Kirche Weitental

†  Gott ist die Liebe - Er liebt dich  †
 Gott ist der beste und liebste Vater, immer bereit zu verzeihen, Er sehnt sich nach dir, wende dich an Ihn
nähere dich deinem Vater, der nichts als Liebe ist. Bei Ihm findest du wahren und echten Frieden, der alles Irdische überstrahlt

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*Anbetung live*

Maria Valtorta - Der Gottmensch

Band 1

 

Dieses Werk ist eine Gnade unseres lieben Herrn, man lernt hier Jesus und seine Worte in der richtigen Art und Weise kennen, seine Liebe, seinen Gehorsam, seine klaren und wahren Worte, nicht verdrehte, nicht unverständliche oder hoch theologische, nein, einfache Worte. Er erklärt für jeden verständlich die Gleichnisse. Glaube ist kein Studium, es ist Demut, Hingabe, Geduld, Vertrauen, nicht mein Wille muss an erster Stelle stehen, sondern den Willen Gottes gilt es zu suchen, die Gebote gilt es zu halten und hier erlangt man ein Verständnis hierfür. Zudem stimmen die Worte Jesu mit seinem Leben überein, voller Hingabe an den Willen seines und unseren Vaters. Nimm dir Zeit es aufmerksam zu lesen, du wirst es nicht bereuen.

Das Werk kann man hier in Buchform erwerben:

Parvis-Verlag, Route de l'Eglise 71, 1648 Hauteville, Schweiz, Tel. +41 26 915 93 93, buchhandlung@parvis.ch, www.parvis.ch

Aus rechtlichen Gründen dürfen nur Auszüge daraus veröffentlicht werden!
 
 



Nur zu Testzwecken!

Inhalt
 

1. «Maria kann die Zweitgeborene des Vaters genannt werden». S. 17

2. Joachim und Anna machen dem Herrn ein Gelübde. S. 18

3. Das Gebet Annas im Tempel wird erhört. S. 21

4. «Joachim hat sich mit der Weisheit Gottes vermählt, die eingeschlossen war im Herzen der gerechten Frau». S. 24

5. Mit einem Lobgesang verkündet Anna die Mutterschaft. S. 26

6. «die Makellose war nie Gottes Gedenken bar». S. 29

7. Geburt der Jungfrau Maria. S. 31

8. «Ihre Seele erscheint schön und unbefleckt wie der Vater ersann!». S. 36

9. «In den drei Jahren wirst auch du da sein, meine Lilie». S. 44

10. «Sieh die vollkommene Magd mit dem Herzen einer Taube. S. 47

11. «Meine Freude woher weisst du diese heiligen Dinge? Wer hat sie dir gesagt?». S. 48

12. «Hat nicht der Sohn die Weisheit auf die Lippen der Mutter gelegt?». S. 53

13. Mariä Darstellung im Tempel. S. 55

14. «Die ewige Jungfräuliche hat nur einen Gedanken: Ihr Herz hinzurichten auf Gott. S. 60

15. Der Tod von Joachim und Anna. S. 61

16. «Du sollst die Mutter des Gesalbten sein». S. 64

17. «Sie schaute wieder, was ihr Geist in Gott gesehen hatte». S. 69

18. «Gott wird dir den Bräutigam geben, und er wird heilig, denn du vertraust auf Gott Du sollst ihm dein Gelübde bekennen». S. 71

19. Joseph wir zum Bräutigam der Jungfrau bestimmt. S. 75

20. Die Vermählung der Jungfrau mit Joseph. S. 80

21. «Joseph ist gesetzt als ''Siegel des Siegels'', wie ein Erzengel an der Schwelle des Paradieses». S. 85

22. Das Brautpaar kommt nach Nazareth. S. 87

23. Die Verkündigung. S. 93

24. Der Ungehorsam der Alten Eva. S. 96

25. Die Neue Eva war in jeder Beziehung gehorsam. S. 99

26. Noch ein Wort der Erklärung über die Erbsünde. S. 104

27. Die Schwangerschaft Elisabeths wird Joseph verkündet. S. 108

28. «Überlass mir die Aufgabe, dich bei deinem Bräutigam zu rechtfertigen». S. 110

