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Barbara Weigand

 

 
Offenbarungen an Barbara Weigand.
Das Leben und Wirken der Barbara Weigand von Schippach, das von tiefen mystischen Erfahrungen erfüllt war, gibt Zeugnis von einer schlichten Gottsucherin. Ihr schriftlicher Nachlaß, der in interessierten Kreisen unter dem Titel „Schippacher Schriften“ schon früher einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte, ist eine Fundgrube für jeden, der nach spirituellen Werten tief christlicher Prägung sucht.
 
 
 

Offenbarungen an Barbara Weigand Band 1

Ostern 1894 – Februar 1897

Nr. 1 - 152

Inhalt

Begleitwort des Weihbischofs. 7

Einführung. 8

L e b e n von Barbara Weigand, Schippach. 18

1 In der Karwoche 1894. 42

2 Am Portiunculafest 1894. 42

3 Am Herz-Jesu-Fest 1894. 43

Dies war am achten Tag nach Mariä Lichtmeß 1895. 44

4 Fronleichnamsprozession 1895. 44

„Es ist Mein und Meines Vaters Wille, daß ihr drei, Lieschen, Luise und Barbara, euch zu einem Bund vereinigt...“ 44

5 Bei einer Priesterweihe 1895. 45

„Ein anderer Christus.“ 45

6 Vigil vom Herz-Jesu-Fest 1895. 45

„Mit diesem Erdenkind hier will Ich Mich vermählen.“ 45

7 Herz-Jesu-Fest 1895. 48

8 Großes Gebet 1895. 49

9 Mariä Himmelfahrt 1895. 50

10 Mariä Geburt 1895. 51

„Wir werden siegen, müssen siegen, aber nur im Kreuz; unsere Kirche siegt, aber nur im Kreuz.“ 51

11 Kreuzerhöhung 1895. 51

„Darum wird Meine Kirche allein die Welt retten.“ 51

12 Kirchenbedrängnis 1895. 54

13 Bei einem Begräbnis 1895. 57

14 St. Michaelsfest 1895. 57

15 St. Franziskus von Assisi 1895. 57

16 Zweiter Donnerstag im Oktober 1895. 58

„Ja, weil es Meine Freude ist, bei den Menschenkindern zu sein und Meine Lust, in ihnen zu wohnen.“ 58

17 Dritter Donnerstag im Oktober 1895. 61

„Seht doch, wie Ich all eure Schwächen zudecke mit Meiner Liebe.“ 61

18 Vierter Donnerstag im Oktober 1895. 64

„Nicht außergewöhnliche Werke verlange Ich, aber Meinen Willen zu erkennen und zu vollziehen!“ 64

19 Vigil von Allerheiligen 1895. 67

„Wie glücklich wären die Menschen, wenn alle mit ihrem Stand zufrieden wären.“ 67

20 Fest Allerheiligen 1895. 69

21 St. Elisabeth 1895. 70

22 Dritter Dezember 1895. 71

„Die sich von Mir getrennt, und die gar nicht mehr an Mich glauben, die muß Ich verdammen.“ 71

23 Erster Donnerstag im Dezember 1895. 72

„Die Verschmähung von seiten der weltlichen Macht ist ihr Ruhm, ist das Zeichen, daß sie siegen werden, wie Ich einst gesiegt habe.“ 72

24 Herz-Jesu-Freitag im Dezember 1895. 74

25 Vigil von Mariä Empfängnis 1895. 74

„Vermehre, wo du kannst, die Ehre Meines Sohnes!“ 74

26 Zweiter Donnerstag im Advent 1895. 77

„Ich bin die Quelle des lebendigen Wassers, Meine Mutter ist der Kanal“ 77

27 Zweiter Freitag im Dezember 1895. 78

„Ehe aber dies geschieht, wird ein großes Blutbad die Erde tränken und ein Wehgeschrei wird die ganze Welt erfüllen, wenn sie sich nicht bekehren.“ 78

28 Zweiter Samstag im Dezember 1895. 79

„Ja, die Zweifel, die du hast, die kommen vom Stolze her.“ 79

29 Dritter Dienstag im Dezember 1895. 81

„Siehe, wo Meine Diener nicht kommen wollen, da komme Ich Selbst.“ 81

30 Dritter Donnerstag im Dezember 1895. 82

„Du sollst eine Blume werden, die man hineingepflanzt in die Kirche, die Mein Sohn gestiftet.“ 82

31 Dritter Freitag im Dezember 1895. 84

„Denn es wird eine Zeit kommen, wo die Worte, die Ich mit dir spreche, zur Nutzanwendung kommen werden.“ 84

32 Dritter Samstag im Advent 1895. 86

33 Heilige Christnacht 1895. 86

„Nur diejenigen werden Mich finden, die Mich hier in der Krippe suchen, die Armen im Geiste, die reinen Herzens sind, die Demütigen.“ 86

34 Evangelist St. Johannes 1895. 90

„Wäre es denn eines Gottes würdig, diese Herrlichkeit auch jenen zu verleihen, die sich wenig oder gar nicht darum bemühen?“ 90

35 Herz-Jesu-Freitag im Januar 1896. 92

„Daß der Augenblick gekommen ist, wo sie ihre Macht gebrauchen müssen, die Ich ihnen gegeben habe, als ein ‚anderer Christus‘.“ 92

36 Fest der Heiligen Drei Könige 1896. 96

„Diese sahen Mich nur einmal und mußten ihr ganzes Leben lang im Glauben leben.“ 96

37 Zweiter Freitag im Januar 1896. 97

„Warum vertrauen sie nicht, daß Ich sie sicher, ja ganz sicher zum ewigen Heil führen werde?“ 97

38 Zweiter Samstag im Januar 1896. 100

39 Zweiter Sonntag im Januar 1896. 100

„Du trauerst für dich, ja trauere du für Mich, du Närrin!“ 100

40 Dritter Donnerstag im Januar 1896. 101

„Siehe, Meine Tochter, Mein Blut klebt an jeder Seele!“ 101

41 Tag vor dem Fest der Heiligen Familie 1896. 103

42 Vierter Freitag im Januar 1896. 103

„Aber nur zu jenen kann Ich kommen, die auch nach Mir verlangen.“ 103

43 Fünfter Freitag im Januar 1896. 106

„Du sollst deine Vernunft dem Glauben unterwerfen, deine Seele herrschen lassen über deinen Leib.“ 106

44 Mariä Lichtmess 1896. 109

„Das katholische Priestertum soll Mich anerkennen als seine allerreinste Braut.“ 109

45 Herz-Jesu-Freitag im Februar 1896. 111

„Das neunzehnte Jahrhundert legt Zeugnis ab, daß der Mensch verwildern kann“ 111

46 Zweiter Samstag im Februar 1896. 114

„Ja, du hast es gekonnt, du hättest es gekonnt, wenn du gewollt hättest, denn auch Ich ertrug, was du ertragen mußtest.“ 114

47 Zweiter Donnerstag im Februar 1896. 116

„Wenige sind es, die den Weg des Kreuzes wandeln.“ 116

48 Samstag vor Fastnacht 1896. 118

„Weil Ich doch hier wohne mit Fleisch und Blut unter den Gestalten des Brotes und Weines.“ 118

49 Fastnachtmontag 1896. 119

„Wo bleibt der Tribut, den Mir die Menschen schuldig sind?“ 119

50 Erster Freitag nach Quadragesima 1896. 121

„Wenn sie am Kreuz erhöht sein wird, wird sie alles an sich ziehen.“ 121

51 Erster Donnerstag im März 1896. 123

„Wie es jenen durch Leiden niedergedrückten Seelen ohne die heilige Kommunion zumute sei.“ 123

52 Herz-Jesu-Freitag im März 1896. 124

„Siehe, nicht Ich wollte ihr Verderben, sondern sie wollten es selbst! 124

53 Erster Samstag im März 1896. 127

54 Zweiter Donnerstag im März 1896. 127

55 Zweiter Freitag im März 1896. 127

56 Zweiter Samstag im März 1896. 128

„So sollte Ich auch die Mithelferin sein zur Gründung der neuen Kirche, denn aus einem jungfräulichen Leib sollte sie hervorgehen.“ 128

57 Dritter Donnerstag im März 1896. 131

„Der Schutzpatron aller derjenigen zu sein, denen es Ernst ist mit ihrer unsterblichen Seele.“ 131

58 Fest Heiliger Josef am 19. März 1896. 133

59 Dritter Freitag im März 1896. 133

„Geräuschlos, ohne allen äußeren Schein, fängt es an, sich zu entwickeln.“ 133

60 Dritter Samstag im März 1896. 136

„Mein Herz siehst du heute gespalten. Das ist die Zerrissenheit der Familie durch den Ehebruch.“ 136

61 Vierter Donnerstag vor Palmsonntag 1896. 138

„Denn Ich allein wußte die Größe Seiner Liebe zu schätzen, die Er zu den Menschen trug.“ 138

62 Fest der sieben Schmerzen 1896. 139

„Meine Mutter soll der Leitstern sein, der euch zum Himmel führen und geleiten soll.“ 139

63 Letzter Samstag vor Palmsonntag 1896. 141

„Wo ist der katholische Mann, der noch mit Mannesmut Mich vor anderen bekennt?“ 141

64 Palmsonntag 1896. 143

„Wie die verstockten Juden, so ist auch dieses Volk.“ 143

65 Gründonnerstag 1896. 145

„Wer von diesem Brot ißt, und diesen Kelch trinkt, mit dem bin Ich verbunden mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit, mit Fleisch und Blut.“ 145

66 Karfreitag 1896. 148

„Denn nie hat ein Mensch erfaßt, was Meine Mutter Mir auf Meinem irdischen Erlöserweg gewesen.“ 148

67 Karsamstag 1896. 151

„Tag für Tag sollst du siegen im Kreuz, und das Kreuz soll dich zur Glorie führen.“ 151

68 Ostersonntagnacht 1896. 155

69 Zweiter Freitag April 1896 vor Weißem Sonntag. 155

„Weil Ich nämlich nur dann strafe und schwer strafen muß, wenn die Bosheit des Satans dazwischen ist.“ 155

70 Samstag vor dem Weißen Sonntag 1896. 158

„Ich tue aber nichts und kann dir es nicht geben ohne dein Zutun; denn du hast deinen freien Willen.“ 158

71 Erster Freitag im Mai 1896. 160

„Daß nur diejenigen, die allen Einsprüchen Meines Geistes hartnäckig widerstehen, verlorengehen werden.“ 160

72 Kreuzauffindung 1896. 164

„Daß Meine Mutter beständig verehrt werden soll als die Mithelferin der Erlösung des ganzen Menschengeschlechtes.“ 164

73 Zweiter Freitag im Mai 1896. 167

„Wenn Ich Mich richten muß nach den verschiedenen Zeitaltern, als ihr Gott und Schöpfer, warum denn nicht auch sie?“ 167

74 Christi Himmelfahrt 1896. 170

„Nicht die Wissenschaft macht Heilige, sondern das Kreuztragen.“ 170

75 Vierter Freitag im Mai vor Pfingsten 1896. 174

„Was wäre die Menschheit ohne diesen Geist, den Ich über sie ausgegossen habe an diesem Tag?“ 174

76 Pfingstfest 1896. 177

„Ja sieh, Mein Geist leitet die Kirche.“ 177

77 Fünfter Freitag im Mai 1896. 182

„Von Meiner Mutter sollen Meine Kinder lernen, den Weg zu Mir zu finden, die Tugenden nachzuahmen.“ 182

78 Tag vor dem Fronleichnamsfest 1896. 184

„Vergeltet Mir doch die Liebe, daß ihr freudig mit Mir leidet und freudig mit Mir liebt.“ 184

79 Fronleichnamsfest 1896. 187

80 Samstag in der Fronleichnamsoktave 1896. 187

„Weder die Bosheit der Hölle noch die List der Weltenkinder kann Meiner Liebe widerstehen, die Ich ausgießen will in diesen Tagen.“ 187

81 Donnerstag vor dem Herz-Jesu-Fest 1896. 190

„Und Ich sage dir, daß Deutschland gerettet werden wird.“ 190

82 Herz-Jesu-Fest 1896. 194

„Und eine einzige Seele, die Mich wahrhaft liebt, übertönt tausend andere, die Mich nicht lieben.“ 194

83 Freitag nach dem Herz-Jesu-Fest 1896. 197

„An dem Kreuz, das alle Völker zu ertragen haben, an dem Kreuz des Sozialismus, des Liberalismus und des Freimaurertums.“ 197

84 Fest des Johannes des Täufers 1896. 200

„Daß Ich durch Leiden die Menschen an Mich ziehen will und durch Leiden sie an Mich fesseln.“ 200

85 Vierter Freitag im Juni 1896. 203

„So daß er manchmal seine Gedanken mit einmischt zu dem, was Ich mit ihm rede.“ 203

86 Fest St. Peter und Paul 1896. 204

„Ich will, daß die hochheilige Messe, wo Mein Kreuzestod erneuert wird, sie jedesmal erinnern soll, mit Wem sie jetzt verkehren und Wer sich jetzt zu ihnen herabwürdigt.“ 204

87 Erster Freitag im Juli 1896. 208

„Zum Leiden, ja, da muß man den Menschen zwingen, auch wenn sie die treuesten Kinder sind.“ 208

88 Prüfung des Bischofs. 210

89 Montag in der großen Gebetswoche 1896. 212

„Meine lieben Kinder, liebet die Demütigungen, die über euch kommen.“ 212

90 Zweiter Freitag im Juli 1896. 213

„Daß Mein Geist immer noch in Vereinigung mit deinem Geist wirkt und sich deshalb in Kleinigkeiten dein Geist immer noch mit einmischt.“ 213

91 Letzter Tag der Gebetswoche 1896. 214

„Seht, in der heiligen Hostie seht ihr auch nur die Gestalt des Brotes, ebenso bin Ich jetzt hier bei Meiner Dienerin verborgen.“ 214

92 Dritter Freitag im Juli 1896. 215

„Seht doch die unermeßliche Ewigkeit, wo keine Barmherzigkeit mehr regiert, sondern nur unerbittliche Gerechtigkeit.“ 215

93 Achtzehnter Juli 1896. 216

„Daß dies das höchste Gebet ist, wenn die drei Kräfte ganz in ihrer Tätigkeit zurücktreten und in Mir ruhen.“ 216

94 Vierter Donnerstag im Juli 1896. 216

„Wo die Welt überflutet ist durch die Greueltaten des Freimaurertums, des Liberalismus und Sozialismus.“ 216

95 Fest des heiligen Jakobus 1896. 218

96 Letzter Donnerstag im Juli 1896. 218

„Siehe, das ist der Stolz, der etwas leisten will!“. 218

97 Fest der Verklärung Christi 1896. 219

98 Donnerstag vor Portiuncula 1896. 219

99 Freitag vor Portiuncula 1896. 219

„Denn diese Worte, die Ich durch Barbara an euch richte, enthalten Meine Ehre und Verherrlichung.“ 219

100 Portiuncula-Abend 1896. 221

„Nur die Kinder der streitenden Kirche können die Gerechtigkeit Meines Sohnes überbrücken, daß die Barmherzigkeit sie erreiche.“ 221

101 Erster Donnerstag im August 1896. 222

„Es ist noch nicht die Zeit, daß Ich die Menschheit verderben will.“ 222

102 Priesterweihe am 10. August 1896. 224

„So viele, die es lesen, werden von neuem Eifer erfüllt.“ 224

103 Zweiter Donnerstag im August 1896. 225

„Wenn du frei wärest von aller Menschenfurcht und von dir selbst, würdest du nicht zweifeln.“ 225

104 Vigil von Mariä Himmelfahrt 1896. 225

„Dein Leiden soll die Pilgerreise jedes einzelnen Menschen in das himmlische Vaterland vorzeichnen.“ 225

105 Mariä Himmelfahrtstag 1896. 228

„Ist es das gottgefälligste Werk, der Allerheiligsten Dreifaltigkeit für den starken lebendigen Glauben Meiner heiligsten Mutter zu danken.“ 228

106 Dritter Donnerstag im August 1896. 228

„O wenn doch Meine Diener es verständen, mit Mut den Seelen nachzugehen.“ 228

107 Dritter Freitag im August 1896. 229

„Mein Herz dürstet nach Seelen, die mit Mir leiden für die Sünder.“ 229

108 Vierter Donnerstag im August 1896. 230

„Woran die Welt sehen soll, wie man an Mich glauben soll, auf Mich hoffen, Mich lieben und Mir dienen soll.“ 230

109 Vierter Freitag im August 1896. 232

„Daß die meisten Menschen Mein Leiden als ein Märchen betrachten. 232

110 Erster Donnerstag im September 1896. 233

„Denn Sie war die Morgenröte der nahenden Erlösung, Sie war die Mittlerin, die Miterlöserin aller Menschen.“ 233

111 Erster Freitag im September 1896. 235

„Denn Ich habe den Menschen nur ein klein wenig unter die Engel gestellt.“ 235

112 Vigil Mariä Geburt 1896. 236

„Und doch tut man, als ob es eine Schande wäre, ein Glied dieser Kirche zu sein.“ 236

113 Vigil Kreuzerhöhung 1896. 238

„Sühne, Sühne, Sühne verlangt Mein Herz!“ 238

114 Fest der Sieben Schmerzen Mariä 1896. 242

„Verwirrt sind die Geister, verwirrt sind die Menschen, und es heißt festzustehen, fest sich anklammern, um nicht mit fortgerissen zu werden.“ 242

115 Vigil St. Michael 1896. 244

„Je reiner das Wesen ist, je näher es seinem Schöpfer zugesellt und beigesellt ist, desto heißer der Kampf, den es gegen Satan führt.“ 244

116 Erster Abend im Oktober 1896. 247

117 Herz-Jesu-Freitag im Oktober 1896. 249

„Wo sie Rechenschaft ablegen müssen, nicht nur über jedes unnütze Wort, sondern auch über jeden unnützen und vergeudeten Augenblick!“ 249

118 Fest des heiligen Franziskus 1896. 252

„Aber die allweise Güte Gottes muß sich den Menschen anpassen, wenn die Menschen es nicht mehr tun, sich ihrem Schöpfer anzupassen und zu fügen.“ 252

119 Zweiter Freitag im Oktober 1896. 254

„Wenn ihr diesen Logenmännern auch noch soviel nachschleicht, wird es euch doch nicht gelingen, sie für euch zu gewinnen.“ 254

120 Dritter Freitag im Oktober 1896. 256

„O weh, ihr Priester, wäret ihr doch einig. O weh, daß ihr euch selbst zerfleischt.“ 256

121 Dritter Samstag im Oktober 1896. 258

„Was jenen freilich verborgen ist, welche die Weisheit der Kleinen nicht kennen.“ 258

122 Vierter Freitag im Oktober 1896. 261

„Wie muß Ich es beklagen, daß Meine Diener so feige sind.“ 261

123 Fünfter Freitag im Oktober 1896. 264

„Diese Freude ist ungetrübt, sie hat keine Bitterkeit und währet ewiglich.“ 264

124 Vigil vor Allerheiligen 1896. 265

„Meine Kinder, wüßtet ihr doch, wie unendlich gut Ich bin, wenn ihr das doch nur begreifen wolltet!“ 265

125 Zweite Woche im November 1896. 269

„Sonst müßte Ich ja das ganze Menschengeschlecht vertilgen, wenn Ich nicht noch Seelen fände, an denen Ich Meine Freude habe.“ 269

126 Mariä Opferung im November 1896. 270

„Werden die Geheimnisse einer frommen Seele so hingestellt, als wäre alles nur Fanatismus und Hysterie.“ 270

127 Tag der Reichstagswahl am 14. November 1896. 272

128 Erster Donnerstag im Advent 1896. 273

„O würdet ihr anstatt dessen reden von der Schönheit des Christentums.“ 273

129 Samstag am 5. Dezember 1896. 275

130 Herz-Jesu-Freitag im Dezember 1896. 276

„Wenn auch die Erde getränkt werden wird mit dem Blute der Christen.“ 276

131 Vigil Unbefleckte Empfängnis Mariens 1896. 279

„Siehe, wie die Schneeflocken, so erntet die Hölle ein in der Welt, der ungläubigen Welt.“ 279

132 Zweiter Donnerstag im Advent 1896. 282

„Ich bin nur und werde nur verdienstlich für euch Menschen vom hochheiligsten Altarsakrament aus, wenn ihr euch mit Mir vereinigt.“ 282

133 Samstag am 12. Dezember 1896. 283

„Weil wir Menschen nicht die Gnade begreifen, die mit Kirchengebeten verbunden sind.“ 283

134 Zweiter Freitag im Advent 1896. 284

„O vereinigt euch mit der triumphierenden Kirche, die ja so bereit ist, euch zu helfen!“ 284

135 Dritter Donnerstag im Advent 1896. 287

„Damit niemand sagen könne, es hätte ihm an Gnaden gefehlt.“ 287

136 Dritter Freitag im Dezember 1896. 289

„Aber seht, Meine Kinder, der Erlöser ist unter euch, Er ist dort im Tabernakel, aber Er ist verdeckt, verstaubt, zugedeckt, und doch ist Er da.“ 289

137 Dritter Sonntag im Advent 1896. 292

„Die Seele dann eine solche Verklärung ausstrahlt, daß der Körper eingeht in die Seele, er wird vergeistigt, er wird himmlisch.“ 292

138 Vigil vom Fest der Beschneidung 1896. 297

„Demut und Gehorsam soll es sein, was Meine heilige Kirche durch alle Jahrhunderte hindurch bis zum Ende der Tage am meisten üben soll.“ 297

139 Fünfter Januar 1897. 299

140 Fest der Heiligen Drei Könige 1897. 299

„Weil so viele sich nicht selbst vergessen können.“ 299

141 Dreikönigsfest 1897. 300

„Mit diesem Licht werden alle diejenigen, die sich vereinigen in diesem Bund, eine hohe Stufe der Vollkommenheit erreichen.“ 300

142 Zweiter Sonntag im Januar 1897. 304

„Weil ja der Mensch, je mehr er der Sünde frönt, um so mehr die Neigung hat, die Religion ins Lächerliche zu ziehen.“ 304

143 Zweiter Freitag im Januar 1897. 308

„Ich bin ein Gott der Wahrheit, und Wahrheit und Lüge können nicht zusammen in einem Herzen wohnen.“ 308

144 Dritter Mittwoch im Januar 1897. 311

„Daß die Sünder, die Mich gleichsam von sich gestoßen, Mich und Meine Gerechtigkeit auch furchtbar herausfordern.“ 311

145 Dritter Freitag im Januar 1897. 311

„Denn nur gerechte Seelen sind es, die noch die Welt erhalten können, die noch verlängern werden den Bestand der Welt.“ 311

146 Bekehrung des Heiligen Apostels Paulus 1897. 314

„Wer in den Bund eintreten will, der soll sich auf Leiden und Kämpfe gefaßt machen.“ 314

147 Letzter Samstag im Januar 1897. 316

„Aber noch viel trauriger ist der Augenblick, wo Ich jetzt unter dem Kreuze Meines Sohnes stehe, unter dem eucharistischen Kreuze.“ 316

148 Erster Donnerstag im Februar 1897. 318

„Niemals kann eine Seele den steilen Weg zum Himmel auf eigene Rechnung machen.“ 318

149 Herz-Jesu-Freitag im Februar 1897. 322

„Unter der Zuchtrute erst werdet ihr bekennen: Ja Vater, ich will Dir folgen, wie Du willst.“ 322

150 Zweiter Freitag im Februar 1897. 324

„Nicht die gelehrte Welt ist es, die Ich noch retten will.“ 324

151 Dritter Freitag im Februar 1897. 328

„Dies ist ein verborgenes Gift, das da hineingeträufelt wird in die Herzen Meiner Kinder.. 328

152 Vierter Freitag im Februar 1897. 331

„Und alle, die sich an den Liebesbund anschließen wollen, die sich eng mit Mir verbinden wollen, muß Ich in die Kreuzesschule schicken.“ 331

Nachwort 334

 

Begleitwort des Weihbischofs

Einen bemerkenswerten großen Umfang hat die Ausgabe der „Schippacher Schriften“ angenommen. Was die einfache Frau Barbara Weigand in ihren Privatoffenbarungen erfahren und niedergeschrieben hat, ist erstaunlich. Ihre Niederschriften zeigen, wie hörbereit sie war und wie wach sie die Vorgänge in Kirche und Gesellschaft verfolgt hat. Ihre Aussagen haben zuweilen eine ungemein prophetische Kraft und zeugen davon, daß sie mit den Augen des Glaubens die geistigen Verwerfungen ihrer Zeit erkannte. Sie beließ es aber nicht bloß bei den scharfsichtigen Beobachtungen des Zeitgeschehens und des Zeitgeistes. Sie eröffnete durch ihre Liebe zum lebendigen Christus in der Eucharistie auch den Zugang zu den heilenden und rettenden Kräften ihrer und unserer Zeit. Ihre liebende Verehrung des Herrn im Altarsakrament kann auch uns zeigen, wo wir mit unseren Sorgen um den Glauben und um die Neuevangelisierung Europas uns hinwenden müssen: „Herr, du hast Worte ewigen Lebens!“

Manches in den Schriften wie auch im Leben von Barbara Weigand ist nur aus dem Kontext der Zeit zu verstehen. Daran sollen wir nicht Anstoß nehmen. Man muß dieser Frau bestätigen, daß sie leidenschaftlich für die Sache Gottes eintrat und in Christus ihren Orientierungspunkt hatte.

Solchen Menschen im Gedächtnis der Kirche einen würdigen Platz zu geben, ist Auftrag auch für unser Bistum. Daher danken wir den Herausgebern für die große Mühe, mit der sie die „Schippacher Schriften“ herausgegeben haben. Mögen viele mit dieser Veröffentlichung Zugang zu dieser außergewöhnlichen Frau bekommen! Mögen viele durch ihre Liebe zum heiligen Meßopfer auch selber zu dieser einzigartigen Quelle des christlichen Lebens geführt werden.

Im September 2001

Helmut Bauer

Weihbischof

Einführung

In seinem Abschlußdokument zum Heiligen Jahr 2000 „Novo Millennio ineunte“ in Nr. 32 ff. hat der Heilige Vater Papst Johannes Paul II. dem Bedürfnis nach Gebet und Spiritualität sein besonderes Augenmerk gewidmet. „Ist es nicht vielleicht ein ‚Zeichen der Zeit’, daß man heute in der Welt trotz der weitreichenden Säkularisierungsprozesse ein verbreitetes Bedürfnis nach Spiritualität verzeichnet, das größtenteils eben in einem erneuten Gebetsbedürfnis zum Ausdruck kommt? Da uns die Gnade gegeben ist, an Christus zu glauben, den Offenbarer des Vaters und Retter der Welt, haben wir die Pflicht zu zeigen, in welche Tiefe die Beziehung zu ihm zu führen vermag, zu unsagbarer Freude, die von Mystikern als ‚bräutliche Vereinigung’ erlebt wurde und als Leidenschaft der Gefühle, bis hin zu einer richtigen ‚Liebschaft des Herzens’.“

Das Leben und Wirken der Barbara Weigand von Schippach, das von tiefen mystischen Erfahrungen erfüllt war, gibt Zeugnis von einer schlichten Gottsucherin. Ihr schriftlicher Nachlaß, der in interessierten Kreisen unter dem Titel „Schippacher Schriften“ schon früher einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte, ist eine Fundgrube für jeden, der nach spirituellen Werten tief christlicher Prägung sucht. Das hohe geistliche Niveau dieser Schriften läßt sich nicht auf eine „rein natürliche Begabung“ der „Seherin von Schippach“, wie sie einmal in einem Buchtitel bezeichnet wurde, zurückführen. Schließlich war sie nur ein einfaches Landmädchen aus dem armen Spessartdorf Schippach.

Das Geheimnis ihres Lebens ist in ihrem brennenden Verlangen nach dem häufigeren Empfang des Leibes Christi in der heiligen Messe begründet. Ihr halbes Leben lang rang sie um dieses Gnadenprivileg, bis es endlich im Jahr 1905 durch die Kommuniondekrete vom heiligen Papst Pius X. allen Gläubigen gewährt wurde. Geheimnisvoll zog Jesus Barbara Weigand in seine vertrauensvolle und zugleich unbegreifliche Nähe, als Er beim Beten des Kreuzweges in der Mainzer Kapuzinerkirche, wie sie selbst berichtet, plötzlich vor sie hintrat und sie nach ihrer Leidensbereitschaft fragte: „Meine Tochter, bist du bereit, mit mir zu leiden?“ Erst nach einem dreitägigen Ringen mit sich selbst, gab sie, nicht leichten Herzens, ihr Jawort zu einem Leben, das von vielen meist leidgeprägten, mystischen Erlebnissen bestimmt war.

Ihre vielen visionären Begegnungen mit ihrem Herrn und Heiland Jesus Christus, ihrem „Seelenbräutigam“, seiner Mutter Maria und vielen Heiligen, vollzogen sich meist in Form von sogenannten „Laut-Ekstasen“, die für die Umstehenden hörbar wurden und mitgeschrieben werden konnten. In Mainz, wo sie in den Jahren von 1885–1915 lebte und in der Gastwirtschaft ihres Bruders als Küchengehilfin diente, ereigneten sich die meisten ihrer mystischen Eingebungen, die heute auf Grund ihrer besonderen Aktualität mehr und mehr den Stempel des Übernatürlichen und Glaubwürdigen erkennen lassen. Hier wird man an das augustinische Wort „Ereignis und Prophetie zugleich“ erinnert. Da ihre mystischen Erlebnisse meist mit inneren und äußerlich sichtbaren „Leidensstürmen“ verbunden waren, kann die Weigandsche Mystik sicherlich als „Leidensmystik“ bezeichnet werden.

Die Mystik, die „Krone aller theologischen Disziplinen“, erfordert Einfühlungsvermögen. Dies gilt auch für die hier vorliegenden Aussagen, zumal sich manche Textpassagen der Weigandschen Mystik nicht leicht und gänzlich erschließen lassen. Das Entstehen und Niederschreiben der „Schippacher Schriften“ zog sich über mehrere Jahrzehnte hin und war manchen Eingriffen und Einschränkungen durch die Mainzer Bischöfe Haffner (†1899), Brück (†1903) und Kirstein (†1921) unterworfen. Eine gewisse Erschwernis beim Lesen dieser Schriften ergibt sich aus einem Verbot durch Bischof Haffner, der das Mitschreiben von Namen solcher Personen untersagte, die sich rat- und hilfesuchend an Barbara Weigand wandten, eine Schutzmaßnahme, die mittlerweile gegenstandslos geworden ist. Anstelle der einzelnen Namen, die heute nur noch teilweise zu identifizieren sind, wurde jeweils ein „N.“ gesetzt. Personen, die im ständigen Kontakt mit Barbara Weigand standen, werden meist unter ihrem eigenen Namen aufgeführt. Einen breiten Raum in ihren Aufzeichnungen nehmen ihre zahlreichen Begegnungen mit Verstorbenen ein, die teils der triumphierenden Kirche des Himmels, teils der leidenden Kirche, dem „Fegefeuer“, angehörten.

Die beiden Jungfrauen Lieschen Feile und Luise Hannappel waren mit Barbara Weigand eng befreundet. Sie wurden mit ihrem Vornamen genannt. Luise Hannappel hat den Großteil der sog. „Laut-Ekstasen“ mitstenografiert. Die Beichtväter Pater Alfons OFM Cap. und Pater Bonifaz OFMCap. sowie die Seelenführer Pater Ludwig Hannappel OFMCap. und Pater Felix Lieber OFM., denen sich Barbara Weigand während ihres Mainzer Aufenthaltes anvertraute, wurden hingegen überwiegend – wie alle andere Personen – mit N. aufgeführt, manchmal aber auch namentlich genannt. Auch andere Beteiligte wurden gelegentlich mit ihrem vollen Namen angegeben. Orte wurden mit ihrem Anfangsbuchstaben abgekürzt.

Von 1894 bis 1903 geschahen 297 Visionen, die sich in „Laut- Ekstasen“ vollzogen. In der späteren Zeit (bis weit in die zwanziger Jahre) waren ihre Eingebungen oft ohne innere Schauungen. Die Mystikerin selbst sagt von ihrem Zustand, daß „alles jetzt wie geistig ist und das Gefühl ganz zurücktritt“; sie kann es aber nicht näher beschreiben. Diese späteren Eingebungen, die am ehesten als „Auditionen“ zu bezeichnen sind, wurden ebenfalls, oft aus ihrem Gedächtnis heraus, mit einer eigenen Numerierung (Audition 1–346) niedergeschrieben. Es ist auffällig, daß nicht wenig unvollendete Sätze (sog. Anakoluthe) vorkommen, wie sie auch für die biblischen „Gelegenheitsschriften“ charakteristisch sind. Da innerhalb der beiden Zählreihen Mehrfachzählungen unter einer Hauptnummer vorkommen, wurden die Offenbarungen in der vorliegenden Gesamtausgabe vom ersten bis zum siebten Band aufsteigend neu durchnumeriert. Wer zu kirchlichen oder wissenschaftlichen Zwecken auf die Urschriften zurückgreifen möchte, findet durch die Tagesangabe der Vision oder Audition eine stets eindeutige Identifizierung der einzelnen Offenbarung.

Einmal hörte die schon hochbetagte Barbara Weigand den Herrn sagen: „Die Schriften sind nicht für deine Zeit bestimmt, sondern für eine spätere.“ Diese Aussage macht manches heute verständlicher, was damals noch rätselhaft und dunkel erscheinen mußte. Sollten die „Schippacher Schriften“, die nun erstmals komplett und unverändert im Druck in sieben Bänden vorgelegt werden, tatsächlich für unsere Zeit bestimmt sein, worauf manches hinweist, verdienen sie große Beachtung. Dann wird sich auch ein Wort des Herrn aus dem Munde Barbaras, die er öfter als „Mein Sprachrohr“ bezeichnete, bewahrheiten: „Die Anziehungskraft meiner Worte und die darin liegende göttliche Kraft erweicht die Herzen“, und zu den Schriften selbst sagt er: „Der Geist ist von Mir, die Form von dir!“

Nachdem ihre Sendung als Mahnerin und Wegbereiterin für die Rückkehr zur urchristlichen Praxis des regelmäßigen, öfteren Kommunionempfangs erfüllt war, wurde sie vom Herrn mit dem Bau einer Sakramentskirche in ihrer Heimatgemeinde Schippach als Denkmal des Dankes für die Gewährung der sogenannten „Oftkommuniondekrete“ vom heiligen Papst Pius X. und mit der Gründung des „Eucharistischen Liebesbunds des göttlichen Herzens Jesu“ beauftragt. Dieser verbreitete sich rasch und erhielt in acht Diözesen das kirchliche Imprimatur.

Die „Barbara-Weigand-Gesellschaft e.V.“ hat in ihrem Archiv eine Fülle von Briefen, Zeitungsartikeln und andere schriftliche Unterlagen aus dem langen Leben der „Seherin von Schippach“ zusammengetragen und nach zeitgeschichtlichen wie auch besonderen Dokumentationskriterien archiviert. Das Hauptverdienst für die Aufbewahrung und den Erhalt der „Schippacher Schriften“ gebührt dem ehemaligen Heimatseelsorger von Barbara Weigand, DDr. Wilhelm Büttner, der das Leben und Wirken seines Pfarrkindes Barbara Weigand in Büchern und Broschüren gewürdigt und verteidigt hat. Er selbst hat seine ganze priesterliche Autorität in den Dienst der im Ruf großer Frömmigkeit stehenden Barbara Weigand gestellt und dafür viele persönliche Opfer gebracht und die „Schippacher Sache“ ganz zu seiner eigenen gemacht. Von ihm stammt auch ihre von der Barbara-Weigand-Gesellschaft e.V. veröffentlichte Lebensbeschreibung „Im Dienste des Eucharistischen Königs“.

Papst Johannes Paul II. schreibt in seinem Grußwort zur ‚Salzburger Hochschulwoche’ 1993: „...es ist notwendig, im kirchlichen und religiösen Leben ein neues Verständnis im Sinne der klassischen Mystik zu entdecken.“ Später beklagte er einmal, daß es „heute einen echten Mangel an Mystik in der Kirche gibt“. Im eingangs erwähnten päpstlichen Lehrschreiben „Novo Millennio ineunte“ (Nr. 33) spricht er voll Hochachtung vom gnadenhaften Weg der Mystiker, die in unsagbarer Freude zur „bräutlichen Vereinigung“ zugelassen wurden.

Von daher bieten sich uns die „Schippacher Schriften“ als ein echtes Geschenk an für die Erneuerung der eucharistischen Frömmigkeit in der Kirche. Lesen wir darin nach der Weisung des heiligen Apostels Paulus: „Prüfet alles, was gut ist behaltet!“ (1 Thess 5, 21). Eine letzte Beurteilung über die Echtheit der mystischen Aussagen ist freilich dem kirchlichen Lehramt vorbehalten. Nicht zu übersehen ist auch der prophetische Charakter dieser Aussagen, welche die Übel und Mißstände, auch in der Kirche, anprangern und beim Namen nennen. Daß Gott durch Visionen und Privatoffenbarungen so vertraut zu seinen treuesten Freunden spricht und ihnen seine Geheimnisse offenbart, ist weder neu noch ungewöhnlich. Ja, beinahe alle Heiligen, insbesondere die Ordensgründer, sind mit göttlichen Visionen und Offenbarungen ausgezeichnet gewesen, wie wir z. B. in den Lebensbeschreibungen eines heiligen Benedikt, eines heiligen Bernhard, eines heiligen Dominikus, eines heiligen Franziskus und anderer lesen; in diversen Büchern werden unzählige Visionen, Offenbarungen und andere göttliche Gunstbezeigungen berichtet, welche der Herr entweder den Stiftern selbst oder einigen ihrer Schüler erwiesen hat. Es ist darum nicht zu bezweifeln, daß Gott vertraulich mit seinen Freunden spricht und besonders jene mit Gnaden beschenkt, die Er zu großen Werken auserwählt hat. Ja, wunderbar ist Gott in seinen Heiligen.

Barbara hört den Heiland am Vigiltag von Christi Himmelfahrt 1898 sagen:

„Siehe, alles, was Ich in dir wirke, hat nur einen Zweck, und der ist, daß Ich das Leben Meiner Kirche wieder erneuern will. Da so viele abgewichen sind und Mich hinausgeworfen haben aus ihrem Herzen, tut es sehr not, einen lebendigen Glauben zu haben, und diesen Glauben durch gute Werke zu betätigen. Wie geht dies aber anders als nur dann, wenn der Christ sich wieder eng anschließt an das Leben Meiner Kirche, d. h. an Mich selbst, der Ich unter euch wohne im Allerheiligsten Sakrament.“

Ebenso am Feste Pauli Bekehrung 1900: „Es gibt doch noch viele gute Christen, die sich zur Aufgabe gesetzt haben, das Reich Jesu Christi wieder herzustellen, all ihr Sein und Leben einzusetzen, um die Christen wieder zurückzuführen zum guten alten Glauben, indem sie überall das eucharistische Leben anfachen. Durch den öfteren Empfang der heiligen Kommunion wird neues Leben in die Christenheit eingegossen werden. Ein neues Leben wird wieder beginnen. Die ganze Welt muß erneuert werden dadurch, daß zuerst die Kirche erneuert wird, aber das kann nur geschehen auf dem Wege, den Ich, Jesus, selbst gegangen bin.“

Am Gründonnerstag 1898 mahnt der Heiland: „Schließt euch an die Kirche an, und nicht um ein Haarbreit weichet von ihr ab.“

Ebenso am Fronleichnamsfeste 1897: „Niemals kann eine Seele, die sich lostrennt von der Kirche, die nicht unter der Leitung des Priesters wandelt, den rechten Weg wandeln. Sie wandelt den Weg der Eigenliebe und des Hochmutes.“

Oder die Mutter Gottes am 2. Freitag im Oktober 1897: „Der Gehorsam geht über alles bei einer Seele, die mit meinem Sohn verbunden ist. Diese ist dem Gehorsam unterworfen und soll nur gehorsam sein ihren sichtbaren Vorgesetzten. Dies ist das sicherste Zeichen, daß sie nicht irregeht.“

Das ganze Schrifttum der Barbara Weigand hat zum Ziel: Die Verehrung und Verherrlichung des Herrn in der heiligen Eucharistie und die Annahme seines Kreuzes, wozu er uns immer wieder einlädt. Gewiß hat das Gebet und das Leiden der Barbara Weigand viel dazu beigetragen, daß Papst Pius X. das berühmte Kommuniondekret erließ, das die Frühkommunion empfiehlt und den häufigen Kommunionempfang, zum größten Erstaunen vieler damaliger kirchlicher Behörden. Als Zeichen der Dankbarkeit für dieses große kirchengeschichtliche Ereignis soll nach dem Willen Gottes eine vom Herrn selbst gewünschte Eucharistische Kirche in Schippach gebaut werden: Es zeichnet sich ab, daß das kommende Zeitalter ein eucharistisches sein wird, das mit dem Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens beginnen wird. Der Eucharistische Liebesbund soll einen Damm bilden gegen die anschwellende Verunehrung des Allerheiligsten Altarsakramentes.

So sagte der Herr zu Barbara Weigand: „Einen Damm will ich bilden. Dieser Damm soll entstehen aus allen Klassen von Menschen, vom Papst angefangen bis herunter zum Hausknecht, bis zur letzten Dienstmagd, von der Ordensfrau bis zur armen Ehefrau im ärmsten Dachstübchen. Diese sollen vereint beten, den Himmel bestürmen um das Wohl der Völker, damit meine Kirche wieder aufblühe, wieder auf den Leuchter gestellt werde, von wo aus alle Völker der Erde sie sehen können.“

Um diesen Liebesbund ins Leben zu rufen, wurden Statuten erstellt, die im Jahr 1914 die kirchliche Anerkennung erhielten. Es sollen daraufhin bis zu 60.000 Mitglieder beigetreten sein.

Die Aufnahme geschieht durch die einmalige und innige Bitte nach der heiligen Kommunion an Jesus, er möge sich würdigen, daß man in diesen Liebesbund aufgenommen werde. Dabei kann man sich eines in den Statuten aufgezeichneten Weihegebetes bedienen. Das Aufopferungsgebet am Morgen richtet sich an Jesus, als den Bräutigam der Seele, mit der Bereitschaft, alle Leiden und Widerwärtigkeiten anzunehmen, auf daß bald eine Herde und ein Hirte werde. Das Aufopferungsgebet am Abend richtet sich zunächst an den heiligen Schutzengel und dann an die Mutter Gottes, daß sie alles, was mangelt, ersetzen und es in dem Kostbaren Blut Jesu reinigen und vervollkommnen möge, mit einem besonderen Gedenken an den Heiligen Vater, und um die Bekehrung der Sünder zu erlangen.

Die „Barbara-Weigand-Gesellschaft e.V.“, Elsenfeld-Schippach, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Andenken an diese Frau zu bewahren und die „Schippacher Schriften“ der Barbara Weigand zu erhalten und bekannt zu machen. Ermutigt durch die Weisung von Papst Paul VI., der während des II. Vatikanischen Konzils das Recht der Gläubigen, ihre geistlichen Erfahrungen und Erkenntnisse zu veröffentlichen, bestätigt hat, soll nun allen Interessierten dieser „geistliche Schatz“, der lange unbeachtet blieb, geringgeschätzt wurde und fast vergessen war, zugänglich gemacht werden.

In seinem Vortrag anläßlich der Feierstunde des Theresienwerkes in Luzern am 24. September 1983 kommt der Bamberger Erzbischof Dr. Karl Braun zu einer für die Wege der Mystik keineswegs überraschenden Schlußfolgerung, nämlich, – daß „der Weg der Liebe, den uns Christus zutraut, kein bequemer Spaziergang ist. Nicht immer gelingt uns auf Erden dieses Lieben, da die Schwierigkeiten uns oft den Mut nehmen. Im Himmel jedoch, wo wir das ganze Leben überschauen, werden wir entdecken, daß wir manchem schwierigen Menschen dafür zu danken haben, daß er uns ,Schleifstein zur Vollendung’ war“ (aus „Ich habe meinen Platz in der Kirche gefunden“ – Begegnung mit Therese von Lisieux – Johannes-Verlag, Leutesdorf 2. Auflage 1987). Für die Schippacher Mystikerin Barbara Weigand war ihr Lebensweg keineswegs ein leichter Weg, aber erfüllt von der Liebe zu ihrem Herrn und Meister.

Beten wir nun voller Hoffnung, daß die Schriften der Barbara Weigand zur Vertiefung und weiteren Verbreitung des göttlichen Willens beitragen und die Verehrung der heiligen Eucharistie und eucharistischen Anbetung in allen katholischen Kirchen, insbesondere in der Friedens- und Wallfahrtskirche in ihrem Heimatort Schippach, gepflegt werde.

Barbara-Weigand-Gesellschaft e.V. Elsenfeld-Schippach

Der Vorstand

Entstehungsgeschichte der Aufzeichnungen

Von Msgr. DDr. Wilhelm Büttner wissen wir erfreulicherweise recht genau, welchen Schicksalsweg die „Schippacher Schriften“ genommen haben. Zum besseren Verständnis derselben soll er hier nachgezeichnet werden.

Mit den folgenden Worten beginnt Barbara Weigand im Jahre 1894 ihre inneren Erlebnisse aufzuzeichnen: „Nachdem ich arme und unwürdige Magd des Herrn vom Jahre 1886 bis 1894 in der Stadt Mainz unaussprechlich viele Gnaden vom Herrn empfangen habe, will ich aus Dankbarkeit gegen Ihn wenigstens dieses Jahr 1894 anfangen, einiges aufzuschreiben, daß ich die Danksagung nicht vergesse“. Von da an schrieb sie bis herauf in ihr Greisenalter Notizen über ihr Leben und ihre seelischen Zustände. Im Jahre 1895 hatte sich der Schippacher Jungfrau eine sehr gebildete Mainzer Dame angeschlossen, Fräulein Luise Hannappel, welche nun ihrerseits den Hauptteil der Aufzeichnungen machte, die unter dem Namen „Schippacher Schriften“ bekannt geworden sind.

Urschriften und Abschriften

Leider stehen die meisten ihrer handgeschriebenen Zettel nur in Abschriften zur Verfügung, da die Urschriften anläßlich der behördlichen Untersuchungen an die kirchlichen Vorgesetzten eingeschickt oder von diesen eingefordert wurden und sich daher unter den Ordinariatsakten von Mainz und Köln und beim Heiligen Offizium in Rom befinden. Die Akten des Ordinariats Würzburg wurden am 16. März 1945 ein Raub der Flammen.

Die Abschriften fertigten zumeist Luise Hannappel, also eine Augen- und Ohrenzeugin, Frau Zulauf, Frl. Stahl und ein Herr Schweratt an; sie tragen die eigenhändige Unterschrift von Barbara Weigand und sind damit den Urschriften gleichzustellen.

Einen guten Überblick über ihre Erlebnisse bis zum Jahr 1896 gibt das Heftchen „Leben“ (84 Seiten), das sie im Jahre 1896 auf Veranlassung ihres damaligen Seelenführers Pater Ludwig O.Cap. anfertigte. Diese hier auf S. 38-76 übernommenen Aufzeichnungen sind in schlichter Form verfaßt, ohne streng eingehaltene zeitliche Aufeinanderfolge. Inhaltlich bringen sie offen und aufrichtig Gutes und weniger Gutes über die Schreiberin zum Ausdruck und sind damit ein ehrliches Selbstzeugnis. Die Schreiberin schließt mit dem Bekenntnis: „Dieses ist mein Leben und einige der Gnaden, die ich glaube, daß der liebe Gott sie in mir gewirkt hat.“

Die Gnadenerweise seit dem Jahre 1887 schrieb sie auf Befehl ihres Beichtvaters Pater Alphons O.Cap. nieder, dem sie diese Aufzeichnungen regelmäßig zu überbringen hatte. Darin erwähnt sie: „Als ich diesem von meinen übernatürlichen Dingen gesagt hatte, wies er mich anfangs barsch ab. Später aber befahl er mir, alles aufzuschreiben, und ihm zu bringen. Dies tat ich auch mehrere Jahre hindurch, bis kurz vor dem Tode meines Bruders“ († 5. April 1892). An anderer Stelle bemerkt sie, daß sie drei Jahre lang dem Pater ihre Aufzeichnungen gebracht habe.

Wiederum schreibt sie im Jahr 1893: „Sechs Jahre vorher hatte mir derselbe Beichtvater befohlen unter Gehorsam, nichts zu verschweigen von meinen übernatürlichen Gnaden, ihm stets alles aufrichtig zu sagen, und weil ich im Beichtstuhle nicht alles sagen konnte, befahl er mir, es aufzuschreiben und ihm zu bringen, und wenn es noch so schlecht geschrieben war, weil ich meistens bei der Nacht und im kalten Zimmer schreiben mußte und mich deswegen entschuldigte, sagte er jedesmal beruhigend: ,Kümmere dich nicht, ich kann es lesen.’“ Diese Aufzeichnungen sind im Kapuzinerkloster zu Mainz nicht mehr vorhanden.

Auch später, als die Aufzeichnungen während der Ekstasen bereits von anderen Personen vorgenommen wurden, kam es öfters vor, daß Barbara Weigand nach Rückkehr in den natürlichen Zustand noch eigenhändig ihre Erinnerungen niederschrieb. Ferner stammen von Barbara Weigand die meisten Aufzeichnungen nach 1900 und aus jenen Zeiten, in denen der Freundin das Aufschreiben von der geistlichen Behörde untersagt worden war. Nach 1910 finden sich nur noch gelegentlich Einträge von ihr, ebenfalls aus dem Gedächtnis wiedergegeben. Über die Zeit von 1907 bis 1909 gibt es eine aufschlußreiche Bemerkung in einem Brief Barbara Weigands an den Generalvikar von Mainz vom 5. März 1909, worin sie schreibt:

„Nach dem Tode des P. Ludwig († 12. Juni 1907) richtete ich mich nach dem Willen meines Beichtvaters, den ich aus wichtigen Gründen nicht angebe, so daß ich lange Zeit nicht einmal Briefe beantwortete, bis er mir sagte: ,Ich erlaube Ihnen, nun einen anderen Seelenführer zu wählen; denn die Freiheit des Geistes ist jedem Christen gestattet.’ Darauf sah ich mich um nach jemand und erhielt die Erlaubnis, die Gnaden aufzuschreiben; aber nur einmal dürften sie aufgeschrieben und ihm zugeschickt werden. So wird es auch gehalten in letzter Zeit.“

Noch in ihrem höchsten Greisenalter schrieb sie innere Erleuchtungen auf und brachte sie ihrem Beichtvater. Dazu glaubte sie sich durch die innere Stimme gedrängt, wie sie z. B. im Jahr 1904 ihrem Beichtvater berichtet: „Am Anfang der Woche sagte der Herr: ,Diese Woche schreibe auf, was Ich dir sage, und richte dich, es bis Samstag deinem Beichtvater einzuhändigen.’“

Begonnen hatte alles am Dreifaltigkeitssonntag 1880. Da hörte sie die Worte: „Siehe, alle Fehler, die du begangen und beweinst, will Ich dir verzeihen, wenn du oft kommunizierst!“

1901 versichert sie in einem Brief an das Ordinariat Mainz: „Alles, was ich schreibe, tue ich, weil ich innerlich dazu aufgefordert werde.“

Aufzeichnungen der Luise Hannappel

Der weitaus größte Teil der Aufzeichnungen stammt jedoch von Luise Hannappel, die bis zu ihrem Tode am 15. Dezember 1923 in unverbrüchlicher Freundschaft zu Barbara Weigand stand und Freud und Leid mit ihr teilte. Wie sie mit ihr bekannt wurde, mag uns Luise Hannappel mit ihren eigenen Worten erzählen, wie sie in ihrem Bericht an den Bischof von Würzburg niedergelegt sind:

„Da noch nicht lange meine Mutter gestorben war, ließ ich nicht nur viele heilige Messen lesen, sondern bat auch meine Haushälterin, die mit vielen frommen Personen bekannt war, mir einige ihrer Bekannten zuzuführen, um ihnen ein Melcherskreuz zu geben mit der Bitte, für meine liebe Verstorbene einmal den Kreuzweg zu beten. Auf diese Weise lernte ich Barbara Weigand kennen. Denn eines Tages kam meine Haushälterin und sagte: ,Ich weiß aber noch eine gute Beterin, die ist die frömmste in der ganzen Stadt!’ Sie führte mir dann gleich darauf, meinem Wunsche entsprechend, Barbara zu. Doch blieb das bei einer kurzen Gebetsempfehlung, die aber dann so oft wiederholt wurde, als ich Barbara bei einem Kirchgang traf.

Da es nun vorkam, daß ich sie lange nicht mehr sah und ich, nach dem Grunde fragend, hörte, daß sie krank sei, erkundigte ich mich nach ihrer Adresse, ging hin und fand sie an einem Freitagmorgen acht Uhr zwischen vier Wänden in Ekstase mit himmlischen Wesen laut redend. Meine Seele war davon derart erschüttert, daß ich, noch ehe die Ekstatische zu sich kam, zu meinem und zugleich zu ihrem Beichtvater (P. Alphons O.Cap.) lief, ihm davon Kenntnis zu geben.

,Wenn so etwas sein kann’, sagte er, ,so kann das hier echt sein; denn ich beobachte die Person schon seit acht Jahren und ich habe noch niemals jemand so andächtig den Kreuzweg beten sehen wie diese.’“

Nachdem sie dann auf den Rat des Paters hin noch die Meinung ihres Bruders, Pater Ludwig O. Cap., eingeholt und über Barbara Weigand sorgfältige Erkundigungen eingezogen hatte, worüber abermals „einige Monate“ vergingen, nahm sie zu Barbara fortan eine positive Haltung ein. Auch glaubte sie sich schon damals von Jesus zum Aufschreiben seiner Offenbarungen ermuntert, als Er durch Barbara Weigand zu ihr sprach: „Meine Tochter! Willst du bei Tag und Nacht bereit sein, wann immer Ich dich rufen werde, Meine Stimme zu hören und sie der Menschheit zu übermitteln? Die Kraft dazu werde Ich dir geben.“ Das war im Frühjahr 1895, wie wir von Pater Alphons wissen, dessen Beichtkind Barbara Weigand seit 1887 war. Auch andere Zeugnisse bestätigen dieses Datum. So gibt es ein von Luise Hannappel im Jahr 1907 geschriebenes Blatt, in dem sie den Vorwurf abwehrt, sie „mache“ die Sache. Darin redet sie von einem „Bekanntwerden Barbaras mit mir 1895“, und wiederum: „Als Lieschen (gemeint ist die andere Freundin) 1894 vom Herrn herbeigeführt wurde, um Babett (Barbara Weigand) im Leiden beizustehen, da blieb sie von da an Zeuge, also ein Jahr vor mir.“

Luise Hannappel besaß nach ihrer eigenen Aussage eine besondere Gewandtheit im Schnellschreiben und versuchte, mit dem Redestrom der Ekstatischen gleichen Schritt zu halten, was ihr aber, wie sie später selbst gesteht, nicht immer gelang. So bemerkt sie im Anhang zum „Leben“, sie habe anfangs nicht alles zu Papier bringen können, sondern „fast die Hälfte ausgelassen“, bis sie sich nach und nach hineingeschult habe. Am Schluß der kleinen Selbstbiographie nennt sie „Ende 1895“ als Beginn des regelmäßigen Mitschreibens. Somit sind alle Aufzeichnungen der Jahre 1895–1897 auf diese noch unvollkommene Weise entstanden. Anfang 1897 erlernte sie die Stenographie, wozu ihr Bischof Haffner selbst ein Lehrbuch zur Verfügung stellte, so daß sie seit „Ende 1897 Wort für Wort, wie es aus dem Munde von Barbara fließt, aufzeichnen kann, ohne etwas zu verändern oder auszulassen, indem sie mit dem Diktat gleichen Schritt hält.“

Einige Einträge in den Schriften stammen von der Schwägerin Barbaras und ihren Dienstmädchen, wie eine Bemerkung vom 31. März 1897 besagt: „Das Leiden begann in der Nacht auf den Sonntag, Schlag Mitternacht. Es war niemand dabei wie ihre Schwägerin, die nur wenig aufschreiben konnte, weil sie dem schnellen Redefluß nicht folgen konnte, darum nur Bruchstücke“; ebenso vom 11. April 1897: „Diesmal machten sich Frau Weigand und die beiden Dienstmädchen daran und schrieben um die Wette auf, und dieses stellte dann die Schreiberin zusammen und Babett fügte dann noch, soviel sie behalten hatte, aus ihrem Gedächtnis dazu, doch ist es bei weitem nicht vollständig.“

Auch ist vermerkt, daß „die Schwägerin dem schnellen Redefluß nicht folgen und deshalb nur weniges aufschreiben kann.“ Von einem authentischen Text kann man deshalb hier nur sehr bedingt sprechen.

Kirchliche Hindernisse

Im Jahr 1896, „gleich nachdem einige Bücher der Mitteilungen voll waren“, brachte Luise Hannappel diese Schriften ihrem Beichtvater Pater Bonifaz O. Cap. mit der Bitte, sie dem Bischof vorzulegen, was der Pater jedoch ablehnte. Infolgedessen glaubte Hannappel, „wegen der freundschaftlichen Beziehungen“, diesen Schritt selber tun zu dürfen. Aber der Bischof untersagte ihr das weitere Aufschreiben. Als Luise Hannappel später den Bischof um Aufhebung des Verbots bat, sagte er nach ihrem Bericht: „Tun Sie von jetzt an, was Ihr Beichtvater sagt“, und sie fügt hinzu: „Dieser erlaubte mir, wieder aufzuschreiben.“

„Unterdessen teilte ich immer dem Bischof das Neueste mit und er empfing mich stets mit Wohlwollen. Wir hielten dann eine Novene zur Unbefleckten Empfängnis, damit die liebe Muttergottes bewirke, daß der Bischof sich klar ausspreche. Und siehe da, als ich in dieser Novene wieder zu ihm kam, sagte der Bischof in ganz feierlichem Ton: ,Von heute an erlaube ich Ihnen aufzuschreiben, und Frau Zulauf darf Ihnen helfen abzuschreiben. An P. Ludwig können Sie es senden, nur hier in der Stadt lassen Sie mir alles ruhig’.“

Das scheint Ende August gewesen zu sein, denn es heißt in einem Eintrag vom 3. September 1896: „Von hier an wurde wieder aufgeschrieben.“ Luise Hannappel ergänzt diese Bemerkung durch eine Notiz in ihrem „Lebenslauf“: „Seit der Zeit brachte ich dem Bischof bis zu seinem Tod alle acht bis vierzehn Tage das Neueste und nahm das Alte mit zurück, um es ihm dann später gebunden von neuem zu überreichen.“

Als Luise Hannappel am 27. Oktober 1899 wegen der Bußwallfahrten nach Gonsenheim (bei Mainz) vor eine bischöfliche Kommission gerufen wurde und sich auf die obige mündliche Erlaubnis des Bischofs berief, konnte sich der Bischof daran nicht mehr erinnern. Schon fünf Tage später starb er.

An der tatsächlich erteilten Genehmigung zweifelte aber auch der Kommissionsvorsitzende Domkapitular Dr. Brück nicht, wie seine Äußerung ersehen läßt: „Der Bischof will nichts mehr von der Erlaubnis wissen; es muß aber wohl so sein, sonst hätte er Ihnen die Bücher nicht abnehmen dürfen, die er mir zur Prüfung übergab.“ Dagegen wurde 1898 ein abermaliges Verbot von dem neuen Beichtvater ausgesprochen, das jedoch schon bald mit der Versetzung des Paters erlosch.

Das Schicksal der Hefte war ein sehr bewegtes. Im Jahr 1900 mußten alle erreichbaren Exemplare an Bischof Brück (Mainz) ausgeliefert werden. 1909 ging eine Ausgabe an das Ordinariat in Köln, im Dezember 1915 wurden die Heften vom Ordinariat Würzburg zur Berichterstattung an die Pästliche Nuntiatur eingefordert und am 5. Januar 1916 dem Ordinariat übergeben.

Schon damals scheinen so gut wie keine Hefte mehr im Umlauf gewesen zu sein; denn als der dem Kirchenbau sehr abgeneigte Vorstand des Bezirksamtes Obernburg durch die Polizei nach den Schriften fahnden ließ, konnte diese trotz eifriger Nachforschungen kein Exemplar mehr auftreiben. Nur Barbara blieb im Besitz einer Ausgabe. Die Schriften enthalten zugleich ihren Lebenslauf und den ihrer weitverzweigten Verwandtschaft. Sie haben damit auch familiengeschichtlichen Wert.

Authentizität der Schriften

Bilden die Schriften die zuverlässige Wiedergabe dessen, was Barbara Weigand in ihren Ekstasen tatsächlich gesprochen und in ihren Visionen geschaut hat? Oder haben sie daran Änderungen vorgenommen, vielleicht Teile des Gesprochenen unterschlagen oder Eigenes hinzugefügt?

Soweit die Aufzeichnungen von Barbara Weigand selbst stammen, wissen wir, daß sie erst nach den Ekstasen entstanden sind. Trotz ihres sehr guten Gedächtnisses kann man nicht davon ausgehen, daß sie alles wortwörtlich wiedergeben konnte, was sie vorher gesehen, gesprochen oder gehört hatte. Sicher aber wird die göttliche Gnade sie bei den Aufzeichnungen unterstützt haben.

Auch wenn während der Visionen noch regelmäßig andere Personen anwesend waren (Lieschen Feile, Maria Weigand, Dienstmädchen und andere), stammen doch die weitaus meisten Aufzeichnungen von Luise Hannappel. Sie war eine äußerst gewissenhafte und auch gebildete Frau, der diese Aufgabe von der göttlichen Vorsehung zugeteilt war. Wir können schwerlich unterstellen, daß sie das Gehörte absichtlich anders aufgeschrieben hat, als es an ihre Ohren drang, oder daß sie das ursprünglich Aufgeschriebene bei der Reinschrift entsprechend „zurechtfrisiert“ hätte.

Gegenüber der geistlichen Behörde in Mainz wie auch 1921 gegenüber dem Ordinariat Würzburg erklärte sich Luise Hannappel bereit, einen Eid abzulegen: „1. daß sie die schöne Form nicht hinzugetan, 2. überhaupt keine Form und nichts Wesentliches, sondern daß die formvollendeten Vorträge ganz das Werk der Barbara Weigand sind, 3. daß sie nichts nach eigenem Ermessen abgeändert, erweitert, verschärft habe, 4. daß sie mit größter Gewissenhaftigkeit alles so aufgeschrieben habe, wie das Diktat an ihr Ohr gedrungen sei.“

Wohl sei es möglich, daß bei dem schnellen Diktat und wegen oftmaligen Straßenlärms hie und da ein Wort, ja halbe und ganze Sätze ausblieben, was sonst jede Zweideutigkeit ausgeschaltet hätte. „Durch einen Tadel des Herrn veranlaßt, habe ich hie und da ein einziges Wort, das einen offenkundigen Fehler enthielt, oder ein Bindewort wie ,und’, wo es fehlte, beigefügt oder ein unrichtig placiertes Zeitwort an seine Stelle gesetzt.“ Wenn die Ekstase vorbei war, habe sie mit den Hausgenossen, mit Frau Weigand und den drei Mädchen, mit größter Ehrfurcht die Sache noch eimal durchgegangen, um zu prüfen, ob alles genau mit dem Gesprochenen übereinstimme und ein oder das andere Wort, das sie zusammen noch wußten, beigefügt. Seitdem sie geläufig habe stenographieren können (Ende 1897), habe sie ohnehin alles wörtlich aufnehmen können.

Die Gewissenhaftigkeit der Luise Hannappel beim Aufzeichnen des Gehörten wird „an Eidesstatt“ in einer feierlichen Erklärung auch von Maria Weigand bezeugt, die den Ekstasen ihrer Tante regelmäßig beiwohnte, und auch von Pater Felix Lieber O.F.M. bestätigt, der seit 1909 die Seelenleitung Barbara Weigands innehatte. Pater Felix schrieb wörtlich:

„Gleich zu Anfang, als meine Wenigkeit 1909 die Seelenleitung der Barbara Weigand übernahm, forderte ich von der Schreiberin, Fräulein Hannappel, Rechenschaft über die Art und Weise, wie sie niederschrieb. Ich muß hiermit offiziell bezeugen, daß sie das mit der größten Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit tat, ohne von dem ihrigen ein Wort beizufügen oder etwas eigenmächtig auszulegen oder zu erklären. In zweifelhaften Fällen fragte sie (selbst in meiner Gegenwart) die Barbara Weigand, wie sich der Herr oder die Mutter Gottes ausgedrückt hatte; und was nicht mehr zu ermitteln war bei späteren Mitteilungen, ließ sie es eben dabei, so daß ichsagen muß: Sie war beim Niederschreiben der Mitteilungen durchaus gewissenhaft, ich möchte fast sagen skrupulös, wie ich das bei verschiedenen Gelegenheiten in der Zeit meiner Seelenleitung feststellen konnte.“

Es liegt also kein Grund vor, die Ehrlichkeit der Schreiberin in Zweifel zu ziehen. Daß Luise Hannappel gewissenhaft handelte, mag man auch daraus ersehen, daß sie Aussprüche, die offenbar nicht übernatürlichen Ursprungs waren, nicht unterschlagen hat, was ihr doch ein Leichtes gewesen wäre. Wo Luise Hannappel stenographisch mitschrieb, dürfte somit der Text den Anspruch auf größtmögliche Authentizität besitzen.

Man darf allerdings nicht übersehen, daß sie bis Ende 1897 nicht stenographierte, sondern die Aufzeichnungen handschriftlich, teilweise auch nur bruchstückhaft vornahm, oder gar nicht schreiben konnte oder daß an ihrer Stelle nur die Schwägerin und die Dienstmädchen in ihrer unbeholfenen Art schrieben. In all diesen Fällen kann man nicht von einer wortgetreuen Wiedergabe ausgehen. Selbst Luise Hannappel gibt wiederholt ausdrücklich zu, wegen des starken Redestroms Barbara Weigands nicht mitgekommen zu sein: „Am Feste Christi Himmelfahrt war der Redefluß so gewaltig, daß nicht mitzukommen war und vieles verlorenging“ oder „Der Redefluß war heute so stark, daß die Schreiberin mehrmals einen Satz fahren lassen mußte, um gleichen Schritt halten zu können.“ Auch von Auslassungen redet sie ausdrücklich, daß sie „oft nicht zu schreiben imstande war“ ob der großen Zärtlichkeit des höchsten Herrn oder „heute hat Schreiberin sehr vieles ausgelassen, so daß sogar der Zusammenhang fehlt.“

Dennoch muß man das allermeiste in den Schippacher Schriften als getreue Wiedergabe des während der Ekstase Gesprochenen anerkennen. Entsprechend hat sich Barbara Weigand auch zeitlebens zu ihren Schriften bekannt.

Betrachten wir andere Offenbarungen, so können wir denen an Barbara Weigand sogar eine besondere Verläßlichkeit zubilligen, weil die göttliche Vorsehung bei ihr den Weg der Laut-Ekstase wählte und damit anderen Anwesenden das Mithören und Mitschreiben ermöglichte, während bei anderen Offenbarungen das innerlich Geschaute und Vernommene erst nach dem Geschehen aus der Erinnerung aufgeschrieben werden konnte.

Von den Offenbarungen der heiligen Gertrud wissen wir z.B., daß das erste Buch und der Schlußteil des fünften Buches nicht von ihr selbst, sondern von einer ihrer Mitschwestern verfaßt wurde; und dem Schreiber der heiligen Brigitta wird vom Heiland ausdrücklich gestattet, „um der Schwachen willen beizufügen, was notwendig und nützlich sei.“ Der heiligen Hildegard wurde in einem Gesichte aufgetragen, ihre Offenbarungen aufzuschreiben, aber die Form von einem anderen feilen zu lassen.

Drucklegung

1990 holten die damaligen Vorstandsmitglieder der Barbara- Weigand-Gesellschaft e.V. die „verstaubten“ Oktavhefte der „Schippacher Schriften“ aus dem gerade enstehenden Archiv, und Frau Rita Seithel aus Aschaffenburg begann, die in alter deutscher Sütterlin-Schrift verfaßten Handschriften auf einer elektrischen Schreibmaschine abzuschreiben. Sie schrieb in knapp fünf Jahren 4.062 Seiten und einige Anlagen. Bei den letzten Seiten angelangt verstarb sie.

1996 haben die von der Barbara Weigand Gesellschaft e.V. mit der Schriftleitung verantwortlich betrauten Personen damit begonnen, diese Schreibmaschinenseiten einzuscannen, um daraus Textdokumente für den Buchdruck zu erzeugen. Die Schrifterkennung wies jedoch zu viele Fehler auf, so daß der größte Teil der Texte ein weiteres Mal abgeschrieben und Wort für Wort verglichen wurde, was nochmals fünf Jahre in Anspruch nahm. Aus diesen Textdokumenten entstand die vorliegende Gesamtausgabe der „Schippacher Schriften“.

Zunächst erschien jedoch Band 1 der „Schippacher Schriften“ und eine separate „Lebensbeschreibung der Barbara Weigand“, letztere verfaßt vom Msgr. DDr. Wilhelm Büttner, dem großem Kenner und Förderer der Barbara Weigand. Diese Schriften sind in kürzester Zeit verteilt worden, so daß ein Nachdruck notwendig geworden wäre.

In dieser Situation wurde dank der göttlichen Vorsehung die Schriftleitung auf Wohltäter aufmerksam gemacht, die Druck und unentgeltliche Verbreitung der Gesamtausgabe der „Offenbarungen an Barbara Weigand“ ermöglichen.

Zur Druckvorbereitung wurden die Texte von einem Korrektor einer weiteren Kontrolle nach alter deutscher Rechtschreibung unterzogen. Da die Aufzeichnungen zum Teil aus langen, vielfach verschachtelten Sätzen bestehen, sind manche Abschnitte nicht ganz leicht zu lesen. In Einzelfällen ist deshalb der innere Zusammenhang des Satzes durch vorsichtige Änderung von Satzstruktur und Zeichensetzung, auch durch Einfügung oder Verschieben von einzelnen Hilfswörtern, sichtbarer gemacht worden. Inhalt und Sprachstil wurden dabei nicht berührt. Am Fronleichnamsfest 1897 (Bd 2 Nr. 175) sagte der Heiland dazu:

„Es soll alles, wie es ist, wie Ich Mich offenbare, abgeschrieben werden, und wo ein Fehler vorkommt, woran die ungeschickte Sprache Meiner Dienerin schuld ist, oder großen Anstoß erregen könnte, soll er verbessert werden. Aber alles, was die Belehrungen anbelangt, soll geschrieben werden, denn es ist nicht für ein Jahr und nicht für diese Zeit allein, es ist für die Zukunft geschrieben.“

Jede Offenbarung wird mit einer laufenden Nummer und dem Tag gekennzeichnet, an dem sie stattgefunden hat. Daran schließt sich eine Kernaussage an, die wörtlich aus dem nachfolgenden Text entnommen wurde und eines der angesprochenen Themen einprägsam zusammenfaßt. Diese Kernaussagen wurden auch in das Inhaltsverzeichnis übernommen, das seine Funktion dadurch noch besser erfüllen kann. Auf ein Sachwortregister wurde verzichtet. Allen Freunden, die an der Erstellung und Herausgabe dieses Gesamtwerkes der „Schippacher Schriften“ mitgewirkt oder dazu beigetragen haben, danken wir sehr herzlich. Besonders gilt unser Dank der Stiftung „Fond der Barmherzigen Liebe“ in Weihungszell und dem „KSA Kath. Schriften-Apostolat“ in Ochsenhausen.

Friedrichsdorf, im Oktober 2001

Die Schriftleitung

L e b e n von Barbara Weigand, Schippach

Ich wurde geboren am 10. Dezember 1845 in Schippach.

Meine Eltern waren fleißige, brave Landleute. Mein Vater war fünfzehn Jahre Bürgermeister unserer kleinen Gemeinde und kam als solcher viel mit Beamten zusammen, die ihn mit in die Gesellschaft hineinzogen. Obwohl er ein guter Familienvater war, kam er dadurch auf Abwege. Er lernte das Trinken. Der liebe Gott aber ließ durch die vielen Tränen und das Gebet Meiner Mutter aus dem Bösen Gutes entstehen, indem alle sieben Kinder, drei Knaben und vier Mädchen, einen entschiedenen Abscheu gegen den Alkohol faßten und wir uns vom Weltlichen ganz zurückzogen. Mein Vater starb fünfundfünfzig Jahre alt, gut vorbereitet auf seinen Tod. Auf dem Sterbebett sagte er: „Ich habe meiner Frau vielen Kummer gemacht. Wenn ich nochmals beginnen könnte, würde ich anders leben.“

Meine Mutter war eine kleine, schwächliche Frau und durch den vielen Kummer schon zu Lebzeiten ihres Mannes viel ans Krankenbett gefesselt, oft sechs Wochen lang. Sieben mal allein hatte sie die Lungenentzündung. Wir Kinder wurden frühzeitig zu harter Arbeit genötigt, um den täglichen Unterhalt zu verdienen. Ich war die zweitälteste und stärkste von allen und geweckten Geistes. Weil meine Mutter meist krank war und die ältere Schwester wenig begabt für solche Arbeiten und zudem schwächlich war, als „Mutter“ für die übrigen zu sorgen, mußte ich einkaufen und verkaufen etc. sowie das Hauswesen führen, weshalb auch die anderen Kinder mich als ihre „Mutter“ titulierten. Daher kam dann auch meine spätere so ernste Lebensführung.

Bis die Zeit kam, wo ich mich zu einem Stand entscheiden sollte,

betete ich viel, besonders Bußübungen, so daß ich von meinen Schwestern oft ausgelacht wurde. Das alles tat ich, um mich zu prüfen, und weinte sehr viel. Vor dem war ich eitel, stolz und putzsüchtig, aber sehr fleißig und Tag und Nacht tätig. Morgens in aller Frühe ging ich in den Wald, um Holz und Streu zu sammeln für den Tag, denn vor der Feldarbeit mußte dies alles geschehen sein.

Es kam nun die Zeit, wo ich mich für einen Lebensberuf entscheiden sollte. An Freiern fehlte es nicht, denn die Familie war geachtet, und somit waren meine Eltern entschlossen, mich einem braven jungen Mann anzuvertrauen.

Ich verlobte mich mit ihm, und das Haus für uns beide war schon gebaut. Doch schon das ganze Jahr vorher war ich so still und zurückgezogen, daß der junge Mann öfters fragte: „Wie ist es doch möglich, daß, wo andere sich so freuen, es dir gar keine Freude zu machen scheint.“ Ich hatte nämlich innerlich einen großen Kampf und stellte mir immer die Frage: Kann ich auch im Ehestand Gott so lieben und dienen, wie im jungfräulichen Stand? Dazu kam, daß ich eine fromme Jugendfreundin hatte, die selbst Jungfrau bleiben wollte. Ihre Gespräche hatten großen Einfluß auf mich. Sie sprach zuweilen so begeistert von der Liebe der heiligen Jungfrauen zu Jesus, daß ich bei mir dachte: „Ach, wenn du doch auch so leben könntest.“

So kam Maria-Himmelfahrt, und wir gingen trotz des schlechten Wetters in eine nahegelegene Feldkapelle, wo Muttergottes-Wallfahrt war. Da betete ich inständig zur Königin der Jungfrauen, daß ich doch den rechten Weg einschlagen möge.

Da, nach der heiligen Kommunion, fühlte ich zum ersten Mal die Nähe meines Gottes im heiligsten Altarsakrament.

Auf dem Heimweg sagte ich zu meiner Begleiterin, wir wollen an Mariä Geburt wieder hierher gehen. Aber das schlechte Wetter vereitelte dies. Wir gingen in unsere Pfarrkirche. Auf dem Weg dorthin begegnete uns der neu angekommene Kaplan und sagte: „Wo wollt ihr hin?“ In meinem Geburtsort Schippach steht nämlich nur eine kleine Kirche als Filiale der Pfarrkirche von Elsenfeld. Wir antworteten ihm, daß wir beichten wollten, worauf er erwiderte: „So könnt ihr in eurer Filialkirche beichten, denn ich bin euer neuer Kaplan.“

Derselbe scheint sich später meines inneren Kampfes erinnert zu haben. Als ich ihm bei Gelegenheit seiner Versetzung für alle Mühe dankte, die er sich wegen meiner Bekehrung gegeben hatte, erwiderte er: „Nein: als ich kam, da waren Sie schon bekehrt.“

Obwohl ich damals noch nicht wußte, welchen Stand ich antreten sollte, hatte ich schon das Verlangen, alle drei Wochen die heilige Kommunion zu empfangen. Von dort an begann der himmlische Gärtner, dieses aufgewühlte Feld meines Herzens zu bearbeiten. In mir kam kein anderer Gedanke mehr auf als:

„Arbeite dich aus der Welt heraus, mach dein Herz frei. Dein Herz ist unruhig, bis es ruht in Gott.“

Deshalb wurde ich oft zur Rede gestellt: „Warum bist du so traurig, so ganz anders als andere?“ Denn das Haus war schon gebaut. Mein Bräutigam klagte meiner Schwester seinen Verdruß, und diese schalt mich oft aus, warum ich den braven Menschen so hinhalte, ich müsse wohl verrückt geworden sein. Ich dachte aber immer bei mir: „Nein, ich kann nicht heiraten, ich will nur Gott dienen.“ Immer wieder fragte ich meinen Beichtvater um Rat. Dieser aber, der den Wankelmut eines jungen Mädchens erwog, riet mir offen, er könne mir durchaus nicht abraten. Er habe sich nach dem jungen Mann erkundigt, und er sei nur zu empfehlen. Die Kirche müsse sehr viel auf gute Mütter sehen, ohne welche es keine Priester und keine Klosterfrauen gebe.

Nun begann für mich eine Zeit furchtbaren Kampfes. Tag und Nacht konnte ich nicht mehr ruhen. Die Liebe Gottes war so stark in mir, daß ich glaubte, ich könne alle menschlichen Bande zerreißen. Doch wußte ich nicht, welches der geeignete Augenblick sei. Dies dauerte ein ganzes Jahr. So kam der schöne Monat Mai, und ich dachte, in diesen Monat die liebe Gottesmutter recht vertrauensvoll in dieser Angelegenheit zu bestürmen.

Einmal kniete ich nun vor meinem kleinen Maialtärchen, um mit meiner jüngeren Schwester die übliche Abendandacht zu verrichten. Jene war schon zu Bett gegangen, und ich kniete bis gegen Mitternacht und betete unter Strömen von Tränen, denn ich traute mir selbst nicht. Ich dachte immer, es könne auch nur weibliche Einbildung sein, die morgen wieder verwirft, was sie sich heute vornimmt.

Da, auf einmal, sah ich in der dunklen Nacht, aber weit entfernt von mir, die liebe Mutter Gottes. Ein Lichtstrahl, der von Ihr ausging, traf meine Seele, und es ward ruhiger in mir. In der Frühe des andern Tages kniete ich wieder im Beichtstuhl, aber nicht in Schippach, sondern eineinhalb Stunden davon entfernt in Kleinwallstadt, wo ich den bischöflichen Geistlichen Rat N., einen klugen und erfahrenen Priester, zu Rate zog. Diesem erzählte ich mein ganzes Leben und auch den Kampf in mir wegen meiner bevorstehenden Berufswahl. Dieser Herr sagte ganz entschieden:

„Mein Kind, ich sehe hier an dir eine höhere Hand walten.

Ich glaube nicht, daß du berufen bist, in den Ehestand zu treten. Laß den Jüngling nur noch ruhig gehen und verdopple dein Gebet! Sag auch dem Beichtvater, er solle für dich beten, und auch ich will am Altar deiner gedenken. Ich versichere dich, daß der liebe Gott dir noch ein deutlicheres Zeichen gibt, was dein Beruf ist.“

Bald darauf ging ich dann wieder beichten in meiner Dorfkirche und brachte wie immer mein Anliegen vor und wiederholte ihm auch die tröstlichen Worte, die mir ein alter, erfahrener Priester gesagt hatte. Nun war mein Beichtvater auf einmal wie umgewandelt. Zehn Monate schon kämpfte ich unter beständigen Tränen und Gebet. Ich legte mir allerlei Bußübungen auf, aber alles im geheimen. Niemand wußte davon als meine gute Schwester Marie, die später Klosterfrau geworden ist. Jetzt sagte mein Beichtvater, der mir bisher immer abgeraten hatte: „Ja, ich sehe freilich auch längst, daß der liebe Gott dich nicht im Ehestand haben will. Nur soll er dir aber auch die Kraft geben, daß du alle Hindernisse überwinden kannst. Gut, wir halten zusammen eine Andacht.“

Es war im Juni. Wir hielten vor dem Herz-Jesu-Fest eine neuntägige Andacht mit einigen Personen. Am dritten Tag schon war der Kampf gewonnen. In der Nacht vorher hatte ich nämlich einen auffallenden Traum: Ich befand mich in einer großen Kirche, die dicht mit Menschen angefüllt war, die alle sehnsüchtig der Kirchentür entgegensahen, weil sie den Einzug eines Hochzeitszuges erwarteten. Die Türen öffneten sich, und herein kam die liebe Muttergottes mit Ihrem Hofstaat, der aus lauter Jungfrauen bestand. Als Sie Sich der Menge genähert hatte, trat Sie aus Ihrer Umgebung hervor, ging bald an diese, bald an jene Bank, der einen oder anderen Person etwas ins Ohr flüsternd, worauf dieselben wie von einem himmlischen Glanz umgeben schienen. Ich dachte bei mir: Dir kann Sie halt nichts sagen, denn du hast doch zu weltlich gelebt, und weinte bitterlich. Auf einmal klopfte Sie mich sanft auf die Schulter und gar liebreich sah mich die liebe Muttergottes an, und sagte:

„Was du tun willst, das tue bald! Du willst ein Gelübde ablegen. Tue es und du wirst noch viele Gnaden erhalten!“

Auch meine Schwester Marie, die mich immer sehr ausgezankt hatte, daß ich dem jungen Mann so fremd bliebe, bekam ein Zeichen. Sie sah beim Morgengebet das göttliche Herz Jesu, und sie verstand, daß sie mir nicht länger im Wege stehen solle. Ebenso erhielt auch mein Beichtvater ein Zeichen. Beim Abendgebet sah er mich plötzlich vor sich und erkannte zugleich, daß ich nicht zum Ehestand berufen sei. Am folgenden Morgen konnte ich in aller Gemütsruhe dem jungen Mann sagen, daß ich nie heiraten werde. Und das war die Gnade, die hatte gesiegt über die sinnliche Liebe.

Das erste, was ich nun tat, war eine gute Generalbeichte abzulegen, denn ich wollte vor allem alles mit der Wurzel ausreißen mit einer recht tiefen Beschämung. Und Gott sei mein Zeuge, daß ich mir von dort an große Mühe gab, Ihm zu gefallen und alle Sünden meines vergangenen Lebens gut zu machen, wenigstens mich zu bessern.

Das ging aber alles nicht so glatt ab. Solange ich es mit der Welt hielt, war alles recht. Jetzt aber war alles umgekehrt. Meine Schwester Marie schloß sich mir an und noch einige junge Mädchen. Damals waren meine Geschwister noch alle sehr jung und klein. Aber es kam die Zeit, wo meine Brüder ihren eigenen Hausstand gründen wollten. Da erhob sich denn auch in meiner Familie Widerspruch, und wir hatten von allen Seiten viel zu leiden.

Ich war von Jugend auf sehr zornmütig, herrschsüchtig, stolz und habsüchtig. Ich wollte um jeden Preis, daß unsere Familie nicht der Welt zum Spott werde, darum arbeitete ich lieber Tag und Nacht und trieb die anderen Geschwister an, das Gleiche zu tun. Und wirklich sagte vor einigen Jahren eine Frau zu mir, ihr Vater habe unsere Familie immer als Muster vorgestellt. Daher kommt es wohl, daß ich immer so ängstlich bin und meine, ich könne getäuscht sein, denn ich kann nicht begreifen, wie der liebe Gott, der ein so unendlich reiner Geist ist, ein so unwürdiges Werkzeug Sich erwählen konnte, um durch dasselbe Seine unendliche Liebe und Erbarmung der Welt zu offenbaren. Nur im Gehorsam schreibe ich dieses.

Mögen diejenigen, denen das Recht zusteht, den Geist prüfen, der daraus spricht, und tun, was sie für richtig befinden.

Obwohl ich den lieben Gott bestimmt schon schwer beleidigt habe, so geht aber auch daraus hervor, wie unendlich gut der liebe Gott sein muß, und wie sehr er danach verlangt, alle Menschen zu retten.

