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FAMILIE

unter Beschuss

-

 

Parteien sagen: „Wir verstehen unter Familie jede Form des dauernden Zusammenlebens in partnerschaftlicher und demokratischer Form, die den einzelnen Mitgliedern dieser Gemeinschaft Solidarität, Anteilnahme und Schutz bietet.“ Oder: „Wir ... verstehen als Familie Menschen, die sich selbstbestimmt dazu entschlossen haben, eine gemeinsame Lebensplanung und -gestaltung zu verfolgen.“ Im Klartext: Familie degeneriert da zu irgendeiner Form des Zusammenlebens!
(V2000/2014)


 
I N H A L T
 

Familie 

Einleitung

Zumindest in den letzten 1.000 Jahren war die Familie im europäischen Kulturraum ein klar umrissener Begriff. Ihr Fundament war die (lebenslange) Ehe eines Mannes mit einer Frau und sie umfasste deren Kinder, Vorfahren sowie wiederum deren Verwandtschaft.
Das hat sich grundlegend geändert, was sich am besten mit Zitaten aus Programmen maßgebender politischer Parteien belegen lässt. So hält etwa das SPÖ-Grundsatzprogramm fest: „Wir verstehen unter Familie jede Form des dauernden Zusammenlebens in partnerschaftlicher und demokratischer Form, die den einzelnen Mitgliedern dieser Gemeinschaft Solidarität, Anteilnahme und Schutz bietet.“ Und im Parteiprogramm der Grünen liest man: „Wir Grüne verstehen als Familie Menschen, die sich selbstbestimmt dazu entschlossen haben, eine gemeinsame Lebensplanung und -gestaltung zu verfolgen.“ Im Klartext: Familie degeneriert da zu irgendeiner Form des Zusammenlebens. Altersheime und Studenten-WGs passen in diese Definition. In den Texten kein Wort von Ehe, von Mann und Frau, von Kindern…  
Wer meint, konservative Parteien träten für das tradierte Familienbild ein,  irrt. Lassen wir Österreichs Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) zu Wort kommen: „Familie ist der Ort, an dem sich mehrere Menschen zu Hause fühlen,“ liest man da.
Dieser Realität gilt es, ins Auge zu sehen. In den letzten Jahrzehnten hat sich im Bereich von Ehe und Familie eine Revolution abgespielt: Politik, Kunst und Medien stellen sie als überholte Form des Zusammenlebens dar. Neue Formen werden schon in der Schule hochgejubelt. Christen stehen vor der Herausforderung, der Entwicklung standzuhalten, ihr etwas entgegenzusetzen. Der folgende Schwerpunkt versucht, dazu einen Beitrag zu leisten.


Das ist eine Revolution

Über die Alltäglichkeit von Prozeduren, die vor kurzem abstrus erschienen (Von Vladimir Palko)

Ein Rückblick auf Meldungen aus den letzen Jahren zeigt, was heute alles unter der Flagge Familie segelt, ohne ernsthaft in Frage gestellt zu werden. Im Gegenteil, die Medien suggerieren, die Entwicklung sei nicht aufzuhalten, ja ein Weg zu mehr Freiheit und Glück.

Ende 2010 verbreiteten die Agenturen die Nachricht, der Rockstar Elton John und sein registrierter Partner, der kanadische Filmproduzent David Furnish, seien „stolze Eltern“ geworden. Der kleine Zachary Jackson Levon John-Furnish wurde von einer Ersatzmutter zu Weihnachten in Kalifornien geboren. Die beiden registrierten Partner kostete dies 100.000 Pfund. Die Medien nannten den kleinen Zachary in Anlehnung an das kleine Christkind „Christmas Baby“. Fakt ist, dass auch die Geburt dieses Kindes den Beginn eines neuen Zeitalters verkündet. Ein Zeitalter, das leugnet, was durch die Geburt des Kindes vor 2000 Jahren verheißen wurde.
Wie die Tageszeitung Daily Mail ausführte, steht in der Geburtsurkunde in der Spalte „Vater“ Elton John und in der Spalte „Mutter“ David Furnish. Es ist nicht bekannt, wer die Ersatzmutter ist, die Zachary ausgetragen und geboren hat. Es ist nicht bekannt, ob diese Mutter auch die Ei-Spenderin war. Es ist nicht bekannt, wer der Spermienspender war. Ist es einer von den registrierten Partnern oder ein dritter? Es ist nicht bekannt, ob dies der kleine Zachary irgendwann erfährt, wenn er groß ist und über seinen Ursprung nachzudenken beginnt. Wie viele „Eltern“ wird Zachary letztlich haben? Drei? Vier? Fünf? Wir wissen es nicht. Aber die „Patentante“ soll angeblich Lady Gaga sein.
Diese Nachricht zum Ende des Jahres steht nicht allein. Sie hat mediales Interesse erweckt, weil die Beteiligten prominente Personen sind. Schon lange vorher hatten die Medien über noch bizarrere Ereignisse berichtet. Im November 2010 hat eine 50-jährige Mexikanerin einen Jungen ausgetragen und geboren, der den Namen Dario bekommen hat. Es war nicht ihre Eizelle, sondern die einer unbekannten Spenderin. Der Spermienspender war der 31-jährige homosexuelle Sohn der Mexikanerin. Als der kleine Dario zu sprechen begonnen hat, wie hat er da wohl die Frau, die ihn geboren hat, gerufen? Mutter? Großmutter?
Ende des Jahres 2010 vermeldeten die Agenturen, dass die Schauspielerin Nicole Kidman und ihr Partner, der Countrysänger Keith Urban, ein Kind bekommen. Das befruchtete Ei von Kidman hat aber eine bezahlte Ersatzmutter ausgetragen. Nicole wollte sich durch die Schwangerschaft nicht die Figur verderben.
Wir erfahren, dass auch einige Enkel von Mitt Romney, des US-Präsidentschaftskandidaten für die Republikaner, durch eine Ersatzmutter auf die Welt gekommen sind. Romney war im Herbst 2012 auch von vielen amerikanischen konservativen Christen gewählt worden. Bei dem Versuch, die Wiederwahl von Barack Obama zu verhindern, war ihnen nichts anderes übriggeblieben. Es ist ja wahr, dass Mitt Romney nicht dafür verantwortlich gemacht werden kann, auf welche Weise seine erwachsenen Kinder ihre Nachkommen auf die Welt bringen. Es scheint so, dass sich keine Familie sicher sein kann, wann die neue revolutionäre Kultur auch bei ihr Einzug hält.
Zwei kalifornische Lesben sind „Eltern“ eines elfjährigen Sohnes, der nun beginnt, sich wie ein Mädchen zu fühlen. Die beiden Mütter haben entschieden, der Junge soll sich einer allmählichen Umwandlung zur Frau unterwerfen. Aus Thomas wird Tammy. Es beginnt mit der Blockade von Hormonen, die die Entwicklung des Jungen zum Mann auslösen.  Über den chirurgischen Eingriff, der eine unwiderrufliche Änderung des Geschlechts bedeutet, soll der Junge/das Mädchen selbst entscheiden, nachdem er/es 15 Jahre alt sein wird. Also, wenn er/es dann verstümmelt wird. An irgendeinen Vater wird sich niemand mehr erinnern.     
Zwei israelische Lesben wiederum haben ein Kind auf die Welt gebracht, bei dem die eine das Ei geliefert und die andere das Kind ausgetragen hat. Das Gericht hat entschieden, dass sie beide die biologischen Mütter des Kindes sind.
Und man hört auch schon, dass es möglich sein wird, ein Kind durch künstliche Befruchtung in der Lotterie zu gewinnen. Es genügt, einen Lottoschein zu kaufen. Wenn Sie gewinnen, können Sie befruchtet werden (falls Sie eine Frau sind), oder Sie liefern den Samen eines Spenders oder eine Ersatzmutter... Wie immer Sie wollen. Und was sagen Sie zu folgendem Drama? Ein Mann und eine Frau lassen ein befruchtetes Ei, genetisch ihr Kind, in den Schoß einer Ersatzmutter implantieren. Danach wird festgestellt, ob der Fötus das Down-Syndrom hat. Sie bezahlen die Ersatzmutter für die Abtreibung. Sie nimmt das Geld.  
Wir sind eine egoistische Kultur geworden, die Versuche mit Kindern anstellt.
Die Mehrheit der Kinder wird auch weiterhin wie seit Tausenden von Jahren auf die Welt kommen und sie werden den Namen des tatsächlichen Vaters und der tatsächlichen Mutter kennen. In dieser Hinsicht wird sich nicht viel ändern. Aber das, was sich vielleicht verändert, unumkehrbar verändert, ist die Moral.
Vor einem halben Jahrhundert hätte die Vorstellung, dass sich zwei Homosexuelle ein Kind kaufen, um es zu erziehen, wobei das Kind seine wirkliche Mutter (Mütter) nicht kennt, allgemein Abscheu hervorgerufen. Heute ist dies nicht mehr der Fall. Ein großer Teil der Gesellschaft geht darüber mit Schulterzucken hinweg. Zwar schauen nicht alle gedankenlos zu, aber nur wenige haben den Mut, Regeln, die vor 50 Jahren gültig waren, als moralischen Standard zu verkünden, der auch heute noch verbindlich ist.
Das, was einst unmoralisch war, ist inzwischen moralisch. Umgekehrt betrachtet man heutzutage die Verurteilung derartiger, nicht traditioneller Wege, Kinder zu zeugen, zu gebären und zu erziehen, als unmoralisch.
Eine solche kritische Verurteilung steht im Widerspruch zu einem der Hauptgebote des neuen liberalen moralischen Kodex, die Patrick J. Buchanan scherzhaft formuliert hat: „Du sollst nicht verurteilen!“ Wenn du verurteilst, bist du gehässig und „bigott“. Du sollst nicht den Lebensstil anderer verurteilen. „Alle Lebensstile sind sich gleich“, sagt ein weiteres Gebot dieses Kodex.
Die Änderungen, die die Institution der Ehe durchmacht, verlaufen mit atemberaubender Geschwindigkeit. Einst war es selbstverständlich, dass ein Kind in der Ehe geboren wurde. In den USA wurden 1940 nur 3,8% der Kinder außerehelich geboren. 2007 waren es schon vier Kinder von zehn. Der OECD-Bericht aus dem Jahr 2008 gibt an, dass es in Europa sieben Länder gibt, in denen die Mehrheit der Kinder unehelich geboren wird. Es sind Bulgarien, Frankreich, Slowenien, Schweden, Norwegen, Estland und Island, das mit 65% die Liste anführt. Weitere sechs Länder haben die Grenze von 40 % überschritten. Weitere neun haben die Grenze von 30% bereits erreicht. In jedem europäischen Land stieg die Zahl seit 1970 auf ein Mehrfaches. In Spanien betrug sie 1970 ein Prozent, heute sind es mehr als 30. In Polen wurden 1970 fast keine unehelichen Kinder geboren, heute sind es jährlich 20%.
Die Slowakei ist keine Ausnahme. Noch in den achtziger Jahren wurde grob geschätzt nur jedes 20. Kind außerehelich geboren, heute ist es bald jedes dritte Kind. Diese Entwicklung ist auch für europäische Verhältnisse rasant. Und kaum jemand bezeichnet dies als Kollaps der Moral. Es ist vielmehr „eine Veränderung der Moral“. In den Medien erzählen Prominente von ihrem gemeinsamen Leben mit dem oder jenem „Partner“ oder „Freund“, und alle nicken verständnisvoll. Vor 20 Jahren war dies noch undenkbar.
Das ist die Revolution.