29. Maria und Joseph auf dem Weg nach Jerusalem. S. 111

30. Von Jerusalem zum Haus des Zacharias. S. 113

31. «Entzieht euch nie dem Schutz des Gebetes!». S. 115

32. Ankunft im Haus des Zacharias. S. 118

33. Maria enthüllt Elisabeth den Namen. S. 120

34. Maria spricht von ihrem Kind. S. 124

35. «Das Gnadengeschenk Gottes muss uns immer besser machen». S. 126

36. Die Geburt des Täufers. S. 128

37. «Die Hoffnung blüht für alle, die ihr Haupt an meinen Mutterschoss legen». S. 132

38. Die Beschneidung des Täufers. S. 133

39. «Macht euren Geist empfänglich für das Licht!» S. 136

40. Darstellung des Täufers im Tempel. S. 137

41. «Wenn Joseph weniger heilig gewesen wäre, hätte Gott ihm sein Licht nicht gewährt». S. 142

42. Maria von Nazareth spricht sich mit Joseph aus. S. 144

43. «Überlass dem Herrn die Sorge euch als seine Diener kundzutun!». S. 147

44. Die Verordnung der Volkszählung. S. 148

45. «Lieben heisst, den Geliebt en über Gefühl und Interesse hinaus befriedigen». S. 151

46. Die Reise nach Bethlehem. S. 153

47. Die Geburt Jesu, unseres Herrn. S. 157

48. «Ich Maria, habe die Frau mit meiner göttlichen Mutterschaft erlöst». S. 162

49. Die Anbetung der Hirten. S. 184

50. «In den Hirten finden sich alle Eigenschaften der wahren Anbeter des Wortes». S. 172

51. Der Besuch des Zacharias. S. 173

52. «Joseph ist auch der Schutzherr der Gott». S. 176

53. Darstellung Jesu im Tempel. S. 179

54. Lehren, die aus der vorhergehenden Vision zu ziehen sind. S. 182

55. Wiegenlied der Jungfrau. S. 184

56. Anbetung der Weisen. S. 188

57. Bemerkungen über den Glauben der drei Weisen. S. 188

58. Die Flucht nach Ägypten. S. 198

59. «Der Schmerz war unser treuer Freund und hat die verschiedensten Gesichter und Namen». S. 203

60. Die Heilige Familie in Ägypten. S. 207

61. «In diesem Haus herrscht Ordnung». S. 211

62. Erste Arbeitslehre für Jesus. S. 215

63. «Ich wollte nicht durch eine meiner Altersstufen unangepasste Verhaltensweise auffallen». S. 216