Weil ich merkte, mit wie vielen Ketten ich an diese Welt gekettet war, suchte ich mit Eifer die Hilfsquellen auf, die das umstrickte Herz losreißen sollten, um es vom Verlangen nach dem Irdischen abzuziehen und zu himmlischen Begierden zu erheben. Ich legte mir zeitweise strenges Fasten auf. Lange Jahre versagte ich mir Obst und das Fleisch, im Winter sogar manchmal das Brot, und trank nur Kaffee oder aß Suppe und Kartoffeln. Denn in der Nachbarschaft wohnten zwei arme Buben, die sich mit ihrem alten, kranken Vater gar kümmerlich ernährten. Diesen brachte ich heimlich manchen Laib Brot. Ja, als der Vater gestorben war, und einer dieser braven Jungen krank wurde, versagte ich mir einen ganzen Winter lang das Brot, um die armen, verlassenen Knaben unterstützen zu können. Und als dieser starb, ließ er mich rufen, schlang seine beiden Hände um meinen Hals und rief: „Liebe Schwester, Gott vergelte dir, was du an uns getan hast. Gott segne deine ganze Familie, bis hinauf ins vierte Glied, denn du hast uns vom Hungertod errettet.“

Ich war aber auch damals schon so geschwächt, daß ich beim Gehen einschlief. Ich mußte dieses unbedingt mir absparen, denn meine Mutter war selbst arm und die Familie groß. Auch ging ich immer gern zu Kranken und Sterbenden, und manche Nacht durchwachte ich an einem Krankenbett. Sogar in benachbarte Orte wurde ich gerufen.

Einmal nun wurde ich nach Elsenfeld ins Pfarrhaus gerufen, um einer alten Tante beizustehen, die schwerkrank war. Zwei Nächte wachte ich bei ihr. Als dieselbe beerdigt wurde, zeigte mir der liebe Heiland zum ersten Mal, wie sehr Er die Nächstenliebe belohne. Es war dort Sitte, daß alle Jungfrauen bei der Beerdigung ein Sträußchen Blumen bekamen, die sie ins Grab warfen. An mich aber, obwohl ich der Sterbenden zwei Nächte geopfert hatte, dachte man nicht, man gab mir keines. Niemand lud mich dazu ein, während andere mit ins Sterbehaus gehen durften. Dieser Undank tat mir sehr weh, und ich klagte es beim Seelengottesdienst dem lieben Heiland und bat ihn, mich doch zu entschädigen.

Als nun am Muttergottesaltar eine heilige Messe gelesen wurde, und der Priester bei der heiligen Wandlung die heilige Hostie emporhob, sah ich den Priester wie in einem dichten Nebel stehen bis zur heiligen Kommunion. Als der Priester aber kommunizierte, fiel ein Strahl auf mich zurück, und ich war wie vernichtet. Dort zeigte Er mir zum ersten Mal, wie sehr Er uns zu beglücken wünscht in der heiligen Kommunion. Ich traute mich immer noch nicht, darum bot ich alles auf, um das Herz vom Irdischen loszureißen und an Gott zu fesseln. Ich ließ mich in den Dritten Orden und in viele Bruderschaften aufnehmen, um gezwungen zu sein, den Gebetsgeist pflegen zu müssen, um allem unnützen Denken und Reden vorzubeugen. Als ich nun bei meinem Beichtvater, nachdem er mich ein ganzes Jahr geprüft hatte, das Gelübde der ewigen Keuschheit abgelegt hatte, machte er einmal die Bemerkung: „Fahre fort in diesem Eifer, und du wirst noch viele und große Gnaden erlangen.“

Mit jedem Jahr wuchs in mir das Verlangen, Gott eifriger dienen zu können und ihm auch Freude zu machen.

Darum kannte ich keine größere Freude, als Ihn in der heiligen Kommunion in mich aufzunehmen.

In unserer Dorfkirche hatte ich keine Gelegenheit dazu, weil wir mitunter Priester hatten, die nicht einmal alle Sonntage Beichtkinder haben wollten, und so mußte ich übers Feld in eine entferntere Kirche gehen. So wanderte ich selbst im strengen Winter 1879 um Mitternacht, mindestens zweimal die Woche, in die Kapuzinerkirche nach Aschaffenburg, welches von Schippach fünf Stunden entfernt liegt. Einmal ging ich von dort heim, ich war ganz allein und betrachtete auf dem ganzen Weg die unendliche Güte Gottes, der uns mit solcher Gnade gleichsam überschüttet. Ich fand jedoch schon wieder in mir einen Fehler vor, den ich trotz der vielen Gnaden am selben Tag begangen hatte, und weinte bitterlich vor Reueschmerz. Da war mir`s plötzlich, als wenn mich jemand erfaßte. Ich fühlte nicht mehr, daß ich gehe, und dazwischen kam ich öfters wieder zum Bewußtsein. So kam ich eine große Strecke weiter, ohne zu wissen, wie und in viel kürzerer Zeit wie gewöhnlich.

Dort hatte ich zum ersten Mal jenen geheimnisvollen Verkehr. Dies war am Dreifaltigkeitssonntag 1880. Dabei hörte ich die Worte:

„Siehe, alle die Fehler, die du begangen und beweinst, will ich dir verzeihen, wenn du oft kommunizierst.“

Ich berichtete dies meinem damaligen Beichtvater, und er gab mir neun Tage nacheinander die heilige Kommunion, und dann eine Zeitlang öfters. Aber das dauerte nicht lange. Alles Bitten war vergebens. Ich konnte nicht mehr erlangen, als daß ich für eine hoffärtige, eigensinnige Person erklärt wurde.

Einmal ging ich mit dem Ave-Läuten in die Kirche. Es war Fastnachtsdienstag, wo ich den lieben Heiland etwas entschädigen wollte, und bat um die heilige Kommunion, erhielt aber wie immer eine abschlägige Antwort. Als die Leute fort waren, wandte ich mich an den lieben Heiland und sagte: „Mein lieber Jesus, du siehst, daß es nicht an mir gelegen ist. So komm, ich bitte dich, geistig zu mir.“ Dabei weinte ich mein Herz recht aus und ging nach Haus.

Unter der Haustür begegnete mir ein junges Büblein und sagte: „Ich soll Sie fragen, ob Sie morgen früh nicht auf den Neuhof kommen wollen, unser Großvater ist sehr krank und verlangt nach Ihnen, weil er morgen früh versehen wird.“ Der Neuhof liegt dreiviertel Stunden von Schippach entfernt, gehört aber zu einer anderen Pfarrei. Und ich ging hin. Gegen 11 Uhr kam der Bauer an, der mit einem Gespann den Geistlichen seiner Pfarrei geholt hatte, und der alte Mann beichtete. Danach rief er die Angehörigen, und auch ich trat ein, um den lieben Heiland zu begrüßen. In diesem Augenblick erfaßte mich eine solche Sehnsucht nach dem lieben Heiland, daß ich den Priester bat, er möge mir doch ein kleines Partikelchen reichen. Der Priester fuhr zusammen und nickte, verwundert mich anschauend, mit dem Haupte. Tief bewegt ob der Güte Gottes speiste er den Mann, und wandte sich dann um zu mir, und gab mir nicht nur ein Partikelchen, wie ich in meiner Sehnsucht verlangt, sondern eine ganze Hostie.

Der Priester betete noch mit dem Kranken die Sterbegebete und gab ihm die Letzte Ölung, dann wandte er sich zu mir und sagte: „Für Sie hat heute der liebe Gott selbst gesorgt.“ Dann fuhr er fort: „Ich weiß nicht, wie dies zuging, ich muß mich vergriffen haben. Denn als ich schon längere Zeit gefahren war, fiel mir plötzlich ein nachzusehen, ob ich auch die heilige Hostie nicht etwa verlieren könnte, und sah zu meinem Erstaunen, daß ich statt einer Hostie deren zwei hatte. Jetzt sehe ich aber, daß der liebe Gott dies so gefügt hat.“

Dadurch aber, daß der liebe Heiland mir so auffallende Beweise seiner Liebe zu uns gab, wurde mein Glaube von Jahr zu Jahr lebendiger.

Seit meine jüngere Schwester ins Kloster gegangen war, deren einzige Freude darin bestand, die Kirche unseres Dorfes nicht nur äußerst reinlich zu halten, sondern auch innen mit Blumen zu schmücken und zu zieren, hatte ich diese Arbeit übernommen. Weil ich dem lieben Heiland die Freude der Vereinigung nicht gewähren konnte, suchte ich Ihm auf diese Weise Freude zu machen. Alles, was ich nur erübrigen und mir absparen konnte, verwandte ich zur Zierde unserer Dorfkirche. Altartücher, die Statue der Muttergottes von Lourdes sowie eine Herz-Jesu-Statue, die Kreuzwegtafeln, zu allem gab auch ich mein Scherflein dazu.

Jahre vergingen, eine Prüfung äußerer und innerer Leiden reichte der andern die Hand. Bemerken muß ich noch, daß ich alle Geldopfer, die ich dem lieben Heiland brachte, nicht ohne die Zustimmung meiner geistlichen Vorgesetzten gab. Ich gab dazu die Anregung, wie mein Scherflein verwendet werden sollte, und ging auch dazu bei guten Leuten betteln. Das Letzte, was ich anregte, war, einen neuen Tabernakel für unsere Kirche zu ermöglichen. Ich schrieb nach Mainz an P. Alphons, nach N. an die Oberin einer meiner Schwestern und nach F. an einige reiche Damen, bei denen eine Jugendfreundin von mir in Dienst ist. Aber an beiden Stellen wurde ich abgewiesen, in F. sogar sehr kränkend. Die Oberin meiner Schwester dagegen schickte an das Pfarramt zu Elsenfeld 41 Mark mit der Bemerkung: „Für einen neuen Tabernakel in der Kirche zu Schippach.“ Und als ich meine Heimat verließ, um nach Mainz zu gehen, hatte ich bereits an 200 Mark geopfert und erbettelt.

Aber das alles genügte dem lieben Heiland nicht. Mit unseren armseligen Bettelpfennigen ist Ihm nicht geholfen. Er verlangt, daß wir Ihm die ganze Kraft unseres Willens, ja unser ganzes Herz zum Opfer bringen, denn bei all den äußeren Opfern, die wir Ihm darbringen, kann unser Herz durch Hochmut Ihm doch sehr mißfallen. Darum sorgte Er dafür, daß der Stolz nie recht in mir aufkommen konnte. Meine Vorgesetzten, anstatt meinen Eifer zu unterstützen, taten, als ärgerte sie mein Streben. Als die Herz-Jesu-Statue ankam, stellte sie unser damaliger Kaplan auf die Stelle, wo früher der Pelikan stand, der jetzt zerfallen ist. Alle Leute freuten sich über diese Neuanschaffung, wenn sie beim Eintritt in die Kirche ihren Blick auf den Tabernakel richteten, denn der Anblick mußte in jedem den Gedanken erwecken: „Betrachte, o Christ, hier mein Herz, als Symbol der Liebe, und hier im Tabernakel bin ich wahrhaftig.“

Eines Sonntags kam ich nun einmal von einer auswärtigen Heiligen Messe heim. Wir hatten nämlich zur Zeit keinen Kaplan, und Herr Pfarrer mußte jeden Sonntag erst in die Pfarrei, dann in den Filialen die Messe halten. Wer also beichten und kommunizieren wollte, mußte in eine andere Pfarrei gehen. Mein Bruder trat mir zornig entgegen und sagte: „Nicht eher mehr gibt es Frieden zwischen uns beiden, bis du den Kirchendienst aufgegeben hast. Glaubst du, du hängst deine Kreuzer all an die Kirche, und ich steh’ am Sonntag in der Predigt und muß anhören, wie der Pfarrer dich vor den beiden Gemeinden als närrische Person hinstellt. Ich habe gesehen, wie sich einer gegen mich wandte und mir die Zunge zeigte.“ Meine Schwägerin war gerade so aufgebracht, denn sie waren beide in der Kirche, als ich so öffentlich beschimpft wurde, und die Schadenfreude der Leute war unbeschreiblich groß. Der Herr Pfarrer sagte: „Diese Statue gehört nicht auf den Tabernakel, die Person, die sie hereingeschafft hat, soll sie nur augenblicklich weg tun. Meinetwegen kann sie dieselbe dort hinten ans Fenster stellen. Aber da, wo sie jetzt ist, bleibt sie nicht stehen, die zieht nur die Augen ab von der Monstranz.“

Der Kaplan, der die Herz-Jesu-Statue auf diese Stelle gebracht hatte, war fort, und so gab ich dem Glöckner gute Worte, die Statue herunterzuschaffen, und lange Jahre stand die schöne Statue meines lieben Jesus in einem alten, schmutzigen Fenster, und der Anblick war für mich ein beständiger Schmerz. Aber ich ertrug meine Leiden in stiller Ergebung.

Wie oft, ja wie oft wurde ich entweder in der Sakristei oder in der Kirche öffentlich beschimpft und abgewiesen, wenn ich um die heilige Kommunion bat, und dies oft mit sehr kränkenden Worten.

Meine Schwester Maria wurde durch diesen beständigen Kampf und all die verächtlichen Reden, die wir zu hören bekamen, bewogen, ins Kloster zu gehen, denn sie sagte: „Ich glaube nicht, daß ich das mein Leben lang aushalten kann. Ich geh’ fort, sonst komme ich am Ende wieder auf die alten Wege.“

Die erste Nacht, als ich mit dem Gedanken umging, meinen Verwandten zuliebe den Kirchendienst aufzugeben, wie sie es verlangten, träumte mir, daß ich die Kirche ziere. Als ich an die liebe Muttergottesstatue kam, um sie abzustauben, sah sie alt und staubig aus, und sie blickte mich wie lebend sehr traurig an. Ich sagte zu ihr: „O liebe Mutter, was soll ich denn machen? Soll ich dem Willen meiner Verwandten folgen und den Kirchendienst aufgeben?“ Da ging von ihrem Körper ein Strom Wassers aus, der in Bächlein durch die ganz Kirche floß, und wie das Wasser abgeflossen war, war sie eine wunderschöne Frau, welche mich also anredete: „Siehst du, mein Kind, dieses sind die Wasser der Trübsale, so mußt du hindurch gehen.“ Und dabei deutete sie mit dem Finger zur Türe hinaus auf den Kirchhof, ich möge hinausgehen. Und ich sah ein Totenhaus, ganz mit Totenschädeln angefüllt, und vor jedem einzelnen brannte eine Kerze, und zugleich verstand ich innerlich, daß ich meine Trübsale für die Armen Seelen tragen solle.

In der zweiten Nacht darauf träumte mir abermals, ich ziere die Kirche. Vor mir hatte ich die Statuen des heiligen Josefs, der lieben Mutter Gottes, des heiligen Joachim und der heiligen Anna. Ich weinte bitterlich und bat sie um Hilfe, indem ich auf meinem Angesicht liegend, den heiligen Josef anflehte. Auf einmal berührte mich derselbe, als ob er lebendig sei, und bedeutete mir, ich möge aufstehen, und dann sagte er mir: „So hoch wie der Himmel soll deine Liebe sein, und so tief, bis zum Staub der Erde, sollst du dich verdemütigen, und du sollst geradeaus gehen und nicht rechts und nicht links schauen.“

Dabei deutete er mit der Hand hinauf zum Himmel, dann zur Erde, dann nach rechts und links, und ich erkannte, daß ich nach meinen Verwandten nichts fragen solle, sondern den Kirchendienst mit allem Fleiß weiter verrichten müsse, was ich auch tat.

In der Fronleichnamsoktav ließ ich jedes Jahr ein Engelamt halten für meine Eltern und zur Danksagung für eine große Gnade. Da bat ich nun Herrn Pfarrer auch um die heilige Kommunion. Er sagte: „Ja.“ Und so kniete ich mich vorn an die Kommunionbank. Die Kirche war ganz voll, und alle konnten sehen, daß ich kommunizieren wollte. Als der Gottesdienst aus war, ging der Pfarrer in den Beichtstuhl. Vor Scham und auch innerer Sammlung sah ich mich gar nicht um, sah also auch nicht, daß die Kirche voll Kinder kniete, die beichten wollten. Weil ich glaubte, er sitze für mich zur Beichte, ging ich gleich hin. Augenblicklich sprang der aufgebrachte Herr auf und schlug mit solcher Gewalt auf den Beichtstuhl, daß alle Kinder erschrocken zusammenfuhren und schrie: „Eine so abstrakte, eigensinnige Frömmigkeit habe ich noch nie gesehen. Packen Sie sich von meinem Beichtstuhl weg und augenblicklich.“ Ich war starr vor Schrecken und mußte mich festhalten, denn ich war ganz ohnmächtig.

So ging ein Kaplan fort, ein anderer kam, oder wir hatten oft jahrelang gar keinen. Aber das Verlangen nach der öfteren heiligen Kommunion blieb nach wie vor. Nicht oft, aber doch einige Male, hörte ich in mir jene geheime Stimme: „Du mußt immer wieder die Vorgesetzten um die öftere Kommunion bitten, und du wirst diese Gnade noch erlangen, aber erst dann, wenn du einmal deinen Willen dem meinigen ganz unterworfen hast. Du sollst das Werkzeug sein, dessen ich mich bedienen will, um auch anderen dies Glück zu verschaffen.“

Weil ich mir nie getraute zu sagen, daß eine innere Stimme mich dazu auffordere, die heilige Kommunion öfters zu empfangen, und weil ich damals auch noch nichts wußte von einem geheimen Verkehr der Seele mit Gott, so hatte ich von einem Priester ein halbes Jahr viel zu leiden. Er sagte, das Verlangen nach der öfteren Kommunion in mir sei nichts anders als Hochmut und Eigensinn, ich sei eine aufgeblähte Person und viel weniger als die allerletzte im Dorf. Anstatt fortzulaufen, wie es viele getan hätten, blieb ich aber bei ihm, erforschte nur um so genauer alle Regungen meines Innern und beichtete um so gewissenhafter. Drei Wochen lang gab er mir gar keine Kommunion. Und als er fortging von uns, sagte er: „Ich habe dich die letzte Zeit hart behandelt, doch habe ich mich getäuscht in dir. Fahre fort in deinem Streben, aber was du suchst, wirst du nie erlangen, solange die Umstände sich nicht ändern.“ Er meinte damit, solange kein anderer Pfarrer in unserer Dorfkirche eingesetzt würde. Sein hochwürdiger Nachfolger, ein Kaplan, gab mir die heilige Kommunion jedoch jede Woche zweimal, bis er eines Tages kam und sagte: „Unser Pfarrer hat mir gesagt, er werde nie zugeben, daß auf den Filialen die öftere Kommunion eingeführt werde.“

Nun wußte ich doch wenigstens, daß meine Sünden nicht allein die Ursache dafür sein konnten. Und von jener Zeit an belästigte ich in meiner Pfarrei keinen Priester mehr und befolgte das Wort des Herrn Domkapitular Dr. Schork in Würzburg, jetzt Bischof von Bamberg, der zu mir sagte:

„Fahre fort, denn das Verlangen nach der heiligen Kommunion kann nur von Gott herkommen. Wenn du sie in deiner Pfarrei nicht haben kannst, so geh hin, wo du sie kriegst.“

Einmal, als ich weniger Trost bei der heiligen Kommunion empfand als sonst, und deswegen sehr ängstlich war, weil ich durch Spottreden, die wir oft zu hören bekamen in unserer Pfarrei, eher entmutigt, als zum Eifer angefacht wurde, hatte ich nachts einen Traum: Ich sah die liebe Muttergottes auf mich zukommen und vor ihr her schwebten zwei Hostien, die so viele Strahlen auswarfen wie die Sonne. Neben mir war eine große Säule, die bis zum Himmel reichte. Die liebe Muttergottes sagte: „Siehe, das sind deine zwei heiligen Kommunionen, die du am Sonntag und Dienstag empfangen hast.“ An diesen zwei Hostien sah ich keinen Unterschied, wiewohl ich bei der einen voll von Ängsten und bei der anderen voll Andacht war. Die heiligen Hostien schwebten an die Säule, und alles war verschwunden. Ich erzählte meinem Beichtvater davon, welcher mir sagte: „Dies ist ein Trost für dich, weil du so ängstlich bist wegen deiner Kommunion, damit will dich der liebe Heiland belehren, daß, wenn du einmal die Erlaubnis von deinem Beichtvater hast - denn die Säule bedeutet die heilige Kirche, und ich als dein Beichtvater hatte dir die Erlaubnis gegeben - du nicht mehr auf deine Gefühle schauen sollst. Denn daß die eine Hostie mehr glänzte als die andere, soll dich belehren, daß es nicht auf das andächtige Gefühl ankommt, sondern auf den guten Willen.“

In demselben Jahre, als Hochwürden gesagt hatte, er ließe die Kommunion in der Filialkirche nicht einführen, empfing ich einmal in meiner Dorfkirche die heilige Kommunion. Als der Priester die heilige Hostie in die Hand nahm, ging ein solcher Glanz von derselben aus, daß der ganze Chor der Kirche erfüllt war davon und alle, die kommunizierten, wurden von diesem Glanz erfüllt. Meine Seele fühlte ein solches Entzücken, daß meine Sinne mir schwanden, und in diesem Zustand hörte ich die Worte:

„Jetzt ist die Zeit bald gekommen, wo dein Verlangen in Erfüllung gehen wird.“

Ich dachte, wahrscheinlich kommt ein Priester in unsere Pfarrei, der mir die Kommunion künftig geben wird. Aber es kam ganz anders. Damals waren alle meine Geschwister noch unverheiratet, außer meine ältere Schwester. Nach dem Tod meiner Mutter kamen zwei von ihnen, ein Bruder und eine Schwester, nach N. ins Spital der Barmherzigen Schwestern. Dort war man besonders mit meinem Bruder sehr zufrieden. Fünf oder sechs Jahre war er dort, und ich war überglücklich, meine Geschwister in guten Händen zu wissen. Einmal kam ich hin, da sagte mir eine jener Klosterfrauen, sie werde meinen Bruder heiraten. Bei diesem offenen Bekenntnis überfiel mich eine Ohnmacht. Alle Bemühungen, die Sache zu vereiteln, waren vergebens. Sie bat um Erlaubnis, aus dem Orden auszutreten und heiratete meinen Bruder. Was mich aber dieser Schritt, den ich mit Anstrengung all meiner Kräfte verhindern wollte, gekostet hat, weiß nur Gott allein. Als sie einige Jahre verheiratet waren, ging ich einmal auf einige Tage hin auf Besuch. Der schöne Gottesdienst, wie er hier in Mainz gehalten wird, gefiel mir sehr, besonders aber sah ich, daß hier wirklich, was ich nicht glauben konnte, täglich die heilige Kommunion ausgeteilt wurde.

Dies war für mich ein Fingerzeig Gottes. Ich wartete den Tod einer alten Tante, die auf meine Pflege angewiesen war, noch ab, dann aber sagte ich meiner Heimat Lebewohl und ging, wohin der Herr mich rief.

Nun begann für mich ein ganz anderes Leben als seither. Hier kannte ich keinen Menschen. Welche Überwindung es mich kosten mochte, soll sich ein vernünftiger Mensch selbst vorstellen. Ich mußte mich hier den Launen einer Schwägerin unterwerfen, die zwölf Jahre Klosterfrau war und sinnliche Liebe für Gottesliebe umgetauscht hatte, während ich das Gegenteil anstreben wollte. Es war große Armut und Not bei meinen Verwandten, als ich dorthin kam. Darum begann für mich wieder eine Zeit harten Kampfes. In meiner Heimat hatte ich keine Nahrungssorgen, meinen Verwandten daselbst konnte ich nützlich sein und meine Schwägerin dort hatte mich sehr lieb gewonnen. Hier aber war man mir abgeneigt, weil ich mich dieser Heirat so sehr widersetzt hatte, und ich wußte auch nicht, wie ich mich ernähren sollte.

Einmal war nun meine Schwägerin wieder gar sehr gegen mich aufgebracht, weil sie mich gern aus dem Haus gehabt hätte. Es war der Vorabend vor Ignatius, wo ich in der Ignatius-Kirche läuten hörte, als ich die Kinder zu Bett gebracht hatte. Ich eilte hin. Und als ich eintrat in die Kirche, hörte ich in mir eine Stimme, die sprach: „Hier will ich dich haben. Du sollst dich von jetzt an als Schutzkind des heiligen Ignatius betrachten und nicht mehr als ein Schutzkind des heiligen Antonius. Und gleich wie Ignatius sich um Christi Willen den Zähnen wilder Tiere preisgab, so sollst du dich um Christi Willen zerfleischen lassen durch die Zähne der Menschen.“

Von da an wußte ich nun, daß Gott mich hier haben wolle, und zwar bei meinen Verwandten. Aber wie mich ernähren? Da hörte ich wieder einmal die Stimme, die zu mir sprach: „Meine Tochter, ich will, daß du bei deinen Verwandten bleibst. Ich werde für dich sorgen, du sollst keinen Mangel leiden. Ich werde deine Verwandten segnen, daß du zu leben hast, ja im Überfluß zu leben hast.“ Nun ließ ich alles über mich ergehen. Die Kirche und die heilige Kommunion waren der Magnet, der mich beständig anzog.

So verbrachte ich manchmal einen ganzen Tag vor dem Allerheiligsten, wenn meine Verwandten, die meine Neigung kannten, mir hier und da mal ein Vergnügen machen wollten. So verging ein Jahr.

Immer deutlicher ließ der Herr mich seine Nähe fühlen, und der Umgang mit ihm wurde immer zutraulicher. Auf geheimnisvolle Weise zeigte mir der Herr, welch tiefe Erniedrigung es für Ihn ist, daß Er Sich täglich auf unseren Altären den Händen Seiner Geschöpfe preisgibt. Und ich hörte die Worte: „Ich verlange mehr Dank und Anerkennung von meinen Dienern.“ Ein anderes Mal zeigte Er mir wieder Seine Freude, die Ihm von denjenigen bereitet wird, die Ihn würdig empfangen. Da sprach der Herr wieder:

„Siehe, jetzt habe ich dir dies Glück verschafft, sorge aber auch dafür, daß es anderen ebenso zuteil werde. Gehe zu deinem Bischof und sage ihm: Es sei mein Wille, daß die öftere Kommunion überall eingeführt und gefördert werde.“

Ich erschrak, als ich diese Stimme hörte, denn ich war froh, doch endlich einmal die beständigen Widersprüche meiner Vorgesetzten los zu sein, und für mich hatte ich ja alles erreicht, was ich mir wünschte, die tägliche heilige Kommunion, und jetzt mußte ich fürchten, wieder mein Glück verlieren zu müssen.

So verging der Monat Mai, ohne meinem Beichtvater etwas davon zu sagen. Als ich der letzten Maiandacht in einer Kirche beiwohnte, war das Allerheiligste am Muttergottesaltar ausgesetzt. Ich kniete noch davor und betete mit der ganzen Inbrunst meiner Seele. Aber der Herr zeigte Sich unwillig. Um jeden Preis wollte ich nun wissen, was die Ursache Seines Unwillens über mich sei, und erfuhr, die Ursache sei die, daß ich mich so vor dem Leiden fürchte und Sein Anliegen so geheim hielte vor meinem Beichtvater. Eine Angst überfiel mich, daß mir eine leichte Ohnmacht kam. Von dort ging ich in die Seminarkirche, da hörte ich zum zweiten Male die Worte: „Du sollst nach N. gehen und deinem Bischof sagen, was ich verlange.“

Jetzt sagte ich es aber meinem Beichtvater. Dieser lachte mich aus. Am Fest des heiligen Antonius, (13. Juni), hörte ich nach der heiligen Kommunion wieder die Worte: „Siehe, all deinen Undank will ich vergessen, wenn du ganz über dich hinweggehst und tuest, was ich dir sage.“ Jetzt suchte ich wieder meinen Beichtvater auf, und bat ihn unter Tränen, mir doch zu erlauben und die Wege zu sagen, um zu meinem Bischof zu kommen. Dieser sagte: „Das sind Schwächen, du bist krank.“ Und schickte mich zu einem Arzt. Der Arzt sagte: „Du darfst nicht so lang beten und mußt dem Beichtvater folgen“, und der Beichtvater verbot mir, ich dürfe von nun an nicht länger als in zwei heiligen Messen in der Kirche bleiben.

Nun fühlte ich bald nach diesem Verbot eines Tages wieder, wie nach der heiligen Kommunion mich diese unerklärliche Gewalt überfiel, daß es mir war, als sei ich nicht mehr Herr über mich. Aber ich sagte: „O Herr Jesus, wenn Du es bist, der alle meine Sinne so fesselt, so muß ich Dir heute sagen, daß ich mich mit Dir nicht abgeben darf, denn mein Beichtvater verbietet mir, länger zu bleiben, als in zwei heiligen Messen, und wenn ich mich mit Dir einlasse, dann vergesse ich den Gehorsam.“ Augenblicklich verließ mich die Gewalt und zog sich zurück.

Mein Beichtvater kam fort, und ich zog in einer neuntägigen Andacht die liebe Muttergottes zu Rate, wen ich mir an seiner Statt wählen sollte. Die liebe Muttergottes teilte mir mit, daß ich zu Pater Alphons gehen solle. Als ich nun diesem von meinen übernatürlichen Dingen gesagt hatte, wies er mich anfangs barsch ab. Später aber befahl er mir, alles aufzuschreiben und ihm zu bringen. Dies tat ich auch mehrere Jahre hindurch, bis kurz vor dem Tod meines Bruders.

Die meiste Zeit, wo ich hier in Mainz zubrachte, hatte ich von meiner Schwägerin viel zu leiden. Besonders in der letzten Zeit, wo mein Bruder noch lebte, da war es fast nicht mehr auszuhalten. Da war es nun, wo mein Beichtvater mir mehrmals sagte: „Hab nur keine Angst, ich sorge für dich, du brauchst aus Mainz nicht mehr wegzugehen.“

Und als ich einmal gar bitterlich bei ihm weinte, machte er wirklich Anstalten, mich irgendwo, wahrscheinlich in einem Stift, unterzubringen. Das war vor Weihnachten. Er hatte mir befohlen, eine Zeitlang nach N. zu gehen, zu meinem Bruder, bis er die Sache geordnet habe. Da ging ich eines Tages mit meinen zwei Nichten zur heiligen Messe. Bei der Wandlung schaute mein Geist statt der heiligen Hostie Christus, den Herrn, wie Er als Mensch lebte, und Er sprach zu mir:

„Meine Tochter, ich will nicht, daß du aus dieser Stadt weggehst. Auch sollst du in kein anderes Haus gehen, als da, wo ich dich hingestellt habe. Ich will dich meine Absicht wissen lassen.

Siehe damals, als deine Schwägerin aus dem Kloster austrat, um deinen Bruder zu heiraten, hat Satan Meiner sehr gespottet, weil diese Klosterfrau seinen Versuchungen nicht widerstand. Ich will ihm aber zeigen, was eine Jungfrau aushalten kann, die Mich liebt. Diese Klosterfrau hatte eine fromme Jugendzeit durchlebt, und Satan brachte sie zum Fall. Dich habe Ich nun an ihre Seite gestellt, denn Ich will sie retten. Auch habe Ich dich deswegen in eine Wirtschaft geführt, um der Welt zu zeigen, daß man Mir überall dienen und Mich lieben kann. Bleibe also, wo Ich dich hingestellt habe. Wenn auch dein Bruder bald stirbt, so gebe Ich dir die Versicherung, daß deine Schwägerin nicht mehr heiraten wird.“

Dies sagte ich meinem Beichtvater. Dieser lachte mich aus, und sagte: „Nun gut, so warte es doch ab, bis man dich hinausschmeißt.“

Einmal fragte ich nun den lieben Heiland, warum Er mir noch gar nichts von Seinem Leiden mitgeteilt habe, während Er mich doch sonst schon so vieles wissen ließ. Da sagte er mir: „Weil du noch nicht darauf vorbereitet bist.“ Dies war etwa Eineinhalbjahr vor dem Tode meines Bruders. Mein Beichtvater muß diese Worte ausgelegt haben, als wolle der liebe Heiland ihm sagen, er soll mich darauf vorbereiten. Denn lange Zeit erinnerte er mich in jeder Beichte an das Leiden Christi, aber dies half wenig, weil mir die Gnade noch innerlich fehlte.

Die härtesten Prüfungen hatte ich hier in Mainz durchzumachen in den Jahren 1891 und 1892, nicht nur von meinem damaligen Beichtvater, sondern auch von meiner Schwägerin. Im Winter 1891 glaubte man, jeder Tag sei der Todestag meines Bruders. Seine Frau, die das friedliche, sorgenfreie Leben geopfert hatte, um dieses kummervolle, sorgenschwere Eheleben einzutauschen, stand nun an seinem Sterbebett, der noch die einzige schwache Hoffnung ihres vermeintlichen Lebensglückes war, mit zwei Kindern von fünf und sieben Jahren. Von allen Seiten drohte man ihr, sie um die Wirtschaft zu bringen, womit sie doch ihr tägliches Brot für die Kleinen verdienen mußte. Anstatt nun meinen armen Bruder trösten zu können in seinen unsäglichen Schmerzen, machte sie ihm noch am Sterbebett Vorwürfe, er sei selbst schuld an seinem frühen Tod, und er habe sie jetzt mit ihren Kindern in solches Elend gestürzt.

Man kann sich leicht denken, wie bei solchen Zuständen sich beide gegen den mit jedem Tag näher rückenden Tod wehrten. Um keinen Preis gab er sich dem Gedanken hin, er werde sterben. In sich ganz zerfallen vor Kummer und Sorgen, Tag und Nacht von den Schmerzen der Krankheit gequält, wußten beide ihre Ungeduld und ihre Abneigung gegen mich gar nicht genug auszulassen. Es scheint, daß meine Schwägerin in jener Zeit, nach dem Tod ihres Mannes, mich aus dem Haus schaffen wollte.

Kurz, wenn ich morgens aus der Kirche kam, da ging das Schimpfen und Schikanieren schon los und hörte erst auf, wenn die Augen nachts vor 11 Uhr zufielen. Tränen waren mein Nachtgebet. Ich dachte immer, wenn mein Bruder in diesem Zustand stirbt, ist er unrettbar verloren, und deshalb redete ich beiden manchmal zu, ob ich denn nicht einen Priester rufen dürfe. Aber da kam meine Schwägerin ganz außer sich. Mein Bruder sagte aber dann, um seine Frau zu beruhigen: „Ich gehe schon einmal in die Kirche und werde auch beichten.“

Nun wandte ich mich in meiner Angst mit einer neuntägigen Andacht an den heiligen Josef und empfahl ihm die Seele meines Bruders. Und dank dem heiligen Josef, schon am dritten Tag sagte meine Schwägerin, als ich von der Kirche heim kam: „Mein Mann will beichten. Du kannst gleich hinüber ins Pfarrhaus gehen und Herrn Kaplan rufen.“ Vorher war ich schon einmal heimlich zum Pfarrer gegangen und hatte ihm gesagt, daß mein Bruder bald nach Aussage des Arztes sterben solle, denn er hatte Lungensucht, und ich bat ihn, einmal meinen Bruder zu besuchen und ihm zuzureden, was er auch tat. Er wurde aber von beiden abgewiesen. Aber jetzt wollte man den Priester rufen. Glücklich über solche Sinnesänderung, ging ich den Kaplan zu rufen, und so beichtete er die elf Wochen, die er noch lebte, noch viermal und starb sehr erbaulich. Er selbst sprach für sich die Sterbegebete.

In jener Zeit war es, wo ich einmal in der Kapuzinerkirche den Kreuzweg betete. Bei der 5. Station konnte ich nicht mehr weiter, weil ich kein Gefühl mehr hatte. Mein Geist schien ganz versenkt in das Leiden Christi, denn die Welt war meinen Sinnen wie entschwunden. Ich sah den lieben Heiland auf mich zukommen mit einem schweren Kreuz auf dem Rücken. Neben mir blieb er stehen, und ich schaute in sein heiliges Angesicht, das mit dicken Schweißtropfen bedeckt zu sein schien. Er blickte mich liebevoll an, und sagte:

„Meine Tochter, willst du Mir folgen?“ Ich zögerte und dachte nach, was das bedeute. Er aber fuhr fort: „Wenn du Mir dienst, wie bisher, so kommst du auch in den Himmel. Willst du Mir aber Freude bereiten, so folge Mir auf dem Weg, den Ich dich jetzt führen will. Ich verlange aber dazu deine Einwilligung.“

Ich wußte gar nicht, was ich nur machen sollte. Ich fürchtete, ich könnte getäuscht sein und doch wußte meine Seele, daß dies der Herr, unser Gott sein müsse, der ihr Leiden anbieten wollte, die ihr seither nie begegnet waren. So lag ich nachmittags von zwei bis vier Uhr auf der Erde ohne Gefühl, bis die Kinder meines Bruders mich aufsuchten. Bald darauf wiederholte sich dieselbe Erscheinung, und jetzt sagte ich es meinem Beichtvater, welcher mir zur Antwort gab: „Ja, den Willen Gottes müssen wir tun.“ In der darauffolgenden Woche kam diese Erscheinung erneut. Und nun sagte ich ganz entschieden:

„Herr, führe mich, wie du willst, und schicke, was du willst, ich will dir folgen. Nur gib meinem unbeständigen Willen auch die Kraft, alles zu ertragen, was noch Schweres über mich ergehen soll.“

Dies war nach Neujahr 1892, und nun kam nichts Besonderes vor, so daß ich hätte denken können, dies könne ein anderes Kreuz sein, als dasjenige, welches ich bis jetzt getragen hatte. Daß mein Bruder starb und mir damit die Hoffnung auf eine weitere Existenz hier in Mainz abgeschnitten wurde, war mir kein Kreuz, weil ich sah, wie geduldig und gottergeben mein Bruder jetzt litt und starb. Und für mich hatte ich ja meine ganze Hoffnung auf Gottes Wort, das ich vor Weihnachten im Dom gehört hatte, gegründet. So vergingen weitere zwei Monate.

Am Fastnachtssonntag kommunizierte ich wieder wie gewöhnlich in der Kirche. Der Herr hatte aber an diesem Tag meine Seele so in Besitz genommen, daß ich es gar nicht merkte, wie weit die Zeit schon vorgerückt war. Plötzlich überfiel mich eine solche Gewalt, daß ich gar nicht mehr Herr war über mich selbst. Mein ganzer Körper wurde mit solcher Gewalt geschüttelt, daß meine Glieder krachten, und ich war nicht imstande, mich auch nur im geringsten dagegen zu wehren. Dies mußte doch von Leuten gesehen und den Patres im Kloster gemeldet worden sein, denn es kamen zwei Patres und wollten mir behilflich sein, weil sie es wohl für Schwäche hielten. Sie ließen mir Kaffee und ein Gläschen Wein in die Kirche bringen, aber ich konnte vor lauter Schütteln nichts davon zu mir nehmen. Und dabei sprach eine Stimme in mir:

„So wie in diesen Tagen die Kinder der Welt, die doch Glieder Meines Leibes sind, diese Glieder nur gebrauchen, um Satan damit zu dienen, so sollen deine Glieder zerrissen werden. Du sollst Mich entschädigen, indem du mit Mir leidest.“

Daraus erkannte ich aber, daß dies nichts Natürliches sein könne. Als das furchtbare Schütteln immer wiederkehrte, sobald sich diese Stimme hören ließ, wurde mir es unheimlich, und deshalb fragte ich die beiden Patres nach meinem Beichtvater. Denn diese Herren wußten ja gar nichts von mir und kannten mich nicht. Aber mein Beichtvater ließ sich nicht sehen. Damit will ich nur den Schmerz ausdrücken, daß er in den drei Jahren, seitdem ich dieses Leiden an mir hatte, nichts mehr von sich hören und sehen ließ. Nach drei Jahren starb er. Dieses Leiden wiederholte sich alle Freitage der ganzen Fastenzeit und ebenso im Advent.

Anmerkung: Seit Fronleichnamsfest 1895 tritt das oben gemeldete Leiden mit darauffolgender Ekstase auf: an allen Vigilien der großen Feste unseres Herrn und der lieben Muttergottes bei letzteren oft Schlag Mitternacht, an Festtagen der minder großen Feste im Advent und in der Fastenzeit meist donnerstags, freitags und samstags, zur Zeit der Priesterexerzitien jeden Donnerstag und Freitag, an allen Freitagen des ganzen Jahres mit Ausnahme des Monats November, bei der Ewigen Anbetung in meiner Pfarrkirche, am letzten Tag des Großen Gebetes in der Stadt, am Portiuncula-Fest, schließlich an Vigilien vom Fest der heiligen Familie, St. Peter und Paul, der heiligen Magdalena und Clara, des heiligen Erzengels Michael, Franz von Assisi, Johannes des Evangelisten, Johannes des Täufers und St. Barbara.

Das Leiden ist charakterisiert durch einen dreimaligen auffallenden Ansturm, wo der ganze Körper geschüttelt wird wie ein Baum im Winde und der Kopf von einer Seite zur andern heftig und gewaltsam hin- und hergeschleudert wird. Wer es nur einmal gesehen hat, kann leicht ermessen, daß nach einer so gewaltigen Erschütterung des Gehirns der Mensch kaum fähig ist zu einem vernünftigen Gedanken, geschweige denn zu einer wohlgesetzten Rede. Der Erfahrung nach weiß man, daß, wenn der erste Sturm vorüber ist, die beiden anderen ganz sicher darauf folgen und unmittelbar nach dem dritten Anfall die eigentliche Ekstase beginnt. Kaum eine Minute nach dem dritten Leidenssturm hat der eben noch so sehr geschüttelte und gequälte Körper wieder seinen normalen Zustand, die vollständige Ruhe und die volle Kraft der Stimme, und sie fängt sofort an, ein Loblied zu singen. Da der dreimalige Sturm mit Pausen von 20 Minuten, oft noch länger oder auch mal kürzer, auftritt, so hat man Zeit, jemanden zu rufen, um die Worte des Herrn aufschreiben zu können.

Das erste Mal, wo dieses Leiden mich in einer Mainzer Kirche überfiel, ließ mich eine mir unbekannte, mitleidige Dame nach Hause fahren. Gott allein ist es bekannt, was ich in den drei letzten Jahren vor dem Tode von P. Alphons († 1895) an meiner Seele unter seiner Leitung gelitten habe wegen dieses übernatürlichen Leidens. Von jener Stunde an verbot er mir, die Kapuziner-Kirche nochmals aufzusuchen. Ich durfte sie nur betreten, wenn ich beichten ging. Anstatt eines Wortes der Ermunterung, konnte ich hören: „Du bist närrisch! Für was legst du denn den langen Weg in die Kirche hin? Es ist der Teufel in dir. Pack dich aus meiner Kirche! Geh in deine Pfarrkirche, denn von allen Seiten werde ich aufgefordert, dich aus der Kapuziner-Kirche zu vertreiben.“ Das einzige, was mich noch aufrecht hielt, war, daß Er mir den Auftrag gab, täglich zu kommunizieren.

Nun ging ich in meine Pfarrkirche. Dort ging ich aber noch keine vierzehn Tage hin, als mir die Pfarrkirche vom dortigen Pfarrer gleichfalls verboten wurde. In der nächsten Beichte fragte ich wieder, wo ich denn jetzt kommunizieren solle, und er befahl mir, in die S.-Kirche in Mainz zu gehen. Da ich noch nicht die Erfahrung hatte wie jetzt, wo ich doch weiß, wie sich das Leiden entwickelt, und ich zu Hause bleibe, wenn sich die Vorboten einstellen, so war ich ganz untröstlich. Ich dachte nämlich, das Leiden werde sich auch in der Kirche einstellen, und ich dort auch fortgeschickt werde. Deshalb weinte ich eine ganze Nacht und beklagte mich sehr beim lieben Heiland, und sagte ihm: „O lieber Jesus, wenn ich nun dort auch noch fortgeschickt werde und ich Dich auch noch lassen muß, so hab ich ja gar keinen Halt mehr!“ Nach Mitternacht hörte ich die Stimme, die mir sagte:

„Steh’ auf und geh in die Kapuziner-Kirche, ich will für dich sorgen, daß dir nichts mehr vorkommt.“

Da dachte ich bei mir, so will ich denn der Stimme so lange folgen, bis ich zu meinem Beichtvater komme und ihn fragen kann, was ich machen soll. Am folgenden Samstag sagte ich es meinem Beichtvater, und er sagte dann ganz bewegt: „Ja, ja Kind, es ist recht so, komm nur wieder in diese Kirche.“

Dies alles ist jetzt leicht niederzuschreiben, denn ich brauche nicht erst Worte zu studieren, wie ich gestern im christlichen Unterrichte gehört habe, daß es Leute gibt, die ganze Bücher zusammenlügen und erdichten könnten. Auch ist es leicht zu lesen.

Wer es aber liest, den bitte ich um sein Gebet, um Kraft für mich Arme, denn meine inneren Leiden hören noch nicht auf. Ich bitte aber auch alle Leser dieser Zeilen, wenn ähnliche Leiden über sie kommen sollten, abzusehen von den Menschen und sich ganz allein an Gott anzuklammern, der das arme Herz doch zur rechten Zeit zu trösten weiß.

So verging das erste Jahr, ich durfte nichts mehr sagen, noch aufschreiben, und mußte diesen Geist als unecht verwerfen. Und um meinen Geist ganz seiner Leitung zu unterstellen, nahm mein Beichtvater am Dienstag in der Karwoche 1892 mir die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ab. Als ich an jenem Tage heimkam von der Kirche, kniete ich vor einem Muttergottesbild nieder und wollte meine Danksagung verrichten. Meine Seele ward dabei in ihren Seelenbräutigam so verzückt, daß meine Verwandten mich erst gegen Mittag fanden. Mein Kopf war auf die Spitze eines Möbels gestützt, und in meinem Gesicht waren Spuren zu sehen, daß ich hart gelegen haben mußte. Von jetzt an war ich still und sagte nichts mehr von meinen Zuständen. Aber wenn ich kommunizierte und die liebevolle Unterhaltung mit meinem lieben, guten Jesus, der das einzige Zentrum meiner Seele war, entbehren und mündliche Gebete verrichtete mußte, war mein Schmerz unbeschreiblich groß.

Einmal kniete ich nun nach der heiligen Kommunion und war voller Sehnsucht, mit dem Innigstgeliebten meines Herzens wie früher in Wirklichkeit zu verkehren. Ich hätte so gerne Seinen Herzenskummer geteilt, den Er mir schon so oft geklagt hatte über den Undank so vieler Menschen, die Seine Liebe verachten, und so kniete ich heftig und bitterlich weinend in der Kapuziner- Kirche. So gern hätte ich Seine Liebe mit Gegenliebe erwidert. Dies konnte ich jetzt nicht mehr, weil ich ja nicht mehr glauben durfte, daß Er es ist, der Sich würdigt, bei einer armen Sünderin Seine Freude und Seinen Trost zu suchen. Auf einmal sah ich aus dem Tabernakel eine Gestalt kommen. Am ersten Stuhl blieb Er stehen und schaute nach mir herüber, denn ich kniete ganz an der Wand. Ich erkannte wohl den Bräutigam meiner einzigen Liebe und bat und flehte: „O Herr, komm doch näher, komm an mein Herz. Sieh, ich kann ja ohne Dich nicht länger mehr leben.“ Er aber blieb stehen und blickte mich traurig an. Nun erst sah ich, daß ihm Hände und Füße gebunden waren. Ja, Sein ganzer Leib schien in einem Fischernetz zu stecken. Die Erscheinung verschwand, ohne mir das Geheimnis zu erschließen, was dies eigentlich bedeute.

So verfloß der Sommer, und ich betete wie die Kinder aus einem Buch oder andere mündliche Gebete. Aber meine Seele war überaus unglücklich. Und wenn ich darüber meinem Beichtvater berichtete, gab er mir zur Antwort: „Kind, du bist ganz verwöhnt. Du meinst, immer Süßigkeiten haben zu müssen. Folg mir nur schön, und du kommst gewiß in den Himmel.“

Es kam die große Gebetswoche im Juli. Als ich in meiner Pfarrkirche dem Großen Gebet beiwohnte, sah ich diese Erscheinung wieder. Aber diesmal war sie näher bei mir. Heute aber bat ich inständig, der Herr möge mir doch erschließen, was dies bedeute. „Ach“, sagte ich, „mein lieber Jesus, bin ich denn schuld, daß Du so gebunden bist? Nicht wahr, meine Sünden sind die Ursache dafür? Meine Leidenschaften halten dich gebunden!“ Er aber sprach: „Dein Beichtvater hat dies getan. Ja, es ist traurig, auch da noch seinen Dienern nachstehen zu müssen, obwohl Ich eine Seele schon jahrelang durch meine Einsprechungen und Erleuchtungen an Mich gezogen habe.“

Danach sagte ich einmal zu meinem Beichtvater: „Ich fühle mich unglücklich, weil ich mich beständig ängstige, ob ich auch die Gelübde halten kann.“ Denn ich fühlte mich beständig innerlich angetrieben, meinen Beichtvater zu bitten, daß ich ihm mitteilen dürfe, was ich in der Großen Gebetswoche erfahren hatte. Da ward er sehr ungehalten gegen mich, und sagte: „Gut, die Gelübde sind von heute an wieder aufgehoben.“ Nun war ich aber noch unruhiger: „Glaubst du denn“, schrie er mich an, „du hast einen dummen Kaplan vor dir, der dir alles glaubt. Da müßte ich ja der größte Esel sein, der auf der Welt herumläuft, wenn ich die Dinge glauben wollte, die du mir erzählst. Nein, ich glaube gar nichts mehr. Kein Wort will ich mehr hören, und wenn dir dies nicht recht ist, so gehe doch zu einem anderen Beichtvater.“

Sechs Jahre zuvor hatte mir derselbe Beichtvater unter Gehorsam befohlen, nichts zu verschweigen von meinen übernatürlichen Gnaden, ihm stets alles aufrichtig zu sagen, und weil ich im Beichtstuhl nicht alles sagen konnte, befahl er mir, es aufzuschreiben und es ihm zu bringen. Und wenn es noch so schlecht geschrieben wäre, weil ich meistens bei der Nacht und im kalten Zimmer schreiben mußte und mich deswegen entschuldigte, sagte er jedesmal beruhigend: „Kümmere dich nicht darum, ich kann es lesen.“

Aber welche Verdemütigungen er damit zu verbinden wußte, ist gar nicht zu beschreiben. Nur einmal ließ er mich ins Sprechzimmer kommen, und da sagte er:

„Du brauchst gar nicht ängstlich zu sein, es ist der liebe Heiland. Der Herr hat das Schwache erwählt, um das Starke zu beschämen.“

Nachdem aber dieses auffallende Leiden eingetreten war, veränderte derselbe Beichtvater, ohne zu prüfen und ohne Bedenken, seine Verhaltensweise zu mir und sagte, er glaube jetzt nichts mehr. Drei Jahre hatte ich dies Leiden schon, als der Beichtvater ganz plötzlich starb.

Im ersten Jahr hatte er gesagte, es sei der Teufel. Aber er tat nichts, um zu untersuchen, ob es denn so sei. Im zweiten Jahr sagte er, es sei „selbstgemachtes Zeug“ und zuletzt behauptete er, es sei „Krankheit und Hysterie“. Es ist nicht zu beschreiben, welche inneren Beängstigungen ich schon deswegen ausgestanden habe. War ich krank, was infolge des vielen Kummers öfters vorkam, ließ er keinen Priester zu mir ans Bett kommen, auch haben meine Verwandten vergeblich meine Bitten vorgetragen, beichten zu dürfen. Besonders war dies einmal der Fall in der Adventszeit, wo ich mehrere Male ins Kloster schicken ließ, er aber antwortete: „Es kommt keiner.“ Und doch kann ich dem lieben Gott nicht genug danken, daß Er mir gerade diesen klugen, in der Seelenleitung so umsichtigen Beichtvater gegeben hatte. Niemals ließ Gott zu, daß ich ihm gegrollt hätte, wenn auch manchmal ein kleiner Unwille mich überkam, so klagte ich mich sogleich darüber an.

Wenn mir ja der Gedanke kam, meinen Beichtvater zu verlassen, so wies mich der Herr immer gleich zurecht. Einmal kam mir auch der Gedanke, ich würde nichts verlieren, wenn ich mal bei einem anderen beichten ging. Denn so gut, wie du es jetzt hast, dachte ich, kannst du es überall haben. Doch betete ich inständig um Erleuchtung, daß, wenn es Gottes Wille nicht wäre, er mich zurechtweise. So kam der Samstag, wo mein Beichtvater am Muttergottesaltar die heilige Messe las, welcher ich beiwohnte.

Bei der heiligen Wandlung ging ein solcher Glanz von der heiligen Hostie aus, daß mein Beichtvater ganz von diesem Glanz umgeben war, er stand ganz in dem Glanz.

Das war für mich das Zeichen, daß er nicht unrecht an mir gehandelt hatte, sondern daß seine Seele ganz in Ordnung sei, und ich staunte. Bei der heiligen Kommunion, als er kommunizierte, sah ich den lieben Heiland statt der heiligen Hostie, und ein Glanz ging von ihm aus, und ein Strahl davon traf auch auf mich, der mich so anzog, daß er mich gleichsam durch dem Priester und N. in sich zog, und wir alle drei in ihm verschmolzen. Das war dann für mich das Zeichen, daß ich auch weiterhin durch ihn muß geleitet sein.

Ein anderes Mal, nachdem ich viel von ihm auszuhalten hatte, war ich wieder in der Kirche, als er eine heilige Messe las. Bei der heiligen Opferung opferte ich mich mit dem Priester auf, und wie ich dies so tun wollte, da erhob sich zwischen dem Altar und mir eine dunkle Wolke, als wenn Nebel vor die Sonne tritt und sie verfinstert. Ich erschrak, weil ich meinte, ich sei im Stande der Ungnade. Diese Erscheinung dauerte bis nach der Kommunion. Ich bat lange darum, der Herr möge mir doch erklären, was das bedeute. Und der Herr sagte, Er wolle mir nur sein Mißfallen darin zeigen, daß mein Beichtvater mich so ganz ohne Schutz und Hilfe lasse und er deshalb auch nicht teilnehme an den Gnaden, die Er mir gebe.

Ein anderes Mal war mir geraten worden, ihn zu verlassen, weil man sagte, es wäre besser, wenn ich in den übernatürlichen Dingen eine Leitung hätte. Mein Inneres aber sagte mir: „Bleibe!“ Während der heiligen Messe auf Portiuncula sah ich eine ganze Schar Heiliger. Sie zogen in Prozession an mir vorbei und jedes hatte ein prächtiges Blumenbukett in der Hand von den verschiedensten Blumen. In der Mitte lag ein Zettel darauf, auf welchem der Name meines Beichtvaters stand „Durch N.N.“ und es wurde mir bedeutet, daß sie alle durch ihn die ewige Seligkeit erlangt hätten. Daraufhin entschloß ich mich, bei ihm zu bleiben.

Anmerkung: Erst Mai 1897 erfuhr die Schreiberin durch eine ihr befreundete Person, welche mit Pater Alphons viel verkehrte, und der er die Aufzeichnungen, die er sich von Barbara machen ließ, sehr oft zum Lesen gab, daß Pater Alphons sich häufig folgendermaßen äußerte:

„Das Mädchen ist doch so einfach und anspruchslos und macht so gar nichts aus sich, und ich demütige sie immer so sehr, und doch kommt sie immer von neuem wieder, es muß doch was dran sein. Auch ist es sehr zu verwundern, daß sie dabei ein so sehr tätiges Leben führt.“

Der liebe Gott ließ es nicht zu, daß mein Beichtvater starb, bevor er seine Meinung ausgesprochen hatte. Einige Monate vor seinem Tod ließ er mich ins Sprechzimmer kommen und sagte: „Nun habe ich dich lang genug geprüft, jetzt ist es genug. Wenn du etwas hast, so sage mir es. Aber laufe nicht mehr sonst herum. Und mit dem Übernatürlichen, das kann ich halt auch nicht wissen.“ Von dort an war er nicht mehr so grob, und als ich im Advent wieder krank war, kam er selbst und nahm mir die Beichte ab, wie mir eine innere Stimme einige Zeit vorher schon gesagt hatte.

Nun frage ich, kann sich der Mensch bei all seinem guten Willen in seinem heiligen Glauben so täuschen? Die heilige Kirche lehrt, daß niemand sagen kann „Herr, Herr“, außer im Heiligen Geist. Und der heilige Paulus sagt: „Prüfet die Geister, was gut ist, behaltet.“ Was mich in allen Leiden aufrecht hielt, war, daß ich sah, wie mich der liebe Gott gleichsam an der Hand führte, all die Worte und Verheißungen in Erfüllung gehen ließ, die Er mir gegeben, und die ich mit Augen sehen und mit Händen greifen konnte. Ich habe schon oben gesagt, daß Er mich zu Haus schon jahrelang aufforderte, um die öftere heilige Kommunion zu bitten, und in den letzten Jahren noch zudem verhieß, daß ich diese Gnade noch erlangen werde, aber nur dann, wenn ich meinen Willen Seinem göttlichen Willen ganz unterworfen haben werde.

Als mir gesagt wurde, daß ich mich von jetzt an als Schutzkind des heiligen Ignatius betrachten solle, war es sehr fraglich, ob mein Bruder, der damals die Bierwirtschaft in der Neutorstraße in Mainz hatte, immer in der gleichen Pfarrei bleiben werde. Denn er war nur Pächter und konnte als solcher alle sechs Monate in ein anderes Stadtviertel versetzt werden. Darum kann es nur Gott sein, der alles so gelenkt hat. Er allein weiß unsere Wege zu leiten. Und es hat den Anschein, als ob ich wirklich in dieser Pfarrei bleiben werde, denn das Lokal kann jetzt nicht mehr von unserem Pachtherrn gekündigt werden, weil er selbst das Haus angekauft hat, und jetzt sind wir schon elf Jahre da. Ferner sagte mir jene Stimme:

„Bleibe, wo ich dich hingestellt habe. Ich will deine Verwandten segnen, daß du im Überfluß sollst zu leben haben.“

Wollte man dann behaupten, so was könne man sich einbilden. Ja, einbilden können sich's die Menschen, aber ausführen kann es nur der liebe Gott. Und er hat es ausgeführt. Denn während meine Schwägerin im ersten Jahr vor der Verheißung 700 Mark zusetzen mußte, konnte sie im folgenden Jahr schon 500 Mark auf die Sparkasse tragen und jährlich mehr.

Die Stimme, die in mir spricht, sagte ferner: „Deine Schwägerin heiratet nie mehr. Bleibe bei ihr, denn ich will sie retten und der Welt zeigen, was eine Seele erträgt, die mich liebt.“ Wie hat sich dieses bewährt! Mein Beichtvater sagte einige Male in der Zeit, wo sie noch so sehr gegen mich war, „sie heiratet wieder, du wirst sehen.“ Mehr als zehn bis fünfzehn Freier waren schon da, aber jetzt ist Ruhe eingekehrt, weil jedermann ihren entschiedenen Charakter kennt. Ja, einbilden können wir's uns, aber ausführen kann es nur der liebe Gott. Als mein Bruder an der Influenza erkrankte, sah ich in der Ignatius-Kirche bei der heiligen Wandlung, wie ein Engel etwas in den Kelch hineinlegte. Ich fragte den lieben Heiland, was dies zu bedeuten habe, und erfuhr, es sei das Opfer des Lebens meines Bruders, und es ging in Erfüllung, zwei Jahre später.

Als mein Beichtvater meiner Schwägerin gesagt hatte, er ließe sich nie mehr überführen, es sei nur Einbildung von mir oder der böse Feind, da beklagte sich meine Schwägerin mit Entschiedenheit, daß ich so manche Stunde mit diesem Leiden versäume, besonders in der Advents- und Fastenzeit, und wenn sie etwas an mir merkte, fing sie an zu toben, daß ich mir nicht mehr zu helfen wußte. Sie sagte, sie könne so etwas in ihrer Wirtschaft nicht brauchen, sie brauche solches dummes Zeug nicht zu dulden, wenn auch die Geistlichen nichts darauf gäben. Wie oft mußte ich die Worte von ihr hören: „Pack dich aus dem Haus, denn du verdienst nicht das Wasser, das du trinkst.“ Und doch war der Segen Gottes so sichtbar in der Familie, daß es, während es früher immer rückwärts ging, es nun beständig aufwärts ging.

Am 1. Freitag im Advent wurde mir gesagt, daß kein Priester an mein Bett kommen werde, und ich müsse fünf Wochen zubringen ohne die heilige Kommunion. Und so war es auch, denn ich war krank und konnte nicht in die Kirche. Alles Bitten war vergebens, und kein Priester kam an mein Krankenbett.

Am letzten Freitag im Advent sagte die Stimme: „Bis übers Jahr hin, bis es Weihnachten wird, werde ich deine Schwägerin und deinen Beichtvater überführen.“ In diesem Augenblick sah ich meine jüngste Nichte, damals sieben Jahre alt, ein liebliches, blühendes Mädchen, auf der Totenbahre liegen, ganz weiß gekleidet und mit Blumen bedeckt. Meine andere Nichte sah ich zum Altar treten mit einem sehr anständigen jungen Mann, um sich trauen zu lassen. Als ich mich nach meiner Schwägerin umschaute, sah ich sie nicht, und hörte die Worte: „Bei dieser Nichte wirst du bleiben.“

Wenn ich im Laufe jenes Jahres an die Erfüllung dieser Verheißung dachte, mußte ich weinen, denn dieses Mädchen war mein und seiner Mutter Augapfel. Und wirklich: Zehn Tage vor Weihnachten kam sie aus der Schule und klagte über Kopfschmerzen. Der Arzt erklärte es für Influenza, und es war Hirnentzündung dabei, und drei Tage vor dem Weihnachtsfest wurde sie begraben. Nun war meine arme Schwägerin überführt, aber mit welchem Verlust. Sie stand das Jahr vorher an meinem Bett, als ich es ihr sagte, daß ich ihren Liebling so gesehen hätte. Als ich es aber meinem Beichtvater mitteilte, daß jetzt das eingetroffen, was ich letztes Jahr ihm gesagt, antwortete er mir: „Wenn man dem Esel ein Buch vorlegt, trifft er auch manchmal einen Buchstaben ,a’ oder ,i’.“ Deshalb glaube ich ganz fest, daß der liebe Gott meinen Beichtvater zu sich nahm, weil er es nie zugegeben hätte, daß jemand ein Wort erfahre.

Vor sieben Jahren wurde ich einmal nach A. gerufen, weil man dort in der Familie meines Bruders ein neugeborenes Kind erwartete. Er hat eine Bäckerei und mehrere Dienstboten, da sollte ich den Laden versehen, bis seine Frau wieder gesund sei. Sie hätten es gar gerne gehabt, daß ich nicht so früh in die Kirche gegangen wäre, weil gerade um diese Zeit im Laden am meisten zu tun war. Ich wollte aber doch kommunizieren, und da mußte ich früh in die Kirche, denn sonst wurde keine Kommunion ausgeteilt. Ich war schon mehrere Wochen da, und das Kind war noch nicht zur Welt gekommen, und ich mußte oft hören, das viele Kommunizieren sei nicht gut, weil man wußte, daß ich deswegen so früh in die Kirche ging.

Einmal kam ich heim, da fielen mich beide an. Mein Bruder sagte: „Eben haben wir von dir gesprochen, du bist mir wirklich ein Rätsel. Du liefst von zu Haus weg und kümmerst dich gar nicht um dein späteres Schicksal. Du sorgst nicht für dein Fortkommen, ich glaub, du bist nicht recht gescheit.“ Dabei blickten sie beide mir prüfend in die Augen, um die Narrheit herauszulesen. Dies schmerzte mich sehr, denn ich wußte, daß ich um mein Glück kommen sollte, um die heilige Kommunion.

Weil ich nun dachte, sie könnten am Ende recht haben, so ging ich an demselben Tag noch fünf Stunden von dort in meine Heimat, um das Verlangen nach der heiligen Kommunion zu unterdrücken, weil ich meinte, ich könnte mich am End daran gewöhnen, denn in meiner Heimat war kein Priester. Als ich aber fünf Tage dort war, zog mich eine solche Gewalt wieder nach A., daß ich in der Nacht aufbrach und zurückging. Am andern Morgen bei der heiligen Kommunion belohnte mir der Herr mein Verlangen nach ihm und half mir alle Schwierigkeiten überwinden, wie sehr Er verlangt, daß wir ihn oft empfangen. Als ich von der Kommunionbank zurückgekehrt war, sagte eine Stimme in mir: „Geh hin und sage deiner Schwägerin, daß sie bald von ihren großen Beschwerden befreit werde. Sie werde einen kräftigen, gesunden Knaben gebären, den er aber bestimmt habe, dereinst Priester zu werden.“

Und als ich den ganzen Tag zögerte und nichts sagen wollte, wurde ich am Abend, wo ich eine Muttergottes-Gnadenkirche besuchte, noch einmal dazu aufgefordert. Die liebe Muttergottes sagte:

„Was hat dir mein Sohn aufgetragen? Warum befolgst du es nicht? Geh nur hin und sag es deiner Schwägerin.“

Als ich heimkam, saß meine Schwägerin da und weinte. Sie hatte mein Gebetbüchlein in der Hand, in dem ein Brief meiner Klosterschwester lag, den sie eben gelesen hatte. Sie blickte mich an und sagte: „O glückliche Seelen, die ihr seid, du und Marie.“ Ich ging zu ihr hin und sagte, da die liebe Muttergottes sie selbst schon unterdessen umgestimmt hatte: „Sei zufrieden, auch dich hat der liebe Gott gerade so gern. Er läßt dir sagen, daß du bald entbunden wirst von einem gesunden, kräftigen Knaben, der aber einst Priester werden wird.“ Dies Kind kam am anderen Morgen zur Welt und ist jetzt acht Jahre alt.

Sein Vater erzählte mir an Ostern, daß er alle Freude an ihm habe, er sei in der Schule der fleißigste Schüler und brächte die besten Noten heim. Ein anderes Mal, als ich betete für meine Verwandten, wurde mir mitgeteilt, daß meine beiden Schwägerinnen in andern Umständen seien, aber daß die in A. sterben würde, wenn sie noch einmal gebären werde. Und es war so. Voriges Jahr brachte sie ein totes Kind zur Welt und starb bald darauf. Dieses Jahr (1896), als ich nach einem Besuch von A. zurückfuhr, weinte mein Bruder noch auf dem Bahnhof bei mir und sagte:

„Hätte ich dir doch damals geglaubt, als du mir sagtest, ich solle mit meiner Frau ein jungfräuliches Leben führen, was hätte ich jetzt ein schönes Leben. Aber jetzt ist es geschehen.“

Erwähnen will ich noch, was ich von meinem Vater erfuhr, weil ich daraus lernte, wie beharrlich man beten müsse: Mein Vater war schon dreizehn Jahre tot. Die Mutter und wir Kinder hatten immer große Angst, ob er wohl gerettet sei, weil er so dem Laster der Trunksucht ergeben war. Er erkrankte an Lungenentzündung und starb schnell, doch versehen mit den heiligen Sterbesakramenten. Wir waren immer so ängstlich, ob er zur himmlischen Gnade gekommen sei. Die Mutter betete jeden Abend mit uns für den Vater. Auch im Sommer, bei der strengsten Feldarbeit, durften wir Kinder nicht eher schlafen gehen, bis wir mit ihr für den Vater den Rosenkranz gebetet hatten.

Wir Kinder wuchsen heran, und ich hatte unterdessen schon den Entschluß gefaßt, nicht in den Ehestand zu treten und mein Leben Gott zu weihen, als im Jahre 1873, mehrere Stunden von meiner Heimat entfernt, die erste Mission, die ich erlebte, abgehalten wurde. Ich war damals an 27 Jahre alt. Ich erbat mir von meiner Mutter die Erlaubnis, sie mitzumachen, und auch von meinem Beichtvater bekam ich Erlaubnis, während der Mission täglich die heilige Kommunion zu empfangen. Ich war voller Freude. Um ja meiner Mutter nicht lästig zu fallen, bat ich sie um 18 Kreuzer und einen Laib Brot. Ich hielt mit großer Innigkeit die Mission mit und weinte und betete unaufhörlich für meinen Vater. Ich hatte eine solche Gabe der Tränen in jener Zeit, daß ich täglich zwei Taschentücher durchnäßte. Obwohl ich bei Verwandten hätte übernachten undessen und trinken können, schlug ich dies alles aus, und lebte wirklich nur von Wasser und Brot, volle sechs Tage lang.

In der Nacht vor dem Schluß der Mission nahm ich mir vor, in der Kirche vor dem Allerheiligsten Sakrament zu bleiben, um die ganze Nacht zu beten und zu weinen. Ich verbarg mich in einem Stuhl. Es bemerkte mich auch niemand, und die Tür wurde verschlossen. Es war die Woche vor Allerheiligen und schon bitter kalt. Aber wie es mir scheint, verlangte der liebe Gott dies Opfer nicht von mir, weil Er nie mehr fordert, als die Kräfte reichen. Gegen 11 Uhr nachts hörte ich auf einmal Tritte kommen und die Schlüssel rasselten. Schnell schlüpfte ich wieder in meinen Winkel, aber zu meinem höchsten Leidwesen kamen die Leute gerade auf mich zu und stießen laute Schreie aus in der Meinung, es sei ein Gespenst und liefen der Kirchentür zu. Es war der Glöckner, der mit zwei Mädchen gekommen war, um noch einen Kranz an ein Bild zu hängen. Dieser faßte den Mut, noch einmal nachzusehen, und redete mich an. Ich sagte zur Ausrede, ich wolle niemand belästigen mit Übernachten und wolle deshalb in der Kirche bleiben. Der Mann sagte, es sei zu kalt, er werde mir schon für eine Logie besorgen. So mußte ich mit ihm eine längere Strecke durchs Dorf laufen, aber es war nirgends Platz.

Ich versetzte mich im Geist zur heiligen Familie nach Bethlehem, wo sie abgewiesen wurde, denn wie dort hieß es überall: „Nein, kein Platz hier!“ Endlich erbarmte sich ein Mann und sagte: „Nun, wo meine andern Kinder sind, kann auch diese noch unterkommen. Komm nur.“ Ich trat in ein Kämmerchen, wo wir zu dritt auf einem Lager lagen. Ich konnte aber nicht schlafen. Um die Mitternachtsstunde sah ich auf einmal, als wenn eine Gestalt zur Tür hereinkäme und auf mich zu trete. Es war die liebe Muttergottes in einem weißen wallenden Gewand. Mit der rechten Hand machte Sie mir einen Zeigefinger, und ich erinnerte mich gleich, was Sie damit meinte, denn ich hatte ihr versprochen, jeden Abend den Rosenkranz vor dem Heiligsten Sakrament für meinen Vater zu beten, was ich an jenem Abend unterlassen hatte, weil ich dachte, ich könne es nachts tun, und fing deshalb gleich an zu weinen, weil ich verstand, was Sie meinte. Sie aber deutete mit der linken Hand in eine Entfernung. Ich schaute ihrer Hand nach, und schaute in eine weite Wildnis.

Später wurde mir zu wissen gegeben, was diese Wildnis bedeutete. Weil mein Vater nämlich gar zu gern in lustiger Gesellschaft sich aufhielt, und sein Geld im Jubel verpraßte, mußte er so viele Jahre lang in der Einsamkeit schmachten. In dieser Wildnis war nichts zu sehen als hie und da ein Dornenstrauch. Hinter einem solchen Dornensträuchlein sah ich meinen Vater ganz nackt bis an die Lenden. Seine Farbe war eine bläuliche Totenfarbe, und die ganze Haut war ein Flecken am anderen, der eine größer, der andere kleiner. Die Hände hatte er fest ineinander gefaltet, wie gezwängt, und war abgemagert wie ein Totengerippe, wenn die Haut noch darüber ist. Ich erkannte ihn nur noch an seinen Zügen und an seinem Lockenhaar. Er sah mich so bittend an, daß ich weinte bis in den Tag hinein.

Am Morgen fragte man mich, warum ich so geweint hätte, aber ich verriet nichts, sondern suchte in aller Frühe einen Priester auf. Diesem erzählte ich sofort meine Erscheinung. Er war sehr gerührt und sagte, das dürfe ich schon meiner Mutter sagen, und wir sollten für meinen Vater, der viel zu leiden haben müsse, etwas tun, besonders heilige Messen lesen lassen. Zum Schluß gab er mir als Priester die Versicherung, daß mir der liebe Heiland – wenn ich so fortfahre wie bisher – an einem Tag, wo die Gnaden recht reichlich flössen, auch zeigen werde, ob mein Vater erlöst sei oder nicht.

Wir ließen fünfundzwanzig bis dreißig heilige Messen lesen, und jedes Jahr hielt ich sehr strenge Fasten in der Allerseelenoktav bei Wasser und Brot, daß meine Kräfte ganz erschöpft waren, weil ich dabei streng arbeiten mußte. Trotz all der Tränen, die ich geweint, trotz all der Hitze der Feldarbeit, die ich ertrug, und ihm aufopferte, erfuhr ich nichts.

So mußte ich von der Mission an noch zwölf Jahre für ihn bitten, also fünfundzwanzig Jahre waren verflossen seit dem Tode meines Vaters, und nur einmal hatte ich in der Zwischenzeit einen Trost. Dies war vom 16. bis 18. Juli, wo der heilige Vater Pius IX. ein Jubiläum feierte und ein vollkommener Ablaß gewährt wurde. Ich ging in eine andere Kirche, um die heiligen Sakramente empfangen zu können. Eine sehr fromme Jungfrau schloß sich mir an und wir beteten und flehten bis ein Uhr nachmittags. Die Kirche war längst leer. Auf einmal sah ich vor mir zwei Gestalten: Die selige Maria Margareta Alacoque und die liebe Mutter Gottes, die vor dem lieben Heiland knieten, gerade so wie wir zwei. Die liebe Mutter Gottes sagte zu Ihrem Sohn: „Mein lieber Sohn, gewähre ihr doch die Bitte und zeige ihr ihren Vater.“ Der liebe Heiland saß auf einem gar wunderschönen Thron und schaute gar freundlich auf die beiden herab, und Er lächelte über die Bitte Seiner Mutter, und sagte, indem Er das Haupt schüttelte: „Die soll sich an ihre Sünden erinnern.“ Dabei aber sah ich im Hintergrund weit, weit hinten, vor mir meinen Vater, und das war für mich das Zeichen, daß ich noch viel beten müsse, bis er erlöst sei. Ich stand in der Mitte, vor mir die liebliche Erscheinung und weit, weit hinter mir meinen Vater. Dies war das Zeichen, daß ich ihn noch befreien könne, daß es aber noch lange dauern werde, bis er zur seligen Anschauung würde übergehen.

So vergingen weitere zwölf Jahre, und ich kam nach Mainz. Als ich die neun ersten Josefs-Mittwoche wieder mit großer Innigkeit abgehalten hatte, und an jedem meinen Vater empfahl, und den Herrn beständig daran erinnerte, daß das Wort des Priesters im Beichtstuhl Sein Wort sei, also Er mir das Versprechen gegeben habe, daß ich noch bei Lebzeiten erfahren werde, ob mein Vater erlöst sei, kniete ich am letzten Mittwoch lange, Stunde um Stunde, und weinte und flehte, bis es zehn Uhr war, und sagte: „Heute gehe ich nicht eher aus dieser Kapelle, bis ich erfahren habe, ob mein Vater erlöst ist. Gewähre mir doch die Gnade. Liebe Mutter, um Deiner Schmerzen willen, und du, heiliger Josef, um deiner Betrübnis willen und um all der Liebe willen, die dein göttlicher Pflegesohn dir erwiesen, müßt ihr mir diese Gnade gewähren, denn ich bin auch das Kind meines Vaters, und ich weiß, welche Peinen er erleidet. Ich gehe nicht von dieser Stelle, bis er befreit wird.“

Ich opferte unaufhörlich das kostbare Blut und alle heiligen Messen und Kommunionen für ihn auf. Auf einmal sah ich meinen Vater auf mich zukommen, aber nicht mehr wie vor zwölf Jahren, abgemagert und bleifarben. Er war so schön, so jugendlich, so vollkommen am ganzen Körper und streckte mir die Arme entgegen, als wolle er mich umfassen. Nur an seinen Zügen und an seinem Lockenhaar konnte ich ihn wiedererkennen. Doch war seine Hautfarbe gelb, wie Wachs, auch fehlte ihm die Frische, und sein Blick war nicht ganz fröhlich, er hatte noch etwas Trauriges in seinem ganzen Wesen. Ich sagte dies meinem damaligen Beichtvater, so hätte ich meinen Vater gesehen. Er wies mich ganz derb ab und sagte, solche Dinge könne er nicht beurteilen. Ich war sehr unglücklich, und weinte die ganze Woche, weil ich dachte: „Wie kannst du arme Sünderin dir einbilden, du hättest eine Arme Seele befreit, wenn ein so frommer Priester und Ordensmann davon nichts weiß.“ Denn ich meinte, das könne jedem Menschen vorkommen.

Bei meiner nächsten Beichte sagte ich ihm, ich sei tief beschämt über die Worte, die er mir gesagt, und ich wisse nicht, ob ich noch weiter für den Vater beten solle, und jetzt erst erzählte ich ihm den Vorgang vor zwölf Jahren. Darauf sagte er mir: „Du brauchst nicht zu zweifeln, daß es solche Dinge gibt in unserer heiligen Kirche. Ich bin aber noch ein junger Priester und mir ist solches noch nicht vorgekommen, aber nachdem, wie du mir die Erscheinung beschreibst, mußt du annehmen, daß deinem Vater noch das Kleid der Glorie fehlt. Du mußt also noch beharrlich beten, und ich verspreche dir, die ganze Woche dieses Anliegen in meiner heiligen Messe auch vorzubringen.“

So vergingen wieder acht Tage. Am ersten Sonntag ging ich früh in die Kirche und hörte alle sieben heiligen Messen, die an jenem Morgen gelesen wurden und betete unaufhörlich für meinen Vater. Nach der heiligen Kommunion rang ich mit dem lieben Heiland, und hielt ihn krampfhaft umfesselt. Damals hatte ich noch gar oft die große Gnade, Seine Nähe nicht nur zu fühlen, sondern Ihn auch zu schauen in sichtbarer Gestalt mit meinem geistigen Auge. Ich hielt Ihn so fest und sagte: „Ich laß Dich heute nicht gehen. Du mußt mir meinen Vater in den Himmel führen.“ Bei der letzten heiligen Messe fühlte ich einen solchen großen Schmerz in meiner Brust, ob von der übergroßen Anstrengung oder von einem geistigen Leiden, das ich für meinen Vater noch aushalten mußte. Als der Priester bei der heiligen Wandlung die Hostie emporhob, sah ich auf einmal auf der rechten Seite meinen Vater an den Altar treten, und so blieb er neben dem Priester stehen bis zur Kommunion. Als der Priester kommunizierte, sah ich meinen Vater in der heiligen Hostie, die der Priester empfing, verschmelzen. Die heilige Hostie und mein Vater waren verschwunden, und ich hatte eine solche überirdische Freude, ein solches Wonnegefühl, mit der Überzeugung, daß in diesem Moment mein Vater aufgenommen wurde in die himmlische Glorie, daß ich nicht daran zweifeln konnte.

Das ist mein Leben und einige Gnaden, die ich glaube, daß der liebe Gott sie in mir gewirkt hat, um mir zu zeigen, wie wenig ich getan, und wie vieles Er; wie wenig Er verlangt und wie viel Er gibt für das Wenige, das wir tun. Ich stelle alle Worte, die ich geschrieben, unter das Urteil derer, die dieses von mir verlangt haben. Finden sie nichts darin, das anderen Seelen nützen könnte, so werden sie diese Schrift vernichten.

Als ich heute frühmorgens nach der heiligen Kommunion meine Danksagung verrichtete, und ganz besonders dem Heiligen Geist für all die Gnaden dankte, und dem lieben Heiland, daß Er mich ganz besonders dem Heiligen Geist übergeben habe, um Ihn ganz besonders zu verehren und anzubeten, brachte ich Ihm neben anderen Danksagungen meine Schrift zum Opfer dar, und dankte Ihm für die liebevolle Leitung während des Schreibens – weil es mir oft vorkam, als stehe jemand neben mir und diktiere mir die Worte, denn ich brauchte gar nicht nachzudenken – und bat Ihn um Seinen Segen dafür.

Da hörte ich in meinem Innern die Worte: „Beunruhige dich jetzt nicht mehr und habe keine Angst, ob sie Anerkennung finde oder ob die Schrift verworfen werde. Ich sage dir, daß sie nicht verworfen wird, denn man wird nicht die Hand beachten, durch die die Gabe gereicht wird, sondern man wird auf Den schauen, von dem sie ausgeflossen. Sage N., es sei besser, wenn die Schrift zusammen gedruckt werde, denn bruchstückweise könne man den Geist, der daraus spricht, doch nicht so recht erkennen. Und fürchte dich nicht mehr, daß du Schaden leiden könntest, denn wenn Ich alle diejenigen retten will, die im Schifflein Petri sich befinden, auch wenn sie wenig darin tun, um wieviel mehr werde Ich diejenigen retten, die sich bemühen werden, daß dieses Schifflein sich erweitere in den Wogen der Welt, und daß es verschönert wird. Und dazu habe Ich nicht nur die Priester, Missionare und Ordensleute allein berufen, sondern alle, die Meiner Stimme folgen, und diese Meine Liebe und Erbarmung, die Ich ihnen zu erkennen gebe durch Meine Worte, auch auf andere zu übertragen suchen. Denn nicht nur im Anfang war es notwendig, daß Meine Kirche sich ausbreite auf Erden, sondern das wird so lange notwendig bleiben, wie die Welt steht. Und wenn die Welt es je bedurfte, daß die Erde sich erneuere, so war dies noch nie so notwendig wie in der jetzigen Zeit, wo selbst die Christen anfangen, ein neues Heidentum zu schaffen.“

Nachtrag zum „Leben“ von Barbara, ihren Vater betreffend: In derselben Zeit, als ich die Offenbarungen über meinen Vater erhielt, war ein Kaplan wegen einer Predigt, worin er Politisches vorgebracht haben soll, angezeigt worden, und man sprach im Dorf viel davon. In derselben Nacht, als ich die Offenbarung erhielt, sagte eine Stimme zu mir: „Sage nichts mehr von eurem Kaplan, denn es gibt Untersuchung und auch Arrest. Und was dir heute nacht vorgekommen ist, ist so gewiß wahr, wie daß es Gefängnisstrafen gibt.“ Wirklich kam der Kaplan einige Tage darauf ins Gefängnis.

Wie Jesus Lieschen Feiler mit Barbara Weigand zusammenführte:

Seit 1888, dem Tode ihres verstorbenen Pfarrers, dem Lieschen Feiler achtzehn Jahre lang die Haushaltung führte, war Lieschen schon einige Jahre in der Stadt Mainz. Doch lebte sie einsam für sich, ohne mit jemanden in Verbindung treten zu wollen. Zuweilen sah sie Barbara Weigand in der Kirche, und sie dachte bei sich, wenn sie selbe die Stationen beten sah: Mit dieser Person möchtest du ganz gern zuweilen umgehen, denn sie scheint tieffromm zu sein. Von Zeit zu Zeit traf sie beim Nachhausegehen aus der Kirche mit Barbara zusammen und sprach dann einige freundliche Worte mit ihr. Darauf lud eine bekannte reiche Frau Lieschen ein, ihr zu helfen, eine Kranke zu pflegen, weil Lieschen sich darauf sehr verstand. Lieschen ging auch hin. Nach einigen Tagen aber fühlte sie einen solchen inneren Drang, nach Mainz zurückzukehren, daß sie glaubte, nicht mehr leben zu können, wiewohl der Pfarrer des Ortes ihr bereitwilligst die tägliche heilige Kommunion angeboten hatte. Die Familie, die sie ungern verlor, wollte sie jedoch nicht ziehen lassen. Da ging Lieschen zu dem ihr befreundeten Herrn Pfarrer des Ortes und bat ihn, ihr doch beizustehen, daß man sie ziehen lasse, denn Lieschen fühlte sich heftig nach Mainz hingezogen, wußte jedoch gar nicht warum.

Derselbe kam noch an demselben Tag und beruhigte die Familie, so daß man in ihre beschleunigte Abreise einwilligte. Am andern Tag wurden die neun Josefs-Mittwoche angefangen in der Franziskaner- Kirche. Dort traf Lieschen nach der Andacht mit Barbara zusammen. Barbara bat sie, weil sie vom Herrn an Lieschen verwiesen worden war und ihr gesagt wurde, sie möge Lieschen um Beistand bitten, sie möge ihr zuweilen beistehen, wenn ihr Leiden an sie herantrete. In der Familie von Barbara hatte nämlich niemand Zeit für Barbara; vielmehr mußte Barbara im Gegenteil noch froh sein, wenn man ihr nicht allzusehr grollte, wenn sie mitten in der größten Arbeit sich losreißen mußte, um das Bett zu hüten, wenn das Leiden sich einstellte.

Barbara hatte um diese Zeit ihr Leiden alle Donnerstage und Freitage in der Fastenzeit. Schon das erste Mal (wahrscheinlich Anfang der Fasten 1893), wo Lieschen dem Leiden und der nachfolgenden Ekstase beiwohnte, erhielt Lieschen die Gnade, daß ihre verstorbene Schwester erlöst wurde, die im Jahre 1889 verstorben ist. Auch war ein verstorbener, mit Lieschen Feiler befreundeter Priester ihr in der Kapuziner-Kirche erschienen in großen Leiden, denn Lieschen betete fleißig für ihn und opferte täglich das kostbare Blut für ihn auf. Es ward Lieschen auch zugesagt, sie sollte noch eine heilige Messe für ihn bezahlen und eine heilige Kommunion für ihn opfern, aber in der Kirche, wo der Priester gewirkt. Das tat sie sofort und spornte noch viele an, in der heiligen Messe für ihn zur Kommunion zu gehen. Diese taten es bereitwilligst, und der Priester ward erlöst. Es wurde gleich darauf Barbara gezeigt, wie er in den Himmel einzog.

