anni Salutis“, „Anni Incarnationis Domini“ etc.

Davon abgesehen, daß Handel und Wandel auch im Mittelalter blühten, war es vor allem das Wallfahrtswesen, an dem sichtbar wird, welch hoher Grad an Mobilität in dieser Gesellschaft selbstverständlich war, eine Mobilität, die ihren Impuls aus der kirchlichen Frömmigkeit empfing. Es zog die Gläubigen von Anfang an nicht nur an die Orte des Lebens Jesu, sondern auch an die Gräber der Apostel und Heiligen, auf deren Fürsprache bei Gott sie hofften.
(…) Was aber bedeutete dies? Nicht mehr und nicht weniger, als daß tausende Gläubige, Männer wie Frauen, sich auf den Straßen Europas unterwegs zu diesen heiligen Orten befanden. Dabei verließen sie ihre Heimat, überschritten Grenzen, lernten fremde Länder und Völker kennen und kehrten – vom eigentlichen religiösen Gewinn abgesehen – mit einer ihnen beim Aufbruch selbst nicht vorstellbaren Fülle von Eindrücken nach Hause zurück. (…) Auf dem Weg selbst fand der Wallfahrer ein logistisch gut geplantes System von Pilgerherbergen, von Spitälern für erkrankte Pilger vor.

Das Selbstverständnis des Menschen, der sich und seine Mitmenschen als Ebenbild Gottes, als Teil der Schöpfung und zugleich als ihr Gestalter und Verwalter, als Partner Gottes, als mit Freiheit begabte und zur Verantwortung vor Gott gerufene Person verstand, ebenso wie das Wissen darum, daß er sich auf dem Weg zum Ziel seiner ewigen Vollendung befindet, – all dies mußte das Lebensgefühl, das Verhältnis zu Mitmensch und Welt aufs Nachhaltigste prägen.
Keine Frage, daß all dies dem einzelnen je nach seinem Fassungsvermögen in unterschiedlichem Maße bewußt war. Unbestritten ist auch, daß trotzdem die Mächte des Bösen im Leben des einzelnen wie der Gesellschaft nicht einfach gebannt waren. Gerade aber das Wissen um Sünde und Schuld, um die Notwendigkeit und Möglichkeit von Umkehr und Vergebung war unbestrittenes Gemeingut dieser christlichen Gesellschaft. Ohne diese Hintergründe die gewaltigen Leistungen in Wissenschaft und Kunst, im Gesamten der Kultur erklären zu wollen, erscheint unmöglich. Vielmehr wird aus den Ergebnissen erkennbar, welche kulturschöpferische Kraft das der Bevölkerung eines Kontinents für ein Jahrtausend gemeinsame Lebens?ideal, ihre gemeinsamen sittlichen Normen, zu entfalten vermochten.

 

Wenn die Moral ihr Fundament verliert

Ein Appell, Zeugnis für die Wahrheit zu geben (Chantal Delsol; Marie-Catherine d’Hausen)


Die größte Gefahr für unsere Gesellschaft rühre von der Idee, es gäbe keine Wahrheit, so die Philosophin Chantal Delsol. Dann wird nämlich alles mög?lich. Was heute gilt, wird morgen verdammt. Es drohe die Zerstörung unserer Errungenschaften.

Ihr Buch trägt den Titel „Âge du renoncement“ („Zeitalter des Verzichts“). Was ist das Thema des Werks?

Chantal Delsol: Heute tritt die Religion, die mehr als 2000 Jahre den alten Kontinent mit Blut versorgt hat, in den Hintergrund. Damit nehmen wir Abstand von allem, was die Architektur unserer westlichen Kultur ausgemacht hat – nicht um, wie manche meinen, zum Nihilismus, sondern zu einem vorchristlichen Heidentum und zu Weisheiten zurückzukehren, die es heute noch überall außerhalb des Westens gibt.


Klingt das nicht nach einer etwas hoffnungslosen These?
Delsol: Nein. Es ist eine Feststellung. Ich mache keinerlei Prognose, ich beschreibe eine Situation. Die Menschen heute wissen nicht recht, warum sie zur Welt gekommen sind und wofür sie sterben werden. Vor allem aber: Sie versuchen auch gar nicht, es herauszufinden, weil sie meinen, daß es da ohnedies keine Antworten gebe. Im Grunde genommen erscheint es ihnen gleichgültig. Sie leben auch ohne Religion sehr gut! Dabei erkennen sie nicht, was sie alles verlieren werden, nämlich die Früchte unserer westlichen Zivilisation: etwa die Idee der Wahrheit, der Königsherrschaft des Menschen, der persönlichen Freiheit, der Demokratie, die Idee des Fortschritts – kurz alles, dessen Basis direkt oder indirekt die Religion ist… Da ich gläubig bin, will ich darauf hinweisen.


Wie äußert sich diese Rückkehr zu den erwähnten Weisheiten, zum Heidentum?

Delsol: Auf vielerlei Art: in einem Synkretismus, Menschen, die gleichzeitig mehreren Religionen anhangen, dem Stoizismus, dem Epikurismus, dem Pantheismus… In unserer Gesellschaft gibt es Keime des Pantheismus – etwa das, was man „ozeanisches Gefühl“ nennt, die Erfahrung des Einswerdens mit der Welt. Indem sie uns ihre Weisheiten vermittelt, übt die asiatische Welt, die einen ganz anderen Weg hinter sich hat als wir, heute einen großen Einfluß auf unsere Geisteshaltung aus. Das beweist die große Zahl von Leuten, die Buddhisten oder Taoisten werden… Der Einfluß des New Age ist auch eine Art Rückkehr zu diesen Weisheiten.
Können Sie etwas näher erläutern, worauf wir verzichten, wenn wir die Religion aufgeben?
Delsol: Wir geben das Wesentliche auf. Vor allem die Idee der Wahrheit. Sie wurde von den Griechen vorbereitet (Parmenides, Platon…), hat aber durch die transzendente Offenbarung an Juden und Christen (Offenbarung Gottes an Moses am Sinai, Auferstehung Christi) erst richtig Gestalt angenommen. Das hat zu einer radikalen Veränderung am Beginn der jüdisch-christlichen Zivilisation geführt. Wo es nämlich keine Religion gibt, wird die Moral monopolisiert. Denn alle Zivilisationen, mit und ohne Religion, haben eine Moral. Unsere Gesellschaft ist durchwirkt von Moral.