64. Maria, die Lehrerin von Jesus, Judas und Jakobus. S. 219

65. Anfertigung des Gewandes für den volljährigen Jesus. S. 225

66. Die Reise von Nazareth nach Jerusalem zur Feier der Volljährigkeit Jesu. S. 227

67. Die Prüfung des volljährigen Jesus im Tempel. S. 229

68. Das Streitgespräch Jesu mit den Gelehrten im Tempel. S. 233

69. Der Schmerz weil Jesus fehlt. S. 240

70. Der Tod des heiligen Joseph. S. 242

71. «Maria hat beim Tod Josephs tief gelitten». S. 247

72. Zum Abschluss des verborgenen Lebens Jesu. S. 248

73. Der Abschied von der Mutter und der Aufbruch von Nazareth. S. 255
74. "Sie weinte, weil sie die Miterlöserin war". S. 258
75. Die Taufe Jesu am Jordan. S. 262
76. "Johannes benötigte kein besonderes Zeichen". S. 266
77. Jesus wird in der Wüste vom Teufel versucht. S. 268
78. "Satan zeigt sich immer wohlwollend". S. 273
79. Begegnung mit Johannes und Jakobus. S. 274
80. "Ich liebte Johannes wegen seiner Reinheit". S. 276
81. Johannes und Jakobus berichten Petrus vom Messias. S. 278
82. Erste Begegnung des Petrus mit dem Messias. S. 282
83. "Johannes war gross auch in der Demut. S. 289
84. Jesus begegnet im Haus des Petrus zu Bethsaida Philippus und Nathanael. S. 291
85. Judas Thaddäus kommt nach Bethsaida, um Jesus zur Hochzeit von Kana einzuladen. S. 299
86. Jesus an der Hochzeit von Kana. S. 302
87. "Frau, was habe ich nunmehr mit dir zu schaffen?". S. 306
88. Jesus treibt die Händler aus dem Tempel. S. 308
89. Begegnung mit Judas Iskariot und Thomas; Wunder an Simon, dem Zeloten. S. 313
90. Thomas wird Jünger Jesu. S. 319
91. Judas des Alphäus, Thomas und Simon werden am Jordan angenommen. S. 324
92. Nach Ostern, Rückkehr mit den sechs Jüngern nach Nazareth. S. 330
93. Die Heilung des Blinden in Kapharnaum. S. 333
94. Der Besessene von Kapharnaum in der Synagoge geheilt. S. 339

 

 

1 »Maria kann die Zweitgeborene des Vaters genannt werden«

Jesus trägt mir auf: »Nimm ein ganz neues Heft und kopiere auf das erste Blatt das Diktat vom 16. August. Dieses Buch wird von Ihr handeln.«
Ich gehorche und kopiere (22. August 1944).
Jesus sagt:
»Heute schreibe nur dies! Die Reinheit hat einen solchen Wert, daß der Schoß einer Frau den Unerfaßbaren nur umfassen konnte, weil sie die höchste Reinheit besaß, die ein Geschöpf Gottes haben kann.
Die Allerheiligste Dreifaltigkeit stieg mit ihren Vollkommenheiten herab, wohnte mit ihrem unendlichen Sein in einem kleinen Raum –
ohne dadurch von ihrer Unendlichkeit zu verlieren – und offenbarte sich mit ihren charakteristischen Eigenschaften: Der Vater wiederum als Schöpfer, wie am sechsten Tage. Er schuf eine wahre „Tochter“, seiner würdig und ihm ähnlich. Der Stempel Gottes war in Maria eingeprägt, so klar und scharf, daß er nur im Erstgeborenen des Vaters [Röm 8,29] vollkommener war. Maria kann die „Zweitgeborene“ des Vaters genannt werden, weil sie wegen der verliehenen und bewußt bewahrten Vollkommenheit, wegen der Würde als Braut und Mutter Gottes und als Königin des Himmels die Zweite nach dem Sohn des Vaters ist; die Zweite im ewigen Gedanken des Vaters, der von Ewigkeit her an ihr Wohlgefallen fand.
Der Sohn, der auch für sie „der Sohn“ war, lehrte sie – durch den geheimnisvollen Eingriff der Gnade – seine Wahrheit und Weisheit,
als er noch ein Keim war, der in ihrem Schoß heranwuchs.
Der Heilige Geist erscheint den Menschen in einem vorweggenommenen, verlängerten Pfingstfest als Liebe in „der, die er liebte“; als Trost durch die Frucht ihres Schoßes; als Heiligung durch die Mutterschaft des Heiligen.
Um sich den Menschen in einer neuen und vollkommenen Weise zu offenbaren, welche das Zeitalter der Erlösung einleitet, wählte Gott nicht einen Stern des Himmels zu seinem Thron oder den Palast eines mächtigen Herrschers; auch nahm er nicht die Flügel der Engel zum Schemel seiner Füße. Vielmehr wollte er einen Schoß ohne Makel.
Auch Eva war ohne Makel erschaffen worden; aber sie hat sich aus freiem Willen verderben wollen. Maria, die in einer zerrütteten Welt lebte – während Eva von einer reinen umgeben war – wollte ihre Reinheit nicht einmal durch einen Gedanken an die Sünde beeinträchtigen. Sie wußte, daß die Sünde existiert. Sie sah ihre vielfältigen, schrecklichen Gesichter. Sie sah sie alle, auch das grauenhafteste: den Gottesmord. Aber sie lernte sie kennen, um für sie zu sühnen und in alle Ewigkeit die zu sein, die Erbarmen mit den Sündern hat und für ihre Rettung betet.
Dieser Gedanke ist eine Einleitung zu anderen heiligen Dingen, die ich dir und vielen anderen zum Trost mitteilen werde.«