Auch ein anderer befreundeter Priester erschien Lieschen laut seufzend und stöhnend. Sie vernahm durch Barbara, daß sie noch eine Wallfahrt nach Walldürn für ihn machen sollte. Lieschen gedachte, barfuß hinzugehen. Der liebe Heiland aber sagte, das solle sie nicht tun. Sie solle auch nicht bei Wasser und Brot hingehen, wie sie beabsichtigte. Sie nahm sich deshalb Eßwaren mit wie alle andern, konnte aber während des ganzen Weges nichts genießen als Wasser und Milch, aber mit etwas Wein vermischt.

Das Blut stand ihr bereits in den Schuhen von dem Gehen. Auf einmal aber konnte sie nicht mehr weiter. Da entschloß sie sich, das Kreuz zu tragen, welches abwechselnd getragen wird, obwohl sie sich so krank fühlte, und sie trug es ein großes Stück weit und wurde sichtlich gestärkt, so daß sie, als sie in eine Kirche kamen, dort noch die Stationen halten konnte, während die anderen, die gesund waren, sagten, es sei ihnen unmöglich. In Großumstadt aber wurde sie wieder so schwach, daß sie nicht mehr weitergehen konnte. Da bat und flehte sie mit Inbrunst: „Wenn du, o lieber Jesus, mich jetzt nicht stärkst, so kann ich nicht mehr fort, ach hilf mir doch!“

Da auf einmal, sah sie eine wunderschöne Hand und einen Arm sich ihr entgegenstrecken, aber so entzückend, daß ihr Hören und Sehen verging. Zugleich fühlte sie sich gestärkt und vollkommen geheilt. Zuerst meinte sie, es sei die Seele, für die sie den Bußgang unternommen, aber dann erkannte sie, daß es der liebe Heiland selbst war. Als sie aufstand, war sie gesund und konnte wieder gehen.

Beim Anblick der Kirche von Walldürn wurde ihre Seele von Freude überströmt. Gleich darauf sah Barbara, wie die Seele erlöst wurde.

Als Barbara in N. bei der Kranken war, kam eine Verwandte derselben eines Tages zum Kaffee. Auch Lieschen sollte teilnehmen, aber sie sagte, daß sie nichts genieße, weil es Fastenzeit sei. Die Dame aber sprach ihr sehr zu und sagte, daß das Fasten ungesund sei und wie sehr man sich damit ruiniere. „Sehen Sie“, sagte sie, „ich esse jeden Mittag zum Kaffee zwei Butterbrote und schmiere auch noch Honig darauf. So wird man steinalt.“

Als Lieschen vierzehn Tage später wieder nach Mainz zurückkehrte, dauerte es nur noch einige Tage, und es kam eine Arme Seele in der Kirche zu ihr mit schrecklich entstelltem und wehem Mund, mit lauter Blasen bedeckt. Tags zuvor klopfte sie an der Tür von ihr, machte Lärm am Tisch an einer Glasglocke und rief den Namen von Lieschen Feiler. Diese frug dann in der Ekstase an, wer denn die Seele sei, die sich bei ihr melde. Sie erhielt zur Antwort: „Das ist die Frau von N. Dieselbe weiß, daß Lieschen gern betet und will gebetet haben. Wirklich hörte Lieschen gleich darauf, daß jene Frau bereits gestorben sei.

Damals hatte Barbara in der Fasten- und Adventszeit alle Donnerstage und Freitage die Ekstasen.

Wie der liebe Heiland Luise Hannappel mit Barbara Weigand zusammenführte.

Nach dem Tod ihrer Mutter empfahl Luise dieselbe mit Vorliebe in das Gebet frommer Personen, um so durch andere zu ersetzen, was sie in ihrer Armseligkeit nicht selber fertig zu bringen glaubte, und fragte deshalb ihr Mädchen zuweilen, wer besonders andächtig bete. Das Dienstmädchen kam eines Tages und sagte:

„Ich weiß aber noch ein Mädchen, das sehr fromm ist, geben Sie der ein Melcherskreuz und lassen Sie für die Mutter beten.“ Denn wir glaubten annehmen zu dürfen, daß Mutter sich zweimal in der Nacht bei uns um Gebet gemeldet, einmal, indem sie mit ihrer Stimme den Namen des Mädchens rief, ein anderes Mal, indem sie Klagetöne von sich gab mit ihrer Stimme, wie im Leben dies geschah, nachdem wir lange darum gebeten, der liebe Gott möge uns wissen lassen, wie es mit ihr stehe.

Ich ließ mir deshalb das Mädchen kommen, und bat sie um Gebet. Dieselbe versprach es mir auch, ließ sich aber von ihren außergewöhnlichen Zuständen gar nichts anmerken. Daraufhin wurde die Schwägerin von Barbara sehr krank und Luise traf nach dem Gottesdienst mit Barbara beim Herausgehen zusammen, und da sie sah, daß Barbara weinte, fragte sie um den Grund. Dieselbe teilte ihr ihre Betrübnis mit, und Luise verschaffte ihr eine Arznei für die Schwägerin. Von da an war Luise immer froh, wenn sie Barbara in einer Kirche traf, denn die tiefe Frömmigkeit, mit der sie Barbara beten sah, gefiel ihr sehr wohl.

Endlich hörte sie, daß Barbara krank sei, und Luise ging hin, sie zu besuchen. Als sie vor die Tür kam, hörte sie reden und wollte wieder fortgehen in der Meinung, es sei ein anderer Besuch da, aber die beiden Dienstmädchen in der Küche sagten, es sei niemand darin wie Barbara, sie möge nur hineingehen. Luise ging dann endlich hinein, wiewohl sie keine Antwort erhielt auf das Klopfen, und fand Barbara in Ekstase mit gefalteten Händen und starren Augen im Bett liegend und laut mit unsichtbaren Wesen redend.

Durch die himmlischen Worte, die sie hörte, wurde sie sehr ergriffen und bis ins Mark erschüttert. Das dauerte noch fast eine Stunde. Luise sah wohl ein, daß dies etwas anderes als Krankheit sei und glaubte, das nicht für sich allein behalten zu dürfen. Sie ging sofort zu ihrem Beichtvater und erzählte ihm, was sie gesehen und gehört, und daß hier Gottes Finger sei, denn wenn so etwas möglich ist, sagte Luise, dann kann es hier möglich sein, da das Mädchen ja nichts sucht und alle im Hause nichts davon verstehen, und da Luise ganz unvermutet, von Gottes Hand herzugeführt, darauf kam.

Von da an unterhielt Luise den Verkehr mit Barbara und fragte, wann dieser Zustand eintrete und suchte hinzuzukommen. Der Beichtvater sagte auch: „Ich habe von jeher das Mädchen bewundert wegen ihrer tiefen Frömmigkeit, die ich oft von meinem Beichtstuhl aus beobachten konnte, besonders, wenn sie die Stationen betete. Möglich kann's sein. Jedoch muß man sehr vorsichtig sein.“ Luise teilte es noch einem anderen Priester mit, und dieser sagte, Luise müsse erst einmal auskundschaften, ob das Mädchen nichts Irdisches suche, keine Ehre, Geld oder Ansehen. Luise konnte von all dem nichts entdecken und teilte es dem Herrn mit. Dieser meinte, sie solle es einmal aufschreiben, damit man die Sache besser beurteilen könne, was Barbara in diesem Zustand sage, denn bisher hatte Luise nur einige Sätze von Wichtigkeit sich im Gedächtnis zu merken gesucht.

Nun fing Luise an niederzuschreiben, (1895 Ende), brachte aber anfangs nicht alles zu Papier, sondern ließ fast die Hälfte aus, bis sie sich nach und nach hineinschulte, zuerst mit Abkürzungen sich half, dann aber Stenographie erlernte, so daß sie jetzt (1897 Ende), Wort für Wort, wie es aus dem Munde von Barbara fließt, aufzeichnen kann, ohne etwas zu verändern oder auszulassen, indem sie mit dem Diktat gleichen Schritt hält.

gez. Barbara Weigand

Zur größeren Ehre Gottes und zur Verherrlichung der unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter Maria

Nachdem ich arme, unwürdige Magd des Herrn vom Jahre 1886 bis zum Jahre 1894 in der Stadt Mainz unaussprechlich viele Gnaden vom Herrn empfangen habe, will ich wenigstens dieses Jahr 1894 anfangen, aus Dankbarkeit gegen Ihn einiges aufzuzeichnen, damit ich die Danksagung nicht vergesse.

1 In der Karwoche 1894

Am Gründonnerstag ward mein Geist entrückt in den Abendmahlsaal zu Jerusalem. In hellem Lichte enthüllte mir der Herr das Geheimnis des Allerheiligsten Altarsakramentes. In dem Augenblick, als Er das Brot segnete und Seinen Jüngern überreichte, ergoß sich Sein Geist in die Substanz, die Er in den Händen hielt. Und es ging eine unsichtbare Wandlung vor sich, ähnlich, wie wenn der liebe Gott einem Kind das Leben mitteilt im Mutterleib. Niemand im ganzen Saale konnte das Geheimnis begreifen und doch glaubten sie Seinen Worten. Die Apostel empfingen als erste den Leib des Herrn unter den Gestalten von Brot und Wein, ohne daß sie eigentlich wußten, was in ihnen vorging.

Aber Maria, Seine heiligste Mutter, und Magdalena waren die ersten, denen Er Sich offenbarte. Beide waren an jenem Abend zwar in demselben Hause, doch beim Abendmahl nicht gegenwärtig. Sie hielten sich in einem anderen Zimmer auf. Als aber die heiligste Jungfrau, die im Geiste alles mit ansah, was im Abendmahlsaal vor sich ging, es erfuhr, eilte Sie voll innigen Verlangens voraus und Magdalena folgte Ihr. Ich sah Sie voll Ehrfurcht Sich Ihrem Sohn, Ihrem Herrn und Gott, nahen und aus Seiner Hand empfingen sie beide die erste heilige Kommunion. O das war unbeschreiblich schön!

Am Karfreitag 1894 übergab mich der Herr Seiner heiligsten Mutter, und weil ich die ganze heilige Fastenzeit so viel mit Ihm gelitten und so viel geweint hatte aus Mitleid mit Seiner heiligsten Mutter, sagte der Herr zu mir:

Jesus: „Siehe, Meine Tochter, was die Menschen dir versagen, will Ich dir ersetzen in Meiner heiligsten Mutter, Sie soll deine Lehrmeisterin sein; sei du Ihre treue Schülerin. Und zum Ratgeber und Beschützer gebe Ich dir den heiligen Johannes. Ihm vertraute Ich Meine Mutter an und unter seinen Schutz stelle Ich auch dich, Meine Tochter!“

2 Am Portiunculafest 1894

wurde mir in der Frühe nach der heiligen Kommunion mitgeteilt, daß ich an demselben Abend sehen dürfe, wieviel wir an diesem Tage durch gutes, anhaltendes Gebet erlangen können. Ich sah mich den ganzen Tag umringt von Armen Seelen. Als nun am Abend der letzte Segen gegeben wurde in der Kirche, würdigte Sich der Herr mir zu zeigen, wie viele Seelen ich durch mein Gebet erlöst habe.

Sie stellten sich um den Altar herum, als das Te Deum angestimmt wurde. Es waren auch solche dabei, die ich im Leben gekannt habe. Unter großem Jubel zogen sie dann, die liebe Mutter Gottes an ihrer Spitze, in den Himmel ein.

3 Am Herz-Jesu-Fest 1894

wurde mir dies zu wissen gegeben, daß ich in meinem 70. Lebensjahr (Barbara wird im Dezember 1915 siebzig Jahre alt) anfangen soll, mich auf meinen Tod vorzubereiten. Um jeden Preis möchte ich wissen, welche Stimme in mir spricht. Aber mir steht es nicht zu, dies zu beurteilen. Darum, o Gott, gib mir doch einen Priester, mit dem ich mich offen aussprechen kann. Als ich gestern hörte, daß an die Stelle von Pater Alphons ein anderer als N. ernannt sei, erschrak ich gar sehr, weil beim Fortgehen von N. diese innere Stimme mir sagte, daß er wiederkommen werde. Und später wurde mir die Verheißung gegeben, daß ich zuerst unter die Leitung von Pater Alphons kommen werde, und daß ich später unter N. sterben werde. Darum beklagte ich mich unter vielen Tränen beim lieben Heiland heute nach der heiligen Kommunion. Aber Er verhielt Sich gegen mich, wie es ein Bräutigam manchmal zum Schein tut. Wenn die Braut sich jahrelang alles gefallen ließ, nur um ihm zu gefallen, tut er, als ob er dies gar nicht merke, und beglaubigt noch die Verachtung anderer und scheint gar nichts wissen zu wollen.

Aber plötzlich hörte ich nach der heiligen Kommunion die Stimme meines Herrn, doch traute ich Ihr nicht. Ich sagte mir, es ist ja doch nur Täuschung. Ich bin nicht wert, daß Du, o mein Jesus, Dich zu mir herabläßt und mit mir verkehrst. Doch darin ist keine Täuschung, daß Du jetzt, nach der Lehre der heiligen Kirche, durch die heilige Kommunion bei mir bist.

Darum bitte ich Dich, o mein Gott, nimm diese große Verdemütigung, daß ich mich in meinem Glauben getäuscht finde, hin zur Sühne für die Unvollkommenheiten meines verstorbenen N. und nimm ihn heute noch zu Dir in den Himmel auf. Ich opfere Dir alle heiligen Messen auf, die heute in der ganzen Welt, besonders in dieser Kirche von seinen Mitbrüdern dargebracht worden sind, und alle heiligen Kommunionen seiner Klosterleute.

So flehte ich fort und fort bis zur letzten heiligen Messe, die am Muttergottesaltar gelesen wurde. Als nun die heilige Wandlung vorüber war, sah ich auf einmal neben dem Priester den verstorbenen N., aber nicht mehr wie vorige Woche im Ordenskleid, sondern mit ganz weißem Gewand, jedoch nicht deutlich, sondern wie ungefähr durch einen Schleier.

Als der zelebrierende Priester die heilige Kommunion empfing, sah ich, wie die weiße Gestalt sich mit dem Priester in der heiligen Hostie vereinigte. Ich fühlte eine unbeschreibliche Wonne bei diesem Anblick, denn ich war der Überzeugung, der Priester habe ihm seine heilige Kommunion geschenkt und ihn dadurch aus dem Fegefeuer erlöst. Mein Geist brach in einen solchen Jubel aus, daß ich wie in den Himmel versetzt schien. Ich sagte zu Jesus in meinem Herzen:

Barbara: „Darf ich denn glauben oder ist es auch wieder nur Einbildung?“

Mein Geist folgte nun dem Zuge und ward entrückt in Gottes Herrlichkeit. Ich hörte eine Stimme zu mir sprechen:

Stimme: „Hier suche deinen Beichtvater, du wirst ihn aber nicht so leicht wiedererkennen, denn er hat Besitz genommen von seiner Herrlichkeit.“

Ich ging von einem Thron zum andern, denn ich sah eine unabsehbare Menge majestätischer Gestalten, sie sahen alle aus wie Kirchenfürsten und alle hatten ihren thronartigen Sessel, der von lauterem Elfenbein zu sein schien, verlassen und waren so freudig, als hätten sie jemanden beglückwünscht. Ich suchte und suchte, und ganz gewiß hätte ich ihn nicht wiedererkannt, wenn er nicht selbst mich angeredet hätte. Er dankte mir und sagte:

Beichtvater: „Geh hin und sag auch meinen Brüdern, wie glücklich ich jetzt bin, und lasse ihnen herzlich danken für alle geleistete Hilfe. Sage ihnen auch, meine letzte Predigt im Dom und der darauffolgende schnelle Tod habe die Strafen meines Fegefeuers getilgt, weil dadurch das Volk dermaßen sei erschüttert worden, daß viele gute Entschlüsse gefaßt worden seien. Sage ihnen, es sei wohl der Mühe wert, auszuharren bis zum Tod.“

Dies war am achten Tag nach Mariä Lichtmeß 1895.

4 Fronleichnamsprozession 1895

„Es ist Mein und Meines Vaters Wille, daß ihr drei, Lieschen, Luise und Barbara, euch zu einem Bund vereinigt...“

Als die Prozession in die Schusterstraße einbog, sah Barbara Jesus über der Prozession schweben, ganz außer Sich vor Liebe über die treuen Schäflein, die Ihm an diesem Tage Ehre erwiesen, ganz vergessen scheinend die Verhöhnungen und Lästerungen der übrigen. Barbara fiel in Ekstase und ging mehr schwebend als gehend, ihr Haupt wurde emporgehoben, und sie konnte weder den Kopf noch die Augen mehr abwärts bewegen. Auf der großen Bleiche zur Zeit des Segens stiegen Legionen Engel hernieder, um Ihn herum; zu beiden Seiten hatte Er einzig und allein den heiligen Franziskus und N., die Ihn ganz einnahmen. In der Schillerstraße vor der Kaserne stieg Jesus wieder zu Barbara, um ihr einige Aufträge zu geben. Ehe Er sie anredete, wollte ihr das Herz bald zerspringen, und sie bat:

Barbara: „Schenke mir doch Dein Herz, daß ich mit dem Deinigen Dich lieben kann.“

Worauf Jesus Sein Herz mit dem ihrigen vertauschte, es aber nachher wieder umtauschte. Dann sagte Er:

Jesus: „Es ist Mein und Meines Vaters Wille, daß ihr drei, Lieschen, Luise und Barbara, euch zu einem Bund vereinigt und jeder derselben einer Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit huldigt im Namen der übrigen Menschen. So will ich euch denn verteilen. Lieschen soll Meinem himmlischen Vater, Luise Gott Sohn, Mir der zweiten Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, und du, Barbara, Gott dem Heiligen Geist huldigen. Sooft wie ihr die Anbetung haltet, sollt ihr euch vereinigen mit den anderen beiden und mit der Göttlichen Person. Wie Ich und der Vater Eins sind, so sollt auch ihr eins sein. Danke auch allen Personen, die mitgeholfen haben, den Verein der Ewigen Anbetung zu gründen. Unter tausend Seelen gibt es kaum drei, die etwas von Mir wissen wollen.“

Als vor Fastnacht 1895 die Schwägerin der Barbara in A. starb, ging Barbara dorthin zur Beerdigung und besuchte am folgenden Morgen ihre Verwandten in dem von A. drei Stationen entfernten L. mit der Absicht, am andern Morgen nach Mainz zurückzufahren. Dort wurde sie schwer krank, und dazu bekam sie ihr besonderes Leiden, in welchem Er ihr sagte:

Jesus: „Ich habe dich hierher geführt, und Ich will, daß du bis Ostern hier bleibst, denn Ich will von Meinem Volk anerkannt sein und hier, unter diesen guten Landleuten werde Ich mehr verherrlicht als in Mainz. Ich verspreche dir, dein Schwager L. wird nicht in Meiner Ungnade sterben und deiner Schwägerin A. will Ich beistehen, bis du wiederkommst.“

Zugleich sah ihre Schwester in R., welches eine halbe Stunde von L. entfernt ist, am frühen Morgen in wachendem Zustand in ihrem Zimmer ein Bett und Barbara darin und vernahm, während sie dieses schaute, die Worte:

„Die Allmacht, die Weisheit, die Güte wünscht es.“

Sie rief ihren Sohn Valentin (17 Jahre alt):

„O Valentin, Valentin, hast du denn das auch gesehen und gehört? Das bedeutet was. Ich will schnell nach L. gehen, um zu sehen, was vorgefallen ist.“

Sie fand dann Barbara krank und verstand, daß sie dieselbe mit sich nehmen solle, weil im Haus des Bruders in L., der sieben Kinder hat, kein Platz war. Sie fuhr Barbara in einem Leiterwagen nach R., und kaum waren sie im Haus, so begann ihr besonderes Leiden und Barbara mußte gleich zu Bett. Die Verwandten kamen alle hin und wußten sich vor Schrecken über das auffallende Leiden nicht zu helfen. Alsbald erfuhr es das ganze Dorf, und alles Volk kam herbei, sooft es sich einstellte, was auf dem Dorf nicht zu ändern war. Die Leute ließen sich nicht abweisen.

5 Bei einer Priesterweihe 1895

„Ein anderer Christus.“

Als der Bischof dem Priester die Hand aufs Haupt legte und ihm den Friedenskuß gab, erscholl durch den ganzen Himmel dreimal der Ruf: „Ein anderer Christus.“ Die ganze Allerheiligste Dreifaltigkeit steht auf und vergißt gleichsam alles, was Ihr an Lob und Ehre im Himmel zuteil wird und schaut auf den Priester. Schon öfters hörte Barbara die Worte:

Jesus:„Ich verlange mehr Anerkennung und Dank von den Priestern.“

Bei einer Einkleidung im Kloster sah Barbara, daß der Heiland auch eine große Freude hat, weil Er in dem Herzen der Braut einund ausgehen kann, doch nicht so wie beim Priester.

Bei großer Trockenheit im Gebet, als sie sich beim lieben Heiland beklagte, sagte die liebe Mutter Gottes zu ihr:

Maria: „Weißt du denn nicht, daß du ein Sühneleiden hast? Sollst du getröstet sein oder Mein göttlicher Sohn?“

Als Barbara für eine Versuchte betete, sagte der Herr:

Jesus: „Sie wird in diesem Streit siegen, aber nur durch das Kreuz; sie soll nur tapfer kämpfen; in ihrem letzten Augenblick aber wird sie gar keine Anfechtung haben.“

Eines Tages war Barbara wegen Versuchungen sehr ängstlich, zur heiligen Kommunion zu gehen.

Jesus: „Was meinst du, soll Ich dir auch noch die Versuchungen wegnehmen? Nein, das tue Ich nicht, denn dadurch nur unterscheiden sich die Menschen von den Engeln.“

6 Vigil vom Herz-Jesu-Fest 1895

„Mit diesem Erdenkind hier will Ich Mich vermählen.“

Nachdem ich die ganze Woche, Oktav von Fronleichnam bis zum Herz-Jesu-Fest, vieles gelitten, rief Jesus Seine heilige Mutter herbei und sagte:

Jesus: „Diese soll Meine Braut werden, stelle Mich mit ihr als selbige Meinem himmlischen Vater vor.“

Dann gab Er Ihr den Auftrag, Sie möge die Vorkehrungen zu dem Freudenfeste treffen, das Er mit mir feiern wolle. Die liebe Mutter Gottes kam, und Jesus sagte zu Ihr:

Jesus: „Meine liebste Mutter! Mit diesem Erdenkind hier will Ich Mich vermählen, ersetze Du Mir, was ihr noch fehlt.“

Als der liebe Heiland diese Worte an Seine heilige Mutter richtete, wurde ich mit solcher Scham erfüllt, daß ich gern zurückgetreten wäre, wenn die Liebe zu meinem himmlischen Bräutigam mich nicht gefesselt hätte. Voll Scham und Reue wandte ich mich an die liebe Mutter Gottes und bat und flehte:

Barbara: „Liebste Mutter, was wird der himmlische Vater sagen, wenn ich mit Deinem Sohn komme. Ich elende Sünderin vor dem allmächtigen Gott!“

Meine Bitten waren nicht vergebens. Voll Mitleid überreichte Sie mir Ihr Eigenes Herz mit all Seinen Tugenden und sagte:

Maria: „Siehe, Meine Tochter, dies zeigst du vor.“

Nun kam Jesus in unaussprechlicher Herablassung mit einer ganzen Gesellschaft. Es waren der heilige Josef, dem Er den Auftrag gab zu sorgen, daß Seine neue Braut auch ein geziemendes Brautkleid erhalte und alle Bedürfnisse durch ihn erledigt würden. Dann der heilige Johannes, der Lieblingsjünger; diesem gab Er den Auftrag, die Bedienung zu übernehmen. Dann vier Jungfrauen, die heilige Barbara, die heilige Katharina von Alexandrien, die heilige Agnes und die heilige Elisabeth. Diesen gab Er den Auftrag, mich zu begleiten.

Barbara: „O mein großer, unendlicher Gott, ich bin nicht wert, dies zu denken, viel weniger niederzuschreiben. Aber damit ich in großer Trübsal es von Zeit zu Zeit lesen kann, will ich es tun.“

Die Jungfrauen legten mir ein weißes Kleid an, setzten mir einen Kranz mit einem langen Schleier auf das Haupt, und ich erkannte mich selbst nicht mehr. Aber wenn ich einen Blick auf meinen Bräutigam warf, da stand mein ganzes sündiges Leben vor mir, und ich schämte mich vor Ihm. Da trat wieder die liebe Mutter Gottes herzu und nahm mich bei der Hand, und Jesus nahm meinen Arm, und zitternd und zögernd ging ich zwischen beiden. So wurde ich denn dem himmlischen Vater vorgestellt. Meine Feder kann die Furcht nicht schildern, die in mir war. Aber da trat die liebe Mutter Gottes vor mich hin und sprach zu dem himmlischen Vater:

Maria: „Siehe, o Vater, allmächtiger, ewiger Gott! Mein und Dein Sohn, den Du von Ewigkeit her gezeugt und Ich zur Zeit als Jungfrau geboren habe, will diese Adamstochter hier zu Seiner Braut annehmen.“

Die liebe Mutter Gottes trat zurück; ich aber war nicht mehr verzagt. Beherzt voll heiliger Freude, wie eine Königstochter, überreichte ich dem himmlischen Vater das allerreinste Herz Mariens mit allen Seinen Tugenden und Verdiensten, das ich wie ein Bouquet Blumen in beiden Händen hielt. Darüber freute Sich aber der himmlische Vater so sehr, daß Er sprach:

Himmlischer Vater: „Was der Wille Meines göttlichen Sohnes ist, ist auch Mein Wille! Und du, Meine Tochter, erbitte von Mir heute, was du willst, heute sollen alle deine Bitten dir gewährt werden.“

Ich machte nun eine lange Liste von Bitten, aber nur solche, die ganz im Einklang standen mit dem Willen meines himmlischen Bräutigams. Als ich damit fertig war, wandte ich mich an meinen geliebten Jesus und sagte:

Barbara: „Nun, mein lieber Jesus, Du hast mir heute so große Glückseligkeit bereitet, daß mein Herz vor Freude zerspringen möchte. Darum bitte ich Dich: Siehe, der Vater will ja alle meine Bitten mir heute gewähren, damit Du auch verherrlicht werdest durch mich arme Sünderin, so gib mir nun um Deines heiligen Blutes willen all die Armen Seelen meines Geburtsdörfchens, die ich im Leben gekannt habe, sie mögen mir Freund oder Feind gewesen sein. Ich will einen heroischen Akt der Nächstenliebe üben.“

Und nun gab es eine Bewegung. Ich sah eine lange Prozession an uns vorüberziehen, überaus dankbare Blicke mir zuwerfend. Ich aber lehnte sie ab und deutete auf meinen Jesus. Als ich nun im Himmel dreimal das Amen erschallen hörte und mit eingestimmt hatte, wurde ich von Jesus aufgefordert, zu Ehren Seiner heiligsten Mutter das Magnificat zu singen. Die Erscheinung verließ mich, und ich wußte nicht, daß dies nur die Vorfeier war von dem, was kommen sollte.

Nachtrag 1895:

Barbara: „O wie magst Du Dich nur so herabwürdigen zu mir armen, elenden Erdenwürmlein! Ach, diese Gnade ist zu groß, ach, ich schäme mich zu sehr! Ach, mein Jesus, was findest Du denn in mir? Alles, was in mir gut ist, ist von Dir! Und was verkehrt ist und nichtsnutzig und sündhaft, ist von mir! Ach, ich bin ja zu arm, zu elend, zu sündhaft, ach, ich schäme mich gar zu sehr.“

„O heilige Jungfrau, bedecke Du mich doch, daß ich mich nicht zu sehr schämen muß; o bedecke mich mit Deiner Liebe, Demut, Sanftmut, Nächstenliebe, o ersetze, was mir an Herzensreinheit abgeht.“

„O himmlischer Vater, so nimm mich armes Erdenwürmlein, die Braut Deines Sohnes, auf als ein Sühneopfer zu Deiner Ehre im Namen der ganzen, ganzen Welt.“

„O daß Dich doch alle Menschen erkennten und aus ganzem Herzen liebten und über alles Dich loben und anbeten möchten.“

„O warum habe ich nicht eine Stimme, daß die ganze Welt es höre, wie gut Du bist, o mein Jesus.“

„Alles, um was ich heute bitte, willst Du mir geben. Alles, alles!“

„So bitte ich Dich denn für Deine heilige Kirche, Papst Leo XIII., Griechenland, für Rußland, alle Völker, die Dich nicht kennen, die Diözese M. und W., die Pfarrei J. und E.“

„O gib mir eifrige Priester, tausend heilige Priester. O wenn Du so gute Gärtner hast, dann wird es bald besser aussehen in Deinem Garten. Gib mir Heilige wie Franz Xaver. Gib mir eine Schar Jungfrauen für die Welt. O in den Dörfern vergeht oft ein halbes Menschenalter, bis wieder eine Jungfrau kommt. O habe Nachsicht mit den armen Dorfmädchen; o wenn sie die Belehrung der Mainzer Jugend hätten, so wären sie längst Heilige. Vor lauter Sorgen um den täglichen Unterhalt vergessen sie Dich.“

„O heiliger Antonius, jetzt bist du nicht mehr allein. Siehe, welche Schar Jungfrauen mir Jesus gegeben hat.“ „Ich bitte Dich für meine zwei Mitschwestern. Dein Wille ist es, daß wir ein Kleeblatt bilden sollen, nur ganz Dir geweiht, allem Irdischen erstorben.“

„Ich bitte Dich auch, daß diese Gnaden verborgen bleiben. Doch nicht mein Wille, sondern der Deine geschehe. Ich gehöre ja nicht mehr mir an, ich bin ganz Dein, ich habe nichts mehr zu sagen. Ich habe Dir ja meinen ganzen Leib zu Deinem Dienst geschenkt, meine Seele mit allen Kräften, mein Herz mit all seinen Neigungen, nichts, nichts gehört mehr mir. Alles Dein, Du mein.“

„So wahr Du mein Schöpfer bist, so wahr Du im Allerheiligsten Altarsakrament mit Fleisch und Blut zugegen bist, so wahr Du auch eben hier bei mir gegenwärtig bist, gewähre mir die Befreiung der Seelen, die Du mir heute morgen gezeigt. Siehe, es sind ja auch einige von meinen Feinden dabei, ich will einen heroischen Akt der Nächstenliebe verrichten, o Du mußt sie mir geben und auch die, welche N. mir empfohlen. Amen, Amen, Amen.“

So bittet nun auch für uns arme Sterbliche und all unsere Anliegen.

Lied: Hochpreiset meine Seele...

„Die Wonne ist zu groß für mein armes Herz, ich kann nicht, ich kann nicht mehr leben, o laß mich bei Dir bleiben. O warum muß ich auf die Erde zurück? Wie kannst Du sagen, Du bedürftest meiner noch? Wann kommst Du wieder? O bleibe nicht zu lang! Noch einige Bitten, die mußt Du mir auch noch erfüllen und Luise ihre Anliegen auch noch, und das auch noch!“

„O wie kann ich Dir danken, meine liebe Mutter, o sage doch, was kann ich Elende tun, um Dir meinen Dank zu sagen, für all die Gnaden, die Du mir heute erlangt. O nichts, nichts, o helfet mir, Sie grüßen, ihr himmlischen Geister. Ave Maria.“

„O mein Jesus, wie gut bist Du! Kein Strohhälmchen läßt Du unbelohnt.“

7 Herz-Jesu-Fest 1895

„Aber wisse, daß du auch den Weg wandeln mußt, den Er gegangen ist“

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hatte ich viel zu leiden. Doch wollte ich um jeden Preis am Herz-Jesu-Fest kommunizieren. Als ich mich anziehen wollte, überfiel mich plötzlich das Leiden wie Tags zuvor. Ich mußte schnell ins Bett zurück. Nach vorausgegangenen schweren Leiden kam mein himmlischer Bräutigam wieder und sagte:

Jesus: „Bereite dich vor, denn heute sollst du das Freudenmahl vollends genießen, das gestern begonnen hat.“

Und die ganze himmlische Gesellschaft, die gestern zugegen war, hatte sich wieder eingefunden. Ich war vor Entzücken außer mir. Der himmlische Vater war so zärtlich, so herablassend, daß ich mich nicht mehr fürchtete.

Himmlischer Vater: „Meine Tochter! Nimm hin alle Güter Meines Sohnes; was Sein ist, ist auch dein und was dein ist, ist Sein. Aber wisse, daß du auch den Weg wandeln mußt, den Er gegangen ist, nämlich den der Verachtung. Du wirst noch vieles erdulden müssen.“

Als nun mein Bräutigam sah, daß ich traurig werden wollte, redete Er mir zu und sprach:

Jesus: „Fürchte dich nicht, denn Ich werde dich zu trösten wissen zur rechten Zeit. Wisse, daß Ich zu Meinen Auserwählten eine solche Liebe habe, daß Ich sie auf den Händen tragen möchte bis zum Jüngsten Tag.“

Ich kann das Glück meiner Seele in dieser Stunde gar nicht beschreiben. Nun trat die liebe Mutter Gottes herzu und sprach:

Maria: „Als Brautgeschenk versichere Ich dich Meines ganz besonderen Schutzes. Ich werde dir in allen Nöten beistehen.“

Der heilige Josef trat herzu und sprach:

Josef: „Als Brautgeschenk gebe ich dir die Versicherung, du magst mich anrufen in was immer für einer Not, ich werde dir keine einzige Bitte abschlagen.“

Der heilige Johannes versprach mir als Geschenk, einen Teil seiner Liebe zu schenken, die er beim Letzten Abendmahl aus der Brust Jesu herausgezogen.

Nun kamen die heiligen Jungfrauen und sprachen:

Heilige

Barbara: „Liebe Schwester, ich schenke dir meinen Glauben, der so groß war, daß ich meines Bräutigams willen gern den Martertod erduldete.“

Heilige Katharina: „Und ich schenke dir meine Weisheit und meine Gabe der Beredsamkeit. Sie soll dir dienlich sein auf Erden, denn du wirst viele zur Liebe Gottes bewegen.“

Heilige Agnes: „Ich schenke dir meine Reinheit, durch die ich meinem himmlischen Bräutigam so sehr gefiel, daß Er mir bei meinem Tod ein weißes Lämmchen sandte, um Zeugnis abzulegen für meine Unschuld.“

Heilige Elisabeth: Sie schenkte mir ihre barmherzige Liebe zu allen Leidenden und Bedrängten und sprach: „Nimm hin, meine Schwester, und was dir abgeht an zeitlichen Mitteln, dafür hast du um so mehr ewige.“

Nun wandte ich mich an meinen Jesus und sagte:

Barbara: „O Du Geliebter meines Herzens! Erlaube mir nun auch, meine Bitten noch einmal vorzutragen, die ich gestern an Deinen himmlischen Vater richtete! Es sind ja meist die Bitten Deines liebenden Herzens Selbst. Aber gewähre mir heute noch die große Gnade: Um all Deiner und Deiner heiligen Mutter Verdienste willen, ja, um des ganzen Schatzes Deiner Kirche willen, gib mir doch alle Armen Seelen frei, die in diesem Jahrhundert aus der Pfarrei I. gestorben sind und noch im Fegefeuer leiden, wenigstens doch die Armen, die Vergessenen und Verlassenen. Ich schenke Dir auch alle meine Leiden für sie.“

Da gab es eine Bewegung in der Oberwelt. Und eine Prozession, größer als gestern, wo ich für mein Dörfchen betete, gestaltete sich. O wie glücklich sind wir, Kinder der katholischen Kirche zu sein. Nun bat ich auch den lieben Heiland, Er möge mir zu wissen geben, ob Pater Alphons im Himmel sei, wenn nicht, daß ich doch mehr für ihn bete. Da hörte ich ganz deutlich die Stimme von:

Pater Alphons: „Sage nur N., daß ich jetzt glaube, was du mir über die Liebe Jesu im Allerheiligsten Altarsakrament gesagt und geschrieben hast, und sag ihm auch, daß ein gottliebendes Beichtkind einem Priester nach seinem Tod mehr nützen könne, als alle Gelehrsamkeit, wenn er sie im Leben mit Eigenliebe befleckt habe.“

Nachtrag zu einigem, was äußerlich vernommen wurde:

Barbara: (zur Mutter Gottes) „O gib mir doch Deine Demut, Deine Herzensreinheit.“ (Nach der Vermählung, die Augen senkend): „Ich bin aber so ängstlich, ich bin aber so ängstlich.“

(Zur heiligen Elisabeth) „Ach, das kann ich nicht geben, was du gegeben hast, denn ich habe ja nichts! Was bekomme ich denn jetzt für ein Brautgeschenk vom himmlischen Vater? Die Taufunschuld ist das Geschenk, das der himmlische Vater versprochen hat.“

„Um dasselbe Geschenk bitte ich auch für meine Mitschwestern.“

Jesus: „Pater Alphons glaubt jetzt auch.“

Barbara: „Ja, gelt, jetzt glaubt er es, jetzt wird er es glauben. Ich bitte für N.“

Jesus: „Sie ist im Himmel!“

Barbara: „Ich bitte für N.“

Jesus: „Meine Gerechtigkeit verlangt zuviel.“

Barbara: „O gib mir tausend Seelen – nein, zehntausend Seelen.“ Dann sang sie: Hochpreiset... – Te Deum – und Salve Regina.

„Komm, wenn Du willst, ich bin immer da; ich will immer, wie Du willst, aber Du kannst es machen, wie Du willst.“ „Ach, ich bekomme es ja doch nicht geglaubt. Ich will es ja gerne sagen, aber mir glaubt es ja niemand. Ach, erleuchte doch Deine Diener!“

8 Großes Gebet 1895

Am Donnerstag in der großen Gebetswoche, als ich sehr für N. um Gesundheit flehte, sprach der Herr zu mir:

Jesus: „Ich werde jener Person die Gesundheit wiedergeben, jedoch nicht auf dem Weg eines Wunders. Ich werde ihm so viel Kraft geben, daß ihm die Pflichten seines heiligen Berufes nicht so schwer fallen. Auch werde Ich ihm seine Verhältnisse etwas ändern, um seine Kräfte mehr für Mich verwenden zu können, das heißt, Ich werde seine Liebe zu Mir vervollkommnen. Sage dies nur Meinem Diener!

Barbara: „O Herr, da ich nicht weiß, welcher Geist dies in mir spricht, so verlange ich ein Zeichen von Dir. (Es war gerade eine große Dürre und kein Wölkchen am Himmel und morgens sechs Uhr schon vierundzwanzig Grad Wärme.) Wenn Du es bist, dann gib der Erde Regen binnen zwei Tagen, dann will ich alle Deine Aufträge ausrichten, sonst aber nicht; an diesem Zeichen will ich Dich erkennen.“

Nachmittags trübte sich der Himmel, und Tags darauf regnete es den ganzen Tag. Als am Samstag in St. Q. das große Gebet war, war ich schon von gegen vier Uhr morgens an in der Kirche. Gegen sechs Uhr war ich so abgespannt, trocken und schläfrig, daß ich Kraft aufwenden mußte, um mich aufrecht zu erhalten. Nach der heiligen Kommunion hörte ich die Worte:

Jesus: „Nach neun Uhr komme Ich.“

Und wirklich wurde ich vor zehn Uhr plötzlich wie erhoben. Dabei hörte ich die Worte:

Jesus: „Ich habe an eurem Dreierbund großes Wohlgefallen, denn ihr macht Mir wirklich viel Freude, und Ich gebe dir das Versprechen, daß Ich euch nie mehr verlassen werde.“

Ich erwiderte Ihm ängstlich:

Barbara: „Ja, Herr, wenn wir Dich nicht verlassen.“

Jesus: „Dafür will Ich sorgen, Ich übergebe euch der Obhut Meiner heiligen Mutter, und Ich verspreche euch, daß ihr alle drei zu Meiner vollkommenen Liebe gelangen werdet.“

9 Mariä Himmelfahrt 1895

„Leute, die Vermögen besitzen, sollen sich mit dem ungerechten Mammon den Himmel erkaufen.“

Am Tage nach Mariä Himmelfahrt teilte mir Jesus mit, Er wünsche, daß wir von heute an bis zum Feste Mariä Geburt um Mitternacht bis ein Uhr aufständen. Wir sollten uns im Geist vereinigen, um in Vereinigung mit allen Engeln und Heiligen der Himmelskönigin unsere Lobpreisung darzubringen und zugleich der Allerheiligsten Dreifaltigkeit Dank zu sagen, für alle Gnaden und Vorzüge, womit Sie die allerseligste Jungfrau ausgestattet und geziert hat; dafür verspreche Er mir, wenn wir dies tun würden, folgende große Gnaden:

Jesus: „1. Viele Sünder sollen um eures Gebetes willen gerettet werden;

2. die Priester sollen um eures Gebetes willen sehr gefördert werden im Streben nach Vollkommenheit und auch andere zur Vollkommenheit führen, und

3. die Leiden der Armen Seelen sollen gelindert und viele sollen beschleunigt werden zur ewigen Seligkeit.“

Barbara: Und ich hörte drei Worte: Sühne! (entspricht den Sündern); Opfer! (entspricht den Priestern) und Leiden! (entspricht den Armen Seelen). Ferner sagte Er:

Jesus: „Sage N., Ich verbitte Mir jede Witzrede, wenn beide zusammenkommen, über dich und was Ich mit dir rede.“

Als ich Ihn für zwei Arme Seelen bat, die im Leben reich waren, doch nicht nach Kräften Almosen gegeben hatten, sagte der Herr:

Jesus: „Leute, die Vermögen besitzen, sollen sich mit dem ungerechten Mammon den Himmel erkaufen. Ich bin ein gerechter Gott, und Meine Gerechtigkeit verpflichtet Mich, um der Gebete der frommen Seelen willen, eher die an irdischen Gütern arm gewesenen Armen Seelen zu befreien als die reichen. Sage deren noch lebenden Tochter: Sie solle freigebig sein, um ihre Eltern zu trösten, dann werde Er die Eltern um des Gebetes Seiner Diener willen auch bald befreien.“

10 Mariä Geburt 1895

„Wir werden siegen, müssen siegen, aber nur im Kreuz; unsere Kirche siegt, aber nur im Kreuz.“

Barbara war in der Kirche von St. Ignaz, als sie nach der heiligen Kommunion die Stimme Jesu hörte:

Jesus: „Ich will jetzt auch deine Neugierde befriedigen, wiewohl du darauf verzichtet hast. Ihr habt in dieser Zeit von Mariä Himmelfahrt bis Mariä Geburt zweitausend Seelen aus dem Fegefeuer befreit, und dies ist so wahr, wie der Theologe N. wieder gesund und ein guter Priester wird. (Im Juli 1898 feierte er seine Primiz in St. Rochus in Mainz.) Steh aber jetzt eilends auf und gehe nach Hause, zuvor aber geh noch in den Dom und nimm dir Meinen Segen mit.“

Am Tag vorher hatten die Ärzte erklärt, man müsse dem Theologen die zwei Beine abnehmen, er habe nicht nur den Knochenfraß, sondern auch die Tuberkulose; nur ein Arzt widersetzte sich der Amputation, die gleich stattfinden sollte. – Eben feiert die Kirche die Geburt Mariä.

Barbara: „Ich grüße euch alle durch das heiligste Herz Jesu: heiliger Joachim, heilige Anna, heiliger Josef, heilige Engel.“ „F. W. wird gesund! F. N. wird ein guter Priester. Das ist gut für ihn – für seine Seele.“

Jesus: „Nur am Priestertum hängt die Bekehrung Meines Volkes. Deine Beharrlichkeit trotz aller Widersprüche soll beweisen, daß es wahr ist.“

Barbara: „Pater Bonifaz ist aber so ängstlich, darf ich denn nicht lieber schweigen?“

Jesus: „Und doch muß es Meine Kirche wissen, denn sie ist Kaiser aller Kaiser und König aller Könige. Wir werden siegen, müssen siegen, aber nur im Kreuz; unsere Kirche siegt, aber nur im Kreuz. Die Priester der Diözese M. sind bestimmt, der ganzen Welt als Vorbild voranzuleuchten, daß aus dieser Pflanzschule der Heiligkeit heilige Priester hervorgehen. O ihr, Meine lieben Priester, teilet mit Mir Meinen Schmerz. Ihr, Meine lieben gleichgesinnten Brüder, helfet Mir! An euch hängt ja die Bekehrung Meines Volkes! Ein gläubiger Sünder ist doch besser als ein Irrgläubiger, dem die Verdienste der katholischen Kirche nicht zugewendet werden können.

Sage N., wenn ein guter König sein Leben lang einen guten Diener gehabt hat, ob er ihn dann zuletzt von sich stoße. Ob sie Mich denn an Güte einem irdischen König gleichsetze? Sage ihr aber auch, daß Ich Mich Selbst versuchen ließ, daß das der Weg von der Erde zum Himmel ist: Leiden, kämpfen, siegen, dann herrschen!“

11 Kreuzerhöhung 1895

„Darum wird Meine Kirche allein die Welt retten.“

Barbara: „O mein Jesus, Bräutigam meiner Seele, ach, ich bin doch so bedrängt und voller Angst, weil ich gar nicht weiß, ob Du es bist, Der mit mir redet, oder ein anderer Geist. Ach, ich weiß ja gar nicht, was ich anfangen soll (bittere Tränen). Du weißt ja, daß ich in der ganzen Welt nichts suche als Dich allein. O ich kann nicht mehr, o ich kann nicht mehr! O wenn ich gewußt hätte, was mich alles erwartet, ich hätte nicht gewußt, ob ich Deinem Willen nachgegeben hätte, als Du mich fragtest: ,Willst du Mir folgen?’

O mein Jesus, was hat mich denn hierher nach M. geführt? War es nicht die Liebe zu Dir? Du weißt, welche Schwierigkeiten mein brennendes Verlangen nach Dir in der heiligen Kommunion zu Hause hatte, wieviel ich Deinetwegen gelitten und nur, um Dich öfter in der heiligen Kommunion empfangen zu können, bin ich hierher gekommen, und ich hätte zu Hause so zufrieden sein können. Aber ich will nur Dich. O laß mich doch nicht zugrunde gehen!“

Jesus: „Siehe, wie Ich Mein Leben in Niedrigkeit und Verborgenheit und Schmach durchlebte, ob Ich etwa anerkannt worden bin, ehe Ich in die Tiefe der Erniedrigung hinabgestiegen bin? Das merke dir!“

Barbara: „O mein Jesus, ich bitte Dich, daß alles in der Stadt verborgen bleibt, außer meinen zwei Mitschwestern, der vielen Urteile wegen, nicht, als ob ich mich davor fürchte. Aber wiewohl Du Deinen Dienern Gewalt gegeben, die Herzen zu lenken und die Dinge nach ihrem eigenen Sinn zu beurteilen und sie deshalb nicht strafbar sind, weil sie die Gewalt von Dir empfangen haben, so könnten sich doch andere versündigen, die diese Gewalt nicht haben. O ich bitte Dich für Deine heilige Kirche, o laß Deine Kirche siegen!“

Jesus: „Die Priester sollen nur fortfahren im Eifer und immer predigen, und wenn es auch gleichsam vor leeren Bänken wäre, es bleibt doch etwas hängen. O ja, die Kirche wird siegen, aber nur durch das Kreuz, durch die Liebe in der Verborgenheit. Wie ich dir schon gesagt vor Jahren, will der Sozialismus die Religion, die Allerheiligste Dreifaltigkeit, das Kreuz Christi, Glauben und Vertrauen, aus der Welt schaffen; aber die Kirche wird siegen, Meine Kirche, Meine Diener werden siegen.

Ich will alle Fehler Meiner Diener (Priester) mit dem Mantel der Liebe bedecken, wenn sie Glauben und Vertrauen haben und sich fest an das Allerheiligste Altarsakrament anschließen, wo Ich unter ihnen wandle, wie ehemals unter den Aposteln. O die Kirche von M. ist mir wohlgefällig, und wird – wenn man es auch nicht glaubt – in erster Linie den Anstoß geben, um über den Sozialismus zu siegen. Man muß ihnen sagen, daß das alles nichts ist, daß es einen Gott, eine Ewigkeit gibt, und diese Wahrheit lehrt allein Meine Kirche. Darum wird Meine Kirche allein die Welt retten. Der Sieg ist nicht fern! Komm mit Mir!“

Barbara: „O ich will auch meine beiden Freundinnen mitnehmen, sie lieben Dich viel mehr als ich, und zwar ohne Dich zu schauen. O welche Gnade! Der Herr hat uns mit einem dreifachen Band umschlungen, das niemand zu lösen imstande ist, weil es der Herr geknüpft. Sein Licht leuchtet über uns, und wir wandeln den Weg des Lichtes und viele mit uns, aber einzeln. Wir aber wandeln vom dreifachen Band umschlungen und darum sicherer. Wenn die eine stolpert, hält sie die andere aufrecht. Niemand wird imstande sein, dies Band zu zerreißen, weil es der Herr geknüpft hat.“

Jesus: „Über N. ist das Licht ausgegossen, aber es erreicht ihn noch nicht, weil er es von sich stößt. Ich habe ein großes Mißfallen daran, daß er so hin und her wankt. Ich habe ja seine Stirn bezeichnet mit dem Zeichen, das diejenigen an sich tragen, die zur Hochzeit des Lammes berufen sind.“

Barbara: „O gib doch, daß er sich über die Zweifel hinwegsetzt. Was ist es denn, daß er so zweifelt? –

Jesus: „Das ist seine Schwachheit, weil er sich so beeinflussen läßt von den Schwachgläubigen. Er hat ja nichts zu tun, als daß er dich vorwärts leite in Meiner Liebe; er wird sich vor Gericht zu verantworten haben, und wozu denn diese Kleinlichkeit, diese Spitzfindigkeit? O Mein Sohn, habe doch mehr Glauben, wirf die Zweifel weg, und dann wirst auch du teilnehmen an den Gnaden des übernatürlichen Lichtes, das Ich über dich ausgieße. Sage Meinem Diener, er soll sehen, ob du in der Wahrheit wandelst. Derjenige wandelt in der Wahrheit, der Meine Gebote hat und sie hält, der nur Mich sucht, der nichts liebt als Mich!

O Mein Sohn, wenn du doch mehr Glauben hättest! Aber du siehst nur die Schwächen und Fehler und bleibst dabei stehen. Du sollst es machen wie Ich, du sollst sie sehen und die Augen schließen und auf die andere Seite wenden, auf Meine unendliche Güte, Meine Hoheit, Meine Macht, Meine Größe, die Sich darin gefällt, mit den Niedrigen und Elenden umzugehen.“

Barbara: „O ein wahrhaft unbegreiflicher Gott bist Du und darum so unfaßbar den kleinlichen Menschenherzen!“

Lied: Vom Vertrauen auf Gott in Kreuz und Leid...

Ich sehe das heilige Kreuz aufgerichtet, so groß, daß die ganze Welt es sehen kann, strahlend von Gold, es reicht von der Erde bis in den Himmel.

Lied: O heiliges Kreuz sei uns gegrüßet, daran die einzige Hoffnung ist...

„Das ist das Zeichen, daß die Kirche siegt im Kreuz. Gold ist die Liebe. Es ist nicht zu erfassen, was die Liebe vermag, wenn eine Seele liebt, sie steigt empor zum Herzen Gottes und zieht Ihn herab zu sich auf die unwirtliche Erde. O wie glücklich sind wir.“

„Wie danke ich Dir, Gott Vater, daß Du mich erschaffen; wie danke ich Dir, Gott Sohn, daß Du mich erlöst; wie danke ich Dir, Gott Heiliger Geist, daß Du mich geheiligt. O Allerheiligste Dreifaltigkeit!“

„Ich bitte für den verstorbenen N.; ich habe heute nicht die Kraft zu bitten für die Armen Seelen, weil ich das Leben Seiner Kirche mitleben soll, das ist meine Bestimmung. O Du höchste Majestät meines Gottes, unbegreifbar und unfaßbar, o wie magst Du Dich zu mir armem Würmchen herabneigen. O ich bin ja zu arm, zu sündhaft, o wohin soll ich mich verkriechen? O Erde, tue dich auf und verschlinge mich! O erhebe mich denn zu Dir! O kannst Du denn vergessen alle meine Sünden?“

Jesus: „Ja, Ich habe sie vergessen!“

Barbara: „O vergiß auch die meiner zwei Freundinnen!“

Jesus: „Das Band ist umschlungen und nichts kann es trennen, weil es dreifach ist, ein dreifaches Band.“

Barbara: „O daß die Zweifel mich nicht so sehr niederdrückten. O steh mir bei, daß sie mich wenigstens nicht in Deiner Liebe hindern! Du weißt, wieviel Angst ich diese Woche ausgestanden, weil meine Vorgesetzten, Deine Diener, mir keine Sicherheit geben.“

Jesus: „Ja freilich, das ist nun einmal so, jede große Gnade mußt du dir erst verdienen.“

Barbara: „So opfere ich Dir denn alle Angst in Vereinigung mit Deiner Todesangst für Deine heilige Kirche.“

Übermäßige zeitliche Sorgen sind Seinem Herzen höchst mißfällig und ein großes Hindernis, zur vollkommenen Liebe zu gelangen.

Jesus: „Sage N., daß jeder Mensch so viel Gerechtigkeitssinn haben muß, daß er seinem Nächsten, der ihm aus der Not geholfen, Sicherheit stellt für das Geld, das zu seinem Unterhalt nötig ist. Frage sie, ob es nicht besser sei, in Meiner Gnade zu wachsen als an irdischem Besitz. Ich will aber dafür sorgen, daß sie reichlich zu leben hat, wenn sie Gerechtigkeit übt. Ich will sie dafür doppelt segnen. Sie macht sich zu viele und zu unnötige Sorgen. Ich will sie inniger an Mich ziehen.“

Barbara: „O ich bitte Dich nicht, daß Du N. von seinen Zweifeln befreist und so umstimmst, wie ich es wünsche, aber daß er mich nicht in der Liebe störe. Ich habe ja kein Verlangen, von einem Menschen anerkannt zu werden, ich habe die Ehre von den Menschen schon längst über Bord geworfen.“

Jesus: „Du brauchst ihm jetzt nichts weiter zu sagen, als daß du zwei Tage viel gelitten, und laß ihn dann gehen und beruhige dich. Sage ihm das Nötigste, ohne dich darum zu bekümmern, ob er es glaubt oder nicht, und gehe ruhig weiter.“

Barbara: „Ich opfere Dir auch alles auf, was wir in der Zeit von Mariä Geburt bis jetzt getan. Es ist zwar nur ein Strohhälmchen, aber Du ersetzest alles, was fehlt. O wie ist jetzt alles so überreich, so glänzend! Opfere es Deinem himmlischen Vater für die heilige Kirche und zur Sühne für meine Sünden und die der ganzen Welt. O Herr, wie viele Sünder wirst Du uns schenken bis zum Fest Mariä Geburt, wie Du uns versprochen?“

Jesus: „Ist dies nicht eine sträfliche Neugierde? Es ist wegen der menschlichen Schwäche nicht gut, alles zu wissen, denn die menschliche Natur neigt zu sehr zum Stolz. Wandelt im Glauben, ohne zu wissen. In der Ewigkeit werde Ich euch Meine Geheimnisse erschließen.“

Barbara: „Ich opfere Dir alles auf, in Vereinigung mit allen frommen Seelen in der Diözese, mit allen Jungfrauen, die Dir einsam in der Verborgenheit dienen, in Verachtung vor der Welt, und denen Du Leiden sendest, wenn sie es auch nicht wissen, damit sie Deiner Kirche den Sieg erringen helfen, in Vereinigung mit den Seelen in den Klöstern, die sich Dir geweiht haben, mit den Priestern, den frommen Eheleuten, mit allen, die Dich lieben, anbeten, verehren. Ach, daß doch alle Menschen Dich erkennten und aus ganzem Herzen liebten und aus allen Kräften über alles Dich loben und ehren möchten! Ich will ja gerne leiden, o erspare mir die Leiden nicht, nur gib mir Mut und Stärke, um auszuharren. Ich frage Dich nicht, welche Leiden noch meiner harren; das überlasse ich Dir, nur gib mir Mut, um auszuharren.“

Jesus: „Der Reichtum ist ein großes Hindernis, um zu Meiner göttlichen Liebe zu gelangen. N. ist so verstrickt im Irdischen, daß es fast ein Wunder braucht, um sie zu retten.“

12 Kirchenbedrängnis 1895

Jesus: „Ich habe dich in den Schmelzofen der Liebe geworfen, um dich zu reinigen von all deinen Sünden. Ich habe dich erwählt, den Kelch mit Mir zu trinken, der Mir von Meinem Vater dargereicht wurde. Komme, Meine Tochter, komme, Meine Braut, komme heute mit Mir nach Rom.“

Barbara: „O mein Jesus, ich bitte Dich, halte Deinen Arm über das Oberhaupt der Kirche, über Deinen sichtbaren Stellvertreter auf Erden. Laß nicht zu, daß ihm und einem seiner Diener ein Haar gekrümmt werde! O ich durchwandere die ganze Welt und suche alle die Seelen auf, die mit mir einer Gesinnung sind, die an Jesus glauben, auf Ihn hoffen und auf Ihn vertrauen, daß Du um ihretwillen Dich der Welt erbarmest. Schone Dein Volk und die Welt um der Gerechten willen. Du hast gesagt, wenn in Sodom fünf Gerechte wären, wolltest Du um ihretwillen die Stadt verschonen. O schone auch jetzt um der Gerechten willen die Welt, die arme, sündige Menschheit. Halte den strafenden Arm Deiner Gerechtigkeit zurück.

O Ewiger Vater, um des Opfers willen, das alle Tage auf unseren Altären dargebracht wird, schone Dein Volk.

O liebe Mutter Maria, breite Deinen Mantel aus über die heilige Kirche. O laß nicht zu, daß ihre Feinde die Oberhand gewinnen.“

O was für ein Gewirr das ist, als wenn die Hölle sich geöffnet hätte und wäre auf Erden erschienen. Licht vom Himmel! Leo XIII. Ich sehe den Heiligen Vater mit seinen Kardinälen versammelt und im Gebet vereinigt. O welch ein Gegensatz! Licht vom Himmel und Finsternis von der Hölle. Wer wird den Sieg davontragen?

„O heiliger Erzengel Michael, komm uns zu Hilfe im Kampf, o ihr heiligen Engel, ihr Heiligen Gottes alle, eilet uns zu Hilfe!

O Du Besiegerin der Ungläubigen, o himmlische Jungfrau, komme uns zu helfen in diesem Kampfe. Dein Sohn hat uns versprochen, daß die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen werden. Und Du wirst der Schlange den Kopf zertreten. Durch Dich hat die Jungfrau von Orléans gesiegt, durch Dich wird auch die heilige Kirche siegen über die Feinde. Ich vereinige mich mit allen Frommen auf der Welt, mit allen, die Verfolgung leiden, mit allen, die den Weg des Kreuzes Dir folgen, mit allen Jungfrauen, Priestern, mit allen Ordenspriestern, die für Deine Ehre eifern und für das Wohl des Volkes einstehen. Mein Jesus, Barmherzigkeit für die arme, sündige Menschheit, für so viele Seelen, die der Satan alle in seinem Rachen hat.“

O ein Strom wälzt sich über die Erde hin, der alles mit sich fortreißt, und das ist der Unglaube! O die Jugend in ihrem Leichtsinn, sie geht verloren, wenn nicht eine andere Umgestaltung zuwege gebracht wird, aber nur durch das Kreuz und im Kreuz wird die Kirche siegen. Ich sehe das Kreuz aufgerichtet von der Erde bis zum Himmel. Harret aus, ihr guten, getreuen Seelen, vereinigt euch mit mir; helfet mir, Jesus zu lieben, o gewiß, wir werden siegen; denn wir haben den lebendigen, den wahrhaftigen Gott bei uns im Allerheiligsten Altarsakrament, Er, Der für uns den Tod auf Sich genommen. O vertrauet und fürchtet euch nicht, ihr treuen Seelen, wir werden gerettet werden und mit uns die ganze Welt. O freuet euch mit mir.

Lied: Lobpreis und Ruhm...

Ich sehe einen Thron aufgerichtet wie aus lauter Elfenbein, und auf ihm sitzt die unendliche Liebe und die unendliche Barmherzigkeit und hält Gericht über die Menschheit. Der Thron bedeutet Seine heilige Kirche auf Erden. Ja, sie wird thronen über die ganze Menschheit durch die Liebe und die Barmherzigkeit; denn Barmherzigkeit wird sie erweisen allen denen, die sich ihr nahen und unter ihren Schutz flüchten und Liebe allen denen, die sie nicht lieben.

Sie wird nicht Haß mit Haß vergelten, sondern Haß mit Liebe. Sie wird alle mit Liebe umfassen, allen verzeihen und alle zu retten suchen. Und das Elfenbein bedeutet ihre Unschuld und unversehrte Reinheit, mit der sie regiert. Rein und fleckenlos wird sie sein, wie ihr Bräutigam, weil sie Seine Braut ist.

O wir Kinder der Kirche, wie glücklich sind wir, ihre geborgenen Kinder sein zu dürfen. O preiset mit mir den Herrn, im Schoß der heiligen Kirche geborgen zu sein. O welch ein Glück!

Ich sehe meinen himmlischen Bräutigam, wie Er Seine Hand ausstreckt nach Rom. O mein Jesus, was soll denn das bedeuten? O mein Jesus, Barmherzigkeit. Eben tritt Er hin zum Heiligen Vater und reicht ihm die Hand, in gleicher Gesellschaft mit mir und gibt ihm die Verheißung:

Jesus: „Sei getrost, Mein Sohn, du wirst noch gekrönt werden mit der Siegeskrone. Der Sieg ist nahe!“

Barbara: „Und ihr alle, die ihr an Ihn glaubt, o vereinigt euch mit mir, o schämet euch nicht, für Seine Rechte einzustehen und zu bekennen, daß ihr Jünger Jesu seid. O ihr Priester, harret aus. O ihr Diener des Herrn, harret aus in diesem schweren Kampf. Ihr werdet siegen, und es wird ein Schafstall und eine Herde mit einem Hirten werden. O ich will gerne leiden, ganz in Verborgenheit für Dich, wenn es auch niemand glaubt und anerkennt. O mein Jesus, ich will mich auch ganz Dir opfern. O ich bitte Dich, halte es verborgen hier in Mainz.

O ich will ja ganz dasselbe leiden wie bisher. O es ist besser, daß ich meinen Willen ganz dem Deinen unterwerfe, wie Du willst. Ja, wenn ich eine Seele retten könnte durch mein Gebet und Opfer und Sühneleiden, o wie gern wollte ich mich auf den Markt tragen lassen, wenn es Dir also wohlgefällig und Dein Wille ist.

Ja, ihr Menschen, ihr sollt sehen, wie gut Du bist, o mein Jesus! O breite doch Deine schützende Hand aus über die Jugend. O ich bitte Dich ganz besonders für meine lebenden Verwandten, o laß keines mit dem Strudel fortgerissen werden, für alle, die in unserem Haus wohnen, o stärke sie.

O laß doch die, die Dich nicht lieben, einsehen, wie eitel die Welt ist. O ich bitte Dich für alle, die sich mit mir vereinigen, daß Du ihre Fehler tilgest durch Reue und Bußtränen, damit wir viele Seelen retten.

Ich bitte Dich auch für das Kloster in N. Du hast große Freude an diesem Kloster, es sind dort heilige Seelen, zwei oder drei, die ganz im Licht sind und viele Gnaden herabziehen für den ganzen Orden. Hier in M. sind ja auch viele Klöster, o gib doch, daß der rechte Geist in ihnen wohne, wehe, daß sie doch den Weltgeist verachten. O welch ein Schmerz für Dich, daß auch in den Klöstern solche sind, die nach irdischem Besitz streben und den Weltgeist mit hereinbringen. Im großen und ganzen wird doch viel mehr in der Welt das Gute angestrebt. Du hast doch Freude daran. Es geschieht doch selten, sehr selten, daß eine Seele verlorengeht, die in einer Genossenschaft lebt!“

Jesus: „Darum heißt es zusammenstehen, darum will Ich Mich dir offenbaren, daß die Welt erkenne, daß Ich sie liebe, und Ich will alle, die sich mit dir vereinigen, mit besonderen Gnaden überhäufen, mit besonderer Liebe an Mich ziehen. Ich will eure Schritte segnen, die ihr für Meine Liebe tun werdet. O harret aus, Meine Töchter, harret aus! Die Allerheiligste Dreifaltigkeit ruht mit besonderem Wohlgefallen auf euch.“

Barbara: Ja, Er will alle unsere Schritte segnen, o welch Glück, da soll man ja nicht müde werden, alle die Opfer, die wir bringen, zu verdoppeln. N. hat einen großen Eifer, unsere Häufchen guter Werke sind noch kleiner.

Jesus: „Harre aus, Lieschen, harre aus! Fahre nur fort, je kleiner deine Schätze auf Erden, desto größer im Himmel. Alles ist eitel, alles ist nichts.“

Barbara: „Und ich und Luise wir wollen Dir auch folgen, wir machen aber noch kleine Schritte, wir sind ja noch Kinder, wir müssen Dir nachfolgen wie die kleinen Kinder, aber auch die Kinder werden groß mit Deiner Gnade. O mein Jesus, wie bist Du so gut.“ (Es wurden Barbara die guten Werke von ihren beiden Freundinnen Liechen und Luise sowie ihre eigenen gezeigt in Form von aufgehäuften, geschlossenen Päckchen.) „Warum darf ich nicht bei Dir bleiben und muß wieder zurück auf die armselige Erde, o laß mich doch an Deiner Hand. Du weißt ja, wie arm ich bin, o daß ich Dich doch nie vergesse.“

Jesus: „Sei guten Mutes, Ich gebe dir Meine Mutter als Vorbild. Wie arm, wie klein, wie unscheinbar auf Erden ist auch Sie gewandelt, wie wenig hat Sie auf Sich Selbst vertraut. Sie ist deine Mutter, Königin und Herrin; unter Ihrer Regentschaft gehst du ruhig und sicher und zufrieden weiter.“

Barbara: „Also auf, liebe Schwestern! Der Entschluß ist gefaßt, unter einer Leitung gehen wir, unter einer Regentschaft, nur weiter, nur vorwärts, wir werden nie mehr Gefahr laufen, wir werden nie mehr rückwärts gehen. Durch ein dreifaches Band sind wir vereinigt. Auf, vorwärts, o wie glücklich sind wir!“

Jesus: „Laßt nie einen Zweifel aufkommen, wenn die eine den Versuchungen preisgegeben, dann hilft ihr die andere auf, denn Satan hat großen Zorn über euch. Und schaut auch auf Mein Beispiel, denn wenn Ich versucht werden wollte, wie wollt ihr davon ausgenommen sein. Ihr werdet vielen Zweifeln, Ängsten, Versuchungen begegnen. Darum seid ihr durch ein dreifaches Band umwunden, daß die eine die andere aufrecht hält. Schreitet voran im Kreuz. Im Kreuz werdet ihr siegen. Es werden viele auf euch schauen und sich erbauen, die Mir dienen wollen. Darum folget Meiner Stimme, sobald ihr Sie hört, ohne Zweifel tut das, was Ich euch sage. Ich werde euch nicht verlassen.“

13 Bei einem Begräbnis 1895

Als Barbara einst zufällig mit einem Begräbnis zusammenkam und wegen der Menge nicht über die Straße konnte, ging sie in den Dom und betete mit ausgespannten Armen die fünf Wunden für den Verstorbenen. Schon beim zweiten Vaterunser hörte sie die Stimme Jesu:

Jesus: „Er hat sich von Mir abgewendet, darum habe Ich Mich auch von ihm abgewendet.“

Da sie nun glaubte, er wäre verloren, betete sie noch inbrünstiger, worauf der Herr sagte:

Jesus: „Morgen sollst du mehr erfahren.“

Andern Tags sagte Er:

Jesus: „Ich war so erzürnt über ihn, daß Meine Gerechtigkeit sich gleichsam nicht überwinden konnte, ihn zu retten, wenn nicht selbstlose Seelen sich zwischen ihn und Meine Gerechtigkeit gestellt hätten. Das ist eine jener Seelen, die ihr durch euer nächtliches Gebet gerettet habt; aber er ist verurteilt, bis an den Jüngsten Tag im Fegefeuer zu bleiben, und zwar in der tiefsten Tiefe, wo die Gebete der Kirche ihn nicht erreichen. Wo immer auf der Welt eine uneigennützige Seele sich zwischen Meine Gerechtigkeit und den Sünder stellt, da bin Ich entwaffnet und muß um ihretwillen den Sünder retten.“

Dies war ein Herr, der hartnäckig den Beistand des Priesters von sich wies, dem aber eine Franziskanerin noch im letzten Augenblick einen Akt der Reue vorbetete und er nachbetete. Seine Frau hatte sogar den Bischof abgewiesen.

14 St. Michaelsfest 1895

Barbara sah den heiligen Erzengel mit dem Schwert in der Hand, über Rom gezückt. Der Heiland drückte Seinen Schmerz aus, wenn Er Arme verdammen müsse, denen Seine Gerechtigkeit eine Entschädigung für dieses Leben schulde, und die, verführt durch andere, zuletzt im eigenen bösen Willen sich verhärten.

15 St. Franziskus von Assisi 1895

Der liebe Heiland führte Barbara an einen Ort unaussprechlicher Herrlichkeit, wo sie St. Franziskus und ganz in seiner Nähe N. sah.

Franziskus: „Hier ist nicht der Ort für die Märtyrer, noch für die Bekenner; hier ist nur der Ort für die seraphisch Liebenden. Schwester N. ist im Himmel, denn obwohl sie Fehler hatte, sind diese durch das geduldige Ertragen der schmerzlichen Krankheit getilgt worden.“

Schwester N. hatte seit Jahren ein schmerzhaftes Krebsleiden, war aber am 27. September, also erst seit einer Woche, gestorben und am 4. Oktober bereits im Himmel. So viel kann man durch eine schmerzliche Krankheit abverdienen. Jesus sagte noch, welche Freude Er an unserem Dreierbund habe, weil kein Stäubchen sei, das sich nicht auf Seine Liebe bezieht.

16 Zweiter Donnerstag im Oktober 1895

„Ja, weil es Meine Freude ist, bei den Menschenkindern zu sein und Meine Lust, in ihnen zu wohnen.“

Lied: Düster sank der Abend nieder...

Barbara: „O liebster Jesu, ich erinnere Dich an jene traurige Stunde am Ölberg, wo Du blutigen Angstschweiß vergossen. Verleihe auch mir die Gnade, alle Angst aus Liebe zu Dir in Geduld zu ertragen. Dein Beispiel soll mich lehren, mit Dir in Ergebung zu sprechen: ,Vater, nicht wie ich will...’ Mit Dir will ich leiden, damit ich dereinst auch verherrlicht werde.“

Ich sehe meinen Jesus, ganz in Blut gebadet, Sein heiligstes Antlitz ist ganz entstellt, Seine Haare sträuben sich, und in Schrecken und Angst ist Seine hohe Gestalt niedergebeugt.

O mein Jesus, ich vereinige mich mit Dir. Nimm meine Tränen, wenn sie auch nicht blutig sind, für meine Sünden und für die Sünden der ganzen Welt. O daß doch die Menschen Dein bitteres Leiden sich zu Herzen nähmen. O darum gehen so viele zugrunde, weil es die Menschheit nicht mehr erkennt und weil diejenigen, die es glauben, sich so leicht darüber hinwegsetzen, als wäre es nur so ein Schauspiel gewesen und nicht blutige Wirklichkeit, und doch bist Du der eingeborene Sohn des Ewigen Vaters, Gott von Gott, Licht vom Lichte, und hast dies alles für uns gelitten aus unendlicher Liebe. O mein Jesus, ich vereinige mich mit Dir.

Ich opfere Dir all meine Leiden in Vereinigung mit meinen beiden Mitschwestern zu Deiner größeren Ehre und Verherrlichung, für die Ehre Deiner heiligen Kirche, daß Dein Reich sich ausbreite auf der ganzen Welt, daß auch die zur Besinnung kommen, die Dich verschmähen. Ich opfere Dir all die Herzen auf, die von Dir getrennt sind, all die lauen und gleichgültigen.

O könnt ich doch mein Herz in so viele Stücke teilen, wie solcher Seelen sind und es Dir aufopfern für diejenigen, welche Dich nicht lieben. Ich vereinige mich auch mit Dir für all die Millionen, die der Heilige Vater ganz besonders den Kindern anempfiehlt, daß sie für sie beten sollen. Ist es denn möglich, daß es jetzt gegen das Ende geht?“

Jesus: „Siehe, in dir will Ich wirken, Meine Tochter! Ich will, daß Mein Reich sich immer mehr ausbreite auf der ganzen Welt, aber ganz besonders in denen, die sich Meiner Liebe opfern. Sie sollen Mein Reich kosten in seiner ganzen Breite, in seiner ganzen Tiefe, in seiner ganzen Höhe, in seiner ganzen Länge. Sie sollen herrschen in Meinem Reich wie ein König auf seinem Thron, sie sollen triumphieren über alle ihre Feinde, sie sollen mit Liebe Meine Liebe umfassen und Mich in Meiner ganzen Lieblichkeit genießen und in Meiner ganzen Süßigkeit. Ich verspreche dir, Meine Tochter, so viele Seelen sollen zur Bekehrung gelangen, wie du und deine beiden Mitschwestern Rosenkränze beten werdet.

Ich verspreche dir, Meine Tochter, so viele Seelen aus den Peinen des Fegefeuers sollen in die Freuden des Himmels eingeführt werden, wie ihr Ave Maria beten werdet in diesem Monat. Seid darum eifrig, fürchtet nicht das Gerede der Menschen und laßt euch nicht abhalten, wenn andere euch zur Rede stellen. Ich verspreche euch, daß es euch nicht schaden soll an eurer Gesundheit und eurem Leben, und ihr werdet euren Grad der Seligkeit um so vieles vermehren, als ihr andächtig den Rosenkranz betet.“

Barbara: „O mein Jesus, Du bist unendlich gut. O ich arme Sünderin, o kannst Du denn vergessen, wie ich Dich beleidigt habe? Hast Du es denn vergessen? Ist es denn möglich, daß Du um das bißchen, das ich getan, so unendlich herablassend bist? O daß doch alle Menschen Dich erkennten und aus ganzem Herzen liebten, aus allen Kräften über alles Dich loben und ehren möchten! O ich bitte Dich auch um Deiner Todesangst willen für die Priester. Ich kann nichts als leiden, wenn Du kommst, Dich lieben, soviel Du mir Gnade gibst, und das Übrige muß ich Dir allein überlassen.“

Jesus: „N. wird nicht fortgehen, er wird bleiben; sage ihm nur, er soll sich so lange begnügen mit dem tätigen Leben, bis Ich ihm das beschauliche Leben Selbst gebe; es wird die Zeit kommen, wo Ich es fügen werde. Er soll sich sein Kreuz nicht erschweren, indem er sich den Querbalken selbst hineinfügt. Mein Wille ist es, daß er hier stehe, und je tiefer er sich verdemütigt und hinabsteigt in den Abgrund der Erniedrigung und sich allem unterwirft und von jedem sich niederdrücken und demütigen läßt, um so höher steigt er in Meiner Liebe. Sage ihm, daß Ich dreiunddreißig Jahre hinabgestiegen, von Tag zu Tag tiefer, bis zu jenem Abgrund, wo Ich am Kreuz Mein Leben aushauchte, daß er noch viele Tritte hat, bis er in diese letzte Stufe hinabgestiegen, in der Ich gestanden bin, und wenn die Zeit gekommen, daß er am Kreuz soll erhöht werden, hat er doch noch Zeit genug zum Genießen und Beschauen der göttlichen Dinge.“

Barbara: „O wie unendlich gut Du bist! Wir Menschen sind halt so, o habe Nachsicht mit unserer Schwäche. Siehe, Herr, ein armes Würmchen erhebst Du aus dem Staub und erhebst es in die Nähe Deiner Gottheit.“

Jesus: „Ja, weil es Meine Freude ist, bei den Menschenkindern zu sein und Meine Lust, in ihnen zu wohnen.“

Barbara: „O mein Jesus, ich danke Dir für all die Güte, die Du mir armen Sünderin schon erwiesen hast und noch erweisen wirst. Ich weiß es zu schätzen, daß Du mich nach M. geführt hast, doch nicht so, wie ich es wollte. O habe Nachsicht und Geduld mit mir. Du hast mich nach M. geführt, um mich zu bereichern mit Dir Selbst in der heiligen Kommunion. O wie kann ich Dir nur dafür danken!

O ihr Himmel und Erde, o danket meinem Gott, der so Großes an mir getan und jeden Tag in der heiligen Kommunion zu mir kommt. O meine heiligen Patrone: Heilige Barbara, heilige Elisabeth, heiliger Josef, heiliger Antonius, heilige Katharina und Agnes, o all ihr Heiligen, ihr lieben, heiligen Schutzpatrone, o danket mit mir für die große Gnade, daß Gott, den ihr schaut, Sich erniedrigt, jeden Tag zu mir zu kommen, um Sich mit mir zu vereinigen, und daß Er mich nach M. geführt, um dieses Ziel zu erreichen.

Ich bitte Dich auch für die Mädchen meines Dorfes, und weil Du willst, daß die tägliche heilige Kommunion überall eingeführt werden soll, o so gib doch auch, daß es ihnen leichter gemacht werde. Ich danke Dir, daß Du mich geführt hast unter so gute Menschen, o segne sie dafür und ihre Familien. Ich danke Dir, daß Du es bis jetzt verborgen hast. O ich kann es nicht fassen, o mein Jesus, wie unendlich gut Du bist. Mein Herz ist zu klein. Ja, es ist für Dich geschaffen, und es ruht nicht eher, bis es in Dir ruht.

Wie bist Du so unendlich gut gegen Deine Geschöpfe, die Dich noch beleidigen. Wie gut mußt Du erst sein, wenn sie Dich besitzen und genießen dürfen an jenem Ort, wo sie Dich nicht mehr beleidigen können. O hört, ihr Erdenkinder, wie unendlich gut ist unser Gott. O mein Jesus, siehe, ich habe Dich schon so oft darum gebeten, zeige mir, wenn es Dein Wille ist, den Bruder von N.“

„Liebe Mutter, ich wende mich an Dich, ich opfere Dir auf die Ave, die in diesem Monat gebetet werden. Ich opfere Dir auf alle die Leiden, die Deine Kinder in ihren Familien auszustehen haben, weil sie den heiligen Rosenkranz besuchen, alle Schritte und Tritte; ich opfere Dir alles, was ich schon gelitten und noch leiden werde, auf! Ich schenke Dir alles durch einen heroischen Liebesakt.“

Gleichwie mein Jesus am Kreuz für Seine Feinde gebetet hat, so bitte ich für die, welche mich beleidigt haben und noch beleidigen werden, und wenn mir manchmal ein kleiner Unwille kommt, o so verzeihe es mir. Ich opfere Dir alle Widersprüche auf, die ich noch werde aushalten müssen. Gib mir diese Seele, o Herr, Du weißt warum, ich weiß es auch, aber gerade, da Du siehst, daß ich uneigennützig liebe, gerade deshalb mußt Du mir ihn geben. Siehe, uneigennützig, wie Deine Liebe am Kreuze, ist auch meine Liebe. Du hast mir Seelen versprochen. Ich werfe mich Dir entgegen, Du mußt sie mir herausgeben, ich will nur Seelen erbitten, die Dich verherrlichen. Gib mir ihn. Ave Maria.“

Erlöster Bruder: „Sage aber meiner Schwester, daß sie ihren Eigensinn breche.“

Barbara: „O könnt’ ich doch einmal dorthin gelangen, wo ich nicht mehr getrennt von Dir bin, o ich habe so Angst, ich täte Dich wieder verlieren. O befestige doch meinen Glauben, meine Hoffnung und Liebe. O gib, daß ich über alles hinweggehe.“

Jesus: „Laß die Menschen dich halten für was sie wollen, verzeihe allen.“

Barbara: „O ich bin ja auch nicht mehr wert, als daß sie mich schlecht beurteilen.“

Jesus: „Du sollst nicht müde werden im Leiden, wie auch Meine Mutter nicht müde geworden ist, an Meiner Seite zu gehen in Meinem bitteren Leiden. Trete in Ihre Fußstapfen.“

Barbara: „O ich arme Sünderin.“

Jesus: „Und wenn innere Leiden kommen, sollst du nicht verwirrt werden, mache dir nichts daraus. Siehe, wie hat Meine Mutter neben Ihrem Sohn Sein ganzes Leben mitgelebt. So sollst auch du neben Mir einhergehen, beständig auf die Mutter Gottes schauend. Dazu habe Ich dich erwählt. Du sollst dir Mein Beispiel vor Augen stellen. Siehe, alle deine Fehler beachte Ich nicht, Ich komme immer wieder zurück zu dir. So sollst auch du mit deinen Mitmenschen tun, du wirst sehen, zu welchem Grad der Seligkeit Ich dich geleite, wenn du ausharrst.“

Barbara: „O mein Jesus, ich stecke so tief in meiner Familie. Niemanden hab’ ich, der mich versteht, o hättest Du mir doch meine Marie nicht weggenommen; das gute Herz, nun bin ich so ganz allein. O sage, warum hast Du das getan? Wir hätten so fleißig zusammen Dir gedient.“

Jesus: „Siehe, Ich habe dir andere Schwestern gegeben, sie werden dich nicht mehr verlassen, damit Meine Ehre mehr gefördert werde. Deine Marie ist Meine Braut und alle, die Mir dienen, sind Meine Bräute.“

Barbara: „Nun bin ich getröstet und ergeben, wie Du willst.“ (Die Schwester Marie ist Klosterfrau in K.)

Jesus: „Ich bin kein Gott, der immer zürnen und strafen will, Ich bin ein Gott der Liebe und Barmherzigkeit.“

Barbara: „O Herr, ich bitte, was wirst Du denn N. zu ihrer fünfundzwanzigjährigen Profeß schenken?“

Jesus: „Ich will ihr als Jubiläumsgeschenk einen großen Zuwachs an Liebe geben und eine unüberwindliche Geduld in allen Leiden, die noch über sie kommen werden. Es wird eine Zeit kommen, wo alles offenbar werden wird, was sie Mir und ihren Schwestern geleistet hat. Ich will, daß diese Familie anderen vorgeführt werde.“

Jesus wollte fortgehen. Luise brachte aber immer wieder neue Bitten vor. Er kehrte mit großer Liebenswürdigkeit um und sagte zuvorkommend:

Jesus: „Ich werde nicht müde, deine Bitten entgegenzunehmen.“

Als Barbara darauf wegen Äußerungen anderer sehr ängstlich wurde, ob es wohl der liebe Gott sei, Der mit ihr rede, flehte sie Ihn unter Tränen an, Er möge doch nicht zugeben, daß sie verlorengehe, da sie doch nichts suche, als Ihm allein zu gefallen. Als sie unter solchen Bitten den Kreuzweg beendet hatte, fühlte sie so auffallend Seine Nähe, daß sie nicht mehr weiter konnte. Er fing an, sie liebevoll zu belehren über ihre Zweifel und Angst und sie zu beruhigen, daß es unmöglich ist, es auszudrücken.

Jesus: „Ich will dir zeigen, warum Ich so freigebig bin und dir so große Verheißungen mache, deinetwegen wohl nicht, aber damit man erkenne, wie gut Ich bin, und daß Ich Mich an Großmut nicht übertreffen lasse. In einen neuen Lichtglanz hat Mich Meine Braut, die Kirche, gekleidet und in einen neuen Himmel hat sie Mich versetzt in diesem Monat, weil Meine Kinder sich so zahlreich um Mich versammeln zum Lobpreis Meiner heiligen Mutter. Denn siehe, indem sie Meine Mutter ehren, verherrlichen sie Mich, ihren Gott.“

Am Abend: Das Allerheiligste war ausgesetzt, und der Rosenkranz wurde begonnen. Bisher zeigte Er Sich ihr nicht, obwohl sie sicher wußte, daß Er in ihrer Nähe, bei ihr sei. Jetzt aber zeigte Er Sich ihr in einer solchen Schönheit auf dem Altar, daß es weder gedacht noch beschrieben werden kann. Er war in einen Glanz gehüllt, wie sie Ihn noch nie geschaut. In diesem Glanz schaute sie einen Reif, oder besser noch, einen Regenbogen, aber ohne Farben, der Jesus ganz umgab, und in diesem ovalen Bogen stand überaus liebenswürdig der liebe Heiland, Sein Angesicht gegen die Leute gerichtet. Um den geheimnisvollen Bogen herum waren in abgegrenzten Feldern die zwölf Artikel des apostolischen Glaubensbekenntnisses. Hinter Ihm stand Seine Mutter, und der Glanz, mit dem der liebe Heiland umgeben war, fiel auf Seine Mutter zurück, und Sie teilte mit beiden Händen den Anwesenden davon aus, so daß alle – jedoch sehr verschieden – von demselben Lichte umgeben waren. Nun belehrte sie der Herr, was das bedeuten sollte, weil sie es nicht verstanden hat. Der Glanz nämlich, den sie schaute, ging nicht – wie sonst immer – von Ihm Selbst aus, sondern der Ihn umgebende Regenbogen mit den zwölf Artikeln des apostolischen Glaubensbekenntnisses verbreitete ihn. Damit wollte Er uns zeigen, welche große Freude Seine Kirche Ihm dadurch bereitet, daß sie ihre Kinder in diesem Monat so zahlreich um Ihn versammelte, und daß sie auch wissen sollen, daß sie nicht vergebens bitten und Er Sich nicht übertreffen lasse.

