Kirche Weitental

†  Gott ist die Liebe - Er liebt dich  †
 Gott ist der beste und liebste Vater, immer bereit zu verzeihen, Er sehnt sich nach dir, wende dich an Ihn
nähere dich deinem Vater, der nichts als Liebe ist. Bei Ihm findest du wahren und echten Frieden, der alles Irdische überstrahlt

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*Anbetung live*

Zur Synode 2014

vom 5. bis 19. Oktober

-

 

Kürzlich fand die Sonderbischofssynode in Rom über „Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung“ statt. Umfragen im Vorfeld nahmen die Medien zum Anlass, wieder das beliebte „heiße Eisen“ der „Wiederverheirateten Geschiedenen“ in die Auslage zu stellen. Der üblich Stil in den Medien: Papst Franziskus werde grünes Licht geben, um auch diesem Personenkreis den Empfang der Heiligen Eucharistie zu ermöglichen und so endlich das tradierte Eheverständnis an die modernen Gegebenheiten anpassen... (aus vision 2000)

 
I N H A L T
 

 

Einleitung

Die Fixierung auf dieses Thema verdrängt leider die anderen wichtigen, Ehe und Familie betreffenden Themen. Auch fehlt den meisten Kommentatoren ein Mindestmaß an Wissen über die Bedeutung der sakramentalen Ehe, die ja das tragende Fundament der Familie ist. Dabei hat die Kirche, vor allem durch das Wirken des heiligen Papstes Johannes Paul II., Großes über die Ehe gesagt, das Beste vielleicht, was jemals über dieses Fundament jeglicher Gesellschaft, die Zukunft haben will, geäußert worden ist.
Im Vorfeld der Synode wollen wir daher in dieser Ausgabe wieder einmal (siehe auch VISION 6/12) versuchen zu zeigen, wie schön und erfüllend – wenn auch herausfordernd – es ist, sein Eheleben nach den Wegweisungen der Kirche zu gestalten. In einer Zeit allerdings, in der rundherum Sex und Konsum als Maß aller Dinge gehandelt werden, ist es besonders notwendig, nicht nur tradierte Werte hoch zu halten, sondern bewusst aus der Kraft des Ehesakraments zu leben – nicht zuletzt als Ansporn für jene, die sich zwar nach Geborgenheit in der Ehe sehnen, aber wegen des weitverbreiteten Scheiterns nicht wagen, sich auf dieses Abenteuer einzulassen.

 

dich lieben alle Tage

Die sakramentale Ehe: ihrem Wesen nach unauflösbar

Welcher Widerspruch: Einerseits nach wie vor das Wissen um den großen Wert der Familie für das persönliche Glück, auch unter der Jugend, andererseits das viele Scheitern von Beziehungen und eine weitverbreitete Resignation: Heute klappt das eben nicht mehr… Muss sich die Kirche anpassen?

Wer auch nur einen kurzen Blick in die Statistik wirft, erkennt: Die Familie scheint in voller Auflösung begriffen. Die Bereitschaft, eine Ehe zu schließen ist seit den 70-er Jahren um 40% gesunken. Man schaue sich im Verwandten- und Bekanntenkreis um: Rundherum lebt man in einer „Beziehung“ mit einem „Partner“. Ehe? – vielleicht später. Und was die Scheidungshäufigkeit betrifft, fasst Der Standard die österreichischen Ergebnisse für 2012 so zusammen: „Wer jetzt vor den Altar tritt, der hat ein Risiko von 43,01 Prozent, dass der Bund fürs Leben noch vor dem Tode enden wird.“ Es regiert also die Vorläufigkeit. Und diese ist kein gutes Umfeld für Kinder. Daher auch eine nie dagewesene Unlust, Kinder zu bekommen. Sie wird uns einen Rückgang der Bevölkerung um 30% von einer Generation zur nächsten bescheren!
Fazit: Beziehungen klappen weitverbreitet nicht, das Modell der lebenslangen Ehe scheint vielen nur mehr für eine Elite geeignet. Die Politik hat sich dem angepasst und fördert den Trend zusätzlich noch. Single-Status, Patch­work-Familien, alternative Partnerschaftsmodelle, Homo-„Ehe“ werden aufgewertet. Klare Vorstellungen, was Familie überhaupt bedeutet, sind passé. So liest man im SP-Grundsatzprogramm: „Wir verstehen unter Familie jede Form des dauernden Zusammenlebens in partnerschaftlicher und demokratischer Form, die den einzelnen Mitgliedern dieser Gemeinschaft Solidarität, Anteilnahme und Schutz bietet.“ Und die Grünen erklären in ihrem Parteiprogramm: „Wir Grüne verstehen als Familie Menschen, die sich selbstbestimmt dazu entschlossen haben, eine gemeinsame Lebensplanung und -gestaltung zu verfolgen.“ Komplette Verwirrung sogar bei Österreichs Familienministerin (ÖVP): „Familie ist der Ort, an dem sich mehrere Menschen zu Hause fühlen.“
Kehren wir daher zur eingangs gestellten Frage zurück: Muss die Kirche sich diesen Fakten beugen? Bleibt ihr nichts anderes übrig, als ihre Lehre zu „modernisieren“, an die gesellschaftliche Realität anzupassen? Die Antwort lautet: nein! Das wäre eine Katastrophe. Sie ist ja das letzte Bollwerk, das die Würde des Menschen verteidigt, ja sogar das vertritt, was sich die meisten Menschen nach wie vor tief im Herzen wünschen: Geborgenheit in verlässlichen Beziehungen.
Kürzlich habe ich mir wieder die Ergebnisse der jüngsten Shell-Jugendstudie angeschaut. Sie basiert auf Umfragen in Deutschland im Jahr 2010. Junge Menschen wurden unter anderem gefragt, wie sie über Familie denken. Das Ergebnis? „Die Bedeutung der Familie für Jugendliche ist ein weiteres Mal angestiegen. Mehr als drei Viertel der Jugendlichen (76 %) stellen für sich fest, dass man eine Familie braucht, um wirklich glücklich leben zu können.“ Und: „Wieder zugenommen hat der Wunsch nach eigenen Kindern. 69 % der Jugendlichen wünschen sich Nachwuchs…“ Das bestätigt, was die Österreichische Jugend-Wertestudie 1990/2000 ergeben hatte. Damals lag Familie mit 69% an zweiter Stelle (hinter „Freunden“), wenn die 16- bis 24-Jährigen danach gefragt wurden, welches für sie die wichtigsten Lebensbereiche seien. Bei dieser Gelegenheit konnten sie auch äußern, welche Haltungen ihrer Ansicht nach entscheidend für das Gelingen einer Ehe seien. Platz 1: die Treue (84%), deutlich vor Sex (61%).
Darum sind ja bei Hochzeiten auch die meisten Gäste berührt, haben Tränen in den Augen, bekommen einen verklärten Blick, wenn die Brautleute ihr Eheversprechen ablegen: „Vor Gottes Angesicht nehme ich dich an als meine Frau (als meinen Mann). Ich verspreche dir die Treue in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet. Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens.“ Ja, diese Worte rühren uns, weil sie unser aller tiefe Sehnsucht ansprechen: Von einem Menschen ganz angenommen zu sein – „in guten wie in bösen Tagen“ eben, „bis der Tod uns scheidet“.
Bei genauem Hinsehen erkennen wir also, dass die Katholische Kirche heute in der Öffentlichkeit der einzige Anwalt jener Anliegen ist, die den Menschen ins Herz geschrieben sind, deren Verwirklichung sie sich nur nicht zutrauen. Das ist die große Herausforderung, vor der wir Christen stehen: Die Sehnsucht der Menschen aufzugreifen, und ihnen Mut zu machen, sich auf den Weg zu begeben, sie auch zu verwirklichen.
Gerade in einer Gesellschaft, die so auf Fortschritt, Veränderung, Mobilität ausgerichtet ist, wie wir dies heute erleben, braucht der Mensch einen Ort der Geborgenheit, eine Rückzugsmöglichkeit, ein Beziehungsgeflecht, in dem man nicht Erfolge und Nützlichkeit nachweisen muss, um angenommen zu werden, einen, der Heimat bietet, komme, was da wolle. Und dieser Ort ist die christliche Familie. Dort lebt man in Beziehungen, die nicht in Frage gestellt werden können, weil sie für das Leben eingegangen werden.
Das gilt zunächst für die Ehe. Es macht überhaupt nur Sinn von Ehe zu sprechen, wenn man in ihr eine unauflösliche Beziehung sieht. Sobald sie aufgelöst werden kann, wird sie zu einer Interessengemeinschaft, an der man festhält, solange dies nützlich erscheint. Man unterwirft den Partner einem Kalkül: Wiegt der Nutzen, den er mir bringt, schwerer als die Last, die er für mich bedeutet?
Nein, sagt die Kirche, so geht das nicht. Eigentlich hast du doch den ganzen Menschen angenommen, eigentlich im vollen Be­wusst­sein, dass er nicht perfekt sondern ein schwacher, mit Fehlern und Sünden behafteter Mensch ist. Lieben heißt eben, ihn anzunehmen, wie er nun einmal ist. Nur so entsteht ein Raum zwischen euch, in dem ihr ganz aus euch heraus gehen könnt. Ihr steht nicht mehr unter dem Zwang, fortwährend eure Schokoladenseite in die Auslage stellen zu müssen. Nein, ihr könnt auch schwach sein, im Vertrauen, dass der andere euch mit­trägt und euch hilft, über die Begrenzung hinauszuwachsen. So wird die Ehe ein Weg, auf dem die Partner einander zu ihrer persönlichen Entfaltung verhelfen.
Ein Leben lang zueinander zu stehen, macht nicht nur das Leben wunderschön, es ist auch der größte Dienst, den Eltern ihren Kindern erweisen können. Das vermittelt diesen ohne große Worte die Erfahrung der Geborgenheit: Meine Eltern stehen zueinander. Sicher, sie haben Konflikte, sind aber imstande, sich auch wieder zu versöhnen. Und wenn meine Eltern miteinander durch dick und dünn gehen, werden sie sich auch mir gegenüber so verhalten.
So vermitteln die Eltern dem Kind die Botschaft: Du bist geliebt, wir stehen zu dir, wir nehmen dich an, so wie du bist: Es ist gut, dass es dich gibt. Das ist der Humus, auf dem gesunde, ausgeglichene Persönlichkeiten gedeihen. Dass heute so viele Menschen unter psychischer Belastung leiden, ist unter anderem eine Folge der weitverbreiteten Ungeborgenheit nach gescheiterten Beziehungen. Jeder Bruch erzeugt schwere Belastungen, vor allem bei den Kindern. Man lese einschlägige Untersuchungen.
Noch einmal: Die Familie ist heute das letzte Refugium, in dem die Beziehungen bedingungslos bestehen: die Ehe in „guten wie in bösen Tagen“, die Eltern-Kind-Beziehung, die alle Beteiligten ein Leben lang  – wenn auch in unterschiedlichen Gestalten – aneinander bindet.
Das ist die Herausforderung, vor der wir Christen stehen: Dieses Leitbild in unseren Familien, so gut es geht, zu verwirklichen, damit unsere Umwelt, die so viel Scheitern erlebt, Mut fassen kann, ebenfalls diesen Weg zu beschreiten. Dabei dürfen wir allerdings nicht verschweigen, dass wir es aus eigener Kraft nicht schaffen, sondern dass Gott der eigentliche Garant für den Bestand unserer Ehe ist.
So wird die sakramentale Ehe zum leuchtenden Zeichen der Liebe Gottes. Denn in der unauflösbaren, fruchtbaren Einheit von Mann und Frau leuchtet, nach einem Wort von Papst Johannes Paul II., das Geheimnis des Dreifaltigen Gottes auf.
Die Kirche kann nicht anders als sich unzweideutig zur unauflösbaren Ehe, diesem kostbaren Schatz, zu bekennen. Allerdings muss sie rasch dafür sorgen, dass dieses Sakrament in unseren Ländern nicht weiterhin zu Schleuderpreisen verhökert wird.