2 Joachim und Anna machen dem Herrn ein Gelübde

Ich sehe das Innere eines Hauses. Dort sitzt eine bejahrte Frau an einem Webstuhl. Nach ihrem sicherlich einst schwarzen, nun aber schon ergrauten Haar und ihrem Gesicht, das noch nicht gerunzelt, aber doch durch den Ernst der Jahre geprägt ist, möchte ich schätzen, daß sie 50–55 Jahre alt ist. Nicht älter.
Bei der Bestimmung dieses Alters nehme ich das Gesicht meiner Mutter zum Vergleich, das mir besonders in diesen Tagen, die mich an ihre letzten Tage an meinem Bett erinnern, gegenwärtig ist . . . Das Gesicht meiner Mutter war unter den frühzeitig weiß gewordenen Haaren sehr jugendlich. Im Alter von fünfzig Jahren war sie weiß und schwarz wie am Ende ihres Lebens. Aber, abgesehen von der Reife ihres Blickes, verriet nichts ihre Jahre. Ich könnte mich daher irren, wenn ich älteren Frauen eine bestimmte Anzahl von Jahren gebe.
Die Frau, die ich in einem hellerleuchteten Raum weben sehe, ist schön in ihren typisch hebräischen Gesichtszügen. Die halbgeöffnete Tür läßt den Blick über einen großen Garten schweifen, den ich aufgrund seiner Ausdehnung eher als ein kleines Gut bezeichnen möchte, das sich über ein welliges Gelände dahinzieht. Die tiefen, schwarzen Augen der Frau erinnern mich – ich weiß nicht warum – an jene Johannes des Täufers. Sie sind stolz wie die einer Königin, aber zugleich auch sanft, als wäre über ihr adlerhaftes Aufblitzen ein himmelblauer Schleier gebreitet worden. Sanft und zugleich ein wenig traurig, wie wenn jemand trübsinnig verlorener Dinge gedenkt.
Die Gesichtsfarbe ist bräunlich, aber nicht übermäßig. Der Mund, ein klein wenig breit, ist schön geformt und hat einen ernsten, aber nicht harten Zug. Die Nase ist lang und fein, leicht nach unten gebogen.
Eine Adlernase, die gut zu diesen Augen paßt. Die Frau ist kräftig, aber nicht dick, gut gebaut und, nach ihrer sitzenden Haltung zu schätzen, ziemlich groß.
Ich glaube, sie webt ein Zelttuch oder einen Teppich. Die vielfarbigen Spulen eilen schnell über den dunkelbraunen Webstuhl, und das fertige Stück Tuch zeigt eine Verschlingung von Verzierungen und Rosetten, in denen grün, gelb, rot und dunkelblau sich verflechten und vermischen wie in einem Mosaik. Die Frau trägt ein ganz einfaches, tiefdunkles Gewand, dessen Violettrot an gewisse Stiefmütterchen erinnert.
Auf ein Pochen an der Tür erhebt sie sich. Sie ist wirklich groß.
Vor der Tür steht eine Frau, die fragt: »Anna, willst du mir deinen Krug geben? Ich werde ihn für dich füllen.«
Die Frau hat einen lebhaften Jungen von fünf Jahren bei sich, der sich sofort an das Kleid der genannten Anna schmiegt. Sie liebkost ihn, während sie in einen anderen Raum geht, und kommt mit einem schönen kupfernen Krug zurück, den sie der Frau mit den Worten gibt: »Immer bist du gut zu deiner alten Anna. Gott vergelte es dir an diesem Kind und an den Söhnen, die du hast und haben wirst, du Glückliche!« Anna seufzt. Die Frau schaut sie an und weiß nicht, was sie zu diesem Seufzer sagen soll. Um sie von dem Kummer, der sie offenbar bedrückt, abzulenken, sagt sie: »Ich lasse Alphäus hier, wenn er dir nicht lästig ist; so geht es schneller, und ich kann dir viele Krüge und Schläuche füllen.«
Alphäus freut sich, daß er bleiben darf, und der Grund ist verständlich.