Deswegen habe Er mir am Donnerstag jene fast unglaublichen Verheißungen gegeben, für jeden Rosenkranz einen armen Sünder und für jedes Ave Maria eine Arme Seele zu schenken.

Damit will der liebe Heiland uns zeigen, welche Freude Er hat an dem Gebet Seiner Kirche und wie viele Gnaden für uns, für die Kirche, daraus fließen, und daß wir selbst Seine Wonne und Herrlichkeit vermehren können. Wir erlangen, wenn wir uns recht mit Ihm vereinigen und dem Ruf der Kirche folgen, alles, wie Er es versprochen, nicht durch unsere Bemühung, sondern durch Sein und Seiner Kirche Flehen, mit dem wir uns vereinigen.

17 Dritter Donnerstag im Oktober 1895

„Seht doch, wie Ich all eure Schwächen zudecke mit Meiner Liebe.“

Barbara: „O mein Jesus! Ich erinnere Dich an jene traurige Stunde, wo Du blutigen Angstschweiß vergossen und von Deinem Vater gestärkt wurdest, verleihe auch mir...“

Jesus: „Ich will, daß du mit Mir leidest, Meine Kirche braucht starke Seelen, opferwillige Seelen, die sich nicht fürchten vor dem Gerede der Menschen, Seelen, die in der Tat das beweisen, was die Priester durch ihr Wort lehren, denn Ich will, daß in Meiner Kirche der häufige Empfang der heiligen Kommunion eingeführt werde. Ich will, daß Meine Kirche alle Kraft aufbietet, um die Welt zu überzeugen, wie hoch Ich den jungfräulichen Stand geehrt und geachtet habe; denn eine Jungfrau war es, die Mich vom Himmel herabgezogen, eine Jungfrau war Mein Nährvater; eine Jungfrau war es, die an Meinem Herzen ruhte, als Ich das große Denkmal Meiner Liebe einsetzte.

Jungfrauen werden es sein, wenn Ich einst erscheinen werde, die Mir das Kreuz voraustragen, wenn Ich zum Gericht erscheinen werde. Und in der heiligen Kommunion liegt das Geheimnis verborgen, da trinken die Jungfrauen den Wein, der sie von Liebe zu Mir berauscht. Ich will, daß neben dem Ehestand der jungfräuliche Stand bestehen soll, auch mitten in der Welt, weil nicht alle ins Kloster gehen können.“

Barbara: „O mein Jesus, ich danke Dir für alle Leiden, die Du mir hast auferlegt, ich danke Dir für Deine Liebe, für Deine unendliche Liebe, die Du mir, Deinem armen Geschöpfe, ja dem ärmsten aller Geschöpfe, widerfahren läßt. Ich danke Dir, daß Du Dich gewürdigt hast, mich in den Stand zu setzen, wo ich mich täglich mit Dir vereinigen kann, wie bist Du so gut, so unendlich gut.

Ich habe es damals nicht geglaubt, als Du sagtest: ,Du wirst die Gnade bald erlangen, aber nicht eher, bis du deinen Willen dem Meinigen gänzlich unterworfen hast.’

O Himmel und Erde, o ihr Geschöpfe, alle, die ihr Leben habt, saget Dank meinem Jesus, meinem Gott, für so viel unendliche Liebe. Nimm hin meine Seele mit allen ihren Kräften, mein Herz mit allen seinen Neigungen, meinen Leib mit seinen fünf Sinnen; ich will nichts mehr, als Dir gefallen. O mein Jesus, lehre mich doch, von Tag zu Tag mir immer mehr abzusterben. Führe mich doch in den Versuchungen, Zweifeln und Ängsten immer wieder siegreich zum Ziel, daß ich nicht erliege. Du hast es gesagt, daß uns nichts erspart werden wird an Versuchungen, Zweifeln und Ängsten, aber gib mir und meinen Mitschwestern die Kraft, siegreich daraus hervorzugehen. Du siehst ja, daß es wenige Menschen gibt, die glauben wollen, daß Du Dich so unendlich herabläßt zu Deinen Geschöpfen, und doch ist es möglich.

O ihr neun Chöre der Engel, ich vereinige mich mit euch, vereinigt auch ihr euch mit mir, meinen Herrn zu loben und zu preisen, Ihm Dank zu sagen. O wie danke ich Dir für die Gnade, die Du der Stadt M. erwiesen hast und noch erweisen willst dafür, daß sie sich so beteiligt an dem Gebet in diesem Monat. Wie danke ich Dir für die Gnaden, die diejenigen erhalten, welche den Rosenkranz beten. O welche Freude für die heilige Kirche und alle, die zu Dir halten. Wie freuen sich Deine Diener. Ja, siegreich kämpfen wir mit den Waffen des Rosenkranzes.“

Jesus: „Ja siehe, du willst immer noch nicht recht glauben, und doch mußt du wissen, daß Ich dein Gott bin, und daß Mir, deinem Gott, kein Ding unmöglich ist.“

Barbara: „Ja, Herr, ich glaube deshalb nicht, weil ich mich so unvollkommen sehe, weil ich eine so große Sünderin bin, und ich täte noch viel mehr zweifeln, wenn Du mich nicht Selbst überführt hättest. Ich muß mich nur wundern, daß ich trotzdem durch die Kraft Deiner Gnade Dir nachgab und das tat, was Du wolltest. Ich ließ mich nur blind an Deiner Hand leiten, als ich mein heimatliches Dorf verließ. Ich wußte nicht, daß Deine Hand mich leitet und führt nach M., und wie hast Du all die Worte, die Du mir gesagt, in den zehn Jahren bestätigt. Ich danke Dir dafür, o mein Jesus. Du hast alles so gefügt und geordnet, daß ich Dir nie genug danken kann für meine gute Umgebung und Verpflegung. Wie viele Menschen haben es tausendmal schlechter als ich, die Dir besser dienten.“

Jesus: „Ja, damit Du siehst, wie gut Ich bin. Wenn die Mutter ihr Kind vorbereiten will zu großen und harten Unternehmungen, so muß sie erst versuchen, es an sich zu ziehen, ihm Freude zu machen mit Allerlei; sie reicht ihm Zuckerbrötchen, kauft ihm manches, was ihm gefällt, um das Kind einzuführen in die großen Ereignisse, es vorzubereiten auf seinen künftigen Beruf. So habe Ich es auch mit dir gemacht. Und weil du Meiner ersten Stimme gefolgt, kam die zweite Stimme an dich, und so habe Ich dich nach und nach geführt, und wenn dir auch jetzt alles dunkel ist, fahre fort, laß dich blind leiten an Meiner Hand, und wenn es durch dein ganzes Leben dunkel bleibt, frage nicht, was soll das noch werden?

Was Ich ausführen will, das führe Ich aus ohne deine Mitwirkung, nur mußt du Meiner Gnade treu bleiben. Ich brauchte keinen Menschen, aber Ich will Mich doch der Menschen bedienen. Ich habe, als die Sünde in die Welt kam und Ich die Menschen aus dem Paradies vertreiben mußte, einen Erlöser verheißen. Ich hätte ihn schicken können, ohne die Mitwirkung der Menschen, Ich wollte es aber nicht. Menschen haben gesündigt, durch einen Menschen sollte die Sünde wieder gebüßt und gesühnt werden, den Menschen das Paradies wieder geöffnet werden, und so wird es sein bis zum Ende, bis es keine Welt mehr gibt. Alles, was Ich ausführen will, führe Ich aus, aber doch durch Meine Geschöpfe.

Der öftere Empfang der heiligen Kommunion ist durchzuführen, man muß nur auf Meine Liebe und auf Meine große Barmherzigkeit schauen. Ich verlange nichts Unmögliches, man muß nur erkennen, wie gut Ich bin. Die ersten Christen waren auch Menschen, dieselben Menschen, wie sie jetzt sind. Und weil die Gefahren dieselben sind wie damals, darum verleiht Meine Liebe und Barmherzigkeit dasselbe Mittel, um die Menschen zu binden und zu vereinigen mit Mir. N. soll nicht aus M. weggehen; er soll aber auch nicht zweifeln; er soll Rücksicht nehmen auf den Weg, den du gegangen bist. Mein Herz ist erfreut in diesem Monat, wo Meine Kinder sich so zahlreich um Mich versammeln. O ihr Menschen! Seht doch, wie wenig Ich verlange! Seht doch, wie Ich all eure Schwächen zudecke mit Meiner Liebe. Ich habe euch wahrhaftig nicht gesetzt, daß ihr verderben sollt. Ihr sollt genießen das Land.“

Barbara: „O mein Jesus! Ich bitte Dich sehr für N. selig.“

Jesus: „Er ist im Himmel, aber NN. noch nicht. NNN. ist auch im Himmel.“

Sie ist eine der Seelen, die uns geschenkt ist. Wir sollen im Monat Oktober noch recht fleißig die Rosenkranzgebete besuchen und all die Seelen, die wir Seiner Liebe anempfehlen, sollen uns geschenkt werden, auf das Gebet der heiligen Kirche hin; denn Er ist so freigebig in diesem Monat, wie Er es im ganzen Jahr nicht ist.

Jesus: „N. hat noch zu leiden wegen Berufspflichten, aber bis zum Schluß des Monats, bis zum Schluß der Allerseelen-Oktav, sollen noch all die Seelen erfreut werden.“

Barbara: „O mein Jesus, o bleibe bei mir, ich kann nicht leben ohne Dich, ich will nichts als nur Dir gefallen, o könnte ich leben ohne alle Bedürfnisse, aber Du hast mir das Bedürfnis gegeben zu essen, zu schlafen, mit meinen Mitmenschen zu verkehren, und solange Du es nicht willst, will ich es auch nicht. Laß doch nicht zu, daß ich mich versündige im Umgang mit den Mitmenschen, laß doch nicht zu, daß jemand Anstoß nimmt. Ich danke Dir im Namen aller für all die Gnaden, für welche Dir nicht gedankt wird, für alle Leiden, die ungeduldig ertragen werden. Ich bitte Dich für alle, die in dieser Nacht sterben, um Deines Leidens willen, um Deiner Todesangst willen, o laß sie nicht unglückselig sterben, o gib all denen, die Dir treu dienen, den Frieden. Ich bitte Dich für N., gib, daß er seine Berufspflichten mit Freuden erfüllt.“

Jesus: „Er soll aber bedenken, welchen Lohn Ich ihm bereite und bereitet habe, einen Siegeskampf soll er kämpfen, einen sieggekrönten Kampf. Die Zeit der Märtyrer ist vorüber, jetzt sind sie nur noch Märtyrer der Liebe; er soll ein Märtyrer der Liebe werden und sein Leiden aus Liebe tragen.“

Barbara: „O Herr, gib ihm doch eine bessere Gesundheit.“

Jesus: „Es ist nicht gut, wenn Mich die Menschen bitten, daß Ich ihnen das Leiden abnehme, das ist Unverstand. Bin Ich denn einen anderen Weg gegangen, als den Weg des Leidens, den Leidensweg. Die Menschen sind so wankelmütig.“

Barbara: „Ja gelt, da bin ich gemeint, ja, ich weiß schon; wir Menschen sind halt so, was wir heute wünschen, wollen wir morgen nicht, was uns heut gefällt, gefällt uns morgen nicht. Ach, was mußt Du doch für eine Geduld mit uns haben. – Die Ergebung in den göttlichen Willen ist das Beste, das Sicherste, alles hinnehmen, alles, was über uns arme Menschen kommt. Er hat überall Seine weise Absicht, warum Er es tut, und die Ewigkeit ist lang genug zum Genießen.“

18 Vierter Donnerstag im Oktober 1895

„Nicht außergewöhnliche Werke verlange Ich, aber Meinen Willen zu erkennen und zu vollziehen!“

Jesus: „Du willst wissen, warum Ich von jetzt an am Donnerstag komme und nicht mehr, wie sonst, am Freitag? Du sollst es wissen: Weil Ich will, daß das Allerheiligste Altarsakrament, die heilige Eucharistie, mehr verehrt und mehr verherrlicht werde, weil Ich will, weil es Mein heiliger Wille ist, daß die heilige Kommunion, der öftere Empfang dieses Allerheiligsten Sakramentes in der ganzen Welt eingeführt werde. Es hat Mich sehr gefreut, daß Mein Diener dir so vorwärtshilft.

Das Senfkörnlein wird wachsen zu einem Baum, dessen Früchte die ganze Welt erfüllen wird. Viele, viele werden an dem Baume pflücken und werden sich laben an dieser köstlichen Frucht, denn durch N. und N. soll das Senfkörnlein in die Erde gelegt werden, und wenn es auch eine Zeitlang sterben muß, und gerade dann, wenn alles verloren scheint, wird es von neuem keimen und grünen und sprossen; es wird wachsen und groß werden, daß man es in der ganzen Welt sehen wird; zu einem großen Baum wird es wachsen.

Sag nur N., er soll ruhig bleiben, er soll ruhig stehenbleiben, Ich werde mit ihm sein. Er soll bedenken, was du um Meinetwillen schon erduldet, und wie Ich dich erhalte, so werde Ich ihn bewahren. Nicht Ketten, nicht Bande wird er zu ertragen haben, nur hie und da ein bissiges Wort! Und das wird er doch ertragen können! Du arme Kleine, siehst du, was du bist aus dir! Siehst du, Ich habe dir gezeigt in dieser Woche, daß du nichts aus dir vermagst, daß du eine arme Sünderin bist. Du bist nicht mehr wie andere, glaub es nur, andere sind tausendmal besser als du. Und doch hat es Mir gefallen, dich an Mich zu ziehen, Großes in dir zu wirken, du armseliges Werkzeug in Meiner Hand.“

Barbara: „Ja, ich will hören Deine Stimme, rede o Herr!“

Jesus: „Siehe, Ich habe dir schon vor langer Zeit gesagt, und man will nicht glauben, und doch ist es so, daß von M. aus der Sieg über den Sozialismus gelingen werde, weil Ich will, daß Meine Stimme durch die ganze Welt gelangen soll.“

Barbara: „O mein Jesus, man hält mich für eine Schwindlerin, man hält es für unmöglich, weil ich eine so große Sünderin bin.“

Jesus: „Das ist aber jetzt gerade Mein Wille so, Mir kann doch niemand befehlen, Mir kann niemand sagen, mach es so oder so, denn Ich bin Herr über alle Geschöpfe, Ich will Meinen Geschöpfen zeigen, besonders den Dienern Meiner Kirche, daß Ich wenig verlange, wie groß Meine Barmherzigkeit gegen die Sünder ist, und Ich will ihnen zeigen, was Ich tue und was Ich wirke in einer Seele, die Meine Stimme hört und befolgt. Ich habe dich aus der alleruntersten Klasse von Menschen, aus der ärmsten, herausgezogen, damit niemand sagen kann, das hat sie aus den Büchern, oder das hat sie aus anderen Wissenschaften, oder das hat sie sich selbst ausgeklügelt. Ein jeder soll sehen, was Ich mit dir spreche, daß das niemand einfach so aus sich redet. Wer aus der Welt lebt, redet weltlich; wer aus der Sinnenlust lebt, redet sinnlich; wer aus Gott lebt, der redet göttlich. Sage Meinem Diener, er soll prüfen, ob deine Reden aus der Welt oder aus dem Fleische oder aus Gott sind. Ich habe dir schon vor acht Jahren gesagt, daß Ich dein Zutun nicht brauche. Ich verlange von dir nichts, gar nichts als Beharrlichkeit, und daß daran Meine Diener erkennen müssen, daß Ich es bin, Ich, euer Herr und Gott! Geh du nur ruhig weiter und versage Mir nicht das bißchen, was Ich von dir verlange. Du wirst es nie zu bereuen haben.

Du sollst wissen, daß Ich Mich an Großmut nicht übertreffen lasse. Was du leidest, leidest du direkt für Mich und für Meine Interessen. Meine Kirche ist bedrängt, Meine Kirche steht in Gefahr: Viele, viele Meiner Kinder gehen verloren; Ich möchte sie gerettet wissen, Ich möchte zeigen, wie gut Ich bin. O nicht außergewöhnliche Werke verlange Ich, aber Meinen Willen zu erkennen und zu vollziehen! Gib dich hin, wem du willst, übergib dich deinen Feinden, Meinen und deinen Feinden; Ich werde mit dir sein.“

Barbara: „O mein Jesus, ich kann ja unmöglich etwas aus mir. O wie war ich diese Woche so leichtsinnig, wie schlecht habe ich gebetet, o verzeih mir, ich bin halt so ein Eva-Kind. Du bist gut, so unendlich gut. O welche Wonne zu wissen, daß dieses Herz mich nicht verkennt, o wie gut bist Du.“

Und Er wirft mir Seinen Mantel um und bedeckt alle meine Fehler.

Jesus: „Kennst du diesen Mantel?“

Barbara: „Ja, Herr, es ist Deine Liebe. O staunet, ihr Menschen, der Herr ist wahrhaft wirklich bei uns im Allerheiligsten Altarsakrament, ja, Er ist auch wahrhaft wirklich bei mir. O meine Seele, ich bin zu schwach, Deine unendliche Majestät zu fassen, o hab Erbarmen, ich möchte gerne sterben. O mein Jesus, meine Seele will mich verlassen.“

Jesus: „Das ist die Gewalt der Liebe. Laß das Gerede der Menschen, das ist nur Staub, den schüttelst du ab und gehst ruhig weiter. Ich habe dir zwei Freundinnen gegeben, damit ihr zu dritt eins seid, verstehst du Mich?“

Barbara: „O laß sie auch kosten, wie süß Du bist. Du hast uns zu dritt eins gemacht; sie müssen auch Verachtung tragen, o laß sie kosten!“

Jesus: „Wie freut es Mich, wenn zwei oder drei beisammen sind und von Mir reden. Da kann Ich Mich nicht zurückhalten. Da bin Ich mitten unter ihnen. Wie freue Ich Mich, wenn ihr euch besprecht über das, was Ich mit dir rede. Siehe, Ich habe so viele Liebhaber in der Welt. Viele, viele, ja das ist schon alles recht, und Ich bin auch zufrieden mit jenen, aber doch liebe Ich diejenigen mehr, die auch mit Mir auf Kalvaria hinaufgehen. Weißt du, was das bedeutet, die den Weg der Verachtung, der Zurücksetzung gehen, die sich um Meinetwillen schmähen und alles Böse mit Unwahrheit nachsagen lassen?

Ich brauche starke Seelen, das kann Ich aber nicht von jeder verlangen, denn nebst dem starken Einfluß Meiner Gnade muß Ich doch auch ihren Willen, ihre Einwilligung haben, um den Weg der Verachtung und der Leiden zu gehen, auch muß Ich auf die Beschaffenheit des Körpers einer jeden Seele Rücksicht nehmen; Ich will jenen nicht mehr auferlegen, als sie tragen können, und jene nicht überfordern, die nicht den Körperbau und die nötige Körperkraft und Nervenbau dazu haben, weil mit äußeren Leiden innere, und mit inneren Leiden äußere verbunden sind und diese, wenn sie zusammenwirken, eine Seele vernichten würden. Darum habe Ich dich erwählt und dir eine starke Körperbeschaffenheit und einen starken Nervenbau und eine starke Seele gegeben.

Du mußt wissen, daß Ich deshalb keine Rücksicht auf dich nehme. Du wirst noch viel ertragen müssen, noch viele, viele innere und äußere Leiden, aber sei getrost, dies sage Ich dir, damit niemand zurückschrecken soll, weil Ich dem einen diese Gnade gebe, dem andern nicht. Ich liebe alle mit gleicher Liebe, wenn sie Mir nur treu dienen und guten Willens sind; aber Ich kann nicht von allen gleiches verlangen. Ja, es wird noch dazukommen, daß Mein Diener sich selbst überzeugen muß. Nun ja, er soll es tun, er soll noch andere mitnehmen und sich überzeugen.“

Barbara: „O mein Jesus, o lieber Heiland, ich will ja gern leiden, aber es wäre mir doch viel lieber verborgen. O mein Jesus! Ich will gern alles erdulden, was Du willst und so lange Du willst, wenn ich nur eine Seele retten kann. Aber nehme doch Rücksicht auf meine Familie, ich will doch nicht aus meiner Familie heraus. Ich will gar nichts, als Dich lieben und Dir dienen in der Einfalt meines Herzens wie bisher. Als ich mich entschloß, nach M. zu gehen, wußte ich nicht, welchen Weg ich zu gehen hatte, ich wußte nur, daß es mir Ernst war mit der Besserung meines Lebens. Ich hörte eine Stimme, und dieser Stimme bin ich gefolgt.

O verzeih mir, daß ich trotz der vielen Gnaden, die Du mir erwiesen, sooft gezweifelt, wenn andere sagten, es ist Einbildung, es ist Täuschung, es ist Satan. Jesus, Du weißt, ich habe gleich alles über Bord geworfen, und doch habe ich gefolgt und getan, was Du wünschtest. Und wenn Du es nicht bist, wer wäre es dann? Dann zeige es mir, durch meinen Beichtvater, ich unterwerfe mich Deiner Kirche, Deinen Dienern. O Herr, bist Du es nicht, dann ist auch das Leiden nicht von Dir, dann will ich auch davon befreit sein. Bist Du es nicht, dann zeige es mir durch Deinen Stellvertreter, ich glaube seinem Wort, und ich verspreche Dir zu leiden, solange und soviel Du willst, wenn ich nur eine Seele dadurch retten kann. Du weißt, wie gern ich Dich habe und ohne Dich nicht leben kann, und trotzdem wollte ich gern bis an den Jüngsten Tag leiden. Ich habe diese Woche gefühlt, was ich ohne Dich bin, wenn Du Dich zurückziehst, dann hängt sich die Seele an tausend Kleinigkeiten.

O nimm mich nur und gib mich Dir. Nimm hin meine Seele. Nichts mehr für mich, alles für Dich, jeden Tropfen Blut, jede Bewegung meiner Glieder, jeden Atemzug, alles für Dich – zur Genugtuung für meine Sünden und für die der ganzen Welt. O daß doch alle Menschen erkennten, wie gut Du bist. Ich muß ja weinen, weil so viele Menschen es nicht glauben, daß Du unter uns wohnst, und so viele Priester, die Dich behandeln als...“

Jesus: „Teile Meinen Schmerz mit Mir, Meine Tochter! Siehe die Schmach, welche Mir jene Diener antun, denen Ich Mich willenlos hingebe Tag für Tag in der heiligen Messe und auf ihr Wort hin hinabsteige auf den Altar, und die selbst nicht an Mich glauben. Wie kann Meine Gnade sich ausgießen über Meine Kinder durch solche Priester, denn sie sind die Vermittler Meiner Gnade, sie sind die Kanäle, durch die Ich Meine Kinder bewässere, betaue und begieße. Es ist ein großes Werk, Priester zu unterstützen, aber ein noch größeres Werk ist es, wenn Beichtväter Priester belehren, Priester an ihre Pflichten erinnern. Ich habe ihnen Meine Gewalt übertragen, die Gewalt über die Herzen der Menschen.“

Barbara: „O mein Jesus, habe Nachsicht und Geduld, es wird doch nicht viele so geben. Halte Deinen Wehe-Ausspruch zurück. Die meisten sind doch recht fromm, wenn auch hie und da einer ist; die meisten versuchen doch, die Seelen zu retten.“

Jesus: „Laßt euch nicht irremachen vom Gerede der Menschen und fahret fort zu beten. Wendet jetzt eure Blicke hinüber zu Meinen bedrängten Kindern im Fegefeuer; denn die Ehre, die Mir geraubt wird auf Erden, wird Mir ersetzt durch jene, die schon im Land der Lebendigen sind, und je mehr ihr euch bemüht, desto mehr werdet ihr gewinnen. Stört euch nicht an anderen, die Zeit ist kurz, sie ist bald vorüber. Alles, was ihr dem Geringsten Meiner Brüder getan habt, das habt ihr Mir getan, und diese alle sind Meine Brüder und Schwestern. Also vorwärts – wie einen stillen See, so will Ich eure Herzen wissen.“

Barbara: „O Herr, gib doch N. die Gnade, sich mäßigen zu können.“

Jesus: „Das muß dich nicht viel genieren, Mein Kind, Ich habe es dir gesagt und dabei bleibt es.“

Barbara: „O mein Jesus, ich bitte Dich für N., halte ihn noch recht lang am Leben, daß er noch viel abbüßen kann. Gib ihm ein gnädiges Gericht; ich opfere Dir für ihn alle Schmerzen, die ich diesen Abend gelitten, in Vereinigung mit Deiner dreistündigen Todesangst. O laß ihn eines glückseligen Todes sterben, o um Deiner Todesangst willen erbarme Dich.“

Jesus: „Habe keine Angst, er wird gerettet!“

Barbara: „Soll N. ihr Geschäft verkaufen?“

Jesus: „Ich habe es ihr schon gesagt, sie hat so viel, daß sie leben kann, daß sie ihre notwendigsten Bedürfnisse befriedigen kann; ruhiger, glücklicher könnte sie leben, wenn sie wollte.“

19 Vigil von Allerheiligen 1895

„Wie glücklich wären die Menschen, wenn alle mit ihrem Stand zufrieden wären.“

Jesus: „Komm, Meine Tochter!“

Barbara: Ich sehe eine Schar, die niemand zählen kann, aus allen Geschlechtern, aus allen Nationen, sie alle sind erkauft mit dem Blute des Lammes, und ihre Gewänder sind weiß wie der Schnee.

Jesus: „Siehe, Meine Tochter, sie alle waren, was du jetzt bist, und du sollst werden, was sie jetzt sind. Unendlich groß ist die Güte Meines Herzens. Ich wäre glücklich ohne euch, aber weil es Meine Freude ist, unter den Menschenkindern zu sein, so ist es auch Meine Freude, sie in Meiner Glorie zu sehen, sie um Mich zu versammeln, wo sie Mir nie mehr können entrissen werden. Als Ich die Welt erschuf, waren schon die Engel erschaffen; sie wurden Mir untreu, und Ich mußte sie verderben, denn sie waren reinere Geister als alle übrigen Geschöpfe, die Meine Hand erschuf. Als Ich aber den Menschen erschuf, da lag es in Meiner Absicht, Meine Freude zu vervielfältigen, denn jeder Mensch trägt an sich Mein Ebenbild.

So viele Seelen sich nun bemühen, dieses Ebenbild in sich recht zu gestalten nach Meinem heiligen Willen, so oft widerstrahlt Meine Gottheit in ihnen. Siehst du nun diese Schar, die dir vorausgegangen? Sie haben es verstanden, das Ebenbild Meiner Gottheit in sich auszuprägen, Mir ähnlich zu werden.“

Barbara: O wie unendlich glücklich, da ist keine Träne, da ist kein Jammer mehr, da gibt es keinen Widerspruch, da ist alles ein Herz und eine Seele. O wie glücklich, und sie laden uns ein, daß wir ihnen folgen. Ach wie wunderschön, wie wunderschön! O welch ein Triumphzug. Unaufhörlich strömt aus Seinem Herzen die Liebe und unaufhörlich strömt die Liebe zurück von ihnen in Sein Herz.

Jesus: „Siehe, Meine Tochter, auch sie waren Menschen, so schwach wie du, sie hatten denselben Weg zu gehen, sie hatten denselben Kampf zu kämpfen. Drum fasse Mut. Was du heute nicht fertigbringst, das beginne morgen von neuem. Und so geht der Tag und so geht das Jahr vorüber, und kämpfe nur mutig, die Krone ist dir gewiß. Wie glücklich wären die Menschen, wenn alle mit ihrem Stand zufrieden wären. Siehe, das ist das einzige große Kreuz in der Welt, daß sich alle die Menschen den Querbalken selber machen. Ich habe jedem seinen Lebensplan gelegt, und es liegt nur an ihm, den Plan auszuführen.

Der Priester soll wissen, daß er ein anderer Christus ist. Verstehst du Mich? Was sagt denn die Schrift von Mir? Nicht wahr, sie sagt, Er ging vorüber, Wohltaten spendend, und das ist der katholische Priester. Sag nur N., wenn er nur andern Gutes tut, dann ist seine ganze Aufgabe gelöst, wenn er auch sich nichts Gutes tut. Wenn es Mir so gefällt, warum ihm nicht? Ist nicht die Ewigkeit lang genug, wo Ich ihm Gutes antun kann? Der Vater und die Mutter, die in der Familie stehen, sollen ihre Pflicht erfüllen und zufrieden sein mit dem Schicksal, das Ich ihnen bestimmt habe und sie gelangen zum Ziele.

Die Jungfrau, mag sie stehen, wo sie will, im Kloster oder mitten in der Welt, in der Familie oder allein für sich, soll bedenken, daß sie das tut, was des Herrn ist; denn sie soll wissen, daß Ich nicht den Himmel verlassen hätte, wenn Ich nicht in einer Jungfrau hätte geboren werden können. Damit soll sie sich aber auch begnügen; denn sie hat nicht die Verpflichtung wie alle andern Stände, wie der Ehestand und der Priesterstand. Sie hat zu sorgen für das, was des Herrn ist. Und nun sehe dich um, wie viele den guten Kampf schon vor dir gekämpft, und auch deiner wird über eine kurze Zeit ausgekämpft sein.“

Barbara: „O mein Jesus, ich möchte doch so gern meine Verwandten sehen, meinen Vater, meine Mutter!“

„O liebe Eltern, laßt nicht zu, daß eines von euren Kindern verlorengeht. Siehe Vater, wie lange und wieviel ich für dich gebetet, was ich mir manchmal weh getan, um dich aus dem Fegefeuer zu befreien.“ Vater: „Ich danke dir.“

Barbara: „Ist gar nicht notwendig.“ Vater: „Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört, in keines Menschenherz ist es gekommen, was Gott denen bereitet hat, die Ihn lieben.“

Barbara: „Ich möchte auch gern meinen Bruder sehen und meine liebe, kleine Nichte Anna.“ Bruder: „Bleibe du in dieser Familie, ich sage es dir und sag nur meiner Frau, sie soll dich nicht abhalten vom Gebet; was ist denn all das Irdische im Vergleich zum Himmel. O wenn sie ihr Kind sehen könnte! Sag ihr nur, daß Gott uns nach M. geführt deinetwegen, daß Gott der Herr uns mit zeitlichen Gütern gesegnet deinetwegen.“

Jesus: „Ja, weil Ich in dir Großes wirken will, und weil sie deine Stütze sein soll, denn der Glaube ist so geschwunden aus Meinen Geschöpfen, daß Ich Mich auf außergewöhnliche Weise offenbaren muß.“

Barbara: „O mein Jesus, ich habe Dir so viele Bitten vorzutragen, aber vor lauter Freude mit den lieben Deinen und den Meinen, kann ich gar nicht daran kommen. O ich bin ja nur eine arme Sünderin, die tausendmal die Hölle verdient hat, die Dich täglich, ja stündlich beleidigt. O ihr Heiligen Gottes alle, die ihr die Macht der Fürsprache erlangt habt, o bittet mit mir für alle Anliegen.

Ganz besonders danke ich Dir, daß Du den Priester N. wieder in sein Recht eingesetzt hast. O laß doch niemals die Unschuld unterdrückt werden, führe ihn doch wieder nach M., damit alle, die ihm Übles nachgeredet haben, einsehen, daß sie sich täuschten. Ich bitte Dich für alle Priester, die in ähnlicher Lage wie er sind, die es gut mit der Seele meinen, und deshalb verkannt, verfolgt und verdemütigt werden.

Ich bitte Dich auch für alle Armen, die nicht wissen, woher das tägliche Brot nehmen. Sende ihnen doch mitleidige Herzen, daß sie nicht erliegen, daß der Glaube in ihnen nicht wanke. Ich bitte Dich für alle, die noch glauben, beten und ganz besonders auf Dich ihr Vertrauen setzen. Du hast es ja versprochen, Speise zu senden zur rechten Zeit.

Was soll N. tun, um ihren Bruder zu retten?“ (Einen verirrten Priester, jetzt protestantischer Prediger.)

Jesus: „Die Schwester soll sich zum Opfer einsetzen für ihren Bruder; sie kann ihn retten, denn solange eine Seele, die noch im Fleische ist, bittet für eine andere und ganz besonders, wenn die Seele in Blutsverwandtschaft ist, dann kann Ich nicht widerstehen, denn Mein Herz ist Liebe.“

Barbara: „O Herr, Schwester N. hätte gern einige Klosterfrauen aus ihren Schülerinnen.“

Jesus: „Sie soll es nur jenen begabten Kindern, die gute Eigenschaften haben, offen sagen, sich ungeniert aussprechen, soll sie ermahnen, ihnen das Glück des klösterlichen Lebens vorstellen und beten und sehen, daß sie es noch erlebt, daß aus ihren Zöglingen Klosterfrauen hervorgehen. Grüße sie in Meinem Namen.“

Barbara: „Schwester N. ist immer so ängstlich.“

Jesus: „Sage ihr, daß Ich sie liebe, weil auch sie Mich liebt, sag ihr, daß Ich alle ihre Fehler vergesse, daß Ich mit ihr zufrieden bin, warum denn nicht sie?“

Barbara: „O Herr, gib Frau N. auch einige Klosterfrauen.“

Jesus: „Eine sehe Ich ja, rede nur dieser Kusine zu, sie kann viel, viel Gutes auf ihre Kinder ausüben, sie hat auch die Mittel dazu, einen Priester ausbilden zu lassen.“

Barbara: „O Herr, Schwester N. hätte auch gern ein Wörtchen der Ermunterung.“

Jesus: „Gabriel und Raphael sind zwei Diener vor Meinem Angesicht, sie sind innig verwandt, und Gabriele und Raphaele sind auch innig verwandt, und was Ich zu jener sagte, sage Ich auch ihr. Grüße sie herzlich von Mir.“

Barbara: „Ja, Du hast uns viele, viele Seelen versprochen, o ersetze doch, was an unserm Gebete fehlt, schmälere uns nicht die Zahl, die Du uns bestimmt. Schenke uns doch N. und NN. und...“

Jesus: „Ja, alle kann Ich sie euch nicht schenken.“

Barbara: „O gib uns, um was wir flehen, wir verlangen ja nur, was Dich beglücken kann, was Dein Herz erfreuen kann.“

Jesus: „Ihr seid Quälgeister.“

Barbara: „O belohne den Glauben Deiner Kinder. Ich opfere Dir... (lange Aufopferung). Du hast uns eine große Zahl versprochen, o öffne das Tor, eben weil der Glaube so arm, die Welt so lieblos, gerade deshalb öffne den Schoß Deiner Barmherzigkeit und neige Dich herab, um Deiner lieben Mutter und Deiner lieben Heiligen willen.“ Luise: „Ich bitte in Vereinigung mit jener Liebe, mit der Du am Kreuz für Deine Feinde gebetet, schenke mir vor allem N. N. N. und meine Freunde schenkt Deine Güte mir zweifellos obendrein.“

Jesus: „Du sollst sie alle haben, weil du gut bist.“

Barbara: „O was eine große Freude. Ja, es ist so, Er hat uns wahrhaftig nicht erschaffen zu unserem Verderben. Er ist unendlich gut und barmherzig. O wenn doch die Geschöpfe noch Glauben hätten. O nimm hin mein Herz und vereinige es mit Deinem Herzen, mach es so weit wie die ganze Welt, zerteile es in so viele Stücke wie Menschenherzen schlagen. Schau nicht auf meine Unwürdigkeit, sondern auf Deine unendliche Barmherzigkeit, und weil Du mich gewürdigt hast, um durch Leiden Dir Seelen zu gewinnen. O freuet euch, denn der Himmel hat Zuwachs erhalten. O mein Jesus, wie gut bist Du! Man hört es in der Predigt gleichgültig an, man geht heraus und vergißt es wieder.“

Jesus: „Aber es ist in Wirklichkeit so, wie die Kirche lehrt. Der Himmel ist auf der Erde, in der heiligen Kirche, nur mit dem Unterschied, daß der Himmel bei euch noch im Streite liegt, während hier nur im Triumph der Himmel besteht. O wie unendlich glückselig diejenigen, die es fassen.“

Barbara: „O mein Jesus, grüße mir recht herzlich Deine liebe Mutter und die Meinigen.“

20 Fest Allerheiligen 1895

Als ich am Fest Allerheiligen ganz außer mir war vor Staunen ob der unendlichen Güte Gottes, zugleich aber auch recht ängstlich war, ob ich denn alles glauben dürfe, was mir mitgeteilt werde, wohnte ich der heiligen Messe bei, in der ich auch kommunizieren wollte. Ich war vom vorhergehenden Abend noch so abgespannt, daß ich mir große Gewalt antun mußte, um andächtig mitzubeten. Aber plötzlich fühlte ich, wie eine andere Gewalt sich meiner bemächtigte und mit sich fortriß. Mein Körper wurde gefühllos. In diesem Zustand nahte Sich die liebe Mutter Gottes gar so lieb, und tröstend redete Sie mich an:

Maria: „Meine Tochter! Du bist in Ängsten und zweifelst, ob du nicht getäuscht sein könntest. Du bist es aber nicht, Meine Tochter! Du kennst die Güte eines Gottes noch nicht. Auch Ich war ein Geschöpf von Seiner Hand gebildet, und daß Ich ohne Makel der Erbsünde geboren wurde, war nicht Mein Verdienst, sondern ein freiwilliges Geschenk Seiner Liebe. Aber zwei Tugenden waren es, durch die Ich Mich vor allen übrigen Menschen auszeichnete. Meine Liebe zur Jungfräulichkeit und Mein lebendiger Glaube. Glaube nicht, Ich sei von jeglichem Kampf befreit gewesen.

Als der Engel Gabriel Mir die Botschaft brachte, daß Ich Mutter Gottes werden sollte, hatte Ich keinen geringen Kampf in Mir. Ich erwog in Meinem Herzen die Bedeutung dieser Worte und sprach zu Mir Selbst: Wie kann dies geschehen, da Ich keinen Mann erkenne? Aber bald siegte der Glaube über den Verstand. Überlege nun, Meine Tochter, was dies bedeutet, und wende es auf dich an. Du hast mit deinen Mitschwestern in diesem Mir geweihten Monat viele Gnaden von Gott erfleht, für dich und andere. Und weil du täglich mit ausgespannten Armen den himmlischen Vater an das Leiden Seines Sohnes erinnert hast, so sollst du jetzt auch sehen, wie viele Seelen ihr aus dem Fegefeuer befreit habt. Sieh dich einmal um.“

Und es war die Kirche voll glänzender weißer Gestalten, Kopf an Kopf, dicht gedrängt. Unter ihnen ging unablässig ein gar anmutiger, schöner Jüngling auf und ab. Ich fragte ehrfurchtsvoll, wer es sei und erfuhr, daß es mein Schutzengel sei. Nun bat ich die liebe Mutter Gottes, mir auch die Schutzengel von meinen beiden Mitschwestern zu zeigen. Und wirklich sah ich einen Jüngling, der den anderen an Schönheit weit übertraf, den von Luise sah ich aber nicht, weil sie nicht in der Kirche war. Auf einmal gab mir die liebe Mutter Gottes ein Zeichen, daß es Zeit sei, vorzugehen zur Kommunionbank. Ich lud alle erlösten Seelen und Heiligen ein, mich zu begleiten, was auch geschah, aber die schönste Begleitung war die liebe Mutter Gottes zur Rechten und der Schutzengel zur Linken. Als der Priester die Hostie auf die Zunge legte, legten beide ihr Haupt, in tiefster Ehrfurcht gebeugt, auf die Kommunionbank.

21 St. Elisabeth 1895

Maria: „Bedenke doch recht oft in dieser Zeit, mit welcher Sehnsucht Ich auf die Geburt Meines Sohnes wartete und mit welcher Freude Ich Mich darauf vorbereitete, weil ich hoffte, bei Seinem Eintritt in die Welt werde Er wenigstens von Meinen Verwandten umgeben sein, die Ihm gleich als ihrem Gott und Herrn huldigen würden. Aber gerade in den Tagen, als Ich Ihn erwartete, kam der Befehl, daß Ich fort mußte, und so war Ich zur Stunde der Geburt fern und verlassen von all Meinen Verwandten in fremdem Land. Hätte Ich da nicht auch zweifeln können? Aber Ich war stark, Ich habe geglaubt. So sollst auch du alle Schwierigkeiten auf deinem Weg durchkämpfen.“

Jesus: „Ich habe dir schon gesagt, daß du diesen Monat Ruhe haben wirst, aber um dich zu bestärken und vor den Zweifeln zu behüten; statt dessen hast du Mir aber mit deinen Zweifeln gar keine Freude gemacht.“

Barbara: „Ja siehe, lieber Heiland, jetzt weiß ich, daß Du es bist (durch die eben empfangene heilige Kommunion), wenn ich aber wieder in die Welt hineinkomme, dann sind die Eindrücke vorbei und ich denke, ich wäre getäuscht. Jetzt sag nur Selbst, wie kann ich anders denken? Ich hab’ auf meine Schwester gebaut, daß sie nicht mehr heiraten werde, und jetzt hab’ ich so Angst, sie wäre auf dem sündigen Weg.“

Jesus: „Beruhige dich um deiner Schwester willen, sie ist nicht auf dem Irrweg, laß sie, Ich habe es so gefügt, du brauchst keine Angst zu haben.“

Barbara: „Siehe, mein Jesus, N. habe ich gesagt, wie Du mir gesagt hast.“

Jesus: „Darüber beunruhige dich nicht, das ist eine Hitzige..., heute so, morgen so, sie soll es einmal abwarten, ob sie es später nicht zu bereuen hat.“

22 Dritter Dezember 1895

„Die sich von Mir getrennt, und die gar nicht mehr an Mich glauben, die muß Ich verdammen.“

Die ganze Natur ist verändert in Barbara, im Gegensatz zum vorigen Monat, nachts keinen Schlaf mehr, trotzdem morgens so früh bei der Hand und angeregt zu allem Guten. Deshalb stand sie am 3. Dezember schon um vier Uhr auf und war gegen fünf Uhr schon vor der C.- Kirche. Nach der heiligen Kommunion fühlte sie die Nähe Gottes und sagte zu Ihm: „Jetzt weiß ich, daß Du bei mir bist; wenn ich doch nur recht wüßte, was Dir am liebsten ist, ob ruhig hier knien bleiben oder in die Rorate-Messe gehen.“

Jesus: „Bleibe du heute hier, es gefällt Mir so besser, überlaß dich Mir; denn Ich will mit dir reden.“

Barbara: Gleich darauf war ich gefühllos. Als dann das Allerheiligste ausgesetzt wurde, fühlte ich so Seine Nähe, wie wenn Er als menschlicher Freund mit mir verkehrte. Eine so lebhafte Unterhaltung entspann sich zwischen uns beiden, daß ich, menschlich geredet, sagen kann, daß Er mir den ganzen Kummer Seines Herzens eröffnete, denn Er zeigte mir Seine ganze Gesinnung für die Gutgesinnten und Seinen unbeschreiblichen Schmerz über den Undank so vieler, die sich gar nicht darum kümmern, daß Er ihnen zuliebe Mensch geworden sei.

Jesus: „Siehe, Mein Kind, jetzt kommt wieder die Zeit der Erinnerung an das große Opfer, das Ich gebracht habe, indem Ich die Herrlichkeit Meines Vaters verließ, und so viele, viele Menschen gehen verloren, weil sie sich nicht daran erinnern und gar nicht an Mich glauben, und darum auch die Verdienste des großen Opfers ihnen nicht zugewendet werden können, und siehe, welch ein Schmerz für Mich! Ich, Der Ich den Schoß Meines Vaters für sie verließ und Mich ihnen gleichstellte, muß jetzt ihr Richter sein, muß Mein Eigenes Fleisch und Blut verdammen! Sage deinen beiden Freundinnen, daß sie Mir helfen, Seelen retten; ihr sollt ein Herz und eine Seele untereinander bilden, dreifach in der Person, aber eins in der Gesinnung, wie Ich und der Vater und der Heilige Geist; ihr könnt Mir viel helfen.“

Barbara: „Ja, lieber Heiland, sag uns nur, was wir tun sollen, wir wollen ja gern alles tun.“

Jesus: „Alles, was ihr tut zur Vorbereitung auf Weihnachten, opfert Meinem himmlischen Vater auf in Vereinigung mit Meinen Verdiensten für die Bekehrung der Sünder; denn der Unglaube hat sich so in der Welt ausgebreitet und belagert die Herzen der Menschen so sehr, daß kein Priester imstande ist, durch sein Wort, und wenn er sich auch auf eine offene Straße stellte wie zur Zeit des heiligen Franziskus, und wenn er sich auch aufreibt, diese Herzen zu entfachen. Ich muß doch ein anderes Mittel ersinnen. Seelen, Seelen, innige Seelen verlangt Mein Herz, die sich Meiner Gerechtigkeit entgegenwerfen und die Mir durch Reinheit ihres Wandels und durch innige Liebe zu Mir Gewalt antun, daß Ich gezwungen bin, im letzten Augenblick noch die Seelen zu retten; denn denke dir, Meine Tochter, für alle Ewigkeit die Seelen verdammen, Mein Ebenbild – wie hart das ist für Mich!“

Barbara: „Ach, lieber Heiland, sag nur, befiehl nur, ich will Dir ja helfen. Kannst Du meinen Undank vergessen, daß ich diesen Monat so gezweifelt; ja ich sehe, daß Du ihn vergißt. Ach wie bist Du so unendlich gut; ja, jetzt glaube ich wieder, daß ich im Stande der Gnade bin, jetzt bist Du bei mir; aber wenn Du Dich zurückziehst, dann kommen die Zweifel und Ängste wieder, ich sei getäuscht.“

Jesus: „Nein, du bist nicht getäuscht, denn siehe, von all denen, die hier in der Kirche knien, geht keines verloren, die liebe Ich alle wie dich, alle ihre Fehler bedecke Ich mit Meiner Liebe, aber diejenigen, die sich von Mir getrennt, und die gar nicht mehr an Mich glauben, die muß Ich verdammen.“

Barbara: „Ach sag mir doch, was soll ich denn tun, daß ich Dir helfen kann, ich will ja meinen Leib in Stücke zerhauen lassen. Siehe, wie glücklich ich bin, daß über mich geredet wird; ach, wenn mich nur alle verfolgten.“

Jesus: „Willst du Mir deinen Leib in dieser heiligen Adventszeit überlassen, dann komm, Meine Tochter, und teile den Schmerz mit Mir, den Mir die toten Glieder an Meinem mystischen Leib verursachen.“

Barbara: „Mein Herz wollte brechen vor Schmerz, wiewohl es mir ein großes Opfer war, die schöne Adventszeit zu missen, gab ich meine Einwilligung.“

Jesus: „Du sollst leiden für Mich, kümmere dich nicht um das Gerede der Menschen, kümmere dich auch nicht um deine Familie, Ich werde für sie sorgen und werde für dich sorgen. Mache dein Krankenzimmer zu Meiner Krippe, zu Meinem Stall, die Wände deines Zimmers zu einer Kirche.“

Barbara: Ich stand auf und wollte nach Hause gehen, aber das linke Bein war mir ganz gelähmt, daß ich es nachziehen mußte. Um elf Uhr fühlte sich ihr ganzer Körper noch eiskalt im Bett an.

23 Erster Donnerstag im Dezember 1895

„Die Verschmähung von seiten der weltlichen Macht ist ihr Ruhm, ist das Zeichen, daß sie siegen werden, wie Ich einst gesiegt habe.“

Lied: Maria sei gegrüßt...

Ich sehe Sie, wie Sie in Ihrem stillen Kämmerlein kniet und wie der hohe Himmelsfürst vor Sie hintritt. O Jungfrau, Du wirst sehen, was Gottes Allmacht kann! Sie ist ganz von himmlischem Lichtglanz umflossen, und der Himmel öffnet sich und über Ihr schwebt der Heilige Geist und senkt Sich herab zu Ihr. Eine schneeweiße Taube läßt Sich auf Ihr Haupt hernieder und der Glaube und die Liebe bewirken das staunenswerte Wunder in Ihrem jungfräulichen Leib. Sie ist Mutter geworden. Sie tritt jetzt her zu mir.

Barbara: „O meine Königin, o meine Mutter, gedenke, daß ich Dir angehöre, errette mich, beschütze mich als Dein Besitztum!“

Maria: „Ja, Meine Tochter, höre, was Ich dir sage: Du bist die Braut Meines Sohnes geworden und hast somit die Verpflichtung auf dich genommen, ganz in Seine Gesinnungen einzugehen, mit Ihm gleichen Schrittes zu wandeln, um Seelen zu retten. Mein Sohn hat den Schoß Seines himmlischen Vaters verlassen und ist auf diese undankbare Welt herabgekommen, um das verlorene Menschengeschlecht wieder für den Himmel zu gewinnen. Siehe, mit welcher Sehnsucht die heiligen Altväter den Tag erwarteten, wo Mein göttlicher Sohn in diese Welt hereintreten werde, und sie sahen Ihn und haben sich gefreut. Mein Sohn wandelte dreiunddreißig Jahre unter ihnen, den Undankbaren.

Siehe, Meine Tochter, was hätte Er noch tun können und hat es nicht getan für die Seinen, die Er liebte. Er hat mit Meinem Herzblut die Kirche gestiftet und das Angesicht der Erde erneuert. Die Kirche, die Seine Braut ist, mußte von dem ersten Augenblick ihres Entstehens bis auf diese Stunde den Weg wandeln, den Er gegangen ist, sie mußte mit dem Blut der Märtyrer getränkt werden, um Blumen und Früchte hervorzubringen, und sie wurde immer siegreicher und entfaltete sich auf dem ganzen Erdkreis bis zur schönsten Blüte. Aber, Meine Tochter, teile mit Mir den Schmerz, noch nie war Seine Kirche so bedrängt wie jetzt, noch nie war Mein Sohn so bedrängt, wie Er jetzt ist in Seiner Kirche. Denn zur Zeit der ersten Christen blieb das Christentum rein; der Glaube und die Liebe unter den Gläubigen war nicht getrübt wie jetzt; mit Freuden gaben sie ihr Blut, ihr Leben zum Opfer hin!

Aber jetzt, o welch ein Schmerz für Meinen Sohn! Die Lauigkeit, die Herzenskälte, hat so um sich gegriffen, daß der Arm Seiner göttlichen Gerechtigkeit herausgefordert ist, und Ich vermag Ihn nicht mehr aufzuhalten.“

Barbara: „So nimm hin, o Mutter, die Tränen Deiner armen Dienerin und ihre Leiden, die Schmähworte, die über mich gesprochen werden, die Stunden, die ich in stiller Verborgenheit leidend zubringen werde, alle Schritte und Tritte meines Lebens und erbitte mir Verzeihung aller meiner Sünden; ich will nicht mehr meiner gedenken; ich will mich weihen als ein Opfer der Sühne für die armen Glieder Seines mystischen Leibes, die abgestorben, den Weg des Lasters gehen, um Ihm einigermaßen die Schmach zu sühnen, die sie Ihm als Glieder Seines Leibes zufügen. O liebe, heilige Mutter Gottes, erflehe mir die Gnade, daß mein Jesus sich würdigen möge, einen Augenblick Seine arme Dienerin heimzusuchen.“

Jesus: „Ja, hier bin Ich, Meine Geliebte, du Braut Meines Herzens; du hast gezweifelt, Meine Tochter, und doch habe Ich es dir vorausgesagt, daß Ich diesen Monat nicht kommen werde.“

Barbara: „Ja, Herr, weil ich eine Sünderin bin, weil ich, wenn Du Dich zurückziehst, die Schwachheit, die Armseligkeit, das Elend selber bin. Siehe, hier hast Du den Paradiesmenschen an mir! Weißt Du nicht, daß Du mit den Menschen dort umgegangen bist, und eine einzige kleine Versuchung reichte hin, um sie zum Fall zu bringen, von Dir wegzureißen. O verzeih mir, bedecke mich mit dem Mantel der Liebe.“

Jesus: „Es ist nicht Mein Wille, daß ihr jemand zulaßt außer euch, die Ich euch erwählt habe und Meine Diener. Sie sollen sich überzeugen, daß Ich es bin, Ich bin der Herr, Ich habe ihnen vor langen Jahren gesagt, daß Ich mehr Dank und Anerkennung verlange; sage du ihnen nun, Mein Kind, daß Ich zufrieden bin mit ihnen; denn die ganze Welt ist in einer neuen Bewegung, um die Menschen zur Erkenntnis zu führen, daß Ich wirklich und wahrhaft zugegen bin im Allerheiligsten Altarsakrament. Sage ihnen auch, daß sie mit recht lebendigem Glauben, mit fester Überzeugung, dem Wort entgegensehen sollen, das Ich ihnen gegeben, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden, daß sie mit hocherhobenem Haupt ihren Feinden entgegentreten sollen.

Denn ihre Stirn ist bezeichnet mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes. Verstehst du das, Meine Tochter? Sie kämpfen mit dem Kreuze, das Kreuz der Verachtung, der Zurücksetzung, die Verschmähung von seiten der weltlichen Macht ist ihr Ruhm, ist das Zeichen, daß sie siegen werden, wie Ich einst gesiegt habe, als Ich noch auf Erden wandelte. Darum ist es Mein Wille, daß sie mit den wenigen Guten, die sich noch auf Erden vorfinden, mutig voranschreiten, unbekümmert um den Spott der Welt, unbekümmert um den Hohn der Gottlosen. Mögen sie Pläne um Pläne schmieden, mögen sie den Untergang Meiner Kirche täglich beschwören, Meine Kirche wird siegen, und zwar glorreich siegen, triumphieren über alle Mächte der Hölle!

Sag nur N., er soll sich nicht fürchten vor dem Gerede der Menschen, er soll sich an die Worte erinnern, die Ich einstmals gesprochen: ,Alles, was ihr dem Geringsten Meiner Brüder...’ Diese Worte rufe Ich ihm zu, wenn er dich in Schutz nimmt; du bist die Geringste Meiner Brüder. Du hast dir das Leiden weder gemacht, noch ist es der böse Feind, noch ist es eine Krankheit; Ich bin es, Der es dir gegeben, weil du Meine Stimme gehört, weil du die Wege gewandelt, die Ich dir vorgeschrieben, daß du sie wandeln sollst. Nun sei zufrieden und sorge dafür, daß sie N. zu Ohren bekommt.“

Barbara: „Mein Jesus! Ich bitte Dich, ist es denn nicht gut, wenn ich meine Schwestern hierher kommen lasse, um sie im Glauben zu bestärken; denn Du weißt, auch sie brauchen Ermunterung, auch sie sind schwache Menschen. Meine Freundin Luise, so rate mir, was sie tun soll.“

Jesus: „Tut, wie ihr wollt, es ist besser jetzt als später.“ Luise: „O Herr, die Sendung der N., woher war sie?“

Jesus: „Die N. war von Jugend auf gut, die ließ sich nur verführen durch den Mammon des Geldes, und Ich warne dich, Meine Tochter, je etwas anzunehmen, in welcher Beziehung es auch immer sein mag, und wenn es auch zu Meiner Ehre gereichen würde. Ich habe dich weder bestimmt, Meine Kirche zu zieren, noch die Armen zu unterstützen; deswegen habe Ich dich in die Familie gestellt und es so eingerichtet, daß du eine Stütze hast. Du bist nicht bestimmt, die Tabernakel herzurichten, wo Ich wohne, deshalb ließ Ich durch diesen Pfarrer dich das merken. Es war deine menschliche Einmischung, daß du glaubtest, die Monstranz restaurieren lassen zu müssen.

Ich will, daß du leidest, sühnst und betest, und daß ihr drei eins seid untereinander. Nie sollt ihr unter euch einen Gedanken aufkommen lassen, der Abneigung erzeugt. Ihr sollt euch lieben, wie Ich euch liebe. Meine liebe N., habe Mut, du wirst noch all die Hindernisse beseitigen, du wirst auf deine Freundin N. schauen, aber verzage nicht, Mein Kind, denn Ich liebe dich; Ich habe Freude an dir, du hast ein gutes Herz.

Siehe, all die guten Anregungen in den Herzen so vieler Menschen bewirkst du, und das ist jedesmal eine große Freude für Mich. Siehe da die Landleute, die so wenig an Mich denken, weil sie so an ihren täglichen Unterhalt gebunden sind und dafür sorgen müssen, du gibst Ihnen hie und da ein liebes Wort, ein kleines Zeichen der Anerkennung, daß man sie nicht verachtet.

Ja, du hast recht, Mein Kind, nimm dich der bedrängten Landleute an und sage es auch Meinen Dienern, daß sie, wenn sie dem unwissenden Landvolk predigen, Mir eine größere Freude machen als wie den verstockten Städtern, die ihr ganzes Leben in Saus und Braus leben, während jene ein beständiges Leben der Abtötung und Buße führen müssen. Glücklich sind die Priester auf dem Land; o wenn sie doch den rechten Geist Meines Herzens in sich aufnähmen! Ihre Lage ist doch besser als in der Stadt, wo die Laster gepflegt, die Unzucht gefördert wird und Satan auf offener Straße einhergeht durch die Freimaurer und die Kinder der Freimaurer, die Sozialisten.“

24 Herz-Jesu-Freitag im Dezember 1895

Lied: Maria Jungfrau rein..., Wie eine Blume sich kehret...

Jesus: „Innige Seelen verlangt Mein Herz, die sich ganz vergessen, und die sich Mir hingeben, um Seelen zu retten; denn so viele, viele gehen zugrunde.“

25 Vigil von Mariä Empfängnis 1895

„Vermehre, wo du kannst, die Ehre Meines Sohnes!“

Lied: Was kann schöner sein auf Erden...

Barbara: „O Du süße, o Du gütige, o Du milde Jungfrau Maria, würdige mich, Dich zu loben, o heilige Jungfrau, gib mir Stärke gegen Deine Feinde. O lege Du mir die Worte in den Mund, wie ich Dich heute würdig lobpreisen soll in Vereinigung mit meinen beiden Mitschwestern, in Vereinigung mit allen frommen Christen der Welt, die Dich in besonderer Weise lieben und verehren, in Vereinigung mit den neun Chören der Engel, mit allen Heiligen, besonders allen jenen, die Dich, o Königin, o unbefleckte Jungfrau, am meisten geliebt und geehrt haben; besonders mit Papst Pius IX., der das Dogma der Unbefleckten Empfängnis verkündet hat, will ich jetzt Dein Lob verkünden.

O heilige Jungfrau, Gottesgebärerin, die Du der Schlange den Kopf zertreten, die Du auch in unseren Tagen den Kopf der Schlange zertreten wirst, je mehr Dein Volk sich zu Dir flüchtet und Dich anfleht, je mehr Dein Sohn verherrlicht wird im Allerheiligsten Altarsakrament, um so mehr muß die alte Schlange zurückweichen und fliehen aus dem Heiligtum, das ist die katholische Kirche.

Vor allem, o unbefleckte Jungfrau, danke ich Dir und durch Dich meinem lieben Bräutigam, Jesus Christus, daß Er mich arme Sünderin zu einer solchen Würde erhoben, daß ich mit Ihm leiden darf, daß Er mir alle Jugendsünden verziehen, die ich in so großer Anzahl, mit so abscheulichem Undank begangen und von Herzen bereue und beweine, ja ich danke Dir, o süße Jungfrau, und durch Dich, meinem süßen Jesus, daß Er Sich würdigt, einen kleinen Teil der Schmerzen, die Ihm durch die ungläubige Welt zugefügt werden, mit Ihm zu tragen. Ganz besonders danke ich für die Schmerzen der Seele, die Er mich erdulden läßt, die nur ein winzig kleiner Ausfluß jener Seelenangst sind, die Er erduldet und ausgestanden in Seinem bitteren Leiden.

Ich danke Dir, o himmlische Jungfrau und Mutter, für die Gnade, daß Du mir so gute Menschen gegeben, daß ich Anteil nehmen kann an diesem Leiden; denn wenn Er mir nicht alles so zurecht gerichtet in der Familie, wäre es unmöglich, daran teilzunehmen. Ich danke Dir für meine zwei Freundinnen, o belohne es ihnen, was sie für mich tun; ich danke Dir für meine Schwestern und alle, die sich daran beteiligen; denn es wäre ja noch viel härter, wenn es noch wie früher wäre, wo ich ganz verlassen war. Darum danke ich Dir, daß Du mich einen Deiner Diener hast finden lassen, der glaubt.

Ich kann die Freude nicht schildern, die ich in Vereinigung mit der unbefleckten Jungfrau heut empfinde, es ist unmöglich; denn ein ganz besonderes Freudenfest ist das Fest der Unbefleckten Empfängnis. Ein Freudenfest für die triumphierende und die leidende Kirche. Darum freut euch mit mir, o singet Jubellieder mit mir; ich muß heut singen.

Lied: Hochpreiset...

Ein unaussprechlich entzückendes Fest beginnt im Himmel heute, eine neue Krone ist um Ihr Haupt gelegt, eine Krone, die Ihr Diener Ihr bereitet und aufgesetzt; dafür wird er aber auch herrlich belohnt. Ich sehe einen überaus herrlichen Thron zurechtgerichtet neben der Himmelskönigin, ich sehe Ihren Diener Pius IX. vor Ihr stehen; bescheiden senkt er das Haupt, als sei er solcher Gunstbezeugung nicht würdig von seiten seiner hohen Herrin und Mutter. Sie heißt ihn, neben Sich setzen und er nimmt den Platz ein neben der Himmelskönigin und macht Anordnungen und Anstalten zu einem herrlichen Triumphzug, zu einer herrlichen Prozession. Er ruft alle die hohen Kirchenfürsten, Prälaten und Priester, Seelen bis zum letzten seiner Diener, die mit ihm geglaubt und gewünscht, daß die Himmelskönigin zu solcher Glorie gelangen möge, und sie singen ein neues Lied, das bisher in der Kirche Gottes noch nicht ist gesungen worden, ein neues Loblied, das sie unaufhörlich wiederholen: ,Es sei gepriesen die reinste, die Unbefleckte Empfängnis der heiligsten Jungfrau!’ Das ist das Lied, das sie beständig singen an diesem hohen Feiertag.“

Jesus: „Und höre, Meine Tochter, Ich verlange, daß alle Kinder der katholischen Kirche mit einstimmen in diesen Jubel, alle, die sich freuen mit Meiner triumphierenden Kirche, auch einstimmen in diesen Lobgesang!“

Und Pius IX. erhebt seine Stimme und spricht, daß es weithin gehört wird:

Pius IX.: „Seid unbekümmert ihr Söhne der Erde, die ihr noch nicht schaut, was ich schaue. Der Tag kommt, er kommt ganz gewiß, wo eure Häupter hoch empor über alle eure Feinde triumphieren werden, ihr seid die Nachfolger Jesu Christi; bedenket es wohl, ihr habt Seine Gewalt bekommen, ihr sollt aber auch den Weg gehen, den Er gewandelt ist. Kümmert euch nicht um den Spott und um den Tadel jener stolzen Häupter, die ja doch nur Würmer, nur arme Würmchen sind, deren Herzen voll sind von Unflat, Würmer und Gestank. Bedenket nur, der Tag des Triumphes wird für euch kommen, so wie für jene der Tag der Vernichtung!

Mit der alten Schlange werden sie hinabgestürzt in den Abgrund, wo der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt, sie und alle ihre Kindeskinder, die aus ihnen hervorgehen. Weil aber der Herr den Menschen erschuf, geringer als die Engel, und darum mehr Nachsicht haben muß mit seiner Schwachheit, so läßt Er ihm mehr Zeit, und weil Er die Menschen liebt, weil sie aus Seiner Hand hervorgegangen und Er ihnen einen Leib gegeben, womit sie sündigen können, darum liebt Er sie mehr als die Engel, wenn sie Seine Stimme hören, wenn sie so leben wie die Engel. Sage es meinen Dienern, meinen Brüdern, daß sie aber schauen sollen auf die Kinder der Finsternis, und daß sie es nicht machen sollen wie jene! Was schadet es ihnen, wenn die Gottlosen noch einige verächtliche Blicke mehr auf sie hinwerfen, als sie ohnehin tun. Was schadet es ihnen, wenn sie euch zurufen: ‚Ei seht doch, welchen Träumereien, Einbildungen, Phantasien sie sich hingeben!‘

Das macht nichts. Eine Seele, die nichts sucht als Gott und Gott allein, kann nicht auf falschen Pfaden gehen. Ja, sie sollen sich freuen, wenn sie Seelen finden, die ihr Wort unterstützen durch ein gutes Beispiel und durch Opfer und Sühneleiden und Sühneleben.

Ja, ja, die Kirche wird siegen durch das Kreuz, durch das Kreuz Jesu Christi; denn sie hat eine mächtige Stütze an Jener, die unter dem Kreuze steht, und das ist jene unbefleckte Jungfrau. Deine Empfängnis, o Jungfrau Maria, hat der ganzen Welt Freude gebracht. Ehre sei Gott, Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Guten, Friede, Friede auf Erden, Ehre sei Gott, Ehre sei Gott in der Höhe! Es sei gepriesen die reinste Unbefleckte Empfängnis der allerseligsten Jungfrau Maria.“

Lied: Großer Gott wir loben dich...

Barbara: „O glückselige Stunde, o mein guter Jesus! Du Bräutigam meiner Seele, könnte ich doch in alle Herzen nur ein einziges Quentchen jener Freude hineinleiten, die Du denjenigen bereitest, die Dich lieben. O glückliche Kinder der katholischen Kirche! Ja, Er verlangt nichts, als daß ihr nur euer Herz reinigt von schwerer Sünde! Alles andere will Er ja ersetzen. O ihr Kinder der Kirche, o ihr gläubigen Christen, hört doch die Stimme des Herrn, bereitet die Wege des Herrn, machet eure Herzen rein und freuet euch. O singet Jubellieder mit mir der Himmelskönigin, o freuet euch mit mir! O seht, wie gut Sie ist, wie Sie ihren schützenden Mantel über alle diejenigen hält, die noch auf geraden Wegen wandeln, die noch glauben, noch hoffen, die noch lieben, mögen sie noch so viel Ihn beleidigt haben.“

Maria: „Nimm hin, Meine Tochter, dies Kränzlein von Blumen, das Ich dir übergebe zum Lohn dafür, daß du dich jetzt zum Opfer bringst. Ich weiß, daß du es sehr schmerzlich empfindest, in dieser heiligen Adventszeit all die schönen Andachten missen zu sollen. Aber siehe, welchen Zuwachs du dafür erlangt hast an Gnaden. Du sollst bis Weihnachten es nicht fühlen, daß du keine heilige Messe hören kannst. Du sollst wissen, daß du Meinem lieben Sohn viel Freude machst, indem du dich Ihm hingibst und Seine Stimme hörst. Du sollst wachsen im Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe, Demut, Selbstverleugnung, Geduld, Herzensreinheit und in allen Tugenden, die dir noch fehlen. Alles, was dir mangelt, weißt du, Meine Tochter, das will Ich dir ersetzen. Darum sage Ich dir, vermehre, wo du kannst, die Ehre Meines Sohnes! Wo du noch ein schwaches Flämmchen findest, helfe nach; verschweige es keineswegs bei deinen Verwandten und Bekannten, was der Herr an dir getan; denn wisse, daß Ich deine Beschützerin bin, daß Ich nicht zulasse, daß du irgend etwas dir zueignest von den Gnaden, die der Herr dir verliehen!“

Barbara: „O Du, meine Gebieterin, unsere vielgeliebte Herrscherin, unsere Königin und Mutter. Höre, Du Zierde unseres Geschlechtes! O wie können wir stolz sein, daß wir eine solche Königin aus unserem Geschlecht hervorgegangen wissen. Du bist die Einzige unter dem Menschengeschlecht; keiner der Männer steht so hoch wie Du! O laß nicht zu, daß ich im Glauben wanke, gib mir doch ein Fünklein Deines Glaubens, der Dich beseelte, als der Engel Dir die frohe Botschaft brachte, ein Fünklein jenes Gottvertrauens, das Du bei all Deinen Leiden bewahrt, jener Liebe, die Ihn vom Himmel herabzog in Deinen Schoß. Du bist die Erhabenste unseres Geschlechtes. Ja sehet, ihr Männer, die ihr euch rühmt, Nachfolger Jesu Christi sein zu können, seht, ob nicht aus unserer Mitte die Zierde des Menschengeschlechtes hervorgegangen ist.“

Jesus: „Unter den Männern hat es schon viele gegeben, die Mein Herz durchbohrten, weil sie Mich verleugnet und ihre eigenen Wege gingen.“

Barbara: O denkt, daß wir gleichen Schrittes miteinander gehen müssen, um die heilige Kirche zu unterstützen, um die große Aufgabe zu vollenden, die ihr gestellt ist.

Jesus: „Darum tragt eure Häupter nicht so hoch, vereinigt euch mit den armen, schwachen Frauen und geht mit ihnen Hand in Hand vorwärts dem großen Ziele zu, das euch gesteckt ist: Die Kirche zum großen Sieg zu bringen, Heilige zu bilden, daß es noch in keinem Jahrhundert so viele Heilige gegeben hat, wie in diesem Jahrhundert es geben soll, geben wird, geben muß, weil noch nie die Kirche so bedrängt war, wie sie jetzt ist. Dies alles mußte so kommen, weil Ich es vorausgesagt habe. Und nun lebe wohl, Meine Tochter, und freue dich mit allen Kindern der heiligen, katholischen Kirche und kränke dich nicht, und kümmere dich nicht und warte bis nächsten Donnerstag, bis Ich wiederkomme.“

Barbara: „Danke Dir, o mein Jesus!“

26 Zweiter Donnerstag im Advent 1895

„Ich bin die Quelle des lebendigen Wassers, Meine Mutter ist der Kanal“

Lied: Maria sei gegrüßt, du lichter Morgenstern...

Barbara: Ich sehe eine großartige Beschäftigung, ich sehe die liebe Mutter Gottes und um Sie alle Seelen, die Ihr zugeführt werden. Es ist eine neue Bewegung in der Stadt M. Viele Seelen werden gerettet durch das Gebet frommer Seelen. Es sind darunter solche, die jahrelang nicht mehr geglaubt, denen Sie schon jahrelang nachgegangen ist und Fürbitte für sie bei Ihrem geliebten Sohn eingelegt hat, und doch blieben sie alle taub, und der Kanal blieb verstopft, der durch Sie in alle Menschenherzen sich ergießt.

Jesus: „Hier sollst du sehen, Meine Tochter, was das katholische Priestertum ist. Ich bin die Quelle des lebendigen Wassers, Meine Mutter ist der Kanal, durch den das lebendige Wasser in das Herz der Gläubigen geleitet wird. Aber doch gibt es noch andere Diener, Knechte, die Ich auf Erden bestellt habe, damit sie dieses Wasser, obwohl es durch Meine himmlische Mutter aus Meinem Herzen geleitet wird, hineintragen in die Herzen Meiner Kinder, 136 und diese Diener und Knechte sind die Priester der katholischen Kirche. Je mehr sich nun Mein Volk von Mir entfernt, desto stärker fließt dieser Strom, desto höher sprudeln die Wellen; dieses verursacht die Liebe Meines Herzens.

Darum fließen auch die Kanäle, durch die Ich das Wasser hineinleite, viel stärker zu solchen Zeiten, weil das Gebet Meiner Mutter und der treuen Seelen viel inniger und eifriger ist, und um des Gebetes frommer Seelen und um der Fürbitte Meiner Mutter willen, wird dann Meine Liebe so stark, daß sie sich nach allen Seiten hin ergießen will.

Darum erwecke Ich unter Meinen Dienern ein Verlangen, einen Eifer, der sie antreibt, alles aufzubieten, um der Welt das lebendige Wasser stärker zuzuführen. Sage darum, Meine Tochter, Meinem Diener, dem Bischof von M., Meinen herzlichsten Dank für all die Bemühungen, die er sich gegeben, mit all den frommen Dienern, die seine Befehle ausführten. Sie sind Meine wahren Söhne, sie sind Meine Erstgeborenen. Sage doch der Welt, warum Ich den Himmel verließ, warum Ich Mich neun Monate einschloß in den Schoß Meiner jungfräulichen Mutter, warum wurde Ich ihr Bruder, warum trug Ich denn dreiunddreißig Jahre die Knechtsgestalt und wurde ein Glied dieser großen Kette der menschlichen Gemeinschaft, warum? Sage ihr, das sei die Liebe!

Der Mensch wurde erschaffen, wie alle übrigen Geschöpfe, um Meinen himmlischen Vater zu verherrlichen, Seine Freude zu vervielfältigen. Ich habe es dir schon einmal gesagt, Er ist und bleibt Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Er hätte weder der Engel, noch der Menschen, noch aller übrigen Geschöpfe bedurft, aber es war nun einmal so Seine Freude. Darum hat Er aber auch den Menschen wie den Engel nach Seinem Ebenbild erschaffen, um Sich an Seinem Ebenbild zu ergötzen, zu erfreuen.

O du törichter Mensch mit deinem Hirngespinst, was kann Ich denn weniger von dir verlangen, als daß du glauben sollst, daß Ich dich erschaffen habe, um dich ewig glücklich zu machen, wie Ich es bin. Verlange Ich vielleicht zuviel von dir, wenn Ich dir gebiete, daß du deinen Verstand Mir unterwerfen mußt? Dieses habe Ich auch von den Engeln verlangt. Und nun, Meine Tochter, sollst du sehen, daß das Gebet nicht umsonst ist. Siehe, Ich verspreche dir, was Ich dir schon an Ostern gesagt habe, daß keines deiner Geschwister, noch Kinder, noch Kindeskinder, verlorengehen; Ich werde sie auf dem rechten Weg erhalten. Teile ihnen aber mit, wie gut Ich mit dir bin, denn es ist eine große Bevorzugung. Sage aber auch deinen beiden Freundinnen, daß durch ihr Gebet und die Gebete frommer Seelen hier in M. viele, viele Seelen gerettet werden, daß sie fortfahren im Eifer durch ein gutes Beispiel, durch liebevolle Worte, sowohl an Meinen Dienern als auch an den anderen Menschen.“

Es naht Sich der Herr in Gestalt eines kleinen Kindes...

Barbara: „O Du liebes Jesulein, o erbarme Dich unser; o mein Jesus, o Du lieber Jesus! All die Bitten, die Dir vorgetragen werden, o erhöre sie durch das Herz Deiner jungfräulichen Mutter, durch all die Tugenden, die Sie geübt in jenen neun Monaten, wo Du unter Ihrem Herzen geweilt.“

Lied: Stille Nacht...

„O lieber Jesus! Kann es auf der Welt etwas Süßeres, etwas Schöneres geben, als wie Du bist? Nimm mich ganz hin als Deinen Besitz und nimm hin die Herzen all meiner lieben Angehörigen. O ich bitte, gib allen, die sich mit mir vereinigen, einen lebendigen Glauben, um Dich anzubeten und zu lieben.“

Jesus: „Für heute bekommst du keine Armen Seelen, ihr sollt noch recht viel beten, daß viele Seelen sich bekehren bis Weihnachten. Nächsten Donnerstag komme Ich wieder.“

27 Zweiter Freitag im Dezember 1895

„Ehe aber dies geschieht, wird ein großes Blutbad die Erde tränken und ein Wehgeschrei wird die ganze Welt erfüllen, wenn sie sich nicht bekehren.“

Zuerst kam der heilige Josef. Er ermunterte sie, das Leiden, welches sie auszustehen hat, geduldig zu tragen, der vielen verstockten Sünder wegen, die zwar in die Predigt gehen und zuhören, die guten Regungen annehmen, aber ihre Sünden nicht bekennen wollen; daher das Würgen; sie bekäme noch vieles zu leiden und solle um die Gnade der heiligen Kommunion bitten, da brauche sie Stärke, aber sie solle sich nicht fürchten, er stünde ihr immer bei, weil sie durch seinen Pflegesohn seinem besonderen Schutz übergeben wäre. Die heilige Kirche würde so in die Lage versetzt, eine besondere Gewalt zu gebrauchen, um die Gnade wirksam werden zu lassen. Die Prüfungszeit wäre mit Pater Alphons abgelaufen. Solange die Kirche nicht einverstanden sei und das nicht annehme und Ihm Gegenwehr setze, würde sie immer die Wirkungen Seiner Gnade hemmen.

Josef: „Wozu noch das Zögern? Ist dein Leiden nicht Zeichen genug? Sie sollen dein Leiden sehen und dann den Geist prüfen.“

Jesus: „O ihr Diener Meiner Kirche, höret die Stimme eures Meisters, fürchtet nicht diejenigen, die euch gegenüberstehen; denn wisset, daß die Gewalt, die euch gegeben, kein Mensch auf der ganzen Erde hat, auch nicht die Mächtigsten. Darum sollt ihr ihnen frei entgegentreten, und wenn sie eure Stimme nicht hören, will Ich an dem Felsen Petri ihr Haupt zerschmettern und auf den Trümmern ihrer Throne Meine Kirche wieder aufblühen lassen. Siegreich wird Meine Kirche hervorgehen aus allen Kämpfen, die man ihr bereitet; denn vom Süden bis Norden und vom Westen bis Osten will Ich Meine Kirche ausbreiten. Ehe aber dies geschieht, wird ein großes Blutbad die Erde tränken und ein Wehgeschrei wird die ganze Welt erfüllen, wenn sie sich nicht bekehren.

Aber eine Bedingung will Ich noch setzen: Durch das Gebet vieler frommer Seelen und durch das Wort und den Eifer Meiner Diener kann der Arm Meiner göttlichen Gerechtigkeit noch aufgehalten werden. Darum verlange Ich, daß dein Beichtvater alles wisse, daß er an dein Bett komme und es dem Bischof morgen noch überbringe; das wäre Mein Wille. Sie sollen wissen, daß Ich ihr Herr bin.“

Barbara: „O Herr! Das kann ich ja nicht. Der Beichtvater kommt nicht hierher und ich kann es nicht gut vorbringen, ich habe auch alles schnell vergessen, und ich bin so schwach, wenn Du Dich zurückziehst.“

Jesus: „Ich werde dich nicht mehr aus Meiner Hand lassen, deinen heiligen Schutzengel wirst du bald sehen, er soll an deiner Seite sein, wie Ich dir gezeigt habe an Meinem Feste (Herz-Jesu), und der heilige Johannes ist dein Führer. Den heiligen Josef habe Ich dir als Schutzherrn gegeben, weil du für die Kirche leiden sollst; auch habe Ich dir eine Schar Jungfrauen gegeben, die dir helfen zu bitten.“

Barbara: Dann sah ich die Unbefleckte Empfängnis sehr traurig. „Warum bist Du denn in der Nacht gekommen?“

Maria: „Damit die Unmündigen kein Ärgernis nehmen.“

28 Zweiter Samstag im Dezember 1895

„Ja, die Zweifel, die du hast, die kommen vom Stolze her.“

Lied: Ganz schön bist du, o Maria, und keine Makel...

Barbara: „In Deiner Empfängnis, o Jungfrau Maria, bist Du unbefleckt gewesen, bitte für uns den Vater! Warum, o große, hehre Himmelskönigin, warum zeigst Du Dich heute in einer Gestalt, wie ich Dich nur zweimal gesehen habe, als die allerreinste Braut der Priester?“

Maria: „Weil Ich sie liebe und weil Ich will, daß auch sie Mich lieben, nicht nur als ihre Mutter, sondern auch als ihre Mithelferin, Gehilfin, das heißt soviel, als Gemahlin oder Braut. Sie sollen nicht alleinstehen; darum sei unbekümmert, Meine Tochter, wenn du auch verlassen bist von ihnen, von deinem Pater Bonifaz, Ich werde dich nicht verlassen.“

Barbara: „O meine Mutter, o meine Königin! Erlaube mir, meine Bitte Dir vorzutragen. O bitte bei meinem Jesus um die Gnade der Beharrlichkeit, nicht um Abnahme der Leiden, aber um große Geduld, große Liebe zu Ihm und zum Leiden. Siehe, ich habe alles getan, was ich tun konnte, um Pater Bonifaz zur Überzeugung zu bringen, daß nur Gott solche Dinge in einem armseligen Menschen wirken kann. Aber liebe Mutter, nicht seine Menschenfurcht ist schuld, sondern meine Sünden, die Unzahl meiner Sünden.

Darum bitte ich Dich bei Deiner Liebe, die Du zu Deinem Sohn und zu uns armseligen Menschen hast, o erflehe mir Verzeihung und Besserung derselben. Zwar gab ich mir von dem ersten Augenblick an, wo ich erkannte, daß Er mich mit Gnaden überhäufen und mich fester an Sich ziehen möchte, alle Mühe, mein Leben zu bessern, aber siehe, mein Leben ist doch ein sündhaftes Leben, ich habe Ihn viel zu schwer beleidigt, und auch während der Zeit, wo ich Ihm besser dienen wollte, habe ich Ihn dennoch viel beleidigt.

O erflehe mir doch durch Deine Fürsprache eine so tiefe Demut, daß ich alles über mich ergehen lassen kann, was noch kommen wird. Denn solange man sich nicht überzeugen will, sagt man: Ich glaube nicht! Gib mir die Sanftmut Deines lieben Menschenherzens, mit der Du all das Leid, das Dir zugefügt worden, ertragen hast, und alle jene Tugenden, die mir noch fehlen. O liebe, heilige Mutter, der Herr hat gestern zu mir schreckliche Worte gesprochen. O auf offener Straße möchte ich den Leuten zurufen:

„O ihr Menschen, liebet Gott! Denn die Strafgerichte harren schwer auf euch. Glaubet, tut Buße!“

Aber es wäre für mich ein törichtes Unternehmen. Bereits zehn Jahre gehen schon dahin, wo ich mir alle Mühe gebe, die Worte zu befolgen; aber nur meine Sündhaftigkeit und Mangelhaftigkeit ist die Ursache, daß es Pater Bonifaz und Pater Alphons nicht anerkennen. Darum will ich alle Leiden geduldig als Strafe dafür auch annehmen.“

Jesus: „Meine Tochter! Du sollst ihm aber auch nie Vorwürfe machen. Gehe ruhig weiter wie seither, verrichte deine Gebete mit deinen zwei Mitschwestern und sei unbesorgt um das, was noch kommen wird.“

Barbara: „Mein Jesus, mein Pater Bonifaz verlangt ein Zeichen von Dir und nicht eher wird er glauben, bis Du es ihm gibst, und ich verlange ein Zeichen von Dir. Siehe, ich habe alles getan, was in meinen Kräften möglich war und allen Einfluß aufgeboten durch meine zwei Mitschwestern und meine Schwägerin, und es hat alles nichts genutzt. Jetzt verlange ich auch ein Zeichen von Dir und nicht eher werde ich nochmals ihn rufen lassen, bis er von selbst kommt. Nie mehr werde ich zugeben, daß Lieschen und Luise ihn rufen, als bis Du Selbst ihn schickst, und wenn nicht, werde ich keine Schritte mehr tun und alles so betrachten, als wäre es nicht gewesen.

Ich will ja gern geduldig leiden, so gut es geht, aber ich verlange nicht, daß andere es glauben. Verzeihe, daß ich so ernst spreche, Du hast ja auch gestern so ernst mit mir gesprochen. Aber ich bin eine Sünderin, Du verschmähst mich ja durch Deine Diener. Bin ich denn noch stolz, o Herr? Ist es denn doch Stolz in mir?“

Jesus: „Ja, die Zweifel, die du hast, die kommen vom Stolze her.“

Barbara: „Ich beweine meine Sünden, o Herr, und die Sünden der Welt. Nimm hin, o Herr, alle meine Leiden, alle meine Tränen in Vereinigung mit all Deinen Leiden und Deinen Tränen, die Du über mich geweint und über die verstockten Juden, zur Genugtuung für meine Sünden und die der Verstockten hier in Mainz. O führe doch wenigstens diejenigen, die Dein Wort anhören von Deinen Dienern, zur Bekehrung.“ Und eine Flamme bricht aus Seinem Herzen nach allen Richtungen hin, es ist die Flamme der Liebe, die Er trägt zu Seinen Kindern, die Er trägt zu der undankbaren Stadt Mainz. Es geschehen ja Bekehrungen, aber nach dem Übermaß der Gnade ist es zu wenig. Soviel ist aber gewiß, daß die Frommen eifriger geworden sind, glühender in ihrer Liebe, die Lauen angeregt zu besseren Gesinnungen. Es erfordert aber große, große Gnaden, viele, viele Tränen, bis sie ganz gewonnen werden. Es erfordert eine baldige Wiederholung dieser Exerzitien.