Der Autor ist Dozent für Mathematik und Vize-Dekan an der Paneuropäischen Hochschule in Bratislava. Er war von 2002 bis 2006 Innenminister der Slowakei (siehe Portrait 5/13). Sein Beitrag ist dem Buch Die Löwen kommen (siehe Besprechung S. 20) entnommen.

  

Ohne die Dualität von Mann und Frau gibt es keine Familien

Die Gender-Theorie zerstört die Schöpfungsordnung (Von Papst em. Benedikt XVI.)

In einer Ansprache an die Mitarbeiter der Kurie hat Papst Benedikt XVI. 2012 die fundamentale Bedrohung des Menschseins durch die Gender-Ideologie angesprochen. Im Folgenden die entsprechende Passage aus dieser Ansprache:

Die Absage an die menschliche Bindung, die sich von einem falschen Verständnis der Freiheit und der Selbstverwirklichung her (…) ausbreitet, bedeutet, dass der Mensch in sich bleibt und sein Ich letztlich für sich selbst behält, es nicht wirklich überschreitet. Aber nur im Geben seiner Selbst kommt der Mensch zu sich selbst, und nur indem er sich dem anderen, den anderen, den Kindern, der Familie öffnet, nur indem er im Leiden sich selbst verändern lässt, entdeckt er die Weite des Menschseins. Mit der Absage an diese Bindung verschwinden auch die Grundfiguren menschlicher Existenz: Vater, Mutter, Kind; es fallen wesentliche Weisen der Erfahrung des Menschseins weg.
Der Großrabbiner von Frankreich, Gilles Bernheim, hat in einem sorgfältig dokumentierten und tief bewegenden Traktat gezeigt, dass der Angriff auf die wahre Gestalt der Familie aus Vater, Mutter, Kind, dem wir uns heute ausgesetzt sehen, noch eine Dimension tiefer reicht.
Hatten wir bisher ein Missverständnis des Wesens menschlicher Freiheit als einen Grund für die Krise der Familie gesehen, so zeigt sich nun, dass dabei die Vision des Seins selbst, dessen, was Menschsein in Wirklichkeit bedeutet, im Spiele ist. Er zitiert das berühmt gewordene Wort von Simone de Beauvoir: „Man wird nicht als Frau geboren, sondern man wird dazu“. („On ne naît pas femme, on le devient“).
 In diesen Worten ist die Grundlegung dessen gegeben, was man heute unter dem Stichwort „gender“ als neue Philosophie der Geschlechtlichkeit darstellt. Das Geschlecht ist nach dieser Philosophie nicht mehr eine Vorgabe der Natur, die der Mensch annehmen und persönlich mit Sinn erfüllen muss, sondern es ist eine soziale Rolle, über die man selbst entscheidet, während bisher die Gesellschaft darüber entschieden habe. Die tiefe Unwahrheit dieser Theorie und der in ihr liegenden anthropologischen Revolution ist offenkundig.
Der Mensch bestreitet, dass er eine von seiner Leibhaftigkeit vorgegebene Natur hat, die für das Wesen Mensch kennzeichnend ist. Er leugnet seine Natur und entscheidet, dass sie ihm nicht vorgegeben ist, sondern dass er selber sie macht.
Nach dem biblischen Schöpfungsbericht gehört es zum Wesen des Geschöpfes Mensch, dass er von Gott als Mann und als Frau geschaffen ist. Diese Dualität ist wesentlich für das Menschsein, wie Gott es ihm gegeben hat. Gerade diese Dualität als Vorgegebenheit wird bestritten. Es gilt nicht mehr, was im Schöpfungsbericht steht: „Als Mann und Frau schuf Er sie“ (Gen 1, 27). Nein, nun gilt, nicht Er schuf sie als Mann und Frau; die Gesellschaft hat es bisher getan, und nun entscheiden wir selbst darüber.
Mann und Frau als Schöpfungswirklichkeiten, als Natur des Menschen gibt es nicht mehr. Der Mensch bestreitet seine Natur. Er ist nur noch Geist und Wille. Die Manipulation der Natur, die wir heute für unsere Umwelt beklagen, wird hier zum Grund­entscheid des Menschen im Umgang mit sich selber. Es gibt nur noch den abstrakten Menschen, der sich dann so etwas wie seine Natur selber wählt. Mann und Frau sind in ihrem Schöpfungsanspruch als einander ergänzende Gestalten des Menschseins bestritten.
Wenn es aber die von der Schöpfung kommende Dualität von Mann und Frau nicht gibt, dann gibt es auch Familie als von der Schöpfung vorgegebene Wirklichkeit nicht mehr. Dann hat aber auch das Kind seinen bisherigen Ort und seine ihm eigene Würde verloren.
Bernheim zeigt, dass es nun notwendig aus einem eigenen Rechtssubjekt zu einem Objekt wird, auf das man ein Recht hat und das man sich als sein Recht beschaffen kann. Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt. Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst. Und es wird sichtbar, dass dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst. Wer Gott verteidigt, verteidigt den Menschen.

Ansprache von Papst Benedikt XVI. beim Weihnachtsempfang für die Mitglieder der Kurie am 21.12.12
 

Kampf um das Menschenbild

Über das moderne Projekt, sein zu wollen wie Gott (C. Gaspari)
Von vielen unbemerkt, hat sich in Europa ein neues, mit der Botschaft Christi unvereinbares Menschenbild etabliert, das insbesondere die Familie bedroht. Es wird uns von oben verordnet und von den Medien propagiert. Die Veränderung beschleunigt sich.