Aber welche Moral?
Delsol: In einer Gesellschaft, in der es keine religiösen Grundwahrheiten gibt, ist die Moral instabil, weil sie sich nicht auf Prinzipien stützt. Sie unterliegt daher dem Nützlichkeitsdenken, da sie ja im Dienst des individuellen oder gesellschaftlichen Wohlbefindens steht. Wird es für die Menschen „nützlicher“ oder „besser“ Euthanasie zu praktizieren, wird man dies auch tun. Obwohl wir auf Grundkonzepte verzichten, bewahren wir dennoch einige Überreste davon… Die Menschenwürde zum Beispiel ist uns weiterhin ein Anliegen, vor allem nach den Totalitarismen des 20. Jahrhunderts. Da es aber keine Wahrheit mehr gibt, auf der diese Würde basiert, wird sie zu einem Mythos – zu einer Geschichte, einem nicht mehr fundierten Glauben, der sich zu einer Tradition entwickelt.
Dieser unstete, entwurzelte moralische Mythos verändert sich dann je nach unseren Wünschen, durchaus im Gegensatz zur Moral von einst. Diese konnte sich noch auf einen Glauben, der als Referenz diente, abstützen. So griff etwa Las Casas im 16. Jahrhundert auf das Evangelium zurück, um die Versklavung der Indianer zu verwerfen. Heute können sich die Zeitgenossen auf nichts stützen, um die Euthanasie zurückzuweisen.

Ist die Menschenwürde eine Frucht des Christentums?
Delsol: Das ist offenkundig und hängt mit der Entfaltung der Idee von der Person zusammen: Gott, der Person ist, erschafft den Menschen als Person „als sein Abbild“. Das macht die Würde des Menschen aus. Zugegeben, bei den Griechen gab es Ansätze zum Konzept der Person, aber nur embryonale.


Geht uns das Konzept vom Fortschritt verloren?
Delsol: Was das anbelangt, gibt es einen starken Bruch (…) Mitte der 70er Jahre. In unseren Ländern glaubten wir damals, uns von Armut befreien und allen Bildung vermitteln zu können, um zwei Motive zu nennen. Trotz aller Anstrengungen tritt die Armut auf unseren Straßen offen zutage und 20% der Jugendlichen sind leseunkundig. Die tatsächlichen Fortschritte haben nämlich unerwartete, perverse Effekte erzeugt. Noch ein Beispiel: Wir werden heute 80 bis 85 Jahre alt, was gut ist. Dabei entstand aber gleichzeitig eine Bevölkerung von Alten ohne jede Perspektive mit Rekordwerten bei Depressionen und Selbstmorden, weil sie einsam sind. Die Leute merken langsam, daß es aufgrund von Sachzwängen zu nicht gewollten Rückschlägen kommt. Und die Vorstellung macht sich breit, daß der Fortschritt nicht mehr funktioniert.
(…)
Was wäre da im Hinblick auf eine Änderung nötig?
Delsol: Die Hoffnung müßte wieder erwachen. Es gilt, wieder an Wahrheiten zu glauben – die jedoch nicht in Fanatismus ausarten dürfen. Das geschieht allerdings nicht von selbst. Weil unsere Gesellschaft zu viele pervertierte Wahrheiten erlebt hat (Religionskriege, ideologisch mo?tivierte Kriege…), leidet sie in dieser Frage unter einer gewissen Ermattung. Ohne Intoleranz Zeugnis von der Wahrheit zu geben, ist das einzige, was uns noch helfen kann.


Mitten im Kulturkampf

Europa zwischen zwei Lebensentwürfen (Christof Gaspari)

Es geht in diesem Schwerpunkt nicht darum, eine mittelalterliche Idylle zu zeichnen, in der die Botschaft Christi eine heile Welt erzeugt habe. Das 1000jährige Mittelalter war vielmehr – wie jede Periode der Geschichte – geprägt von Phasen des Aufschwungs und der Degeneration, der Erneuerung und des Verfalls.