10 Gebote für die Ehe
 
1. Betet, betet, betet, persönlich und in der Familie.
2. Redet, redet, redet, über alles und vor allem auch über Euch.
3. Bittet immer wieder um Vergebung und vergebt einander.
4. Zeigt jeden Tag dem anderen, wie groß und wie wertvoll er ist
5. Versucht nicht, den anderen zu verändern.
6. Geht nie im Unfrieden schlafen. Gebt einander vorher ein Zeichen der Versöhnung.
7. Habt Geduld miteinander, Geduld auch mit euch selbst.
8. Setzt der Liebe niemals Grenzen, nicht in der Familie und nicht in der Gesellschaft.
9. Vergesst nie auf Zeichen der Zärtlichkeit.
10. Um sich an der Hand zu halten, ist man nie zu alt.
P. Luc Emmerich csj

 

Ein Weg in die Freiheit

Eine treue Liebe beschränkt sich nicht darauf, nicht untreu zu werden. Sie ist auch nicht nur eine Liebe, die fortdauert, sondern eine, die wächst. Um einen anderen Ausdruck zu gebrauchen: Es ist eine glaubwürdige Liebe. Dabei sei daran erinnert, dass das lateinische Wort für Glauben „fides“ auch den Sinn von „Vertrauen“ und „Treue“ hat.
Die Treue beruht auf Vertrauen, und das Vertrauen ist die Frucht der Treue. Was den Glauben anbelangt: Er ist eine Form des Vertrauens, ein absolutes Vertrauen, eine Bereitschaft zur absoluten Hingabe. Das Gegenteil von Glauben heißt Angst. Eine treue Liebe ist eine, die alle Ängste, die einen befallen mögen, besiegt hat.
Und Gott weiß, wie zahlreich die Ängste heute sind, wenn es um das Thema Liebe geht: die Angst, ausgenützt zu werden, die Angst, nicht geliebt zu sein, die Angst, nicht lieben zu können, die Angst, verlassen zu werden, die Angst, sexuell zu versagen, die Angst, sich nichts mehr zu sagen zu haben… „Habt keine Angst!“: Dieses Wort Jesu auf dem von Wellen aufgewühlten See hat ehestiftende Bedeutung für die Paare von heute.
Ich bin überzeugt, dass man den Männern und Frauen des 21. Jahrhunderts die dauerhafte Liebe, ja, die endgültige Bindung als Lebensentwurf anbieten soll. Alle Untersuchungen zeigen, dass damit ein tiefes Verlangen der nachwachsenden Generation angesprochen wird. Ich sehe darin nicht ein „Ideal“ im Sinne eines unerreichbaren Zieles. Ich meine vielmehr, dass es sich hier um ein grundlegendes menschliches Gut handelt, um eine Wahrheit: die Wahrheit der Liebe, die Wahrheit des Bundes. Und gleichzeitig eröffnet es eine Chance: die unvergleichliche Chance, einen spirituellen Weg zu beschreiten – auch außerhalb der religiösen Weihe.
Die vielen Herausforderungen, über sich hinaus wachsen zu müssen, macht die Ehe zu einem Weg in die Freiheit. Wer das wahrhaft lebt, wird aus dem ersten Gefängnis befreit: dem des eigenen Ego und des Egoismus. Mehr noch: Er begibt sich auf den Weg zur Heiligkeit. Denn die Partner ermöglichen einander zu lernen, wie man sich dem anderen schenkt und hingibt.

 

Freundschaft: Säule, die die Ehe trägt

Über die vielen Gründe, auch heute eine Ehe zu schließen

Wir haben heute bezüglich der Ehe eine paradoxe Situation: Einerseits heiraten immer weniger Leute, die Ehe scheint als Lebenskonzept nicht mehr attraktiv. Andererseits fordert man die Ehe für alle. Stellt sich die Frage: Warum heiraten?