Was ich Ihnen, liebe Leser, im Folgenden zumute, ist schwere Kost. Ich bitte Sie dennoch, sich durch diese Information durchzuackern, um sie auf sich wirken zu lassen. Sie lässt erkennen, dass wir es wirklich mit einer Revolution zu tun haben, die konsequent und immer rascher vorangetrieben wird und die unser Zusammenleben gefährdet. Ein Blick auf die Ereignisse der letzten Monate macht das deutlich.
Am 4. Februar nimmt das EU-Parlament den „Lunacek-Bericht“ an – mit Zwei-Drittel-Mehrheit. Dieser fordert die EU-Kommission auf, dafür zu sorgen, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften und „Ehen“ Rechtsfolgen nicht nur in den Ländern, die dies vorsehen, haben sollen, sondern in allen Mitgliedsstaaten. Im Klartext: Der jeweils liberalste Staat bestimmt, was die anderen dulden müssen. Außerdem sollen Programme für Kinder und Jugendliche die „Gleichheit und Nichtdiskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung“ fördern.
In Österreich wiederum eröffnet eine Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes vom 17. Jänner lesbischen Paaren die Möglichkeit, sich Nachwuchs mittels Samenspende – sie war bisher nur unfruchtbaren Ehepaaren gestattet – zu verschaffen. Familienministerin Sophie Karmasin begrüßt die Entscheidung. Der Gerichtshof kündigt auch an, demnächst über das Recht von Männern zu entscheiden, Leih­mutterschaft in Anspruch zu nehmen. Voraussichtlich positiv, wenn man der Logik dieser Entscheidung folgt und hört, dass Österreichs Agrarminister Andrä Rupprechter – er bezeichnet sich als „tief verwurzelter Katholik“ – am 1. März im Standard für die Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare plädiert hat.
Dazu passt der Beschluss eines Unterausschusses des irischen Parlaments vom 3. März, einen Gesetzesentwurf einzubringen, der es Personen ab dem 16. Lebensjahr erlaubt, in Geburtsurkunde und Pass ihr Geschlecht zu ändern. Da im Sexualkundeunterricht bekanntlich die Gender-Ideologie forciert wird – sie behauptet, das Geschlecht sei nicht naturgegeben, jeder könne es selbst festgelegen –, ist das ein großer Schritt in Richtung Aufhebung der Geschlechtsidentität. Denn Jugendliche können sich in diesem Alter in eine labile Phase der Persönlichkeitsfindung geraten.
Ein Blick nach Frankreich: Am 21. Jänner beschließt dort die Nationalversammlung mit großer Mehrheit, Abtreibung nicht mehr von Notsituationen abhängig zu machen. Sie erklärt damit Abtreibung de facto zum Recht der Frau, die sich für diesen fatalen Schritt nicht mehr zu rechtfertigen hat.
Schon im Dezember hatte die italienische Internetzeitung La Nuova Bussola Quotidiana von der Legalisierung der Polygamie im US-Bundesstaat Utah berichtet. Ein Bundesgericht hatte dies am 13. des Monats entschieden.
Großes Aufsehen erregte kürzlich Belgien: Am 3. März unterschreibt König Philippe das mit großer Mehrheit im Parlament beschlossene Gesetz, das Euthanasie auch für Kinder ermöglicht. 210.000 Unterschriften waren gesammelt worden, um den König zu bitten, von diesem Schritt Abstand zu nehmen. Vergebens. Damit wird es erstmals in Europa möglich, straffrei nicht nur ungeborene, sondern auch geborene Kinder – wie üblich mit Auflagen und Einschränkungen, die sich bald als unüberprüfbar erweisen – umzubringen.
Und selbst in Deutschland (!) wird Euthanasie salonfähig, wie eine Umfrage ergab. Auf die Frage: „In Deutschland ist es aktuell verboten, aktive Sterbehilfe zu leisten, das heißt jemanden auf dessen Verlangen hin zu töten. Sind Sie der Meinung, dass das so bleiben soll?“, gaben laut Tagespost vom 23. Jänner zwei Drittel der Bürger die Antwort: „Nein, aktive Sterbehilfe soll erlaubt sein.“
Der Ernst der Lage wird deutlich, wenn man sieht, wie mit Kritik an dieser Entwicklung umgegangen wird. Anlässlich der Proteste gegen die liberalen Richtlinien zur Sexualerziehung in den Schulen Baden-Württembergs seit Anfang des Jahres gab es mehrere Talk-Shows: Überwiegend einseitig mit Befürwortern von Sexualkunde ab dem Kindergarten besetzt und mit Diskussionsleitern, die den wenigen Opponenten das Leben schwermachten.
Aber es kann auch Schlimmeres passieren, als nur im medialen „Out“ zu landen: Am 7. Februar berichtete La Nuova Bussola Quotidiana, dass der beim letzten Konsistorium zum Kardinal ernannte Bischof Fernando Sebastián Aguilar – er ist 84-jährig – wegen Homophobie angeklagt werden wird. Was er verbrochen hatte?  Er hatte eine leicht nachprüfbare Tatsache in einem Interview geäußert, nämlich dass homosexuelle Beziehungen unfruchtbar sind und insofern das Ziel sexuellen Tuns nicht erreichen (siehe auch S. 26).
Noch eine letzte Meldung: Ein UN-Komitee zur Überwachung der Kinderrechte verurteilte in einem Report vom 31. Jänner die Sexualmoral der Katholischen Kirche. Die Lehre müsse sich in Sachen Ehe und Sexualität ändern, denn sie halte Heranwachsende davon ab, Verhütung in Anspruch zu nehmen, hieß es. Auch trage ihre Haltung zur Homosexualität zu „gesellschaftlicher Stigmatisierung und Gewalt“ gegen homosexuelle Jugendliche und gegen Kinder, die bei gleichgeschlechtlichen Paaren heranwachsen, bei.
Soweit Meldungen nur aus den letzten drei Monaten. Was aber tun mit dieser geballten Ladung an Hiobsbotschaften? Sie zur Kenntnis nehmen, ohne den Kopf hängen zu lassen. Ja, so ist die Welt. Wir leben nicht mehr im christlichen Abendland, auch wenn Europa auf Religionslandkarten immer unter christlich segelt. Fakt ist: Es hat nach den Worten Papst Benedikts (S. 5) eine „anthropologische Revolution“ stattgefunden.
Sie hat den autonomen, den scheinbar von allen Zwängen befreiten Menschen als Leitbild. Diese „Befreiung“ erfolgte schleichend, Schritt für Schritt. Endlich loskommen von unerträglichen Zwängen, war die Parole. Und es ist offenkundig, dass dieses Konzept total beziehungsfeindlich, also vom Ansatz her familienschädlich ist. Die Legalisierung der Scheidung war ein erster Dammbruch. Sie galt als „Befreiung“ vom Joch der lebenslangen Ehe – frei sein von der unbedingten Bindung an den Ehepartner. Schrittweise wurde das Auseinandergehen erleichtert. Nicht-eheliche Partnerschaften werden aufgewertet und in den Medien als attraktives Lebensmodell präsentiert.  
Folgenschwer waren auch die Einführung und Verbreitung der empfängnisverhütenden Pille. Keine ungewollte Schwangerschaft mehr! Endlich auch für die Frau ein „erfülltes“ Sexualleben, über dem nicht das Damoklesschwert der Mutterschaft hing! Eine epochale Errungenschaft auf dem Weg zum Recht auf lustvolle Sexualität, so wurde es verkauft. Kinder ja – aber nur Wunschkinder, solche eben, die man wirklich lieben könne.
Damit sind wir auch schon beim nächsten Schritt in die „Freiheit“: bei der Abtreibung. Schluss mit dem Gebärzwang, hieß es. Und: „Mein Bauch ge­hört mir!“ Weil Verhütung nämlich aus vielen Gründen nicht 100-prozentig ist, war dieser Schritt, sich vom nicht erwünschten Kind „befreien“ zu können, vorgezeichnet. Jetzt erst schien die Frauenbefreiung perfekt. Ein folgendschwerer Schritt in Richtung Autonomie: Ungestraft über das Leben eines anderen Menschen verfügen zu dürfen.
Kaum war das „Recht“ – auch durch Tötung – nur Wunschkinder zu bekommen, verwirklicht, war es naheliegend, diese auch zu „produzieren“, für den Fall, dass sie bei Bedarf nicht zustande kamen. Wir schreiben das Jahr 1978: Geburt von Louise Brown, dem ersten in der Retorte gezeugte Kind – weltweit in den Schlagzeilen. Die Erzeugung von Menschen wird zur lukrativen „Industrie“: Der autonome Mensch macht sich seine Kinder selbst.
Wenn schon „Produktion“, dann aber effizient. Also Quali­tätskontrolle des Vorgangs. Die Auftraggeber wollen ja ein gesundes Kind. So werden Pränatal- bzw. Präimplantationsdiagnostik salonfähig. Und da man schon beim „Testen“ ist, lassen sich auch andere Merkmale erfassen: das Geschlecht, mögliche Neigung zu späterer Erkrankung: Der nach Maß geschneiderte Nachwuchs nimmt Konturen an.
Sie meinen, ich übertreibe? In China, das lange die Ein-Kind-Politik forcierte und wo eine Präferenz für männliche Nachkommen herrscht, liegt die Zahl der weiblichen Kinder und Jugendlichen um 30-40 Millionen unter jener der männlichen. Hören wir auch, was Jacques Attali, Professor, Autor, graue Eminenz in der französischen Politik, Berater französischer Präsidenten, für Perspektiven entwickelt:
„Wir gehen unausweichlich auf eine Unisex-Menschheit zu, wobei die eine Hälfte Eierstöcke, die andere Samen besitzt. Diese tun sie dann zusammen, um Kinder entstehen zu lassen, allein oder zu mehreren, auch ohne körperliche Beziehung, ja ohne dass jemand sie austrägt. Ja sogar ohne Zeugungsakt, wenn man den schwindelerregenden Traum des Klonens träumt.“ In diesem Traum schwingt mit, was Attali als eine der Antriebskräfte der Entwicklung sieht: das Verlangen nach Unsterblichkeit, „das die Menschen bereit macht, alle sozialen und wissenschaftlichen Veränderungen zu akzeptieren, die gegen den Tod ankämpfen oder diesen zumindest verzögern.“ Herr über den Tod zu werden als Perspektive. Organtransplantation und Recht auf selbstbestimmten Suizid entspringen diesem Denken.
Seinwollen wie Gott ist die Parole. Sie wird zwar nicht klar ausgesprochen, ist aber die Triebfeder hinter den Entwicklungen. Sie ist nicht neu, wird jedoch mit neuen, mächtigen, technischen, sozialen, medialen Methoden umgesetzt. Sie segelt unter der Flagge des Fortschritts, schmückt sich mit wohlklingenden Worten, die oft in schwer verständlichen Phrasen verpackt sind und damit Verwirrung stiften – auch unter Christen. Immer noch darauf eingestellt, in einem christlichen Kulturraum zu leben, sind sie im geistig feindlichen Umfeld, das unsere Tage prägt, mehr denn je zur Unterscheidung der Geister herausgefordert.
Denn wir stehen in einem geistigen Kampf. Auf ihn müssen wir uns einlassen. Denn kämpfen gehört nun einmal zum christlichen Leben. Paulus ermahnt, die Rüstung Gottes anzuziehen, „damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt…“ (Eph. 6,11).  Und die Waffen in diesem Kampf? Hören wir nochmals, was Paulus, der in einer ähnlich feindlichen Umwelt lebte, zu raten hat: Sich zur  Wahrheit bekennen, Gerechtigkeit üben, bereit sein, für das Evangelium zu kämpfen, einen lebendigen Glauben pflegen und gut auf das Wort Gottes hören. Vor allem aber: „Hört nicht auf zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist…“ (Eph 6,18).
Übrigens, seit Jahrzehnten hö­ren wir aus Medjugorje: Betet, betet, betet…, wieder und immer wieder. Es ist wirklich an der Zeit, damit Ernst zu machen. Sonst ist es unsere Generation, von der Jesus gesprochen hat, als Er die Frage gestellt hat: „Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben finden?“ (Lk 18,8)