Jesus: „Stört euch an niemand, bekümmert euch nicht, kein einziger Seufzer eurer Herzen, keine einzige Träne, kein einziger Schritt, den ihr tut um Meinetwillen, geht verloren. Am großen Gerichtstage wird alles offenbar werden, all deine Leiden ausgeglichen und die deiner zwei Freundinnen. Morgen will Ich in eure Herzen eingehen.“

29 Dritter Dienstag im Dezember 1895

„Siehe, wo Meine Diener nicht kommen wollen, da komme Ich Selbst.“

Luise und Barbara beteten den Rosenkranz, währenddessen wurde Barbara fort und fort zum Lachen gereizt. Sie nahm Weihwasser, aber es ging nicht fort. Auf einmal sah sie den Teufel, der sich ihrer Zunge bemächtigte und ihren Oberkörper quälte. Er sagte, er habe so große Gewalt, weil sie so lange nicht die heilige Kommunion empfangen habe. Sie schnitt schreckliche Grimassen und lachte uns aus.

Luise: „Sag: ,Jesus’.“

Barbara: „Nein, das kann ich nicht, er läßt mich nicht.“

Luise: „Dann beuge das Haupt, daß du es sagen willst.“

Daraufhin beugte sie sehr andächtig das Haupt. Wir besprengten alles mit Weihwasser.

Barbara: „Mach mir doch das Bett nicht so naß, das ist ja Sünd getan.“

Er mußte aber fliehen aufgrund des vielen Weihwassers. Gleich kam er wieder.

Teufel: „Mach doch das Klümpchen da aus, das ärgert mich, und das Krippchen wirf in die Ecke, das ärgert mich schrecklich.“

Diesmal floh er auf das geweihte Wachs und sagte mitleidig:

Teufel: „Wie bedaure ich dich, mach dir doch ein besseres Leben, laß doch die dummen Einbildungen fahren, geh wie andere Leute einen bequemeren Weg, es nützt dich doch alles nichts. Lauf doch nicht so oft an die Pforte. Was bist du so dumm, daß du das alles glaubst. Du wirst sehen, wenn du so fortfährst, bringe ich dich dahin, daß du ohne Priester stirbst.“ Dann sagte er wieder:

„O ich möcht dir dein Herz herausreißen. Du mußt heute noch sterben.“

(Zu Luise): „Du, du hast ja Simpelfransen, ha, ha, ha, ha!“

Die Luise trägt keine geschnittenen Simpelfransen, sondern nur durch den Druck des Hutes gebildete.

Luise: „Ja, aber warum kommst du zu Simpeln, geh gescheiter zu gelehrten Leuten, das trägt dir mehr Ehre ein, wir glauben dir doch nicht, du Lügenvater!“

Teufel: „Ich gehe nicht eher, bis ein Brauner oder ein Schwarzer kommt.“

Luise: „Das wollen wir sehen, wir haben doch noch Eine, die dich mit Schaden abziehen heißt: Die unbefleckte Jungfrau.“

Wir flehten zu Ihr, und Sie kam und fegte wie mit einem warmen Wind das Zimmer rein.

Barbara: „O meine Königin, o meine Mutter! Gedenke doch, daß ich Dein bin, errette mich, o große Herrin, o große Königin. O Jungfrau Maria, nimm an die Huldigung, die ich arme Sünderin, ich armselige Kreatur Dir darbringe, um Dir zu danken für die Qualen, die mir Dein Widersacher schon heute den ganzen Tag zugefügt. Ich lobpreise Dich mit allen, die Dich in besonderer Weise lieben und verehren, in Vereinigung mit allen himmlischen Geistern, insbesondere mit all jenen Engeln, die Dich umgaben, als Dein göttliches Kind unter Deinem Herzen ruhte. In Vereinigung mit dem Erzengel Gabriel will ich Dich lobpreisen für alle Gnaden und Vorzüge, die Dir der himmlische Vater verlieh, indem er Dich zur Mutter Gottes auserwählte.

O liebe, heilige Mutter, ich sage Dir Dank für alle Gnaden, womit Dein göttliches Kind mich überhäuft, besonders für die Leiden, die Er mir geschickt, die so außergewöhnlich und auffallend auftreten, daß ich selbst nicht begreifen kann, wozu das nützen soll. Dein lieber Sohn hat mich Dir zum besonderen Schutz übergeben und mich unter Deinen Mantel gestellt. Ich danke Dir für alle Verdemütigungen, die ich deshalb zu erdulden habe. Wer hat solche Verachtungen zu erdulden in der ganzen Stadt Mainz, denn kein Priester kommt an mein Bett? Ich danke Dir, daß ich gewürdigt werde, an den Verdemütigungen teilzunehmen, als Du an jeder Tür abgewiesen wurdest.

O wie freue ich mich, daß ich doch wenigstens meine Sünden abbüßen kann, die Sünde des Stolzes. Wie freue ich mich, wenn Du mit Deinem heiligen Kindlein mich heimsuchen wirst in der Heiligen Nacht! O heilige Mutter, alle diejenigen, die mich verfolgen, die mir Böses mit Unwahrheit nachsagen, o segne sie, gib mir jene Freigebigkeit des Gemütes und Herzens, daß ich sie mit Liebe umfassen kann, wie Du alle Menschen umfaßt und geliebt hast. O gib, daß ich so durchs Leben gehe, wie Du hindurchgegangen bist. Siehe, was Satan mich heute verfolgt, warum...?“

Maria: „Sei ruhig, Meine Tochter! Siehe, wo Meine Diener nicht kommen wollen, da komme Ich Selbst. Ich ersetze dir alles, was sie dir abschlagen und verweigern, alles, Mein liebes Kind, ersetze Ich dir. Ich war es, die Satan in die Flucht schlug. Warum weinst du denn, Mein Kind?“

Barbara: „O Mutter, o Mutter! Ich muß ja weinen, weil ich fürchte, er tät mich doch noch überwinden. Siehe, es war ein heiliger Mann in M., aber niemand war da, der mich befürwortete bei ihm, und so muß ich allein auf das gehen, was ich innerlich erfahre. Die ganze Welt ist ja gegen mich, o liebe Mutter, bitte für mich, daß Er mir es abnehme, daß ich wieder den gewöhnlichen Weg gehen kann wie früher. Ich weiß, daß ich es nicht anders machen kann, deswegen ist es mir so ein Kummer; ich habe keine einzige Seele, mit der ich reden kann. Du siehst es, wie es Deine Diener machen.“

Maria: „O tue das nicht!“

Jesus: „Sei einfach und demütig und gehe ruhig weiter. Laß alles kommen, Ich werde sie zur rechten Zeit zu überführen wissen, denn Ich bin ein gar langmütiger Gott.“

Barbara: „O mein Jesus, sage mir doch, warum mir das vorkommt, warum muß ich denn in M. dies leiden?“

Jesus: „Weil du Seelen retten sollst, und es werden Seelen gerettet durch deine Demut. Dazu kommt dies alles vor, daß deine Demut um so heller an das Tageslicht komme, daß du nichts suchest als Mich allein. Ich habe dir ja vorausgesagt, daß du im Advent viele Leiden bekommst. Sei ruhig, Meine Tochter!“

30 Dritter Donnerstag im Dezember 1895

„Du sollst eine Blume werden, die man hineingepflanzt in die Kirche, die Mein Sohn gestiftet.“

Lied: Was kann schöner sein auf Erden...

Barbara: „O hehre Himmelskönigin, o Jungfrau Maria, würdige mich, Dein Lob zu verkünden. O Mutter, wie danke ich Dir und durch Dich der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, daß Du vor allen Geschöpfen des Himmels und der Erde bevorzugt worden und uns zur Mutter gegeben bist, daß Sie uns durch Dich zu allerhöchster Würde erhoben, daß wir durch Dich Zutritt haben zum Herzen Gottes. Wie hast Du unser Geschlecht geadelt und erhoben!

O heilige Mutter, darum nimm aber auch an die Bitten Deiner Kinder und erflehe uns Kraft und Stärke wider alle Feinde, Verzeihung all meiner Sünden und Nachlassung aller wohlverdienten Strafen. Erflehe mir ganz besonders, o himmlische Mutter, daß ich nicht irre werde an meinem Glauben, daß ich durch all die Leiden siegreich hervorgehe und niemand auch nicht das Geringste fühlen lasse, die mir wehe tun. O liebe Mutter, nimm hin die Tränen Deines armen Kindes, Du weißt, ich bin so schwach, Du weißt, wie wehe das Leiden tut, was Du ausgestanden um des Leidens Deines Sohnes willen. Du warst aber die Unbefleckte Empfängnis, darum stark, aber nicht wie ich eine arme Sünderin, die noch so viel abzubüßen hat, die ich so schwach bin im Glauben und in der Hoffnung, und wie winzig klein ist das Flämmchen der heiligen Liebe. O verlaß mich nicht in der Stunde der Prüfung. Siehe, schon so lange harre ich aus ohne Deinen Sohn, ich kann nicht mehr.“

Maria: „Siehe, Meine Tochter! Das alles gehört ja dazu, um dich nur vorwärts zu bringen und deine beiden Schwestern zu bestärken. Habe doch Mut, Meine Tochter, wie winzig klein bist du noch, schäme dich, du bist noch ein Kind und schon so alt. Wie war denn das Leben Meines Sohnes, wie war denn Mein Leben, und Ich frage dich, wie ist denn das Leben der Kirche? Ist es denn anders? Sollte nicht die Kirche, die jetzt ganz aufgebaut ist und an der kein Steinchen mehr fehlt, die jetzt dasteht in voller Pracht, in heller Blüte, und an der nichts fehlt, als nur immer wieder neue Blumen hineinzupflanzen, die noch beitragen zu ihrer Zierde, nicht auch erkannt werden? Und siehe nun, wie viele sind darin, die all dies mit Lauheit und Gleichgültigkeit ansehen, die, anstatt sich zu erbauen, daß neue Blumen eingepflanzt werden, sich noch ärgern. Schau dich um, Meine Tochter: Wie viele Armseligkeiten findest du unter Meinen Dienern, die doch die Nachfolger Meines Sohnes sein sollen, die gesandt sind, Seelen zu retten, die Armut und Demut zu predigen. Sag an, wie viele Schwache sind darunter, und doch will Er alles ertragen wie zur Zeit, da Er unter ihnen wandelte, um durch sie Seine Kinder an Sich zu ziehen, wie erträgt Er all ihre Schwächen! Und du, arme Kleine, du sollst eine Blume werden, die man hineingepflanzt in die Kirche, die Mein Sohn gestiftet. Ja, und schau dich an, wie armselig du bist. Kann man denn solche Blumen brauchen?“

Barbara: „O heilige Mutter!“

Maria: „Ja freilich, deswegen kommen solche Dinge über dich, die du nicht verstehst. Du sollst nicht nachfragen, woher oder durch wen, du sollst geradeaus gehen und hinschauen einzig und allein auf Meinen Sohn, und Ich, Deine Mutter, werde dir beistehen. Ist dir das nicht genug? Unterstehe dich, Rache zu suchen bei deinen Dienern, unterstehe dich, je einem unter die Augen zu treten und ihm sein Unrecht vorzuhalten. Du hast einfach Pater Bonifaz zu sagen, was er dich fragt und was dir aufgetragen wird von Meinem lieben Sohn und von Mir. Alles andere laß kommen, wie es kommt; denn du mußt beschnitten und gedüngt werden und bisweilen auch verpflanzt werden in andere Hände, verstehst du Mich?“

Barbara: „Ja, Mutter, ich verstehe das so, daß ich noch mehrere Beichtväter bekommen werde, und daß es da immer wieder neue Leiden geben wird.“

Maria: „Ja, es ist so, Meine Tochter, aber die eingehen wollen in jenes liebende, süße, göttliche Herz, müssen ganz klein sein, klein wie die Kinder, denn das Herz hat nur ein kleines Pförtchen, und das ist die Demut, und alle die hochfahrenden Geister, alle, die noch so viele Menschenfurcht in sich bergen, alle, die liebäugeln mit der Welt, glaub es Mir, die kommen nicht dort hinein.

Ich sage dir: Harre aus, Meine Tochter, und laß dich nicht irremachen, weder vom Satan noch durch die Welt, noch durch den eigenen trügerischen Schein in dir, das ist das liebe ‚ICH‘. Du hast noch zu viele davon! Harre aus, du wirst noch eine glückliche Weihnacht feiern. Du beklagst dich, du hast so vieles zu opfern im Advent? Frage Meinen Sohn, was Er opfert, und damit du nicht irre wirst, deshalb läßt Er dich jedes Jahr den Unterschied der Geister vor Seiner Geburt erkennen. Wenn Seine Diener es nicht prüfen wollen, weil sie es nicht hoch anschlagen, dann halte du es wohl der Mühe wert, diesen Unterschied zu beurteilen, und gehe ruhig weiter, denn sie sind Schwachköpfe.“

Jesus: „Ich habe dir vor Jahren gesagt, daß du für Meine Diener ein Beispiel sein sollst, wie Ich geehrt sein will im Allerheiligsten Altarsakrament. Gleichwie du dich nicht niederdrücken ließest, obwohl Meine Diener jahraus, jahrein dich spotteten, und du dennoch auf deinem Weg weitergingest, so sollen sie es auch machen im Großen, wie du im eigenen Herzen. Sie sollen nicht achten auf die Verführungen, nicht auf die Drohungen der Welt, noch auf die Macht der Großen. Sie sollen ruhig weitergehen als Meine treuen Diener, die wohl wissen, mit welchem Herrn sie es zu tun haben, der es wohl wissen wird, wann die richtige Zeit ist zum einschreiten, um die Kirche zum Sieg zu bringen. Das ist deine Aufgabe; darum wirst du so angefochten von Meinen Dienern.“

Maria: „Und darum sei zufrieden mit der Belehrung, die Ich, deine heilige Mutter, dir heute gebe.“

Barbara: „O große Königin, o unbefleckt empfangene Jungfrau! Du liebst es so sehr, wenn ich Dich mit diesem Titel beehre. O erflehe mir von Deinem lieben Sohn Verzeihung, und daß ich doch nicht mehr zweifle. O ich laß mich so beeinflussen von dem bösen Feind; er ist ein gar so mächtiger, starker Geist.“

Maria: „Nun ja, warte nur noch einige Tage, dann ist die Zeit wieder vorüber. Du hast dich doch gut gehalten, Meine Tochter. Sei zufrieden, siehe, alles was du entbehrtest um Jesu willen, wird dir reichlich ersetzt werden. Du sollst sehen, Meine Tochter, wie gut Er ist.“

Lied: O du liebes Jesuskind...

Barbara sah das Jesuskind in der Krippe und Engel, die einen Christbaum zierten mit lauter beschriebenen Zetteln.

31 Dritter Freitag im Dezember 1895

„Denn es wird eine Zeit kommen, wo die Worte, die Ich mit dir spreche, zur Nutzanwendung kommen werden.“

Lied: O du hochheilig Kreuze...

Barbara: Ich sehe das liebe Jesuskind an das Kreuz geschlagen. „Warum denn? Warum sehe ich Dich heute so anders?“

Jesus: „Das hat die Bosheit der Menschen getan. Schon seit eintausendneunhundert Jahren lehre Ich die Menschen, das Kreuz zu lieben durch Mein Beispiel und noch nie sind sie vor ihm so geflohen wie jetzt, in der jetzigen Zeit. Darum verlange Ich von dir, daß du das Kreuz liebst und nicht vor ihm fliehst wie die anderen Menschen. Ich meine das Kreuz der Verachtung, der Zurücksetzung! Man verehrt Mich in der Kindheit, man verehrt Mein heiliges Leben, man verehrt Mich im Allerheiligsten Altarsakrament. Ja, es ist wahr, viele Liebhaber habe Ich, aber wenige, die das Kreuz lieben, und noch viel weniger, die es aufsuchen. Darum, Meine Tochter, höre, was Ich dir sage, was Ich dir vom Kreuz, das heute Meine Krippe ist, predigen will:

Die Welt braucht Seelen, die es nicht mit ihr halten, verstehst du Mich? Seelen, die auch in der Verachtung und in der Verdemütigung sich freuen; denn nur dadurch kann dem großen Übel der Zeit entgegengearbeitet werden, nur dadurch können Seelen gerettet werden. Sag nur Meinen Dienern und deinen beiden Mitschwestern, daß zur Zeit, als Ich auf Erden war, die Menschen auch nicht besser waren als jetzt, die Menschen sich ziemlich gleichen, nur mit dem Unterschied, daß damals die Menschen – obwohl Heiden und ungläubig – doch noch gläubiger waren, als sie es jetzt sind. Es ist dies so, weil die Welt ihrem Untergang immer mehr entgegengeht und die Menschen sich immer weiter von Gott entfernen. Darum müssen Opfer gebracht werden, die dem Übel, dem vorherrschenden Übel der Zeit, entgegengesetzt sind.

Und Ich sage dir, wären alle Meine Diener, die Priester der katholischen Kirche, von diesem Geist beseelt, daß sie die Verachtung, die Zurücksetzung und die Verdemütigung liebten und aufsuchten, es könnte die Welt gerettet werden mit leichter Mühe. Da sie aber zum größten Teil ausgegangen sind aus dem Schoß der Familie des Zeitgeistes, und wieder hineingepflanzt sind in diesen Zeitgeist, so haben sie, viele, viele von ihnen, dieses tödliche Gift eingesogen. Siehe, die Mächtigen und Großen dieser Erde, die in Furcht und Schrecken den Dingen entgegensehen, die ihnen wie aus einem gähnenden Abgrund entgegengrinsen, wären jetzt leicht zu überwinden, da die rechte Zeit gekommen ist, wenn unter Meinen Dienern recht viele Männer aufstehen würden, die die Verachtung, die Verdemütigung, die Herabsetzung liebten, wie Ich ihnen ein Beispiel gab, als Ich noch auf Erden weilte, und wie Ich ihnen ein Beispiel Tag für Tag gebe im Allerheiligsten Sakrament des Altares, bis zum Ende der Welt. Ich will nicht, Meine Tochter, daß die Worte, die Ich zu dir rede, in den Wind hinausgesprochen sind. Ich will, daß sie aufbewahrt werden sollen, bis Meine Diener überzeugt sind, welcher Geist mit dir redet; denn es wird eine Zeit kommen, wo die Worte, die Ich mit dir spreche, zur Nutzanwendung kommen werden. Meine Kirche braucht feurige Männer, Männer, die von Meinem Geist beseelt, alle Hindernisse überwinden, die ihnen die armselige Welt in den Weg legt, und wo sie ihren Fuß auch hinsetzen werden, wird ihr Andenken nicht spurlos vorübergehen. Die Menschheit ist versunken in tiefstes, tiefstes Elend; sie hat sich herabgewürdigt unter die Tiere, und es kostet starke, starke Gegenmittel, um sie wieder herauszureißen!

Harre aus, Meine Tochter, und Ich verspreche dir, daß dein Verdienst dir ein Überreichliches im Jenseits eintragen wird! Glaube nur, Meine Tochter, daß diejenigen, die dich jetzt belächeln, die dich jetzt bespötteln, noch ganz andere Ansicht von dir haben werden. Sie werden noch beginnen zu lernen von denjenigen, die weit unter ihnen stehen, und so muß es kommen, wenn die Welt soll gerettet werden. Kein Stäubchen, kein Würmchen, kein Blättchen am Baum, kein Tropfen Wasser im Meer ist umsonst. Alles hat der weise Schöpfer so eingerichtet, und daraus können die großen Geister lernen, die Schöpfung zu erkennen. So ist es aber auch in Meiner heiligen Kirche. Nichts geschieht da umsonst. Mögen die Zeichen und Wunder im Sinne der Menschen noch so unverständlich sein, noch so albern, wie sie es meinen, so sind sie immerhin ein Pünktchen und ein Beitrag zu dem großen Triumph Meiner Kirche.“

Barbara: „Ja, mein Jesus, das alles, was Du zu mir sprichst, findet bei ihnen keinen Anklang; denn ich bin eine armselige Sünderin, verworfen und hinausgestoßen aus der Gesellschaft. Denn siehe, kein Priester wagt sich an mein Bett, selbst nicht mit Dir im Allerheiligsten Altarsakrament, aus Furcht, er würde für einen Schwachkopf gehalten werden, der solche Dinge glaube, die von Weibern herkommen. Wie soll‘s da möglich sein, daß Deine Worte eine nachhaltige Wirkung hervorbringen können?“

Jesus: „Und doch, Meine Tochter, Meine Wege sind nicht eure Wege, und Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken. Ich verlange nichts von dir, als daß du dich über all die Kleinigkeiten hinwegsetzt. Sei Meinetwegen eine alberne Person, eine Schwindlerin. Was liegt daran? Du hast Mir den Finger gereicht, nun gib Mir auch deine ganze Hand.“

Barbara: „Ich möchte aber auch, o mein süßes Jesuskind, so gern Dich empfangen. Siehe, ich folge Deiner Stimme, so gib Dich mir auch zu kosten in der heiligen Kommunion. Siehe, jetzt ist Weihnachten vor der Türe.“

Jesus: „Komm nur!“

Barbara: „Ja, eine Vorfeier vom heiligen Weihnachtsfest; o freuet euch mit mir, o ihr Kinder der katholischen Kirche! Freuet euch! O wie bin ich glücklich! O hochheilige Weihnachtszeit! Wie beginnt das Fest im Himmel! O Kinder der Kirche, feiert es mit!“

32 Dritter Samstag im Advent 1895

Bei dem Leiden und Würgen hörte sie die Worte:

Jesus: „Leiden mußt du, leiden mußt Du für die Sünder!“

Schon bei dem letzten Sturm sah sie die liebe Mutter Gottes mit dem Jesuskind an sich vorbeiziehen.

Barbara: „O meine himmlische Königin, sei mir von Herzen gegrüßt!“

Maria: „Du mußt nicht müde werden mit deinem Leiden, wenn es auch zu so unbestimmten Zeiten kommt. Du bist bestimmt zum Leiden; denn Mein Sohn braucht Seelen, die mit ihrem Leiden sich Ihm in die Arme werfen. Gerade, weil das Leiden zu so unbestimmter Zeit kommt, ob gelegen oder ungelegen, darum ist um so sicherer und gründlicher der Beweis, daß es von Gott kommt. Sage ihnen, daß es höchste Zeit ist, daß sie Seinem göttlichen Arm nicht länger entgegen sind. Du hast ein Noviziat von drei Jahren mitgemacht, es wäre jetzt genug. Es ist nicht notwendig, daß man Wunder verlangt, sie sollen nur nicht die Augen zugebunden lassen.“

Barbara: „Erflehe mir Kraft, führe N. S. ganz an mein Bett.“

Jesus: „Sei nur ganz ruhig. In der Fastenzeit soll er überführt werden, spreche nichts mehr mit ihm davon.“

Maria: „Mein Sohn überführt ihn Selbst; aber leide nur geduldig; jedesmal kannst du eine Seele retten. Hier ist die Ernte für die Ewigkeit.“

Barbara: Viele Bitten... „O gib, daß wir ein rechtes Kleeblatt bilden. Zu dritt wollen wir unseren Feinden (bösen Neigungen) entgegentreten. O gib, daß ich den bösen Feind immer gleich erkenne.“

Maria: „O laß ihn nur, er versuchte ja auch Mich und Meinen Sohn. Weine nicht, Meine Tochter!“

Barbara: „Ist es denn möglich, daß ich die Augen noch auf etwas anderes richten muß?“

Maria: „Lebe wohl, Meine Tochter, bis auf die heilige Christnacht; lade auch deine beiden Freundinnen ein, daß sie kommen!“

33 Heilige Christnacht 1895

„Nur diejenigen werden Mich finden, die Mich hier in der Krippe suchen, die Armen im Geiste, die reinen Herzens sind, die Demütigen.“

Lied: Ihr Kinder, ach kommt...

Barbara: „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat, kommt, laßt uns freuen und frohlocken an demselben. Warum kommst Du heute nicht als kleines Kind? Heute kommst Du als mein Bräutigam!“

Jesus: „Ja, Ich will dich einladen, Meine Tochter, Meine Braut! Willst du mit Mir gehen, so komme! Komm mit Mir nach Bethlehem, trete ein in den Palast, in dem Ich geboren bin. Und nun sehe dich um, was du hier siehst! Nicht wahr, Armut und Dürftigkeit, Meine heiligen Eltern, die armen Hirten um Meine Krippe und die Himmelsgeister, die Mir dienen, und die der Menschheit Meine Ankunft verkünden. Wo sind die Stolzen, die Mächtigen der Erde, wo sind diejenigen, die sich nur im Irdischen gefallen, in irdischen Genüssen, in den Wollüsten der Welt? Zwar kommen solche Mächtige und Herrscher aus weiter Ferne an Meine Krippe, aber es sind doch solche, die Hunger und Durst haben nach Meiner Gerechtigkeit. Sie sehen all das nicht, was Mich hier umgibt: Die große, große Armut, den finsteren Stall, und Meine armen Eltern, sie sehen nur Mich als ihren Herrn und Gott, und warum? Weil ihr Herz leer ist, weil es arm ist im Geist, weil es sucht nach einem anderen Glück, als nur diesem armseligen Erdenglück. Hier sollst du lernen, Meine liebe, gute Tochter!

So wird es bleiben bis zum Ende der Welt, solange Meine Kirche besteht. Nur diejenigen werden Mich finden, die Mich hier in der Krippe suchen, die Armen im Geiste, die reinen Herzens sind, die Demütigen, und sobald du dein Herz hiervon abwendest, wirst auch du auf Abwege geraten. Darum merke dir, Meine Tochter! Erst mußt du an Meine Krippe gehen und mußt lernen, dein Leben wandeln, ehe du auf Kalvaria hinaufsteigen willst. Du mußt zuerst an Meiner Krippe die Tugenden lernen, die du hier wahrnimmst.

Siehe, in Nazareth hatte Ich viele Verwandte. Es wäre Mir ein viel reicherer, viel kostbarerer Empfang bereitet worden bei Meiner Geburt als hier. Ich wollte es aber nicht. Ich wollte in dem armen Stall unbekannt und verachtet und hinausgestoßen von den Bethlehemitern eintreten in die Welt, alles, alles dieses verschmähen, um dich zu belehren und mit dir alle Völker der Erde.“

Barbara: „Mein Jesus! Es fehlt mir noch viel, ich weiß es. O ich will nichts anderes mehr anschauen als Dich!“

Jesus: „Ja, du mußt kämpfen!“

Barbara: „Ich danke Dir, o mein Jesus, daß alles so gekommen ist. Wie Du willst, wie Du es machst, so ist es mir recht. Ich will zufrieden sein, ich will anfangen, wie Du mich belehrst, gib mir nur Deine Gnade dazu, o Herr!“

Jesus: „Ja, durchgehe Mein ganzes Leben und sage, wo einmal ein Zeitpunkt gekommen ist, solange Ich auf Erden wandelte, wo Ich nicht immer erniedrigt, unter die Füße aller gestellt gewesen bin; wo habe Ich Mich je einmal hervorgetan? Das ist das Übel, woran die Menschheit leidet zu deiner Zeit, weil man nichts mehr wissen will von der Demut; man möchte nur prunken, man will geehrt sein, man will nicht mehr dienen. Und doch verließ Ich den Himmel, den Schoß Meines Vaters, um zu dienen, um Knechtsgestalt anzunehmen, um so die stolze Menschheit zu besiegen.

Und solange du noch nachdenkst, wo das und jenes herkommt, solange ist noch Stolz in dir. Merke dir dies sehr gut! Es ist lauter Stolz! Ich verlange nichts von dir, als daß du dich ruhig Meinem Willen unterwirfst, wenn Ich anpoche an deinem Leib; und wenn du innerlich Meine Stimme hörst, dann frage nicht: Habe ich jetzt Zeit? Brauchen diese mich nicht? Was werden jene denken? Mache es wie eine folgsame Klosterfrau, und wenn die Glocke zum Gebet ruft, und sie hat den Kochlöffel in der Hand, läßt sie den Kochlöffel und alles liegen und geht zum Gebet. Und so sollst du sein:

Ein williges Werkzeug in Meiner Hand, das Ich nach Belieben wenden und drehen kann, wie Ich will, nicht wie du willst. Denke auch nicht an das Ende deiner Leiden, wann es kommen wird, wann sie aufhören sollen.“

Barbara: „O mein heiliger Bräutigam, Du Bräutigam aller, die Dich lieben und Dir dienen. Ich habe aber noch gar nichts Sicheres in meiner Hand. Es kommt mir manchmal vor, als würde ich mich selbst täuschen und manchmal meine ich, ich wäre vom bösen Feind getäuscht. Freilich will ich Deinen Willen tun. Um Deinetwillen bin ich ja hierher gekommen. Siehe, wie ich dastehe! Wie kannst Du mir verdenken, daß ich nicht so in das Ungewisse hinein leben will. Am Ende könnte ich noch aus meiner Familie ausgestoßen werden, und wie dann, wenn ich getäuscht wäre?“

Jesus: „Du Tor, du Närrin! Habe Ich nicht alle Haare deines Hauptes gezählt, alle deine Schritte bis jetzt gelenkt, habe Ich nicht deinen Willen gebeugt unter Meinen Willen? Wie hingst du an der Erdscholle in deinem Schippach? Wer meinst du, war es, der dich davon losmachte und nach Mainz führte? Was machst du Mir für lange Reden und Einwände?“

Barbara: „O mein Jesus, verzeih, ich bin aber ein sündiger Mensch!“

Jesus: „Siehe, jetzt ist es Weihnachten, dann kommt das Neujahr, dann Ostern und Pfingsten, und so geht das ganze Jahr herum, und du lebe so, als ob du nur so und so lange lebtest, von einem Fest zum anderen, und so mach es weiter, Ich werde dich nicht irreführen; und wenn auch kein Beichtvater sich mehr deiner annimmt, Ich brauche ihn nicht. Hüte dich nur vor der Sünde! Sei klug wie die Schlange und einfältig wie die Taube, verstehst du Mich? Sei klug in allem, was du zu tun, zu denken, zu reden hast, und untersuche erst, ehe du handelst: ‚Was würde mein himmlischer Bräutigam sagen, wenn Er jetzt bei mir wäre und ich Ihn fragte?‘ Und dann handle so, wie du denkst, daß Er dir sagen würde.

So bist du klug wie die Schlange. Bekümmere dich nicht um andere, bekümmere dich nicht um die Zeit, die noch in ferner Zukunft liegt. Laß Mich sorgen! Sei aber auch einfältig wie die Taube, das heißt, glaube alles, was sich auf Mich bezieht und auf den Fortschritt im Guten, was dich aneifern kann zur größeren Liebe Gottes und zur tieferen Erkenntnis deiner selbst. Glaube, es ist Mein Geist, und wenn es dir noch so dumm vorkommt, und dann ist es doch Mein Geist; und dann bist du einfältig wie die Taube. Und wenn Ich dir sage, daß du mit deinen zwei Mitschwestern das und jenes tun sollst, dann brauche wieder die Regel, die Ich dir oben angegeben und brauchst sonst niemand zu fragen. Untersuche erst, ob es klug sei – Art und Weise – dann prüfe, ob du die heilige Einfalt übst, so brauchst du niemand mehr zu fragen. Siehe, wo ein anderer Lehrmeister dir abgeht, da bin Ich Selbst dein Lehrmeister. Nur sage Ich dir immer und immer wieder: Merke auf jeden Keim, der sich regt, ob er abweicht von den Geboten Gottes oder den Geboten der Kirche.

Alles, was man Mir zuliebe tut, denkt, redet und leidet, kann nicht auf Abwege führen, und wenn es den Menschen noch so töricht erscheint. Alles, was man auf umgekehrte Weise tut, wenn es noch so groß, noch so erhaben, noch so herrlich in den Augen der Menschen glänzt, wenn aber die Absicht keine reine ist, aus Liebe zu Mir, ist es ganz das Umgekehrte. Merk dir das! Sei friedfertig, sei nachgiebig, sei rechtdenkend in all deinen Handlungen. Gib edem, was ihm gebührt, und laß dann das übrige, wie es ist. Solange dein Wille auf Mich gerichtet ist, und solange du das Richtige in der Gewalt hast, dann ist es dir noch nicht fehlerhaft vor Meinen Augen, auch wenn die ganze Welt dich fehlerhaft macht; denn du bist nur soviel wert, wie du vor Mir bist, und das sage Ich auch deinen zwei Mitschwestern.“

Barbara: „O mein Jesus, es ist doch heute Weihnachten, es ist doch heute Heilige Nacht, in der Du geboren wurdest von Deiner himmlischen Mutter. Warum zeigst Du Dich mir als erwachsener Mann und nicht als ein kleines Kind?“

Jesus: „Habe Ich Mich dir nicht am Donnerstag gezeigt als kleines Kind in der Krippe? Du hast Mich auch schon gesehen auf dem Schoß Meiner Mutter, und heute komme Ich als dein Bräutigam, weil auf Weihnachten sodann Ostern folgt, wo Ich gesiegt habe über Tod und Hölle, über Sünde und Welt. So sollst auch du siegen. Du sollst nicht immer ein Kind bleiben und dich gebärden wie ein Kind, wenn Ich Mich deinem Blick entziehe, gleich wieder Kaprizen machst, als hätte Ich dich verlassen auf immer. Siehe, das tun nur die Kinder. Aus den Augen, aus dem Sinn. Du aber mußt erwachsen werden, und in der Zeit, wo Ich Mich deinem Blick entziehe, an diese Ermahnungen dich erinnern, auf daß auf Weihnachten auch Ostern folgt.“

Barbara: „Ich glaube Dir, mein Gott, mein Jesus! Wo ist nun heute Deine heilige Mutter? O verzeihe mir meine Neugierde, ich will Sie nicht sehen, wenn Du es nicht haben willst. Ich habe es nicht verdient, ich will verzichten auf das große Vergnügen Ihres Anblickes. O danket mit mir; heute ist Weihnachten, da freut sich die ganze Christenheit. So laß doch auch uns die Freude kosten und gewähre uns die Gnaden, um die wir Dich einstimmig bitten. So senke doch in die Herzen der Sünder, die abgewichen von Dir, einen Gnadenblick, daß sie sich an die Vergänglichkeit der Erde erinnern, und daß es ein Jenseits gibt und einen Gott, der sie bestraft oder belohnt.

Ich bitte unter Tränen: O meine Königin Maria! Was dauern mich die armen Arbeiter! In manchen ist noch so ein guter Keim, aber sie sind so tief herabgesunken, daß sie nicht mehr glauben können. O unterstütze mein Gebet. Ich wollte gern tausendmal mehr leiden. Ich wollte mich gern in Stücke zerhauen lassen, wenn ich eine Seele retten, ihr das Glück verschaffen könnte, Dich zu lieben, und durch Dich zu Deinem Sohn zu führen. Es tut mir so leid, o ich muß weinen, obwohl es Weihnachten ist. O Du hast mir ja versprochen, für jedes besondere Leiden, einen Sünder geschenkt zu bekommen. Gib mir mehr, o gib mir eifrige Priester, die eine Beredsamkeit entfalten, welche die Welt in Staunen versetzt und überzeugt, daß es ein Jenseits gibt. Helft mir doch beten für die Sünder. O liebe Mutter! O liebe Patrone!“

Jesus: „Heute ist Weihnachten! Meine Tochter, höre auf zu weinen und freue dich! Freue dich mit deinen beiden Mitschwestern.“

Barbara: Ja, jetzt ist es anders, jetzt sehe ich Sie wieder, die Himmelskönigin mit Ihrem holden Kindlein.

„O lieber Heiland! O Jungfrau Maria! Was soll denn das bedeuten, himmlische Mutter, daß ich Dich auf einer Erdkugel sehe mit dem himmlischen Kind?“

O mein Gott, wie wunderschön! Ich sehe Sie, die liebe, himmlische Mutter, mit Ihrem goldigen Kindlein auf der Erdkugel dahinschweben, und Sie ist ganz in Blau gekleidet. Was soll das bedeuten? Und unter der Erdkugel ist alles so hell und glänzend, bis Sie ganz und gar hinaufschwebt in einem lichthellen Strom, soweit mein Auge reicht.

O liebe Mutter! Das ist die heilige Kirche, das ist die jetzige heilige Kirche. Weil Sie von der Kirche so erhoben und geehrt ist, weil Sie noch nie so geehrt war, seit Ihr lieber Sohn auf Erden weilte, durch Ihre Diener, wie zur jetzigen Zeit, deshalb sehe ich Sie so auf dem Erdball schweben. Das ist die Glorie, mit der Sie die heilige Kirche umgibt, durch die große Verehrung, mit der Sie auf der ganzen Erde geehrt und verherrlicht wird. Noch niemals war Sie so verbunden mit der Kirche, mit den Priestern, wie Sie es jetzt ist, weil Sie noch nie so verherrlicht wurde, und dies ist der Wunsch Ihres lieben Sohnes. Jetzt sehe ich in der Mitte dieses hellglänzenden Lichtes unseren Heiligen Vater Leo XIII., und wie Sie Sich herniederläßt, herab zu ihm, und ihn ermuntert, nicht nachzulassen in seinem Wirken und Bemühen.

Maria: „Fahre fort, Mein Sohn.“ Mit der Hand macht Sie eine Bewegung auf dem ganzen Erdkreis herum, und der Heilige Vater wird wie erleuchtet. „Licht vom Himmel“ heißt Leo XIII. Ach ja, jetzt weiß ich es, weil dieser Papst das Rosenkranzgebet eingeführt hat.

Lied: Hochpreiset...

Barbara: „Jetzt, o liebe Mutter, bitte ich Dich auch, gib mir Arme Seelen. Ich habe den ganzen Advent noch nicht für sie gebetet. O liebe, heilige Mutter, o heiliger Josef, um der Liebe willen, mit der du das liebe Jesuskind und deine heilige Braut geliebt, bitte ich, o mein Jesus, gib mir Seelen, nicht um meines armseligen Gebetes willen, ich bin ja nur eine arme Sünderin, sondern um Deiner Kirche, um Deiner Selbst, um Deiner Mutter willen; denn Du willst verehrt und verherrlicht werden, und das wirst Du durch neue Seelen, die Du eintreten lässest in die ewige Herrlichkeit. Ich bitte für N. S.“

Jesus: „Diesen muß Ich dir geben.“

Barbara: Ich sehe einen anderen Mann aus einer Grube emporsteigen. Ave Maria! Ja, eben hat ihn die liebe Mutter Gottes an der Hand genommen. Es wird eine Prozession aufgestellt.

Lied: Großer Gott...

Bei der dritten Strophe durfte sie einen Blick in den Himmel tun und sah, wie die Engel um den Thron Gottes herum alle ihr Haupt neigten bei jedem „Heilig“.

„O ihr lieben Seelen, so ziehet denn hin und vergesset auch uns nicht, die wir in Gefahr sind, Gott noch zu verlieren.“

Als Luise verschiedene geistige Bitten vorbrachte, sah sie, wie bei jeder neuen Bitte ein Strahl sich herabsenkte.

Am Weihnachtsmorgen während der heiligen Kommunioin sagte

Barbara: „Jetzt weiß ich, daß Du bei mir bist. Bist Du es denn wirklich, Der mit mir redet?“

Jesus: „Meine Tochter, Ich bin es, Ich bin es wirklich, glaube es Mir doch! Siehe, jetzt bin Ich wirklich bei dir, jetzt kannst du dir doch keine Angst machen und Skrupel haben. Jetzt bin Ich so gewiß dein, wie du Mein bist, und Mein Fleisch und Blut ist so gewiß in dir, wie das deinige mit dem Meinigen vereinigt ist.“

34 Evangelist St. Johannes 1895

„Wäre es denn eines Gottes würdig, diese Herrlichkeit auch jenen zu verleihen, die sich wenig oder gar nicht darum bemühen?“

Jesus: „Heute sollst du auch noch deinen Schutzengel sehen; deshalb bleibe etwas länger in der Kirche.“

Als es dann beim Hochamt zum Sanctus läutete, sah Barbara den Altar von Engeln umringt, die mit ihrem Angesicht auf dem Boden lagen und anbeteten. Nach der Wandlung trennte sich einer von der Schar, kam auf Barbara zu, stellte sich vor sie hin und sagte:

Schutzengel: „Ich bin dein Schutzengel.“

Barbara: „Das kann ich ja kaum glauben, sagte Barbara, daß du, ein so hoher Fürst, mich leitest!“

Schutzengel: „Ich bin es auch noch nicht lange. Früher hattest du einen anderen Engel. Erst seit drei Jahren, seitdem du im Bekenntnis vor dem Allerheiligsten Sakrament des Altares so beharrlich gewesen und deshalb so viel leiden mußtest. Ich bin ein Seraph.“

Er war so glänzend, daß alles Gold der Erde dagegen nichts ist und sie sein Angesicht vor lauter Glanz nicht erkennen konnte. Er sagte, sie solle sich nicht fürchten; denn all ihre Bitten würden ihr, jedoch erst zur rechten Zeit, erhört. Sie müsse aber noch vieles leiden. Da sagte Barbara:

Barbara: „Ja, lieber Engel, wenn das so ist, dann habe ich aber den lieben Heiland noch gar nicht gesehen, da du ihn an Herrlichkeit übertriffst.“

Schutzengel: „Ja freilich, du hast Ihn auch noch nicht gesehen in Seiner ganzen Herrlichkeit. Das könntest du auch nicht ertragen.“

Lied: Dich mein Gott ich lieb von Herzen...

Barbara: „Hochgelobt und gebenedeit sei das Allerheiligste Sakrament des Altares. O guter Jesus, Deine himmlische Mutter samt allen Deinen Heiligen benedeien Dich für all die Unehre und Beleidigungen. O mein Jesus! Du Bräutigam meiner Seele, o süßes, erbarmungsvolles Herz meines Jesus! Wie soll ich Dir danken für all die Gnaden, die Du mir verliehen und die Du mir täglich verleihest?“

Jesus: „Ja, du sollst Mir kein Hindernis in den Weg legen, Meine Tochter! Du sollst wie Wachs dich verzehren, und wie weiches Wachs sich biegen läßt zu allerlei Formen und Gestalten, so sollst du dich umgestalten lassen durch den Mörser Meiner Hand. Du sollst dich zermalmen lassen in der Leidensschule. Ich werde dir zur rechten Zeit immer wieder beistehen, mit Trost und Licht dein Herz erfüllen, und wenn auch dir alles abgeht, so werde Ich dir alles sein. Du brauchst niemanden. Besser wäre es, wenn N. sich anders gegen dich benehmen würde. Da er es aber nicht tut, so will Ich ihm zeigen, daß Ich doch ausführe, was Ich ausführen will. Du sollst nur ein biegsames Werkzeug sein in Meinen Händen. Du sollst dich nicht irreführen lassen durch die Spottreden der Menschen und selbst, wenn es N. wäre. Und Ich sage dir, er wird nicht selbst eine große Gnade erlangen, um die er bei Mir nachsucht, wenn er nicht tiefgläubiger sein Herz und seinen Verstand unterwirft unter Meinen Willen.

Es ist wahr, die Zeiten sind schrecklich für Meine katholischen Priester, und die Menschen gehen wie wilde Bestien auf das katholische Priestertum. Was haben sie aber zu fürchten, wenn Ich, ihr Gott, Meine schützende Hand über sie ausgebreitet halte, wenn Mein Arm sie hält? Dies alles, was Ich dir sage, Meine Tochter, ist für taube Ohren. Aber es wird die Zeit kommen, wo Meine Worte auch an gläubige Ohren dringen werden.

... Ja, das sollst du Mir sein. Siehe, du hast schon manchmal einen Einblick gehabt in die unendliche Herrlichkeit, die Ich denjenigen bereitet habe, die Mich lieben, Meine Tochter.

Und nun sage selbst, wäre es denn eines Gottes würdig, diese Herrlichkeit auch jenen zu verleihen, die sich wenig oder gar nicht darum bemühen? Oder ist es zuviel, wenn man viel dafür gibt? O gewiß nicht! Wohl ist der Kampf schwerer für jeden. Aber bedenke:

Die ganze Ewigkeit hindurch eine unendliche Glorie zu genießen und zu besitzen, und dieses Besitzes nie mehr verlustig zu gehen! Ist es vielleicht zuviel, ein bißchen leiden, ein bißchen Beschämung, einen demütigen Glauben, eine Hinwegsetzung über alle Menschenfurcht?“

Barbara: „Ja, Herr, ich übergebe Dir meine Seele mit all ihren Kräften, mein Herz mit all seinen Neigungen, meinen Leib mit seinen fünf Sinnen, und was Du noch vorhast mit mir, ich weiß es nicht, aber so viel weiß ich, daß ich das nicht verdient habe, was Du an mir tust. Obwohl alles ja ganz anders geht, wie ich es haben will und möchte, so muß ich Dir doch offen gestehen, daß ich gar nicht würdig bin, was Du an mir tust. Mag auch die ganze Welt mich verachten und alle Menschen mich verschmähen, wenn ich auch von keinem Beichtvater mehr angenommen werde, wenn Du mir nur treu bleibst und ich für Dich leiden darf, dann habe ich genug.

Nur eines bitte ich Dich, o Herr: Laß mir doch ein Plätzchen, wo ich mich verbergen kann. Ich will nichts als Dich und nur Dich allein, und laß mir meine beiden Freundinnen. O mein Jesus, laß sie wenigstens erkennen, daß ich nichts suche als Dich! Gib, daß wir vorwärtsschreiten auf dem Weg der Vollkommenheit, daß wir uns nie mehr irremachen lassen, wenn es auch allen Anschein hat, als sollten wir nicht zum Ziel kommen. Siehe, wir suchen nur Dich! Reiche uns die Hand, stärke unseren Glauben, festige unsere Hoffnung, erwärme unsere Liebe, daß wir nichts mehr lieben als Dich und nur Dich allein.“

Jesus: „Höre, Meine Tochter! Ich habe dir gleich zu Anfang gesagt, daß Ich von dir nur die Beharrlichkeit verlange. Du mußt ausharren, alles andere will Ich tun! Meine Diener sollen tun, was sie wollen, nur sollen sie sich die Augen nicht verbinden.“

Barbara: „Ich danke Dir, mein Jesus! O wie danke ich Dir.“ Dann sah sie den heiligen Johannes mit einem Kelch in der Hand. „Heiliger Johannes, ja, ich will deiner Führung folgen.“

35 Herz-Jesu-Freitag im Januar 1896

„Daß der Augenblick gekommen ist, wo sie ihre Macht gebrauchen müssen, die Ich ihnen gegeben habe, als ein ‚anderer Christus‘.“

Lied: Sei im Jubelschall erhoben...

Barbara: „Mein Herz hat zu Dir gesprochen, mein Angesicht hat Dich gesucht. Ja Herr, Dein Antlitz will ich suchen, mein Herz ist entbrannt in mir, in meiner Betrachtung ist ein Feuer aufgegangen. O mein süßester, geliebtester, o mein allersüßester Jesus! Du Bräutigam meiner Seele! O verzeihe mir, daß ich die letzte Zeit so lau, so nachlässig war in Deinem Dienst, und mir so wenig Mühe gegeben habe im Gebet; so kalt und so gleichgültig war gegen Dich, o mein Jesus! Ist es möglich, daß diejenige, die Du schon so oft heimgesucht und mit Gnaden überhäuftest, noch so sein kann? Und doch, denn Du bist unendlich gut und unendlich barmherzig und kommst immer wieder, sie mit neuen Gnaden zu überhäufen.

O meine Mutter! Gegrüßet seist Du, Maria! O vereinige Dich mit mir, Ihm Ersatz und Sühne zu leisten für all meine Nachlässigkeiten in Seinem Dienst.

O ihr, meine heiligen Patrone, und du, mein heiliger Schutzengel! Vor Ehrfurcht, wenn ich an dich denke, zittert meine Seele, weil ich weiß, wie unwürdig ich bin, unter deinem Schutz zu stehen und wie wenig du von mir vor Gottes Thron hinzutragen hast. Verzeihe mir, o Herr, daß ich mir so nachgebe. Du weißt, wie ich stehe in der Familie, wie ungern es gesehen wird, wenn ich mich so lange den Berufspflichten entziehen muß, und deshalb wollte ich meine Kräfte haben, um ihnen wieder ganz nachzukommen, und es mag wohl sein, daß ich darüber den Gebetsgeist vergesse. Mit bitteren Tränen möchte ich beweinen, daß ich so armselig war, so nachlässig, so zerstreut.“

Jesus: „Beruhige dich, Meine Tochter! Siehe, Mein Herz ist unendlich weit, unendlich groß, unendlich reich an Erbarmungen. Wenn du nur einsiehst, daß du gefehlt, dann bin Ich schon zufrieden; du mußt nicht allzu ängstlich sein. Die Zeit, die du dem Gebet widmest, mußt du auch mit ganzer Seele widmen und nicht an Dinge denken, die eines Gottes unwürdig sind. Du mußt denken, mit wem du verkehrst und dir all die leichtfertigen Gedanken aus dem Sinn schlagen. Und wenn du zurückkehrst in die Familie, um deine Berufspflichten wieder aufzunehmen, mußt du wissen, daß Ich die Zeit, wo du abwesend warst, ersetzen werde, und wenn du wieder eintrittst in den Kreis der Familie, Ich mit dir eintrete, und daß du darum um so pünktlicher und treuer deinen Beruf erfüllen kannst.

Merke dir doch einmal, was Ich von dir verlange, denn Ich will dich zu einem vollkommenen Christen machen..., und Ich will nicht nur allein dir nützen, sondern auch Tausenden von anderen Seelen. Es ist das Jagen nach irdischem Besitz so groß und so erschreckend groß, daß Ich bei euch allen anfangen muß, wie mit einem ABC-Schüler. Die Menschheit ist zu verweltlicht, und selbst diejenigen, die Mir dienen, sind mit so viel Weltgeist erfüllt. Viel Üppigkeit und Bequemlichkeit ist selbst in denjenigen, die sich ganz Mir geweiht, die Mir dienen wollen. Darum höre, Meine Tochter! Die Zeit, in der du dich Mir hingibst und deinen Geist Meinem Geist überläßt, ist nicht verloren, es soll vielen nützen.“

Barbara: „Ich bin aber so ungeschickt, o Herr. Selbst die Worte, die Du mit mir sprichst, siehe, so unbeholfen bringe ich sie vor, daß sich an meinen Worten niemand erbauen kann.“

Jesus: „Ja eben, weil du so unbeholfen und kindisch bist, deshalb muß Ich dich belehren wie einen ABC-Schüler, weil die Welt in allem Fortschritte macht, weil sie so gelehrt ist, ihr Wissen aber in der Wissenschaft des Heiles gar so gering ist. Und je größer die Fortschritte sind in den Wissenschaften der Welt, um so geringer, um so kleiner ist der Fortschritt in der einen wahren Wissenschaft, durch die der Mensch nur allein glücklich gemacht werden kann hier und dort in jener Welt. Deswegen muß Ich Mich einer unwissenden Schülerin bedienen, die aber gelehrig und aufmerksam Meine Worte anhört, und an ihr und durch sie sollen die ‚Großen‘, die ‚Weisen‘, die ‚Gelehrten‘ und so nach Wissenschaft forschenden Geister lernen, was den Menschen allein beglücken kann.“

Barbara: „O mein Jesus! O mein Jesus, o belehre die Jugend!“

Jesus: „Ja.“

Barbara: „Ich soll mich also zu den Schülern zählen?“

Jesus: „Ja, das sollst du!“ Dann zeigte Er ihr, wie ein schrecklicher Wirbelwind – ein Orkan – durch die ganze Welt zieht und alles, alles mit sich fortreißt.

Barbara: „O ist denn gar nichts mehr daran zu ändern, um das zu verhindern? Es gibt doch so viele fromme Seelen in der Welt, so viele Ordensfrauen, so viele Priester, die doch alle ihr Möglichstes tun. Siehe, wir sind einmal so schwache Menschen; aber im großen und ganzen streben sie doch alle das Gute an.“

Jesus: „Ja, das ist wahr, Meine Tochter! Ich sage nicht und tadle nicht diejenigen, die Meine Ehre verteidigen und fördern, ja, Ich danke all den Priestern, die sich so viele Mühe geben, die Jugend auf den rechten Weg zu leiten, und weil sie zu abhängig sind von der weltlichen Obrigkeit, ist ihnen der Arm gebunden. Aber Ich sage immer und immer wieder, daß der Augenblick gekommen ist, wo sie ihre Macht gebrauchen müssen, die Ich ihnen gegeben habe, als ein ‚anderer Christus‘.

Ich ging in den Tempel, stieß die Tische um, trat vor die Pharisäer hin, hielt ihnen ihr Unrecht vor; Ich verjagte die Käufer und Verkäufer aus dem Tempel Meines Vaters. Und dies tat Ich aus Eigener Macht. Ich wußte, daß sie Mich dafür tödlich haßten, dem Tode überliefern wollten; Ich wußte aber auch, daß die Menschheit sollte gerettet werden und das ganze Volk sich doch meist beeinflussen läßt von denjenigen, die ihm von Gott gesetzt sind: Den Gesetzeslehrern nämlich. Und darum scheute Ich keine Drohung, keine Wut, keine Verfolgung von seiten Meiner Feinde, um das Volk zu retten, das Volk Gottes, die Menschheit. Jetzt lebe Ich nicht mehr unter ihnen, aber Ich lebe doch noch unter ihnen, nur habe Ich Meinen Leib den Blicken der Menschen entzogen.

Aber Mein Geist lebt fort, und Der ist in Meinen Priestern, den Priestern der katholischen Kirche. Mit Meinem Geist übergab Ich ihnen Meine Macht und Meine Gewalt, nur fehlt es von ihrer Seite an ihrem Willen, ob sie auch das sein wollen, was Ich war und was Ich ihnen gegeben, ein anderer Christus nämlich! Die Menschheit ist so tief gefallen, daß es freilich viel Opfer kosten wird. Noch nie war der Glaube so geschwunden seit Erschaffung der Welt, wie jetzt. Deshalb habe Ich sie hingewiesen an Meinen Tabernakel, wo Ich in Wirklichkeit noch unter ihnen weile wie damals, als Ich auf Erden lebte. Glauben, Glauben, Glauben verlange Ich, und diesen Glauben zu bezeugen, auch mit Werken.“

Barbara: „O Herr, ja die Priester tun aber doch genug, und viele unter den Jünglingen entschließen sich, ein frommes Leben zu führen. Es gibt auch noch viele Klöster und darin recht heilige Seelen.“

Jesus: „Ja, das ist wahr, Meine Tochter! Das Übel ist aber nicht an einem Tag zu beseitigen, und der Strom, der einmal abwärtsfließt, ist nicht aufzuhalten mit einem kleinen Brettchen, mit einem kleinen Damm, da muß ein großer, großer Damm sich entgegenstemmen gegen den Strom der Zeit, da müssen viele Kräfte sich vereinigen, um den Damm zu bilden. So kann doch immer wieder noch etwas herausgesiebt werden, wenn auch nur allmählich, wie auch die Kirche nur allmählich entstanden ist. Siehe, es ist jetzt nicht mehr die Zeit, wo eine Sintflut hereinbrechen soll über die ganze Erde. Durch Mein allmächtiges Opfer, das Ich Tag für Tag und zu jeder Stunde des Tages darbringe durch die Hände Meiner Diener, ist der Zorn Meines Vaters besänftigt, und wird unaufhörlich dem Zorn Einhalt geboten, so daß Er unmöglich die Menschheit mit einem Schlag vertilgen würde.

Nein, Er will die Menschheit retten, und Er will sie retten durch Menschen, durch Mitwirkung der Menschen; denn die Erlösung ist nun vollbracht. Es braucht kein Gott mehr vom Himmel zu steigen, Der Sich unter Menschen aufhält und durch Seine Wunder die Menschen zum Glauben bringen muß. Jetzt wäre der Glaube wieder zu beleben, und dies durch die Mitwirkung der Menschen, um dadurch einerseits mehr Heilige zu gewinnen, um die Verdienste der Guten und Treuen zu vermehren, und andererseits um die Hölle, die so schrecklich triumphiert in solchen Zeiten, die so frech das Haupt erhebt gegen den Schöpfer, recht zu beschämen. Und glaube Mir, Meine Tochter, die Zeiten sind schlimmer, sie sind schlimmer als alle Menschen sich denken können, und wenn du dich umsiehst, meinst du wohl nicht, daß die Gerechtigkeit Gottes sich noch zurückhalten könnte?

Aber siehe, unter den vielen Gottlosen gibt es doch auch recht erfreuliche Dinge für das Auge Gottes. Es gibt viele, die um ihres Glaubens willen ein wahres Martyrium bestehen, ein Martyrium des Herzens. Siehe all die Diener Meiner Kirche, die Priester, wie sie von den Großen und Mächtigen, den Reichen belächelt und verspottet werden; wie sie von gottlosen Armen ausgenützt, hinterrücks verspottet und verachtet werden. Was meinst du wohl, was all diese Meine Diener sind? Sie sind Märtyrer der Liebe, auch wenn sie es selbst nicht erkennen, sie sind Märtyrer in Meinen Augen. Und das, was ihnen an Schmerzen des Leibes abgeht, geht um so tiefer ein in die Seele; denn auch sie sind Menschen von Fleisch und Blut, ihr ganzes Leben lang.

O sage es Meinen Dienern, daß sie um ihretwillen und all jener Seelen willen, die zurückgezogen hinter stiller Klostermauer oder in stiller Kammer in der Familie diesen Kampf um Meinetwillen durchkämpfen, jenen Helden gleichstehen, die in der ersten Christenheit der Same geworden sind zu neuen Christen. Wie in der ersten Christenheit aus dem Blut der Märtyrer, wodurch die Erde getränkt, das Evangelium hervorging und der Keim zu neuen Christen, so soll aus ihrer Asche, wenn sie einmal in der Erde verwest sind, ein neues Christentum hervorgehen.

Sage es ihnen zum Trost, daß sie nicht mutlos werden, besonders N. und allen, die in diesem Hause wohnen und Zweige dieses Ordens bilden. Sage es insbesondere N., daß Ich große Freude habe an ihrem Leben. Sage es, sie sollen eins sein und glauben, daß der Geist, der aus dir spricht, kein anderer Geist ist als der eines Christus. Sage N., daß ein Engel alle seine Schritte zählt, daß all die Worte, die er in dem ihm angewiesenen Beruf und Stand um Meinetwillen spricht, aufgeschrieben werden und aufgezeichnet sind, und daß sie für ihn um so verdienstreicher sind, je mehr Mühe er dabei auf sich nehmen muß. Und siehe hier die Krone, die ihn erwartet! (Es waren darin Steine, die tausend Strahlen von sich warfen.) Wohl hat ein jeder dieses Ordens eine gleiche zu erwarten, weil sie die einzigen sind, die in Meinen Fußstapfen gehen, indem sie den Weg der Armut und der Demut wandeln. Darum harrt ihrer diese Krone, eine unaussprechlich schöne Krone.

Jedoch hat N. diese Krone mit noch mehr Verzierungen zu erwarten als bei den anderen. Warum das so ist, will Ich dir nicht offenbaren, das soll nur er wissen. Sage ihm nur, diese herrliche Krone sei ihm bereitet, weil er sie doppelt verdienen mußte durch den Widerwillen, den er fortwährend in sich empfindet.“

Barbara: „O Herr, ich danke Dir für diese Gnade.“

Jesus: „Ja, Ich habe dir gesagt, Meine Tochter, daß es viele Märtyrer gibt in der Welt. Ich habe dir aber auch gezeigt, wie der Strom der Zeit immer abwärtsfließt, dem Verderben zu, und daß ein mächtiger Damm soll aufgerichtet werden, um diesem Geist entgegenzuwirken. Darum verlange Ich, daß Meine Kirche – obwohl sie sich immer auszeichnet in der Einheit und Allgemeinheit – in dieser Zeit sich noch mehr einigt und heilig sein muß. Das heißt, daß die frommen Seelen die Priester unterstützen und das Priestertum sich dieser Seelen annimmt, auch wenn sie noch so verborgen und unscheinbar sind, wenn sie nur ein Quentchen abgeben können für das große Ziel, das zu erstreben ist.“

Barbara: „Ich danke Dir, o mein Jesus! Ich habe Dir aber auch viele Bitten vorzutragen. Vor allem, Du hast mir heute gezeigt, wie gut es um den Orden der N. N. steht. (Er zeigte ihr, wie das Leben derselben sich wie ein goldener Faden durch die sinnliche Welt zieht.) O Dank Dir, Herr, daß Du mich in eine Stadt geführt, wo es solches gibt. Von jeher hatte ich eine große Vorliebe zu diesem Orden und wünschte immer, das Glück genießen zu können, unter seiner Leitung zu stehen, weil ich immer glaubte, daß sie das richtige innere Leben führen. So bitte ich Dich um die Erhaltung und Verbreitung dieses Ordens, und daß noch viele sich erbauen so wie ich, als ich noch in meiner Heimat war. Ich bitte Dich für die Franziskaner in B., von denen so viele an der Schwindsucht sterben. O erhalte sie.“

Jesus: „Sage Meiner Tochter, sie möchte diesen Schwestern ein etwas freieres Leben gewähren, nicht, daß sie sich freier benehmen sollen in ihren klösterlichen Übungen oder in der Regel nachlassen, nein, aber doch etwas mehr freiere Bewegung in der Luft, ein fröhliches, heiteres Gespräch mit ihnen anknüpfen, um sie in ihrem harten Los, das die jugendlichen Herzen abschreckt, aufzuheitern, weil die Menschheit doch nicht mehr so kräftig ist wie früher und mehr der äußeren Ruhe bedarf. Ich meine, daß der Geist sich öfters wieder einmal erholen kann in Gott, Seinem Schöpfer; denn das ist die innere Ruhe des Herzens.

Wenn der Geist sich zuviel hineingelebt in äußere Dinge – auch wenn die Tätigkeiten innerlich vor sich gehen, wie das Studieren, gehören sie doch zu den äußeren Dingen – bedarf es immer wieder der Mäßigung. Darauf sollen die Oberen achten, dann verspreche Ich ihnen, daß Ich es nicht fehlen lasse an Meinem Segen.“

Barbara: „O Herr, siehe, es sterben so viele davon, und da werden die Jüngeren abgeschreckt einzutreten.“

Jesus: „Das ist es eben. Darum verlange Ich dies von ihnen, von den Vorgesetzten des Ordens, daß sie ihren Schwestern etwas mehr Erholung verschaffen, freiere Bewegung in der Natur, und auch die Kinder öfters einmal mit sich nehmen. Sie werden sehen, wie das einwirkt auf jugendliche Herzen. Sie sollen freudig und fröhlich mit den Kindern spielen, wie wenn sie selbst Kinder wären, wie auch Mein Diener Johannes mit einem Vogel spielte, obwohl er ein großer Diener Gottes war.“

Barbara: „O Herr, was sollen die Schwestern in N. mit ihrem Studenten anfangen? Sie fürchten, er gebe kein guter Priester.“

Jesus: „Sag ihnen nur, sie sollen unbekümmert sein um das, was nicht in ihre Gewalt gestellt ist. Sie sollen ihn immer mit guten Augen ansehen, dem Jungen recht ans Herz reden und unbekümmert die Nächstenliebe ausüben. Sag ihnen nur, sie haben eine Verantwortung vor Mir, ob er so oder so ausfällt; seine Früchte werden es zeigen; Ich will sie noch im Unsicheren lassen, Ich will ihnen nicht sagen, was aus ihm wird, damit sie dann Meine Güte um so mehr preisen.“

Barbara: „O Herr, N. bittet Dich um ein Wort der Ermunterung.“

Jesus: „Sage N. S. doch, ob es nicht genug wäre, daß sie Meine Kinder sind, Kinder des Hauses. Was wünschen sie denn? Sie essen ja das Brot der Kinder Gottes. Ist es ihnen nicht genug, daß Ich sie liebe, daß Ich mit ihnen zufrieden bin?“

Luise: „O Herr, verleih mir doch die Gnade, etwas mehr für Dich tun zu können.“

Jesus: „Bewahre Mir ein freies, reines Herz, und was du noch nicht tun kannst – du fürchtest dich noch zuviel – das ersetze Mir durch ein kindliches, reines, wohlwollendes Herz, und erbaue Mir jetzt noch die vornehmen, stolzen, frommen Damen der Stadt Mainz, indem du nicht wie sie mit der Welt liebäugeln willst. Begnüge dich jetzt, und wenn du einmal stärker geworden bist, wirst du auch das andere tun!“

Barbara: „O Herr, gib N. die Stelle, die er sich wünscht.“

Jesus: „Ja, er soll sie erhalten. Natürlich müssen erst die Hindernisse von der Regierung beseitigt werden. Ich verlange aber auch von ihm, daß er in seinem Leben recht eifert für Meine Ehre und Verherrlichung, daß er eine Schar um sich sammelt und diese recht vorwärtszubringen sucht. Ich meine damit, daß er die heilige Kommunion recht fördert. Er soll sich nicht beeinflussen lassen von anderen Priestern, die nicht so gesinnt sind wie er, auch nicht von Klosterfrauen, die ihm hie und da ein spitzfindiges Wort sagen.“

Eines Abends ging Barbara an ein Krippchen und beglückwünschte mit inniger Freude die liebe Mutter Gottes und gab Ihr allerlei Ehrennamen. Zuletzt begrüßte sie Selbige als die Unbefleckte Empfängnis und sagte zu Ihr:

Barbara: „Ich glaube, daß Dir dieser Titel am besten gefällt. Wenn Du aber etwas anderes lieber hörst, so sag es mir.“

Da antwortete Sie:

Maria: „Grüße Mich mit dem Gruß eines Erzengels; das ist Mir das Liebste.“

Wieder in großen Zweifeln und Ängsten kniete sie vor dem ausgesetzten, hochheiligen Gut.

Jesus: „Fürchte dich nicht, Ich bin es.“

Worauf sofort große Ruhe, Sicherheit, Freudigkeit und Bereitwilligkeit zum Leiden folgte.

36 Fest der Heiligen Drei Könige 1896

„Diese sahen Mich nur einmal und mußten ihr ganzes Leben lang im Glauben leben.“

Ich hatte in der Kirche die heilige Kommunion empfangen und war innerlich gesammelt und ließ den lieben Heiland in mir walten. Doch war ich etwas beunruhigt und mit Zweifeln beladen, weil mir immer noch die Sicherheit von seiten meiner kirchlichen Vorgesetzten fehlt, und dann wieder so glücklich, daß ich es kaum verbergen konnte. Ich wollte die Heiligen Drei Könige recht verehren und ging daher zu jenen Kirchen, von denen ich wußte, daß zu ihrer Ehre ein Hochamt sei, damit ich Seinen Segen empfangen könnte. Von der Ignatius-Kirche ging ich in die K.-Kirche. Es schien mir, als ob meine Füße die Erde nicht berührten. Ich sah und hörte nichts als meinen Jesus und beeilte mich, Ihn zu finden mit den Heiligen Drei Königen. Dort war ich wieder gesammelt, innerlich belehrt, getröstet und aufgemuntert. Doch kamen mir immer wieder die Zweifel, ob ich auch ausharren würde und es nicht wieder eine Zeit gebe, in der ich wieder kalt und lau Gott verlassen werde. Ich wurde immer wieder beruhigt und ging in den Dom, um so jedem der Heiligen Drei Könige einen besonderen Gang zu machen.

Dort fühlte ich eine solch überschwengliche Freude, daß es mit nichts zu beschreiben ist. Ich fühlte so die Nähe Gottes, daß es mir vorkam, als sei eine Stunde nur eine Minute. Ich begleitete die Heiligen Drei Könige auf dem Weg über Berg und Tal, über Flüsse und Seen bis hin nach Jerusalem an den Hof des Königs, und von dort nach Bethlehem an die Krippe. Und trotz all meiner Freude dachte ich doch wieder: Sollte es doch noch einmal eine Zeit geben in meinem Leben, wo ich des Glückes beraubt sein werde? Ich durchforschte mein Inneres und sagte mir: Was suchst du denn jetzt? Gewinn und Geld – nicht; Ansehen und Ehre – das hast du nicht; oder die Achtung der Menschen, um vor ihnen für fromm zu gelten? Sollte dies doch der Fall sein, daß so etwas noch in mir verborgen wäre?

Jesus: „Siehe, du warst zuerst in ‚St. Ignatius‘, und dort warst du so glücklich, und dann in der ,K.-Kirche’ und jetzt wieder im Dom. Wenn es auch in den zwei ersten Kirchen der Fall sein könnte, weil du dort bekannt bist, was aber wäre hier der Antrieb, wo dich niemand kennt? Hier bist du ganz allein und doch so überaus glücklich, daß dir eine Stunde wie eine Minute dünkt. Jetzt schau hin auf Meine Diener, die Heiligen Drei Könige, und folge ihnen nach. Die Berge und die Täler, die sie durchwanderten, sind bei dir die Versuchungen, Zweifel und Ängste, die du zu bestehen hast, und der Reif und Schnee sind die Launen, die dich zurückhalten wollen. Aber das alles mußt du durchwandern rechts und links, und so gewiß, wie sie am Ziel ihrer Reise Mich fanden und mit Mir so hochbeglückt ihr Ziel erreichten, so gewiß wirst du es erreichen.“

Ich fragte Jesus, wenn es aber wirklich für Täuschung erklärt würde und ich ganz allein dastünde, würde ich denn da auch noch ausharren? Da ward ich entrückt in ein klares Licht, in eine gar liebliche Aue (ich meine, das Paradies müßte ungefähr so gewesen sein). Ich sah mich wandern ganz allein eine lange Strecke. Auf einmal sah ich meine beiden Freundinnen und viele Priester mich umgeben, so daß wir eine ganze Schar ausmachten.

Jesus: „Siehst du, was das bedeutet? Daß man in Mir alles besitzt, daß Jesus einen immer glücklicher macht, auch wenn alles sonst fehlt, und daß du die Gnade der Beharrlichkeit erlangen wirst!“

Er zeigte mir, daß der Weg jedes Christen derselbe ist wie der der Heiligen Drei Könige.

Jesus: „Sie haben vor nichts zurückgescheut, nicht vor Klippen und Bergen, und die größte Prüfung für sie war das Verschwinden des Sternes, und dennoch ließen sie nicht nach. Sie haben noch weniger Sicherheit gehabt als du; sie hatten nur die dunklen Prophezeiungen, und dazu hast du das voraus, daß du Mich jeden Tag in der heiligen Kommunion empfängst. Diese sahen Mich nur einmal und mußten ihr ganzes Leben lang im Glauben leben.“

37 Zweiter Freitag im Januar 1896

„Warum vertrauen sie nicht, daß Ich sie sicher, ja ganz sicher zum ewigen Heil führen werde?“

Lied: Christi Mutter stand mit Schmerzen...

Jesus: „Meine Tochter! Ganz in Meine Absichten eingegangen, wie ein gefügiges Werkzeug in Meiner Hand, mußt du dich bearbeiten lassen, bald durch den Hammer der Leiden, bald wieder durch Pinselstriche, die Ich an dir ausführen will, um dich zu bearbeiten zu einem Bilde, das Mir und Meinem Vater wohlgefällt. Gib dich darein, wenn Ich anpoche an deinem Leibe. Du beklagst dich, Meine Tochter, du seiest dir selber zur Last und man werde deiner überdrüssig in deiner Familie und unter denjenigen, die mit dir Umgang haben. Aber wisse, daß das alles dazugehört, weil Ich will, daß du leiden sollst, leiden für die Sünder. Siehe, jetzt beginnen überall in den großen Städten die Faschingsleiden für Mich. Und siehe, Meine Tochter, wie sich in diesem Jahr hier in Mainz die Jugend beteiligt an diesen Teufelsübungen, wie jeder gute Keim, der noch in dem Völklein steckt, herausgearbeitet wird durch diese satanische Erfindung des Karnevals.“

Barbara: „O mein Jesus! Und da soll ich leiden die ganze Zeit jetzt bis Fastnacht und die ganze Fastenzeit hindurch. Ja, wie wird es mir aber denn gehen, o Herr, in meiner Familie, weil meine Schwägerin doch auch nicht gesund ist. Ja, ich bin bereit zu leiden, wenn es Dein heiliger Wille ist. Aber, o Herr, bedenke, daß ich doch fremd bin und niemand habe, der sich um mich kümmern kann. Kein Priester geht an mein Bett, mir die heilige Kommunion zu bringen. Siehe, wie verachtet ich von allen Menschen bin, weil ich in einer Wirtschaft arbeite, wo niemand etwas Gutes sucht, und wie muß ich meiner Familie überdrüssig werden. O ich bitte Dich, verschone Deine arme Dienerin die Woche über, daß ich doch was leisten kann. Ich will ja gern freitags und samstags leiden, wenn es Dein heiliger Wille ist, doch bitte ich Dich sehr, daß ich sonntags auf sein kann und auch die Woche über.“

Jesus: „Deine Bitte sei dir gewährt, Meine Tochter! Trete ein, Meine Tochter, in Mein liebendes Herz. Siehe, wo soll Ich Meine Freude suchen an den Menschen, die Ich erschaffen habe, wenn nicht an euch, die ihr Mich noch kennt. Durchwandere jetzt mit Mir die ganze Welt. Geh mit Mir in die Klöster, ja siehe, wie überall der Weltgeist eingedrungen ist, und doch sind dies Meine Diener und Dienerinnen, die Ich auserwählt habe, denen Ich den Vorzug gab vor allen Geschöpfen. Sie wollen Mich lieben, sie wollen Mir dienen, sie wollen aber nicht für Mich leiden. Wären alle von dem Geist durchdrungen, von dem sie beseelt sein sollten, von Meinem Geist nämlich, so würde die Erde umgestaltet werden. Man sucht nicht Mich, man sucht sich!“

Barbara: „O Herr, ich empfehle Dir all die klösterlichen Genossenschaften in der ganzen Welt. Ja siehe, wir alle sind Menschen. Sie haben doch den besten Teil erwählt, sie wollen Dir dienen, sie wollen Dir Ersatz leisten für diejenigen, die Dich vergessen.“

Jesus: „Ja, Meine Tochter, das ist wahr, das tun sie auch, aber eine Erneuerung wäre doch überall notwendig, wenigstens in den meisten Fällen. Und sie sind Meine liebsten Kinder. Um ihretwillen muß Ich noch den strafenden Arm Meiner göttlichen Gerechtigkeit zurückhalten, und wäre Meiner Kirche der Arm nicht gebunden, so würden sich noch viel mehr entschließen, in den heiligen Ordensstand einzutreten. Aber doch müßte man mehr darauf hinarbeiten, daß alle diejenigen, die einmal im Ordensstand sich befinden, den Glauben, die Hoffnung, die Liebe recht betätigen, weil das die Haupt- und Grundtugenden des ganzen christlichen, des ganzen evangelischen Lebens sind. Was ist denn der Glaube? Der Glaube ist, etwas für wahr halten, was Gott geoffenbart hat und uns durch Seine heilige, katholische Kirche zu glauben vorstellt.

Und Gott hat durch Mich, Seinen Sohn, geoffenbart, daß Er wirklich und wahrhaft unter euch wohnt, daß Er euch nicht verlassen hat, daß Er, nachdem Er hinaufgefahren zu Seinem Vater, doch noch gegenwärtig ist bei euch im Allerheiligsten Altarsakrament. Sage nun, warum suchen Meine Diener etwas anderes, warum sucht man den Trost nicht bei Mir, der Ich doch unter euch wohne? Weil der Glaube nicht lebendig genug ist.

Mein Vater hat Mich auf die Welt geschickt, um die Hoffnung auf die Erlösung zu erfüllen, und durch die Hoffnung das Vertrauen in der Menschheit zu erwecken. Und siehe, die Kirche lehrt es und Meine Kinder beten alle Tage: ,Unser tägliches Brot gib uns heute.’ Warum vertrauen sie nicht, warum haben sie nicht das Vertrauen, daß Ich es ihnen geben werde, da Ich ihr Vater bin, und Ich unter ihnen wohne, und daß Ich ihr Leiden lindern werde? Warum vertrauen sie nicht, daß Ich sie sicher, ja ganz sicher zum ewigen Heil führen werde? Warum hoffen sie nicht auf Meine Güte? Warum vertrauen sie nicht, daß, wenn sie einstimmig zu Mir rufen in der Not, Ich ihre Bitten gewähren werde?

Ja, rufet Mich an zur Zeit der Not, und Ich werde euch nicht ohne Hilfe lassen, und Ich, euer Gott, verspreche euch, so ihr Mich anruft in allen Bedrängnissen, daß Ich euch zu Hilfe kommen werde. Noch ist es Zeit, noch haben die Gottlosen nicht über euch triumphiert. Mögen Meine Diener fortfahren in diesem Eifer, den Ich an ihnen loben muß, mögen sie fortfahren, Mein Volk zu unterrichten, so will Ich ihnen versprechen, daß der Arm Meiner Gerechtigkeit sich zurückziehen soll, daß Meine Kirche neu aufblühen wird und zu großer Ehre vor den Völkern gelangen soll. O sage ihnen, wie ohnmächtig Satan ist mit all seinen Kindern und Kindeskindern, mit all seinen Helfern, wenn Meine Diener die Waffen ihnen entgegenhalten, die Ich ihnen in die Hand geben will.

Darum sage Ich ihnen immer und immer wieder: Mut und Vertrauen! Die Gewalt, die sie besitzen, läßt sich nicht einschüchtern durch irdische Gewalt, auch nicht durch die Gewalt der Finsternis; denn alle sind Geschöpfe. Ohnmächtig sinken sie zu Boden, wenn Ich Mein Haupt erhebe, Mein Haupt in Meiner Kirche, und wenn die richtige Zeit gekommen ist, werde Ich es tun. Darum sage Ich dir, die Kirche war von jeher einig, heilig, apostolisch und katholisch, aber sie muß es ganz besonders in diesen Tagen sein. Der Abfall ausgearteter Christen soll hundertfach ersetzt werden.

Seid freigebig ihr Reichen, unterstützt Meine Diener, seid wohlwollend ihr Diener der Kirche, seid klug wie die Schlange und einfältig wie die Taube, denn das Reich Gottes liegt in eurer Hand.

Darum möchte Ich unter euch jedes Unkraut ausgerottet wissen und darum nehmet auf, was Ich euch durch Meine arme, kleine Dienerin sagen lasse. Dieses unmündige Werkzeug in Meiner Hand muß euch erkennen lassen, daß Ich es bin, Ich der Herr, euer Gott. Und nun kommt mit Mir und lernt die Liebe, lernet die Liebe von Mir im Allerheiligsten Sakrament des Altares. O seht, was bannt Mich denn unter euch?

Was hält Mich zu einem Gefangenen in der Gefangenschaft unter euch? Was ist es, daß Ich Mich unter euch stelle, unter euren Gehorsam, ihr Meine Diener? Daß Ich zu jeder Stunde euch zu Gebote stehe? Es ist die Liebe! Die Liebe hält Mich hier, die Liebe zu Meinen Geschöpfen, zu Meinen Ebenbildern, zu Meinen Gleichgesinnten. Und sehet, Meine Diener! Unter diesem verkommenen Volk habe Ich doch noch Seelen, die gleichgesinnt sind mit Mir, habe Ich doch noch solche, die Mich lieben, die Meinen Vater lieben, weil Ich Ihn liebe, und darum auf Mich vertrauen. Es sind dies jene Seelen, die zurückgesetzt und hinausgestoßen von der Welt, ihrem Gott dienen wollen, und um ihretwillen vergesse Ich all den Undank, den jene Seelen Mir bereiten, die Ich erschaffen und die Meiner vergessen. O die Gefahren sind groß, Meine Liebe ist aber noch viel, viel größer!

Wenn das israelitische Volk auf Abwege gekommen war, habe Ich unter ihnen die Propheten erweckt, heilige Männer. Ich habe Mein Volk heimgesucht mit Strafen, und durch die Propheten, die es dann Meinem Volk verkündigen mußten, warum Ich sie strafte, habe Ich Mein Volk zurückgeführt. Und so tue Ich, solange die Welt steht.

Ihr seid das israelitische Volk, das Volk Gottes, die Heerführer Israels, ihr Meine Diener, ihr Bischöfe und Priester der katholischen Kirche.“

Barbara: „O mein Jesus! Wird das alles nutzen, wenn es die Kirche nicht annimmt?“

Jesus: „Sie nimmt es an.“

Barbara: „O Herr, ich danke Dir für all die Belehrungen, die Du mir gibst. Verzeihe mir nur auch all meine Bosheit und Sünden. Ach, ich habe immer so Angst, daß ich Dir nicht treu genug diene. O Herr, sollen die Schwestern in N. die Stiftung annehmen?“

Jesus: „Ja, sie sollen sie annehmen; Ich werde für das Weitere sorgen.“

Barbara: „O Herr, ich bitte Dich, gib ihnen ein gutes Examen.“

Jesus: „Ja, Ich werde es tun, weil sie Meine Dienerinnen sind.“

Barbara: „O Herr, ich bitte Dich für N., halte sie immer an der Hand, segne sie, laß sie nicht auf Irrwege kommen.“

Jesus: „Ja, um des Gebetes willen und weil sie selbst doch immer guten Willen hat, weil sie nur viel durch die Umstände in dieses hitzige Temperament hineingekommen ist durch jene betrügerische, heuchlerische Person, die Ich ausstreichen will aus Meinem Gedächtnis.“

Luise bat sehr auch für diese, erhielt aber die Antwort:

Jesus: „Ich sehe sie ganz finster, sie ist auf bösen Wegen, sie hat zuviel ungerechtes Gut.“

Luise: „O Herr, ich bitte Dich für N., daß er doch Dich wiederfindet.“

Jesus: „Ich will ihn auf die Stundenuhr der Barmherzigkeit einschreiben lassen.“

Barbara: Ich sehe ihn auf einem hellen Pfad zurückkommen.

38 Zweiter Samstag im Januar 1896

Nach der heiligen Kommunion belehrte sie Jesus über die drei Kämpfe, die sie schon durchgemacht habe. Zuerst habe sie den Kampf mit den eigenen Neigungen durchfechten müssen, mit der Wahl zwischen Jesus und einem irdischen Bräutigam, dabei habe sie zugleich ihre Jugendsünden abgebüßt. Mit dem darauffolgenden äußeren Kampf, den sie in ihrer Familie zu bestehen hatte – mit dem wankenden Entschluß, gegen allen Widerspruch dieses Leben zu führen und in M. auszuharren – , sei sie dann in eine weitere Stufe eingetreten, weil schon ein viel lebendigerer Glaube dazu gehört, sich ohne irgendeine zeitliche Aussicht nur Gott hinzugeben.

Der dritte Kampf, den sie jetzt noch nicht ausgefochten habe, sei der Kampf mit den Zweifeln und Ängsten, den sie aber in sich selber ausfechten müsse, und aus dem sie kein anderer herausreißen könne. Er werde ihr aber immer wieder zur rechten Zeit mit Erleuchtungen beistehen. Wenn sie diesen Kampf gut überstanden, dann komme sie auf den Weg, der ihr am Dreikönigstag gezeigt worden sei.

39 Zweiter Sonntag im Januar 1896

„Du trauerst für dich, ja trauere du für Mich, du Närrin!“

Lied: Wir beten an...

Barbara: „In Vereinigung mit einem Priester, der Dich jetzt auf dem Altar Deinem himmlischen Vater opfert zur Sühne für die Sünden der Welt, will ich jetzt leiden, um Sühne und Abbitte zu leisten für all die Beleidigungen, die Deinem liebenden Herzen zugefügt werden von mir und allen Menschen, besonders denjenigen, die sich dem heiligen Meßopfer entziehen. Du willst, daß ich leide für die Sünder. O gib mir denn auch die Kraft und das Vertrauen, daß ich alles hinnehme und mich Dir hingebe, wie Du willst.

Mein Jesus, niemand glaubt, daß Du das Leiden mir zugeschickt, nicht allein für mich, sondern auch für andere. Man lächelt darüber und sagt gleichgültig, nun ja, es ist Täuschung. Was soll ich nun davon halten, da ich der Täuschung nicht entgehen kann?

An mir hast Du die Proben der Wirklichkeit erfüllt, soll ich es auch für Täuschung halten? Warum hast Du mich hierhergeführt, warum anders, als daß ich der Welt zum Gespötte sein soll? Nun ja, o Herr, so will ich mich um Deinetwillen verspotten und belächeln lassen. Ich will alles tragen, wie Du es willst, nicht wie ich es will, und ich will es Dir aufopfern für die Sünden der Welt. Was soll es denn sein? O vermehre doch in mir den Glauben, die Hoffnung und die Liebe, daß ich ausharre, denn mein Geist liegt in einer Nacht, die sich keinen Ausweg zu finden weiß.“

Jesus: „Siehe, Meine Tochter, so brauche Ich Seelen. Beruhige dich! Einmal wird die Nacht zu einem hellen Tag.“

Barbara: „Ja, Herr, weil so was noch nicht vorgekommen ist, kennt sich niemand aus. O ich bin heute so traurig, ich kann mir gar nicht helfen. O mein Jesus!“

Jesus: „Du trauerst für dich, ja trauere du für Mich, du Närrin! Trauere du um den Verlust so vieler Seelen, die trotz der vielen Gnaden und Gnadenmittel, die Ich angeordnet habe in Meiner Kirche, sie dennoch nicht gebrauchen und verlorengehen, ja, sie sogar mißbrauchen zu ihrem Verderben.