Immer wieder bedurfte das gesellschaftliche Leben der Erneuerung: So spricht man von der „Karolingischen Renaissance“ (Wende zum 9. Jahrhundert), der „Gregorianischen Reform“ (11. Jahrhundert), der Reformbewegung durch die Bettelorden (13. Jahrhundert)… Das Gemeinsame dieser Reformen: Sie hatten einen festen Bezugspunkt, die Heilige Schrift, die Lehre der Kirchenväter. Eine Erneuerung von der Wurzel her war also möglich, eine Wiederbelebung des Geistes, der die vorherrschende Kultur vom Ursprung her geprägt hatte.
Das Auf und Ab von Blüte und Verfall im Mittelalter macht deutlich: Das Errichten einer christlichen Kultur allein reicht nicht, um die Geschicke der Menschen zum Guten zu lenken. Sicher bietet eine solche Kultur eine gute Basis für menschliche Entfaltung. Aber sie bewahrt nicht vor Fehlverhalten, Hybris und Mißbrauch von Macht und Reichtum.
Weil es gegen Ende des Mittelalters zu ärgerniserregendem Fehlverhalten, vor allem auch bei kirchlichen Würdenträgern kam, wurde der Boden für eine grundsätzliche Infragestellung des bisherigen Ansatzes aufbereitet. Für heutige Vorstellungen kaum nachvollziehbar war der Verfall des Papst?tums: Gefangenschaft in Avignon, Gegenpäpste, Päpste, die sich als weltliche Herrscher (Alexander VI.), ja als Kriegsherren verstanden (Julius II.). Kein Wunder, daß sich Unmut regte, nach tiefgreifenden Reformen gerufen wurde.
Reformatoren traten auf den Plan: Hus, Luther, Zwingli, Calvin. Es kommt zur Glaubensspaltung. Sie wird von Europas Fürsten, die in der Emanzipation vom einheitsstiftenden Prinzip der Christenheit die Chance auf Machterweiterung sehen, instrumentalisiert. Es folgen Jahrzehnte mörderischer Religionskriege.
Mit der Krise des Glaubens, dem tragenden Element der mittelalterlichen Ordnung, beginnt eine Befreiungsbewegung von jenem kulturellen Rahmen, in dem sich das Leben des Menschen bis dahin abgespielt hatte.
Kardinal Joseph Ratzinger kennzeichnet dies (in Glaube, Wahrheit, Toleranz), wie folgt: „Die Epoche, die wir Neuzeit nennen, ist von Anfang an durch das Thema Freiheit bestimmt; der Aufbruch nach neuen Freiheiten ist überhaupt der einzige Grund, der zu einer solchen Periodisierung berechtigt. Luthers Kampfschrift Von der Freiheit eines Christenmenschen schlägt sofort das Thema in kräftigen Tönen an. (…) Es ging um die Freiheit des Gewissens gegenüber der kirchlichen Autorität, also um die innerste Freiheit des Menschen überhaupt. (…) Daß plötzlich das ganze Ordnungssystem der mittelalterlichen Kirche letztlich nicht mehr zählte, wurde als ein ungeheuerer Befreiungsschub empfunden.“
Und weiter: „Der ganzen Aufklärung gemeinsam ist der Wille zur Emanzipation… (…) Es geht um den Ausbruch der Einzelvernunft aus den Bindungen der Autorität, die alle kritisch überprüft werden müssen. Nur das vernünftig Einsichtige soll gelten.“
René Descartes, Philosoph und Mathematiker, beeindruckt von den wissenschaftlichen Erkenntnissen seiner Zeit, zeigt schon im 17. Jahrhundert die Perspektiven auf, die das Denken und Streben unserer Tage prägen. Es gehe darum, schreibt er (in Discours de la méthode), „eine praktische (Philosophie) zu finden, die uns die Kraft und Wirkungsweise des Feuers, des Wassers, der Luft, der Sterne, der Himmelsmaterie und aller anderen Körper, die uns umgeben, ebenso genau kennen lehrt, wie wir die verschiedenen Techniken unserer Handwerker kennen, so daß wir sie auf eben dieselbe Weise zu allen Zwecken, für die sie geeignet sind, verwenden und uns so zu Herren und Eigentümern der Natur machen könnten.“
Voltaire greift diese Gedanken im 18. Jahrhundert auf und verhilft ihnen zum Durchbruch. Dazu der Historiker Jean Daujat: „Von da an wird die grenzenlose Zuversicht in die Fähigkeiten der menschlichen Vernunft vorherrschen. Sie stützt sich ebenso auf die raschen Erfolge des Fortschritts aller Wissenschaften wie auf die erfolgreichen literarischen Werke der großen Klassiker: der Mensch, der ausschließlich auf die natürliche Erleuchtung seiner Vernunft vertraut, braucht keine göttliche Offenbarung. Er ist von Natur aus gut und bedarf nicht der Gnade und des Heils. (…) Gleichzeitig mit dem Christentum lehnt Voltaire aber alle Religionen ab, die vom Eingreifen Gottes reden oder davon, man könne mit Ihm in Beziehung treten.“
Damit sind wir bei der Aufklärung angelangt, in der ein fundamentales Gegenkonzept zum bis dahin christlichen Grundentwurf Europas ans Licht tritt. An die Stelle Gottes als Maß aller Dinge, als Ursprung und Ziel, tritt nunmehr der Mensch, durch dessen Vernunft sich Perspektiven eines grenzenlosen Fortschritts auftun würden. Den Stand des Wissens sollte im 18. Jahrhundert die Encyclopédie zusammenfassen, um die Souveränität des Menschen zu dokumentieren.
Dazu Daujat: „ Die Encyclopédie sollte eine vollständige Übersicht über alles menschliche Wissen, das durch die menschliche Vernunft erworben worden war, bieten. Ihre Initiatoren, Diderot und der große Mathematiker d’Alembert, machten aus ihr eine Waffe gegen das Christentum und alle Religionen, indem sie behaupteten, sie beweise die grenzenlosen Fähigkeiten der menschlichen Vernunft. Die Encyclopédie hatte einen enormen Einfluß auf die Verbreitung eines Rationalismus, der sich jeder Offenbarung und jeder göttlichen Einflußnahme entgegenstellte…“
Aus der berechtigten Kritik an Mißständen war eine geistige Revolution geworden, die alles auf den Kopf stellte: An die Stelle Gottes als Gesetzgeber tritt der Mensch, von dem Jean Jacques Rousseau postuliert, er sei von Natur aus gut. Emmanuel Joseph Sieyès, Generalvikar von Chartres, Freimaurer, Wegbereiter des Umsturzes in Frankreich bringt diese Umkehrung auf den Punkt:
„Die Nation besteht vor allem anderen, sie ist der Ursprung von allem. Ihr Wille ist legal, sie selbst ist das Gesetz… Die Nation ist nicht nur keiner Verfassung unterworfen, sondern sie kann es nicht sein, sie darf es nicht sein, also gleichen Sinnes gesagt, ist sie es nicht… Eine Nation kann auf irgendeine Weise wollen, es genügt, daß sie will; alle Formen sind gut, und ihr Wille ist immer das oberste Gesetz.“
In diesen wenigen Sätzen sind bereits die Weichen hin zu allen Totalitarismen der folgenden Jahrhunderte gestellt: der Mensch als höchste Instanz. Man ist an die Verheißungen des Widersachers im Paradies erinnert: Ihr werdet sein wie Gott.
Diesen Emanzipationswillen kennzeichnet Kardinal Ratzinger (Glaube, Wahrheit…) so: „Das implizite Ziel aller modernen Freiheitsbewegungen ist es, endlich wie ein Gott zu sein, von nichts und niemandem abhängig, durch keine fremde Freiheit in der eigenen beschränkt. “ Damit sei das Bild einer Göttlichkeit errichtet, die rein egoistisch ist, erklärt Ratzinger, „ein Götze, ja, das Bild dessen, was die christliche Überlieferung den Teufel – den Gegengott – nennen würde…“
Daher auch die Feindschaft gegenüber der Kirche. Von Voltaire stammt das Wort: „ Écrasez l’infâme!“ – „Zermalmt die Niederträchtige!“ Und: „Es gibt ein Recht auf Blasphemie, sonst gibt es keine wahre Freiheit.“ Bei Jean Meslier, einem Priester, der im Selbstmord endete und dem die Französischen Revolution ein Denkmal errichten wollte, liest man es wieder so: „Alles, was Euch Eure Priester und Eure Doktoren so beredsam über die Größe, das Vortreffliche und das Heilige der Mysterien predigen, ... ist im Grund nichts als Illusionen, Lügen, Vorspiegelungen und Betrug, zuerst zu politischen Zwek?ken erfunden, dann von Verführern und Heuchlern fortgesetzt und von unwissenden, groben Völkern empfangen und blind geglaubt.“
Klarerweise drängte diese in den Debattierklubs und Zirkeln der Aufklärer entwickelte Sichtweise auf Umsetzung. Sie inspirierte die Elite Frankreichs (Adelige, Geistliche und Bürger), das von Gottes Gnaden errichtete (jedoch äußerst dekadente) Königtum zu stürzen, um das neue Reich der Freiheit zu errichten. Seither wird die Französische Revolution als Anbruch einer neuen Zeit des Fortschritts angesehen.
Um welchen Preis dieser „Fortschritt“ erkauft wurde, zeigen die Opferzahlen: 17.000 zum Tode Verurteilte, 35.000 Opfer der „Terreur“, 400.000 bis 1800 in Kriegen Gefallene und eine weitere Million Opfer in den napoleonischen Kriegen.
Mit welcher Grausamkeit ans Werk gegangen wurde, kommt im Brief des Generals Westermann, der die Revolutionstruppen in der Vendée befehligt hatte, zum Ausdruck. An den Konvent schrieb er am 23.12.1793: „Die Vendée gibt es nicht mehr. Ich habe sie soeben in den Sümpfen von Savenay begraben. Ich habe Kinder unter den Hufen der Pferde zertreten und Frauen massakriert. Nicht einen einzigen Gefangenen habe ich mir vorzuwerfen. Ich habe alles ausgelöscht...“
Keine Frage: Grausamkeit ist keine Spezialität von Revolutionären, wohl aber Kennzeichen aller folgenden Versuche, endgültig das Reich des Menschen aufzurichten. Unvorstellbare Blutbäder gab es in der Commune de Paris (1871), unter der Sowjetherrschaft in Rußland, der Naziherrschaft in Deutschland, der Kulturrevolution in China… Wo immer der Mensch alle Rückbindungen an eine transzendente Vorgabe ablegt, artet das Geschehen in Unmenschlichkeit aus.
Was lehrt uns dieser Rückblick? Daß Europa mit zwei Menschen- und Weltbildern konfrontiert ist: mit dem christlichen, aus dessen Wurzeln es hervorgegangen ist, und mit dem der Aufklärung, das sich als Gegenentwurf versteht und dessen Umsetzungsversuche die Geschichte der beiden letzten Jahrhunderte geprägt hat. Dazu Kardinal Ratzinger (in: Ohne Wurzeln – Der Relativismus und die Krise der europäischen Kultur):?
„So hat in Europa einerseits das Christentum seine wirksamste Gestaltwerdung erlebt, aber zugleich ist in Europa eine Kultur gewachsen, die den radikalsten Widerspruch nicht nur gegen das Christentum, sondern gegen die religiösen und moralischen Traditionen der Menschheit überhaupt darstellt. “
Wir stehen mitten in diesem Kulturkampf. Obwohl er nicht mit Waffen ausgefochten wird, nimmt er an Intensität zu, denn die Gottlosigkeit ist mittlerweile zur Staatsreligion geworden. Daher schreitet sie im öffentlichen Raum voran. Wesentliche, christlich geprägte Werte werden mit scheinbar menschenfreundlichen Gesetzen und im Namen der Menschenrechte unterlaufen: das Lebensrecht des ungeborenen Kindes wird dem Selbstbestimmungsrecht der Frau geopfert, die Gestalt der Familie dem Diskriminierungsverbot gegenüber Homosexuellen, das Erziehungsrecht der Eltern gesundheitspolitischen Verpflichtungen des Staates, das die Religionsfreiheit wird umgedeutet, um die Freiheit von Religionsausübung im öffentlichen Raum durchzusetzen…
Ohne fixen, transzendenten Bezugspunkt erweisen sich die Menschenrechte als Blendwerke, die je nach Nützlichkeit so oder so zum Zuge kommen.
An dieser Stelle ist es mir wichtig festzuhalten, daß Sie, liebe Leser, diese Aussagen nicht als Klagelied, sondern als Situationsbeschreibung aufnehmen. Wer als Christ bestehen will, ist geistig mit einem zunehmend heftigen Gegenwind konfrontiert.
Diesem geistigen Kampf müssen sich Christen heute stellen. Bestehen werden sie ihn, wenn sie nicht auf eigene Kraft und kluge Einsichten, sondern auf größere Hingabe an den Heiligen Geist setzen. Er ist uns in dieser österlichen Zeit in besonderer Weise zugesagt.
Und Er wird uns zu Zeugen der Wahrheit rüsten wie die Apostel zu Pfingsten: Damit auch wir verkünden, daß nur in Jesus Christus das Heil ist, heute wie seit jeher.