Darauf gibt es eine Fülle von Antworten: Weil eine offene „Ehe“ eine ist, die nie geschlossen worden ist; weil Liebe sich in der Treue vollendet;
weil lebenslange Bindung nicht unfrei macht und einengt, sondern die Möglichkeit zum Reifen bietet;
weil Reife zufrieden und glücklich macht und daher Stabilität schafft in einer vergänglichen Welt;
weil die Ergänzung von Mann und Frau uns ganz werden lässt;
weil ein großes, nicht mehr revidierbares Ja den Menschen auf das Absolute verweist, auf den Absoluten, auf Gott, der zu uns sein absolutes Ja spricht – ohne Abstriche;
weil Kinder immer noch das größte und schönste Geschenk und der Auftrag mit der größten, besten Zukunft sind;
weil die Ehe eine große Schule der Liebe ist, die sich im Dienen erhebt, in der Treue erprobt und in der Vergebung vollendet;
weil das Sakrament der Ehe deine Liebe christusförmig macht;
weil das Projekt Familie dem ursprünglichen Plan Gottes entspricht, der uns nach Seinem Bild geschaffen und die Spur der trinitarischen Gemeinschaft in uns gelegt hat.
Unsere irdische Existenz ist vergleichbar mit einer Pilgerreise, die die Form des Exodus annimmt. Wir sind unterwegs, noch nicht vollendet, noch nicht angekommen. Wir stehen in einem großen Prozess der Menschwerdung: ein Herausgehen aus sich selbst. Wir werden herausgeführt aus der Sklaverei des eigenen, narzisstischen Ich. Um diese Herausforderung kommen wir nicht herum. Ohne diesen Exodus ist keine Liebe möglich. Wer nicht über sich selbst hinausgeht, kann nicht lieben.
Dieser Exodus hat zwei Eigenschaften, die für das menschliche Leben und für eine gute Ehe notwendig sind. Das erste Merkmal ist das Abenteuer. Der Exodus ist ein Abenteuer. Wir sehen das am Exodus der Israeliten: 40 Jahre Abenteuer. Und auch wir können ohne Abenteuer nicht leben.
Und zweitens brauchen wir Intimität, innere Vertrautheit, verbunden sein mit der Innerlichkeit eines anderen. Meine eigene Innerlichkeit muss Raum finden können in der Innerlichkeit eines anderen. Es geht um eine Begegnung von Herz zu Herz. Das geschieht schon in der Freundschaft, aber in einer besonderen, ganzheitlichen Wei­se in der Ehe. Sie ist eine Freundschaft, die den Eros einschließt, die leibliche Hingabe, die Lust, die Agape. Die Liebe hat ja eine Vielfalt von Dimensionen, sehr viele Sprachen… Wir alle haben großen Durst nach Intimität.
Im allgemeinen hat der Mann eher den Hang, Abenteurer zu sein, während die Frau stärker die Sehnsucht nach Intimität empfindet – obwohl beides für beide wichtig ist. Und die Ehe ist so ein Abenteuer mit einer wunderbaren, leib-seelischen, geistigen, emotionalen Intimität. Die ganze Dimension des Menschen ist hier eingeschlossen. Das ist das Große an der Ehe: ganzheitlich die Liebe auszudrücken.
Genau dasselbe gilt für unser Leben mit Gott. Unser Exodus ist ein Abenteuer mit einer ganz großen Intimität mit Gott. Sie ist unser Lebensquell. Ohne Intimität mit Gott können wir nicht überleben, da gehen wir ein wie eine Pflanze ohne Wasser und ohne Licht.
Im Grunde genommen ist unsere große Sehnsucht nach Intimität das Zeichen für unsere Sehnsucht nach Intimität mit dem Herrn. Das innere Gebet ist jener Ort, wo wir diese innere Vertrautheit, diese Intimität mit Gott leben, von Herz zu Herz. Und mit dem Herrn zu leben, ist wahrhaft ein großes Abenteuer. Wer mit dem Herrn unterwegs ist, erlebt Abenteuer – einfach herrlich.
Wer die Bibel von Anfang bis zum Ende durchliest, wird feststellen, dass die Beziehung Gottes zu Seinem Volk am häufigsten mit der Ehe verglichen wird. Kein anderer Vergleich wird so oft gezogen. Weiters stellt man fest, dass die Liebe mit der Beziehung von Mann und Frau, mit der Ehe, beginnt, denn die Schöpfungsberichte fließen zusammen in den Moment, wo Adam die Eva entdeckt. „Das endlich ist Fleisch von meinem Fleisch…“ Hier haben wir es mit der ersten Liebeserklärung zu tun.
Und wie hört die Bibel auf? „Der Geist und die Braut sagen: komm! Und wer da hört, der sage: Komm!“ Die Bibel hört mit der Hochzeit des Lammes auf. Die ganze Bibel, von der Genesis bis zur Offenbarung, ist umrahmt vom Geheimnis der Hochzeit, vom Geheimnis der Ehe, vom Geheimnis dieser Beziehungsfähigkeit des Menschen: Und die menschliche Beziehungsfähigkeit von Mann und Frau ist das Zeichen und das Werkzeug für jene große Beziehung, die wir mit dem Schöpfer eingehen und die zur absoluten Vereinigung werden wird. Sie wird unsere ewige Hochzeit sein, die Hochzeit des Lammes, des gekreuzigten und auferstandenen Christus, eine Liebe, die ewig und hingebungsvoll, die ohne Bedingung ist und die wir alle ersehnen.
Daher ist die Frage von Ehe, Sexualität, von Beziehung, Eros, Freundschaft im Leben des Menschen eigentlich immer die zentrale Frage. Wir sind geschaffen, um Intimität und ein Abenteuer zu leben.
Meiner Beobachtung nach ist das Wichtigste einer glücklichen, dauerhaften Ehe ein gute Freundschaft. Sie ist das tragende Element. (…)
Freundschaft ist die vollkommenste Weise zu lieben, weil sie unserer geistigen Natur und unserer Innerlichkeit am meisten entspricht. Die Freundschaftsliebe ist vor allem eine geistige Liebe, jenseits von Leidenschaft und Eros. Die Leidenschaft vermag nicht, über die eigenen Interessen hinauszugehen. Man genießt den anderen für sich selbst. In der geistigen Liebe wird der Freund um seiner selbst willen geliebt. Sie ist Exodus und Ekstase, im Sinn des über sich selbst Hinausgehens, um auf den anderen ausgerichtet zu sein. Die geistige Liebe enthält auch eine geistige Kenntnis des anderen und macht nicht wie die Leidenschaft blind sondern sehend.  Sie öffnet die Augen für die Herzensqualitäten des anderen, für ein affektives Erkennen, das allein in die Innerlichkeit des anderen vorzudringen vermag.
Im strengen Sinn kennt man einen Menschen erst als Freund. Alle andere Erkenntnis – sei sie noch so objektiv – bleibt äußerlich. Diese geistige Liebe führt zu einer Erwählung des anderen, die sich durchaus der Unvollkommenheit und Fehler des Freundes bewusst ist. Ein Freund wird im Freund nie zuerst die Mängel und Schwächen sehen, sondern immer primär das Gute in ihm. Diese innere Erwählung bringt die Sympathie zum Reifen und macht die Freundschaft fest.
(…) Die Freundschaft ist jener Ort, wo der Mensch ganz er selber sein darf und sich als solcher vertrauensvoll öffnet auf ein Du, im Geben und Nehmen. Der Freund übersteigt uns, ist eben anders als wir und doch uns ähnlich. Es macht Freude, den anderen zu entdecken, seine Geschichte, seine Fähigkeiten, seine Reichtümer, sein Inneres. Freundschaft ist Eindringen in das Innere des Menschseins, nicht mit der ungestümen Vehemenz des Eros, sondern mit der lichten Kraft des Geistes und des Herzens.

 

Wahre Liebe ist nun einmal treu

Ermutigung in Zeiten der Beziehungskrisen

Treu sein, ein Leben lang – geht das heute überhaupt noch? Rundherum so viele Beziehungen, die scheitern. Im folgenden ermutigt die Autorin, Birgit Gams, zur Treue, die den Raum zum Wachsen der Liebe öffnet.