 

Netze einer neuen Kultur

Aufruf zu einer christlichen Kulturrevolution (Von Christa Meves)

In unzähligen Publikationen hat sich die Autorin seit Jahrzehnten für die Erneuerung der Familie eingesetzt. Im folgenden kurze Auszüge aus zwei dieser Werke. Sie appellieren an jeden, sich in das Werk einer Erneuerung einzubringen.

Wie Romano Guardini einmal sagte: „Europa wird christlich sein, oder es wird nicht sein.“ Jeder muss sich jetzt zurüsten, um in so später, fast schon zu später Stunde aufzustehen, gemeinsam aufzustehen, um zumindest die Familie zu retten, um das bedrohlich nahe Geschehen durch unsere Abwehr, durch unser Stehen zur Familie, durch unseren Glauben zu verhindern. Aufwachen, um Himmels willen aufwachen! Von den Politikern ist kaum Hilfe zu erwarten. Wir, die Christen in unserem Land sind gefragt.
Was also müssen wir tun? Vor allem dürfen wir nicht vergessen, was auf dem Spiel steht! Zuerst also die gefalteten Hände. „Das Gebet“, sagt Max Thürkauf, „ist stärker als alle Kräfte der Atome. Im Gebet werden uns Wege gezeigt, von denen wir nie geahnt, die wir nie vermutet hätten. Und hinzunehmen müssen wir die benediktinische Regel, die da sagt: Ora et labora.“
Zum „labora“ gehört in unserer Situation heute, dass wir die bekanntgewordenen Forschungsergebnisse und damit z.B. die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation über die epidemisch gewordenen Depressionen bis zum Geburtenschwund als Mahnung verstehen und verbreiten müssen. Und die weiteren Voraussetzung zur Abwendung der, existenziellen Gefahr, bestehen z. B. darin, dass wir uns um Zusammenhalt und um Frieden in den Familien bemühen, um der Kinder und vor allem um Gottes Willen und damit als Hoffnung auf Zukunft; denn wenn die Liebe in der Welt erkaltet, sagt Christus, endet die Geduld Gottes mit seinem Geschöpf Mensch.
Deshalb ist die Familie Seine Vorgabe. Deshalb ist sie der Garant unserer Gedeihlichkeit als Menschheit. Wenn wir zulassen, dass sie zerstört wird, zerstören wir unser aller Chancen.
Wir brauchen eine christliche Kulturrevolution! Aber sie wird nicht zustande kommen, wir verpassen sogar in bedrohlicher Weise unsere letzte Chance, wenn wir uns verängstigt oder noch folgenreicher, wenn wir uns feige vor der Verantwortung drücken. Mit Duckmäusertum hat sich in der Weltgeschichte noch nie eine Wandlung zum Besseren ergeben – so kann uns die Geschichte belehren, so können wir es auch an der persönlichen Lebenserfahrung lernen.
Die Geschichte zeigt, dass oft ein einzelner Mensch die Welt verändert hat, im Guten wie im Bösen. Gottes Hoffnungen richten sich auf die Einzelnen, auf die Tapferen, auf die in Liebe zu Gott Brennenden. Von unserer Erkenntnis der Wichtigkeit unseres persönlichen Einsatzes für Got­tes Ziele mit seiner Schöpfung hängt viel ab. Sollten wir, die wir uns für Christus entschieden haben, nicht mit Seiner Hilfe das Gute wollen und auch vollbringen können?
Der direkte Einsatz für die Familie durch unsere Treue für sie ist dabei von außerordentlich großem Wert; aber unsere neue, die friedliche, die christliche Revolution darf sich nicht allein auf die Personen beschränken, die zur Zeit etwas mit Kindererziehung zu tun haben. Wir alle sind Mitglieder einer Familie. Wir können jetzt nicht schläfrig sitzen bleiben!
Jeder muss sich mit vor den Karren spannen lassen. Es geht um uns alle, daher sind wir alle gefragt: als Lehrer, Erzieher, Großeltern, als Ausbilder und Geistliche, als Angehörige eines Clans, als erwachsene Kinder alter Eltern, als Mütter und Vater, als Paten, sogar als Singles und erst recht als Verantwortliche der Kirche, der Politik, der Wirtschaft und der Medien.
Also aufstehen! Hört diese Internationale von den Christen im christlichen Abendland!


*

Immer mehr Menschen erkennen, dass sich für das „christliche Abendland“ die Existenzfrage stellt. Das sind Menschen, die begriffen haben, dass eine lebenswerte Zukunft für Kinder und Enkel neu erkämpft sein will. Diese Menschen, für die es so etwas wie überpersönliche Mitverantwortung gibt, müssen jetzt Netze einer neuen Kultur bilden. Wenn sie klar, einig und entschlossen sind, müssen sie nicht in der Mehrheit sein, um in der Gesellschaft neuen Mut zu wecken.
Hier setze ich vor allem auf junge Familien: Wir müssen unsere Kinder so ins Leben geleiten, dass sie lebendig und leistungsfähig, frei und gewissenhaft, fröhlich und mit gläubiger Hoffnung durchs Leben gehen können, damit sie überhaupt Menschen werden, wie Gott sie gemeint hat.
Dass sich gerade eine neue Avantgarde junger Familien herausbildet, die das entschlossen anpackt, zeigt zum Beispiel auch die Entwicklung im Berliner Trend-Bezirk Prenzlauer Berg, der immer mehr zu einer Art Zukunftswerkstatt für Familien wird. Dass, wie ein Bericht des Fernsehsenders RBB jüngst gezeigt hat, dort der Kirchgang wieder zur Normalität gehört und es auch kirchenfernen Eltern zunehmend wichtig wird, ihren Kindern christliche Werte zu vermitteln, zeigt den engen Zusammenhang zwischen christlicher Verankerung und Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft.