Gott mehr gehorchen als den Menschen

Auszug aus der „Manhattan-Erklärung“.

Uns bereiten heute folgende Themen besondere Sorge: die Existenz des werdenden Lebens, der Behinderten und älterer Menschen wird bedroht; es besteht Gefahr, daß die Ehe, bereits durch Freizügigkeit, Untreue und Scheidung gebeutelt, im Sinne von neumodischen Ideologien neu definiert wird; Religions- und Gewissensfreiheit werden gefährdet durch diejenige, die Gläubige zu Kompromissen gegen ihre tiefsten Überzeugungen zwingen möchten. (…)
(Es) werden Gesetze gegen Diskriminierung angewandt, um religiöse Einrichtungen sowie religiös orientierte Geschäfte und Dienstleistungsunternehmen vor die Wahl zu stellen, sich an Aktivitäten zu beteiligen, die sie für zutiefst unsittlich halten, oder Konkurs anzumelden. Nachdem im Bundesstaat Massachusetts die „gleichgeschlechtliche Ehe“ gerichtlich durchgesetzt worden war, beschlossen zum Beispiel römisch-katholische karitative Einrichtungen widerwillig, mit der seit 100 Jahren bestehenden Vermittlung von Waisen aufzuhören, weil man sie sonst rechtlich dazu gezwungen hätte, im Gegensatz zur römisch-katholischen Morallehre, Kinder auch gleichgeschlechtlichen Haushalten zuzuweisen. (…)
In Kanada und einigen Ländern Europas ist es schon vorgekommen, daß christliche Pfarrer angeklagt worden sind, weil sie in der Predigt auf die biblischen Aussagen gegen Homosexualität hingewiesen haben. Neue Gesetze gegen Haß lassen ahnen, daß ähnliches auch in den USA geschehen könnte.
Parallel zur abnehmenden Achtung vor religiösen Werten in den Medien, in Bildungseinrichtungen sowie in der Politik hat es in den vergangenen Jahrzehnten eine wachsende Zahl von Präzedenzfällen gegeben, welche die ungehinderte Aus?übung der Religion einschränkten. Wir betrachten diese Entwicklung als unheilvoll, nicht nur weil sie die verfassungsgemäße Freiheit des einzelnen, ungeachtet seines Glaubens, bedroht, sondern ebenso das Gemeinwohl und die Kultur der Freiheit, die unserem republikanischen Regierungssystem zu Grunde liegt.
Wird die Gewissensfreiheit eingeschränkt, dürfen religiöse Einrichtungen zum Beispiel nicht mehr nur Mitarbeiter gleichen Glaubens oder gleicher ethischen Grundwerte einstellen, dann werden die mittleren Gesellschaftsstrukturen untergraben, die einen wesentlichen Puffer gegen die Übermacht des Staates bilden. Dies führt zum „weichen Despotismus“, vor dem Alexis de Tocqueville in seinem Werk Demokratie in Amerika so eindringlich wie prophetisch warnte. Die Auflösung der bürgerlichen Gesellschaft ist das Vorspiel der Tyrannei.
Wir Christen nehmen die biblische Ermahnung ernst, die Obrigkeit zu achten und ihr zu gehorchen. Wir glauben an das Gesetz und an den Rechtsstaat. Wir erkennen die Pflicht an, sich nach dem Gesetz zu richten, ob es uns gefällt oder nicht, es sei denn, die Gesetze sind ernsthaft ungerecht oder verlangen von den Untertanen eine ungerechte oder unsittliche Handlung. Gemäß der Heiligen Schrift dient das Gesetz der Gerechtigkeit, dem Gemeinwohl sowie der Wahrung der öffentlichen Ordnung.
Gesetze jedoch, die ungerecht sind oder Bürger zwingen, Ungerechtes zu tun, sind dem Gemeinwohl nicht dienlich, sondern untergraben es. Seit den Anfängen der christlichen Kirche haben Christen sich geweigert, Kompromisse bezüglich der Verkündigung des Evangeliums zu schließen. Die Apostelgeschichte berichtet im 4. Kapitel, wie man Petrus und Johannes das Predigen verbieten wollte. Ihre Antwort lautete: „Urteilt selbst, ob es vor Gott recht ist, daß wir euch mehr gehorchen als Gott. Wir können's ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“ Durch die Jahrhunderte hält das Christentum bürgerlichen Ungehorsam nicht nur für legitim sondern auch für notwendig.

Auszug aus der „Manhattan-Erklärung“. Sie wurde in New York am 28.9.09 von 168 namhaften orthodoxen, katholischen und evangelikalen Christen, Laien und Klerikern unterzeichnet.




Tief in der Seele lebt die Wahrheit

Obwohl sich Abkehr vom Glauben breit macht (Christa Meves)

Sicher, der Glaubensverlust ist weit fortgeschritten. Die Folge: Das Leben vieler ist belastet oder es mißlingt gar. Vor allem Kinder leiden. Aber die Sehnsucht nach Gott läßt sich nicht ganz aus dem Herzen der Menschen verbannen. Daher ist es wichtig, daß die Christen nicht nachlassen, in unseren Tagen Zeugnis zu geben. Denn oft geschieht dann wirklich Erstaunliches, wie die folgenden Beispiele zeigen…