Vor einiger Zeit waren wir zu einer Hochzeit eingeladen. Das war der Tag, auf den das Paar so lange hingelebt hatte. Der Start in ein neues Leben zu zweit. Braut und Bräutigam sind gute Freunde von uns. Sie strahlen vor Glück. Wir, die Freunde, die Familie sind da, um mit ihnen zu feiern, sie zu ermutigen. Der Priester fragt den Bräutigam: „Ich frage dich: Bist du hierhergekommen, um nach reiflicher Überlegung und aus freiem Entschluss mit deiner Braut den Bund der Ehe zu schließen?“ Dann kommt der Augenblick, auf den alle gewartet haben. Das Brautpaar wendet sich einander zu: „Vor Gottes Angesicht nehme ich dich an als meine Frau. Ich verspreche dir die Treue in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit bis dass der Tod uns scheidet.“
Warum rühren uns diese Worte immer wieder an? Warum wecken sie diese Sehnsucht in uns, die Sehnsucht nach Liebe, Intimität und Treue?
Wohl die meisten Menschen wünschen sich nichts sehnlicher, als in einer erfüllten Beziehung und in einer glücklichen Familie zu leben. Dennoch scheint es, dass immer weniger Paare den Mut finden, eine verbindliche Beziehung einzugehen. Stattdessen zieht man zusammen und versucht es miteinander. Die Folge ist: Man lebt in einer Art „Wartestand“ zusammen, einer „Partnerschaft auf Probe“.
Häufig steht ein pragmatischer Grund am Beginn des gemeinsamen Lebens: eine gemeinsame Wohnung ist billiger oder es kommt ein Kind. Doch meist fehlt der feste innere Entschluss: Wir gehören für immer zusammen. Zwar wächst im Lauf des Zusammenlebens die gegenseitige Bindung, doch keiner sagt, wie verbindlich sie wirklich für ihn ist. Der Anfang und der Grund dieser Bindung werden nicht benannt oder mit einem klaren Zeichen bekundet. Unzählige Männer und Frauen verbringen so ihre besten Jahre damit, in einem ungeklärten Zwischenzustand auszuharren.
Die Ehe, die ein Paar für ein ganzes Leben verbindet, scheint überholt zu sein. Sie scheint im Widerspruch zu den Werten einer Gesellschaft zu stehen, die auf Flexibilität und Selbstverwirklichung setzt. Doch widerspricht eine lebenslange Bindung der Freiheit? Das Gegenteil ist der Fall. Es gehört wesentlich zur Würde des Menschen, endgültige Entscheidungen treffen zu können. Indem wir unseren Willen durch ein Versprechen binden, verwirklichen wir erst unsere Freiheit. Wir nehmen unsere Zukunft in die Hand und zeigen, dass wir Herr unserer selbst und frei von den Schwankungen der Gefühle und den Launen des Schicksals sind.
In einer Ansprache weist Papst Franziskus darauf hin, dass die heutige Kultur eine „Kultur des Provisorischen“  ist und er ermutigt junge Paare, sich von diesem kulturellen Kontext nicht überwältigen zu lassen. Liebe kann dauerhaft und treu sein. Sie muss es sogar sein, wenn sie eine wahrhafte und authentische Liebe sein will. Daher sind die Unauflöslichkeit der Ehe und die sexuelle Exklusivität der Eheleute keine unerträglichen Lasten, die den Ehepartnern von Christus oder seiner Kirche aufgebürdet werden. Sie sind vielmehr das Erfordernis der Liebe selbst.
Die Liebe Gottes ist treu – das ist eine Gewissheit, die sich durch die ganze Heilige Schrift zieht. Jesus hat uns Seine Liebe und Treue dadurch erwiesen, dass er am Kreuz all unsere Sünden auf sich genommen hat. Bevor Er diese Welt verlässt, ruft Er uns noch einmal zu: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20)
Am Tag unserer Hochzeit erinnern wir uns an diese treue Liebe Gottes und versprechen einander die Treue zu halten in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, in Armut und Reichtum, bis der Tod uns scheidet – so wie Jesus es getan hat. Ein solches Versprechen abzulegen, ist kühn, viele unserer Zeitgenossen halten es für tollkühn. Es scheint ihnen ein Versprechen zu sein, das von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Wenn wir dieses Versprechen, gestützt auf unsere eigenen Kräfte ablegen würden, wäre es das auch!
Doch das ist die frohe Botschaft des Evangeliums: Gott schenkt Seinen Gläubigen ein neues Herz, das sie befähigt, dem Bund, den Gott ihnen anbietet, treu zu sein, und auf den sie eben gerade mit einem Versprechen antworten: mit dem Taufversprechen bei allen Christen und dann mit dem Eheversprechen oder den Ordensgelübden je nach der persönlichen Berufung.
Papst Franziskus sagt: „Eine Liebe zu versprechen, die für immer gilt, ist möglich, wenn man einen Plan entdeckt, der größer ist als die eigenen Pläne, der uns trägt und uns erlaubt, der geliebten Person die ganze Zukunft zu schenken.“   Zum Leben gehört mehr als bloßes Dahinleben. Es gibt kaum etwas, nach dem sich Menschen, vor allem junge Menschen, mehr sehnen, als nach einer Mission, etwas, für das man leben möchte und möglicherweise auch zu sterben bereit ist.
Bis vor wenigen Generationen war es ganz klar, dass diese Sehnsucht natürlicherweise mit der Familie in Bezug stand. Indem man sich selbst als Sohn oder Tochter wahrnimmt, schätzt man das Ur-Geschenk des Lebens. Indem man mit Dankbarkeit auf das Geschenk des Lebens antwortet, das man umsonst empfangen hat, wird man sich des Rufes be­wusst, dieses Geschenk in Liebe weiterzugeben: Ehemann und Ehefrau zu werden, die gemeinsam gerufen sind, Vater und Mutter zu werden.
Vom 5. bis 19. Oktober findet in Rom die III. Außerordentliche Generalversammlung der Bischofssynode statt, die von Papst Franziskus einberufen wurde und die unter dem Leitwort steht: „Die pastoralen Herausforderungen im Hinblick auf die Familie im Kontext der Evangelisierung.“
Dieser Titel deutet zwei wesentliche Aspekte der Familie an. Die Familie als Abbild der Liebe Got­tes und Hauskirche braucht die pastorale Unterstützung der Kirche, um ihre Berufung in ihrer ganzen Fülle leben zu können. Familie ist somit immer Objekt der Evangelisation. Doch die Familie, die entsprechend ihrer Berufung lebt, wird selbst zu einem Zeugnis der Liebe Gottes. Sie wird zum Subjekt der Evangelisierung, denn sie bereitet den Boden für die Annahme der Botschaft des Evangeliums. Wie können wir das verstehen?
In der Familie öffnen wir uns für die Gegenwart Got­tes. Denken wir nur an den Augenblick der Geburt eines Kindes, die immer eine Offenbarung neuen Lebens ist. Die Eltern wissen, dass sie die Urheber dieses Lebens sind und ahnen doch, dass dieses Leben zu groß und kostbar ist, als dass sie allein dafür verantwortlich sein könnten. Sie ahnen, dass dieses Kind im Tiefsten sich selbst und Gott gehört.
Die Ehe und die Familie sind der Ort, an dem wir beginnen, uns mehr um den anderen zu sorgen als um uns selbst, und auch das bedeutet, sich für die göttliche Liebe zu öffnen. „Alle Männer und Frauen fürchten den Tod; aber nur Mütter und Väter gehören zu denen, die den Tod eines anderen Menschen mehr fürchten als ihren eigenen…“  Die hingebende Liebe eines Ehepaares, die Liebe eines Vaters und einer Mutter werden so zu einem überzeugenden Zeugnis der Liebe Gottes.
Papst Franziskus sagt daher: „Die frohe Botschaft der Familie ist ein sehr wichtiger Teil der Evangelisierung, den die Christen allen durch ihr Lebenszeugnis vermitteln können; und das tun sie bereits, das ist in den säkularisierten Gesellschaften deutlich zu erkennen: die wirklich christlichen Familien sind an der Treue, der Geduld, der Offenheit für das Leben, der Achtung der alten Menschen zu erkennen… Das Geheimnis all dessen ist die Gegenwart Jesu in der Familie.“

 

Was Frauen und Männer besonders brauchen

Ich möchte mit dem schließen, was Frauen und Männer am meisten brauchen: Da ist zunächst die Dankbarkeit. Besonders Frauen brauchen, dass man ihnen dankt: für das Mittagessen, dass sie sich um die Jüngste so lieb gekümmert, dass sie die Rechnungen bezahlt hat, die der Mann vergessen hatte. Danke, dass du für mich da bist… Nehmt nichts selbstverständlich, dankt für das Kleine wie für das Große, Tag für Tag!
Das Zweite, was Frauen brauchen, sind Komplimente. Es gibt immer etwas, was besonders schön ist. Das gilt es zu entdecken und ins Licht zu stellen. Und drittens braucht eine Frau, umsorgt zu werden. Schaut, wo sie eure Hilfe braucht. Sie sucht danach, dass man ihr Sicherheit verleiht. Eine Frau will spüren, dass sie nicht alleine ist. Und sie braucht euer aufmerksames Zuhören. Lieber einmal zu oft als einmal zu wenig zugehört.
Und was braucht ein Mann? Vor allem drei Dinge: Wertschätzung, Liebe und Respekt. Sehr oft aber begegnen ihm Raunzen, Kritik und bittere Vorwürfe. Das ist jedenfalls meine Erfahrung aufgrund der Seel­sorge. Das habe ich am meisten gehört. Ein Mann braucht also Wertschätzung: Bezüglich der Frage, ob er kompetent ist, weist der Mann eine große Zerbrechlichkeit und Verwundbarkeit auf. Er fragt sich, ob er das, was er tut, gut tut. Bekommt er da Anerkennung und Wertschätzung, hat er Frieden. Von dieser Erfahrung zehrt ein Mann lange. Wer sich auf diese Weise als König anerkannt fühlt, behandelt seine Frau als Prinzessin.
Ein Mann braucht Anerkennung, Wertschätzung und das Gefühl, respektiert zu werden. Eine gewisse Bewunderung darf auch dabei sein. Und dann braucht er Liebe, Zärtlichkeit, zärtliche Gesten, die Nähe seiner Frau, einen Kuss…
 

 

Geschieden & wiederverheiratet

Wie soll sich die Kirche zur Frage der zivil wiederverheirateten Geschiedenen verhalten? – ein auch in der Kirche heiß umstrittenes Thema. Dazu äußerte sich kürz­lich der bekannte deutsche Philosph Robert Spaemann.

 

Die Scheidungsziffern in modernen westlichen Gesellschaften sind katastrophal. Sie zeigen, dass die Ehe aufgehört hat, als eine neue, gegenüber den Ehepartnern selbständige Entität betrachtet zu werden, eine Entität, zu deren Auflösung jedenfalls der Wille eines der beiden Ehepartner nicht genügt. Dass auch der Konsens beider nicht genügt, und auch nicht der Wille einer Kirchenversammlung oder eines Papstes, weil der Mensch nach den Worten Jesu nicht trennen kann, was Gott verbunden hat – das ist katholische Lehre. Das christliche Verständnis des richtigen Lebens beansprucht zwar, maßgebend für alle Menschen zu sein. Aber schon die Jünger Jesu waren über die Worte ihres Meisters schockiert: Wer mag denn dann noch heiraten?! Das bedeutet: Der christliche Way of Life steht inzwischen dem in der Welt herrschenden entgegen. Die Kirche in den westlichen Ländern wird nolens volens zu einer Gegengesellschaft, und ihre Zukunft hängt nun vor allem davon ab, dass sie als Salz der Erde nicht schal und von den Leuten zertreten wird.

Die Schönheit der Botschaft erschließt sich nur, wenn sie nicht verwässert wird. Die Versuchung, sie zu verwässern, wird heute begünstigt durch die beunruhigende Tatsache, dass die Scheidungsrate unter Katholiken fast ebenso groß ist wie in säkularen Milieus. Da stimmt offenbar etwas nicht. Es ist gegen alle Vernunft, zu glauben, dass alle zivilrechtlich geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken ihre Überzeugung von der Unauflöslichkeit während ihrer Ehe fundamental in ihr Gegenteil verkehrt haben. Vernünftig ist die Annahme, dass sie bereits bei der Eheschließung gar nicht das klare Bewusstsein hatten, nun die Brücken hinter sich für alle Zeit, das heißt bis zu ihrem Tod, abzubrechen, sodass für sie eine zweite Heirat als Alternative gar nicht existierte.