Die beiden Texte sind (in der Reihenfolge) den empfehlenswerten Büchern der Autorin entnommen:  Wohin? Auf der Suche nach Zukunft, Gerhard Hess-Verlag.
Sowie: Es ist noch nicht zu spät! Neue Wege in eine lebenswerte Gesellschaft, Edition Domspatz.


Wie Familie gelingen kann - auch heute!

Beim Jungfamilientreffen in Pöllau gesammelte Erfahrungen (Von Robert Schmalzbauer & Mitarbeitern)

Fragt man junge Leute, was in ihrem Leben wichtig ist, so landet Familie, stets an erster oder zweiter Stelle. Dann aber trauen sich viele nicht zu, selbst eine Familie zu gründen. Darum ist die Frage so wichtig: Wie gelingen Ehe und Familie? Dazu zehn wertvolle Erkenntnisse im folgenden Beitrag.
Familie ist kein Nebenschauplatz – hier passieren wesentliche Dinge. In der Familie werden die Weichen für die Entwicklung der Persönlichkeit gestellt. Nur in einer gesunden Familie reifen Personen heran, die selbständig denken und dem Zeitgeist widerstehen können. Doch ich kenne keine Familie, die nicht auch mit inneren Schwierigkeiten zu kämpfen hat. „Man muss kämpfen, bevor man Sieger wird!“ ruft uns die Heilige Thérèse von Lisieux zu. „Ich habe den guten Kampf gekämpft“ schreibt Paulus an Timotheus – aber was ist dieser gute Kampf?
Vergleichen wir unseren Kampf mit dem Aufstieg über eine Felswand. Da braucht es „Griffe“ zum Festhalten, sonst kommen wir nicht weiter, bleiben stecken oder stürzen im schlimmsten Fall sogar ab. Die Familie und ihre Mitglieder brauchen Halt – echte Hilfe muss erlebbar sein, überzeugend durch Zeugen. Das Jungfamilientreffen in Pöllau ist so eine Möglichkeit, dies zu erfahren. Die im Folgenden beschriebenen „Griffe“ sind Schlüsselerfahrungen, die sich in den letzten 12 Jahren Jungfamilientreffen verdichtet und bewährt haben. Es sind die „wichtigen Griffe“ die helfen, das Ziel zu erreichen.
Griff 1: Das Jungfamilientreffen zeigt uns die Schönheit der Kirche. Es stellt uns Christus vor Augen, der uns tief in Sich verwurzeln möchte. Da das Erdreich heute mehr und mehr unterspült wird, brauchen wir wirklich tiefe Wurzeln, die wir durch das Leben als Hauskirche und das Leben mit den Sakramenten bekommen. Wenn nicht der Herr die Mitte unseres Lebens ist, geht es nicht!
Griff 2: Müsste man das ganze Jungfamilientreffen mit einem einzigen Wort beschreiben, so wäre dieses Wort Barmherzigkeit. Am Freitagnachmittag der Pöllauwoche gibt es das „Fest der Barmherzigkeit“: Zuerst kommt der persönliche Schritt der Beichte, dann kann diese verzeihende Liebe Gottes im Ehegespräch ihre Wirkung entfalten – wir vergeben einander. Dies alles gipfelt in der Eheerneuerung, dem Höhepunkt des Treffens: Vor einem Priester wiederholen wir die Worte des Eheversprechens und werden gesegnet. Wie viel bedeuten uns doch diese Schritte! Wir bekommen vom Herrn die Kraft zur Treue und dürfen erleben, wie die Freude am Familie-Sein stetig zunimmt.
Griff 3: Wir wissen das selbst: Um als Familie wirklich gut zu leben, braucht es viel Zeit mit Gott, viel Gespräch im Ehepaar, real vorhandene Räume für die Kinder. Doch im Alltag, durch all die vielen Anforderungen, geht dieses Bewusstsein leicht verloren. Im Herzen des Schloss­parks von Pöllau steht das Anbetungszelt mit dem eucharistischen Herrn – ständig kommt man daran vorbei und kann ganz sanft und leise die Einladung Jesu spüren, bei Ihm zu verweilen.
Hat man diese Perle erst einmal entdeckt, so bekommt man die Kraft, seinem Leben eine neue Ordnung zu geben. Die Frage der „Prioritäten“ klärt sich im Gebet: zuerst Gott, dann der Ehepartner, dann die Kinder und dann der Beruf und der Rest!
Griff 4: Bei Exerzitien verlässt man im Normalfall den familiären Rahmen. In Pöllau aber verbringen wir die Zeit gemeinsam als Familie. Hier nehmen wir uns „ganz normal“ die Zeit für gemeinsames Gebet, die Hl. Messe, die Versöhnung, die Beichte oder das Paargespräch. Wir hören nicht nur Vorträge über Gott und sein Wirken, sondern wir können all dies sehr praktisch erproben und einüben.
Zum Beispiel das Mittagessen: Die Kinder sind hungrig, die Kleine weint, der Große muss aufs Klo – und ich bin dabei, die Nerven zu verlieren. Ein Blick hinüber zu Jesus im Anbetungszelt hilft. An Seiner Hand fällt es leichter, den inneren Frieden zu bewahren. Das Jungfamilientreffen ist für uns wie ein „Geistliches Trainingslager“.
Griff 5: Sich als ganze Familie mit Sack und Pack auf den Weg zu einer mehrtägigen Veranstaltung zu machen, ist auch anstrengend. Doch gerade darin liegt eine besondere Gnade. Mitten in den vielen schönen Momenten kommen wir in Situationen, die uns eigentlich überfordern. Aber wir sind nicht allein, denn auch die anderen Familien haben raunzige und müde Kinder. Sie kämpfen sich durch und schaffen es – oftmals sogar mit einem Lächeln. Davon motiviert probieren wir es auch, stellen uns beispielsweise in die lange Schlange zum Essen an. Vertrauen darauf, dass auch unsere Kinder aushalten, noch ein bisschen länger zu warten.
Und dann erleben wir, dass es geht. Oder ein anderes Beispiel: Als es in Pöllau einmal viel geregnet hatte, war alles nass und schmutzig. In jeder anderen Situation wären wir entweder im Quartier geblieben oder gleich heimgefahren. Doch die anderen Familien waren auch voll Freude dabei und so haben auch wir gelernt, damit fertig zu werden. Es ist eine kleine Abhärtung. So wächst man als Familie, lernt dazu, macht kleine Schritte und wird stärker. Es geht, Familie ist lebbar!
Griff 6: Ein ganz wichtiges Erlebnis war für uns das Gespräch mit anderen Ehepaaren. Nach den Vorträgen gibt es immer wieder Zeugnisgruppen, bei denen eine Familie von ihren Erfahrungen berichtet. Beim anschließenden Austausch hören wir, dass andere Familie ganz ähnliche Sorgen und Nöte haben wie wir. Auch andere Kinder haben Einschlafprobleme, sind eifersüchtig und streiten. Auch andere Eltern verlieren mal die Nerven. Auch andere Ehepaare finden nicht genügend Zeit für sich und die Kinder. Es klingt paradox, aber alleine das zu hören macht Mut … und neue Freunde haben wir dadurch auch schon gefunden.
Griff 7: Wir Familien stehen in der Gefahr, zu viel zu „tun“ – auch wenn es für das Reich Gottes ist. Wir müssen also neu lernen, als Familie zu „sein“. Genau das haben wir beim Jungfamilientreffen an anderen Familien entdeckt. Sie lehren uns einen Weg zu gehen, auf dem man wahr wird, sich wahrhaftig miteinander konfrontiert und so immer mehr in die Tiefe wächst. Man entdeckt den anderen dann viel mehr mit allem Reichtum, aber auch mit allen Wunden und Leiden. Es geht um einen stetigen Umkehrprozess – um ein Lieben, Leiden, Vergeben und Mitarbeiten mit der Gnade Gottes. So entsteht eine immer tiefere Einheit im Ehepaar und die ganze Familie wird zu einem realen Zeichen der Liebe Gottes, welches wirklich anregt und evangelisiert.
Griff 8: Jeder von uns spürt, dass in uns der neue Mensch steckt. Du weißt, dass in dir eine tiefe Sehnsucht nach größerer Liebe ist. Setze keine Grenze – bis hier her und jetzt ist es genug. Nein, liebe noch mehr. Dieser Kampf um mehr Liebe ist der wichtigste Kampf, er allein lohnt sich. Ab jetzt setze ich diesen Kampf um die größere Liebe an die erste Stelle. Am meisten kämpfe ich um die Liebe zwischen mir und meiner Frau bzw. meinem Mann und meinen Kindern. Viele sagen, dass sie ihrem Ehepartner zu wenig Priorität sind: Alles, vor allem die Arbeit, ist ihm wichtiger als ich. Das Zentrum des Lebens ist die Einheit mit Gott, mit dem Ehepartner und den Kindern!
Griff 9:  Ich darf seit kurzem Vater von fünf Kindern sein, und zumeist erfahren wir sehr positive Reaktionen. Dies kann sich aber schnell ändern, wenn Schwierigkeiten auftauchen oder Beschwerlichkeiten geäußert werden: „Selber schuld, so viele Kinder zu bekommen. Das braucht doch heute nicht mehr zu sein ...!“ In Pöllau beim Jungfamilientreffen erleben wir viele Eltern, die „Ja“ zum Leben sagen. Es geht um eine grundsätzliche Offenheit für Kinder. Das Beispiel so vieler anderer Familien hat uns für ein großherziges „Ja zum Leben“ geöffnet und wir staunen darüber, wie groß dieses von Gott angenommene Geschenk ist.
Griff 10:  Der Dienst an den jungen Familien bringt reichen Segen. Es ist letztlich ein Dienst an den Schwachen und Kleinen der Gesellschaft. Ohne es vorausgeahnt zu haben, sehen wir, dass ein Großteil der jetzigen Helfer die Kinder der ersten Jahre sind, denen einst im Kinderprogramm gedient wurde – die Generationen reichen sich die Hände. Auch wir im Team, die wir jetzt noch selber als junge Familien mitten drin sind, freuen uns auf die Zeit, in der wir unseren Kindern mit ihren Familien dienen werden. Für uns selbst ist ein wunderschöner Aspekt am Treffen, dass wir eine Woche lang mit so vielen lieben Leuten zusammen sein können. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen in Pöllau!