Unter den Eltern heute, die sich dem Mainstream der Moderne verschrieben haben, votieren manche in Bezug auf die Erziehung ihrer Kinder häufig ähnlich wie ein Ehepaar mit vier Kindern in einer Gesprächsrunde: „Wir sind aus der Kirche ausgetreten. Sie spricht uns nicht mehr an, und wir haben infolgedessen auch darauf verzichtet, unsere Kinder taufen zu lassen. Uns ist natürlich klar, daß es deshalb in unserem Land noch nicht möglich ist, sie von all dem religiösen Firlefanz fernzuhalten, aber schließlich sind sie ja ab 18 dann auch in der Lage, eigene Entscheidungen zu treffen“, so die Ehefrau.
Der daneben sitzende Ehemann fügt hinzu: „Ob das bei unseren drei jüngeren Kindern gelingt, ist noch offen. Bei der ältesten Tochter erlebten wir eine Pleite: Gerade eben über 20 verliebte sie sich in einen gläubigen jungen Mann, der sich offenbar geradezu vorgenommen hat, sie aufzuweichen.“
Ähnliche Erfahrungen schilderte mir eine der bekanntesten Journalistinnen Deutschlands im Anschluß an ein Interview: Sie war von der Ideologie überzeugt, daß die Bestimmung des Geschlechts allein durch Erziehung hervorgerufen wird, und Religion nichts als Einbildung sei. Sie meinte, um eine größere Glücksmöglichkeit ihrer Kinder durch Erziehung anzubahnen, bedürfte es einer absoluten Gleichheit in der Aufteilung der Familientätigkeiten und der Verbannung jeglicher religiöser Schriften aus den Bücherregalen. Bei Anfragen der Kinder müsse der Glaube als Einbildung unmündiger vergangener Generationen gebrandmarkt werden.
Da beide eine flexible Arbeitszeit hatten, war es ihnen ein Leichtes, das neue Modell durchzuproben. Sie hatten vier Kinder, zwei Mädchen und zwei Buben. Sie hatten sich vorgenommen, diese absolut gleich zu erziehen, so daß die, wie sie wähnten, nur von der Umwelt aufgenötigten Geschlechtsunterschiede und religiösen Einflüsse gar nicht erst in Erscheinung treten sollten. Die Weihnachtsferien verbrachten sie auf Neuseeland und die Osterferien auf den Balearen.
Sie hatten streng eingeteilten Hausdienst: Vater montags, dienstags, mittwochs, Mutter donnerstags, freitags, samstags, am Sonntag beide. Das Unglück brach bald herein: Vater hielt seinen Hausdienst gewissermaßen nur ein paar Wochen durch, dann wurde er immer nachlässiger. Seine Frau machte ihm deswegen immer mehr Vorwürfe, sie machte auch seinen Dreck nicht weg, sondern tat es ihm nach; sie blieb auch in ihrer Hausdienstzeit dem Haus immer mehr fern.
Das Haus war nach einigen Jahren in einem geradezu unvorstellbaren Chaos. Die Ehe war durch immer mehr eskalierende Streitigkeiten total zerrüttet; dazwischen lebten vier Kinder, die schwerste Verhaltensstörungen zeigten. Die Söhne stahlen, was nicht niet- und nagelfest war, die Mädchen hatten eine Freßsucht entwickelt. Alle versagten trotz hoher Intelligenz in der Schule, und zu einer Einheitsware ohne Geschlechtsunterschiede hatten sie sich nicht im mindesten entwickelt; im Gegenteil: die Mädchen spielten miteinander sehr mädchenhafte Spiele, die Jungen miteinander sehr jungenhafte Spiele. Die absolut laufenlassende Erziehung hatte die Geschlechtsunterschiede viel eher verstärkt als gemindert.
Der größte Mißerfolg allerdings wurde ihnen im religiösen Feld durch ihren ältesten Sohn serviert: Er hatte, nachdem er schließlich auf einem privaten Internat für Reiche doch noch das Abitur geschafft hatte, sie dem Schock ausgeliefert, daß er Theologie studieren wollte. Der Vater konterte empört: „Was habe ich für Anstrengungen unternehmen müssen, dich vom Religionsunterricht dispensieren zu lassen, und das soll nun das Ergebnis sein? Wer hat dich da denn nun indoktriniert?“
Der junge Mann antwortete, mit rotem Kopf verschämt: „Ich bin schon ab der sechsten Klasse heimlich mit zum Religionsunterricht gegangen. Die hatten einen tollen Religionslehrer. Der war bis zu meinem Abi an der Schule. Aber der hat mich nicht indoktriniert. Er hat mich nur angeregt, mich mit der entsprechenden Literatur zu beschäftigen. Das hat mich dazu gebracht, mit in die Gottesdienste zu gehen. Irgendwann habe ich dann gewußt: Es ist alles wahr, was Jesus sagt. Und seitdem hab ich sogar für die Schule lernen können. Außerdem war dieser Theologe ein klasser Mensch. Der hat mich auch durch die Art überzeugt, wie er mit uns umging“.
Solche Beispiele häufen sich zur Zeit, vor allem in Norddeutschland und im Kontakt mit jungen Menschen, die in der ehemaligen DDR aufgewachsen sind. Eine gläubige Katechetin berichtete von ihren damaligen Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern aus Elternhäusern, die durch das Regime zum Atheismus gezwungen wurden: Zu ihrem täglichen Programm gehörte das Erzählen biblischer Geschichten.
Die Antworten der Kleinen, ihr so interessiertes Nachfragen im Bezug auf das Glaubensgut habe sie erstaunt. Sie erlebte, daß dies eine hervorragende Möglichkeit war, die zunächst so unruhigen Zuhörer, die als Kleinkinder fast alle in Krippen gewesen waren, aufgeschlossen zu machen. Sie wollten mehr und mehr davon wissen und begannen, die Geschichten der Bibel selbst zu spielen, um sie ihren Eltern vorzuführen.
Hier schieden sich dann allerdings die Geister: Manche Eltern traten an die Erzieherin heran mit der Erklärung, daß ihnen der christliche Einfluß doch zu gefährlich sei. Die Kinder würden dann doch zu sehr einer Benachteiligung in ihrem späteren Berufsleben ausgesetzt werden. Aus diesem Grunde meldeten sie ihre Kinder vom Christenlehre-Unterricht ab.
Bei manchen Kindern habe sich allerdings in den Familien fast so etwas wie ein Wunder ereignet: Die Kinder hätten daheim erzählt, auf Familienfesten die biblischen Geschichten dargestellt, die Lieder gesungen und mit ihrer inneren Zufriedenheit, mit ihrer glücklichen Entwicklung, ja einfach bereits mit ihren strahlenden Augen die Eltern gewissermaßen angesteckt, sodaß im Umfeld sogar mehr Glaubensgemeinschaften entstanden.
Aber auch das Gegenteil ließ sich über die Jahrzehnte hinweg beobachten: Eine erhebliche Zahl atheistisch aufgewachsener Kinder lieferte sich negativen Entwicklungen aus, schloß sich zu Horden zusammen, wurde häufig alkoholabhängig oder auch vor allem diebisch kriminell. Nach der Wende kam dann schnell auch noch Hasch und früher Sex dazu.
Aber auch hier gab es noch wunderbare Erneuerungen: Eine Studentin die zwar ihre Kinderjahre noch im atheistischen Umfeld der DDR gelebt hatte, aber durch gute Katechese dennoch gläubig großgeworden war, teilte in einem Studentenheim das Zimmer mit einer ebenfalls dort aufgewachsenen, aber atheistisch großgewordenen Kommilitonin. Die junge Atheistin war zunächst befremdet, als sie die Bibel auf dem Nachttisch nebenan nicht nur liegen sah, sondern daß diese von ihrer Bettnachbarin vor dem Schlafengehen regelmäßig gelesen wurde.
Sie wurde neugierig, nicht nur, weil sie ohnehin von der so besonders empathischen Art der Mitstudentin beglückt war, sondern weil diese ihr völlig unbekannte Lektüre ihr Erstaunen hervorrief. Mit Bibeln hätten nur blöde, rückständige oder auch gemeingefährliche Leute etwas zu tun, so hatte ihr Vater, der dort zudem ein streng systemtreuer Offizier gewesen war, sie gelehrt. Umso größer wurde jetzt ihr Bedürfnis, Biblisches erklärt zu bekommen.
Die Freundin nahm sie deshalb mit in ihre Studentengemeinschaft, und so wurde allmählich aus einer streng zum Atheismus erzogenen, eher oberflächlich lebenden jungen Frau eine begeisterte, glückliche Christin. Sie trat in die Kirche ein und ließ sich an ihrem 20. Geburtstag in dem ihr zugewachsenen Gemeinschaftskreis fröhlich taufen.
Ja, diese Geschichte wurde sogar immer glücklicher, je länger sie dauerte: Nach ihrer Heirat gründete die nun gläubig gewordene junge Frau mit drei Kindern eine christliche Familie, in der sie die Methoden und Materialien der von der Freundin gelernten alten Katechese verwendete. Und die glücklichen gläubigen Kleinkinder trugen die biblischen Theaterstücke nun den atheistischen Großeltern vor und bewirkten ein weiteres Wunder: Sogar der marxistisch streng mos?kauhörige Großvater gab seinen Widerstand gegen die christliche Lebensweise seiner Tochter auf.
Kinder zum Atheismus zu erziehen, ist also ein ebensolcher Irrtum, wie die Vorstellung, ihnen die Identifikation mit ihrem Geschlecht abdressieren zu können. In der Tiefe ihrer Seele lebt die Wahrheit, und sie läßt sich deshalb reaktivieren, selbst nach einem langen Leben im Irrtum.