Und daran ist leider die katholische Kirche nicht unschuldig. Die christliche Ehevorbereitung stellt heute den Brautleuten die Konsequenz einer kirchlichen Trauung sehr oft nicht klar vor Augen. Sonst würden nämlich viele Paare auf eine kirchliche Trauung verzichten. Für andere dagegen wäre eine gute Ehevorbereitung Anstoß zu einer Bekehrung. Der Gedanke ist faszinierend, dass die Verbindung eines Mannes mit einer Frau in die Sterne geschrieben ist und niemand sie von dort herunterholen kann, „in bösen Tagen so wenig wie in guten“. Dieses Bewusstsein ist eine wunderbare und beglückende Kraftquelle, wenn es um die Bewältigung von Ehekrisen und um die Wiederbelebung der alten Liebe geht.

Stattdessen wird innerhalb der Kirche, auch von Kardinälen und Bischöfen, eine Alternative erwogen und empfohlen, die einer Kapitulation vor dem säkularen Mainstream gleichkommt. Heilmittel des Ehebruchs soll nämlich nicht mehr Reue, Verzicht und Vergebung sein, sondern Zeit und Gewohnheit. Zeit und Gewohnheit soll ein ehebrecherisches Konkubinat unter der Hand verwandeln in eine gottgefällige Beziehung, auf die von der Kirche der Segen Gottes herabgerufen wird. Dann ist es natürlich nur konsequent, auch homosexuelle Partnerschaften zu segnen.

Hier liegt aber ein tiefer Irrtum. Die Zeit ist nicht schöpferisch. Sie stellt die Unschuld nicht wieder her. Die Zeit wirkt vielmehr immer im Sinn der Entropiezunahme. Alle Ordnungen der Natur werden der Entropie abgerungen und fallen ihr am Ende zum Opfer. Anaximander schreibt: Woraus die Dinge entstehen, dahinein vergehen sie auch, nach der Ordnung der Zeit. Schlimm ist es, wenn das Prinzip des Verfalls und des Todes schöngeredet wird, und wenn das allmähliche Absterben des Schuldbewusstseins verwechselt wird mit dem Schwinden der Schuld.

Schon Aristoteles lehrte, dass eine zur Gewohnheit gewordene Sünde eine tiefere Depravation darstellt als ein einmaliger Fehltritt, der noch von Gewissensbissen begleitet ist. Das gilt vor allem im Fall des Ehebruchs, wenn durch ihn und durch seine Legalisierung neue Strukturen entstanden sind, die ohne Schmerzen und Gewaltsamkeit meist nicht wieder aufgelöst werden können. Thomas von Aquin spricht in solchen Fällen von „perplexitas“, das heißt von Situationen, aus denen man sich nicht befreien kann, ohne so oder so schuldig zu werden. So im Fall eines einmaligen Ehebruchs: Soll der Ehebrecher seinem Ehepartner den Ehebruch bekennen oder nicht? Wenn er bekennt, rettet er eventuell die Ehe und zerstört nicht dauerhaft das Vertrauensverhältnis durch eine Lüge. Wenn er die Wahrheit sagt, kann es aber auch sein, dass er die Ehe erst recht gefährdet. Beichtväter raten deshalb wohl oft vom Geständnis ab. Thomas von Aquin schreibt übrigens, dass man in eine solche perplexitas nicht ohne eigene Schuld gerät, was er als Strafe Gottes für die anfängliche Sünde betrachtet.

Mitchristen in solchen Situationen beistehen, ihnen mit Empathie begegnen, sie der Solidarität der Gemeinde vergewissern, sind Werke der Barmherzigkeit. Die Spendung der Eucharistie aber ohne Reue oder ohne Beseitigung der irregulären Situation wäre eine Versündigung gegen das Sakrament, die heute sehr häufig ist. Warum haben die Liturgiereformer ausgerechnet sowohl am Gründonnerstag als auch an Fronleichnam aus dem Text der Lesung aus dem Korintherbrief über die Eucharistie die Pointe dieser ganzen Epistel gestrichen, in der vor dem „unwürdigen Empfang des Leibes Christi“ gewarnt wird: „Wer unwürdig isst und trinkt, der isst und trinkt sich das Gericht“? Wenn man sieht, wie Sonntag für Sonntag alle Messbesucher zur Kommunion gehen, so fragt man sich, ob die katholischen Gemeinden nur noch aus Heiligen bestehen?

Aber noch ein Letztes, das eigentlich das Erste sein müsste: Die Kirche bekennt, dass sie im Umgang mit dem Kindesmissbrauch zu wenig die Opfer im Blick hatte. Das geschieht hier wieder. Wer redet eigentlich über die Opfer? Wer redet von der Frau mit vier Kindern, denen Ehemann und Vater weggelaufen ist? Sie wäre vielleicht bereit, ihn wieder aufzunehmen, und sei es aus Gründen der Versorgung. Aber er hat sich eine neue Familie zugelegt und denkt gar nicht an Rückkehr. Inzwischen ist Zeit vergangen. Der Ehebrecher möchte gern wieder zur Kommunion. Er ist bereit, ein Schuldbekenntnis abzulegen, nicht aber den Preis zu zahlen: künftige Enthaltsamkeit. Die verlassene Frau ist gezwungen, mit anzusehen, wie die Kirche den neuen Bund akzeptiert und segnet. An die Stelle der Formel „bis der Tod euch scheidet“ müsste die neue Formel treten, die im Ernst schon vorgeschlagen wird: „bis die Liebe eines der beiden erkaltet“. Das Verlassen des schuldlosen Partners wird noch zusätzlich von der Kirche abgesegnet. Die Ersetzung der Eheschließung durch einen Segnungsgottesdienst ist Augenwischerei und betrügt die Leute.

 

Geschieden und wieder versöhnt

Geschichte einer wieder gekitteten Ehe

Als ich erfuhr, dass mich mein Mann betrügt, habe ich einen Priester aufgesucht,“ erzählt Do­rothée im Rückblick auf ihre Ehekrise. „Dieser hat mich zu einer Eheberaterin geschickt, die mir zur Scheidung geraten hat. Noch am selben Nachmittag war ich beim Anwalt…
Rein menschlich gesehen, hatte die Ehe von Eric und Dorothée schlecht begonnen: nämlich von den Eltern zum Heiraten gedrängt, damit das Baby, das unterwegs war,  nicht unehelich sei. Die beiden sind damals 18 und 20. Sie lieben einander seit drei Jahren. Sie ist noch in der Schule, er arbeitslos. Das Kind stirbt einen Monat vor der Hochzeit. Im August 1976 wird geheiratet. Ohne Glanz. Die Eltern wollen keine Feierlichkeiten. „Wir haben das wie eine Hochzeit zu Ausverkaufspreisen erlebt,“ erinnert sich Eric. „Sie war verpatzt. Kaum Freunde, alles war irgendwie trist…“
Damit beginnen auch schon die Probleme. Dorothée arbeitet als Verkäuferin im Geschäft der Eltern. Eric stürzt sich seinerseits in ein Studium, gibt aber nach einem Jahr auf. „Verheiratet zu sein, macht es schwierig, abends zu lernen.“ Er hat also keine Ausbildung. „Man hat mir kleine Jobs angeboten.“ Den Eltern missfällt das.
1978 und 1980 kommen zwei Mädchen zur Welt: Aurélie und Marie. Eric macht ein Diplom als Turnlehrer. Ein guter Job wird ihm in der Hauptschule von Arras angeboten, zusammen mit wichtigen pädagogischen Aufgaben. Dorothée wiederum übernimmt die Leitung des neuen Geschäfts der Familie in der Kleinstadt, in der sie leben, 80 Kilometer von Arras entfernt. Sie geht in ihrem Job auf, verdient mehr als ihr Mann. „Für mich ist Eric in den Hintergrund gerückt,“ gesteht sie. „Er arbeitete anderswo, verdiente wenig. Das hat ihn in meinen Augen abgewertet.“
Dorothée wird eine richtige Geschäftsfrau. Bei ihr zählt die Rentabilität. „Mir war nicht bewusst, dass Eric in seinem Job glücklich war. Ich habe einfach nur  wie eine Buchhalterin den Ertrag berechnet.“ Eric wird bedrängt und wechselt in eine näher gelegene Schule. „Sie war kleiner,“ erzählt er, „mit weniger Möglichkeiten. Langsam wurde ich depressiv.“ Zwischen beiden öffnet sich ein Graben. Eric landet in den Armen einer Schülerin.
Die Ehe wird geschieden. Für Eric beginnt der Absturz. „Mein Verhältnis ist bald aufgeflogen. Ich habe meinen Job verloren. Sechs Monate war ich komplett am Boden, allein.“ Ein schwaches Licht am Ende des Tunnels: eine Woche in Paray-le-Monial. Jugendfreunde, Michel und Patricia, beide sehr gläubig, nehmen ihn mit. Dort ist er vom Glauben berührt: „Wieder daheim, war ich überzeugt, ich würde Dorothée wiederfinden.“
Solche Gedanken sind ihr jedoch völlig fremd. „Nach unserer Scheidung habe ich mein Herz ein für alle Mal verschlossen. Ich wurde zur Kämpferin. Während meiner Scheidung haben mich alle für total stark gehalten. Tatsächlich aber war ich todunglücklich. Tief im Inneren liebte ich Eric immer noch. Aber ich hatte Angst, weil das Leben mit ihm unerträglich geworden war.“
Eric findet mehr und mehr zum Glauben. Er gibt die Hoffnung nicht auf, seine Familie wiederaufzubauen – aber mit der Hilfe Gottes: „Ich liebte Dorothée immer noch, wollte aber nichts übers Knie brechen.“ Er zieht zurück in ihre Gegend, ohne großes Aufsehen, sieht Dorothée erst drei Monate später. „Damals hat er mir viel von Gott erzählt. Langsam hat mich Eric bekehrt.“ Von Versöhnung ist jedoch keine Rede.
Seit seiner Rückkehr nimmt Eric an einer Gebetsgruppe teil. Ein Beichtvater begleitet ihn. „Das hat mir geholfen, mein Unrecht zu erkennen.“
Anlässlich einer Geschäftsreise bittet Dorothée Eric, sie zu begleiten. Der Mann, den sie treffen wollte, erzählt zufällig von Einkehrtagen für Paare. „Eric hat den Prospekt eingesteckt und wir beschlossen hinzufahren.“
„Für mich,“ gesteht Dorothée, „war das dort eine kalte Dusche. Wir haben Vorträge über Mann und Frau gehört, einfache Wahrheiten, die wir nie zuvor gehört hatten. Ich begriff: Jesus ist mein Retter, Er kann auch meine Ehe retten. Mit Seiner Hilfe könnten wir wieder zusammenfinden.“ Sie versöhnen sich während der Einkehr, bitten einander um Vergebung. Dorothée erkennt, was sie falsch gemacht hat: „Und dabei hatte ich stets gedacht, nur er sei schuld. Jetzt wurde mir klar, dass er aus seelischer Not gehandelt hatte und nicht so sehr mit dem Willen, uns  zu verlassen.“
Nach ihrer Rückkehr ziehen sie wieder zusammen. Ihr Umfeld bleibt skeptisch. „Uns wurde klar, es sei besser,“ erklärt Eric, „die Gegend zu verlassen, um unsere Ehe zu retten. In der Kleinstadt lastete die Erinnerung an unsere Vergangenheit zu schwer auf uns.“ Dorothée wiederum begreift, dass sie sich mehr auf Eric als auf ihre Familie verlassen soll: „Wir wollten wieder von Null aus beginnen, um etwas zu zweit aufzubauen.“
Ihr beruflicher Neustart im Süden schlägt fehl. Das Geschäft geht nicht, sie müssen es schließen. „Wir merkten, der Herr nimmt uns alles.“ 1992 stehen sie mittellos da, müssen Nahrungsmittelhilfe für die Kinder in Anspruch nehmen, vor allem weil sich ein drittes Mädchen, Frucht ihrer Versöhnung, eingestellt hatte. „Ganz schlimme Zeiten,“ erzählt Dorothée, „aber nie zuvor haben wir so viel miteinander gebetet, oft zwei Stunden täglich. Was unsere Versöhnung anbelangt, daran wurde nie gerüttelt.“
Am 13. Juni 1992 heiraten sie wieder auf dem Gemeindeamt. Eine neue Betätigung für Eric steht in Aussicht. Das Schlimmste haben sie hinter sich, auch die Kinder. „Für sie ist unsere Versöhnung das größte Geschenk. Alles andere zählt kaum,“ stellt Dorothée fest. Und Eric ergänzt: „Ohne Gott wäre unsere Ehe nicht wieder aufgelebt. Wir durften die Kraft des Ehesakraments erfahren.“