Der Artikel ist unter Mitwirkung von Teilnehmern der Treffen entstanden: Marietta Reinprecht, Stefan Lebesmühlbacher, Stefan Lackner, Michi Schmalzbauer.


Jungfamilientreffen 2014

Das Treffen steht heuer unter dem Motto: „Hoffe auf den Herrn und sei stark“.  Es referieren: P. Johannes Lechner fj, P. Luc Emmerich fj, P. Andreas Hasenburger, P. Jochen Maria Häusler, Andreas Schätzle, erfahrene Ehepaare…
Eingeladen sind Ehepaare jung an Jahren oder frisch verheiratet sowie Familien mit Kindern bis 13 Jahre (ältere Kinder können mitgenommen werden, es gibt für sie aber kein altersgemäßes Programm)
Zeit: 15. bis 20. Juli
Ort: Pöllau, Oststeiermark
Anmeldung&Info: Robert Schmalzbauer, Husarentempelgasse 4, A-2340 Mödling, Tel: 02236 304280,
0664 4212 875,
jungfamilien@aon.at, www.jungfamilientreffen.at


Die eheliche Treue: Basis eines harmonischen Familienlebens

(Papst Franziskus) In seiner Ansprache an die  Österreichischen Bischöfe anlässlich deren Ad-limina-Besuchs hob Papst Franziskus auch die besondere Bedeutung der Familie hervor. Sie sei ein neues Missionsfeld der Kirche.

Ein wichtiges Feld unseres Wirkens als Hirten ist die Familie. Sie ist ein Herzensanliegen der evangelisierenden Kirche. „Die christliche Familie ist ja die erste Gemeinschaft, der es obliegt, dem heranwachsenden Menschen das Evangelium zu verkünden und ihn durch eine fortschreitende Erziehung und Glaubensunterweisung zur vollen menschlichen und christlichen Reife zu führen“ (Familiaris consortio, 2). Der Grund, auf dem sich ein harmonisches Familienleben entfalten kann, ist dabei vor allem die eheliche Treue.
Leider sehen wir in unserer heutigen Zeit, dass in den Ländern der westlichen Welt die Ehe und die Familie eine tiefe innere Krise durchmachen. „Im Fall der Familie wird die Brüchigkeit der Bindungen besonders ernst, denn es handelt sich um die grundlegende Zelle der Gesellschaft, um den Ort, wo man lernt, in der Verschiedenheit zusammenzuleben und anderen zu gehören, und wo die Eltern den Glauben an die Kinder weitergeben“ (Evangelii gaudium, 66).
Die Globalisierung und der neuzeitliche Individualismus fördern einen Lebensstil, der die Entwicklung und die Stabilität der Bindungen zwischen den Menschen sehr erschwert und der Entfaltung einer Kultur der Familie nicht günstig ist.
Hier tut sich ein neues Missionsgebiet für die Kirche auf, z. B. in Familienkreisen, wo Raum geschaffen wird für Beziehungen unter Menschen und Beziehungen mit Gott, wo eine echte Gemeinschaft wachsen kann, die jeden auf gleiche Weise annimmt und sich nicht in Elitegruppen einschließt, die Wunden heilt, Brücken baut, sich wirklich auf die Suche nach den Fernstehenden macht und mithilft, dass „einer des anderen Last trage“ (Gal 6,2).
Die Familie ist also ein vorrangiger Ort der Evangelisierung und der lebendigen Weitergabe des Glaubens. Tun wir alles, damit in unseren Familien gebetet wird, der Glaube als Teil des täglichen Lebens erfahren und weitergegeben wird.
Die Sorge der Kirche um die Familie beginnt mit einer rechten Vorbereitung und Begleitung der Eheleute wie auch mit der getreuen und klaren Darlegung der kirchlichen Lehre zu Ehe und Familie. Als Sakrament ist die Ehe Geschenk Gottes und Auftrag zugleich. Die Liebe zweier Brautleute wird durch Christus geheiligt, und die Partner sind dazu aufgerufen, diese Heiligkeit durch ihre Treue zueinander zu bezeugen und zu pflegen.

Aus der Ansprache an die österreichischen Bischöfe am 30.1.14


Ruf nach Initiativen im Bildungssektor

Christliche Eltern sollen ihre Verantwortung für die Erziehung wahrnehmen (Von C. Geusau)

Solange die Kinder klein sind, kann man sie daheim nach den eigenen Vorstellungen leiten und bilden. Aber dann, in der Schule… Der folgende Beitrag setzt sich mit der Herausforderung auseinander, vor der Eltern, die ihren Glauben ernstnehmen, bei der Ausbildung ihrer Kinder stehen.