Eine Wolke von Zeugen umgibt uns

Das Leben des seligen Franz Jägerstätters – eine Wegweisung für unsere Tage (Urs Keusch)

Keine Frage: Den Gläubigen weht der rauhe Wind des Zeit?geistes ins Gesicht, mit wachsender Stärke. Viele fühlen sich da allein?gelassen. Das sei aber noch kein Grund zu verzagen, meint der Autor und gibt Anregungen, wie man in diesem geistigen Kampf bestehen kann.

Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen?“ So fragt in der Offenbarung des Johannes einer der Ältesten. Und er bekommt zur Antwort: „Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen“ (Off 7,13-14).
Wir leben in einer solchen Zeit der Bedrängnis. Viele Christen kommen sich heute vor wie in einer Presse, oft ganz niedergebeugt und einsam. Wie oft bekomme ich zu hören oder in Briefen zu lesen: „Ich komme mir vor wie ausgestoßen... Manchmal habe ich das Gefühl, weit und breit ganz allein zu sein...“
„Ich allein bin übriggeblieben…“ Diese Erfahrung ist nicht neu, sie ist so alt wie die Bibel. Und irgendwie gehört sie zu denen, die Gott von ganzem Herzen anhangen. Alle Propheten sind durch diese Erfahrung gegangen. Denken Sie an Jeremia, Johannes den Täufer, Paulus. Lesen Sie die Psalmen. Als Elija seinen Kampf gegen Baal führt und erleben muß, wie sein Volk den Bund verlassen, die Altäre zerstört und die Propheten umgebracht hat, klagt er seinem Gott: „Ich allein bin übriggeblieben...“ – Ich allein...
Aber es stimmte nicht. Gott sagt zu ihm: „Ich werde in Israel 7.000 übriglassen, alle, deren Knie sich vor dem Baal nicht gebeugt und deren Mund ihn nicht geküßt hat“ (vgl 1 Kön 19). Das war damals so, heute ist es nicht anders. Darum sollten wir uns stets vor Augen halten: Um mich herum stehen 7.000 andere, die ihre Knie nicht beugen vor dem Geist des Antichristen. 7.000, die kämpfen, beten, weinen und leiden und so ihrem Gott beweisen, daß sie Ihn aus ganzem Herzen lieben und bereit sind, wenn es sein muß, für Ihn ihr Leben hinzugeben.
Lesen Sie im Hebräerbrief die Kapitel 10,19 – 13,19. Wie mußte der Apostel die ersten Christen dauernd ermutigen, daß sie auf ihrem Weg nicht einbrachen und aufgaben! Er sagte zu ihnen: „Schaut auf Jesus Christus: Er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten“ (Hebr 12). Schaut auf die, die in ihrer Liebe zu Jesus diesen Weg auch gegangen sind, „ohne auf die Schande zu achten“.
Es sind nicht nur ein paar Einzelne, sagt der Apostel, sondern es ist eine ganze „Wolke von Zeugen“, die euch umgibt, euch Mut macht, denselben Weg zu gehen. Und diese Wolke ist in den vergangenen 2000 Jahren um ein Vielfaches größer geworden!
Auf einen Zeugen aus dieser Wolke möchte ich heute hinweisen, auf Franz Jägerstätter, der am 26. Oktober 2007 von der Kirche seliggesprochen wurde. Auf ihn möchte ich gemeinsam mit Ihnen hinschauen im Sinne eines urchristlichen Wortes: „Haltet euch an die Heiligen, denn wer sich an sie hält, wird selbst heilig.“
Franz Jägerstätter – und das macht ihn besonders sympathisch und nachahmenswert – wird nicht mit einem Heiligenschein geboren: Er kommt am 20. Mai 1907 in St. Radegund, Oberösterreich, als Kind einer ledigen Bauernmagd zur Welt. Er wird von seiner gläubigen und liebevollen Großmutter erzogen. Als junger Mann arbeitet Franz im Erzbau in Eisenerz (Steiermark) und durchlebt religiös und geistig eine tiefgreifende Sinnkrise. 1933 wird er Vater einer unehelichen Tochter.
1935, er ist 28 Jahre alt, lernt er eine gläubige junge Frau kennen, Franziska Schwaninger. Sie heiraten am Gründonnerstag 1936. Bischof Manfred Scheuer schreibt von ihnen: „Die Ehe wird zum Wendepunkt im Leben Franz Jägerstätters. Franz und Franziska beten miteinander und die Bibel wird zum Lebensbuch des Alltags. Franziska über diese Zeit: ‚Wir haben einer dem andern weitergeholfen im Glauben’.“ Aus dieser glücklichen Ehe gehen drei Mädchen hervor (sie sind beim Tod ihres Vaters sechs, fünf und drei Jahre alt).
Als die Nationalsozialisten in Österreich 1938 die Macht übernehmen, verweigert Jägerstätter jede Zusammenarbeit oder Unterstützung. Er verweigert den Wehrdienst in Hitlers Armee aus Gewissensgründen. Seine Mutter, Verwandte und auch befreundete Priester versuchen, ihn umzustimmen. Seine Frau mit ihren drei kleinen Kindern hofft zwar auf einen Ausweg, steht aber zu ihrem Mann. „Hätte ich nicht zu ihm gehalten, hätte er gar niemanden gehabt.“ Niemand!
Franz Jägerstätter kommt schließlich ins Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis. Er kann von seinem Entscheid – im Angesicht Gottes zur vollen Klarheit gereift – nicht abrücken. Er sagt: „Der Familie wegen ist mir das Lügen nicht erlaubt, und wenn ich 10 Kinder hätte.“ Am 9. August 1943 wird er in Brandenburg an der Havel hingerichtet.
Was hat Franz Jägerstätter stark gemacht?
1. Das Gebet und das Wort Got?tes: „Franz und Franziska beten miteinander und die Bibel wird zum Lebensbuch des Alltags.“ Sie tun als Paar das, was die Kirche damals – und auch heute – so nachdrücklich fordert: Das tägliche betende Lesen in der Heiligen Schrift. Nirgends leuchtet das Licht der Wahrheit so klar auf wie in diesem heiligsten Buch.
Franz schreibt für sich ganze Abschnitte aus den Evangelien und Apostelbriefen ab, damit er sie immer zur Hand hat. Sein Pfarrer schreibt 1945 in die Pfarrchronik: „Wir haben ihn [von seiner Dienstverweigerung] abhalten wollen, aber er hat uns immer geschlagen mit der Schrift.“