 

Zivil wiederverheiratet: Was dann?

Versuch einer verständlichen und liebevollen Hilfestellung

Eigentlich wissen die meisten Gläubigen, dass die Wiederverheiratung nach einer Scheidung aus der Sicht der Kirche – also aus unser aller Sicht und nicht nur aus der des Papstes und des Erz­bischofs – unmöglich ist. Dennoch scheinen sich viele mit dem Zustand gut zu arrangieren.

Seien wir ehrlich: Ist es nicht nur eine Minderheit unter den Praktizierenden, die sich als Betroffene vom Kommunizieren abhalten lässt? Und was die Hirten anbelangt: Sind es nicht nur wenige, die sich trauen, betroffene Personen zu ermahnen, statt so zu tun, als merkten sie nichts? Klar, man muss die Menschen respektieren; sicher, man muss Mitleid mit den „vom Leben Verletzten“ haben – vor allem wenn ihr Herz verletzt worden ist. Letztendlich aber haben weder Gedankenlosigkeit noch Feigheit jemals irgend jemanden geheilt.
Bei der Behandlung dieses Themas geht es aber auch um die peinlich genauen Gläubigen, die sich im Gegensatz dazu in einer solchen Situation der Verzweiflung ergeben: Sie sehen keinen Ausweg, meinen, damit sei das Leben als Christ zu Ende, und Gott liebe sie nicht mehr.
Mit beiden Gruppen wollen wir das christliche Leben wiederentdecken und zwar als das, was es ist: ein Weg der Umkehr, den Jesus all jenen erschlossen hat, die sich – weil sie sich als Sünder erleben – nicht mit ihren Sünden abfinden, eben weil die Sünde unglücklich macht und Gott genau das nicht will. Die Umkehr ist übrigens nicht allein den Wiederverheirateten vorbehalten: Sie ist ein Angebot an alle, wie weit sie im christlichen Leben schon gekommen sein mögen.
Wenn wir jetzt über eheliche Konstellationen sprechen, die dem Evangelium widersprechen, so gilt es zunächst demütig einzugestehen, dass wir das Thema als Sünder unter Sündern abhandeln.
Zunächst sei daran erinnert, dass die Kirche sich außerstande sieht, die Unauflöslichkeit der Ehe in irgendeiner Form abzu­schwächen, weil sie darin einen Anspruch sieht, den Gott selbst erhoben hat. Sie besteht darauf, ihn mit Gewissheit empfangen zu haben. Man landet daher zwangsläufig in einer Sackgasse, wenn man die Diskussion über die Scheidung in der Katholischen Kirche auf der Ebene menschlicher Vorschriften abhandelt.
Allerdings ist die Kirche auch von der Überzeugung getragen, dass Gott niemals etwas Unmögliches fordert. Mehr noch: dass Gott nie etwas von uns verlangt, was uns nicht glücklich machen würde. Wenn Er uns daher die Unauflöslichkeit offenbart hat, so nur, weil Er uns auch die Mittel gibt, sie – in Fülle – zu leben. Jenen helfen, die in einer dem Willen Gottes nicht entsprechenden ehelichen Situation leben, heißt also, ihnen beizustehen, diesen Willen besser zu begreifen und anzunehmen. Ihn zu umgehen, wäre gleichbedeutend damit, sich dem wahren Glück zu verschließen.
Das bessere Verständnis setzt eine bessere Erklärung voraus: Oft fehlt einfach die Kenntnis von der christlichen Sicht auf die Ehe und deren Stimmigkeit. Obwohl die Ehe einen solchen Stellenwert im Leben hat, muss man zugeben: Im allgemeinen wird man recht ungenügend auf sie vorbereitet. Es wird nicht viele Getaufte geben, die imstande wären, auch nur fünf Minuten lang darzulegen, wozu sie sich mit ihrem schicksalhaften Ja verpflichtet haben!
Wie auch immer, ob es nun darum geht, eine Ehe zu schließen oder eine zu retten, wir müssen uns endlich die Zeit nehmen und entsprechende Mittel einsetzen, um klarzustellen, was die Ehe überhaupt ist.
Nach dieser grundsätzlichen Klarstellung gilt es, die Situationen zu unterscheiden.
Zunächst einmal: Die Trennung der Gatten ist in den Augen der Kirche noch keine ordnungswidrige Situation, ob sie nun durch zivilrechtliche Scheidung zustande kommt oder nicht. So schmerzlich dies auch sein mag, die Trennung kann ein letzter Ausweg sein, um dem anderen treu zu bleiben, wenn das Zusammenleben wesentliche Güter der Ehe gefährden würde: z. B. die Sicherheit der Kinder oder ein Mindestmaß an persönlichem Gleichgewicht, auf das zu verzichten von niemandem verlangt wird.
Weiters ist manchmal die Frage zu stellen, ob die gefährdete Ehe überhaupt eine echte Ehe ist. Menschliche Handlungen müssen aus freien Stücken erfolgen, also bewusst und gewollt. Um diese Freiheit zu schützen, hat die Kirche das Jawort der Brautleute an Bedingungen geknüpft: ein Mindestalter, das Fehlen von Zwang, das Wissen über die wesentlichen Merkmale der Ehe.
Besteht ein begründeter Zweifel über die psychische Fähigkeit eines der Gatten zum Zeitpunkt der Heirat oder über dessen Reife, seine Aufrichtigkeit, sollte man nicht zögern, die Gültigkeit einer Ehe überprüfen zu lassen. Im Gegensatz zu einem weitverbreiteten Klischee ist dies kein Privileg der Prinzessinnen von Monaco!
Die Trennung der Gatten stellt deren Treue nicht notwendigerweise infrage. Dennoch sei betont: Eine so schwierige Situation verlangt von denen, die sich in ihr befinden, einen klaren Blick auf das Wesen der Ehe: Sie ist primär eine geistige und erst dann eine sichtbare Realität. Sie besteht ja in Gott, der sie begründet hat, fort. Das heißt: Diese manchmal unvermeidbare Trennung wird sich nur dann positiv auswirken, wenn sie im tiefen Glauben an den, der uns liebt und uns liebesfähig macht, gelebt wird – auch jenseits sichtbarer Zeichen der Liebe.
Offen gesagt: Ist das nicht letztlich die Wahrheit jeder Liebe, ob sie nun zu gelingen scheint oder nicht?
Das bedeutet auch: Diesen schwer getroffenen Brüdern und Schwestern gegenüber ist unser geschwisterliches Entgegenkommen besonders gefordert. Wie kommen wir der verlassenen Familienmutter, welche die Last der Erziehung ihrer Kinder allein zu tragen hat, zu Hilfe? Welchen Platz räumen wir jenen, die keine Familie mehr haben, in unserem Leben ein? Wie verhalten wir uns zu Kindern ohne Eltern, denen nichts als der Fernseher bleibt, wenn sie aus der Schule heimkommen?
Nehmen wir nun aber an, dass es um eine gültige Ehe geht und dass einer der Gatten (oder beide) nach der Trennung in einer (durch zivile Trauung besiegelt oder auch nicht, für die Kirche ist das egal) neuen Beziehung lebt. In diesem Fall wird die Treue zum Evangelium verlassen, die Situation ist irregulär.