Der Bildungsauftrag der Schule ist im österreichischen Schulorganisationsgesetz von 1962 klar definiert. Allerdings scheint es nur mehr wenige, sowohl öffentliche als auch private Schulen zu geben, die diesen Auftrag in seiner vollen Bedeutung wahrnehmen. Unter Paragraph 2  dieses Gesetzes heißt es, dass „die österreichische Schule die Aufgabe hat, an der Entwicklung der Anlagen der Jugend nach den sittlichen, religiösen und sozialen Werten sowie nach den Werten des Wahren, Guten und Schönen durch einen ihrer Entwicklungsstufe und ihrem Bildungsweg entsprechenden Unterricht mitzuwirken.“
Auffallend an diesem Paragraphen ist, dass spezifisch auf sittliche und religiöse Werte Bezug genommen wird und dabei das Wahre, das Gute und das Schöne, die klassischen, jahrhundertealten Grundsätze der europäischen Geistesgeschichte, hervorgehoben werden. Weiters ist bedeutsam, dass der Schule ausdrücklich nicht die Aufgabe zukommt, den Eltern die Verantwortung für Bildung und Erziehung ihrer Kinder abzunehmen, sondern lediglich daran „mitzuwirken“.
Dieser Begriff „mitzuwirken“ ist deshalb so wichtig, weil die katholische Soziallehre und auch fast alle wichtigen internationalen Menschenrechtsverträge und Dokumente der Nachkriegszeit betonen, dass die Eltern die ersten Erzieher ihrer Kinder sind. Somit kommt ihnen das Grundrecht zu, die Art und Weise der schulischen Erziehung ihrer Kinder zu bestimmen. Bereits die sehr unterschiedliche Handhabung dieser Praxis in den europäischen Ländern zeigt, wie wenig ernst dieses Menschenrecht manchmal genommen wird. In Deutschland wird z.B. immer noch das gesetzliche Verbot von 1938 auf Hausunterricht aufrechterhalten, ohne dass es dafür zwingende Gründe gibt. In Österreich ist diese Form des Unterrichts zu Hause dagegen unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Anders als in Deutschland, wo es die Schulpflicht gibt, gibt es in Österreich nur die Unterrichtspflicht.
Die heftigen Diskussionen der letzten Zeit rund um den Bildungsplan 2015 im deutschen Bundesland Baden-Württemberg sowie die immer stärkeren Proteste einer zunehmenden Anzahl von Eltern in Frankreich gegen bestimmte Formen von verpflichtender, ideologisch geprägter Sexualkunde sind nur einige Beispiele, die leider zeigen, wie weit manchmal die Auffassung von Bildung von dem, was wahr, gut und schön ist, entfernt ist.
In manchen europäischen Schulen, darunter auch im deutschsprachigen Raum, werden Kinder unter dem Deckmantel der sexuellen Aufklärung oft mit Darstellungen konfrontiert, die die berechtigte Frage aufwerfen, ob diese noch auf dem Hintergrund der klassischen Bildungswerte zu sehen sind. Allein die Frage nach dem Schönen kommt bei den oft perversen sexuellen Darstellungen in Schulbüchern nicht einmal mehr ansatzweise zum Tragen.
Seit vielen Jahren zeigt die Diskussion über die Rolle der Schule beim Sexualunterricht in fast allen Ländern Europas, dass dieser auf einem dahinter liegenden problematischen Men­schenbild beruht oder besser gesagt, sich an die sich immer wieder ändernden Ideologien und Meinungen anpasst. Dies zeigt, dass die Sexualerziehung in den Schulen nur einen kleinen Teil, sozusagen die Oberfläche eines tiefer greifenden Problems in unserem heutigen Bildungssystem darstellt, nämlich eine mangelnde ganzheitliche Vision vom Menschen. Es fehlt in unseren Schulen generell an einem Menschenbild, das die gesamte Wirklichkeit der rational erfass­baren Schöpfungsordnung zum Ausgangspunkt nimmt, um an Hand dieser befreienden Tatsache zu erziehen und zu bilden.
Als dringende Aufgabe gilt also die Suche nach einer konkreten Antwort auf die Frage, wie wir als Christen (wieder) Eigenverantwortung für die Bildung unserer Kinder übernehmen, statt uns permanent in Kirche und Gesellschaft über manche Ideologien und andere Probleme in unserem heutigen Bildungssystem zu beklagen.
Die Lösung liegt zu allererst bei den Eltern, nicht bei Staat oder Kirche. Deren Aufgabe ist es, die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder zu unterstützen, nicht ihnen die Verantwortung dafür abzunehmen. Die Schule sollte lediglich „mitwirken“.
Da sich unsere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten sehr stark säkularisiert hat, dürfen wir uns nicht wundern, dass unsere öffentlichen Schulen – sowie manch öffentlich finanzierte (katholische) Privatschule –, immer mehr ein Menschbild vermitteln, das nicht mehr mit dem christlichen, das wir unseren Kindern mitzugeben versuchen, übereinstimmt.
Wenn uns das als Eltern wirklich ernst ist, müssen wir in Bezug auf die Bildung unserer Kinder selber aktiv werden und das heißt; die Kinder entweder in eine katholische Schule schicken, die dieses Menschenbild noch aktiv und konsequent  vermittelt oder, so dies nicht der Fall ist, sich in katholischen Schulen engagieren oder neue katholische Schulen gründen (bzw. die Kinder im Hausunterricht erziehen).
Es ist viel zu einfach, die öffentlichen Schulen, den Staat, die öffentlich finanzierten katholischen Privatschulen und die Kirche immer wieder zu kritisieren. Denn die einzigen, die dafür verantwortlich sind, was unsere Kinder in den jeweiligen Schulen mitbekommen, sind wir Eltern, da wir die entsprechende Schule auswählen.
Wir leben in einem freien Land, wo es unterschiedlichste Möglichkeiten zur schulischen Erziehung unserer Kinder gibt. Obwohl es sicher einfacher und billiger ist, sie in eine öffentliche Schule zu schicken, gibt es gerade in Österreich genügend gute Alternativen. Christen sollten wieder Eigenverantwortung für die Bildung ihrer Kinder übernehmen, nicht als Gegenbewegung zu den bestehenden Schulen, sondern als Ergänzung für diejenigen, die ihren Kindern nicht nur eine akademisch gute schulische Bildung angedeihen lassen möchten, sondern auch eine im Sinne eines aktiv vermittelten christlichen Menschenbildes.
Wenn wir über den Bildungsauftrag der Schule und die Vermittlung eines uneingeschränkten christlichen Menschenbildes reden, sollten wir auf ein Wort Aristoteles’ zurückgreifen, der sagt, dass es das Ziel der Erziehung sei, uns zu lehren, das Schöne zu lieben. Dies ist ein absolut wichtiger Ausgangspunkt für die Vermittlung des christlichen Menschenbildes, da wir – wie es im 1. Buch Genesis Vers 27 heißt – als Gottes Ebenbild, als Mann und Frau geschaffen sind.
Wir haben aufgrund dieser intimen Beziehung zu Gott Anteil an Seiner ewigen Schönheit und an der Seiner Schöpfung. Es kommt also nicht von ungefähr, dass der österreichische Schulparagraph von 1962 das Wahre, das Gute und das Schöne als Ausgangspunkt nimmt. Die gesamte europäische Bildungstradition hat hier ihren Anfang. Sie ist ein Ausdruck der Wirklichkeit – die Wahrheit, insbesondere die Wahrheit des Menschseins, ist das Ziel jeder Bildung. In den Schulen, an den Universitäten und bei jeder wie auch immer gearteten Bildung geht es immer darum, den Menschen zu befähigen, die Wirklichkeit, in der er lebt, zu verstehen, zu respektieren und schließlich mit ihr umgehen zu lernen. Das ist Leben in Wahrheit.
Damit sind wir mitten drinnen in der gegenwärtigen Diskussion über die vielen unterschiedlichen Ideologien, die der Zeitgeist hervorbringt. In unserer säkularen und ideologisch geprägten Gesellschaft spielt Wahrheit eigentlich keine Rolle mehr, umso mehr aber die Empfindungen, die Befindlichkeit und die Meinungen der Menschen. In der Moderne, und dieses Bild wird auch immer mehr in unseren Schulen vermittelt, geht es nicht mehr darum, was ist, sondern darum, welche Meinung ich dazu habe und was ich fühle.
Mit der Zeit führt das in ein verwirrendes System, dem jegliches Ziel und jeglicher Sinn abhanden gekommen sind. Die menschlichen Gefühle und Meinung sind nun einmal sehr instabil und je nach Gegebenheiten rasch veränderbar. Als Antwort darauf kann das christliche Menschenbild mit seiner ganzheitlichen Perspektive des Menschseins und der Schöpfung eine befreiende Alternative darstellen.
Wenn die jungen Menschen in den Schulen wieder davon ausgehen können, dass der Wirklichkeit der Schöpfung Sinn zugrunde liegt, der auch rational erkennbar ist, so erfahren sie wieder Orientierung und Ordnung – Voraussetzungen des Denkens und damit des richtigen Handelns.
Eine Schule, die das christliche Menschenbild aktiv vermittelt, ist somit zu allererst ein Ort, wo alles, was wir tun und lernen, im Lichte Christi steht. Oder, wie Papst Benedikt XVI. es so treffend sagte: „Jede katholische Bildungseinrichtung ist zuallererst ein Ort, um dem lebendigen Gott zu begegnen, der in Jesus Christus seine verwandelnde Liebe und Wahrheit offenbart.“
Christus beleuchtet nicht nur das Fach Religion, sondern alles, was wir in der Schule unterrichten und unternehmen, weil Er der Urheber von all dem ist, was wir über die Wirklichkeit des menschlichen Daseins in der Schule lernen müssen. Jedes Fach, ob Mathematik oder Deutsch, Geschichte oder Physik behandelt einen Teil der menschlichen Wirklichkeit, der zum Ganzen der Schöpfungsordnung Gottes gehört, die wir zu verstehen lernen sollten.
Weiters ist es wesentlich, dass die Schulleitung und das Lehrpersonal das Christentum leben. Die Wahrheit zeigt sich letzten Endes am stärksten durch das, was in den einzelnen Menschen sichtbar wird. Insbesondere für junge Menschen sind Lehrerinnen und Lehrer oft prägende Vorbilder, deren Einfluss sehr groß ist. Das christliche Menschenbild ist vor allem dann überzeugend, wenn es von denen vorgelebt wird, die es verkünden. Natürlich wird der christlichen Lehre ein enormer Schaden zugefügt, wenn diejenigen das, was sie lehren, selber nicht leben. Da haben Eltern und Schule eine Vorreiterposition.
Wenn das christliche Menschenbild in katholischen, bzw. anderen christlichen Schulen wieder belebt wird und neue Schulen gegründet werden, die dieses als Ausgangspunkt nehmen, so werden wir als Christen unsere Energie nicht mehr damit verschwenden müssen, über säkulare Ideologien in den Schulen zu klagen. Wir können unsere Verantwortung in der Welt dahingehend wahrnehmen, Alternativen und Ergänzungen anzubieten, die letztlich nicht nur unseren Kinder dienen, sondern auch zum Wohle der Gesellschaft sind.
Somit gelangen wird dorthin, was der große Heilige Thomas Morus im 16. Jahrhunderts bereits als schulisches Bildungsziel anstrebte:  „Bildung ist, das sichtbar zu machen, was als Keim verborgen liegt.“ Es ist die Aufgabe der Schule, dass sich dieser Keim, der in den heranwachsenden jungen Menschen verborgen ist, in Zusammenarbeit mit den Eltern zu einer gesunden Pflanze entwickeln kann. Diesen Keim können wir als Christen selber pflanzen, wenn wir den Mut haben, uns mit vollem Engagement und einer tiefen Glaubensverwurzelung in der Bildung zu engagieren, einer Bildung nach christlichem Menschenbild. Nur dann werden wir eine vernünftige Antwort auf die Krise der Bildung, die zu allererst in unserer eigenen Verantwortung liegt, finden.