Kaum ist die Mutter fort, da nimmt ihn Anna auf ihre Schultern und geht mit ihm in den Garten hinaus. Sie hebt ihn hoch in einem Laubengang, von dem goldgelbe Weintrauben herabhängen, und sagt: »Iß, iß, die sind gut!« Und sie küßt ihn auf das vom Saft der Früchte klebrige Gesichtchen, während das Kind eifrig Beere um Beere verspeist. Dann lacht sie vor Freude und scheint gleich jünger mit den schönen Zähnen, die zum Vorschein kommen, und der Freude, die das Gesicht überstrahlt, als das Kind noch sagt: »Und was gibst du mir jetzt?« und sie dabei mit großen, graublauen Augen anschaut. »Was gibst du mir, wenn ich dir, wenn ich dir gebe . . . na, rate was!« Und das Kind klatscht in die Hände und sagt lachend: »Küsse, Küsse gebe ich dir, schöne Anna, gute Anna, Mama Anna . . . « Anna hört sich Mama nennen, drückt mit einem Freudenschrei den Kleinen an sich und sagt: »Oh, mein Schatz! Liebling, Liebling!« Bei jedem „Liebling“ küßt sie die rosigen Wangen. Dann gehen sie zu einem Schränkchen, und sie nimmt von einem Teller etwas Honigkuchen. »Ich habe ihn für dich gebacken, du Freude der armen Anna, weil du mich so gern hast. Aber sage mir, wie sehr liebst du mich?« Der Junge erinnert sich an das, was ihn in seinem bisherigen Leben am meisten beeindruckt hat, und sagt: »Wie den Tempel des Herrn.« Anna küßt ihn noch einmal auf die lebhaften Äuglein, auf das rosige Mündchen, und das Kind schmiegt sich an sie wie ein Kätzchen.
Die Mutter kommt und geht mit dem Krug und lacht, ohne dabei etwas zu sagen. Sie überläßt die beiden ihren Zärtlichkeiten.
Da kommt vom Garten her ein alter Mann, etwas kleiner als Anna, mit vollem, schneeweißem Haar. Er hat ein helles Gesicht mit einem viereckig geschnittenen Bart und zwei türkisblauen Augen unter den hellbraunen, fast blonden Augenbrauen. Ein dunkelbraunes Gewand kleidet ihn.
Anna sieht ihn nicht, denn sie steht mit dem Rücken gegen den Ausgang. Er geht auf sie zu und spricht: »Und für mich nichts?« Anna wendet sich um und sagt: »Oh, Joachim, bist du mit deiner Arbeit fertig?« Gleichzeitig schmiegt sich der kleine Alphäus an Joachims Knie und sagt: »Auch für dich, auch für dich.« Joachim beugt sich zu ihm nieder. Das Kind wühlt in dem weißen Bart und gibt ihm einen schallenden Kuß.
Auch Joachim hat ein Geschenk für Alphäus . . . Er hielt es bisher in der linken Hand hinter dem Rücken; nun aber zeigt er den wunderschönen Apfel, der wie gemalt aussieht, und sagt lachend zum Kind, das erwartungsvoll die Händchen danach ausstreckt: »Warte, ich schneide ihn dir in Stücke. So kannst du ihn nicht essen; er ist ja fast größer als du.« Und mit einem Messerchen, das er sonst zum Beschneiden der Bäume und der Blumensträucher benützt, zerteilt er den Apfel in kleine Scheiben, die er mit großer Sorgfalt in den kleinen Mund steckt, als hätte er es mit einem noch im Nest sitzenden Vögelchen zu tun.
»Sieh doch die Augen, Joachim! Sind sie nicht wie zwei Stückchen des galiläischen Meeres, wenn der Abendwind einen Wolkenschleier über den Himmel webt?« Bei diesen Worten legt Anna eine Hand auf Joachims Schulter und lehnt sich leicht an ihn: eine Haltung, die eine tiefe Gattenliebe bekundet; eine nach so langen Ehejahren ungetrübte Liebe.