Zunächst sei festgehalten: Beide Partner der neuen Verbindung sind von der Regelwidrigkeit der neuen Verbindung betroffen. War einer der beiden bisher unverheiratet, ist er dennoch für die neue Situation und deren Folgen mitverantwortlich. Um welche Folgen handelt es sich?
Auf der persönlichen Ebene muss der Gläubige sich klar und unzweideutig seiner Lage bewusst sein: Er stellt sich außerhalb des Willens Gottes. Somit gibt es für ihn nur einen christlichen Weg, nämlich zur Normalität zurückzukehren unter Benützung der üblichen Mittel: Buße und Umkehr.
Auf der sichtbaren Ebene dessen, was die Kirche gutheißen kann oder nicht, ist sie außerstande, einem Gläubigen, der im offenen Widerspruch zum Evangelium lebt, ein Sakrament zu spenden. Genau das ist aber im Fall des Zusammenlebens nach einer Scheidung der Fall, solange nicht Buße und Versöhnung stattgefunden haben. Da geht es einfach um die Kohärenz zwischen verkündetem und gelebtem Glauben. Wie sollte man das Sakrament der Buße feiern für Gläubige, die entschlossen sind, in einer dem Evangelium widersprechenden Situation zu verbleiben?
Mildern wir nun diese scheinbare Strenge durch folgende wichtige Bemerkung ab. Ein Sakrament nicht zu spenden, bedeutet nicht, jemanden der Niederträchtigkeit zu zeihen. Festzustellen, dass eine Situation objektiv gesetzeswidrig ist, heißt nicht, ein Urteil über die mehr oder weniger große Schuld des Betroffenen zu fällen. Er mag diese Situation, in der er nun gefangen ist, womöglich gar nicht so recht erkannt und gewollt haben.
Im Angesicht Gottes wird die tatsächliche Verantwortung am Grad des Festhaltens des Sünders an seinem Vergehen bemessen. Klarerweise besteht zwischen dem vollen Bewusstsein und dem festen Willen, Böses zu tun, und der weitgehenden Unbewusstheit, wenn jemand einfach tut, was alle machen, eine Abstufung. Jeder hat so – trotz allem – die Möglichkeit auf dem durch die Taufe eröffneten Weg voranzukommen.
Oft wird einem entgegengehalten, dass größere Schuld, etwa gegen die Gerechtigkeit, nicht von den Sakramenten ausschließt. Von außen gesehen, mag das so scheinen. Dann liegt aber Missbrauch vor. Denn es gibt keine Rückkehr zum sakramentalen Leben nach einer schweren Sünde ohne vorhergehende Buße und Versöhnung.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass eine außereheliche Beziehung meist erkennbarer und längerwährend ist als eine Ungerechtigkeit oder eine Lüge. Das zwingt die Kirche dazu, in diesem speziellen Fall die allgemeine Regelung hervorzuheben. Das ist jedoch keineswegs Ausdruck einer besonderen Feindseligkeit gegenüber den Geschiedenen.
So mancher, der das liest, wird nun erklären, seine erste Ehe sei sicher nicht gültig gewesen. Aber die Kirche werde die Ungültigkeit nie feststellen können, weil die Fakten zu weit zurückliegen oder weil der Gatte sie nicht eingestehen würde…
Muss man auch in diesem Fall auf die Sakramente verzichten? Selbst wenn man ehrlich überzeugt ist, dass die neue Verbindung alle Merkmalle einer wahren Ehe aufweist? Wenn ihr nur die Nichtigkeitserklärung der Kirche fehlt?
Um darauf zu antworten, sollte man klarstellen, was ein Sakrament ist. Es ist das sichtbare Zeichen der unsichtbaren Gnade, die Gott uns in bestimmten Situation schenkt: das ewige Leben in der Taufe, die Vergebung bei der Beichte… Es gibt viele Umstände, in denen man Gnade ohne äußere Zeichen empfängt. Wer also zurecht glaubt, in einer regulären Ehe zu leben, aber nicht die Möglichkeit hat, dies von der Kirche klarstellen zu lassen, darf wissen: Er ist, so wie er lebt, in Gottes Gnade. Er kann damit rechnen, in den Genuss aller Sakramente, die er eigentlich empfangen dürfte, zu kommen.
Was seine äußeren Handlungen aber anbelangt, ist die Kirche verpflichtet, sich an das zu halten, was sie sieht. Daher kann sie die Sakramente nicht feiern. Das heißt aber nicht, dass Gott dem Seine Gnade vorenthält, der außerstande ist, deren Zeichen zu empfangen.
(…) Wer also vom sichtbaren Empfang der Sakramente ausgeschlossen ist, sollte keinesfalls auf deren geistigen Empfang verzichten. In diesem Grenzfall, wo es sich nur um eine scheinbar irreguläre Situation handelt, möge sich der betroffene Gläubige in derselben Situation fühlen wie andere – Kranke und Verfolgte beispielsweise –, die daran gehindert sind, ihren Glauben zu feiern. Sie alle sind im Herzen der Kirche.
Wie aber kommen die wirklich in der Situation der Irregularität leben, aus dieser Lage heraus? Wer in einer Beziehung lebt, die den Bruch einer gültigen Ehe darstellt, muss klar das Ziel anpeilen: den normalen Zustand wiederherzustellen und daher Schluss damit zu machen, wie ein Ehepaar zu leben mit jemandem, der es nicht wirklich ist.
Das wird einigen Lesern sehr hart vorkommen! Sie mögen noch einmal lesen, was weiter oben gesagt worden ist, bevor sie uns vorwerfen, wir hätten kein Verständnis! Noch einmal: Es ist die Liebe, die Christus retten will, selbst wenn sie krank ist – ja gerade dann.
Selbst wenn jemand die Zielvorstellung, wie „Bruder und Schwester“ zu leben, verwirklicht hat, hat er gegenüber der christlichen Gemeinschaft weiterhin eine Verpflichtung: Jenen, die nichts davon wissen können, dass keine Irregularität mehr vorliegt, keinen Anstoß zu geben. Die Betreffenden werden daher darauf achten, dass sie die Sakramente so empfangen, dass niemand in ihrer Umgebung auf die Idee kommen könnte, sich in der kirchlichen Praxis getäuscht zu haben.  Konkret bedeutet das: kein Empfang dort, wo ihre scheinbar irreguläre Situation öffentlich bekannt ist und es indiskret wäre, die notwendigen Erklärungen zu geben. Es gibt genügend viele Kirchen im Land, wo man diesen Eindruck vermeiden kann. (…)
Nicht überrascht darf man sein, wenn es nach einem ersten heroischen Entschluss zu einem Umfaller kommt, vielleicht auch zu weiteren: Was da geschieht, ist eigentlich nur das, was im normalen Leben eines Christen sonst auch passiert. Wundern wir uns also nicht, aber resignieren wir auch nicht. Die eigentliche Katastrophe wäre es, würde man auf das Voranschreiten verzichten.
Auch möge der betroffene Gläubige sich nicht auf die Frage der Sakramente, die er noch nicht empfangen darf, fixieren, sondern aus jenen leben, die er bereits empfangen hat: aus der Taufe, der Firmung und – der Ehe, die ja lebendig bleibt in dem Kampf, den er führt, um sie jenseits des äußeren Anscheins am Leben zu erhalten.