Die Schola Thomas Morus – ein Beispiel einer privaten Initiative

Die Schola Thomas Morus setzt sich eine ganzheitliche Bildung zum Ziel, um kritisch denkende, integere und im christlichen Glauben fest verankerte Menschen heranzubilden, die ihr ganzes Potential entwickeln und fähig sind, wahrhaftig zu leben und Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen. Dazu sind Glaube, Vernunft und die Stärkung der Tugenden, insbesondere Mut, gefragt.

Es gibt nur noch einige freie Plätze für das Schuljahr 2014/2015. Bei Bedarf wird auch ein Shutteldienst zwischen Wien und der Schule in Baden eingerichtet.
Bewerbungen und Information unter: info@scholathomasmorus.at oder  www.scholathomasmorus.at  


Kampf um die Mütterlichkeit

Über die Größe und Schönheit der Berufung der Frau (Von A. Gaspari)
Bis vor kurzem ging es mir vor allem darum, eine Lanze für die Frauen zu brechen, die es vorziehen, sich selbst zu Hause um ihr Kind zu kümmern, es selbst zu versorgen, selbst zu pflegen, selbst da zu sein, wenn es krank ist, wenn es aus dem Kindergarten oder der Schule nach Hause kommt. Ich wollte aufzeigen, wie schön es ist, das erste schiefe Lächeln, das erste glückliche Lachen, die ersten wackeligen Schritte, die ersten unbeholfenen Worte, die erste lustige Zeichnung geschenkt zu bekommen, später dann Zeit zu haben, um alle Warum-Fragen zu beantworten, als Erste die großen Neuigkeiten von Freunden oder Lehrern zu erfahren oder auch als Erste den Kummer einer schlechten Note oder eines verratenen Herzens stillen zu können.
Sie werden jetzt sagen, ich zeichne eine Idylle. Natürlich kann der Alltag auch hart sein, voller Sorgen und Rückschläge. Man fühlt sich unverstanden, deprimiert. Aber passiert das etwa im Berufsleben nicht ebenso?
Umso wichtiger ist es, das Schöne am Leben der Mutter ins Bewusstsein zu heben. Daher wollte ich auch aufzeigen, wie wunderbar es ist, als Erste den Kindern Geschichten zu erzählen, als Erste mit ihnen über Gott und die Liebe zu sprechen, einer Liebe, die alles vermag, ihnen als Erste die Wunder, die Gott rings um uns herum geschaffen hat, zu zeigen. Als Erste die ersten Freunde und Freundinnen meines Kindes kennen lernen…
Mit einem Wort: Ich wollte die vielen Freuden und Glücksmomente vor Augen stellen, die unwiederbringlich und unwiederholbar sind und die man als Mutter erfahren darf, die solange wie möglich – und ich meine wirklich, so lange wie nur irgendwie möglich – auf außerhäusliche Berufstätigkeit verzichtet. Übrigens: Auch die Zeit, in denen man Krankheit und Leid seines Kindes teilen und lindern kann, indem man vielleicht Tage oder Wochen neben dem Bett des Kindes im Spital verbringt, sind entscheidend wichtige Momente für Kind und Mutter.
Heute geht es aber nicht mehr darum, nur eine Lanze für das Muttersein der Hausfrauen zu brechen, heute geht es darum, in einem regelrechten Kampf für die Familie, für das Heim von Mann und Frau und Kindern zu bestehen. Es geht darum, dieses Heim zu schützen und zu verteidigen gegen die vielen Formen von Verblendung, Verirrung und Manipulation, die es aufzuzeigen und zu bekämpfen gilt.
Lassen wir uns doch nicht unseren gesunden Hausverstand und unsere Mutterinstinkte von Medien, Politikern oder sonstigen Möchtegernverführen benebeln oder gar zerstören! Lassen wir uns doch nicht einreden, dass Familie auf einen Ort reduziert werden kann, „an dem sich mehrere Menschen zu Hause fühlen,“ wie dies Österreichs Famillienministerin sieht! Das könnte nämlich durchaus auch das Beisl am Eck, wo man sich regelmäßig trifft, der Fußballverein, das gemütliche Caféhaus mit der Gratiszeitung oder die coole Clique sein. Dann ist es nämlich wirklich egal, ob sie aus Mann-Frau-Kind oder aus Mann-Mann-Kind  oder Frau-Frau-Kind oder gar aus Mann-Frau-Frau-Kind (siehe S. 6) besteht.
Nein: Gott hat uns unverwechselbar als Mann oder Frau geschaffen und ganz klare Wege zum Glück – nämlich eins zu werden – aufgezeigt, an denen viele tausende Jahre kein vernunftbegabter Mensch je gezweifelt hat, keiner hätte das hinterfragen wollen. Wer dies getan hätte, wäre wohl verständnislos angesehen und für verrückt erklärt worden.
Bleiben wir am Boden: Mehr denn je entscheidet sich an den Frauen und Müttern das Schicksal der Familien, deren zentrale Kraft und Mitte sie sein sollten. Es nutzt alles nichts: Frauen sind vor allem dazu berufen, ein „Zu-Hause“ zu schaffen, das für den Ehemann und die gemeinsamen Kinder Heimathafen, Tankstelle,  sein will, ein Ort, an dem ihre  Problemen aufgefangen werden, wo Diskussion angesagt ist und Orientierung vermittelt wird, wo man miteinander und füreinander betet, wo jeder Kraft, Durchhaltevermögen, Zuspruch, Mitgefühl, ein offenes Ohr und vor allem Liebe finden kann – eine Liebe, die ihrerseits in der Familie und an andere weitergeschenkt werden soll. Beleben wir also diesen Ort wieder – auch wenn dies viel Kraft und Verzicht erfordern kann sowie Unverständnis und manchen Spott einträgt! Wir werden hundertfach und in vielfältiger Weise dafür belohnt werden und schöpfen dadurch selber Kraft .
Die Väter wiederum sind – auch mehr denn je – aufgerufen, die Familien durch entschiedenes Auftreten in Gesellschaft, Politik und Medien vor den zerstörenden Einflüssen von außen zu schützen und sich treu zu ihrer Familie zu bekennen. Tun wir das alles nicht, so wird die verblendende Indoktrination von außen, die den Müttern erklärt, ihr Kind bedrohe ihre Freiheit und Selbstverwirklichung (ist es nicht umgekehrt?!), man müsse sich schnellstens, so gut es geht, davon befreien, endgültig durchsetzen. Familie wird dann bestenfalls der trostlose Ort sein, an dem sich nur abends ein loser Haufen von müden Kindern und Jugendlichen sowie ausgelaugten Erwachsenen vor Fernseher, PC und Laptop lagert, nur die nötigsten Worte gewechselt werden, keiner mehr zuhören kann oder will, aus den nichtigsten Gründen Streit entsteht und jeder zu einer anderen Zeit ein schnelles Essen zu sich nimmt.
Lassen wir uns nicht irre machen: Wir Frauen und Mütter sind nun einmal das personale Zentrum, um das sich eine gesunde Welt drehen könnte, wir sind die Architekten der Zukunft. Denn die Zukunft sind unsere Kinder und Enkel, die die Welt von morgen gestalten werden. So oder so!! Es liegt an uns!
Hat nicht Hermine Haunold (Portrait S. 14-16) weitaus mehr als viele der hoch gelobten Politiker und Experten unserer Zeit erkannt, worauf es im Leben wirklich ankommt: Auf das Vertrauen in den dreifaltigen Gott und die Liebe und Sorge für unsere Kinder und Mitmenschen?





Wisse, daß sie die Welt tragen!

“Trockne, Jesuskind,

die Tränen der Kinder!

Du bist es,

göttliches Kind von Betlehem,

das uns rettet

und von der Sünde befreit.

Zieh ein in das Herz eines jeden Menschen

und jeder Familie.

Sei du unser Friede

und unsre Freude." (Johannes Paul II.)



 

Weiterführende Themen: 

Das innerliche Leben  /  Internetsucht  Macht der Medien  /

 

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