Sieh hinein in die Familien, wie es da zugeht. Der Mann geht herum und sucht sein Vergnügen, und die Frau und die Kinder müssen darben im bittersten Elend. Dort ist der Mann noch etwas zurückhaltend, aber die Frau kümmert sich nicht um die Kindererziehung, und die Kinder, Meine Ebenbilder, sind sich selbst überlassen. Welche Zerrüttungen in den Familien! Und niemand ist da, der diesem Strom Einhalt gebieten kann. Ja, dafür mußt du leiden, für all die zerrütteten Familien, die der Zeitgeist aufgelöst hat. Die Zerrüttung deiner Nerven ist ein Bild der zerrütteten christlichen Familien, die doch Mir geweiht sein sollen.

Leide und opfere und sühne, Meine Tochter, und kümmere dich nicht, ob man sagt, es sei Täuschung oder es sei ein Leiden von Mir. Du mußt auch alles nicht so aufnehmen, Meine Tochter! Ich habe dir gestern früh gesagt, daß du diesen Kampf selbst austragen mußt, daß dir aber das Verdienst bleibt, und daß du durch diesen Kampf zum Sieg gelangst.“

40 Dritter Donnerstag im Januar 1896

„Siehe, Meine Tochter, Mein Blut klebt an jeder Seele!“

Lied: Aus Lieb verwundeter Jesus mein,...

Barbara: „O unendlicher Gott, o mein Jesus! Ja, Du machst mir einen Zeigefinger. O Herr, ich habe es ja wohl verdient. O verzeih mir meinen großen, abscheulichen Undank. O Jesus, was war das doch nur, daß ich so entsetzlich geängstigt war die letzte Zeit? Du weißt doch, daß ich fest glaube, daß Du es bist, und daß ich noch nicht mit Bedacht gezweifelt, außer wenn die Versuchungen so groß wurden und mich zu solcher Zeit verwirrten und überwältigten, dann glaube ich Deinem Diener mehr als Dir, weil Du mir ihn an Deiner Statt gegeben hast.“

Jesus: „Deswegen verbiete Ich dir, Meine Tochter, dich noch je einmal irgendwo anders zu befragen als bei deinem Beichtvater. Ihn habe Ich gesetzt, dich zu beurteilen, und er hat das Recht, über dich zu verfügen, soweit Ich ihm die Gewalt gebe. Denn in erster Linie steht Meine Gewalt, und die habe Ich über deinen Geist. Dein Geist ist Meinem Geist unterworfen, und du hast deinen Geist Meinem Diener zu offenbaren, und er hat dich zu beurteilen nach dem Maßstab des Glaubens. Ich habe dich gesetzt als ein Zeichen, das Ich den Völkern geben will, wie Ich immer tue zu Zeiten, wo Mein Volk abgewichen ist vom rechten Wege, und wenn Ich im Begriff stehe, dasselbe strafen zu wollen.

Du sollst Meinem Volk ankündigen, daß der Arm Meiner Gerechtigkeit gespannt ist auf die Völker, und daß diesem Arm Einhalt getan werden kann durch die Buße und durch die Besserung der einzelnen Seelen, und daß dieses erstrebt werden muß und geleistet werden soll von jenen Seelen, die Ich durch Meine Gnade und durch Meine Liebe an Mich gezogen habe. Ich habe nur eine wahre Kirche gestiftet, und dies ist die katholische Kirche. Ich habe ihnen Meinen Geist hinterlassen und dieser Geist soll in jedem Meiner Diener sich äußern. Er soll Meinen Kindern Meine Geheimnisse erschließen: Tut Buße, tut Buße, ihr Völker, denn das Gericht ist nahe! So soll von allen Kanzeln herab und von allen Beichtstühlen heraus Meinen Kindern entgegengerufen werden, denn Ich bin ein gar guter Gott. Meine Kinder sind Meine Ebenbilder, auch wenn sie die Züge Meines Bildes, das sie an sich tragen, noch so sehr verzerrt haben durch die Sünde und durch die Laster. Siehe, Meine Tochter, Mein Blut klebt an jeder Seele!“

Barbara: „O Herr, kannst Du denn verzeihen, daß ich so undankbar gewesen bin diese Woche?“

Jesus: „Ich habe Satan Gewalt über dich gelassen. Ich habe ihm gesagt, gehe du hin und prüfe Meine Tochter! Und dies war der Einfluß Satans. Ich habe dir aber gesagt in der heiligen Fastenzeit, daß Mein Geist nur Liebe und Friede ist, und daß, wenn Unfriede und Unruhe sich in deinem Herzen regen, dies nicht von Meinem Geist herkommen kann, und daß du dir dies merken sollst für alle Zukunft. Ich will in dir und aus dir reden, und Meine Diener sollen dir glauben. Es wird für sie von großem Gewinn sein und für andere; denn sie sind die Heerführer Meines Volkes Israel. Es ist schlimm, schlimmer als je seit Erschaffung der Welt, weil der Glaube zu sehr geschwunden ist. Siehe, bevor Ich auf Erden war erschienen, war das Volk im Heidentum versunken, es war ungläubig, abergläubisch und trieb allerlei Greuel und Schandtaten. Auch sie waren gesunken durch sich selbst, durch die Sünde.

Aber doch war seit Erschaffung der Welt noch nie ein Volk so tief gesunken wie jetzt, daß es in sich nicht einmal den Drang fühlt, nach einem höheren Wesen zu suchen. Jetzt will man alles aus der Welt hinausschaffen, jeden Gedanken, der an Mich erinnern könnte, der das Gewissen beunruhigen könnte, man will sich einschläfern und sagt kurzweg: ,Es ist kein Gott, machen wir uns ein vergnügtes Leben’, und dann wollen wir verschwinden und vertilgt sein wie jedes andere unvernünftige Geschöpf. Darum geht hinaus, Meine Diener, unter die Völker und schleudert unablässig ihnen die Worte entgegen: Tut Buße, tut Buße, denn das Gericht ist nahe! Und wer euch hört, Meine Diener, soll gerettet werden.“

Barbara: „O mein Jesus! Ich danke Dir im Namen aller Menschen, die es nicht tun, und ich vereinige mich mit allen, die Dankbarkeit und Liebe Dir entgegenbringen, insbesondere mit meinen beiden Mitschwestern. O siehe, wenn sie nicht wären, wäre ich diese Woche noch tiefer gefallen, noch viel undankbarer gewesen. O verzeih! Man sagt, so was sei noch nicht dagewesen, und da kommen mir dann immer wieder die Zweifel, weil ich selbst nicht weiß, wo man etwas Gutes an mir zu finden wüßte. Wie kannst Du nur das geringste Gute an mir finden und Dich so unendlich zu mir herablassen?“

Jesus: „Beruhige dich nur, Meine Tochter, und komme, Ich will dir ein Bild zeigen, das dich gewiß recht trösten wird!“

(Er zeigte ihr die ganze Menschheit in zwei Teile geschieden.)

„Siehe, das sind die Meinen, und das sind diejenigen, die gegen Mich sind. Diese sind einfach und schlicht in ihrem Äußeren, und in ihrem Inneren bescheiden, demütig und gläubig. Sie schauen auf Mich, und das ist ihr einziger Trost, und so geht ihre Lebenszeit vorüber. Leiden und Bekümmernisse sind ihnen nicht erspart, aber siehe, sie sind immer um Mich geschart, und siehe, wie Ich den Trost in ihr kummervolles Leben hineinsenke, wie es immer versüßt wird durch Mich, und auf einmal jetzt stehen sie an der Schwelle der Ewigkeit. Jetzt nur noch einen einzigen harten Kampf, und dann ist alles vorüber. Siehe, mit ausgestreckten Armen komme Ich ihnen entgegen und die ganze Ewigkeit hindurch sind sie Meine Kinder; sie teilen das Reich mit Mir, das Ich ihnen zubereitet habe. Ewig glücklich!“

Barbara: „O ich will Dir treu bleiben, o Herr, ich will glauben, o zeige mir doch nicht das andere Bild.“

Luise bat um geistige Gnaden.

Jesus: „Ja, Ich bin freigebig mit Meiner Gnade, aber nur gegen jene, die sich auch darauf vorbereiten.“

Barbara: „O gib doch dem kranken Theologen N. eine bessere Gesundheit und mache ihn zu einem heiligen Priester.“

Jesus: „Das wird er auch, und durch die Leiden muß er die Sünden anderer büßen. Ich tue es immer so, daß Ich Lämmchen unter den Wölfen habe, die all die Schuld auf sich nehmen müssen, um Seelen zu gewinnen. Er hat eine große Seele, einen starken Geist; Ich habe ihn in Meiner Hand. Wißt ihr auch, was den Regens im Priesterseminar zu dem gemacht hat, was er ist? Sein lebendiger Glaube und seine Liebe, und das können alle Priester erlangen, wenn sie sich so wie Mein Diener N. Mir hingeben, einen kindlichen, lebendigen Glauben haben. Er ist die Zierde dieses Hauses. Es ist die Heiligkeit der Priester in ihm verwirklicht. Man hätte in dem Priesterseminar noch Meinen Diener N. lassen mögen. Er war verkannt. Er ist ein Diener nach Meinem Herzen; denn je tiefer eine Seele hinabsteigt, desto höher hebe Ich sie empor zu Meiner Gnade.“

Barbara: „O Herr, ich bitte für die Seelen von N. und N.“

Die eine ist noch nicht im Himmel. Ich sehe eine Hand sich ausstrecken, die um Hilfe fleht.

41 Tag vor dem Fest der Heiligen Familie 1896

Leider war Luise nicht dabei, und es wurde nichts aufgeschrieben. Barbara wurde in die Heilige Familie geführt. Jesus sagte, Er habe tausend Wege gehabt, die Welt zu erlösen. Er hätte aber den Weg der Familie benützt, um die christliche Familie damit zu heiligen. Die Allerheiligste Dreifaltigkeit wäre von Ewigkeit her die erste Familie gewesen. Barbara beklagte sich gar sehr, daß sie die heilige Kommunion an zwei Tagen nicht empfangen konnte. Da kam die liebe Mutter Gottes und sagte, indem Sie ihr das Jesuskind kurze Zeit auf die Arme gab:

Maria: „Zum Ersatz für die zwei heiligen Kommunionen bringe Ich dir Mein Kind. Jetzt kannst du dich nicht mehr beklagen.“

Das Jesuskind auf den Armen sang Barbara Loblieder.

Am 29. Januar 1896 erschien ihr Pater Alphons und sagte:

Pater Alphons: „Es ist nicht nötig, daß man für mich einen Trauergottesdienst hält, man solle eher einen Gottesdienst halten für das, was ich erlangt.“ Er habe am Tage des Geburtstages der N. (verstorbene Nichte von Barbara, deren Tod ihm von Gott als ein Zeichen gegeben war) sterben müssen, weil Jesus wolle, daß das Allerheiligste Sakrament des Altares verehrt werde.

42 Vierter Freitag im Januar 1896

„Aber nur zu jenen kann Ich kommen, die auch nach Mir verlangen.“

Lied: O Kreuz, o heiliges Zeichen...

Barbara: „O mein Herr und mein Gott! Würdige mich, Dich zu loben, zu preisen und zu verherrlichen! Ist es möglich, daß Du mich ansiehst, nachdem ich Dich gleichsam von mir gestoßen, und durch meine Zweifel und vielen unnötigen Gedanken und Sorgen mich Deiner Gunstbezeugungen ganz unwürdig gemacht? O verzeihe mir! O unendliche Majestät, o mein Jesus!

Was war doch nur die Ursache, und woher kommt es doch, daß ich manchmal Dich so ganz und gar vergesse; denn wenn ich fest glaubte, daß Du es bist, Der mit mir redet, könnte der Satan nicht in mir solche Zweifel zuwege bringen.“

Jesus: „Siehe, Meine Tochter, das ist die Sünde, und das sind die Folgen der Sünde, die Strafen. Du hast in dir immer noch den Keim, das Überbleibsel von den zwar erkannten und gebeichteten und verziehenen Sünden, aber die Strafe und die Folgen davon sind immer noch nicht ganz abgebüßt, und diese bereiten dir die Zweifel und Ängste, weil alles das wirklich in dir gesteckt ist, was du jetzt bezweifelst. Aber siehe, Meine Barmherzigkeit ist unendlich groß, und Meine Liebe zu dir und zu allen Menschen übersteigt alles Maß der Sünde. Siehe, Ich will unter euch wohnen, Ich habe euch zusammengeführt, um Mich in euch manchmal zu trösten, um Mir eine glückliche Stunde zu bereiten, wie sich die Menschen so ausdrücken in eurer Unterhaltung, in eurer Mitte. Ihr sollt Mir ein Werkzeug sein, worin recht deutlich Meine Barmherzigkeit und Meine Liebe zu den Menschen und Mein Wohnen unter ihnen zutage tritt.

Die Menschen sollen wieder einmal sehen, wie unendlich gut Ich bin, und wie Ich Meine Füße wund lief, als Ich unter euch weilte auf Erden, um alle Meine lieben Freunde und die Freunde Meiner Eltern zu besuchen, ihnen den himmlischen Trost zu spenden durch Meine wirkliche, wahrhafte Gegenwart unter ihnen. So sollen die Menschen jetzt sehen, daß Ich noch derselbe Gott bin wie damals, und daß dieselbe Liebe noch in Meinem Herzen schlägt wie damals, im Allerheiligsten Altarsakrament. Aber nur zu jenen kann Ich kommen, die auch nach Mir verlangen, die Mich gerne unter sich sehen, die Vergnügen haben an Meiner Gesellschaft, und das sind jene reinen, jene braven Seelen, die ausgetreten sind aus jener Gesellschaft der Gottlosen, die gern in Meinem Gezelt wohnen.“

Barbara: „O mein Jesus! Ich danke Dir für Deine unendliche Liebe, für Deine unendliche Herablassung. O könnten wir doch in unsere Gemeinschaft alle Menschen einschließen. O könnten wir doch alle Dir entgegenbringen, allen sagen, wie gut Du bist! Aber siehe, die Verblendeten, sie begreifen es doch nicht.“

Jesus: „Darum trete mal ein bißchen näher, Meine Tochter! Sage Meiner Luise Meinen Dank, ja Meinen herzlichsten Dank für alle Mühe, die sie sich gibt, Meine Worte aufzuschreiben, und sage ihr, daß eine kostbare Krone auf sie wartet. Sie möge sich nicht mehr beeinflussen lassen von dem Geiste der Welt, sie möge trachten, zu jeder Stunde des Tages bereit zu sein, wenn Ich sie rufen will, Meine Worte anzuhören. Sage Lieschen, jener Student wäre gerettet, sage ihr, daß alle ihre Schritte gezählt seien, die sie um seinetwillen getan; ihre Krone sei um vieles verschönert worden durch die Verdemütigung, die sie auf sich genommen hat, daß sie für ihn stundenlang von Tür zu Tür betteln ging, um Meinem Diener zu helfen. Freut euch und frohlocket, denn euer Lohn ist groß im Himmel. Fahret fort, Meine Kinder, auf dem betretenen Weg, und wenn auch einmal euch etwas nicht gelingt, dann seid nicht betrübt darüber; denn ihr seid Kinder Adams, die immer noch Adamsschuld an sich tragen, und darum sich auch manchmal einer Verdemütigung unterwerfen müssen, die recht gut am Platze ist. Verstehst du Mich?“

Barbara: „Nein, Herr, ich verstehe das nicht, wie Du das meinst.“

Jesus: „Ja, Ich meine es so: Ihr seid Adamskinder und täglich zum Fall geneigt, und daß ihr infolgedessen auch oft wieder fallen werdet, und diese Fehler müssen gebüßt und gesühnt werden. Darum wird euch auch manches in die Quere kommen, und das nehmt an zur Strafe eurer Sünden. Somit könnt ihr alle Strafen in dieser Welt abbüßen und braucht nicht zu warten bis in die Ewigkeit, und Ich verspreche euch, so ihr fortfahrt im Glauben, im Vertrauen und in der Liebe zu Mir, daß ihr ohne Fegefeuer eingeht in die himmlischen Freuden. Aber du mußt dich noch ganz besonders bessern in den Zweifeln! Siehe, was für Wohltaten Ich dir schon erwiesen, siehe, wie Ich dich auf fette Weiden geführt, wie Ich dich angenommen habe als ein Kind Meines Hauses, das täglich an Meinem Tische sitzt. Ich habe dir alles erfüllt, was Ich dir schon lange, lange her in deiner Jugendzeit versprochen habe.

Ich habe dich unter den Schutz einer Frau gestellt, die, wenn sie auch manchmal eine harte Schale zeigt, doch einen sehr guten Kern in sich birgt gegen dich, und doch bist du so undankbar gegen Mich. Ich habe dir so gute Freundinnen gegeben, die in allem dir beistehen und dich beschützen. Ich habe dir deine Lage so eingerichtet, daß du keine Ausrede mehr hast, wenn Ich kommen will, und doch bist du immer noch so hochfahrend. Schäme dich! Was brauchst du herumzugehen und zu fragen bei diesem und jenem. Du hast deinen Beichtvater; bleibe bei dem und überlaß das andere Mir. Das andere frage Mich! Du wirst nie zum Frieden kommen, solange du fragst bei Menschen; denn Meine Wege sind nicht eure Wege, und Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken. Ich will den Menschen zeigen, wie gut Ich bin, um den Frommen Mut zu machen, daß sie mit Vertrauen sich Mir nahen, um den Priestern zu zeigen, daß Ich unter ihnen wohne, daß Ich ihr Haupt bin, ihr Herr und Meister, aber auch ihr Bruder, ihr Zeitgenosse, ihr Gleichgesinnter.

Sage dieses nur Meinen Dienern, daß sie alle diese Worte, diese Titel, die Ich mir beilege, wohl beherzigen mögen; denn in jedem liegt ein besonderer Zweck, den zu erreichen sie sich bestreben sollen. Sie sollen Mich als ihr Haupt ehren und anbeten, als ihren Meister lieben und Mir dienen, als ihr Zeitgenosse sich umsehen in der Welt, was zu tun ist und wo es fehlt, und wie der Same ausgestreut ist, damit er Früchte bringe auf dem harten, steinigen Felsen der Herzen der Menschen, die zu bebauen Ich ihnen anvertraut habe als ihr Gleichgesinnter, das heißt, daß sie gesinnt sein sollen, wie Ich gesinnt war und wie Ich noch gesinnt bin gegen alle Menschen. Ich möchte alle Menschen retten. Und mit welchem Schmerz muß Ich Tag für Tag zusehen, daß so viele Menschen verlorengehen. Der Strom, der abwärtsfließt und immer schneller fließt, ist nicht mehr aufzuhalten. Darum möchten sie einen Damm errichten, wie Ich dir schon einmal gesagt habe, durch alle die ihnen zu Gebote stehenden Mittel, die Ich ihnen in reicher Fülle niedergelegt habe in ihre priesterliche Gewalt, daß doch alle Meine Diener dieses hörten und wohl beherzigen möchten. O daß doch alle Meine Diener durchdrungen wären von Meinem Geiste!

Aber siehe, Meine Tochter, wie viele sind es nicht mehr. Wie viele lassen sich beeinflussen von dem Geiste der wider Mich streitet, von dem Geist der Welt und der Finsternis. Es ist wahr, ein Volk zu bekehren, das gleich den halsstarrigen Juden und den stolzen Pharisäern Mir gegenübersteht, ist eine Aufgabe, die den Mut, den ganzen Mut eines Gottgesalbten verlangt.

Aber siehe, es geht! Die Zeit eilt schnell dahin! Was schadet es, was hat es Mir geschadet, daß Ich in der Blüte Meiner Jahre Mich hinschlachten ließ? Bin Ich ja deswegen gekommen zu den Kindern Adams! Was schadet es ihnen, Meinen Dienern, ein paar Jährchen früher oder später. Je eher die Ernte reift, desto besser für die Garben, kommen sie ja auch um so schneller in die Scheune des Vaterhauses.

O ihr frommen Seelen, die ihr euch verborgen in den Winkeln der Welt zurückgedrängt fühlt, sehet, höret Meine Stimme, die Stimme eures Geliebten, die euch zuruft die Worte: O sorget, daß recht viele und recht gute Arbeiter in Meinen Weinberg kommen werden. Ihr aber, die ihr das Glück habt, bereits in diesen Weinberg geschickt zu sein, die ihr bereits euren Posten eingenommen habt, o füllet ihn gut aus! Scheut nicht den Schweiß, der von eurer Stirne rinnt, scheuet auch nicht die blutigen Hände und Füße, die ihr durch Graben, durch Arbeit, durch Abmühen, Tag für Tag, euch zubereitet habt. Ich habe euch gesagt, daß ihr die Märtyrer des Christentums sein sollt, des neuen Christentums.

Denn einmal wurde das Christentum ausgesät und aufgebaut durch das Blut der Märtyrer im Anfang, und jetzt soll zum zweiten Male ein neues Christentum erstehen. Umgestaltet soll die Erde werden, umgeschaffen, denn noch nie, seit Ich und Mein Vater und der Heilige Geist die Welt erschuf, war es soweit gekommen, wie es jetzt ist. Immer sehnten sich die Völker nach einem höheren Wesen, um ein Wesen zu kennen und anzubeten, das mehr sein müßte, als sie waren. Jetzt will man den Glauben an ein höheres Wesen vertilgen unter Meinen Völkern. Männer, die Meinen Geist in sich ausgegossen, in sich verwirklichen, müssen Meine Völker belehren.“

Barbara: „O mein Jesus! Ich danke Dir im Namen aller derer, die mit mir an Dich glauben, aber ich bitte Dich, solange N. nicht überzeugt ist von all dem, was Du mit mir sprichst, solange er kein Zeichen von Dir empfangen, wird er nie wagen, davon zu sprechen. Ich bitte Dich, Du mußt ihn überzeugen, ihm aber auch mehr Ruhe verschaffen.“

Jesus: „Ich verlange nur mehr Vertrauen, mehr Glauben und mehr Liebe! Bin Ich anders geworden, als Ich war? Nein, Ich bin noch derselbe. N. soll nur mit seinem Vorgesetzten darüber sprechen. Man soll sich nur mit unbegrenztem Vertrauen Mir in die Arme werfen, mit Liebe Mich und all die Meinigen umfassen, und Ich verspreche ihm, daß Mein Geist einziehen wird. Was sie verlangen und was sie bedürfen, ihre Bedürfnisse sollen befriedigt werden, und solange sie dieses nicht tun, wird alles umsonst sein. Ich mache niemand Vorwürfe, Ich bin zufrieden mit jedem Meiner Geschöpfe, wenn es nur noch einigermaßen einen guten Willen und ein gutes Herz Mir entgegenbringt.

Siehe, wie bin Ich mit den Menschen, als Ich auf Erden weilte, umgegangen, wie ertrug Ich all die Verbrechen, all die Gottlosigkeit, die unter Meinen Augen vor sich gingen, und wie war Ich stets bemüht, sie Meinem himmlischen Vater zuzuführen, ohne Mich ihnen jedoch aufgezwungen zu haben. Trotz all der Verbrechen Meiner Geschöpfe ging Ich Tag für Tag den Weg, Wohltaten zu spenden. Wohlwollen und Liebe begleiteten und beflügelten Meine Schritte. Wo Ich Meine Füße hinsetzte, brachte Ich den Frieden mit, jenen Herzen, die Meinen Frieden wollten, die den Frieden suchten; wer ihn anderswo sucht, als bei Mir, mag vergebens suchen.

Das ist die große Aufgabe Meiner Kirche, Meiner Diener. Mögen sie Tag für Tag fortfahren immer in derselben Liebe, immer in demselben Geist auszusäen. Die Zeit der Ernte kommt, wo Ich Meine Schnitter aussenden werde. Diese ernten, die Ernte aber gehört doch denjenigen, die ausgesät haben. Diese sollen in der Ewigkeit genießen die Garben. Das müssen alle Meine Diener wohl verstehen und sich zu Herzen nehmen, damit sie sich ja keine Mühe und Sorgfalt ersparen und unbekümmert sind um die Zeit der Ernte; sie reift doch zu jeder Zeit! Sie sollen sich aber auch nicht grämen und betrüben über den Undank, den sie zu erwarten haben; denn der Jünger ist nicht mehr als der Meister und der Knecht nicht mehr als sein Herr. Und nun lebe wohl, Meine Tochter, für heute!“

43 Fünfter Freitag im Januar 1896

„Du sollst deine Vernunft dem Glauben unterwerfen, deine Seele herrschen lassen über deinen Leib.“

Lied: Wenn wir ein Lied voll Liebe...

Jesus: „Meine Tochter! Höre die Stimme, die in dir spricht; denn du bist Mein. Ich habe Besitz genommen von deiner Seele, und darum sollst du dich jederzeit mit Freuden, mit Opferwilligkeit hingeben, sooft in dir die Stimme redet; denn es ist etwas Großes um den Gehorsam. Viele Liebhaber habe Ich unter Meinen Dienern und Dienerinnen, aber doch wenige, die erkennen, daß Mein Geist ihren Geist leiten muß, und die darum sich ganz und gar von ihrem Geist beherrschen lassen. Ich will aber, daß du weder auf die Regungen der Natur, noch auf die Einflüsterung Satans, noch auf die Einwirkungen von anderen Menschen hören sollst. Du sollst deine Vernunft dem Glauben unterwerfen, deine Seele herrschen lassen über deinen Leib. Die menschliche Natur sucht immer das Bequeme, das ihr am meisten Zusagende. Darum finde Ich so wenige Liebhaber des Kreuzes. Ich lebe aber in Meiner Kirche, Mein Geist lebt in ihr, und dieser Geist teilt sich mit jedem einzelnen Glied dieser Meiner Kirche, und das um so mehr, je mehr sich die Seele beeinflussen läßt von diesem Geiste.

Ich habe dich berufen, daß du der Welt zeigst, was Ich in einer Seele wirke, in der Mein Geist herrscht, weil Ich will, daß Meine Diener besonders darauf hinarbeiten sollen, daß der jungfräuliche Stand zu Ehren gelange, daß ihm jenes Recht eingeräumt werde, das ihm gebührt. Jungfrauen in der Welt, sie sollen Meine Apostel sein. In ihnen will Ich wirken, ihnen will Ich Meinen Geist mitteilen, damit die Welt sieht und erkennt, warum Ich Selbst jungfräulich leben wollte, denn allzu verschmäht ist dieser Stand, und man strebt nur, seine sinnliche Begierlichkeit zu befriedigen, Güter aufzuhäufen, aber Mir wird wenig Ehre gebracht. Darum sollen neben dem Ehestand die Jungfrauen bestehen. Sie sollen Achtung und Ehre genießen, wie auch all die anderen Stände, damit sich mehr in der Familie dazu entschließen.“

Barbara: „Mein Jesus! Wie lange ist es schon, daß ich diese Sprache rede, daß ich Deine Stimme höre, und was nützt es, was hat es mir genützt, dieser Stimme zu folgen? Ich habe Dir ja vieles zu verdanken und danke Dir für die vielen Gnaden, die Du mir verliehen, für die wunderbare Führung, die ich aufzuweisen habe, aber was kann das anderen nützen, da niemand darauf achtet, da ich nur zu tauben Ohren rede!“

Jesus: „Ja, was kümmerst du dich um andere! Das andere überlasse anderen! Kümmere dich nur um dich, daß dein Leben gut verfließe, harre aus bis an das Ende, mehr verlange Ich nicht von dir. Werde nicht mutlos, Meine Tochter!

Aber siehe, Ich verlange, daß die oftmalige heilige Kommunion überall gefördert werde, damit auch diejenigen, die das Opfer der Jungfräulichkeit bringen, die Kraft besitzen, um allen Gefahren zu widerstehen. Wird es auch hie und da vielleicht mißbraucht, die Mehrzahl deckt einzelne Fälle, wie es ja in allen Ständen und jedem Beruf überall Menschen gibt, die ihre Würde verunehren. Was habe Ich nicht für Judasse von Anfang bis zum Ende der Welt unter Meinen Dienern, und doch wünsche Ich, daß die Zahl Meiner Diener immer mehr vermehrt werde. Denn kein Geschöpf kann Mir mehr Ehre erweisen als ein begeisterter Priester! Du glaubst immer, es sei alles umsonst, weißt aber nicht, wie viel Gutes du wirkst. Du sollst es auch nicht wissen.“

Barbara: „Es ist nicht möglich, o Herr, daß ich Gutes wirke, da ich ja auch eine so ungebildete Person bin und niemand auf mich achtet.“

Jesus: „Ja, das ist so, und doch wirkst du Gutes; es soll dir aber verborgen bleiben! Du brauchst das nicht zu wissen.“

Barbara: „O Herr, was wird man dann mit meiner Schrift machen, droben in Bayern?“

Jesus: „Das ist es ja, was Ich meine, Meine Tochter! Man zweifelt, man kritisiert, man denkt aber doch, ja die Kirche lehrt es so, also muß es auch so sein, und es entwickelt sich ein ganz anderer Eifer in diesem Geschlecht.“

Barbara: „Ich danke Dir, o Herr! So will ich alles gern dulden, alles gern leiden aus Liebe zu Dir, wenn nur das mindeste Gute daraus entsteht. Was war Dein größter Schmerz, als Du am Ölberg Blut schwitztest, was preßte Dir den blutigen Angstschweiß aus? Nicht der Gedanke, daß an so vielen Dein Leiden nutzlos und vergebens sei? Aber der Gedanke, daß viele gerettet werden, daß viele Seelen durch alle Jahrhunderte hindurch aufstehen und den Weg wandeln, den Du gewandelt bist, ließ Dich alles, allen Undank der übrigen vergessen. Ja, Du wolltest noch viel mehr leiden, wenn es möglich gewesen wäre.“

Jesus: „Ja, das ist es, das soll aber auch dich begeistern, und du sollst nicht müde werden, für Mich zu leiden. Wenn es Zeit ist, werde Ich zu Meinen Dienern kommen, werde Ich es ihnen erschließen. O es ist wohl eine schlimme Zeit, aber die Menschenfurcht macht sie noch viel schlimmer, als sie ist. Man sollte nur geradeaus gehen und sich so wenig um die Spötter kümmern, als jene sich darum kümmern, ob es Recht oder Unrecht ist, was sie von ihnen aussagen, da ja Meine Diener die Wahrheit besitzen und in der Wahrheit wandeln. Warum denn da das Gerede der Menschen, der Gottlosen fürchten? Und wenn sie nur eine einzige Seele mehr zurückführen, mehr retten, haben sie mehr gewonnen als die ganze Welt; denn diese soll in Nichts zerfallen, die Seele aber ewig fortleben. In einer einzigen Seele will Ich Mich ewig erfreuen, während die ganze Welt mit ihren Schönheiten Mir nicht mehr Freude machen kann, als daß Ich sie einst in ihr Nichts zurückfallen lasse und vernichten werde.“

Barbara: „Mein Herr! Ich sage aber nichts mehr bei N., bis Du ihn überführen wirst. Ich habe schon so viel getan und gesagt, schon so lange, lange Jahre alle Deine Aufträge erfüllt, daß Du jetzt mit mir zufrieden sein mußt, wenn ich schweige. Sechzehn Jahre ist wirklich keine Viertelstunde, seit der Du Dich mir geoffenbart und seit der ich Deinen Dienern entgegengetreten bin mit Deinem Willen, während sie mir nur schnurstracks entgegentreten, weil sie mich für eigensinnig, für aufgebläht, für hysterisch krank halten und Du weißt ja alles, was sie mir schon nachgesagt haben.

Ich sage Dir, o Herr, daß ich jetzt nicht mehr rede, bis Du Selbst zu ihnen reden wirst. Erhalte mich nur in Deiner Gnade, o Herr, daß ich nicht zurückfalle, und ich bitte Dich um Deiner heiligen Mutter willen und des heiligen Josefs, der heiligen Patrone und auch meines lieben Schutzengels willen, laß doch nicht mehr zu, daß Satan was an mir vermag. Du weißt, wie schwach ich bin, und daß, wie Du mir Selbst gesagt, der Stoff der Sünde noch in mir steckt. Aber um das eine Vorrecht bitte ich Dich, daß Satan nicht mehr an mich heran kann gegen die Wahrheit, daß Du in mir bist und ich in Dir!“

Jesus: „Du hast Mein Herz verwundet, Meine Tochter! Du sollst ein besonderes Vorrecht haben, daß, wenn du auch noch zu kämpfen hast, wenn er dir auch nahe tritt, er dennoch nie mehr in dein Herz kommt. Dein Herz ist und bleibt frei, so daß du alsbald erkennen mußt, welcher Geist es ist. Kurz, Ich will dich den Unterschied der Geister erkennen lassen. Siehe, wie gut Ich bin. Ist dies nicht eine größere Gnade, als wenn du von allen Leiden befreit würdest? Ich bin aber nun einmal so.

Mit einem ihrer Haare hat sie Mein Herz verwundet. Weißt du, was das bedeutet? Ja, das sind die kleinen Werke, die aus Liebe zu Mir verrichtet werden, das ist die Treue im Kleinen, das ist das Haar. Wenn du ein Haar verlierst, das fühlst du nicht einmal, das geht dir gar nicht ab, Mich aber greift es so an, daß es Mir das Herz verwundet. Siehe, wie zart Meine Liebe ist zu den Menschenkindern! Das sollen Meine Diener wissen, damit sie nicht so ängstlich sind in der Seelenleitung.

Denn Ich verlange nicht, daß man hinausziehe in die Wüste, daß man sich abkasteie jahrein, jahraus, aber Ich verlange die Treue im Kleinen, Ich verlange die Treue im Beruf, in den Ich jede einzelne Seele gestellt habe, und dieses mit Freuden. Mit einem Wort: Ich verlange freudige Geber, freudige Liebhaber! O sage dies noch N., welch großes Gut die heilige Freude ist. Er habe Mir sonst nichts mehr zu bringen als die heilige Freude.“

Barbara: „O wie glücklich, o Herr, wie glücklich sind wir Kinder der katholischen Kirche. Darum bitte ich Dich für alle Menschen, besonders für die Armen, die Verlassenen in der Welt, wenn sie nur noch einigermaßen die Gebote Gottes halten und der heiligen Kirche treu sind. O Herr, gib doch, daß jede einzelne Familie zufrieden und glücklich ist in ihrem Stand. Ich bitte Dich insbesondere für die arme Familie N.“

Jesus: „Ja, Ich habe gar viele arme Familien in der Welt wie diese. Ich ließ dieses so zu von jeher, weil Ich will, daß es Arme gebe, um denjenigen Gelegenheit zu bieten, die Ich mit Gütern gesegnet, sich Verdienste zu erwerben; denn der Wille der Menschen ist verderbt. Wäre der Menschen Wille Meinem Willen unterworfen, so gäbe es keine Armen; denn der eine ist verschwenderisch, der andere das Gegenteil.

Und weil Ich dem Menschen die Freiheit seines Willens lasse, darum wird arm und reich, solange die Welt besteht, nebeneinander schreiten. Ich will, daß ihr N. und N., dieser Familie das Allernötigste noch einmal decket, aber dann nicht mehr, weil Ich ihnen gesunde Leibeskräfte gegeben, die sie hätten besser verwerten können. Ich will nicht, daß man die Leibespflege allem anderen voranstelle. Es gibt eine Zeit, wo die ertragene Not ausgeglichen wird. Dafür habe Ich ja den Himmel erschaffen.“

Lied: O mein Christ, laß Gott nur walten...

Luise: „Mein Jesus, habe ich denn heute nicht unrecht getan, indem ich mich weigerte, den Besuch jener Dame anzunehmen? Siehe, Du weißt, daß ich bis zur letzten Faser meines Herzens Dir angehören will, doch ich möchte auch niemand verletzen.“

Jesus: „Dieser Gedanke, Meine Tochter, soll dich halten. Er soll die Richtschnur sein deines ganzen Lebens: Mit der letzten Faser des Herzens Mir angehören, du und Lieschen und Barbara. Ich will, daß ihr abschneidet jeden Verkehr mit der Welt, der nicht zu Mir führt, und euch nur damit beschäftigt, wie ihr Mir gefallen, wie ihr Mir Seelen retten könnt. Und nun lebe wohl, Meine Tochter, und widerstrebe Meinem Willen nicht.“

Am gleichen Tag nach der heiligen Kommunion sagte Jesus zu Barbara ungefähr so:

Jesus: „Es gibt so wenige Seelen, die sich so behandeln lassen wie du, die, wenn sie einmal angefahren worden sind von ihrem Beichtvater, nicht in ihrem frommen Streben nachlassen. Darum habe Ich dich erwählt, daß es durch dich durchgeführt werden soll, und wenn es auch jetzt noch nicht anerkannt wird, so kommt doch die Zeit, daß die öftere heiligen Kommunion durchgeführt wird. Deshalb habe Ich dir die Kraft gegeben, daß du es ertragen kannst.“

44 Mariä Lichtmess 1896

„Das katholische Priestertum soll Mich anerkennen als seine allerreinste Braut.“

Lied: Sei gegrüßt, o Jungfrau rein...

Barbara: „O hehre Himmelskönigin, o gib mir doch, daß ich Dein Lob verkünde, gib mir doch eine beredte Zunge und ein Herz, das Dich lobpreisen kann. Königin der Märtyrer, Königin der Jungfrauen! Königin der Engel und Heiligen, sei mir gegrüßt, o Jungfrau Maria, Du Zierde unseres Geschlechtes. In unendlicher Schönheit kommst Du heute zu mir, o hehre Himmelskönigin!“

Maria: „Ja, du siehst Mich heute als die allerreinste Braut der Priester, als die allerreinste Braut des Heiligen Geistes.“

Barbara: „O wie unendlich schön bist Du, und was willst Du mich denn damit lehren, o Jungfrau Maria?“

Maria: „Ja, Ich will dich lehren, daß, gleich wie durch Mich das Licht in diese Welt eingetreten ist und die Finsternis weichen mußte dem Lichte, also die Verkehrtheit der Menschen im Alten Bunde dem Lichte weichen mußte, welches Mein allerliebster Sohn Jesus Christus in diese Welt gebracht, und das durch Mich hervorgegangen ist, ebenso soll das Licht hervorgehen aus Meiner Kirche, aus Meinen Dienern, aus den Priestern der katholischen Kirche.

Deswegen verlangt Mein Sohn, und hat es dir schon vor vielen Jahren gesagt und gezeigt am heutigen Feste, daß sie Mich als ihre ganz besondere Braut anerkennen und verehren sollen und gab dir den Auftrag an eben dem heutigen Festtag, dein Beichtvater solle dafür sorgen, daß im Monat Mai die jungen Priester zu der Marienpredigt ein Loblied anstimmen sollten, damit so das junge Priestertum mehr und mehr eingeführt werde in die hohe Würde, die Mein Sohn ihnen dadurch bereitet, daß die Priester Mich nicht nur betrachten als ihre Mutter und Königin und Herrin, sondern als ihre Braut, weil nichts in der Welt so eng verbunden, so innig vereinigt ist wie die Braut mit ihrem Bräutigam.

Ja, Meine Tochter, das katholische Priestertum soll Mich anerkennen als seine allerreinste Braut. Das ist der Wille Meines Sohnes, weil die Welt so tief herabgesunken, daß sie nur zu retten ist im Glauben und in der Liebe, da nur der Glaube und die Liebe allein die Menschheit befähigt zum Opferleben. Und wer steht in erster Linie, ein Opferleben zu führen, wenn nicht der katholische Priester? Das vermag er allerdings nur im Glauben an Meinen allerheiligsten Sohn, daß Er wirklich und wahrhaft unter ihnen wohnt, nicht nur als ihr Herr und Meister, sondern auch als ihr Bruder, mit dem sie täglich das Glück haben umzugehen und zu verkehren, und in der Liebe, die sie hintreiben muß, Ihn oft und oft zu besuchen, da die Bruderliebe, wenn sie wahrhaft ist, sich gerne beisammen einfindet.

Diese Liebe wird sie dann von selber antreiben, auch andere herbeizuziehen, Ich meine die Herzen der Untergebenen; denn ein Priester der katholischen Kirche hat so viele Kinder, so viele Untergebene, wie er unter seiner Leitung Christen stehen hat und ihm Schäflein anvertraut sind. Und Ich sage dir, Mein Sohn spricht nicht vergebens zu dir, denn vor allem muß Er beginnen, das Priestertum zu überzeugen, daß Er wirklich unter ihnen wohnt. Und nicht eher wird die Welt zurückkehren zum Glauben, zu ihrem früheren Glauben, als bis die Kirche wieder ganz durchdrungen ist von dem Glauben und der Liebe. Und wer ist die Kirche? Die Kirche ist das katholische Priestertum! Siehe, Meine Tochter, wie gut der Herr ist, wie Er Sich würdigt herabzusteigen zu der sündigen Menschheit. Sieh, wie Er Sich würdigt, Mich zu dir zu senden und dir durch Mich Seinen Willen kundgibt.

Du hast Mich schon zweimal geschaut, wie Ich heute wieder vor dir stehe, und das war am Pfingstfest, als du Mich schautest als die allerreinste Braut der Priester und als die allerreinste Braut des Heiligen Geistes, und ein anderes Mal am Fest Meiner Reinigung, das die Kirche ‚Mariä Lichtmeß‘ nennt. Dort schautest du Mich als die allerreinste Braut der Priester. Aber es wurde nicht anerkannt. Dein damaliger Beichtvater ging darüber hinweg. Man soll es aber wissen, daß Mein Sohn Seine Worte nicht in den Wind hinausspricht, und es wird zum großen Nachteil sein, wenn sie noch fernerhin mit Gleichgültigkeit darüber hinweggehen. O du Stadt Mainz, du heilige Stadt, in deren Mauern so viele heilige Gebeine ruhen. Viele Heilige hast du schon erzeugt; Heilige leben in deiner Mitte. Heilige sollst du noch erzeugen, noch viel mehr, viel mehr als du bis heute erzeugt hast.

Aber hören mußt du die Stimme deines Geliebten, denn du bist die Bevorzugte unter vielen Städten, in welcher der Herr gerne weilt. O höre die Stimme, die zu deinen Ohren redet. Du hattest nicht umsonst gute Hirten, gute Oberhirten im letzten Jahrhundert. Du hattest einen Oberhirten, der unter der Zahl der Heiligen steht, wenn er auch bis jetzt noch nicht zu der Ehre der Altäre gelangt ist. Du hast jetzt einen Oberhirten, der jenem in vielem nicht nachsteht, wenn er auch nicht erkannt wird. Er meint es gut mit dir, o Stadt Mainz! Er tut seine Schuldigkeit! Ihr Priester der Diözese rechnet es euch zur Ehre und folgt seiner Stimme, wenn euer Oberhirte sich hören läßt, denn er hat eine tiefe Demut, einen kindlichen Glauben, eine große Liebe zu Meinem Sohne, aber er wird verkannt. Und jetzt, Meine Tochter, komme jetzt mit Mir, und Ich will dir zeigen, wie dieses Fest heute im Himmel gefeiert wird.“

Barbara: Und ich sehe den alten, greisen Simeon und die Prophetin Anna und vor ihm steht die liebe Mutter Gottes mit dem lieben, holden, goldigen Lockenköpfchen. Und er nimmt das Kind auf seine Arme, freudestrahlend richtet er die Augen gegen Himmel und spricht geheimnisvolle Worte. Sein Angesicht ist übergegangen in Verklärung, denn er hat das Licht der Welt auf dem Arme. Aber die heiligste, die jungfräulichste, die reinste Mutter Gottes, Sie kniet weinend da, denn ein siebenfaches Schwert soll Ihre Seele durchbohren. Von heute an steht Tag und Nacht vor Ihrer heiligen Seele das ganze Weh, das Ihr liebes Kind treffen wird, und von heute an durchbohrt das Schwert Ihre Seele. Heute beginnt in Ihr das Leiden Ihres Sohnes in Ihrem jungfräulichen, mütterlichen Herzen. „O ihr Mütter, die ihr je einmal an dem Sterbebett eines Kindes gestanden, o tretet herzu und sehet, ob ein Schmerz dem Ihrem gleiche.“

Maria: „Leide gern, Meine Tochter! Vieles mußt du leiden bis Ostern.“

Barbara: „O liebe Mutter, o hilf mir doch, erflehe mir die Geduld! Siehe, ich will ja gerne leiden, aber ich bin so geneigt zur Ungeduld. O hilf mir doch!“

Maria: „Erinnere dich immer daran, daß von heute an, von dieser Stunde an, Mein Leiden begonnen und leide männlich, und sei zufrieden und betrachte jeden Tag, was du heute gesehen.“

45 Herz-Jesu-Freitag im Februar 1896

„Das neunzehnte Jahrhundert legt Zeugnis ab, daß der Mensch verwildern kann“

Lied: Dem Herzen Jesu singe...

Barbara: „O mein süßester Jesus, Du Bräutigam meiner Seele, ich sehe Dich heute, wie Du einst auf Erden wandeltest von einer Stadt zur andern. Warum denn, o Herr?“

Jesus: „Ja, Meine Tochter, weil die Menschheit die vielen Wohltaten vergißt, die Ich in den dreiunddreißig Jahren, als Ich unter ihnen herumwandelte, gespendet habe. Siehe, Ich habe die Aussätzigen gereinigt, die Kranken geheilt. Ich habe die Toten erweckt; Ich habe überall, wo Ich Meinen Fuß hinsetzte, die Armen um Mich gesammelt, tröstend und helfend überall eingegriffen. Ich habe die Reichen zu Wohltaten angeregt, die Armen zur Ergebenheit in Gottes heiligen Willen. Ich habe die Reichen zur Freigebigkeit angeregt und dadurch den Armen ihr hartes Schicksal erleichtert.

Ich habe den Stolzen gesagt, wer sie sind, daß sie derselbe Gott erschaffen hat wie jene kleinen, armen Geschöpfe, die sie verachten. Durch Meine Lehren und durch Mein Beispiel bin Ich der größte Wohltäter, den die Menschheit je gesehen, bin der Wohltäter aller Menschen geworden. Sollte es möglich sein, daß das Andenken eines Mannes, auch wenn Er ein ganz gewöhnlicher Mensch gewesen wäre, so aus der Menschheit getilgt werden könnte, eines Menschen, dessen allumfassende Wirksamkeit die ganze Welt umschließt? Und doch ist es möglich!

Das neunzehnte Jahrhundert bürgt dafür, wie undankbar der Mensch sein kann, wenn er seinen Gott vergißt! Das neunzehnte Jahrhundert legt Zeugnis ab, daß der Mensch verwildern kann, und es ist möglich, daß, wenn Gott Seine Hand abzieht zur Strafe, die Menschheit, auch wenn sie vorher eine gebildete gewesen, sich den wilden Tieren gleichstellt und nichts mehr Gutes in diese Wesen eindringt, daß sie sich selbst untereinander zerfleischen. Meine Tochter! Es ist noch nicht die Zeit, daß die Welt soll nicht mehr bestehen, es ist auch noch nicht an der Zeit, wo Meine Offenbarung aufhören soll. Die Welt soll noch fortbestehen. Darum muß noch alles aufgeboten werden, um zu retten, was noch zu retten ist; denn wenn einmal der Jüngste Tag anbricht, gibt es keine Rettung mehr für diejenigen, die nicht gewollt, solange es Tag war.“

Barbara: „O mein Jesus! Halte ein den strafenden Arm der Gerechtigkeit! O sieh die vielen unschuldigen Kinder auf der Welt. O sieh an Deine heilige Kirche, sieh die vielen Opfer, die täglich dargebracht werden, und stelle Dich doch unaufhörlich Deinem himmlischen Vater vor für die sündige Menschheit. Und ihr alle, o ihr Menschenkinder, vereinigt euch mit mir, um unaufhörlich in Vereinigung mit dem Herrn, der Sich für uns auf dem Altar darbringt, mitzuopfern. Ja, wir wollen mitopfern, leiden, einstehen für Deine Rechte, für den Glauben Deiner Kirche. O gib mir ein Herz so weit und so groß wie die ganze Welt und sovielmal zerteile es, wie es Menschenherzen gibt, um Dir Ersatz und Sühne zu leisten für die Menschen, die es nicht tun. O gib mir doch eine Stimme, die in der ganzen Welt gehört wird, daß ich den Menschen zurufen kann:

„O ihr heiligen Geister, vereinigt euch mit mir, ihr Priester des Herrn, ihr Diener Jesu Christi, vereinigt euch mit mir, denn ihr seid die streitende Kirche auf Erden. O ihr alle, die ihr Jesus noch liebt, noch glaubt, daß Er unter uns gewandelt ist, vereinigt euch mit mir, Ihm Huldigung darzubringen, Ihm Dank zu sagen, daß Er uns erlöst, geheiligt, daß Er uns zu Kindern und Erben des Himmels gemacht hat, für alle diejenigen, die es nicht mehr tun.“

Jesus: „Darum, Meine Tochter, scheuet euch nicht, offen und frei Mich zu bekennen, verbreitet, wo ihr könnt, gute Schriften und laßt es die Priester wissen, was Ich mit euch rede. O der Glaube ist so schwach unter gar vielen Priestern. Das Herz ist zu voll von allem, was nicht von Meinem Geist beseelt ist, und jetzt, wo der Geist des Antichrist überall eindringt, sollte doch Mein Geist ganz gewiß und in erster Linie unter Meinen Dienern sich befinden. Die sollen sich doch von Meinem Geist beseelen, vom lebendigen Glauben an Mich durchdrungen sein, von Liebe und glühendem Eifer sich durchdringen lassen und hinausgehen unter Meine Völker, um Meine Kinder, die Ich erschaffen habe, und an denen Mein Herzblut klebt, zu retten, um zu retten, was zu retten ist. Der Eifer vermag viel. Schaue in jene Gemeinde, wo ein eifriger Priester steht. Ich sage nicht, daß sie alles tun können, daß sie alle Laster ausrotten können; dies ist nicht möglich. Dies war auch, als Ich unter den Menschen wandelte, nicht der Fall.

Deswegen sagte Ich dir in einer Belehrung, daß in dem Damm, den sie dem Strom der Zeit entgegenstellen sollen, sich noch immer Schleusen befinden, wo der Unflat durch kann. Verstehst du Mich, was Ich damit sagen wollte?“

Barbara: „Nein, Herr, ich verstand es gar nicht, bis heute war es mir dunkel, ich meinte, ich hätte mich verhört. Das wird wohl heißen, daß sie doch nicht alle bekehren können.“

Jesus: „Ja, du hast es verstanden; das meinte Ich damit. Meine Diener sollen nicht irre werden, wenn sie doch nicht alle bekehren können, trotz all ihrer Mühe und Sorgfalt, die sie sich geben, doch kein Gehör finden. Sie sollen nicht beachten die gottlosen Streiche, die man ihnen spielen wird, sie sollen sich ruhig verhalten, wie Lämmer mitten unter den Wölfen, denn es kommt der große Tag, wo die Lämmer ausgeschieden werden von den Böcken, das heißt, wo die Guten ausgesucht und ausgesondert werden, und dann kommt die Ernte. Dann werden sie reichlich ernten, was sie ausgesät. Siehe, es ist hienieden so! Meine Kirche entstand erst, nachdem Mein heiliger Leib der Erde übergeben war. Dann erst ging der Samen auf, den Ich ausgestreut, und er wuchs empor zu einem Baum, und es entstand die heilige Kirche. So wird es aber sein, solange die Welt steht.

Der Same, den Meine Diener ausstreuen, wenn er auch scheinbar auf felsigen Boden fällt, unter Hecken, Dornen und Sträucher, wenn er auch überwuchert wird von Unkraut, fällt doch auch zum Teil auf guten Boden und geht auf, wächst empor und daraus entsteht jene Zeit, die Ich schon angedeutet und andeuten ließ an anderen Stellen in früherer Zeit, wo Ich Mich durch Kinder und andere Personen offenbarte, jene Zeit des Friedens. Im Kampf müssen Meine Diener ausstreuen den Samen des Wortes, im Kampf und in der Verwirrung der Geister. Wenn alles auf dem ganzen Erdkreis durcheinander geht, da ist es, wo Ich Meine Diener hinaussenden werde. Sie sollen dann nicht scheuen das Gebrüll wilder Tiere, sie sollen auch nicht scheuen das Blitzen der Schwerter; sie sollen nicht teilnehmen an den Verängstigungen und dem Wehgeschrei der Großen und Mächtigen der Erde. Sie werden frei sein davon, weil sie Meine Diener sind. Jene aber, die heraufbeschworen Meinen Zorn, die schuld sind und Schuld tragen, daß die Hölle losgelassen ist in der Welt, sie sollen Meinen Zorn fühlen.

Meine Diener aber sollen in Frieden wandeln, denn mit ruhigem Blick, mit heiterer Stirne werden sie zusehen, wie Reiche vergehen und zusammenstürzen, aber nicht Mein Reich; denn sie sind die Friedensfürsten, wenn sie es auch nicht sehen, denn auch sie sind Menschen und vergehen. Aber ihr Samenkorn vergeht nicht, das sie in die Erde gelegt und sie sind die Ursache, die den Frieden herbeigeführt unter das ganze Menschengeschlecht. Muß das nicht alle Meine Diener begeistern zu einem rastlosen Eifer!

Siehe, was tun nicht Weltmenschen alles, um sich einen Namen zu verschaffen, um auch in der Nachwelt ein bißchen von sich reden zu machen, was ja doch nur eitle Prahlerei und Torheit ist. Warum sollten denn Meine Diener für einen unvergänglichen Ruhm weniger wagen und sich bemühen! Siehe, man wird in anderen Jahrhunderten von ihnen sagen, was sie geleistet, und die ganze Ewigkeit wird man sie loben und preisen für all das, was sie Mir zuliebe geopfert und gelitten haben.“

Luise: „O Herr, soll ich eine Maschine kaufen, um Deine Worte zu vervielfältigen?“

Jesus: „Schreibe du auf die Worte, die du hörst, und bewahre sie sorgfältig. Es kommt die Zeit, wo sie abgedruckt werden.“

O Herr, weil niemand es dem hochwürdigsten Herrn Bischof sagen will, soll ich es denn sagen?

Jesus: „Nein!“

Soll ich also keinen Autograf kaufen?

Jesus: „Nein, die werden doch nicht deutlich genug abgedruckt. Es kommt die Zeit, wo sie gedruckt werden.“

Barbara: „O Herr, hilf doch diesem alten, kranken Priester.“

Jesus: „Ja, Ich helfe immer und werde all denen helfen, die auf Mich vertrauen. Ich war es ja, Der viele angeregt, ihm zu helfen. Was tat Ich anderes, als Ich auf Erden lebte? Man soll nicht immer Wunder verlangen, wo es auf gewöhnlichem Weg geschehen kann. Siehe, Ich hätte mit einem Wort alle Kranken gesund machen, alle Sünder bekehren können. Ich tat wie einer, der sich gewöhnlicher Mittel bedienen mußte; denn dabei gewannen die Menschen immer an Verdienst und werden Tugenden geübt. Sage dies Meinen Dienern, sage es insbesondere N. Ich will immer einige Anstrengung von seiten Meiner Diener und derjenigen, die sie in der Verbreitung Meines Reiches unterstützen.“

Barbara: „O Herr, mache doch diesen kranken Priester gesund.“

Jesus: „Die Sünden, die Strafen der Sünden, müssen verbüßt sein. Leiden ist kein schlimmes Zeichen; er kann schon seinen Beruf dabei erfüllen. Leiden ist in der streitenden Kirche und wird bleiben, solange sie besteht. Denn dadurch unterscheiden sich die Erdenbrüder von ihren Brüdern der triumphierenden Kirche.“

Barbara: „O Herr, war es nicht unrecht, daß ich jene, die sich an mich wandten, an andere Adressen verwies?“

Jesus: „Mache dir keine Sorgen. Du hast ganz recht gehandelt. Und nun lebe wohl und bereite dich vor auf Fastnacht und leide und dulde mit Mir die schrecklichen Tage für Mein liebendes Vaterherz.“

46 Zweiter Samstag im Februar 1896

„Ja, du hast es gekonnt, du hättest es gekonnt, wenn du gewollt hättest, denn auch Ich ertrug, was du ertragen mußtest.“

Lied: O Sünder mach dich auf...

Barbara: „O mein Jesus, mit dem schweren Kreuz auf Deinen Schultern, mit der Dornenkrone auf dem Haupte, kommst Du heute zu mir, o mein Jesus, Du Bräutigam meiner Seele! Was willst Du mich denn heute lehren?“

Jesus: „Ich will dich einführen, Meine Tochter, in die Geheimnisse und in die Zeit, die jetzt die Kirche begeht, in die Vorbereitung zu Meinem bitteren Leiden und Sterben. Verschmäht es nicht, ihr, Meine treuen, geliebten Kinder, Mir wenigstens einigen Ersatz und Sühne zu leisten für die vielen Sünden, die jetzt begangen werden und für die Sünder, die Mein Herz zerfleischen. In eurer Mitte will Ich wohnen, um Meinen Schmerz zu vergessen. Sehet hinein in dieses liebende Herz, das den letzten Tropfen Herzblut hingegeben, um die Seelen zu retten, die Seele, die ewig fortleben soll.“

Barbara: „O mein Jesus! Wir wollen Dir Ersatz und Sühne leisten, soviel wir können, aber Du weißt Selbst, wie armselig wir sind, wie wenig wir zu tun imstande sind. O kannst Du denn vergessen den Leichtsinn, mit welchem wir unsere Zeit verlebt, ich besonders meine Jugend, und selbst die Jahre, wo ich Dir gedient, wie vielfach habe ich sie befleckt mit Eigenliebe, mit Undank gegen Dich, meinen höchsten Herrn, meinen allergrößten Wohltäter?“

Jesus: „Und doch bin Ich zufrieden, denn Ich will der Welt zeigen, wie wenig Ich verlange. Daß Mein Joch süß und Meine Bürde leicht ist, sagt Mein Evangelium, und Ich will das nicht für einzelne, auserlesene Seelen gesprochen haben. Ich will, daß viele, viele dieses fühlen sollen. O wie gerne verzeihe Ich den Menschen, wenn sie zu Mir kommen mit reumütigem Herzen. Wie bin Ich bereit, in reichlichem Maße Meine Gnaden ihnen zuzuwenden, wie lenke Ich ihre Schritte, wie bahne Ich ihre Wege, um ihr Schicksal zu erleichtern.

Denn Ich Selbst wollte Erdenpilger sein, um Selbst alles zu fühlen, was die Menschen hienieden leiden und dulden müssen. Niemand hat eine Ausrede, niemand kann sich entschuldigen, wenn er einmal vor Meinem Richterstuhl stehen wird, daß er ein schwacher Mensch gewesen ist. Siehe, darum wollte Ich die menschliche Schwachheit Selber sein. Ich nahm aus dem Schoß Meiner jungfräulichen Mutter Meinen Leib an und stattete Ihn aus mit all jenen Eigenschaften, die nur ein Zartfühlen, ein Empfinden kennzeichnen. Ja, Ich hatte einen zartfühlenden Leib, und dies wollte Ich freiwillig so, damit Ich alle Schmerzen und die bittere Armut, in die Mich Mein himmlischer Vater versetzte, recht hart fühlen sollte, um so allen Menschen voranzuleuchten und damit niemand mehr sagen kann, wenn Ich ihn vor Gericht stellen werde: Das habe ich nicht gekonnt! Ja, du hast es gekonnt, du hättest es gekonnt, wenn du gewollt hättest, denn auch Ich ertrug, was du ertragen mußtest.

O die Armen der heutigen Welt! Wie suchen sie ein bequemes Leben, und weil sie es nicht selbst besitzen und sich zurechtlegen können, suchen sie auf alle mögliche Weise, um es sich auf unrechtem Wege verschaffen zu können. Wie viele, wie viele müßten verlorengehen, wenn Ich nicht ein so gutes, ein so liebendes Herz hätte, das sie alle umfassen möchte und alle in sich schließen wollte.“

Barbara: „O Herr, habe Nachsicht. Siehe, es steckt doch in jedem noch etwas Gutes. O schließe die Augen für die Fehler und Schwachheiten der Menschen, und weil Du Selbst arm und schwach sein wolltest, o wende es ihnen zu, was Du erduldet, eben weil Du einen so zartfühlenden Leib hattest, um recht viel für uns sühnen und büßen zu können. Siehe, die vielen Märtyrer, in all ihren Qualen, die vielen Christen, die sich alle Mühe geben, Dir zu gefallen, sie alle opfere ich Dir auf samt allen Verdiensten Deines ganzen bitteren Leidens und diejenigen aller Heiligen, aller Frommen und Gerechten auf Erden, für alle diejenigen, die sich jetzt den Fastnachtsfreuden hingeben, die Dir darum so viel Kummer und Schmerzen bereiten.

O siehe, wie hart das Leben unserer Zeit ist durch die großen Laster, welche die Menschen zu ertragen haben, die sich in ihren Familien einschränken, hungern und darben, während der Mann alles durchbringt. Schließe die Augen für die Verbrechen der Welt. O laß doch nicht zu, daß sie verlorengehen. Du hast ja gesagt: Wo zwei oder drei in Meinem Namen versammelt sind, da bin Ich mitten unter ihnen! Siehe, wir sind hier zu dritt vereinigt, und so opfern wir Dir alles auf, was ich eben gesagt, für die Bekehrung der Sünder und diejenigen, die sich jetzt den Fastnachtsfreuden hingeben.“

Jesus: „Ja, es gewährt Mir auch einigen Trost, aber die Menge der Sünden schreien um Rache zum Himmel, die Bosheit der Menschen ist unaussprechlich groß. Siehe, Ich finde wenige leere Herzen, in denen Ich Meine Liebe und Gnade ausgießen kann. Siehe, mit vollen Händen stehe Ich Tag und Nacht auf der Warte, ob einer komme, um empfangen zu wollen, und siehe, es findet sich keiner! Viele nahen sich Meinem Thron, aber das Herz ist da so voll, daß es nichts mehr zu fassen imstande ist von all den süßen Gaben, die Ich ihm geben will. Es nimmt Mich auf, aber der Unflat von zeitlichen Sorgen erstickt Meinen Geist in sich. Leere Herzen verlange Ich, großmütige Seelen, die Mir ihr volles Vertrauen schenken, die nicht mehr kleben an der Erdscholle, an Ehren, an Reichtum, und eine solche Armee, vereinigt mit Meinen Dienern, ist imstande, Mein Herz zu trösten.“

Barbara: „O mein Jesus! Ja, wir wollen alles tun, was wir können.

O Herr, willst Du denn, daß N. sich darum annehme, Deine Worte seinen Vorgesetzten vorzutragen? Siehe, er selbst ist so bedrängt und hat mit sich zu tun. O mein Jesus! Sag mir doch, was er tun soll. Siehe, ich bin zu allem bereit. Ich weiß, daß viele Verfolgungen kommen werden über mich. Wenn es aber Dein Wille ist, daß die öftere Kommunion eingeführt werden soll, so zeige es.

Ja, Du bist es, ich glaube es, aber siehe, für N. ist es viel härter. Gib ihm doch ein Zeichen, woran er erkennen muß, daß Du es bist, daß er mit Mut und Vertrauen zu seinem Bischof geht.“

Jesus: „Ja, das ist es, was Ich von dir verlange.“

Barbara: „Ja, dann gib doch N. ein Zeichen. Siehe, ich bitte Dich. Wenn Du ihm bis Dienstag oder Mittwoch das Leiden weggenommen und die heilige Freude geschenkt, dann soll es ihm ein Zeichen sein, daß er zu seinem Bischof gehen soll. Ist es recht so, o Herr? Ist es nicht Dein Wille, und Du bist es nicht, dann ist er nicht verpflichtet, zu seinem Bischof zu gehen und ich auch nicht.

O meine liebe Mutter, begleite Du mein Gebet und das meiner beiden Freundinnen, daß er ein Zeichen erhält von Deinem lieben Sohn.

O führe uns nicht in Versuchung. Mein Jesus, Barmherzigkeit!

Ich bin bereit zu leiden, wie Du willst und wann Du willst, wäre es auch noch so schwer, aber ich will wissen, wie N. handeln soll. Ich will mich ganz seiner Leitung unterwerfen und der Kirche überlassen. Ich will, wenn es die Kirche befiehlt, den gewöhnlichen Weg gehen wie andere, und wenn sie es anerkennt, leiden, solange Du willst. Ich verlaß mich darauf, auf den Vertrag, den ich mit Dir schließe.“

Jesus: „Recht so, Meine Kinder!“

47 Zweiter Donnerstag im Februar 1896

„Wenige sind es, die den Weg des Kreuzes wandeln.“

Lied: Liebster Jesu...

Barbara: Ich sehe das Kreuz und unter ihm steht mein Herr, mein Jesus, mein liebster Bräutigam! – „Was soll denn das bedeuten?“

Jesus: „Ja, Ich will dir den Weg zeigen, den du gehen sollst mit deinen zwei Freundinnen. Siehe, die Kirche beginnt jetzt, ihre Kinder unter dem Kreuz zu versammeln, sie zu erinnern, was Ich an demselben erduldet und gelitten habe. Die Kirche will ihre Kinder jetzt einführen in die Gesinnung, die Mein Herz beseelte, als Ich das Kreuz besteigen mußte. Und welches war Meine Gesinnung? Ja, die Menschheit zu erlösen von der Sünde und vor der ewigen Verdammnis!

Und Ich habe sie erlöst, Ich habe die Schuld hinweggenommen und an das Kreuz geheftet. Aber siehe, Meine Tochter, wie wenige sich dafür hingeben, dem Ruf Meiner Kirche zu folgen. Viele, viele sind von dem Weg abgewichen, dem Weg, den Ich gewandelt bin, auch unter den Christen, auch unter denjenigen, die zwar zu Meiner Fahne geschworen, und dennoch den Weg der Gottlosen wandeln! Sie haben das Kreuz verlassen und haben auf ihre Fahne geschrieben: ‚Gottlosigkeit‘, das heißt, sie brauchen keinen Gott. Viele unter den Christen haben zwar das Kreuz noch nicht verlassen und den Weg, den Ich gewandelt bin, aber sie gehen ihn nur so wie Kinder, die nicht wissen, welchen Weg sie gehen sollen; sie kümmern sich wenig darum, Mir Freude zu machen, ihr Herz zu reinigen und Mich zu lieben. Wenige sind es, die den Weg des Kreuzes wandeln und diese wenigen sind diejenigen, mit denen Ich Mich vereinigen will.

Dies sind jene treuen Seelen, die Tag und Nacht ihr Herz bei Mir und mit Mir vereinigen und unterhalten vor dem Tabernakel. Diese sind Meine liebsten Kinder. Und siehe, der größte Teil davon kann nicht kosten, wie gut Ich bin. Obwohl Ich Mich ihnen mitteile im Gebet, in ihren Seufzern, in ihren Gesprächen, kann Ich Mich doch nicht persönlich mit ihnen vereinigen, wie Ich zu Meinen Lebzeiten mit der Menschheit verkehrt habe; um dennoch als Person mit ihnen zu verkehren, will Ich in der Brotsgestalt zu ihnen kommen. Sie sollen wissen, wie gut Ich bin. Ich will sie in ihren Leiden trösten, in ihren Bekümmernissen ihnen zur Seite stehen, und sie sollen Tag für Tag Meine liebliche Stimme hören.

Siehe, das ist Mein Wunsch, weil Ich keines Meiner Glieder zurückgesetzt wissen will. Sie alle sind Glieder Meines mystischen Leibes, und werden mit dieser lebendigen Gliederschaft Mein Herz dermaßen trösten, daß Ich den Undank so vieler ausgearteter Kinder Meiner Kirche vergessen will.

Siehe, Meine Tochter! Es geht eine Bewegung durch die Völker, man ist gespannt auf die Dinge, die da kommen werden, man sieht, daß eine schwere Gewitterwolke sich zusammengezogen hat und allenthalben loszubrechen scheint. Man ist auf dem ganzen Erdkreis besorgt, aber der Arm Meiner Gerechtigkeit ist aufzuhalten, wenn auch nicht immer.“

Barbara: „O Herr, nicht wahr, Du willst doch nicht alle Länder in dem gleichen Maße strafen?“

Jesus: „So ist es gemeint!“

Barbara: „Du wirst wie immer tun, wenn die Völker sich von Dir abwandten.“

Jesus: „Ja, das will Ich und Ich wiederhole dir, was Ich dir schon oft gesagt, daß Meine Diener viel tun können, daß sie den Arm Meiner göttlichen Gerechtigkeit aufhalten können, wenn sie sich verbinden mit Meiner heiligen Mutter und immer enger verbinden mit Ihr.“

Barbara: „O mein Jesus! Ich empfehle dir die Kirche in M. O gib doch, daß die Frommen recht eifrig werden, besonders in diesen Tagen, wo Du wieder so schwer beleidigt wirst. Gib doch, daß recht viele sich scharen um den Altar, wo Du ausgesetzt wirst, um Dir Ersatz und Sühne zu leisten, und laß Dir durch die guten und eifrigen Seelen Genüge leisten für den Undank so vieler Deiner Kinder, die Dich vergessen, und die dem Leichtsinn frönen. Ich verspreche Dir, daß wir tun wollen, was wir können in unserer armseligen Kraft. Ja, es ist gerade, als wäre die Hölle losgelassen, so geht es durcheinander. Das sind die Fastnachtsfreuden. O mein Jesus!“

Und es ist, als ob sie an Ihn herantreten und Fleischstücke aus Seinem hochheiligen Leib reißen. Das ist die Unzucht, die getrieben wird in diesen Tagen.

Jesus: „Ja, Meine Kinder, ihr sollt Mir Ersatz leisten, ihr sollt die Wunden heilen, die Mir geschlagen werden.“

Barbara: „Ja, Herr, ich verspreche es Dir!“

Jesus: „Ich will, daß ihr Meine Altäre umringt, daß ihr vor zehn Uhr die Kirche nicht verlasset. Ich werde Mich schon melden, wenn Ich komme.“

Barbara: „O mein Jesus! Gib uns doch recht viele, die sich mit uns vereinigen, recht viele Priester, die glauben, daß Du wirklich mit uns verkehrst, damit sie dann Deinen Willen erfüllen. O gib uns eine Armee Beter!“

Jesus: „Fahret fort. Deine zwei Freundinnen sollen keine Stunde versäumen, wo sie abkommen können und auch du, soviel du kannst. Ich werde es ihnen überreichlich ersetzen.“

Barbara: „Mein Jesus! Hast Du denn das Hindernis beseitigt?“

Jesus: „Ja, Ich habe es getan.“

Barbara: „O mein Jesus, gib doch diesem Priester die Stelle, die er sich so sehnlichst wünscht.“

Jesus: „Ich bin es, der die Herzen und Nieren durchforscht. Ich bin es, der alles lenkt und leitet zum Besten Meiner Diener. Kein Haar fällt von ihrem Haupte ohne Meinen Willen, und wenn Ich es zulasse, daß sie verkannt, zurückgesetzt und verachtet werden, so ist es immerhin doch Mein liebendes Vaterherz, in dem sie ruhen. Und alle diejenigen Meiner Diener, die dieses verstehen, werden dazu gelangen, daß sie Mir am nächsten stehen; denn Ich bin ein gar guter Gott. Wollte Ich Mich denn vorschieben, wollte Ich etwas sein? War Ich nicht der Diener aller?“

Barbara: „O mein Jesus, ich empfehle Dir auch die Arme Seele, welche sich zeigt.“

Jesus: „Ja, da sollte sich jemand für sie einstellen.“

Barbara: „Ja, was sollen wir denn tun, o Herr, um sie zu befreien?“

Jesus: „Eine einzige heilige Messe und eine würdig empfangene heilige Kommunion.“

Barbara: „O mein Jesus, erbarme Dich ihrer.“

Jesus: „Es ist den anderen eine Warnung, weil die Welt zu unglaubwürdig ist.“

Barbara: „O mein Jesus, Barmherzigkeit!“

48 Samstag vor Fastnacht 1896

„Weil Ich doch hier wohne mit Fleisch und Blut unter den Gestalten des Brotes und Weines.“

Lied: O Sünder, mach dich auf...

Barbara: „O mein Jesus! Noch nie ist ein König so empfangen worden, mit solcher Freude und Zuneigung, wie ich Dich zu empfangen wünschte, mein Herr und mein Gott! Nimm mich hin und vergiß den Undank Deiner armen Tochter, die Sünden, die ich begangen habe.“

Jesus: „Ja, Meine Tochter, Ich komme zu euch; ihr sollt Mich entschädigen. Siehe dich um in der Welt, wie man sich jetzt überall rüstet, um Meinem Widersacher zu dienen, um ihm zu huldigen, und Ich werde jetzt hinausgetrieben aus den Herzen, aus den Herzen Meiner Kinder! O welch ein Schmerz für Mein liebendes Vaterherz! So viele Seelen, die bisher noch in der Taufunschuld gewandelt sind, gehen in diesen Tagen verloren. Teilt den Schmerz mit Mir, ihr, Meine Kinder, ihr, Meine Gleichgesinnten; umringt Meine Altäre, wo Ich Mich würdige, gegenwärtig zu sein unter den Gestalten des Brotes und Weines. O teilt doch den Schmerz mit Mir, ihr, Meine Kinder. Ihr müßt wissen, was eine Seele wert ist. Und es beginnt in der Zeit, wo Meine Kirche Mein bitteres Leiden vorstellt.“

Barbara: „O nimm mich hin, o Herr! Ich will ja tun, was in meinen schwachen Kräften steht, alles, was Du verlangst. Rede, o Herr, Deine Dienerin hört!“

Jesus: „Ja, Ich will, daß ihr in diesen Tagen Meine Altäre umringt, und auch du, Meine Freundin, Meine Schwester, Meine Braut, soviel du kannst. Bitte deine Schwägerin, daß sie es dir erlaube. Ich will nicht sagen, daß du, wie deine zwei Freundinnen, außer der Essenszeit, alle Stunden des Tages Mir opfern sollst. Die notwendigste Hilfe kannst du ihr leisten, aber was Ich von dir verlange, ist, daß du aber doch keine Zeit versäumen sollst. Wenn ihre Verwandte da ist, soll sie diese anhalten und die andere Zeit dich nicht abhalten, daß du bis zehn Uhr ohne Verdruß in der Kirche bleiben darfst. Siehe, es ist Mir eine große Freude, wenn Ich Meine Gleichgesinnten, Meine treuen Seelen um Mich sehe, weil Ich doch hier wohne mit Fleisch und Blut unter den Gestalten des Brotes und Weines, wie Ich ehedem auf Erden gewandelt bin, und Ich will dieses erkannt haben von Meinen Dienern.

Als Ich auf Erden weilte, war Ich auch unbekannt, ein unbekannter Gott, denn Ich wollte Mein Reich erst stiften und unbekannt sein, solange Ich auf Erden weilte, weil dieses der Wille Meines himmlischen Vaters war, um den Geist der Menschen zu prüfen, den Guten mehr Verdienst zu erwerben, die Schlechten und Gottlosen, die ja doch gegen Mich angekämpft hätten, immer noch schonender zu behandeln, denn Ich war ja gekommen, die Menschen zu retten, auch die Gottlosen, auch diejenigen, die Mich haßten, die Mich verfolgten. Deswegen hielt Ich Mich als ein unbekannter Gott unter ihnen auf.

Ich zeigte Mich ihnen aber so durch solche Zeichen und Wunder, daß alle, auch die schlimmsten und verstocktesten Sünder, hätten zur Einsicht und Bekehrung kommen können, und sie haben es nicht getan, und doch ist ihre Bosheit noch nicht so hoch anzuschlagen als die der Kinder der katholischen Kirche, die jetzt sich so im Laster tummeln, die sich von Mir abwenden, die Mich behandeln als einen unbekannten Gott, der nie gewesen, noch war, noch sein wird. Ja, Er ist und war und wird sein unter euch im Tabernakel unter den Gestalten von Brot und Wein. Dort ist Er, dort will Er sein; es ist nun einmal Seine Freude so.

Aber warum seht ihr Ihn nicht in eurer Mitte? Warum stoßt ihr Ihn hinaus aus der Mitte eures Herzens? Denn in jedem Herzen will Ich ebenso wohnen wie im Tabernakel. Siehe die vielen, die Mich bereits hinausgestoßen haben, dazu jene, die Mich Tag für Tag hinausstoßen. Das sind ganz besonders in diesen Tagen die bisher unschuldigen, die unverdorbenen Kinder, die bisher noch Mein waren, in denen Ich noch wohnte, obwohl sie es nicht verdient, weil sie Mich nicht kannten, aber aus diesen Herzen werde Ich hinausgestoßen durch die bösen Beispiele, durch den Satansdienst, der offen zur Schau getragen wird auf offener Straße, in jeder Schenke, bereits in jeder Familie, wenigstens in großen Städten wie hier in M. An wen soll Ich Mich wenden, wenn nicht an euch? An Meine treuen Kinder, Meine treuen Seelen? Und Ich verbiete es euch: Alles Unnötige in diesen Tagen, jeden unnötigen Verkehr sollt ihr vermeiden, denn Ich sehe euch gern in Meiner Nähe.“

Barbara: „O mein Jesus! Ja, wir wollen es tun. Ich bitte Dich, o Herr, gib doch demjenigen, der die Predigt hält, Deinen Geist, daß er recht begeistert die Leute ermahnt, und all den Pfarrgeistlichen, daß sie die Leute recht ermuntern, denn wir sind so armselig und können gar nichts tun, wenigstens wollen wir Deinen heiligen Willen erfüllen. O es wäre mir doch lieber, wenn es möglich wäre, daß alles verborgen bliebe (die besondere Vertrautheit, mit der Jesus mit Barbara verkehrte) und niemand davon Kenntnis erhalte. Soviel an uns liegt, wollen wir ja Deine Ehre fördern und Dich lieben aus allen Kräften. Aber siehe, die ungläubige Welt! Doch will ich mich ganz Deinem Willen ergeben. Tue, was Du tun willst, o Herr!“

49 Fastnachtmontag 1896

„Wo bleibt der Tribut, den Mir die Menschen schuldig sind?“

Lied: Deinem Heiland, deinem Lehrer...

Barbara: „O guter Jesus, Deine heilige Mutter samt allen Deinen lieben Heiligen benedeien Dich für all die Unehre und Beleidigung, welche wider Dich, das höchste Gut, von den undankbarsten Kreaturen jemals begangen worden sind oder zu irgendeiner Zeit begangen werden.“

Jesus: „Komm, Meine Tochter, und nimm Platz an Meinem Herzen! Schau hinein in dieses Herz, das für dich ist geöffnet worden. Schau, wie es schlägt aus Liebe zu dir und zu all denjenigen, die sich im Geist mit dir vereinigen. Ihr, Meine liebsten Kinder, ihr sollt Mich entschädigen für all den Undank jener Kinder, die den Weg des Lasters gehen und der Sünden. Siehe, wie man Satan huldigt, wie man sich gegenseitig Glück wünscht, wie man die Fahne hochschwingt, um diesem zu gefallen, und doch bin Ich ihr Erlöser und doch bin Ich der Schöpfer, der Herr des Himmels und der Erde, der mit dem Hauch Seines Mundes diese Welt erschaffen, der mit einem einzigen Wort alle Geschöpfe ins Dasein gerufen.

Ich habe den Menschen erschaffen zu Meiner Ehre und Verherrlichung. Wo bleibt nun Meine Ehre? Wo bleibt der Tribut, den Mir die Menschen schuldig sind? Ach, daß sie den Weg des Lasters und der Sünde gehen, das ist der Dank, daß Ich dreiunddreißig Jahre unter ihnen gewandelt bin, daß Ich durch Wort und Beispiel sie belehrt, daß Ich alle Mühseligkeit dieses Lebens auf Mich genommen, um alle Menschen zu retten und ewig glückselig zu machen. Versteh es wohl, Meine Tochter! Die Sünde hat das Paradies aus der Welt hinausgeschafft und darum muß die Sünde gebüßt werden, um den Menschen wieder das Paradies zu öffnen. Und Ich habe es getan für Mein Volk. Ich sage dir noch einmal, Meine Tochter, wo bleibt der Dank, den Ich zu ernten habe als ihr Gott, als ihr Schöpfer und Erlöser?“

Barbara: „Siehe, mein Jesus, ich opfere Dir auf all die Leiden, die Du mir geschickt, in Vereinigung mit Deinem bitteren Leiden und Sterben, in Vereinigung mit den Tränen, die Du über die sündigen Menschen geweint in den dreiunddreißig Jahren, wo Du unter uns gewandelt bist, in Vereinigung mit Deiner heiligen Mutter, mit dem heiligen Josef und allen lieben Heiligen. Ich opfere Dir alle Leiden in Vereinigung mit den Schmerzen aller Märtyrer, die für Dich ihr Blut hingegeben, mit allen gerechten Seelen, Jungfrauen, Büßern, die je gelebt haben, jetzt noch leben bis zum Ende der Welt. Ich opfere Dir meine Tränen mit den Deinen, meine Seufzer in Vereinigung mit Deinen Seufzern zur Genugtuung für die Sünden, die Dir von der gottlosen Menschheit zugefügt werden.

O daß ich es doch erkannt hätte in den Tagen meiner Jugend, wo ich Dir diente mit unschuldigem Herzen. Aber siehe, lange Jahre diente ich Dir nicht, aber doch sind es bereits fünfundzwanzig Jahre, daß ich mir alle Mühe gebe, Dir zu gefallen. Ich danke Dir, daß Du mich nach M. geführt, ich danke Dir für meine gute Umgebung, daß ich Dir dienen kann. Nimm nun auch alles hin. Mein ganzes Leben soll ein Gottesdienst sein, wie Du willst, will auch ich Dir Sühne leisten für die Sünden anderer.“

Jesus: „Ja, trockne deine Tränen, Meine Tochter, und siehe, was Ich dir zeigen will. Komm mit Mir vor alle Tabernakel in der ganzen Welt. Siehe, wo Ich dich hinführe, da sind überall gottbegeisterte Seelen.“

Barbara: „Ja, hier, da sind aber keine.“

Jesus: „Da sollst du anbeten.“

Barbara: „Hochgelobt und angebetet sei ohne End, das süßeste Herz Jesu im Allerheiligsten Altarsakrament. Ich vereinige mich mit meinen zwei Freundinnen und ersetze Dir die Schmach an jenen Tabernakeln, wo keine Anbeter sind. Hochgelobt und angebetet sei ohne End, das süßeste Herz Jesu im Allerheiligsten Altarsakrament.“

Jesus: „Ja, das sollt ihr, Meine Kinder, Meine treuen Seelen. Ich habe deswegen auf Fronleichnam den Bund mit euch geschlossen. Merkt euch wohl, daß alles, was Ich mit euch rede, was Ich mit euch tue, eine sehr wichtige Bedeutung hat für Meine Kirche. Auf Fronleichnam war es, wo Ich euch eingliederte, das heißt, ihr sollt eine Gliederschaft bilden in der Verehrung des Allerheiligsten Altarsakramentes. Was Ich mit dir rede, rede Ich auch zu deinen beiden Freundinnen, damit ihr miteinander ausführt, was Ich verlange: Ich will, daß das Allerheiligste Altarsakrament verehrt werde in der ganzen Welt! Ich habe vieles mit dir gesprochen, du hast es Mir gut ausgerichtet! Recht so! Fahre fort, tue was Ich dir sage.

Du wirst sehen, welch herrlichen Lohn du in der Welt bereits erlangst, und was Ich dir sage gilt auch ihnen, weil sie die Werkzeuge sein sollen, durch die es ausgeführt wird. Es soll ein Damm errichtet werden gegen den Sozialismus der Zeit. Es soll der undankbaren Welt gezeigt werden, was die Liebe und der Glaube vermag unter Meinen Kindern; es soll der Zorn Meines Vaters besänftigt werden; denn obwohl Ich Mich alle Tage und Nächte vor Meinem Vater niederwerfe, anbetend, sühnend, opfernd, leidend in den heiligen Meßopfern, so genügt Ihm dieses nicht mehr.

Es muß die Menschheit sich verbinden mit Mir und dann – ja, und nur dann, wird das Opfer vollbracht sein. Es wird Deutschland gerettet werden. Ich verspreche es dir, daß allen denjenigen, die in den Bund mit eintreten, kein Haar soll gekrümmt werden; mit ihm soll der Glaube einziehen in das Familienleben.“

Barbara: „Ich danke Dir, o Herr!“

Jesus: „Ich habe dir versprochen im Advent, daß Ich N. überführen werde in der heiligen Fastenzeit; es soll geschehen. Wenn er aber dann noch ein Feigling ist, dann...“

Barbara: „O Herr, spreche nichts über ihn aus, er ist ja so gut und will ja auch Deine Ehre fördern. Entzieh mich nicht seiner Leitung, ich bin ja so glücklich bei ihm, ich bin ja zufrieden.“

Jesus: „Ist recht, aber tue, was Ich dir sage, und sage es ihm. Leide gern, leide freudig. Es kommt Ostern, das Alleluja, und mit Ostern dein himmlischer Bräutigam wieder. Während die Sünder Mich an diesen Tagen mit Spott und Hohn bedecken, sollt ihr Mich bedecken mit dem Mantel der Liebe und der Verherrlichung.“

Die Eltern eines in die Ferne gewanderten Sohnes ließen durch Barbara fragen, wie es mit seiner Seele stehe.