2. Glaubensvertiefung und Lektüre: „Außer der Bibel waren es die Schriften und Biografien der Heiligen, aus denen sich seine Frömmigkeit nährte.“ (M. Scheuer) Franz Jägerstätter läßt keinen Tag aus, seinen Glauben auch geistig zu vertiefen. Er liest auch aufmerksam die Verlautbarungen der Kirche und informiert sich über das Zeitgeschehen.
Er sagt mehr als einmal: „Ein Mensch, der nichts liest, wird sich nie so recht auf die Füße stellen können, sie werden sehr oft nur zum Spielball anderer.“ An anderer Stelle zieht er für sich diesen Schluß: „Hätte ich nie so viel an katholischen Büchern und Zeitschriften gelesen, so wär ich vielleicht heute auch anderer Gesinnung.“
3. Kraft aus der heiligen Eucharistie: „Um Stärke und Klarheit zu bekommen, besuchte er jeden Tag die heilige Messe in der Pfarrkirche St. Radegund.“ (E. Putz) Einmal schreibt er: „Es wird ja sein, daß in der jetzigen Zeit die Hölle eine stärkere Macht auf dieser Welt ausüben kann, aber auch die bräuchten wir Christen nicht zu fürchten… Wer natürlich von den Kampf- und Abwehrmitteln [kaum Gebrauch macht], die uns Christus durch die Einsetzung des Allerheiligsten Altarsakramentes als höchstes Vermächtnis hinterlassen hat, sich damit gegen die höllische Macht nicht fest ausrüstet, wird kaum gegen diese starken Mächte lange bestehen können.“
Aus dem Gefängnis in Linz schreibt er: „Es wäre mir nicht zuviel, wenn ich 100 Kilometer zu Fuß wandern müßte, um einem Meßopfer beiwohnen zu können.“
4. Ein heller Blick für Scheinheiligkeit: Eine wichtige Mahnung spricht Jägerstätter in diesen Worten aus: „Wir sollten nicht bloß Katholiken des Gebetes, sondern auch der Tat sein.“ Damit entlarvt er jene scheinheilige Ausrede, die in frommen Kreisen sehr weit verbreitet ist: „Da kann man nur noch beten!“ Nein! Zum Christsein gehört immer auch die mutige Tat, das Mundaufmachen: das Einstehen für Wahrheit und Gerechtigkeit, der Mut, nicht mehr zur großen Herde zu gehören, bisweilen auch ganz allein zu sein.
Jägerstätter: „Ich glaube, wir könnten noch so viel beten, um Heilige zu werden, wenn wir aber in der Tat das gerade Gegenteil von dem tun, was zur Heiligkeit führt, werden wir in tausend Jahren auch noch keine Heiligen... Man kann heute gar häufig hören: da kann man nichts mehr machen... Aber sich selbst retten, und vielleicht noch einige Seelen für Christus zu erobern, glaube ich, ist für uns Menschen nie zu spät, solange wir auf dieser Welt leben.“
5. Wahr im Reden und Tun: Zwei Mächte teilen sich die Welt: Die Wahrheit und die Lüge. Hellsichtig – erleuchtet vom Geist der Wahrheit – hat Jägerstätter diese Wahrheit erkannt und sich darum durch keine, wenn auch noch so kleine Lüge (Notlüge) von Christus, der die Wahrheit ist, wegziehen lassen auf die Seite dessen, der der Vater der Lüge ist (Joh 8,44). Der Geist dieser Wahrhaftigkeit gab Jägerstätter die Kraft, die Menschenfurcht zu überwinden. „Diese ‚elende‘ Menschenfurcht ist ein schlechter Ratgeber, sie führt zur Preisgabe des Gewissens, zur Spaltung der Seele“.
Und er stellt die Frage: „Ist vielleicht jetzt auch das Rauchen eine Tugend geworden, weil es Tausende von Katholiken tun? Dürfte man deswegen auch lügen, weil man Gattin und Kinder hat und selbe noch dazu mit einem Eide bekräftigen? (…) Hätte mir Gott nicht die Gnade und Kraft verliehen, für meinen Glauben auch zu sterben, wenn es verlangt wird, so würde ich halt vielleicht dasselbe tun, wie die Mehrzahl es tut.“
6. Keine selbstgerechte Kritik: Franz Jägerstätter hat schwer darunter gelitten, daß er in seinem Gewissensentscheid so ganz allein war und allein gelassen wurde. „Ich allein bin übriggeblieben…“ Priester, die er um Rat fragt – sogar ein Bischof – raten ihm ab, diesen Schritt zu tun. Er leidet am Schweigen so vieler, die den Mund hätten aufmachen müssen. Aber es kommt kein richtendes Wort über seine Lippen, er entschuldigt sie vielmehr, wie die Heiligen es eben tun: „Werfen wir aber deswegen keine Steine auf unsere Bischöfe und Priester, sie sind ja auch Menschen wie wir aus Fleisch und Blut und können schwach werden. Sie werden vielleicht noch weit mehr vom bösen Feind versucht als wir. Sie waren halt vielleicht zu wenig vorbereitet, diesen Kampf aufzunehmen und sich zu entscheiden: Leben oder sterben.“
7. Freude am katholischen Glauben: Aus dem Gefängnis schreibt Jägerstätter: „Mit dem größten Königspalast möchte ich meine kleine Zelle, die gar nicht einmal rein ist, vertauschen, wenn ich dafür nur einen kleinen Teil meines Glaubens geben müßte, denn alles Irdische, wenn es noch so viel und noch so schön ist, geht zu Ende, aber Gottes Wort bleibt.“ In seinem letzten Brief an seine Frau, mit der er 7 Jahre glücklich verheiratet war, schreibt er: „Möge Gott mein Leben hinnehmen als Sühn-Opfer nicht bloß für meine Sünden sondern auch für andere… Haltet die Gebote und wir werden uns durch Gottes Gnade bald im Himmel wiedersehen!“
So sprechen und handeln Heilige – uns zum Vorbild!  
Seliger Franz Jägerstätter, bitte für uns!


 

Weiterführende Themen: 

Familie unter Beschuss  Fürchtet euch nicht  / Kinder sind ein Segen

 

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