 

Man kommt nie an ein Ende

Es reicht nicht zu sagen, dass es Geschlechtsunterschiede zwischen Mann und Frau gibt. Der Begriff des Unterschieds reicht da nicht, weil es ja Unterschiede zwischen allen Menschen gibt.
Der Geschlechtsunterschied ist aber nicht ein Unterschied wie die anderen, nicht wie etwa der Unterschied im Charakter, im Temperament oder in der Kultur. Er ist Kennzeichen einer tiefer liegenden Andersartigkeit.
Die Frau weist zum Mann nicht nur Geschlechtsunterschiede auf, sie ist das andere Geschlecht. Sie ist das Gegenüber, das Geschlecht, das ich nicht habe, das ich nicht bin.
Es handelt sich also um einen Unterschied mit dem Merkmal der Andersartigkeit. Zum Umgang mit ihr führt ein langer, äußerst schwieriger Weg, der übrigens nie an ein Ende kommt.
Daher hat die Ehe auch die Bestimmung, ein Leben lang zu dauern. Das Wunderbare am Bund der Ehe ist ja gerade, dass die größte Intimität in der größten Andersartigkeit vermittelt wird: Hier bekommt der Begriff „Bund“ seinen tiefsten Sinn.

 

Wenn du nicht nur benutzt werden willst…

Die Leute sagen: „Es ist in Ordnung, mit jemandem zu schlafen, wenn du ihn oder sie wirklich liebst.“ Darauf sage ich: „Da gebe ich dir vollkommen Recht. Aber was bedeutet es, jemanden wirklich zu lieben? Jemanden wirklich zu lieben, bedeutet, sich aus freiem Willen gänzlich hinzugeben; treu und fruchtbar zu lieben. Wenn du deinen Partner auf diese Weise liebst, dann solltest du einen Priester aufsuchen. Es wird Zeit zu heiraten!“
Wenn die Leute dann sagen: ,Woah, nein! Das ist nicht wirklich, was ich… ich meine...“, ist meine Antwort: „Dann verwechsle nicht dein Verlangen nach Vergnügen mit Liebe.“
Denn wenn wir unsere Mitmenschen nur als Mittel zu unserem Vergnügen sehen, lieben wir sie nicht. Wir benutzen sie. Und wenn wir ehrlich mit uns selber sind, wissen wir, wir sind nicht dafür da, benutzt zu werden.
Wir sind gedacht, geliebt zu werden! Wenn du wirklich geliebt und nicht benutzt werden willst, dann warte auf jemanden, der bereit ist, sein Leben für dich hinzugeben, frei, ohne Einschränkung, treu und fruchtbar. Und diese bindende Hingabe ist eben die Ehe.

 

Ich gehe einen Weg des Gehorsams

Seit vielen Jahren lebe ich ein Leben in der Mitte der Kirche, mit täglichem Besuch der Heiligen Messe, eucharistischer Anbetung, aber im Gehorsam zu den Weisungen der Kirche ohne den Empfang der Heiligen Kommunion. Christus hat im Gehorsam die Welt erlöst, so glaube ich, dass auch dieser mein Gehorsam eine Kommunion sein kann mit meinem Herrn.
Ich verstehe die ganze ständig wiederkehrende Forderung nicht und empfinde darin Engführung und Akte des Kleinglaubens. Christus hat viele Wege, sich mit einem Menschen zu vereinen, und ich muss diesen Weg nicht vorschreiben, geschweige denn dafür Wege eines Ungehorsams einschlagen. Wir viele sind ein Leib und wenn die Glaubensgeschwister den Herrn empfangen, kommt die Gnade auch zu mir –  davon bin ich fest überzeugt. Nehmen wir das zu wenig ernst?
Vom heiligen Nikolaus von der Flüe, einem Heiligen, der gerade auch ein großer Fürsprecher für wiederverheiratete Geschiedene sein kann, wird erzählt, er sei durch die Priesterkommunion so genährt worden, dass er selbst den Herrn oft „nur“ in geistiger Weise empfangen hat. Dieser Weg ist durchaus anspruchsvoll, ein Weg des Glaubensaktes, ein Weg auch des Opfers, aber gerade dadurch auch ein Weg mitten hinein in das Christusgeheimnis.
Den Schmerz, den ein solcher Verzicht durchaus auch kostet, opfere ich auf für meine vier Söhne, auch für die Heilige Kirche und darf hier glücklich große Früchte dankbar miterleben. Dieser Weg führt, so darf ich es erfahren, in einen tiefen Herzensfrieden, mit solchem Leben darf ich Zeugnis ablegen für die Heiligkeit der Ehe, für die Heiligkeit des Bundes Christi mit der Kirche.  Heute bin ich dem Priester tief dankbar, der mir diesen Weg gewiesen hat.
Oft wird im Zusammenhang mit der Situation wiederverheirateter, geschiedener Christen das Wort Barmherzigkeit bemüht. Eine Barmherzigkeit ohne Wahrheit wäre aber Täuschung. Ich glaube, dass der Weg auch für andere Glaubensgeschwister eine froh machende Alternative in sich birgt.

 

Die Ehe: Eine Berufung

Denn was ist die Ehe? Eine richtige Berufung, genauso wie es das Priesteramt und das Ordensleben sind. Zwei Christen, die heiraten, haben in ihrer Liebesgeschichte den Ruf des Herrn erkannt; die Berufung, aus zwei Menschen, einem Mann und einer Frau, ein Fleisch, ein Leben werden zu lassen.
Und das Sakrament der Ehe umhüllt diese Liebe mit der Gnade Gottes, verankert sie in Gott selbst. Dieses Geschenk, die Gewiss­heit dieses Rufes ist ein sicherer Ausgangspunkt, man braucht sich vor nichts zu fürchten; gemeinsam kann man alles bewältigen!
 

 

Sich bemühen, einander groß zu sehen

Wenn Ihr auf eure 32 Ehejahre zurückschaut, was hat Euch in schwierigen Situationen Halt ge­geben? Wie habt Ihr es geschafft, an Herausforderungen zu wachsen und nicht zu zerbrechen?
Josef: Durch all die Jahre hat uns unsere grundsätzliche Einstellung geholfen, dass wir daran glauben, Gott habe uns einander zugedacht. Wir glauben an Gott und Seine Hilfe und dass mit Ihm alles möglich ist. Auch die Treue war uns immer ein großer Wert – so war davonzurennen, zumindest für mich, nie ein Gedanke, auch nicht in schwierigen Momenten. Wenn wir uns nicht so nahe fühlen oder das Gespräch zwischen uns nicht so gut läuft, wissen wir beide: Wir müssen uns wieder darum bemühen, wieder neu einen Konsens suchen. Das Gespräch gilt es, immer aufrecht zu halten.
Anna: Auch das Bemühen, einander groß zu sehen – wie wir in Schönstatt sagen – hilft  uns, einander mit Achtung und Ehrfurcht zu begegnen. Man muss sich nicht immer an den Fehlern oder Ticks des anderen reiben. Der Blick auf das Gute und Positive stärkt unsere Beziehung. Auch in meinem Partner ist Christus da und in unserem Sakrament ganz besonders. Nicht immer schaffen wir es, uns so zu sehen, aber das Wissen darum, hilft trotzdem. Auch dann, wenn wir uns gerade gegenseitig auf den Mond schießen könnten...

Angenommen, ein junges Paar, das heiraten möchte, fragt Euch nach Eurem wichtigsten Tipp für ein gelungenes Eheleben: Was würdet Ihr antworten?
Josef: Das Erste ist sicher: Im Gespräch bleiben. Miteinander reden und reden können und das auch immer wieder üben – das ist die Grundlage.
Anna:Und es gilt so zu reden, dass der andere nicht verletzt ist. Das ist die Kunst, die Worte  behutsam zu wählen, aber trotzdem zu sagen, was Sache ist.
Josef: Das Zweite ist der Glaube. Gott ist mit uns, auf Seine Hilfe und Führung dürfen wir vertrauen und darauf aufbauen. Auch wenn es Durststrecken und schlechte Zeiten gibt, und die gibt es in jeder Ehe, es kommen wieder andere Zeiten.
Anna:„Gott ist Vater, Gott ist gut, gut ist alles, was er tut." – Dieser Satz von P. Kentenich gefällt uns sehr. Und: „Die Mutter wird sorgen“, diese Pickerl haben wir auf  die Autos unserer Kinder geklebt. Ganz wichtig ist auch die Dankbarkeit und sich über das Schöne zu freuen. Es gibt überall schöne Dinge, es ist wichtig, die auch zu sehen und wahrzunehmen. Das kann man auch trainieren.

 

Herr, unser Gott,

wir haben uns einander anvertraut.

Wir wollen zusammenleben.

Wir wirken aufeinander

mit unseren Eigenarten und

Begabungen,

mit dem, was gesagt wird,

und dem, was unausgesprochen bleibt.

Herr, es ist nicht immer leicht,

wenn ein Tag wie der andere ist,

wenn Verstehen mühsam wird

und Freude rar.
 

Aber, Herr,

lass uns hoffen auf neue Anfänge,

auf Einsichten, die weiterführen.

Herr, schenke jedem von uns Geduld,

auf den anderen zu warten,

und Kraft, auszuhalten, was das Leben

schwer macht.

Lass uns vertrauen auf Worte,

die Missverstehen ausräumen

und zusammen führen,

die Vergebung erbitten und gewähren.
 

Herr, lass uns vertrauen auf

Zuneigung, die sich erneuert,

und leben von der Hoffnung,

die sich auf morgen freut.

Was wir hoffen und erwarten, ist

mehr als Menschen zustande bringen.

Sei du allezeit Wegbegleiter

und lass das, was wir heute anfangen,

gelingen.

.
Amen.

 

Weiterführende Themen:

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