Jesus: „Ja, er ist halt doch etwas abgekommen vom rechten Weg. O führe ihn zurück! Er ist gar zu beschäftigt, aber nicht für seine Seele.“

Barbara: „O Herr, wenn ich es den Verwandten schreibe, welche Tränen wird es sie kosten. O ich bitte Dich für den armen Menschen, der so brave Eltern hat.“

Jesus: „Ja, sag nur der Mutter und der Schwägerin, sie sollten nie vergessen, täglich drei Ave Maria für ihren Sohn und Bruder zu beten, und Ich verspreche dir, daß er zurückkehren wird; er ist abgewichen vom rechten Weg.“

50 Erster Freitag nach Quadragesima 1896

„Wenn sie am Kreuz erhöht sein wird, wird sie alles an sich ziehen.“

Lied: Wo eilest du Jesus hin, wir sehn vom Speisesaale dich...

Jesus: „Komm mit Mir in Pilatus’ Haus, Meine Tochter, denn du sollst mit Mir den Kreuzweg wandeln und darum recht wohl beherzigen, wie Ich als dein Herr und Meister denselben gewandelt bin. Betrachte jetzt, Meine Seele, was Ich hier gelitten habe vor diesem gottlosen Richter! Siehe hier den großen Abstand zwischen der Wahrheit und der Ungerechtigkeit eines Menschen. Wer ist die Wahrheit? Was ist die Wahrheit und was ist die Ungerechtigkeit? Siehe, Ich, dein Herr und Meister, dein Erlöser, deine ewige Glückseligkeit, Ich bin die Wahrheit und das Leben, aber man will Mich nicht erkennen und die Ungerechtigkeit siegt über das Leben und die Wahrheit. Der Ungerechte triumphiert über den Gerechten; der Gottlose über den Heiligsten der Heiligen, aber doch nur scheinbar, nur weil es so der Wille Meines himmlischen Vaters ist.

Gehe mit Mir und vernehme das Todesurteil, das über Mich ausgesprochen wird. Siehe, dieser ungerechte Richter, er bekennt offen und laut vor allem Volk, daß er keine Schuld an Mir finde, und doch spricht er das ungerechteste aller Urteile, das je die Welt gehört, über Mich aus. Und so triumphiert das Unrecht über die Gerechtigkeit. Was meinst du wohl, Meine Tochter, was Ich damit Meiner Kirche für ein Beispiel geben wollte? Meine Kirche, Meine Braut, ist die einzige, die mit Mir den Kreuzweg wandelt.

Vom Anfang bis zum Ende, solange sie bestehen wird, ist sie beständig unter der Hand von gottloser Macht; beständig wird das Unrecht über sie triumphieren, manche Zeit minder, manche Zeit wieder mehr, nicht überall zu gleicher Zeit an allen Orten, aber doch beständig, bald hier, bald dort. Man findet zu aller Zeit keine Schuld an ihr und doch muß sie leiden und doch muß sie unterdrückt sein, weil sie Meine Braut ist, weil sie den Weg zu gehen hat, den Ich ihr vorangegangen bin. Und Ich sage dir, es wäre auch nicht gut für sie, wenn sie anders zu gehen hätte als Ich, ihr Haupt, ihr Herr und Meister, denn nur Leiden ist das Zeichen der Auserwählung. Leiden führt ganz gewiß zum Siege. Wenn Ich erhöht sein werde, werde Ich alles an Mich ziehen. So auch Meine Kirche! Wenn sie am Kreuz erhöht sein wird, wird sie alles an sich ziehen. Siehe, wie Meine Kinder sich aufraffen und ihr nachfolgen, wie sie sich flüchten unter den Schutzmantel ihrer heiligen Mutter.

Siehe, wie von allen Seiten ein reges Leben sich entwickelt. Und Ich sage dir, die Diener Meiner Kirche arbeiten nicht umsonst; sie bestellen ihr Erntefeld und Ich will ihnen ihre Arbeit segnen, daß auch ihre Ernte eine einträgliche, ja einträglicher als je werden soll. Es soll ein fröhliches Alleluja von allen Seiten ertönen in den Herzen vieler Christen, in denen es bisher nicht getönt hat.

Darum gehe mit deinen beiden Mitschwestern den Berg hinauf nach Golgotha, und stelle dich unter das Kreuz und opfere Mir, sooft dein Atem aus- und eingehen wird, sooft ein Glied deines Leibes sich bewegt, bei jedem Puls- und Herzschlag, Mein kostbares Blut, Mein bitteres Leiden und Sterben in Vereinigung mit Meiner Mutter, mit dem heiligen Josef, mit der ganzen Kirche, mit allen frommen und gerechten Seelen auf für die Bekehrung der Sünder. Leide mit Mir, Meine Tochter, und mache alle deine Schritte und Tritte zum Gebet für die Sünder, und Ich will es so annehmen, wie Ich gewohnt war von jeher, von Meinen treuen und liebsten Kindern, die Bitten zu erhören. Konnte Ich denn in Meinem sterblichen Leben je die Bitte eines wahrhaft Liebenden abschlagen?

Konnte Ich je einen Menschen zurückweisen, kalt und ohne Trost, der mit lebendigem Glauben, mit inniger Liebe sich Mir genaht hat? War nicht Mein ganzes Leben ein Leben voll Wohltun, ein Leben voll Arbeiten und Abmühen und Abplagen, um Seelen zu retten, um Seelen zu gewinnen? Habe Ich nicht deswegen Meine Kirche gestiftet und sovielmal Mich in ihr vervielfältigt, wie es Priester in ihr gibt, um dieses Mein Leben sovielmal in ihr zu gestalten, sovielmal in ihr zu vervielfältigen, damit sich auch Mein Wirken in ihr vervielfältigen kann, um Seelen zu retten, um Seelen zu gewinnen für Mein himmlisches Reich?

Sieh, und all diejenigen, die sich diesen Meinen Dienern nahen werden im Beichtstuhl, die hingehen, ihre Worte zu vernehmen, sie werden Meine Wohltaten genießen, die Ich auf sie übertragen will durch Meine Diener. Höre, Meine Tochter! Was jedes arme Menschenkind leisten kann, was es beitragen kann, daß Mein Reich sich ausbreitet, will Ich dir und der Welt zeigen an deiner Schwägerin, die in einer Wirtschaft steht. Sie hat durch ihr stilles Wirken mehr Seelen gerettet, als sie und ein anderer Mensch ahnen kann, aber nicht sie allein. Das armselige Gebet von dir bewirkt dies, weil du neben ihr stehst mit deinen Seufzern und Gebeten. Wenn sie arbeitet, da befeuchtest du ihr Wort durch dein Flehen, das du in der Kirche oder im stillen Kämmerlein zu Mir absendest. Dadurch wird ihr Wort lebendig, weil Ich Mich nicht zurückhalten kann.

Wenn eine liebende Seele zu Mir fleht, muß Ich dem einfältigen Wort Leben geben. Es dringt ein, es faßt Wurzel, die Seele sinnt nach und wird gerettet. Dies ist das Geheimnis, das Ich der Welt durch dich lehren will, das Geheimnis des Gebetslebens durch liebende Seelen, aber meist durch jungfräuliche Seelen, denn nur eine Jungfrau gibt sich dem Herrn ganz und gar hin. Während eine Ehefrau für das sorgt, was ihres Mannes ist, sorgt eine Jungfrau für das, was des Herrn ist. Jungfrauen sind es, die durch ihr Vermögen, ihren Überfluß, den Priester unterstützen sollen und das Wort des Priesters soll die Welt bekehren.

Und nun komme zur zweiten Station und nehme dein Kreuz auf deine Schultern und folge Mir nach. Siehe, Meine Tochter, ob Ich gemurrt habe, als man Mir das Kreuz auflud. Siehe, Meine zwei Mitgesellen, Meine Mitbürger, die mit Mir gekreuzigt wurden, ihnen mußte das Kreuz vorgetragen werden. Ich aber, ihr Herr und Gott, mußte Selbst Mein Kreuz tragen! Weißt du warum, was das bedeutet?“

Barbara: „Mein Herr, ich weiß nicht, ich kann nicht begreifen, wie die Menschheit so verblendet sein kann und Dir bei Deiner so großen Schwäche das Kreuz Selbst auflädt.“

Jesus: „Ja, du sollst erkennen, Meine Tochter, daß Ich dieses so freiwillig wollte, um jedem Menschen ein Beispiel zu geben, daß niemand sein Kreuz abwerfen soll, weil der Kreuzweg der Weg zum Himmel ist. Ein jeder soll sein Kreuz selbst tragen und nicht einem anderen aufladen wollen und denken: Nun ja, ich will schon auch Dir folgen, aber dieses und jenes ist mir zuviel. Da gibt es noch andere Menschen. Man flieht vor dem Kreuz und denkt, diese und jene können es tragen, ich will mir einen anderen Weg suchen, wo ich doch auch meinem Gott noch besser dienen kann. Siehst du, warum Ich das Kreuz freiwillig tragen wollte? Ich wollte das Kreuz tragen ohne jegliche fremde Hilfe, so lange, bis Ich zusammenbrach, so lange, bis Meine Feinde sähen, daß Ich unterwegs erliegen und sterben würde, und um das Vergnügen zu haben, Mich sterben zu sehen, sich genötigt sahen, Mir einen Gehilfen mitzugeben.

Aber dies alles hat seine hohe wichtige Bedeutung für die Menschheit. Solange du, o Christ, das Kreuz tragen kannst und solange du es in Vereinigung in Mir tragen wirst, werde Ich dir die Kraft dazu geben, und du sollst nicht verlangen, daß andere dir helfen, dir dein Kreuz zu erleichtern und Mich nicht nötigen, dir durch andere Hilfe zu verschaffen. Wenn du je so schwach sein solltest, unter dem Kreuz zu erliegen, ja dann soll es dir erlaubt sein, Abhilfe zu suchen. Siehe, deswegen wollte Ich den Simon von Cyrene haben, aber bedenke wohl, es war bereits die Hälfte Meines Weges zurückgelegt.

O wie unglücklich sind alle jene, die sich ihr Kreuz erschweren, die es wohl aus freiem Willen gewählt und mit reifer Überlegung übernommen haben, alsdann aber wegen der damit verbunden Lasten nicht tragen wollen. Wie erschweren sie sich die Last! Um wie vieles leichter würden sie gehen, wenn sie tagtäglich auf Mich schauten, wenn sie bedächten, daß Ich ihnen vorangehe, und daß sie Mir nur folgen. Nur vorwärts! Oben auf Kalvaria ist der Ruhepunkt! Von dort aus werde Ich alles an Mich ziehen. Nur von dort aus werden auch sie alles an sich ziehen, alle ihre bösen Leidenschaften, alle ihre üblen Launen werden sich ihnen zu Füßen legen und sie werden über dieselben triumphieren. Und nun lebe wohl, Meine Tochter, bis Freitag komme Ich wieder.“

51 Erster Donnerstag im März 1896

„Wie es jenen durch Leiden niedergedrückten Seelen ohne die heilige Kommunion zumute sei.“

Diese ganze Woche hatte ich mir vorgenommen, auf die innere Stimme gar nicht mehr zu achten, weil ich infolge des Drängens anderer selbst in Zweifel und Ängsten war, da mir immer noch die Sicherheit von seiten der Obrigkeit fehlt. Darum bat ich den Heiland gar sehr, mir doch zu helfen in meiner Not. Und ich hörte die Worte:

Jesus: „Ich habe dir dieses Leiden nicht ohne deine Zustimmung gegeben, und Ich werde es dir darum wieder abnehmen, sobald du es aufrichtig verlangst.“

Ich weiß also, daß ich mich nur abzuwenden habe vom lieben Heiland, und mein Leiden hört von selbst auf. Darum wandte ich mich an die liebe Mutter Gottes mit der Bitte, mir doch zu Hilfe zu kommen. Und Sie kam mir zu Hilfe und sagte:

Maria: „Meine Tochter! Besinne dich! Weißt du nicht, unter welchen Umständen Mein Sohn dich bat und einlud Ihm zu folgen?“

Barbara: „Ja, ich weiß es wohl noch.“

(Er war mir nämlich dreimal erschienen, ein langes Kreuz nachschleppend, dicke Tränen von Seinen Wangen rollend.)

Maria: „Weißt du auch, was das Kreuz auf Seinen Schultern bedeutete und die dicken Schweißtropfen auf Seinem heiligsten Angesicht?“

Barbara: „Ja, ich erkannte daraus wohl, daß, falls ich meine Einwilligung Ihm gebe, ich einen schwereren und härteren Weg zu gehen haben werde als seither.“

Maria: „Ja, das ist so. Du sollst aber auch wissen, was die dicken Schweißtropfen bedeuten. Es sind die Leiden, die Ihm Seine Feinde bereiten, die Ihm Tag für Tag Seinen eucharistischen Kreuzweg erschweren. Dich hat Er nun erwählt, daß du mit Ihm diesen eucharistischen Kreuzweg teilest, um Ihn zu trösten. Harre aus, Meine Tochter, entziehe Ihm diesen Trost nicht! Was meinst du wohl, warum Mich der himmlische Vater nicht, wie Meinen Bräutigam, den heiligen Josef, zu Sich rief, bevor Mein Sohn diesen schmachvollen Tod sterben mußte?

Siehe, deswegen nicht: Um unter Seinem Kreuze stehen zu können, die Schmach mit Ihm zu teilen und Sein Herz durch Meine Gegenwart zu trösten, denn wo Sein Blick hinfiel, sah Er Seine Feinde. Siehe, dies sollst auch du sein in Seinem eucharistischen Leben. Laß dich nicht irremachen; es ist alles nicht so bös gemeint, was man dir nachredet.“

Barbara: Am Schluß hörte ich noch die Worte: „Du wirst sehen, daß Ich Wort halte!“

Vom Beginn der heiligen Fastenzeit an lag Barbara krank zu Bett und konnte die heilige Kommunion nicht empfangen bis zum zweiten Donnerstag in der Fastenzeit, wo sie sich aufraffte und zur Kirche ging. Unmittelbar nach der heiligen Kommunion sagte sie zu Jesus:

Barbara: „Ich war doch diese Woche so undankbar gegen Dich, o mein Jesus. Wie kommt es denn nun, daß ich mich vor Dir nicht fürchte, während ich es doch nicht einmal wage, den Menschen unter die Augen zu treten?“

Jesus: „Da siehst du, wie gut Ich bin, wie Ich die Menschen anziehe, daß sie sich nicht vor Mir fürchten. Das ist die Liebe und Güte Meines Herzens, die sich dir mitteilt. So bin Ich aber gegen jeden Menschen. Deshalb will Ich, daß auch anderen das Glück der heiligen Kommunion zuteil werde, und Ich ließ dich deshalb diese Woche auch fühlen, wie es jenen durch Leiden niedergedrückten Seelen ohne die heilige Kommunion zumute sei. Denn was der Mensch ohne Mich kann, hast du diese Woche an dir gesehen. Sage den Schwestern in N., Ich habe es ihnen schon gesagt, wie sie es machen sollen, daß nicht so viele an der Schwindsucht sterben. Sie sollen nur Mein Wort befolgen und dann sehen, ob Ich nicht helfe. Ich habe aber auch keine Freude an dem zu vielen Studieren; denn die zu große Weltweisheit trägt Mir wenig Ehre ein.“

52 Herz-Jesu-Freitag im März 1896

„Siehe, nicht Ich wollte ihr Verderben, sondern sie wollten es selbst!

Lied: Sieh deinen Heiland sterben...

Barbara: „Hochgelobt und angebetet sei Jesus Christus im Allerheiligsten Altarsakrament, der uns Sein heiliges Leiden und Sterben vergegenwärtigt, kommt, laßt uns Ihn anbeten! O mein Jesus, Du Bräutigam meiner Seele! Wie muß ich Dir danken, daß Du meinen Undank vergißt und Dich nicht abwendest von mir armen Sünderin, die ich doch so viel Dich beleidigt und gekränkt habe durch meine Bosheit und meinen Undank. O wie armselig und menschlich war ich doch!“

Jesus: „Ja, es ist wahr, Meine Tochter! Aber Ich kenne die menschliche Schwachheit, Ich kenne Meine Kinder, Ich bin solche Dinge gewohnt, solche Auftritte Meiner allertreuesten Kinder. Schon vom ersten Augenblick an, als Ich unter ihnen weilte, kam Mir das Tag für Tag vor und so wird es bleiben, solange Meine Kirche besteht, solange Ich unter ihnen gegenwärtig bin auf Erden. Darum raffe dich auf, vergiß die Erlebnisse dieser Woche und höre, was Ich dir mitteilen will:

Es ist nicht böse gemeint von denjenigen, die über dir stehen, die Ich dir zu Vorgesetzten, zu Stellvertretern gegeben habe, die also Meine Stelle bei dir vertreten, wenn sie dich abstoßend und ungläubig behandeln. Sie müssen dies anderen gegenüber tun, die sich vielleicht auch einbilden, auf besondere Weise in Verbindung mit Mir zu stehen, die Ich aber weder dazu berufen habe, noch in der Lage sind, auch nur etwas so an ihnen vollbringen zu können. Siehe, solche Menschen müssen von Meinen Dienern hart behandelt werden, sie müssen harte Wege gehen, weil sie die Wege wandeln müssen, die Ich gegangen bin, Ich der wahre Sohn Gottes, der wahre Sohn des himmlischen Vaters.

Darum laß dich nicht irremachen von den Reden Meiner Diener, die es gar nicht böse mit dir meinen. Ich habe dir gesagt im allerersten Anfang, als Ich mit dir reden wollte, daß du nur der Briefträger sein sollst. Du sollst die Botschaft überbringen an sie, an Meine Diener, die Ich ihnen geben will. Du bist nur das Sprachrohr, durch welches Ich zu ihnen spreche. Es ist alles vorbereitet von den Gottlosen, vom Reich des Satans, um Mein Reich zu zerstören. Es ist alles vorbereitet, weil die Welt gottlos geworden ist und die Menschen den Arm Meiner göttlichen Gerechtigkeit herausgefordert haben, und es bedarf nur noch eines Winkes, und der Sturm soll losbrechen, auf den die Völker mit Furcht und Zittern hinschauen.

Der Baum Meiner Kirche soll wieder einmal geschüttelt werden und die unzeitigen Früchte davon losgemacht werden und losgelöst zu ihrem Verderben, weil sie nicht hören auf Meine Stimme, weil sie es selbst so gewollt haben. Darum sollen sie in ihrem eigenen Elend verfaulen und zugrunde gehen, da sie nicht die Stimme hören wollen, die zu ihnen spricht durch Meine Diener, durch Meine Kirche, die Diener der katholischen Kirche. Siehe, nicht Ich wollte ihr Verderben, sondern sie wollten es selbst! Jahr um Jahr warte Ich, gehe Ich um diesen Baum herum und suche Früchte und finde sie nicht.

Es soll aber auch die Zeit vorbereitet werden, die darauf folgen soll, und nicht blindlings sollen Meine Diener hineinkommen in jene Zeit; denn wie das Abfallen der Christen nur nach und nach vor sich geht – es nur durch das lange und absichtliche Sündigen zum Abfallen gekommen ist –, so soll auch das Aufstehen wieder nach und nach vor sich gehen, und Meine Diener sollen wissen, daß es durch sie geschehen soll. Sie sollen Meine Kinder bearbeiten und vorbereiten auf jene Zeit, die alsdann kommen wird nach jenem Sturm, der über die Völker hereinbrechen wird. Ich will einführen die Zeit des Friedens. Ich will wandeln mit Meinen Kindern, Ich will sie liebkosen und trösten für all den Schmerz, den sie mit Mir erduldet, für all die Leiden, die sie mit Mir ertragen haben unter dem Kreuz, und sie sollen kosten und sehen, wie gut Ich bin.“

Barbara: „Mein Jesus, Du hast mir allen Undank verziehen. O wie danke ich Dir. Ich will mich fernerhin nicht entziehen dem Leiden, ich will nicht länger undankbar sein und mich weigern. Ich muß es zu meinem Schmerz gestehen, ich war boshaft diese Woche, ich forderte Deinen Zorn heraus. Das konnte ich deutlich sehen, weil Du gestern so schnell von mir fortgingst. O verzeih!“

Jesus: „Ja, Ich habe dir verziehen, Meine Tochter!“

Barbara: „O ich bitte Dich für alle Jungfrauen der Stadt M., daß sie morgen und die kommenden Tage eine recht gültige Beichte verrichten und viele sich entschließen, Dir besser zu dienen. Ich bitte Dich insbesondere für meine zwei Mitschwestern. O schließe das Band enger, ich habe gesehen, was ohne sie aus mir würde.

Längst hätte ich alles über Bord geworfen, weil ich den Dienern der Kirche immer mehr glaube als mir selbst und dem, was in mir vorgeht. Segne sie, umschlinge das Band, befestige es in Deinem Herzen. Gib, daß alle Menschen Dich erkennen und gib, daß diejenigen, die davon wissen, Dich um so mehr lieben und Deinen Willen erfüllen. Gib, daß unser Häuflein zunimmt und sich nicht hänge an Freuden und Güter dieser Welt, daß sie zunehmen an Gnade und Weisheit und erfüllen, was Du verlangst, denn Du willst Anbeter, Sühneopfer, Mithelfer Deines eucharistischen Lebens.

Jesus: „Und sage all diesen, die an Mich glauben, die glauben, daß Ich mit dir rede, besonders deiner Familie und der Familie von Luise, sie sollen nicht mutlos werden und nicht auf eine kurze Spanne Zeit hinsehen; denn wie ein Senfkörnlein, das in die Erde gesenkt wird, nicht in einem Augenblick zu einem großen Baum wächst, so soll alles, was Ich mit dir rede, was Ich durch dich Meiner Kirche verheiße, nicht mit einem Schlag in Erfüllung gehen, sondern nur nach und nach sich entwickeln, damit dadurch um so fester begründet werde der Glaube, die Demut, die Liebe; denn die Menschen sind gar schwach, gar vergeßlich, was sie gestern erhalten, vergessen sie heute wieder, morgen möchten sie wieder eine andere Gnade. Ich möchte ihnen nicht das Verdienst rauben durch den beharrlichen Glauben, durch die Beharrlichkeit in ihren Bitten. Habe Ich dieses ihnen nicht schon gesagt, als Ich auf Erden lebte, habe Ich ihnen das nicht angedeutet in jenen Worten, die Ich zu Meinen Aposteln und durch sie zu allen Menschen in der ganzen Welt redete:

Wenn ein Freund in der Nacht zu seinem anderen Freund geht und ihn um Brot bittet, weil sein Freund zu ihm gekommen ist und er nichts habe, um ihm aufzuwarten, und jener Freund nicht nachgeben will, weil er schon in seiner Schlafkammer bei seinen Kindern ist und nicht gestört sein will, aber endlich doch nachgibt, nicht, weil er sein Freund ist, sondern wegen seines Ungestümes, das er gern los wäre. Siehe, das soll für alle Zeiten gelten und für alle Orte.

Es war dies auch für jenen Freund bereits etwas Überflüssiges, denn er dachte bei sich selbst, was soll ich mir Mühe machen, um diesem Menschen seine Bitte zu gewähren und ihm aus der Verlegenheit zu helfen, weil er jenem Menschen nicht genug vorzusetzen hat, und doch gab er nach und gewährte ihm seine Bitte. Warum sollte auch Ich meinen Kindern die Bitten nicht gewähren, die sie an Mich richten, wenn sie ungestüm kommen, obwohl Ich auch einsehe, daß viel Überflüssiges sich in jenen Häusern befindet, was nicht zu Meiner Ehre beiträgt, und darum Meine Kinder früh hinweggerafft werden durch den Tod. (Gilt von den Schwestern in B., wo viele sterben.) Siehe, das lasse Meine Dienerinnen wissen.“

Barbara: „Ich danke Dir, o Herr, für all Deine Belehrungen, denn jedes Deiner Worte ist wichtig und von großer Bedeutung für uns arme Erdenpilger.“

Jesus: „Ja siehe, deswegen sprach Ich alles in Gleichnissen zu Meinen Aposteln, weil die Gleichnisse zu allen Zeiten gelten sollen, und weil Ich immer zur rechten Zeit und am passenden Ort sie aufklären und erschließen will, manchmal durch Meine Diener, manchmal durch ein ganz unwürdiges Werkzeug, wie du es bist. Ich werde deine Bitten gewähren, Meine Tochter. Ich werde deine Familie segnen und nicht zulassen, daß eines davon verlorengehe, wie Ich dir längst versprochen, denn alle ihre Kinder und Kindeskinder werden gläubige Christen sein. Siehe, du verstandest es nicht, als Ich sagte, daß Ich Selbst deine Schwester N. in den Ehestand geführt habe. Dieser ihr Gatte ist ein gottesfürchtiger Mann und nicht so, wie du befürchtet hast. Ich ließ diese Furcht zu und verhüllte dies vor deinen Augen, damit du durch deine scharfen Reden (ihr gegenüber) alles, auch den leisesten Gedanken zu einer Sünde verhindern möchtest.

Das ist es auch, warum Ich durch Meine Diener dir manchmal scharfe Worte zureden lasse, um in dir die Neigung zum Stolz abzuhalten. Das ist auch der Grund, warum Ich dir Meine Führung mit deiner Schwester zum Ehestand verhüllte. Sie wäre für diesen jungfräulichen Stand zu schwach gewesen. Ich bin es, der alle Seine Kinder kennt und der überall das Beste will. Darum führe Ich diese zum Ehestand und jene zum jungfräulichen Stand, diese in den Priesterstand und jene in den Ordensstand. Und darum lasse Ich es hie und da vorkommen, daß auch unter Meinen Dienern Wölfe in Schafskleidern kommen, die dann austreten und die Herde zerfleischen; dies allen anderen zum warnenden Beispiel. Dadurch gewinnen andere, dadurch werden sie behutsamer. Viele, die lau und kalt geworden, werden dann wachsamer, und so wird alles Mir wieder ersetzt, was durch ausgeartete und abgefallene Priester Mir zugefügt wird und verdorben wird. Ich verspreche dir auch und durch dich allen, die sich an euch anschließen, daß viele, viele Seelen gerettet werden, besonders durch das Priestertum. Ich wiederhole, was Ich schon öfter gesagt:

Der Damm muß aufgerichtet werden von Priestern und Laien, vom Volk und Priestern, durch Wort und Beispiel, durch Gebet, Opfer und Sühne. Das Volk soll die Priester unterstützen, die Priester aber das Volk begeistern.

Die Priester sollen die Säulen sein, auf die das Volk sich stützt, und das Volk soll die Schleusen bilden, wodurch das unreine Gewässer und aller Unflat durchgesiebt wird, das heißt, es werden gar viele, viele noch sein unter dem Volk, die nicht hören wollen trotz aller Mühe der Priester, trotz allem Gebet der Gläubigen, die dennoch nicht hören, die auf ihrem schlechten Weg fortgehen, diese sollen durch die Schleusen gehen und in den Abgrund stürzen, da sie es selbst so wollen. Priester und Volk sollen nicht irre werden und sich nicht ärgern, wenn sie sehen, daß so viele durch die Schleusen hindurchgehen; sie sollen nur fortfahren. Und siehe, am Ende ihrer Laufbahn, o wie glücklich, wie glücklich sind sie dann. Du hast gesehen, wie Ich sie aufnehmen will mit offenen Armen.“

Barbara: „Darum auf, meine Schwestern, auf, meine Brüder, laßt uns umfassen das Band, das Er um uns drei geschlungen, laßt uns festhalten an diesem Band; es ist das Band der Liebe. Am heiligen Fronleichnamstag hat Er es geschlungen.

Es ist das Band der Liebe zur heiligen Eucharistie, zur heiligen Kommunion, und alle, die sich an diesem Band anfassen und festhalten, werden nicht verlorengehen. Seht, ihr Diener der Kirche, täglich soll dieses Band mehr ausgebreitet, täglich mehr vergrößert werden, und ihr seid diejenigen, die es vergrößern sollen, die Tag um Tag ein Stück sollen hinzusetzen. O freut euch und frohlocket, werdet nicht müde, denn euer Lohn ist groß im Himmel.“

Lied: Hochpreiset meine Seele den Herren...

53 Erster Samstag im März 1896

Es war niemand da, der aufschreiben konnte. Jesus sagte ungefähr:

Jesus: „Siehe, wir treten in die österliche Zeit ein, da in der Frühe die Jungfrauen ihre Osterkommunion verrichten. Da siehst du, daß Mein Leiden ein ganz kirchliches ist. Du brauchst aber nicht mehr viel davon zu sagen. Meine Diener schaden sich sehr, da sie es immer noch nicht annehmen und so Meine Gnaden hemmen. Ich komme, damit du mit Mir leidest wegen der schlechten Kommunionen.“

54 Zweiter Donnerstag im März 1896

Barbara sah Jesus das Kreuz tragen und Er forderte sie auf, Ihm nachzugehen. Sie mußte über viele Risse und Sprünge und Gräben, und als sie nicht wußte, wie darüberkommen, drehte Sich Jesus um und sagte, sie solle Sein Kreuz über die Sprünge und Gräben legen und dann darüberschreiten. Die Sprünge und Gräben bedeuten die Versuchungen, Zweifel und Ängste.

55 Zweiter Freitag im März 1896

Lied: O du hochheilig Kreuze...

Es ist Finsternis geworden, da die Juden Jesus an das Kreuz geschlagen. Jesus fällt das erste Mal unter dem Kreuz. Jetzt begegnet Ihm Seine betrübte Mutter. Dann sinkt Er wieder zusammen und niemand ist da, der Ihm das Kreuz tragen will.

Barbara: „O Jesus, ich will Dir helfen, das Kreuz zu tragen. O so nimm doch auch mein Herz ganz für Dich, nichts mehr für die Menschen, nichts mehr für mich.“

Unter den vielen Tausenden sind keine einzigen, die nur mit einem Wort an Ihn glauben; nur Seine heilige Mutter und die frommen Frauen. Jetzt kommt die heilige Veronika mitten durch und schämt sich nicht vor den Vornehmen und auch nicht vor den Ruchlosen.

Jesus: „Siehe, Meine Tochter! So wie Ich der heiligen Veronika den kleinen Liebesdienst belohnt habe durch den Abdruck Meines Antlitzes, so werde Ich auch euch belohnen. Die heilige Veronika erneuert sich immer an Meinem Angesicht, um auf dem Tugendweg voranzuschreiten. So will Ich euch auf die höhere Stufe der Vollkommenheit führen.

Du sollst nicht müde werden, Mich offen und frei zu bekennen vor Meinen Dienern, wenn auch alle es nicht tun. Gehe ruhig weiter und verlasse die Bahn nicht mehr, die du betreten. Wenn die heilige Veronika auf dem Tugendpfad mutlos ward, so ging sie in ihr Kämmerlein und schaute Mein heiliges Antlitz.

So tue auch du, Meine Tochter, und gehe hin, wo du Mich findest, im engen Tabernakel. Deine beiden Freundinnen sollen nicht mutlos werden, wenn es Gerede gibt unter den Menschen. Betet, leidet und opfert für die Sünder, die es nicht mehr tun. Ich will all eure Unvollkommenheiten vergessen, wenn ihr tut, wie Ich euch gesagt. Haltet fest an dem Band, das Ich um euch geschlungen, das von dem Tabernakel aus- und wieder zurückgeht in den Tabernakel. Ich werde euch nicht verlassen. Es gibt viele, die mit Mir leiden, aber nicht den eucharistischen Weg gehen. Verstehst du das?“

Barbara: „Nein!“

Jesus: „Siehe, das ist so gemeint: Ich lasse Mich von Meinen Dienern im Allerheiligsten Altarsakrament hintragen, wohin sie wollen, arm und unscheinbar will Ich dort leben, will Mich niemand aufdrängen. So sollt auch ihr unbekannt und still euer Licht leuchten lassen, ob man euch tadelt oder lobt oder euch verachtet. Ihr sollt nicht auf euer Wohl sehen, sondern auf das Wohl anderer, um sie Mir zuzuführen. Darum gehe hin, wenn es dir schwer ums Herz ist und betrachte das Bild, das dir gezeigt worden ist.“

Barbara rief dann die Heiligen um ihre Fürbitte an für die Priester und die heilige Kirche, und sie durfte einen Blick tun, wie unsere Gebete mit denen der Heiligen vereinigt, so wirksam das Herz Gottes durchdringen und wie innig unsere Verbindung ist mit den Heiligen und deren Freude, wenn sie von uns angerufen werden.

56 Zweiter Samstag im März 1896

„So sollte Ich auch die Mithelferin sein zur Gründung der neuen Kirche, denn aus einem jungfräulichen Leib sollte sie hervorgehen.“

Lied: Christi Mutter...

Jesus: „O ihr alle, die ihr vorübergeht, stehet still und sehet, ob ein Schmerz dem Meinen gleicht.“

Treue Freunde haben den Leichnam Jesu, nachdem Er vom Kreuze abgenommen, in den Schoß Seiner jungfräulichen Mutter gelegt.

Maria: „Komm, Meine Tochter, jetzt kannst du die Wunden sehen, die Er aus Liebe zu dir empfangen hat.“

Barbara: Und Sie nimmt die Dornenkrone von Seinem heiligen Haupt und Sie wäscht Seinen heiligen Leib, das Blut aus den Wunden, und Sie legt die Hand auf Sein Herz, ob vielleicht noch etwas Leben sich darin fände, aber alles ist dahin. Alles ist dahin. Ihr Jesus ist nicht mehr da, dieses Herz, das so oft und so warm Ihr entgegenschlug.

Maria: „O Mein liebes Kind! O Mein Jesus, Mein allerliebster Sohn! Zum letzten Mal soll Ich Dich in Meinen Armen auf Meinem Schoß besitzen. O ihr Menschen, habt Mitleid mit Meinem Mutterherzen. Zerrissen ist Mein Herz in tausend Stücke, denn alle Wunden, die Mein liebes Kind an Seinem hochheiligen Leibe trägt, trage Ich in Meinem Herzen.“

Barbara: Und in stiller Trauer, unter bitterem Weh, helfen die mitleidigen Seelen zusammen, um Ihm die letzte Ehre zu erweisen. O welch ein Schmerz auf aller Angesicht, ihr Herr und Meister, ihr geliebter Freund, ihr größter Wohltäter, ihr allerweisester Lehrer, sie sollen Ihn zu Grabe begleiten. Und jetzt bringt man eine Bahre, und noch einmal drückt Sie Ihren Mund auf Seine blassen Lippen und auf Seine heilige Seitenwunde, und unter vielen Tränen geleiten sie Ihn zum Grabe. Aber wie erhaben, mit welch ruhiger Haltung, mit heiligem Ernst, geht Sie einher, die heiligste, die jungfräulichste, die allerbetrübteste Mutter.

Maria: „Ja, weißt du auch, was Mich aufrecht hielt unter diesen namenlosen Schmerzen? Der Gedanke, warum ist Mein Sohn auf die Welt herabgekommen, warum ist Er Mensch geworden? Um uns zu erlösen, um alle an Sich zu ziehen, um das Reich Gottes aufzurichten in dieser Welt, um die Kirche zu stiften. Und so wie Ich die Mithelferin war zur Erlösung des Menschengeschlechtes, so sollte Ich auch die Mithelferin sein zur Gründung der neuen Kirche, denn aus einem jungfräulichen Leib sollte sie hervorgehen. Jungfräulich wie Ich sollte sie sein und darum brauchte sie Meine Stütze.

Wie sammelten sich die Apostel und die Jünger um Mich her, wie holten sie bei Mir Rat in all ihren Anliegen, wie flüchteten sie sich unter Meinen Schutz, wenn ihnen Gefahr drohte. Wie mußte Ich überall Mich hinwenden, schützend und helfend, ratend und vermittelnd, wo es nötig war; und das ist es auch, solange die Welt steht, denn deswegen ließ der himmlische Vater Mich noch so lange auf Erden, obwohl ich viel lieber mit Meinem Sohn aufgefahren wäre, weil die Kirche Meiner bedurfte. Deshalb habt keine Angst ihr Menschenkinder, fürchtet nichts! Mein Arm ist noch nicht verkürzt, Ich bin noch Dieselbe wie damals. In allen Stürmen werde Ich euch nicht verlassen. Denn obwohl die Feinde der Kirche zahlreich sind, ist aber auch das Gebet Meiner eifrigen Kinder noch nie so innig gewesen, noch nie so innig in der ganzen Welt, wie es jetzt ist. Noch nie wurden so viele Maialtäre errichtet zu Meiner Ehre, wo sich Meine Kinder versammeln zum Preis und Lob Meines Sohnes, wie auch zu Meiner Ehre.

Und wie freut Sich Mein Sohn und die ganze Allerheiligste Dreifaltigkeit, daß dieser große Papst Leo XIII. dem Maimonat noch einen anderen zu Meiner Ehre beifügte, den Monat Oktober. Ja, glaube Mir, die Kirche hat Meinen Sohn mit einem neuen Schmuck bekleidet durch ihr inständiges, anhaltendes Gebet, und sie soll nicht zuschanden werden. Eine Bewegung ist unter den Völkern, die Gnade wirkt vielfach in Herzen, wo sie seit langem keinen Eingang mehr finden konnte, wo nie mehr an das Ewige, an das Letzte gedacht wurde, an die Ewigkeit, und es kommen viele zur Einsicht, es geht nur ganz allmählich.

Darum nur nicht verzagen, vereinigt euch mit Mir, ihr Menschenkinder. Am großen Gerichtstag werdet ihr sehen, was euer Gebet genutzt hat.“

Barbara: „O liebe Mutter! Dein Sohn hat mir am vorigen Freitag gesagt, wir sollten den eucharistischen Kreuzweg gehen. Ja, was soll denn das bedeuten, wie ist dies zu verstehen?“

Maria: „Ihr sollt den Spott der Welt nicht achten, auch wenn ihr keine Anerkennung findet, euch nicht irremachen lassen durch das Gerede der Menschen, ihr sollt nichts suchen als die Ehre Gottes und Seine Verherrlichung. Siehe, was tut denn Mein Sohn im stillen Tabernakel? Dort ist Er Tag und Nacht, ob einer kommt oder ob niemand kommt, ob man kalt an Ihm vorübergeht oder ob man Ihn liebkosend und freundlich besucht, mit liebevollem Herzen, mit guter Gesinnung. Er bleibt immer Derselbe, weil Er da ist für die Menschen, um von hier aus ihnen Gnaden zu spenden. So sollt aber auch ihr tun, ob es euch in eurem Innern schön zumute ist, ob Er liebevoll mit euch verkehrt, oder ob Er euch Trockenheit fühlen läßt. Das muß euch immer gleichbleiben. Denn nicht jener Weg ist der beste, der gut zu laufen ist. Man kommt über Steine und Klippen eher zum Ziel, als wenn man immer den schönen Weg gehen will.“

Barbara: „O mein Jesus! Für alle Belehrungen, für all die süßen, lieben Worte Deiner heiligen Mutter, wie danke ich Dir! Nur schade, daß ich so unwürdig bin und sie nicht so geben kann, wie Du sie zu mir sprichst. Du weißt, wie unbelehrt und wie unvollkommen ich bin. O nimm dafür mein armes Herz und meinen guten Willen hin. O mein Gott, hätte ich doch das Herz Deiner jungfräulichen Mutter! O könnte ich Dich doch lieben wie Dein Lieblingsjünger Johannes und wie die Büßerin Maria Magdalena. Könnte ich wie sie, o Herr, mich auf einen Berg flüchten, um nur Dir allein leben zu können.“

Jesus: „Das kannst du auch, Meine Tochter! Du kannst für Mich leben wie Meine Dienerin Maria Magdalena, wenn du nur willst. Du mußt dich immer so betrachten, als stündest du wirklich auf einem hohen Berg und sei alles, all die niederen Dinge, wonach die Menschen so sehr seufzen und ringen und jagen, tief, tief unter deinen Füßen. So mußt du all die Dinge anschauen, als stündest du auf dem höchsten Berg und als schautest du tief ins Tal und als sähest du die Menschen rennen nach zeitlichen Gütern und wie eitel und nichtig doch das alles ist.

Darum merke dir: Sobald du eine ungeordnete Regung verspürst in deinem Herzen, eine Regung des Zorns, der Ungeduld, der Lieblosigkeit, so erinnere dich an die Worte, die Ich heute zu dir gesprochen, als stündest du auf einem hohen Berg und schautest tief ins Tal und als ginge dich dies gar nichts an. Du mußt dich als einen Fremden betrachten, als seiest du ein Fremdling und als seien dir fremd alle diejenigen, die manchmal dir Ursache zum Fall werden könnten, als seien sie dir ganz fremde Personen. So wirst du leichter darüber hinweggehen; es wird dein Herz nicht berühren.

Du wirst dich leichter in dein Herz zurückziehen können; denn dein Herz soll der hohe Berg sein, in das du flüchten mußt, sobald du merkst, daß irgendeine Neigung dich abwärts ziehen will, und wenn du dieses tust, dann verspreche Ich dir, daß du wie Meine Dienerin Maria Magdalena Mir große Liebe erzeigen wirst, daß Ich dich aber auch in Wirklichkeit auf die Stufe, auf den Berg der Vollkommenheit hinaufführen werde. Merke dir aber:

Damit ist alles gemeint, was dich umgibt, alle deine Verwandten und Bekannten. Sie sollen dir so nahestehen wie jeder Fremde, und jeder Fremde soll dir so nahestehen wie jeder Verwandte. Du sollst dich über nichts mehr betrüben, wenn ein Unglück sie treffen wird, als nur über ihren Fall, wenn du hörst, daß sie sündigen und Mich beleidigen. Über alles sollst du hinweggehen, nur nicht über die Sünde. Diese sollst du mit Mir betrauern und bereuen und beweinen. Du sollst aber Mitleid haben mit jenen, die dies nicht einsehen. Du sollst leiden und sühnen und beten für die Sünder, die es nicht mehr tun und Ich werde dir ein gnädiger Richter sein.“

Barbara: „O Herr, ich empfehle Dir alle Jünglinge, die morgen ihre Osterkommunion verrichten. O mein Jesus, laß doch nicht zu, daß einer unwürdig hinzutritt, ganz besonders bitte ich Dich für die Pfarrei I. und E., für die Diözese W. und M. Ich empfehle Dir alle Priester, die jetzt so viel zu tun haben im Beichtstuhl, ganz besonders N. und N., und alle ihre Brüder in der ganzen Welt, wo ein Zweig dieses Ordens sich befindet, für jedes einzelne Mitglied, und bitte Dich, ihnen Deine Gnade zu verleihen, daß alle, die ihre Beichte bei ihnen ablegen, auch solche gut verrichten. Ich bitte Dich für alle klösterlichen Genossenschaften in der ganzen Welt, für welche Du willst, daß ich beten soll, für alle verfolgten Christen in Armenien, wo so viele sterben müssen, besonders für jene Missionare, die den Tod erdulden.

O mein Jesus, laß dieses Blut neuer Samen werden zu neuem Christentum, wie Du immer getan, seit Du auf Erden warst, für alle Sekten, daß Du sie zurückführest zur wahren Kirche, daß sie ihren Irrtum einsehen, damit ein Schafstall und eine Herde werde und alle Dich anbeten im Allerheiligsten Altarsakrament.“

Luise bittet den Herrn darum, daß ein gewisses Heilmittel für die Missionare nicht abgeschafft wird, weil diese es dringend für Kranke benötigten.

Jesus: „Alles Gute soll zerstört werden, aber sie werden nicht überall siegen. Ich werde die gute Sache zu schützen wissen.“

Barbara: „In der Pfarrei I. geht doch morgen keiner unwürdig, das war am Sonntag nicht so, denn unter den Mädchen gibt es viele leichtfertige Seelen. O welch großer Schmerz für Dich. Sie sind so zum Guten geneigt, aber auch zum Bösen. Ich bitte Dich auch für den verstorbenen N.“

Jesus: „Du bekommst keine Armen Seelen bis Karfreitag.“

57 Dritter Donnerstag im März 1896

„Der Schutzpatron aller derjenigen zu sein, denen es Ernst ist mit ihrer unsterblichen Seele.“

Lied: Wenn wir ein Lied voll Liebe, dir, heiliger Josef, weihen...

Barbara: „O mein Jesus! Heute feiert die Kirche das schöne Fest Deines glückseligen, heiligen Nährvaters Josef! Ich danke Dir noch einmal für alle Gnaden, die Du mir gestern durch seine Fürbitte zukommen ließest. Du hast mir gezeigt, daß alle meine Bitten gewährt sind oder noch werden durch Deinen glorreichen Nährvater. So erwarte ich auch von Dir, daß N. doch endlich einmal alle Zweifel hintansetzt und glaubt, daß Du es bist, Der mit mir spricht. Du willst, o Herr, nach den Worten, die Du mich schon vor langer Zeit wissen ließest, daß es bekannt werden soll unter den Priestern. Also soll es doch nicht als ein Geheimnis betrachtet werden und unter uns bleiben. So füge es doch, o Herr, daß N. zum Glauben kommt, daß Du es bist, Der mit mir spricht. Jetzt sehe ich den heiligen Josef.

Wahrscheinlich willst du mich belehren, o heiliger Nährvater meines Herrn. Was willst du mir denn sagen, rede, o heiliger Josef, deine arme Dienerin hört.“

Josef: „Merke dir: alles, was sich darauf bezieht, die Ehre Gottes zu fördern und das Wohl unserer Mitmenschen, kann keine Erfindung eines menschlichen Geistes sein, noch von einem anderen Geist beeinflußt sein als vom Geist Gottes. Dies war mein Grundsatz in meinem sterblichen Leben.

Ich floh den Umgang mit den Menschen, so gut es ging, in meiner Jugend. Ich suchte die Einsamkeit auf, um meinem Gott besser dienen zu können, um Seine Stimme, die zu mir wie zu jeder wahrhaft nach oben strebenden Seele spricht, besser in mich aufnehmen zu können. Mein ganzes Leben und Sterben war auf das Wohlgefallen Gottes gerichtet, die Sehnsucht nach dem verheißenen Erlöser erfüllte meine ganze Seele. Ich wäre bereit gewesen, mein Leben zu opfern, diesen Erlöser nur einmal zu sehen, und dann wollte ich gern sterben. Aber siehe, wie sehr der Herr diejenigen belohnt, die nichts suchen, als Gott zu verherrlichen und das Heil ihrer Mitmenschen zu fördern. Ich sollte Ihn nicht nur sehen, ich sollte Ihn nähren. Ich wurde zu Seinem Beschützer auserwählt, ich wurde an die Seite der allerreinsten, heiligsten Jungfrau gestellt, die diesen Erlöser gebären sollte, die von Gott, dem Vater, bestimmt war, die Miterlöserin des Menschengeschlechtes zu sein.

Und wie habe ich diese Aufgabe gelöst, meine Tochter! Ich scheute nicht die Menschen. Alle meine Brüder und ich stammen aus dem königlichen Geschlecht Davids. Sie alle schreckten jedoch vor einem geringeren Stand zurück und suchten immer, sich ein besseres und bequemeres Leben zu verschaffen; ich suchte genau das Gegenteil. Ich wollte mein Brot verdienen durch Arbeit meiner Hände, weil durch diesen geringen Stand ich mehr der Verachtung und Zurücksetzung preisgegeben war, und weil ich wußte, daß die Armen die bevorzugten Lieblinge Gottes sind. Darum wollte ich immer arm und unbekannt leben. Als ich aber einmal berufen war von Gott, der Nährvater Seines eingeborenen Sohnes zu sein, da unterwarf ich mich all den Mühseligkeiten, Leiden und Verfolgungen, die ich um dieses göttlichen Kindes willen auszustehen hatte. Siehe, ich mußte einen ganz menschlichen Weg gehen. Ich hatte anderen nicht das Geringste voraus.

Nur das Bewußtsein, daß ich meine Pflicht erfülle, das hielt mich aufrecht. Zwar hatte ich in meinem ganzen Leben viele und große Erleuchtungen, doch war ich ein Mensch wie du, Adamsschuld hatte ich abzubüßen wie du, aber ich ließ nie einen Gedanken in mir aufkommen, der nur an einen Zweifel auf Gottes Barmherzigkeit und unendliche Liebe gegrenzt hätte. Und auch da, als mir die Menschwerdung des Sohnes Gottes verborgen blieb und mich deswegen sehr betrübte, wankte doch mein Vertrauen auf Gott nicht.

Ich wollte nur all den Kummer und den Schmerz verbergen vor meiner jungfräulichen Gemahlin. Auch dachte ich, ich sei zu unwürdig, der Pflegevater des Sohnes des Allerhöchsten zu sein. Von jenem Augenblick an aber, wo ich durch den Engel belehrt wurde, kam kein Zweifel, kein Mißton mehr in meiner Seele auf. Unverwandt war mein Blick auf Denjenigen gerichtet, Der mir anvertraut war, auf den Sohn Gottes, auf meinen Gott und Herrn, und deswegen habe ich verdient, der Schutzpatron aller derjenigen zu sein, denen es Ernst ist mit ihrer unsterblichen Seele. Und ich sage dir, alle diejenigen, die sich unter meinen Schutz flüchten, sind gerettet.

Weil ich so treu war im Kleinen und treu war im Großen, darum soll ich auch der Schutzherr der Großen und Mächtigen sein, wie der Schutzherr jeder einzelnen Seele. Ich sage: Der Schutzherr der Großen und Mächtigen, ich meine damit die heilige Kirche, die mir anvertraut ist, der vielen Genossenschaften, die unter meinen Schutz gestellt sind, und seitdem ich das Glück genieße, in der Gesellschaft Desjenigen zu sein, der Sich würdigte, den Himmel zu verlassen und in meine Gesellschaft zu treten, ist meine Fürbitte eine allumfassende, bereits eine allmächtige.“

Barbara: „O heiliger Josef, so führe es denn auch zum guten Ausgang, was der Herr in mir niedergelegt und von mir verlangt hat. Hilf mir, heiliger Josef, daß es verborgen bleibt. Gern will ich leiden, gern das Opfer meines Leibes bringen zur Sühne für meine Sünden und die Sünden anderer, aber doch in stiller Verborgenheit. Siehe, ich suche ja nichts, gar nichts, als meinen Gott zu verherrlichen, Ihn zu lieben, Ihm zu dienen und Seelen zu retten. O erflehe mir doch die Gnade, daß ich nie mehr an etwas anderes denke als an das Wohlgefallen Gottes.

Siehe, ich habe durch nichts anderes diese Gnade erlangt als durch meinen felsenfesten Glauben, daß Jesus im Allerheiligsten Altarsakrament zugegen ist. Ich habe in der heiligen Kommunion Ihm diese Bitte vorgetragen und ich vernahm Gegenbitten, und dies bewirkte gegenseitige vertraute Unterhaltung, und als ich sah, daß Er alle meine Bitten erfüllte, war ich gezwungen zu glauben, daß Er es ist. Und so ging es fort, und ich kam auf diesen Weg.

O heiliger Josef, hilf mir doch, o hilf mir doch! Was kann ich denken, allein, weggestoßen von allen Priestern! Ist es wahr, daß es eine Krankheit ist? Warum meidet man mich? Warum werde ich als gefährliche Person behandelt, mit der man nicht in Berührung kommen darf? Speie ich denn Gift aus?“

Josef: „Was magst du auch wohl meinen? Freuen sollst du dich! Komm mit mir in das stille Häuschen zu Nazareth. Ich will dir zeigen, wie man da gelebt, und so mache es nach. Siehe, wie bescheiden, wie einfach, wie demütig der Sohn Gottes vom Himmel herabsteigt, ohne viel Geräusch, ohne auch zu prunken in den Augen der Menschen, und doch ist es der Sohn Gottes. Er war gekommen, die Menschen zu erlösen. Aber siehe, meine heilige Braut sagte mir nichts, auf welche Weise sie empfangen. Der Sohn Gottes kam zur Welt, Er fing an zu reden, fing an zu arbeiten, Er lebte mit mir dreißig Jahre lang, Er arbeitete mit mir, Er betete mit mir, Er aß und trank mit mir, und doch war alles dies so eingehüllt in die allertiefste Demut, daß ich nur im stillen Seine Weisheit bewundern mußte.

Er sprach nie von Seiner hohen Würde. Seine Unterhaltung war so hinreißend, so auf Gott, Seinen himmlischen Vater, ausgerichtet, daß man fortwährend studieren mußte, um das gleiche zu tun, um Ihn nachzuahmen, und man mußte – wie Er – ganz bescheiden sein, um Sein Reich gründen zu wollen. Siehe, so ist es mit allem, was von Gott kommt!

So wie Er Seinen göttlichen Sohn herabsandte auf die Welt, um die Welt an Sich zu ziehen und zu Gott zurückzuführen, jedoch dies alles so in einer ganz anderen Weise, so daß die Menschheit erkennen muß den Unterschied zwischen göttlich und menschlich, zwischen dem Reich Satans und dem Reich Gottes. Das entfaltet sich alles von innen heraus, während jenes sich nur von außen aufprägen will. So geht es auch mit deinem Auftrag. Es geht doch vor sich; sei unbekümmert. Das Wort Gottes ist wie ein Senfkörnlein, es wächst empor zu einem Baum.“

58 Fest Heiliger Josef am 19. März 1896

Am Schluß der neun Josefs-Mittwoche, als Barbara sich immer noch nicht in ihrem Hauptanliegen erhört glaubte, ging sie hin, sich bei ihm zu beklagen.

Barbara: „Du erhörst doch alle und siehe, ich will von allen meinen Anliegen absehen, aber darin erhöre mich doch, daß ich doch mein ganzes Leben nicht in Zweifel und Ungewißheit zubringen muß, daß ich doch eine Sicherheit erlange, ob ich nicht getäuscht bin und doch nicht immer in solcher Angst leben muß, während ich mich für Gott abmühe, am Ende doch getäuscht zu sein.“

Auf einmal ward sie in den Himmel entrückt vor einen unbeschreiblich schönen Thron. Sie meinte, man wüßte ihn kaum zu unterscheiden vom Throne Jesu Selbst, so herrlich war er. Der heilige Josef saß darauf und hatte einen großen „Schaff“ (Arbeit) mit aufgehäuften Bittschriften. Er nahm einen Zettel nach dem anderen in die Hand, und alle waren sehr eng und klein geschrieben, daß Barbara es nicht lesen konnte. Auf einmal bekam er einen in die Finger, wo mit großen Buchstaben darauf stand: ,Du bist erhört!’

Josef: „Siehe, das ist dein Zettel. Siehe, wenn ich andere erhöre, wie sollte ich denn dich nicht erhören, da das Heil so vieler von deiner Bitte abhängt und da ihr in dieser Bitte zu dritt vereinigt seid und eure Bitten nur das Wohlgefallen Gottes bezwecken?“

59 Dritter Freitag im März 1896

„Geräuschlos, ohne allen äußeren Schein, fängt es an, sich zu entwickeln.“

Lied: Wenn wir ein Lied voll Liebe, dir, heiliger Josef, weihen...

Josef: „Ich komme, meine Tochter, um die Fortsetzung auszuführen. Ich habe dich gestern in das Häuschen zu Nazareth geführt. Ich habe dir gezeigt, wie alles, was in der Welt geschieht, was Gott in der Schöpfung zum Wohle und Besten Seiner Kinder Großes wirken und anordnen will, um das Heil Seiner Kinder zu fördern, ganz unscheinbar vor sich geht, wie alles unscheinbar sich entwickeln muß, vom Kleinen zum Großen aufsteigen und nicht umgekehrt. Denn alles, was in der Welt geschah und geschehen wird, alles, was nicht von Gott ausgeht, fängt mit vielem Geräusch an, tritt mit großem Prunk auf, verliert mit jedem Tag von seinem Schein, den es um sich wirft, bis es eines Tages wieder verschwunden ist. So ist es aber nicht mit dem, was von Gott ausgeht. Geräuschlos, ohne allen äußeren Schein, fängt es an, sich zu entwickeln.

Der Lichtglanz, den es um sich verbreitet, wird heller, so daß sich Menschen an seinem Schatten laben können, und es faßt Wurzel und bleibt, wie es ist in Seiner Kirche. Deswegen wird die Kirche, die mein göttlicher Pflegesohn auf Erden gegründet hat, von Tag zu Tag herrlicher und kostbarer in den Augen Seines himmlischen Vaters, in den Augen aller Engel und Heiligen, des ganzen himmlischen Hofes, weil alles, was sich in ihr noch entwickelt, dies zum Besten und zum Wohl der Menschheit entwickelt, bestehen bleibt. Es fällt nicht wie das andere ins Nichts zurück, weil es von Gott ausgegangen ist und von Gott entweder durch sich selbst oder die Kirche oder eine andere Seele, die Er dazu bestimmt hat, zutage gefördert wurde. So ist es aber auch mit all dem, was ich mit dir rede.

Es soll dir und anderen zur Belehrung sein. Lerne von mir und ahme mir es nach. Siehe, ich wußte, daß der Sohn Gottes unter meinem Dach wohnt. Ich wußte, daß Er gekommen sei, die Menschheit zu erlösen, daß Er ein neues Reich gründen werde und mit diesem ein neues Priestertum, aber nie hätte ich auch nur gewagt, den leisesten Schritt zu tun bei jenen, die im Alten Bund von Gott gesetzt waren, die Menschen zu belehren, ich sage, nie hätte ich gewagt, ihnen einmal ihre verkehrte Herzensrichtung vorzuhalten. Dies alles überließ ich meinem göttlichen Pflegesohn. Er war bestimmt, Mensch zu werden und als Mensch die menschlichen Fehler zu rügen, und darum auch die Fehler jener Schriftgelehrten und jener Pharisäer.

Es ist gut, wenn die Priester das Wort annehmen, das der Herr durch irgendeine Seele zu ihnen spricht, wenn es dient zum Wohl der Menschheit. Aber dies alles muß so vor sich gehen, in solcher tiefen Bescheidenheit getan werden, daß einzelne nicht davon berührt werden. Besser ist es, wenn die Priester es unter sich selber tun. Diejenige Seele, die es dem Herrn gefallen hat zu erwählen, hat sich unbedingt einem geistlichen Führer zu unterwerfen und darf es nicht wagen, über den Wunsch dieses ihres geistlichen Führers einen Schritt zu tun; solange es dieser nicht für gut findet und diese Seele beauftragt, zu einem Dritten zu gehen, hat die Seele zu folgen, und zwar zu folgen ihrem Führer. Dies sage jener Person, die von dir wissen will, was sie zu tun habe in Betreff ihres Seelsorgers. Sie hat nichts zu tun als ihrem Führer zu folgen und zu beten im stillen, und wenn es Zeit ist und sie sich bewährt gefunden hat, dann wird ihr der Herr andere Wege zeigen, das heißt, er wird ihr entweder einen anderen Führer zuschicken oder sie von diesem befreien. Aber da soll sie sich nicht einmischen, sondern ihren Gott walten lassen.“

Barbara: „O heiliger Josef, ich empfehle dir die ganze katholische Kirche, alle Priester derselben, besonders, die den rechten Eifer nicht haben, die Ehre Gottes und das Heil der Seelen zu fördern. Nie mehr will ich es wagen, jemand zu tadeln.“

Josef: „Ja, dies wollte ich dich lehren. Ich habe nie die Pharisäer getadelt, obwohl ich so sehr gewünscht hätte, daß sie meinen göttlichen Sohn anerkannt hätten, obwohl der Schmerz mich frühzeitig verzehrte aus Liebe zu meinem göttlichen Pflegesohn und Schmerz und Mitleid mit Ihm, weil ich sah, daß Er von denjenigen am meisten zu erdulden hatte, die von Gott gesetzt waren, alles Göttliche zu fördern. Siehe, du hast gut getan während der ganzen Zeit, wo der Herr dir den Auftrag gab, es deinem Beichtvater zu sagen. Noch besser aber hast du getan, daß du dann folgtest und keinen Schritt getan, um dich hervorzutun. Besser war es und wird es sein, denn alles, was von Gott kommt, muß sich allmählich entwickeln.

Alle deine Worte haben doch nie an Wert verloren, wenn auch viele, wie du gemeint hast, verlorengingen. Denn die Worte, die der Herr haben will, daß sie weitergelangen sollen, daß sie an Seine Diener gelangen, die bewahrt Er schon für Sich, und das ist die Hauptsache. Alles andere dient mehr oder weniger für dich zur Belehrung, damit du nicht mutlos werdest auf dem steinigen Weg, den du zu gehen hast. Sage auch jener Person, sie soll nicht zuviel hin- und herwanken, sie soll kein Spiel treiben, sie ist kein Kind mehr. Sie soll sich entschließen. Der Herr legt niemandem einen Zwang auf, denn Er hat jedem Menschen seinen freien Willen gegeben und gesunde Vernunft. Urteile selbst und sieh, wie du tust, ich habe es dir gesagt.“

Barbara: „Ich empfehle dir alle Frauen der Stadt M., die morgen ihre Osterkommunion halten. O laß nicht zu, daß eine unwürdig hinzutritt. Siehe, o heiliger Josef, mit welchem Eifer die Kirche in Mainz drauflosstürmt. O bitte für die Priester, erflehe ihnen doch alle Gnaden, die sie brauchen, um recht viele Seelen zu gewinnen. Laß sie doch immer den rechten Kunstgriff finden.“

Josef: „Es ist aber auch nicht umsonst, meine Tochter. Die Priester sollen es sich nicht gereuen lassen, alle ihre Kräfte aufzubieten. Es ist doch ein ganz anderes Leben als vor Jahrzehnten, es ist ein ganz anderer Geist, der jetzt weht in den Herzen der Mainzer Christen und denjenigen, die noch einen Funken Glauben haben.

Es muß die Priester doch freuen und begeistern, mit welch warmer Liebe ihnen die frommen und eifrigen Christen entgegenkommen, ihre Bitten begleiten durch inniges Gebet, durch Opfer, durch Sühne. Die Priester in Mainz stehen nicht allein, denn auch sie haben, wie zur Zeit der ersten Christen, Helferinnen in den Frauen. Siehe, dies Beispiel wollte meine jungfräuliche Gemahlin der Kirche geben, der Kirche aller Jahrhunderte bis zum Ende der Welt. Sie wollte und mußte leben in der jungen Kirche, neben den Aposteln, den Jüngern und Priestern, um diese zu unterstützen, um ihnen zu raten und zu helfen, wo es nötig war.

Dem Frauengeschlecht soll, solange die Kirche steht, Maria das Vorbild sein. Warum ließ der Herr mich nicht leben, wo Er doch meine jungfräuliche Gemahlin leben ließ? Weil der Herr in dem Frauengeschlecht etwas niedergelegt hat, was es vor uns Männern voraus hat, einen heldenmütigen Opfermut. Siehe, ich war zu schwach.

Obwohl ich der Beschützer des Sohnes Gottes war, war ich doch zu schwach, all den Schmerz zu ertragen, den man Ihm bereitet hat. Ich konnte das Opfer nicht bringen, unter dem Kreuz zu stehen; deswegen mußte ich sterben. Dies soll N. wissen. Es wird seinen Mut beleben und seine Furcht verdrängen. Alles, was er an dir tut, ist ja recht vor Gott; denn er handelt ja auch in Seinem Geist und ihm wird nichts zur Schuld angerechnet, außer dieses, wenn er sich den Leiden entziehen will, wenn er sich zu schwach fühlt, die Leiden seines Berufes zu ertragen. Großmütig soll er das Kreuz umfangen, das ihm der Herr anbietet, und es wird ihn tragen. Nicht er braucht es zu tragen, das Kreuz trägt ihn. Mutig wird er durch alle Hindernisse hindurchgehen, die sich ihm in den Weg legen, wenn er die Zeit abwartet, bis es Gott, dem Herrn, gefallen wird, dich seiner Obhut zu entziehen.“

Barbara: „O heiliger Josef, ich danke dir für alle Belehrungen. Ich bitte dich auch für alle Priester, die meinem Gebet empfohlen sind. O heiliger Josef, es ist aber doch heute Freitag und ich habe nichts erfahren von meinem Herrn.“

Josef: „Warte bis morgen!“

Zur Botschaft, die der heilige Josef einer Person aus Bayern sagen ließ: Es hatte diese am Tage vorher zugereiste Person gesagt, daß sie große Schwierigkeiten mit ihrem Pfarrer habe. Als Barbara ihr nun die Antwort vom heiligen Josef überbrachte, da fing jene Person an vor Dank zu weinen und sagte, daß sie beim Abfahren nach Mainz zum heiligen Josef gesagt habe: „Nun, heiliger Josef, jetzt übergebe ich es dir, denn ich bin fast verzweifelt. Aber im Vertrauen auf dich will ich noch einen letzten Schritt tun und nach Mainz fahren und das Fahrgeld dir opfern, damit du mir durch Barbara eine Antwort zukommen läßt.“

Jesus: „Wenn die Priester, die in Meine heiligen Geheimnisse eingeweiht sind und sie Meinem Volk predigen, nicht glauben wollen, was sie doch lehren, daß eine Seele, deren Leben bezeugt, daß sie nichts als Gott sucht, durch den lebendigen Glauben zum Beschauen und von der Beschauung zur Vereinigung mit Mir kommt, dann sollen sie nur ja recht nachsichtig sein mit der ungläubigen Welt, die Meine Geheimnisse doch noch viel weniger begreifen kann als sie.“

60 Dritter Samstag im März 1896

„Mein Herz siehst du heute gespalten. Das ist die Zerrissenheit der Familie durch den Ehebruch.“

Lied: Siehe deinen Heiland sterben...

Jesus: „Ihr, Meine lieben, treuen Kinder, ihr, ach kommt, nehmet Teil an Meinem Schmerz! Seht die tiefe Wunde, welche die Sünde Mir schlägt! Weißt du, was sie bedeutet, die klaffende Wunde? Die Wunde in Meinem Herzen, die du heute siehst? Es sind die vielen unwürdigen Beichten, die abgelegt werden; aber nicht die Beichten allein, weil Ich auch in das Herz Meines Feindes eingehen muß, in das Herz, das Mir angehören soll, das aber ganz und gar Meinem Widersacher übergeben ist.

Es ist die Unaufrichtigkeit, mit der man sein Sündenbekenntnis ablegt. Wie viele Sünden werden heute gebeichtet, aber nicht so, wie sie an sich sind. Vieles beichten sie, aber nicht, daß sie einen Ehebruch auf dem Herzen haben. Sie beichten nur eine allgemeine Übertretung gegen das sechste Gebot, aber nicht, daß sie dieses im Ehestand und mit dem Ehestand vereinigt begangen haben. Siehe, das ist das große Verderbnis unserer Zeit, die Zerrissenheit der Familie; denn je mehr diese Sünde überhand nimmt im Ehestand, desto mehr weicht alles Glück und Zufriedenheit aus der Familie.

Und aus der Familie geht doch das Menschengeschlecht hervor, aus der Familie gehen die Kinder heraus in den Ordensstand, gehen die Priester hervor, die dann anderen das Evangelium predigen, die anderen mit gutem Beispiel vorangehen und ihnen den Weg zum Himmel zeigen sollen, die aber selbst angesteckt sind von dem Geist des Familienlebens und darum auch vielfach ihre Pflichten vernachlässigen.

Siehe, Meine Tochter, dies bedeutet die klaffende Wunde, ja dies bedeutet, daß du Mein Herz in der Mitte entzweit siehst. Mein Herz siehst du heute gespalten. Das ist die Zerrissenheit der Familie durch den Ehebruch. Ich habe Mann und Weib im Paradies zusammengeführt. Unbefleckt gingen sie aus Meiner Hand hervor. Sie haben aber den Ehestand damals schon zerrissen durch die erste Sünde. Ich stieg vom Himmel herunter und vermählte Mich mit Meiner jungfräulichen Braut, mit der heiligen Kirche, um dem Ehestand voranzuleuchten, um ihm voranzugehen, um der Welt zu zeigen, was der Ehestand ist. Aber alles ist verloren an diesem Geschlecht.

O daß es doch die Menschen erkennen möchten, wie gut Ich bin! Welche Nachsicht habe Ich mit diesem Geschlecht, wie freigebig bin Ich mit Meiner Gnade! Wie habe Ich gesorgt, daß sie Mein Wort hören sollen, daß sie es in reichlichem Maße hören sollen durch Meine Diener, die Priester der katholischen Kirche. Aber alles ist an taube Ohren gedrungen, alles ist vergebens. Darum teile Meinen Schmerz, Meine Tochter! Leide, opfere und sühne und vereinige dich mit Mir. Siehe, wie Ich Mich alle Tage für sie opfere, wie Ich nicht müde werde, durch die Hände der Priester Mich für sie Meinem himmlischen Vater darzubringen. Werde auch du nicht müde!“

Barbara: „O mein Jesus! Was ist denn die Ursache, o sag mir es doch, damit die Priester dagegen ankämpfen können?“

Jesus: „Die Hauptursache ist der Stolz! Stolz war ja auch die erste Sünde, weil die Menschen Gott gleich sein wollten. Stolz ist es auch jetzt, der diese Zerrüttung herbeigeführt hat, weil man sich zu groß fühlt, um sich einem Glauben zu unterwerfen, der längst aus alten Zeiten herstammt, der nur noch gut ist für die Armen und für die Dummen, und durch den Stolz gelangen die Menschen so zum Unglauben. Sie werfen eines nach dem anderen weg und begehen eine Sünde nach der anderen, bis der Geist ganz verblendet, die Sünde die Herrschaft über sie hat. Ich muß dann ein solches Herz verlassen, und wenn Ich einmal das Herz der Frau verlassen habe, dann ist das Herz des Hauses verlassen, denn die Frau, die christliche Frau, ist das Herz des Hauses, und gleichwie aus dem Herzen alle Sünden hervorgehen, so kommt aus der Frau und von der Frau alles Unheil in die Familie.

Siehe dir eine Familie an, wenn der Mann noch so ausschweifend ist, wenn er alles verpraßt im Wirtshaus bei Vergnügen, wenn er sein ganzes Vermögen verschleudert, ist aber die Frau noch auf gutem Weg, dann ist zwar der äußere Wohlstand zerrüttet, der innere bleibt aber fortbestehen. Denn die Frau ist es, welche die Kinder um so mehr zum Gebet anhält. Je mehr der Mann vernachlässigt, um so mehr betet die Mutter mit den Kindern und die Familie ist gerettet, ja, sie ist gerettet einzig und allein durch die Frau, durch das Herz des Hauses.

Und selten, ja äußerst selten geht ein Mann verloren, wenn er ein frommes Weib hat, auch wenn er alle Übeltaten der ganzen Welt begangen hätte. Siehe, das ist Mein Schmerz, den Ich dir mitteilen muß. Es drängt Mich, daß Ich ihn mitteile, denn Ich habe Mitleid mit dir aus zwei Ursachen, weil du auch von denjenigen für eine närrische Person gehalten wirst, die Gottes Stelle an dir vertreten und weil Ich dich fortwährend prüfe und prüfen muß, denn solange du auf dieser Welt lebst, bist du in der Prüfung. Aber siehe, dieses einzig und allein muß dich aufrecht halten, daß du wenigstens Meinen Schmerz teilen kannst, wenn du Mich liebst. Liebst du Mich denn, Meine Tochter?“

Barbara: „O Herr, warum fragst Du denn, ob ich Dich liebe? O laß mich nicht fallen, wie du Deine Aposteln fallen ließest. Ich habe ein Beispiel an Deinen Aposteln. Darum fürchte ich mich zu sagen, ja, Herr, ich liebe Dich. Du siehst ja in mein Herz. Vielleicht willst Du mich warnen vor einem tiefen Fall. O mein Jesus, nein, ich will Dich nicht mehr beleidigen, ich will aber auch nicht mehr wanken.“

Jesus: „Ja, das ist es, was Ich dir sagen will. Deswegen fragte Ich, ob du Mich liebst, denn Ich weiß, wenn du das erste Wort wieder aus dem Mund eines Priesters hörst, von deinem Beichtvater, dann gibst du dich wieder den Zweifeln hin, und davor will Ich dich warnen. Siehe, sie finden es nicht der Mühe wert zu untersuchen, ob es denn möglich ist, daß eine Person aus keinem anderen Grund, als nur um Mir zu gefallen, sich solchen Leiden übergibt.

Denn alle diejenigen, die andere betrügen wollen, haben immer einen Grund und eine Absicht, entweder, um etwas scheinen zu wollen oder um sich Schätze zu erwerben, die sie nicht besitzen. Da du nun beides nicht suchst und sie es dennoch verwerfen wollen und es nicht der Mühe wert halten, einen Schritt zu tun, bin Ich verpflichtet, Mich dir ganz deutlich zu offenbaren. Darum sei zufrieden und fürchte dich nicht, Meine Tochter. Harre aus, du stehst nicht auf schwindelnder Höhe, wie du glaubst, am Rand eines Abgrunds. Denn siehe, Ich habe dich umschlungen durch ein dreifaches Band. Ich habe dir zwei Schwestern gegeben, die dich festhalten sollen. Sie sollen an deiner Seite stehen, sie sollen sehen, was du ertragen mußt, damit sie auch dann feststehen, wenn etwas gegen dich geschleudert wird, und Ich halte das Band. Du sollst nicht fallen, Meine Tochter.“

Barbara: „O mein Jesus! Du Bräutigam meiner Seele! O nimm hin meine Seele mit allen ihren Kräften, meinen Leib mit seinen fünf Sinnen, mein Herz mit all seinen Neigungen. Alles für Dich, o Herr.“

Jesus: „Ja, ihr sollt Mich entschädigen, ihr sollt die klaffende Wunde Meines Herzens heilen durch den Schmerz, den ihr mit Mir teilt. Siehe, darum verlange Ich, daß neben dem Ehestand der jungfräuliche Stand bestehen soll, weil die Ehe zerrissen ist, zerrüttet die Familie. Deswegen verlangt Mein Herz so sehnlichst, daß Meine Diener, jetzt, wo die Wunde immer breiter und tiefer wird in Meinem Herzen, diesen Stand mehr ehren und hochachten, denn die christliche Familie ist ja Mein Herz, und da sollen Meine Diener es Meiner Mutter auferlegen, daß Sie ihnen mithelfen soll, daß dieser Stand zur Blüte gelange. Tun sie es nicht, dann sind freilich Meine Worte umsonst gesprochen.

Aber Ich weiß, daß sie es tun. Ich weiß, Ich habe treue Diener, und Ich rühme Mich ihrer. Sie sind Mein Stolz, sie stelle Ich Meinen Himmelsbürgern vor und dereinst, wenn sie ausgekämpft haben, sollen sie Platz nehmen an Meinem Herzen.“

61 Vierter Donnerstag vor Palmsonntag 1896

„Denn Ich allein wußte die Größe Seiner Liebe zu schätzen, die Er zu den Menschen trug.“

Lied: Wo eilst du Jesus hin...

Barbara: Ich sehe die liebe Mutter Gottes einsam dahinwandeln. „O liebe Mutter, die Kirche feiert morgen das Fest der Sieben Schmerzen. Ich will Dir darum alle meine Leiden aufopfern in Vereinigung mit Deinen Leiden und Ängsten und Seelenschmerzen, die Du die ganze Zeit Deines Lebens, besonders während des Lebens Deines lieben Sohnes getragen hast, von dem Tag an, da Simeon Dir weissagte, bis zu dem Augenblick, wo Dein lieber Sohn Seinen Geist in die Hände Seines Vaters gegeben hat, all die Seelenängste und Nöte, die so groß sind, daß ich glaubte, heute sterben zu müssen.“

Maria: „Ja, Meine Tochter, das sollst du auch tun und Ich werde es dir vergelten und all denjenigen, die sich mit dir vereinigen, die Schmerzen mit Mir zu teilen, die Ich in Vereinigung mit Meinem Sohn erduldete, besonders die letzte Zeit Seines heiligen Lebens, denn je näher die Tage heranrückten, wo Er Sich als Schlachtopfer für die Sünden der ganzen Welt hingeben wollte, desto mehr vergrößerte sich der Schmerz und das Mitleid in Mir, denn Ich allein wußte die Größe Seiner Liebe zu schätzen, die Er zu den Menschen trug. Ich kannte die Weite, die Höhen und die Tiefen Seiner Leiden, die Er zu erdulden hatte von Seinem Volk.

Komm und erwäge mit Mir, wie vielfach die Schmerzen sind, die Mein Herz durchbohrten in diesen Tagen. Siehe, Meine Tochter, ins Paradies waren die Menschen gepflanzt worden, aber sie haben es sich verscherzt durch die Sünde, und dort an der Schwelle des Paradieses, als die Sünde vollzogen und die Menschen verstoßen waren von Gott, ihrem Schöpfer, da ward ihnen schon die tröstliche Verheißung gegeben, daß Er ihnen einen Erlöser schenken wolle.

Diesen Erlöser verkündigten die Propheten von Jahrhundert zu Jahrhundert, die Patriarchen und Propheten viertausend Jahre lang. Und obwohl das Menschengeschlecht sehr von Gott abgekommen war, so behielt es doch den Grundsatz fest, daß sie von Gott ausgegangen sind, nicht wie die Tiere und Geschöpfe, die da kommen und vergehen. Sie glaubten an das Wort Gottes, das ihnen gegeben war an der Schwelle des Paradieses, und mit jedem Jahrhundert steigerte sich in frommen Seelen die Sehnsucht nach diesem verheißenen Erlöser, in solchen Seelen nämlich, die noch in ihrem Herzen nachdachten und einsahen, daß es nicht so gehen konnte, denn mit jedem Jahrhundert sank die Menschheit tiefer ab von Gott, ihrem Ursprung.

Darum ward auch in jedem Jahrhundert die Sehnsucht vergrößert in den treu gebliebenen Seelen nach einem Erlöser, der das Menschengeschlecht wieder erneuern und herstellen sollte. Siehe, unter allen erschaffenen Wesen war aber kein einziges, das so sehr sich gesehnt hätte nach diesem Erlöser als Ich, obwohl Ich nicht wußte, daß Ich Selbst das auserwählte Werkzeug sein sollte, welches Ihn in Meinen Schoß herabziehen werde.

Darum überlege und denke nach, mit welcher Sorgfalt Ich all die Umstände erwog, Ich jeden Schritt und Tritt Meines lieben Kindes beobachtete, mit welchem Schmerz Ich aber auch zusehen mußte, wie Er nur verkannt, verlacht und verspottet wurde von denjenigen, die Ihn hätten am ersten erkennen müssen, wie innig und tief darum aber auch Mein Schmerz sein mußte, daß gerade von denjenigen, die das Gesetz den Menschen verkünden, der meiste Widerspruch kam. Nimm nun an, wie es Mir war, als Mein lieber Sohn von Mir scheiden wollte und vereinige deine Tränen mit den Meinigen. Siehe, von der Stunde an, als Er Abschied von Mir genommen, versiegten Meine Tränen nicht mehr.“

Barbara: „O liebe Mutter! So will ich Dir auch all die Tränen aufopfern, die ich weine in diesen Tagen. O erflehe mir Vergebung meiner Sünden, besonders erbitte mir doch Verzeihung, daß ich so frei war im Sprechen und mich um Dinge kümmerte, die mich nichts angingen. Erflehe mir Verzeihung aller Sünden meines ganzen Lebens, daß mein Leben so umgestaltet werde, daß ich alles mitfühlen und mitempfinden darf, was Du gelitten, denn nur so werde ich Jesus gefallen, wenn ich mich bestrebe, in Deine Fußstapfen einzutreten.“

Maria: „Ja, das will Ich. Ihr sollt aber auch von all dem absehen und das übertragen auf andere. Denn sehet, warum hat Mein Kind gelitten? Um die Menschen zu erlösen von der Sünde, um sie zu retten! Und siehe, wie viele gehen verloren. Seelen sollt ihr retten durch euer Gebet, durch all eure Schritte und Tritte, durch alle Worte, die ihr redet, die ihr schreibt und denkt, durch alle eure Handlungen. Sie sollen darauf gerichtet und aufgeopfert sein, um andern dadurch zu nützen. Denn siehe, das war Mein Leben. Nach dem Tode Meines Sohnes verwandte Ich Meine übrige Lebenszeit nur noch, um Seelen zu gewinnen, um die Guten zu bestärken, um die Schwachen aufzumuntern, um die Betrübten zu trösten, um die Unwissenden zu belehren und um die Sünder, die sich Mir nahten, durch gute Ermahnungen und Belehrungen, mehr aber durch Mein Gebet, zum Guten und zur Buße zurückzuführen.

Das ist nun auch eure Aufgabe und soll die Aufgabe all derjenigen sein, die sich mit euch vereinigen. Schäme dich nicht, offen und frei zu sprechen von den Geheimnissen unserer heiligen Religion und welch große Schätze sie in sich birgt, auch wenn man dich verspottet und verlacht; denn das schadet nichts. Nur noch kurze Zeit und alles ist vorüber. Du sollst sehen, wie gut Ich bin, wie Ich diejenigen beschütze, die sich mit Mir vereinigen, um Seelen zu gewinnen. Bis morgen.“

62 Fest der sieben Schmerzen 1896

„Meine Mutter soll der Leitstern sein, der euch zum Himmel führen und geleiten soll.“

Lied: Christi Mutter stand mit Schmerzen...

Barbara: Ich sehe die liebe Mutter Gottes unter dem Kreuz stehen und Johannes, den Lieblingsjünger, neben Ihr, und ich sehe meinen Jesus am Kreuz hängen, in entsetzlichen Schmerzen, und Er öffnet Seinen heiligen Mund, indem Er herniederblickt auf Seine heilige Mutter und spricht zu Ihr: „Weib, siehe da Deinen Sohn!“ Und wieder wendet sich Sein Blick auf Seinen Lieblingsjünger, und Sein heiliger Mund tut sich auf und spricht: „Sohn, siehe da deine Mutter!“

„Was willst Du mich denn damit lehren, o mein Jesus?“

Jesus: „Ich will dir dadurch zeigen, daß, obwohl Ich jetzt aus der Welt scheide, Ich euch doch Meine liebe Mutter überlassen will. Sie soll noch unter euch weilen, damit ihr von Ihr lernt, wie der Weg zum Himmel zu finden ist, denn aus Ihrem Herzen, aus Ihrem Herzblut, ging Meine heilige Kirche, Meine Braut, hervor. Ihr wollte Ich Sie noch hinterlassen, damit sie in allen Nöten zu Ihr flüchtet, damit Meine junge Braut eine Zufluchtsstätte finde, da sie noch zu unerfahren ist und noch viel lernen muß, den Haushalt Meiner Kirche zu führen.

Und noch fünfzehn Jahre stand Sie an der Spitze Meiner jungen Braut und diese, bereit, sich von Ihr belehren und leiten zu lassen, machte große Fortschritte in der Tugend und Heiligkeit. Meine Mutter übergebe Ich euch, Meine Mutter soll der Leitstern sein, der euch zum Himmel führen und geleiten soll. Dies weiß Meine Kirche wohl und hat es von Anfang an gut begriffen, was Ich ihr damit zu verstehen geben wollte, als Ich vom Kreuze herab ihr Meine Mutter übergab in Johannes. Noch nie aber war Sie Meiner Kirche so notwendig wie jetzt in der Zeit, in der ihr lebt. Denn noch nie war der Glaube so schwach und so schwankend geworden wie jetzt. Die Menschheit scheint vergessen zu haben, daß Ich bei ihr bin, daß Ich, obwohl Ich Mich sichtbar ihren Blicken entzogen, Ich doch immer unsichtbar in ihrer Nähe weilen will. Ich will darum den Glauben erneuern, die Hoffnung bestärken und die Liebe vermehren in Meinen Kindern, in Meinen treuen Kindern.

Diese sollen immer und zu jeder Zeit in Meiner Mutter ihr Vorbild sehen und Sie nachahmen. Meine Kirche soll Maria, Meine Mutter, immer mehr hochpreisen und Meinem Volk voranstellen. Das christliche Volk, Meine guten, treuen Diener und Dienerinnen, sollen der Stimme der Hirten folgen und an der Hand und unter dem Schutz Meiner lieben, guten Mutter sicher durch alle Stürme hindurchgehen. Denn Meine Mutter ist es, die sie immer wieder hinführen wird zu Ihrem Sohn; denn wenn sie Ihr nachfolgen, folgen sie Mir nach. Sie werden Mich aufsuchen, wo sie wissen, daß Ich gegenwärtig bin. Es ist so bedauernswert, daß die Menschen so zerstreuungssüchtig sind, daß der menschliche Geist zerstiebt ist nach allen vier Himmelsrichtungen hin und darum nichts mehr in ihn eindringen kann von Meinem göttlichen Licht, das Ich ausgegossen habe in Meiner Kirche.

Sie sehen das Licht nicht mehr, weil ihr Geist verblendet ist durch die Torheit der Welt, verfinstert durch Sünde und Laster, und durch die falschen Grundsätze ganz abgekommen ist vom rechten Weg, Mein Licht kann nicht mehr durchdringen das finstere Herz, das nicht mehr nachdenkt, das ganz aufgegangen ist im Weltgeist, im Geist der Finsternis. O weh, ihr Weltkinder, die ihr nicht mehr gedenkt der Schmerzen eurer Mutter an dem Tag, als ihr geboren wurdet, geboren am Kreuze, an dem Ich, euer Herr und Meister, verblutete.