Joachim schaut sie liebevoll an und nickt, indem er sagt: »Sehr schön sind sie! Und diese Löckchen? Haben sie nicht die Farbe des Heus, wenn es die Sonne getrocknet hat? Schau: ein Gemisch von Gold und Kupfer.«
»Ach, wenn wir ein Kind gehabt hätten: so hätte ich es mir gewünscht; mit diesen Augen und diesen Haaren . . . « Anna hat sich niedergebeugt, ja niedergekniet, und küßt mit einem schweren Seufzer die beiden großen blaugrauen Augen.
Auch Joachim seufzt. Aber er will sie trösten, legt ihr eine Hand auf die krausen, weißen Haare und sagt: »Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben. Gott ist allmächtig. Solange man lebt, kann dasWunder jederzeit stattfinden; besonders wenn man ihn liebt und sich gegenseitig liebt.« Joachim betont diese letzten Worte.
Anna aber schweigt niedergeschlagen und hat das Haupt geneigt, um die beiden Tränen zu verbergen, die über ihre Wangen herunterrollen; nur der kleine Alphäus bemerkt sie und ist erstaunt und betrübt, daß seine große Freundin weint wie er selbst manchmal. Er hebt ein Händchen und wischt die Tränen ab. »Weine nicht, Anna!«
tröstet sie Joachim. »Wir sind auch so glücklich. Ich wenigstens bin es, weil ich dich besitze.«
»Auch ich bin glücklich, weil ich dich habe. Aber ich habe dir keinen Sohn geschenkt . . . Vielleicht habe ich dem Herrn in etwas mißfallen, da er mir den Schoß verschlossen hat . . . «
»Oh, meine Gattin! Worin solltest du ihm mißfallen haben, du Heilige?
Höre! Gehen wir für dieses unser Anliegen noch einmal zum Tempel! Nicht nur wegen des Laubhüttenfestes [Ex 23,14–17]. Beten wir lange! . . . Vielleicht ergeht es dir wie Sara . . . wie Hanna, der Frau des Elkana. Lange haben sie gewartet und haben geglaubt, sie seien verworfen, weil sie kinderlos blieben. Statt dessen reifte für sie im Himmel Gottes ein heiliges Kind [1 Kön 1; 2,11]. Lächle, meine Gattin! Dein Weinen schmerzt mich mehr als die Kinderlosigkeit . . .
Wir werden Alphäus mit uns nehmen und ihn beten lassen; ihn, der unschuldig ist . . . und Gott wird sein Gebet und unser Gebet annehmen und erhören.«
»Ja, machen wir dem Herrn ein Gelübde. Ihm soll das Kind gehören, wenn er es uns gibt . . . Ach, könnte ich mich doch „Mama“
rufen hören!«
Da sagt Alphäus, der erstaunte und unschuldige Zuschauer: »Ich nenne dich doch so!«
»Ja, meine liebe Freude . . . «
Hier endet die Vision.
Ich begreife, daß der Zyklus der Geburt Marias begonnen hat. Und ich bin sehr erfreut darüber, denn ich habe diese so sehr ersehnt. Ich denke, daß auch Sie zufrieden sein werden (In diesem Satz, wie an anderen Stellen dieses Buches, wendet sich die Verfasserin an ihren Seelenführer).
Bevor ich zu schreiben begann, hörte ich die Mutter sagen: »Tochter, schreibe jetzt von mir! Für alle deine Leiden wirst du Trost empfangen.« Und während sie mir dies sagte, legte sie mir die Hand aufs Haupt und streichelte mich zärtlich; dann kam die Vision. Anfangs aber, solange ich die Fünfzigjährige nicht mit Namen rufen hörte, wußte ich nicht, daß ich die Mutter der Mutter vor mir hatte und daß die Gnade ihrer Geburt bevorstand.

 

Gepriesen sei Gott unser Vater, unser Schöpfer,
Gepriesen sei Jesus Christus, der sich aus Liebe für uns geopfert hat,

Gepriesen sei der Hl. Geist, der unser Lehrmeister sein möchte.

 

 

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