Ihr, Meine treuen Kinder, sollt und könnt Mich entschädigen. Seht, wie ertrug Meine Mutter all die Schmerzen, die Sie im Geist mitfühlte, wie Ich sie an Meinem Leib und an Meiner Seele empfand, und doch blieb Sie standhaft, Sie murrte und klagte nicht, Sie suchte all das Elend und den Jammer Ihres Sohnes wenigstens zu lindern, daß Sie Ihm alles vergüten wollte durch Ihre Liebe, durch Ihr herzliches Mitleid. Denn es galt, die Seelen zu retten, die Seelen, von denen Sie wußte, daß sie Seinem Herzen so unendlich teuer seien, daß Er um ihretwillen den Himmel verließ, daß Er dreiunddreißig Jahre unter ihnen wandelte und mit welcher Nachsicht und Geduld Er sie immer und immer wieder erwartet.

O schaut auf das Beispiel Meiner Mutter, ihr Priester, ihr Diener Meiner Kirche, und werdet nicht müde, wenn euch das Herz bersten möchte vor Schmerz über den Undank eurer Untergebenen, so vieler eurer Obhut anvertrauten Seelen! Geht ihnen nach, den Schäflein, den Verirrten, nehmt sie auf die Schultern, tragt sie heim in Meine Herde und seid nicht allzu sehr betrübt, wenn man euch verspottet und verlacht, wenn man kalt und gleichgültig und achselzuckend an eurer Predigt vorübergeht.

Seht, wenn ihr auch alles getan habt und alles verloren scheint, das Herzblut eures geliebten Herrn klebt immer noch an dieser Seele, und der letzte Augenblick ihres Lebens kann sie noch retten, denn in dem heiligen Meßopfer, das ihr täglich auf dem Altar darbringt, habt ihr täglich das Sühneopfer in euren Händen. Dieses bringt dem himmlischen Vater dar für jene, an denen es scheint, verloren zu sein, vereinigt eure Traurigkeit mit der Meinigen und wartet und wartet auf diese Undankbaren, wie auch Ich warte, denn Meine Barmherzigkeit ist unendlich groß und waltet nur in diesem Leben. Dann kommt Meine Gerechtigkeit an der Schwelle der Ewigkeit und diese ist furchtbar und schrecklich; schrecklich für Meine so teuer erkauften Seelen. Sagt es ihnen, wenn sie es auch nicht hören wollen.

Man hat hie und da doch noch eine gläubige Seele unter seinen Angehörigen, die es vor deren Ohren bringen, und jedes Samenkörnlein trägt seine Frucht zur rechten Zeit, wenn es auch gar oft von Disteln und Dornen überwuchert wird, wenn es auch auf steinigen Boden oder auf den Weg fällt. Siehe, ein einziges, winziges Samenkörnlein, das noch irgendwo in einem verborgenen Winkel aufgeht, wächst empor, schießt in den Halm und trägt seine Frucht. Wenn Ich bereit bin, hundert Leben hinzugeben für eine einzige Seele, warum nicht ihr? Ich spreche diese Worte zu dir, Meine Tochter! Sie sollen zu den Ohren Meiner Diener gelangen, weil es jetzt an der Zeit ist, wo sie manchmal mutlos dahinsinken ob ihrer anstrengenden Arbeit, ob ihren geschwächten Kräften. Ja, Ich bin Derjenige, Der allein erkenntlich ist für all das, was man dem Geringsten Meiner Brüder tut. O sag es ihnen, was ihrer wartet, o sag es ihnen, daß sie mit Mir die zwölf Stämme Israels richten werden. Du aber, Meine Tochter, sollst nicht denken, was werde ich denn heute erfahren, wenn du weißt und fühlst, daß Ich anpoche an deinem Leibe.

Du sollst Mir allzeit ein leeres Herz entgegenbringen und eine reine Seele. Sonst verlange Ich gar nichts von dir. Sei ganz unbekümmert darum, ob man dir deinen Beichtvater wegnehmen will; Ich werde für dich sorgen. Ich werde auch dafür sorgen, daß Meine Worte Anerkennung finden und daß sie gehört werden. Und nun gehe ruhig weiter, und laß es Meine Diener wissen. Lebe wohl, Meine Tochter! Bis morgen mache dich bereit und leide für die Männer, die mir so viel Ursache bieten, Mir Mein eucharistisches Leben zu verleiden.“

63 Letzter Samstag vor Palmsonntag 1896

„Wo ist der katholische Mann, der noch mit Mannesmut Mich vor anderen bekennt?“

Lied: Dich mein Gott ich lieb von Herzen...

Barbara: „O wie herrlich, o wie schön, o mein Jesus. Hosianna dem Sohne Davids.“

Ich sehe einen Zug daherkommen. Von Jerusalem kommen Leute und gehen gegen Bethanien hin. Und von Bethanien kommt ein Zug, und in der Mitte sehe ich den lieben, guten Jesus. Ernst und traurig ist Er herauszufinden unter all den vielen Menschen.

Alles jauchzt Ihm zu: „Hochgelobt sei Der, Der da kommt, Jesus, Sohn Davids, sei gebenedeit!“ So ruft jung und alt, groß und klein Ihm zu, aber es ist, als ob das alles Ihn nicht berührte. Sein Geist ist mit ganz anderen Gedanken beschäftigt und ganz anderswo, als hier bei diesem Jauchzen und Jubelgeschrei.

„O mein Jesus, laß mich Dich begleiten.“

Jesus: „Ja, komme Meine Tochter, komm mit Mir nach Jerusalem hinauf, hier will Ich dich einen gar ernsten Weg führen. Nur noch einige Tage und du wirst Mich sehen, wie dieselbe Menge, die Mich jetzt umgibt, Mich begleitet, nur einen ganz anderen Triumphzug. Du sollst Mich sehen mit der Siegesfahne, aber nicht in der Hand, sondern auf dem Rücken, wie Ich sie den Kalvarienberg hinaufschleppe, um den Sieg über Tod und Hölle, über Welt und Sünde, zu erringen. Und Ich verlange von dir und von deinen Mitschwestern, daß ihr diese Woche hindurch diese Worte beherzigen sollt, die Ich heute mit dir spreche. Sieh, feierlich war der Einzug, den Ich hielt in Jerusalem.

Man jauchzt Mir zu als dem König, als dem Herrscher Israels, und noch am Abend mußte Ich fliehen, nicht einmal eine Herberge in ganz Jerusalem wäre bereit gewesen, Mich aufzunehmen, und Ich mußte wieder zurück nach Bethanien, um dort bei Meinen treuen, guten Freunden, bei den drei guten Geschwistern Lazarus, Maria und Martha, eine Unterkunft zu suchen. Siehe, Meine Tochter, was die Jerusalemiter Mir angetan in jener Nacht, das tun Mir heute die Kinder der Welt an, die Christen, jene Christen, die so leichtfertig hin- und herwanken, heute sich flüchten unter die Fahne des Kreuzes und morgen wieder unter die Fahne Satans, Meines Widersachers.

Ich will heute gar nicht reden von jenen, die Mich ans Kreuz schlugen, und die doch unrettbar verlorengehen, weil sie Mich als ihren Erlöser und Messias gar nicht annehmen wollten. Ich will nur reden von jenen Christen, die dem Volke gleichen, das Mich nach Jerusalem begleitete, am Palmsonntag, und dann sich wieder umstellte und zu Meinen erbittertsten Feinden hielt. Ihr sollt Mich entschädigen diese Woche, bei euch will Ich einkehren, in euren Herzen will Ich Meine Nachtherberge halten. O versagt Mir diesen Dienst nicht, Meine treuen Kinder!“

Barbara: „O mein Jesus! Siehe, wie bin ich aber so lau, so leichtsinnig, so nachlässig. Wenn Du Dich nur ein wenig zurückziehst, wenn Du mir nicht zuvorkommst mit Deiner Gnade, bin ich nicht einmal imstande, auch nur ein einziges Vaterunser andächtig zu beten, wie soll ich mich dann anstellen, Dich liebkosend zu behandeln? Wie gern möchte ich es tun für all diejenigen Christen, die Dir so viel Leid zufügen, die kalt und gleichgültig gegen Dich und Deine Liebe sind.“

Jesus: „Ja siehe, Meine Tochter! Morgen muß Ich in die Herzen der christlichen Männer einziehen. Diese sind zum größten Teil wie die Jerusalemiter. Feige und mutlos wie sie sind, stehen sie heute zu Meiner Fahne und morgen, wenn sie ein Lächeln von irgendeinem Ungläubigen in ihrer Nähe bemerken oder ein spitzfindiges Wort fällt, dann wenden sie sich um, dann ist alles vorüber. Siehe, diesen Wankelmut solcher Männer! Und doch will Ich sie retten, und doch bin Ich vom Himmel gestiegen, um dieses Geschlecht zu adeln und zu vervollkommnen; denn es ist ja der Mann der König der Schöpfung. Aus der Rippe des Mannes ist das Weib erschaffen, und doch scheint es so, als wäre es umgekehrt. Wo ist der katholische Mann, der noch mit Mannesmut Mich vor anderen bekennt? Muß nicht das Weib dem Mann vorangehen, wenn es gilt, ein Wort zu sprechen von Mir und Meinem Reich? Darum ist die Zeit gekommen, wo man so wenig Männer sieht in einer katholischen Kirche, in einer Predigt, im Opfer der heiligen Messe. Um so mehr aber gehen sie dorthin, wo man andere Dinge hört, wo Ich nicht geehrt werde, wo Satan die Fahne schwingt, die Siegesfahne. Und wenn Ich nicht Sorge getroffen hätte, als Ich aus dieser Welt schied und hätte Mir unter diesem Geschlecht Meine Auserwählten nicht herausgezogen von dieser gottlosen Welt, Ich meine die Priester und die Ordensmänner, die sich zurückziehen von dieser gottlosen Welt, und in stiller Abgeschiedenheit Mir noch dienen und Mich noch finden, so stände das Frauengeschlecht allein unter Meiner Fahne. So weit ist es gekommen im neunzehnten Jahrhundert. Sag an, Meine Tochter, bin Ich nicht genötigt, Mich zu euch zu flüchten, ihr, die ihr mitten in der Welt steht, mitten unter diesem Geschlecht, das Mich hinausgestoßen, das Mich vergessen hat!“

Barbara: „O mein Jesus! Ja, wie sollen wir es denn machen, was tun? O wie gern, o Herr, wollen wir Deinen Willen erfüllen, sag nur wie?“

Jesus: „Alles, was ihr tut in dieser Woche – Ich weiß, ihr steht in der Familie – und ihr sollt keine Sonderlinge sein, aber ihr sollt, und das verlange Ich von euch: Morgens beim Erwachen euch im Geist vereinigen und Mich in eure Mitte nehmen bei jeder Beschäftigung, wenn ihr in die Kirche geht oder an die Arbeit.

Alles, was ihr lest, schreibt in dieser Woche, tut in Vereinigung mit Mir und zur Danksagung für all die Liebe, die Ich dem Menschengeschlecht erweisen wollte, die sie aber von sich stieß, und zur Sühne für all den Undank vieler Herzen, besonders der Männer, in die Ich eingehe in diesen Tagen, um das Abendmahl mit ihnen zu halten, um das Osterlamm zu essen, und die Mich aber an demselben Abend noch grausam von sich stoßen, hinaus, um einem anderen Platz zu machen.

Alle eure Tränen, all eure Gebete, eure Schritte und Tritte, vereinigt mit Meiner lieben Schmerzensmutter, welche die Einzige war, die Mich wahrhaft liebte, und die Mich beständig begleitete, wenn auch nicht dem Körper nach, so doch dem Geiste nach. Sie war im Geist beständig um Mich und suchte Mich zu entschädigen, und das sollt auch ihr tun, und ihr sollt sehen, welch fröhliche Ostern Ich mit euch halten werde.“

Barbara: (singt) „Alleluja, deo gratias!“

„O mein Jesus! Wenn Du für eine einzige Seele hundert Leben hingegeben hättest, wie sehr bestrebt sollten wir dann sein, Seelen zu gewinnen. Was ist eine Seele wert, wenn Du hundertmal für sie sterben wolltest? Sieh, ich habe eine zahlreiche Verwandtschaft und meine beiden Mitschwestern auch, und wenn diese alle Dich lieben, so ist es schon der Mühe wert, daß Du zu uns kommst. Darum sei ewiglich gepriesen für Deine Güte und so wunderbare Herablassung!“

Jesus: „Befolget die Worte, die Ich zu euch rede, fahret fort, gehet ruhig eure Wege, nicht rechts und nicht links, geradeausgehen. Ich werde euch nicht aus Meiner Hand lassen.“

Barbara: „O Herr, ich bitte Dich auch, daß Du N. N. seine Stimme läßt bis über Ostern, weil die anderen Herren doch so angestrengt sind, damit er ihnen helfen kann.“

Jesus: „Du sollst aber wissen, daß Ich alles belohne, daß Ich ein gar guter Bezahler bin, denn die Mühe, welche die anderen dann um so mehr haben, soll ihnen gar reichlich belohnt werden. Doch will Ich Nachsicht haben mit ihrer Schwäche. Er wird seinen Dienst versehen können bis nach Ostern.“

64 Palmsonntag 1896

„Wie die verstockten Juden, so ist auch dieses Volk.“

Jesus: „Ich habe dir heute früh gesagt, daß du Mich begleiten sollst durch die Straßen von Jerusalem auf und ab. Sieh, wie gut Ich es mit diesem Volk gemeint, wie ein zärtlich liebender Vater wollte Ich sie um Mich versammeln, um sie Meinem himmlischen Vater zuzuführen. Aber sieh, wie man mit Mir umgeht. Alles ist vergebens! Siehe, wie Ich damals in Jerusalem und im ganzen Judenland herumgeeilt, um die verlorenen Schäflein aufzusuchen, so eilt Meine Braut von einem Ende zum anderen, von einer Stadt in die andere, von einem Fleck zum anderen, um die Menschen aufzusuchen, um sie zurückzubringen zu Meiner Herde. Aber alles ist vergebens an diesem Geschlecht. Wie die verstockten Juden, so ist auch dieses Volk. Darum, Meine Tochter, bitte Ich dich, du möchtest Mir den Dienst nicht versagen.“

Barbara: „O mein Jesus! Warum bittest Du mich? Ich muß Dich bitten, daß ich Dich begleiten darf. Nimm hin meine Tränen, o Herr, es sind Tränen des Mitleids, daß Du so verkannt wirst. O daß doch alle Menschen Dich erkennten und aus ganzem Herzen lieben würden, aus allen Kräften und über alles Dich loben und ehren wollten.“

Jesus: „Aber wie rennt und jagt man nach allerlei Geflitter, nach bunten Schmetterlingen und Ich, das einzige, das höchste und wahre Gut, stellt man in die Ecke, um Mich ja nicht mehr sehen zu müssen.“

Barbara: „O ich will Dich sehen, es ist mir nicht zuviel, wenn Du kommst, wenn es auch noch so ungelegen für mich und meine Umgebung ist. Du schaust in mein Inneres, Du weißt es, ich will mich nicht nur mit Dir freuen, sondern auch mit Dir leiden. Darum verspreche ich Dir heute, daß ich nie mehr versuchen will, einem Kreuz auszuweichen. Mache Du mit mir, was Du willst. Ich will mich mit Dir vereinigen in Deinem Leiden. Nimm hin, o Herr, alles, was ich bin und habe, meinen Leib und meine Seele, mein Herz und mein Leben.“

Jesus: „Das ist so recht, Meine Tochter!“

Barbara: „Das ist auch die Gesinnung meiner beiden Mitschwestern!“

Jesus: „Ihr werdet es nicht bereuen, Meine Kinder! Laßt euch verspotten, laßt andere denken, was sie wollen; Ich habe sie auch nicht bestimmt, das mit zu leben, wozu Ich euch bestimmt habe, darum verlange Ich einen felsenfesten Glauben. Es wäre besser für Lieschen, wenn sie sich nicht so beeinflussen ließe. Es ist ja wohl im Dienst der Nächstenliebe, aber man hat in der Stadt Mainz gar viele, die froh wären um ein Stück Brot, die gar gern einen Tag aushelfen möchten; sie könnte sich andere holen. Ich habe ihre Lage so bestimmt, daß sie Mir dienen soll am Altare.“

Barbara: „O mein Jesus! Wirst Du denn die ganze Woche kommen? O verzeih, ich will nicht neugierig fragen, tue was Du willst, ich will ein gefügiges Werkzeug sein in Deiner Hand, wie Du gesagt. Alles ist gut, wie Du tust, ich habe nichts darein zu schwätzen. Genug ist es mir, daß ich mit Dir leiden darf. Alles andere ist überflüssig zu wissen für mich. Nimm hin, o Herr, meinen verkehrten schwachen Willen, der mich manchmal recht abwärts zieht, verbessere ihn, indem ich ihn Deinem göttlichen Willen unterwerfe. Nie mehr will ich noch zweifeln, wenn ich auch sonst noch viel verkehrt mache. Nicht wahr, ich habe auch nicht mehr gezweifelt?“

Jesus: „Ja, wenn Ich deinen Geist halte. Wie Ich dich aber aus der Hand lasse, bist du wieder auf deinem alten Thema.“

Barbara: „O mein Jesus! Verzeih mir, ich bin ein armer, sündiger Mensch. Ich empfehle Dir nochmals alle die Männer, die ihre Osterkommunion noch zu verrichten haben, besonders die Pfarrei I., für welche ich ja am meisten leiden muß.“

Jesus: „Ja, du mußt leiden, Meine Tochter. Gehe aber hin und sieh dir das Hochamt in St. Ignatius an und vergleiche, wie es vor zehn Jahren gewesen ist, wo man sich noch schämte, ein Buch über die Straße zu tragen. Sieh, das bewirkt die Liebe einzelner Seelen und das Mitleid einzelner Seelen, das sie mit ihrem Herrn und Gott tragen. Um der Liebe dieser Seelen willen vergesse Ich allen Undank jener Undankbaren, Meine Gnade wirkt mächtiger, die Lauen raffen sich auf und manches verstockte Herz ist zurückgekehrt. Darum wiederhole Ich dir immer wieder: Leiden, sühnen, opfern! Vereinige deine Schmerzen mit dem Opfer, das Meine Diener alle Tage auf dem Altare darbringen, mit Mir Selbst, denn du sollst den eucharistischen Kreuzweg gehen, und mit dir deine beiden Mitschwestern.

Ihr sollt keine Anerkennung suchen vor den Menschen, nur daß Ich anerkannt, geehrt und geliebt werde, und daß man Mir mehr Dank und Anerkennung zolle von Meinen Dienern. Von diesen Seiten verlange Ich Dank und Anerkennung. Sie sollen dein Leben und das Leben deiner beiden Mitschwestern prüfen, und wenn es nicht übereinstimmt mit dem, was du sagst, dann sollen sie es verwerfen. Wenn aber dein Leben übereinstimmt mit den Worten, die Ich zu ihnen – durch dich – spreche, dann sollen sie auch glauben, daß Ich es bin, Ich, euer Herr und Gott, und sollen ihren Eifer bekräftigen und ihre Liebe zu Mir ausgießen über die Herzen ihrer Untergebenen; denn sie sind die Kanäle, durch die Ich den Strom Meiner Gnade fließen lasse in die Herzen Meiner Kinder. Sie sollen nicht den Kanal verstopfen durch ihren eigenen Willen, den sie Meinem Willen entgegenstellen; denn es gibt kein Zuviel, aber es gibt ein viel Zuwenig.

Ich habe ihnen gesagt, daß sie mit Mir herrschen sollen und mit Mir die zwölf Stämme Israels richten werden. Darum sollen sie aber auch mit Mir das Reich der Finsternis zu beherrschen suchen, und das Reich der Gnade nach allen Seiten hin ausströmen lassen. Ihnen habe ich die Gnadenmittel übergeben, wodurch Meine Kinder sich heiligen. Sie sollen darum nicht geizig, nicht habsüchtig, diese Güter verwalten, die ihnen anvertraut sind; denn es sind Meine Schätze, und sie sind nur die Verwalter.“

Barbara: „O mein Jesus! So willst Du mit mir die Karwoche vollbringen. Ich danke Dir, o Herr!“

65 Gründonnerstag 1896

„Wer von diesem Brot ißt, und diesen Kelch trinkt, mit dem bin Ich verbunden mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit, mit Fleisch und Blut.“

Lied: Düster sank der Abend nieder...

Barbara: Und ich sehe den Herrn mitten unter Seinen Jüngern, unter Seinen Aposteln, wie Er mit ihnen zum letztenmal das Liebesmahl genießen will. Er ist wie ein Vater, Der all Seine Kinder um Sich versammelt, um Abschied von ihnen zu nehmen und hinauszugehen aus dieser Welt, denen Er noch einmal Sein ganzes väterliches Herz ausgießen will, um den rechten Eindruck auf sie zu bringen, daß sie all Seine Belehrungen nicht vergessen sollen. O mit welcher Liebe, mit welcher Herablassung sitzest Du da, o mein Jesus!

Jesus: „Ja, Ich will dich belehren, Meine Tochter, wie man dieses Brot genießen soll. Siehe, Ich habe Meine Jünger zum letztenmal versammelt. Dreimal habe Ich das Osterlamm mit ihnen gegessen, aber nicht, daß Ich ihnen ein bleibendes Denkmal hinterließ.

Ich aß nur mit ihnen wie ein Freund mit seinen Freunden, wie ein Bräutigam bei seinen Freunden am Hochzeitsfest. Aber heute bin Ich nicht allein ihr Freund, ihr Bräutigam, heute will Ich ihnen alles sein. Ich will heute in eine so innige Vereinigung zu ihnen treten, wie sie nicht inniger gedacht werden kann.

Was noch nie vorgegangen ist, was noch nie ein menschliches Herz ausgedacht, wenn ein Bräutigam von seiner Braut Abschied genommen, nicht wie ein Freund, der von einem Freund Abschied nimmt; denn noch nie hat ein Freundesherz so etwas ausgesonnen, noch nie ein Bräutigam den Entschluß gefaßt, sich seiner Braut nach seinem Tod oder in seiner Abwesenheit so zu vergegenwärtigen, als ob er immer noch bei ihr bliebe. Und das tat Ich! Darum, ihr Menschenkinder, o liebet Denjenigen, Der Sich euch ganz geschenkt, Er hat Sich Selbst geschenkt, Er hat alles gegeben, was Er nur hatte: Sich Selbst! O es war ein großer Schmerz für Mich, diese Menschen zu verlassen, die Ich so sehr liebte. Sind sie ja diejenigen, um derentwillen Ich den Himmel verließ, den Schoß Meines geliebten, himmlischen Vaters. Alle Mühseligkeiten dieses armen Lebens nahm Ich auf Mich. Und warum?

Siehe, diese Menschen, die nach dem Ebenbild Meines himmlischen Vaters geschaffen waren, hatten ihr Glück verscherzt, sie waren dem Satan unterworfen und nie sollten sie eingehen in das Reich, das Ich besitze, das Ich mit Meinem Vater teile, und doch sind diese Menschen erschaffen zu Meiner Freude und Meiner Verherrlichung. Es mußte ein Mittel ersonnen werden, um die große Kluft auszufüllen, die zwischen Mir und ihnen bestand, lebten sie ja doch in Feindschaft mit dem himmlischen Vater und Mir seit der ersten Sünde, und Ich trat hin vor Meinen himmlischen Vater und sprach:

,Siehe Vater, Ich will hingehen, will sie loskaufen von der Sünde, von der Sklaverei unseres bittersten Feindes.‘ Und es war die Zeit gekommen, wo dieses in Erfüllung gehen sollte, und Ich hüllte Mich ein in den Schoß Meiner jungfräulichen Mutter, um in allem diesem Geschlecht gleich zu sein, ausgenommen die Sünde. Siehe, dreiunddreißig Jahre bin Ich unter ihnen gewandelt, drei Jahre bin Ich umhergeeilt, von Stadt zu Stadt bin Ich diesen Schäflein nachgegangen, um sie zurückzuführen, um Mein Ebenbild wieder herzustellen, und jetzt ist die Zeit vorüber, wo Ich wieder hingehen sollte zu Meinem Vater. Aber sieh, je länger Ich mit ihnen Umgang hatte, desto inniger klammert Sich Mein Herz an dieses Geschlecht. War Ich doch ihr Bruder geworden.

Ich sehnte Mich danach, sie glücklich zu wissen, sie dereinst dort in Meinem Reich, wo Ich hinging, wiederzufinden, und Ich sann ein Mittel aus, um Mich mit diesem Geschlecht zu verbinden. Weißt du, Meine Tochter, die Liebe ist erfinderisch und Ich erfand es, das Mittel. Heute sollte es das dritte Mal sein, und Mein Herz war befriedigt, denn das Mittel hatte Ich gefunden, das Mich mit diesem Geschlecht verbinden sollte auf ewig. Sieh, komm und schau, wie Ich Mich mit ihnen verbinde.

Siehe, wenn der Mensch anfängt zu leben im Mutterschoß, da hat er nur erst das natürliche Leben, das ihm eingegossen worden ist von seinem natürlichen Vater. Es soll aber das übernatürliche Leben in ihm ausgegossen werden, und dies geht vor sich durch Meinen himmlischen Vater, Der das übernatürliche Leben ausgießt. Siehe, so gehe Ich ein, so geht Mein Geist über in diese Substanz und nicht nur Mein Geist, sondern auch Mein natürliches Leben geht ein, und wer von diesem Brot ißt, und diesen Kelch trinkt, mit dem bin Ich verbunden mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit, mit Fleisch und Blut, und die Gemeinschaft ist geknüpft auf immer und ewig, falls der Mensch sich nicht mehr selbst seinen Feinden ausliefert; und nie mehr wird die Zeit kommen, wo eine Kluft sein wird zwischen Mir und ihm, wenn er nicht mit Gewalt Meine Gebote übertritt.

Der Mensch aber, der Mich würdig genießt, ist so fest begründet, hat einen so festen Halt in sich, daß er es unbedingt merken muß, wenn er sich von Mir trennt, denn eine gewaltige Erschütterung geht in ihm vor, wenn er sich freiwillig von Mir trennt. Und nicht jedesmal bin Ich von ihm gewichen, wenn er einmal seiner Leidenschaft nachgegeben.

Nur dann weiche Ich von ihm, wenn er mit vollem Bewußtsein und mit freier Überlegung – daß er es mit Meinem Feind halten will – handelt, dann erst muß Ich dieses Herz verlassen. Darum, ihr Menschenkinder, habt acht auf diese Worte eures Herrn, der Sich sehnt, Sich mit euch vereinigen zu können. Seid nicht allzu ängstlich wegen der Zerstreuung eurer Geschäfte, wegen der Sorgen des Familienlebens, Mich vergessen zu haben. Wisset, daß Ich denselben Weg gewandelt bin wie ihr. Dies sage Ich zu eurem Trost. Auch Ich verschmähte nicht, mit allen möglichen Geschöpfen zusammenzukommen. Ich ging zur Hochzeit, wo gesungen, gespielt und getanzt wurde. Ich habe es nicht gescheut; Ich war freudig mit den Fröhlichen und traurig mit den Traurigen; Ich wollte der Menschheit zeigen, daß Ich nicht gekommen bin, sie zu verderben, sie zu beunruhigen. War Ich doch gekommen, sie zu trösten, ihnen ihr Schicksal zu erleichtern, um denselben Weg zu wandeln wie sie.

Nur wollte Ich sie den Unterschied lehren im Umgang mit den Geschöpfen; denn, da einmal der Mensch in dieser Schöpfung wandeln muß, denn der Mensch ist der König der Schöpfung, und alles, was in dieser Schöpfung ist, ist seinetwegen da, und er darf es auch genießen, so wollte Ich ihm zeigen, daß er bei all seinen Schmerzen, Freuden, Leiden und Mühseligkeiten auch nicht vergessen soll, daß dies alles nur erschaffen ist und ihm dazu dienen soll, daß er soll eingehen in das Reich der Freude, die er ewiglich bei Mir genießen soll. Nichts wollte Ich aufheben, nichts wollte Ich getadelt haben als nur die Sünde, und daß sie den Weg der Sünde verlassen. Ich wollte sie nur belehren, dem einen wahren Gott zu dienen und Ihn zu verherrlichen.

Nun aber war die Zeit gekommen, wo Ich diese Welt verlassen sollte, dieses irdische Leben, weil es so der Wille Meines himmlischen Vaters war, und Ich wollte doch bei ihnen bleiben bis zum Ende der Welt – und sieh doch, wie Mein Geist dieses zuwege brachte! Es steht fast kein Dorf, es wohnen keine Menschen mehr in der ganzen katholischen Christenheit, wo Ich nicht unter ihnen weile. Siehe, wie Ich Mich überall ihnen nahte, wo Menschen, wo Christen wohnen; denn in ihnen wollte Ich Mir Meine Apostel versinnbildlichen beim letzten Abendmahl, denn alle Christen, die gläubig an Mir hängen, sollen Apostel Meines Reiches sein. Sie sollen Mein Reich verkündigen und ausbreiten, mögen sie in einer Familie stehen oder einem anderen Stand angehören; überall können sie Apostel sein.

Wie aber Meine Apostel sich unmittelbar anschlossen an Meine heilige Mutter, als Ich von ihnen geschieden bin, so verlange Ich jetzt, daß alle Christen sich anschließen an Meine heilige Mutter. Und wie Sie Tag und Nacht bei Ihrem lieben Sohne weilte, wenn auch nicht dem Körper nach, so doch dem Geiste nach, beständig vor dem Tabernakel auf den Knien oder abgeschieden in Ihrem stillen Kämmerlein, so sollen die Christen sich immer wieder dorthin flüchten, wo Ich unter ihnen weile. Darum kommt, ihr Menschenkinder! Nehmt Platz an Meinem Herzen!

Seht, wie die Liebe euch entgegenschlägt, seht, wie Ich Mein Herz öffnen ließ, damit ihr eingehen könnt in Mein Herz. Seht dies Herz, wie es euch entgegenschlägt, wie es euch umfassen möchte mit Liebe; denn durch dieses Herz sollt ihr eingehen in die ewige Ruhe.“

Barbara: Und ich sehe dieses Herz unendlich weit, unendlich groß, als ob es die ganze Welt umfassen wollte.

Jesus: „Ja, das ist so, Meine Tochter! Alle, die Mich lieben, alle, die Mir dienen, gehen in dieses Herz ein und sollen in dieses Herz eingehen. Aber weißt du auch, warum das Türchen so klein ist? Das will heißen, daß diejenigen, die da hineinschlüpfen, klein sein müssen in ihren Augen. Sie sollen nicht das Gerede der Menschen scheuen, sie sollen demütig sein wie ein Kind, gläubig wie Meine heilige Mutter. Darum will Ich, wie Ich dir schon so oft gesagt, daß die Priester und das Volk sich an Sie anschließen sollen, und daß das gläubige Volk Meine Mutter nicht genug ehren kann, denn nur dadurch, in der Nachahmung Meiner Mutter, kann man Mich finden, kann man eingehen durch die enge Pforte und man wird gerettet sein.“

Barbara: „O so kommt, ihr Menschenkinder, laßt uns einziehen in diese Pforte, vereinigt euch mit mir, ja, wir gehen alle ein, o so kommt doch!“

Und ich sehe eine große Prozession einziehen in dieses liebende, göttliche Herz, und sie ziehen immer mehr ein und alle, die eintreten, müssen sich beugen und das Haupt neigen, um da hineinschlüpfen zu können.

„O so laß doch auch hinein N. N. N. Alle, die an Dich glauben, auf Dich hoffen, alle unsere Verwandten, bis ins vierte Glied, o nimm sie alle auf, alle Klosterfrauen aus unserer Verwandtschaft, alle klösterlichen Genossenschaften, besonders N. N. O laß sie voranziehen.“

Jesus: „Ja, jene Gemeinden, da ist aber immer eine Abteilung, und es geht ein Priester voraus an der Spitze, und die andern, die folgen, das sind diejenigen, die mit recht lebendigem Glauben ihre Gemeinden hinführen vor Meinen Tabernakel, die in ihrer Gemeinde eifern für den Empfang der hochheiligsten Sakramente, die keine Mühe, kein Opfer scheuen, um ihre Gemeinde zu retten; jene Klöster, wo der Obere mit lebendigem Glauben vorangeht und die Untergebenen anleitet, Mir Freude zu machen, jene sind es, die du an der Spitze siehst.“

Barbara: „Ja, so sollen wir alle schon in diesem Leben so glückselig sein?“

Jesus: „Ja, das ist es, was Ich dich heute lehren will. Glücklich sollen sie sein, wie du sie in Mein Herz einziehen siehst, das heißt, Ich werde ihre Familien, ihre Gemeinden, ihre Genossenschaften so segnen, daß sie ohne Anstoß durch das Leben gehen, so daß die Auswüchse der Gottlosen sie nicht berühren. Und indem sie schon in diesem Leben in Meinem Herzen wohnen, so daß die Gottlosen nicht an sie heran können, so werden sie ohne Gefahr eingehen in jenes glückselige Leben, was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz gedrungen ist, wo sie herrschen werden mit Mir in alle Ewigkeit, in alle Ewigkeit!“

Beim Abschied schaute Jesus mit unsagbarer Zärtlichkeit jeden der Anwesenden an, wie um Sich zu verabschieden, zuerst den Bruder von Barbara aus A., dann ihre Schwester aus Sch., dann die andern.

66 Karfreitag 1896

„Denn nie hat ein Mensch erfaßt, was Meine Mutter Mir auf Meinem irdischen Erlöserweg gewesen.“

Lied: O du hochheilig Kreuze...

Jesus: „Komm, Meine Tochter, setze dich hier neben das Kreuz zu Meiner heiligen Mutter und betrachte die Schmerzen, die Sie erduldet hat, indem Sie Mich auf Ihrem jungfräulichen Schoß hält. Siehe, Ihre einzige Sehnsucht war, den Erlöser zu schauen, Denjenigen zu sehen, Der die Menschheit wieder mit Gott vereinigen sollte. Ja, Sie hat Ihn nicht nur gesehen, Sie hat Ihn unter Ihrem jungfräulichen Herzen getragen. Dreiunddreißig Jahre ist Sie mit Ihm gewandelt und jetzt schau in dieses gebrochene Herz, das mit einem siebenfachen Schwert durchbohrt ist. Mit welcher Liebe begleitete Sie Mich auf all Meinen Wanderungen, mit welcher Sehnsucht erwartete Sie Mich, wenn Ich Mich eine Zeitlang von Ihr trennen mußte. Ach, Sie lebte ja nur, um Mich lieben zu können und Mich geliebt zu sehen von allen Menschen. Ich habe dir von Anfang an gesagt, als Ich Mich dir vergegenwärtigte, als Ich dir den Weg zeigte, den du mit Mir wandeln solltest, nämlich den Kreuzweg, du sollst in diesen Tagen dich recht mit Meiner heiligen Mutter vereinigen und Sie in Ihren Schmerzen bemitleiden.

Ja, alle die dies tun, werden in diesen Tagen, wo Ich das große Werk der Erlösung vollbracht habe, erfahren, wie gut Ich bin und sollten es auch die verstocktesten und härtesten Sünder gewesen sein. Ich werde sie alle zur Bekehrung führen. Denn nie hat ein Mensch erfaßt, was Meine Mutter Mir auf Meinem irdischen Erlöserweg gewesen. Sie war das einzige Wesen, das Mich vollkommen entschädigen konnte für all die Unehre und Beleidigungen, die Meinem Herzen zugefügt worden sind von den undankbaren Menschen und Geschöpfen.“

Barbara: „O Herr, ich habe immer mit Mitleid daran gedacht, in diesen Tagen habe ich immer viele Tränen vergossen, wenn ich der Schmerzen Deiner Mutter gedachte, aber seit ich dieses Leiden an mir habe, kann ich mich nicht mehr so mit Ihr beschäftigen, weil mein Körper so abgespannt ist.

O verzeih, daß ich so wenig daran denke und bete in diesen Tagen. Ich wollte, meine Tränen würden nie mehr versiegen. Tag und Nacht möchte ich mich mit Ihr vereinigen. Habe ich denn abgenommen in meiner Liebe, o mein Jesus? O sag mir es doch!“

Jesus: „Nein, Meine Tochter, du hast nicht abgenommen in deiner Liebe. Sieh, wenn die Mutter am Sterbebett ihres Kindes steht, und wenn das Kind Tage und Nächte lang so darin liegt, die Mutter steht dabei und muß die Schmerzen mit ansehen, die Tränen versiegen, und es prägt sich dieser Schmerz so ihrem Gemüt ein, sie kann nicht mehr weinen, ihr Schmerz ist tiefer und fester, es ist dies, wie man im gewöhnlichen Leben sagt, ein stummer Schmerz, und so ist es mit dir.

Tröste dich, Meine Tochter! Dein Schmerz ist ein stummer Schmerz, weil dein Gemüt abgespannt ist. Siehe, freue dich mit Mir, trockne deine Tränen, denn Ich bin zufrieden mit dir! Komm aber jetzt und begleite Sie, die traurigste, die trostloseste unter allen Müttern. Ich will dir zeigen, warum Meine Leiche in einem Garten wollte begraben sein. In einem Garten wurde die erste Sünde vollbracht, in einem Garten wollte Ich die Erlösung beginnen, einen Garten wollte Ich stiften, denn mit einem Garten vergleiche Ich fortwährend Meine heilige Kirche und alle, die Mir nachgefolgt sind, die sich retten ließen, stehen in diesem Garten, manchmal als gewaltige, tiefgewurzelte Bäume und bald wieder als schöne Blumen, die diesen Garten zieren sollen.

Es sind Beete angelegt, es sind Wege gemacht, worin die Meinigen lustwandeln und sich erfreuen sollen. Die Beete, die mit schönen Blumen und allerlei Gewürzen ausgefüllt sind, das sind die Feste in dem Garten Meiner Kirche, die tiefgewurzelt sind und entweder geschmückt sind durch den Glanz, deren Fest die Kirche heute begeht, oder mit Gewürzen ausgefüllt, das ist, daß Meine Kirche eines jener Feste aufführt, die sich beziehen auf Mich, auf etwas aus Meinem Leben oder Leiden, und woran die Kinder sich erfreuen an ihrem Wohlgeruch. Aber die Bäume, die da stehen, die tief eingewurzelt sind, die hoch empor ihre Krone tragen, sind jene hervorragenden Häupter, welche viele eingeführt haben in die heilige Kirche, in jenen Gottesgarten:

Die Kirchenfürsten, Prälaten, Märtyrer, Bekenner, Ordensstifter, Ordensvorsteher, wie ein heiliger Franziskus und Dominikus und ein heiliger Franz Xaver, so wie alle Meine lieben Apostel und Missionare, die hinausziehen in fremde Länder, um die Welt zu bearbeiten, um neue Beete einzupflanzen, um neue Blumen hineinzupflanzen und ein neues Beet hinzuzufügen, wo noch unfruchtbarer Boden ist. Siehe, wie Meine Kinder, die in diesem Garten spazierengehen, lustwandeln können und sich erfreuen, indem wieder ein neues Fest sich eröffnen soll. Die Wege, die du siehst, sind alle die Gnadenmittel, die durch Meine Diener den Kindern dieser Kirche geboten sind und gespendet werden, auf denen sie leichter lustwandeln und fortwandeln können in dem Garten Meiner Kirche.

Sag an, Meine Tochter, ob Ich noch etwas mehr hätte erfinden können, als Ich hinaufgestiegen bin ans Kreuz, das Ich nicht erfunden hätte, ob Ich noch mehr hätte tun können? Sag an, ob es nicht wahr ist, was Ich dir gestern gezeigt, daß Meine Liebe erfinderisch ist, und daß das Mittel, das Ich dir angegeben habe und ausgedacht habe, nicht den besten Beweis liefern könnte, daß die Liebe zu Meinen Geschöpfen, unaussprechlich gewaltig ist, und sag auch, ob es nicht der Mühe wert ist, wenn Meine Diener sich alle Mühe geben, diesen Garten zu bebauen, ob es nicht der Mühe wert ist, als Eichbaum zu glänzen, der herabschaut auf die Blumen und ihnen gegenübersteht, wie ein Elefant zu einem kleinen winzigen Gesprosse, gegen jenes kleine Insekt, das man nur mit dem Vergrößerungsglas wahrnehmen kann.

Ich will Meinen Garten verschönern und will Mich erfreuen an den Blumen, die in diesen Beeten wachsen, und je herrlicher sie blühen, je üppiger die Beete sind, desto größer ist Meine Freude und das Vergnügen, unter den Menschenkindern zu weilen, denn der Garten Meiner Kirche ist das Paradies, in dem die ersten Menschen wandelten. Dieses Paradies war verschwunden und vertilgt von der Erde durch die erste Sünde. Ich aber habe es wieder eröffnet, Ich habe es wieder der Erde verschafft, indem Ich hinaufstieg an das Kreuz, durch Meine Kirche. Und Meine Mutter, Die so innig Anteil genommen hat an der Erlösung, Die die erste Blume ist in diesem Garten, Sie soll die Mithelferin sein all derjenigen, die Ich berufen habe, Mein Paradies zu bebauen, Mein Paradies auf Erden.

Und nun weißt du, was Meine Lust ist und Meine Freude, daß Ich wünsche, mit Meinen Kindern in diesem Garten zu lustwandeln, die Blumen Mir anzusehen, wie sie im üppigen Farbenglanz vor Mir stehen, um all denjenigen zu zeigen, mit denen Ich diese Pilgerschaft noch durchzuwandeln habe, welche Mühe sie sich geben sollen, um in diese Beete eingepflanzt zu werden, daß kein Opfer zu groß, keine Mühe zu schwer ist, kein Leiden zu empfindlich, das nicht gebracht werden soll, um dieser Blumen willen, und heute sollst du sehen, wie wieder neue Blumen eingefügt werden in die Beete. Es sind noch viele Lücken.“

Barbara: „Ja Herr, ich sehe, daß überall noch Lücken sind. Ich sah es und verstand nicht, was Du mir zeigen wolltest.“

Jesus: „Ja, das verstehst du erst dann, wenn Ich dir es erschließe. Jetzt komm mit Mir, jetzt will Ich dich hineinführen in jene unterirdischen Räume, wo diejenigen harren, die noch nicht ganz und voll in ihrer Blüte dastehen, die noch allerlei Makel und Fehler an sich haben, die Meiner Anschauung noch unwürdig sind und daher noch nicht eingeführt werden in diese Blumenbeete des Gartens.“

Barbara: „O liebe Mutter, geh mit mir, damit ich doch nicht allein gehe. O lieber, heiliger Josef, meine lieben, heiligen Patrone, lieber, heiliger Schutzengel, kommt jetzt alle mit mir. Du mein heiliger Schutzengel, warst doch Tag und Nacht bei mir. Du hast die Fehltritte gesehen, die ich begangen. O bitte meinen Jesus um Verzeihung, wenn ich gefehlt, o um Seines heiligsten Blutes willen, um der Schmerzen Seiner heiligen Mutter willen, erflehe mir Vergebung.“

Und wir treten ein in diesen Ort der Erbarmung und der Betrübnis. O da ist es freilich anders als in dem Garten, den ich bisher schauen durfte. O welche Peinen, o welche Qualen, an diesem Ort. Wie abgemagert, wie schmerzlich sind die Züge, wie traurig ist der Blick, der mir da entgegensieht.

O erbarme dich meiner, erbarme dich meiner, liebe Schwester, erbarme dich meiner, o liebe Schwester, erbarme dich meiner..., so strecken sie ihr alle die Hände entgegen mit dieser flehenden Bitte.

„O mein Jesus, laß Dich erweichen. Sieh auf die Tränen Deiner Mutter, sieh auf das Leid, das Du so überfließend über Dich ergehen ließest, sieh auf die Millionen Märtyrer, die für Dich ihr Blut vergossen. Sieh, den ganzen Schatz der heiligen Kirche opfere ich Dir durch meine lieben, heiligen Patrone für all diese Seelen; all die Peinen Deiner treuen Kinder, die sie sich angetan durch Fasten, Wachen, Beten; alle ihre frommen Seufzer, die hinaufgestiegen zu Deinem liebenden Herzen, sovielmal mein Puls schlägt, von jenem Tag an, wo ich mir vorgenommen, mit Dir zu leiden und zu büßen an meinem Körper, und dies alles opfere ich Dir durch diesen heroischen Liebesakt.

O gib mir all die Seelen, die ich hier sehe, o erbarme Dich ganz besonders jener Priester, die meinem Gebet empfohlen sind und meiner Angehörigen. Es gibt in meinem Herzen keinen Haß, keine Feindschaft, auch für jene nicht, die mir Böses getan. Ich bitte Dich, führe sie alle ein; o gib sie mir, o Herr! O laß sie eingehen, gib sie mir, o Herr, denn ich habe mich ja auch Dir hingegeben. Ich weiß, daß ich eine arme Sünderin bin, aber ich weiß auch, daß Du so unendlich gut bist. Ich klammere mich an Dein liebendes Vaterherz; Du willst, daß ich mit Dir leide. Wohlan, so gib mir auch, um was ich Dich bitte.

O öffne das Fegefeuer, öffne die Pforte, laß sie alle einziehen. Um der heiligen Meßopfer, um Deines hochheiligsten Opfers willen, das täglich und stündlich auf unseren Altären dargebracht wird, bitte ich Dich. Was ich nicht kann, mußt Du ersetzen.

Um dieser gebenedeiten Schmerzensmutter willen, um der Schmerzen willen, die Sie erduldet, als Sie unter dem Kreuz stand, um dieser Schmerzen willen hat Sie große Gewalt über das Herz Ihres Sohnes. Und wer Sie um dieser Schmerzen willen anrufen wird, geht nicht ungetröstet von Ihr.

Darum geht Sie jetzt an diesem Ort der Pein umher, tröstend und helfend, und überall sehe ich eine Bewegung, aber nicht alle dürfen Ihr folgen. Diejenigen, denen Sie die Hände reicht, dürfen mit Ihr kommen, und sie werden meinem Herrn vorgestellt und in Begleitung meines heiligen Schutzengels, der vorauszieht, folgen sie alle, und das Tor öffnet sich wieder, und die Prozession tritt heraus, und sie singen ein Lied, das ich mitsingen soll. Hochpreiset den Herrn...

Und das Himmelstor öffnet sich und hinein zieht die Schar, die jetzt eingepflanzt werden soll in die Beete, in jene Blumenbeete, wo noch leere Lücken sind.

Jesus: „Siehst du, Meine Tochter! Dies ist Meine heilige Kirche. Das ist das Band, das Ich schließen will, an dem ihr euch halten sollt, Meine Kinder. Dies ist das Band, das Ich geknüpft am hochheiligen Fronleichnamsfest, das ausgehen soll aus Meinem Herzen durch die Verbindung, die Ich mit diesem Geschlecht eingehen will in der heiligen Kommunion. Das ist das Band, das Ich um euch schlinge, ihr Menschenkinder, und durch das Ich euch gefesselt halten will an Mich. Je mehr nun Meine Diener den Weg bereiten und erweitern werden, in dem Garten Meiner Kirche, durch die Gewalt, die Ich ihnen übertrug, je mehr sie den Kanal sprudeln lassen, durch den Meine Kinder bewässert werden sollen, desto herrlicher und desto üppiger werden die Beete sich gestalten und aufblühen, die zu bearbeiten Ich sie hinausgesandt in die Welt.

Dies sollen sie wissen. Dies ist es auch, was Ich dich lehren wollte, indem Ich dir den Auftrag gab, daß du mit deinen beiden Mitschwestern einen Bund schließen sollst. Diesen Bund, der ausgeht und umwunden ist vom Band der Liebe, der ausgeht aus Meinem Herzen und alle Menschen umfassen soll und die Menschen halten wird, daß sie nicht auf Abwege geraten. Sag an, bin Ich nicht ein guter Gott, ein liebender Vater, ein treuer Freund, ein unendlich schätzenswerter Bräutigam?“

Barbara: „Ja, das bist Du, o mein Jesus, und ich danke Dir im Namen aller Menschen, besonders derer, die mit mir an Dich glauben und festhalten zu Dir in Vereinigung mit mir und meinen zwei Mitschwestern.“

Jesus: „Und nun beschließe den Karfreitag und gehe hin in Vereinigung mit Meiner lieben Mutter, dorthin, wo du Mich finden wirst, wo die Kirche Mich heute ihren Kindern vorführt, ja gehe hin.“

Und Barbara stand sogleich auf und ging in die Kirche. Als die liebe Mutter Gottes mit Barbara ins Fegefeuer ging, blieb Jesus an der Türe stehen und ging nicht hinein.

67 Karsamstag 1896

„Tag für Tag sollst du siegen im Kreuz, und das Kreuz soll dich zur Glorie führen.“

Lied: Freu dich, du Himmelskönigin...

Jesus: „Komme mit Mir, Meine Tochter, zur Grabstätte, wo Mein heiliger Leichnam verschlossen liegt. Siehe, was Ich gelitten habe in diesen Tagen, was Ich erduldet habe Mein ganzes irdisches Leben hindurch, alles ist jetzt vorüber, all die Wehmut, die Ich erduldete, all die Schmerzen Meines Leibes und Meiner Seele, alles ist vorüber, und jetzt sieh, wie Ich gekommen bin, um diesen Leib, Der so innigen Anteil genommen an den Schmerzen Meiner Seele, wie Ich Ihn jetzt mit Mir nehmen will, damit Er auch Besitz nehme von der Herrlichkeit, an der Er jetzt auch teilnehmen soll.

Freue dich, Meine Tochter! Ja, freuet euch, Meine lieben Kinder, ihr alle, die ihr mit Mir das süße Joch traget und die Bürde, die Ich Selber tragen wollte, dreiunddreißig Jahre lang. Seht, alles ist vorüber, und komm mit Mir, wie Ich wieder fahre, um auch jene teilnehmen zu lassen an Meiner Freude, welche die Gerechtigkeit Gottes zurückhält, weil der Riegel noch vorgeschoben war vor dem Eingang jenes himmlischen Jerusalems, zu dem alle Geschöpfe gelangen sollen, die gesetzmäßig gekämpft haben hier auf Erden.“

Barbara: „O mein Jesus! Ich danke Dir, daß Du mich arme Sünderin würdigst, mich so unaussprechlich großer Liebe teilhaftig zu machen. O verzeih mir alles, was ich in meiner Jugend gesündigt habe, alle Fehler und Nachlässigkeiten der ganzen Zeit meines Lebens, besonders in dieser Woche. O mein Jesus! Wie armselig bin ich, wenn Du mich verläßt, wie muß ich gleich fühlen, daß ich aus mir selbst nichts bin als ein Häuflein Unflat und Würmer, denn aus meinem Herzen steigt nichts anderes auf als Armseligkeit, wenn Du nicht bei mir bist. O ich bitte Dich, verzeih!“

Jesus: „Ich kenne dich, Meine Tochter, jetzt fort mit all diesem. Dies sage Meinem Stellvertreter, den Ich dir auf Erden gegeben, und dann will auch Ich dir verzeihen, wenn du nur einsiehst, daß du alles aus Mir hast und nicht dein Haupt stolz erhebest und dir einbildest, als hättest du je ein Verdienst aus dir. Jetzt komme mit Mir und vergesse, denn auch Ich will vergessen, aber erst morgen, wenn du dich gereinigt hast.“

Barbara: „O mein Jesus! O mein Jesus! O mein Jesus! O welch ein Jubel, welche Freude, welche himmlische Glückseligkeit. O ihr glückseligen Patriarchen.“

Jesus: „Siehe, das sind die ersten Eltern. Durch diese kam das Unheil in die Welt. Aber sieh, mit welcher Sehnsucht, mit welchem Verlangen, und mit welcher Geduld sie harrten. Und jetzt will Ich sie einführen. Kommt also mit Mir!“

Und jetzt kommt eine Schar majestätischer Gestalten, sie sind ganz anders als die ersten Menschen.

Jesus: „Dies sind die Patriarchen mit all den vielen Gerechten, die mit ihnen an einen Gott geglaubt, die harrten auf den kommenden Erlöser. Dies sind die Propheten, die Ich in dieses Volk hinausgesandt, um ihnen die Strafgerichte anzukündigen, wenn sie von Mir abgewichen, oder um sie zu trösten, zu ermahnen oder sie zurechtzuweisen, oder – wenn es nötig war – sie belohnen zu lassen für all das, was sich bezog auf den kommenden Erlöser. Kommt alle mit Mir!“

Barbara: Und nun erheben sie sich, voran mein Herr. „O mein Jesus! O mein Jesus! O mein Jesus!“ Und dort im Speisesaal sind sie versammelt, die heiligen Frauen, vereint mit den Aposteln und den treuen Jüngern des Herrn, in tiefer Trauer. Es naht sich ein Engel der Mutter Gottes und stößt Sie an, und Sie steht auf und schwebt durch die Stadt, ja sie schwebt mehr als Sie geht, denn Sie kennt den himmlischen Botschafter. Und Sie eilt Ihm entgegen. O welch ein Jubel, welche Freude nach all den vielen Schmerzen, nach all den vielen Tränen.

„Ja, freue Dich, Du Himmelskönigin, freue Dich Maria! Freue Dich, das Leid ist all dahin, bitt Gott für uns, Maria!“

Maria: „Ja sieh, Meine Tochter! Siehst du, wie unendlich gut Derjenige ist, den Ich Meinen Sohn nennen kann? Siehst du die überschwengliche Freude Meines Herzens? Siehst du, wie Er alles belohnt? O harre aus mit Mir, denn noch muß Ich zurück, noch kann Ich nicht mit Ihm fort, denn Ich muß wieder zurück zu Meiner Kirche, die Mein Sohn erst stiften wollte, und die jetzt erst beginnen muß, die noch verschlossen ist in der Erde, aber die dann sprießt und grünt und blüht, und Ich muß sie noch bewässern und begießen mit dem Tau Meines Gebetes, mit den Belehrungen Meines Mundes, mit dem heroischen Beispiel Meines Wandels, damit diese Blume aufblühe und sich entfalte über den ganzen weiten Erdkreis. Beklage dich nicht mehr, trage, leide geduldig, denn es kommt die Zeit, wo auch du siegen wirst über all die Leiden dieses Erdenlebens. Sieh, Mein Sohn hat das Kreuz in den Händen, denn am Kreuz hat Er triumphiert.

Weißt du, was das bedeutet? Ja, daß du das Kreuz nicht aus den Augen und nicht aus den Händen lassen sollst, solange du Erdenpilgerin bist, denn im Kreuz sollst du siegen, Tag für Tag sollst du siegen im Kreuz, und das Kreuz soll dich zur Glorie führen. Auch für dich soll der Tag kommen, wo du mit der Siegespalme dich emporschwingen sollst zu deinem Erlöser.“

Barbara: „O mein Gott! O mein Jesus! O welche Glückseligkeit, o wie unendlich schön, nach einem Karfreitag, solche Ostern zu feiern. O glückseliger Karfreitag, der uns solche Ostern bringt. O so freuet euch mit mir, ihr Menschenkinder, und jubelt und singt mit mir, o helft mir doch! O mein Jesus! Wie unendlich glücklich sind wir Menschenkinder!“

Lied: Ist das der Leib, Herr Jesu Christ...

Jesus: „O geh hin und sag es Meinen Dienern, wie glücklich sie sind, wenn sie mit Mir Ostern feiern werden, wenn Ich sie herausrufen werde aus diesem Tal der Tränen, sie, die so innigen Anteil nehmen an Mir hier auf Erden, an Meinem leiblichen Leben, denn wie Ich müssen sie ihr Leben opfern für andere. Ich weiß es, denn sie sind ja Meine Brüder. Sie sollen aber auch siegen dereinst mit Mir, wie Ich gesiegt habe, sie sollen dereinst herrschen mit Mir über die ganze Schöpfung, denn sie sind diejenigen, die Meinen Wandel fortleben müssen hier auf Erden.

An ihnen sollen die Völker ihren Erlöser schauen. Wie erfreulich! Jene, die es nicht sind, diese sind sehr zu beklagen. Aber die meisten sind es doch, ein zweiter Christus auf Erden, wenn auch hie und da ein falscher Apostel lebt und wirkt, die meisten sind doch ein zweiter Christus hier auf Erden. Ihr aber, ihr Völker, ihr Erdenkinder, die Ich so hoch erhoben, die Ich zu so inniger Vereinigung mit Mir gelangen lassen wollte, daß Ich es nicht verschmähte, bis zum Ende der Tage unter euch zu verweilen, euch habe Ich sie gesetzt zu Wegweisern. Folget dem Finger, der euch fortwährend aufwärts zeigt, höret die Stimmen, die euch fortwährend ermahnen sollen an die Stimme des Lammes, das Johannes verkündete. Befolgt ihr es, so seid ihr gerettet; tut ihr es nicht, o wehe euch, o wehe! Dann muß der strafende Arm Meiner göttlichen Gerechtigkeit euch belehren, und er wird es tun! Ihr aber, Meine treuen Kinder, harret aus auf dem betretenen Weg, o sucht eure Zahl zu vergrößern durch Wort und Beispiel. In euch will Ich Mich entschädigen für all den Undank jener Kinder, die ausgeartet sind.“

Barbara: „Ja, so schallt es von einem Ende zum andern. O ihr Menschenkinder, vereinigt euch mit mir. O wie glücklich sind wir, einen solchen Erlöser zu haben, o wie glücklich sind wir, eine solche Mutter zu haben, o wie glücklich sind wir, solche Vorbilder, solche Wegweiser zu haben, wie die Priester der katholischen Kirche sind.

O ihr Menschenkinder, hätte ich doch eine Stimme, daß mich die ganze Welt hören könnte, hätte ich doch solche Füße, daß ich die ganze Welt durchlaufen könnte, um euch zu verkünden, wie gut der Herr ist. Wie wenig ist es, was wir tun, wie unendlich groß ist der Lohn schon auf dieser Welt.“

Jesus: „Ja, das ist der Lohn, den Ich Meinen treuen Kindern gebe für die kleinen Opfer, die sie für Mich gebracht. Siehe, Ich habe Meinem Volk Gebote gegeben auf dem Berg Sinai; siehe, Ich habe ihnen Gebote gegeben durch Meine heilige Kirche. Halten sie Meine Gebote, so halten sie auch die Gebote der Kirche, denn Meine Gebote sind auch die der Kirche und die der Kirche sind auch Gottes Gebote.

Darum die kurze Zeit, die Meine Kirche Meinen Kindern auferlegt zur Buße für ihre Sünden. Wenn sie nun dieser Stimme folgen, will Ich sie alle entschädigen für die Zeit, für das wenige, das du für Mich getan. Ich bin zufrieden mit dem wenigen, Ich verlange nichts Unmögliches, denn Ich bin ein gar guter Gott, ein gar zärtlicher Vater, ein zärtlich liebender Bräutigam. O sage, sage allen, die zärtlichen Namen, die Ich Mir beilege, ist keine Ruhmessucht, denn Ich bin es in Wirklichkeit! Ich bin es euretwillen. Ich bin es, um euch glücklich zu machen, um euch glücklich zu wissen.“

Barbara: „O Herr, so bitte ich Dich auch noch für Deinen Diener in N. Vereitle die Pläne solcher, die Deine Diener schädigen wollen. Laß nicht zu, daß etwas befördert werde, wo die Kirche in Nachteil kommt, denn Du kennst die Gottlosen und wie sie Deine Diener hassen.“

Jesus: „Nein, Meine Tochter! Sage es nur N., Ich werde wachen über die Ehre Meines Hauses, Ich werde wachen über die Ehre jedes einzelnen dieser Genossenschaft, wenn sie ruhig zusehen, wie der Bau aufgeführt wird. Ich werde das Gegenteil von dem zu verbreiten wissen, was die gottlose Welt beabsichtigt; denn Ich werde durch das gute Beispiel Seelen anzuziehen und zu retten wissen, die nie gerettet worden wären, wenn sie nicht das Glück gehabt hätten, in der Nähe dieses Hauses wohnen zu können.“

Barbara: „Es wird also nicht verhindert werden, o Herr?“

Jesus: „Nein!“

Barbara: „Ich wollte Dir noch einwenden, ich wollte noch bitten, ich will es aber nicht tun, denn ich erkenne an Deiner Rede, daß es doch zustande kommt. Dein Wille geschehe! Ich spreche so im Namen dieser Deiner Diener, denn ich weiß, wie gut sie sind, und daß sie nur Deinem Willen folgen wollen. Darum Dank Dir, o Herr, für alles, was Du sagst uns allen. Ob gelehrt oder ungelehrt, arm oder reich, Dienstbote oder Vorsteher, wir alle dürfen von Dir lernen und sollten Deine Worte hochhalten.

Sieh, ich weiß, daß sie es auch in Ehren halten. Ich bitte Dich, Du wollest Pater Ludwig beistehen in der Mission. O sieh, wie dauern sie mich, wo bleibt denn ihre Osterfreude? Hinaus schickst Du sie zu den armen, verkommenen Sündern. Wo bleibt denn ihre Osterfreude?“

Jesus: „Sei zufrieden, Meine Tochter! Ich habe es dir gesagt, daß sie das Beispiel verwirklichen, das Ich der Menschheit gab. Wo war denn Meine Ruhe? Ja, unter den getreuen Seelen, dort war auch Meine Ruhe. Es war auch Meine Freude, das unwissende Volk zu belehren, die bedrängte Menschheit in ihrem Leid und Elend aufzurichten; dann zog Ich Mich in irgendeine liebende Familie oder zu einer treuen Seele, um ausruhen zu können.

Das dürfen sie und sollen es tun und werden es auch tun. Ich werde ihnen schon eine Freude zu verschaffen wissen. Darum glücklich alle diejenigen, die Meine Worte hören, die Ich durch dich sprechen will, denn es sind Worte der Liebe, liebe Worte, die da ausströmen aus Meinem göttlichen Herzen, und überall, wo sie hindringen, das Feuer Meiner Liebe entzünden sollen.“

Lied: Heilig Herr, Gott Sabaoth...

Barbara: „O nimm mich mit aus dieser armseligen Welt. Du weißt, wie armselig ich bin, wenn ich wieder in der Welt bin. O ich möchte bei Dir bleiben, da ist es so schön, o welch ein Jubel, welche Freude!“

Und jetzt fängt die Vorbereitung an, wie man sich jetzt anschickt, das hochheilige Ostern im Himmel zu feiern. Es wird ein Thron aufgerichtet, und ich sehe ein Lamm darauf mit dem Siegesfähnchen. Wie ist die liebe Mutter Gottes so beschäftigt, um diesem Lamm alle mögliche Ehre zu erweisen. Ich sehe aber nicht die drei göttlichen Personen, ich sehe nur das Lamm.

„Es ist also morgen ein Fest, das nur Dir gilt, o göttlicher Sohn, als dem Lamm Gottes. O heilige, glückselige Ostern. Vollbracht ist die Erlösung. Du bist eingegangen und hast Besitz genommen von Deiner Glückseligkeit. Ich bete Dich an, lobe und preise Dich, o allerhöchste Majestät. Noch eine Bitte: O mache, daß N. ihren Sohn behält. Du kennst ja das gute Herz, am Ende verdirbt es.“

Jesus: „Ich will ihn dir schenken. Er soll sich aber nicht anschließen an leichtfertige Genossen, er soll Mir sein gutes Herz bewahren und Mir dankbar sein.“

Zu N.: ‚Siehst du, wie Ich dich entschädigt habe für das Opfer, das du gebracht, indem du den Witwenstand so treu gehalten, siehst du, wie reichlich entschädigt du bist? Warte, warte, in der Ewigkeit soll es dir hundertfältige Früchte bringen.‚ O ihr Menschenkinder, o hört die Stimme eures guten Vaters. So will Ich alle Menschen beglücken, die Mir nachfolgen, nicht, daß Ich ihnen das Kreuz ersparen werde, Ich habe es auch dieser armen Witwe nicht erspart. Ich habe ihr Leben aber doch so durchwirkt und so versüßt bei all dem Kummer, den sie zu ertragen hatte, daß sie es nicht fühlte. Ich habe sie in ihren Kindern gesegnet, und so will Ich auch zu allen Menschen sein.“

Lied: Hochpreiset meine Seele den Herrn...

68 Ostersonntagnacht 1896

bekam Barbara ihr Leiden nachts. Die Anwesenden konnten aber nichts aufzeichnen. Nur einige Bruchstücke: „Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat, kommt...“

Maria: „Siehe, Meine Tochter! Heute und die kommenden Tage muß Mein Sohn hinabsteigen in so manche Herzen, die Ihn Seinem Widersacher überliefern. Sieh, wie gut Er es meint mit den Menschen. Schreite du nur mutig weiter. Leide, opfere, sühne! Noch ist es Ostern, noch ist manches Unkraut auszurotten. Alles trägt dir hundertfältige Frucht für die Ewigkeit.“

Dann wurde Barbara schwerkrank, daß sie glaubte, sterben zu müssen; der Todesschweiß stand ihr auf der Stirne; sie konnte keine Gliedmaßen mehr bewegen. Da sie gegen vier Uhr ihr Leben im Gebet aufopferte, bekam sie inneres Licht zu erkennen, daß es nur das Leiden für die Sünder sei, denn es würden in diesen Tagen so viele unwürdige heilige Kommunionen empfangen. Deshalb sei Er gekommen, Trost zu suchen.

69 Zweiter Freitag April 1896 vor Weißem Sonntag

„Weil Ich nämlich nur dann strafe und schwer strafen muß, wenn die Bosheit des Satans dazwischen ist.“

Als Barbara morgens das Leiden herannahen fühlte, sie aber dennoch fortfuhr zu arbeiten, weil sie gerne noch manches fertigmachen wollte, hörte sie die Worte:

Jesus: „Hast du denn heute gar keine Zeit für Mich, gönne Mir doch ein bißchen Zeit.“(worauf Barbara sofort die Arbeit einstellte)

Lied: Mein Herz erglüht...

Barbara: „O mein Jesus! O mein allerliebster Jesus! Du Bräutigam meiner Seele! Wie unendlich gut bist Du, wie läßt Du Dich herab zu mir, Deinem armseligen Würmchen, Deinen armen Geschöpfen, die nicht wert sind, daß die Erde sie trägt, und Du kommst zu mir, die doch nichts ist als Staub und Asche, nichts als Sünde und Verderbnis. Wie bin ich doch so lau und nachlässig, wenn Du nicht bei mir bist, wenn Du Dich zurückziehst. O verzeih mir, daß ich mir so wenig Mühe gebe, Dir so treu zu dienen wie ich sollte, da Du mich mit so unendlicher Liebe überhäuft hast die ganze Woche, Deine bittere Leidenswoche, wo Du mich hinangeführt an das Kreuz zu Deiner heiligen Mutter.

O welche Liebe hast Du mir erwiesen all diese Tage. O ich danke Dir noch einmal, o Du unendliche Liebe, o Du unendliche Güte! O hätte ich doch die Sprache eines Seraphs, um Dich würdig loben und preisen zu können, um Dir würdigen Dank auszusprechen. Darum bitte ich dich, o mein heiliger Schutzengel, der du dich mir gezeigt als einer der höchsten Seraphim, o rede du die Sprache, die ich reden sollte, lobe und preise du meinen Jesus statt meiner! O ihr lieben neun Chöre der Engel, besonders Du, o Königin der Engel, o liebe Mutter, Deinem Schutz hat Er mich übergeben an dem Tage, als Er mich zur Braut annahm. Danke Du Ihm, lobe und preise Ihn für mich. O ihr Patrone, die ich mir erwählt und die Er mir gegeben, daß ihr mich begleiten sollt auf dieser irdischen Pilgerschaft, in deren Gesellschaft ich dereinst leben soll, o betet an mit mir, lobet und preiset das göttliche Herz meines himmlischen Bräutigams. O wie bin ich doch heute so glücklich, o Herr. Heute zeigst Du Dich nicht als leidender Gottmensch, heute kommst Du als ein liebender Bräutigam zu mir, der sich freut auf die nahe Vermählung mit einer recht liebenden Braut, der die letzte Vorbereitung treffen will, um dieser Braut sich recht gefällig zu zeigen.“

Jesus: „Ja, das bin Ich, Meine Tochter! Du weißt auch nicht, mit welcher Sehnsucht Ich dem Tag entgegensehne, wo die Kinder zum ersten Mal zu Mir kommen, diese Lieblinge Meines Herzens, diese Veilchen im Dorngestrüpp der Welt. Aus ihnen will Ich Mir ein Sträußlein flechten, das an Meiner Brust ruhen soll, das Meine Brust schmücken soll im himmlischen Jerusalem, und alle Bewohner dieser himmlischen Stadt sollen sich an dem Wohlgeruch dieses Sträußchens erfreuen, sollen mit Mir einziehen den süßen Duft der Tugenden dieser Kinder.“

Barbara: „O Herr, es sind doch die Kinder der jetzigen Zeit so beklagenswert, man hört so viele Klagen. Ist es möglich, daß Du Dich an ihnen erfreuen kannst, daß sie wirklich Lieblinge Gottes sein können?“

Jesus: „Und doch ist es so, Meine Tochter! Wohl ist die Jugend recht verderbt, wohl ist viel zu klagen über sie, der Zeitgeist, der in der Familie weht, ist aufgenommen in das Kinderherz, ja, ist mit ihm aus dem Blut der Mutter mit eingegangen in des Kindes Atem, und doch sind sie Meine Lieblinge, denn sie haben noch nicht jenes Alter erreicht und jene Kenntnisse sich gesammelt, die sie befähigen könnten, zu hassen oder zu lieben. Verstehst du Mich? Was sie tun, ist immer noch mehr Unbefangenheit und Leichtsinn, ausgenommen einige Fälle, wo Kinder schon recht schwer sündigen können, und doch sind sie noch nicht so strafbar, als wenn sie jenes Alter erreicht hätten, wo Ich zwischen sie trete und ihnen sage: ‚Das darfst du tun und das darfst du nicht tun!‘ Und solange sie die Fähigkeit noch nicht besitzen zu unterscheiden zwischen Gut und Böse, und wenn sie diese besitzen, noch nicht jene Bosheit in sich aufgenommen haben, die Mich freiwillig von sich stößt, die sich sagt: ‚Ich weiß, wenn ich dieses tue, vertreibe ich meinen Gott, und ich tue es doch!’ Das tun nur jene Menschen, die mit voller Überlegung sündigen.

Sieh, das ist alles sehr zu bemerken, denn wenn Ich die ganze Menschheit umfasse und betrachte, wie sie ist, und sehe das viele, viele Böse, das geschieht, den vielen Unglauben, der Mich verwirft, die viele Unsittlichkeit, die Mich hinausstößt aus den Herzen, das viele Unrecht, die Ungerechtigkeit, die getrieben wird in jedem Fach der menschlichen Gesellschaft, ja, dann wäre es nicht mehr länger möglich, die Welt, die Menschheit, aufrechtzuerhalten mit Meinem allmächtigen Arm, wenn nicht dieses eine Mich zurückhielte, weil Ich nämlich nur dann strafe und schwer strafen muß, wenn die Bosheit des Satans dazwischen ist, wenn satanische Bosheit im Spiel ist. Darum gebe Ich dir immer ausführliche Belehrungen, um die Menschheit zu überzeugen, wie gut Ich bin, und daß Ich doch auch – obwohl Gott, Vater und Richter dieser Menschen – immer noch Nachsicht habe mit ihren Schwächen und haben muß, weil sie nur armselige Geschöpfe sind. Nun glaube Mir, wenn Ich dir sage, daß Ich mit dem ganzen Menschengeschlecht Nachsicht habe und Meinen strafenden Arm zurückhalten will, weil nicht alles, was Böses ist in der Welt, auch schon an sich satanische Bosheit ist, sondern mehr Leichtsinn, Unwissenheit und Unverstand, und wenn dieses bei vielen Menschen, bei den meisten, der Fall ist, um so mehr bei Kindern. Wie liebe Ich die Kinder! O so komm und teile Meine Freude, Meine Tochter!“

Barbara: „Ich danke Dir, o Herr, für die Liebe, für Deine Herablassung, daß Du uns so belehrst. O Du unendlich gütiger Gott! Also zeigst Du mir heute, daß doch viele Menschen gerettet werden, gelt?“

Jesus: „Ja, alle Menschen werden gerettet, die im Schifflein Petri sich befinden, wenn sie nur noch auf dem äußersten Rand dieses Schiffleins stehen und sich nicht hinabstürzen in die Fluten des Unglaubens, wenn sie mit reumütigem Herzen zu Meinen Dienern kommen und ihre Schuld bekennen, sollten auch ihre Sünden zahlreicher sein als der Sand am Meere, unergründlich tief wie das Meer und alle Sündenregister umfassen würden, so will Ich ihnen doch verzeihen, denn dafür bin Ich ja gekommen, dafür habe Ich ja gebüßt und gesühnt und Mein Herzblut für sie hingegeben. Ich sage dir nochmals, wenn sie nur auf dem Rand des Schiffleins bleiben, will Ich sie retten. Drum freue dich mit Mir! Je mehr eingehen in dieses liebende Herz und in je mehr Seelen Ich hinabsteige und sie bewässere mit dem Tau Meiner Gnade, mit dem süßen Duft Meiner Gegenwart, desto allumfassender wird die Wirksamkeit sich gestalten, durch welche die Seelen gerettet werden.“

Barbara: „Ich danke Dir, o Herr! Ich habe mich immer gefreut auf den Weißen Sonntag, wenn die Kinder sich zum ersten Mal am Tisch des Herrn einfinden, aber ich hatte doch immer Angst, besonders hier in M., wenn ich das leichtfertige Wesen der Kinder sah. Aber jetzt will ich mich doch vielmehr freuen, da Du so unendlich gut bist und alle Fehler bedecken willst mit Deiner Liebe und Deiner Güte. O welch ein Trost für die Priester, die sich doch manchmal betrüben, wenn sie zusehen mußten, daß ihre Worte nicht beachtet wurden und diese so leichtfertig darüber hinweggehen.“

Jesus: „Ja, das ist so. Hörten doch alle Meine Diener die Sprache, die Ich durch dich rede. Sie wissen wohl, daß Ich ein guter Gott bin, aber der Mensch ist so arg beengt, und doch wollte Ich, daß alle mit Freuden Mir dienten. Einen freudigen Geber liebe Ich. Wie habe Ich ja doch bis zum letzten Augenblick Meines Lebens unter diesem Geschlecht alles übersehen, was Mich hätte niederschmettern und betrüben können, nur um sie zu retten, und alle wurden gerettet, die nur gerettet sein wollten. Nur jene konnte Ich nicht retten, die Mich von sich stießen. Möchten doch Meine Diener immer auf Mein Beispiel sehen.

Ich bin ja noch Derselbe, Der Ich war vor neunzehn Jahrhunderten und werde es sein bis zum Ende der Welt. Mit Freuden Mir dienen, die Leiden mit Mir tragen, das ist der königliche Weg, den Ich gegangen bin und den sie alle gehen müssen, wenn sie zu Mir in den Himmel gelangen wollen, wenn jene ächzen und stöhnen, die Meine Liebe nicht kennen und Meine Sprache nicht verstehen.“

Barbara: „O mein Jesus! Ich laß Dich heute nicht so fortgehen! Gib doch Pater Bonifaz ein freies Herz, erleichtere doch, was ihn niederdrückt, gib ihm doch bessere Gesundheit!“

Jesus: „Er selbst ist schuld, er schiebt immer einen Riegel vor, wenn Ich ihn mit Meiner Gnade überhäufen will.“

Barbara: „O gib ihm doch ein gläubiges, freudiges Herz!“

Jesus: „Ja, das ist Mein Wille, so soll es sein, aber Ich brauche, um die Gnaden einzusenken, auch den Willen des Menschen. Der Mensch muß Mir seine Zustimmung geben, wenn Ich ihn mit besonderen Gnaden überhäufen will. Er muß seinen Willen Meinem Willen unterwerfen, vollkommen und frei, daß Ich mit ihm tun kann, was und wie Ich es will, nicht, was er will. Dann will Ich ihn auf jene Bahnen geleiten, wo er all die Kleinigkeiten dieses Lebens ansehen wird wie jenen Kot, der im tiefen Tal niedergetreten wird, wie auf einem hohen Berg stehend, wo er verächtlich auf all die Dinge schauen wird, die ihn jetzt so niederdrücken. Tut er dieses nicht, dann wird er sein ganzes Leben den Kot treten und Mir dienen wie ein Sklave.

Seine Gesundheit wird sich nur dann heben, wenn sein Geist frei ist, wenn sein Geist nicht mehr gefesselt ist von all den kleinen niederen Dingen, die ihn so vielfach hindern, Mich zu lieben. Ich hab’ ihm schon alles gesagt, wie Ich ihn belohnen will, welche Güter seiner warten, er will aber nicht!“

Barbara: „O mein Jesus! Ich danke Dir für alles, für all die Belehrungen und bitte Dich, gib doch allen Kindern der St.-Ignatius- -Pfarrei und Pfarrer N. eine gute Vorbereitung, ziehe doch einige ganz an Dich mit Deiner Liebe und erwecke auch einige Priester unter ihnen. Kommst Du denn morgen noch einmal?“

Jesus: „Das sage Ich dir nicht, nur sage Ich dir: setze Mir kein Hindernis, wenn Ich kommen will! Haltet euch recht an Meine heilige Mutter und verehrt Sie, und Sie wird euch alles lehren, wie ihr Mir dienen sollt. Und nun lebet wohl, Meine Kinder, bis Ich wieder komme!“

70 Samstag vor dem Weißen Sonntag 1896

„Ich tue aber nichts und kann dir es nicht geben ohne dein Zutun; denn du hast deinen freien Willen.“

Lied: O süßer Jesu mein...

Jesus: „Komme, Meine Tochter, begehe mit Mir das Fest, das Mein Herz zu feiern beginnt. Zieh ein mit Mir in die Hochzeitskammer zu Meinen Bräuten, zu den Bräuten Meines Herzens. Sieh, im ganzen Kirchenjahr ist kein Fest so freudig, mit solcher Wonne für Mein liebendes Herz geschmückt wie dieses Fest, das du jetzt mit Mir zu feiern beginnen sollst. Ich bin ein Freund der Kinder, auch als Ich unter den Menschen wandelte, und bin jetzt noch immer ein Freund der Kinder in Meinem sakramentalen Wandel unter den Menschen, denn Ich will jetzt noch mit den Menschen wandeln wie damals, als Mein Körper Mich noch den Menschen sichtbar zeigte. O die Kinder, die Engel im Fleische, wie sehnt Sich Mein Herz, in sie einzugehen und mit ihnen Abendmahl zu feiern und sie mit Mir. O daß Ich doch bei ihnen bleiben könnte! Da finde Ich noch Gehör, da ist das Herz noch hell und sonnenklar, die Wolke des Unglaubens hat es noch nicht verfinstert, und die Sinnenlust hat es noch nicht getrübt.

Gut ist es, daß die Kinder in der Diözese M. Mir früher zugeführt werden, als es anderswo üblich war. Mit den Jahren wächst die Leidenschaft, und das Kind nimmt nicht zu an Weisheit und Gnade, wohl aber mit jedem Jahr an Sünde und Verkommenheit! Was tun jene Väter und Mütter sich für einen unabsehbaren Schaden zufügen an ihrem Kind, die es aus nichtigen Gründen, aus purer Eitelkeit, oder was noch schlimmer ist, aus lauter Bosheit zurückhalten, weil sie Mich schon längst aus ihrem Herzen verbannt und Meinem Widersacher am häuslichen Familienherd Platz eingeräumt haben.

Drum muß das Kind das Glück entbehren, das es allein noch retten könnte. Manches Kind könnte sich durch Meine Gnade und durch den öfteren Empfang der heiligen Kommunion und Vereinigung mit Mir doch so weit entwickeln in seinem Glaubensleben, daß es, bis die Zeit heranrückt, wo die Leidenschaft im Menschen stärker ist, sich selber leiten könnte ohne Zutun der Eltern. Darum wehe jenen, die solches Unglück herbeiführen. Wie streng werde Ich sie zur Rechenschaft ziehen am großen Tag des Gerichts. Wehe denjenigen, die eines dieser Kleinen ärgern!“

Barbara: „O mein Jesus! O ich bitte Dich für die Kinder in der Pfarrei I. O ist es möglich, daß eines von ihnen Dich unwürdig empfangen könnte? Ich bitte Dich, laß doch keines unwürdig hinzutreten zu Deinem Tische. Ich empfehle Dir ganz besonders meine Nichte.“

Jesus: „Sei unbekümmert, Meine Tochter! Die Kinder sind alle gut vorbereitet und keines von ihnen hat eine solche Herzensrichtung, daß Ich nicht gern zu ihm ginge. Es sind in diesem Jahre keine böswilligen Kinder dabei. Ich bin zufrieden.

Ich habe dein Gebet erhört und das deiner beiden Freundinnen, und weil ihr so innigen Anteil nehmt an Meinem Interesse, drum nehme Ich es auch an dem eurigen. Du staunst, daß Ich so auffallend komme, daß Ich dich herausreiße mitten aus deinem geschäftlichen Treiben und dich rufe, Meine Worte zu hören!

Aber sieh, was Ich dir damit sagen will: Du und deine Freundinnen sollt genießen die Freude Meiner Kinder, die Ich all denjenigen bereite, die nach dem Kirchenjahr leben wollen. Siehe, welch herrliche Feste Meine Kirche vollführt, und wie wenige es sind, die dieses Glück genießen und den Wohlgeruch dieser Feste einatmen in sich. Ich will dir aber zeigen, von welch großem Nutzen es ist, diese Feste, die Ich Dir neulich mit schönen Blumenbeeten im Garten Meiner Kirche bezeichnete, so mitzuleben und das Glück in sich aufzunehmen, das jedem daraus hervorgehen soll.

Siehe, dieses ist der Vorgeschmack jener unendlichen Glückseligkeit, die dereinst jedes arme Menschenkind besitzen und genießen soll auf ewig. Die Freude ist noch nicht verrauscht, und schon wieder will Ich ihnen eine Freude bereiten. Man erzählt sich noch von dem Glück, das man genießt, und schon wieder führe Ich die Meinigen hinein in ein noch größeres Glück; denn in Mir sind alle Schätze der Weisheit und der Liebe, und diese feiern Meine Himmelsbewohner unaufhörlich. Sie bewundern diese Schätze in Mir, und Ich gieße sie aus über sie, Tag für Tag. O du armes Menschenherz! Du zagst und zitterst und krümmst dich, weil dir die Prüfung zu hart vorkommt, die Ich doch unbedingt von dir verlangen muß. Hab Geduld, denn es kommt der Tag, wo sie vorüber ist. O glückselig diejenigen, die es verstehen, treu mit Meiner Kirche zu wandeln, das ihnen gesteckte Ziel zu verfolgen, ohne auf die Unannehmlichkeiten, die sich dabei in den Weg stellen, zu achten.

Alles, was sie belästigt, hat Meine Weisheit angeordnet, um ihre Schritte auf gerader Linie zu halten. Warum krümmst du dich, du armer Erdenwurm? Ja, weil du es nicht verstehst, die Blicke abzuwenden von dem, was Ich dir nur gegeben habe, um dieses Leben dir erträglich zu machen. Komme einmal an die Kommunionbank und freue dich mit Mir! Ich sehne Mich, zu diesen lieben Kleinen hinabzusteigen. Aber sieh auch Meinen Schmerz, weil viele von ihnen Mich wieder verlassen werden und Meine Liebe nicht beachten. Jetzt sind sie noch rein, aber nicht mehr lange, und es kommt ein anderer in dieses Herz, dem Ich Platz machen muß, und sie wandeln finstere Wege. O die armen, armen Kinder!“

Barbara: „O mein Jesus! Laß doch nicht zu, daß meine zwei Nichten dabei sind. O erhalte sie in Deiner Gnade. Ich bitte Dich für alle Kinder, besonders aber für diese. Erhalte die Unschuld in ihnen, daß die Sinnlichkeit keinen Eingang findet.“

Jesus: „Ja, Ich werde es tun.“

Barbara: Und die liebe Mutter Gottes nimmt einige Kinder aus der Schar heraus und führt sie Ihrem göttlichen Sohn vor. Dies sind diejenigen, die sich Ihm ganz weihen.

Lied: Hochpreiset...

„Wir glauben, o Herr, daß Du wahrhaft hier bei uns bist. O gib doch Pater Bonifaz den heiligen Glauben und die heilige Freude.“

Jesus: „Ja sieh, welchen Schaden sich Meine Diener zugefügt, sie, die alles verlassen haben und Mir nachgefolgt sind. Warum schleppt er sich so einher? Möge er doch in sich die Hindernisse hinwegräumen, die Zweifel, die Verängstigungen, die ihm Satan beibringt und sich Mir in die Arme werfen. Mit welcher Freude will Ich ihn an Mein Herz drücken. Er soll sie genießen, die heilige Freude, ja, er soll sie genießen, wahrhaftig genießen, er und alle Meine Diener. Ich will es ja, Ich bin bereit, sie allen Menschen zu geben, ganz besonders aber denjenigen, die danach verlangen. Verlangen mußt du, Mein lieber Christ, Mir mit Freuden zu dienen. Dann werde Ich es dir auch tun.

Ich tue aber nichts und kann dir es nicht geben ohne dein Zutun; denn du hast deinen freien Willen. Dadurch unterscheidest du dich von den übrigen Geschöpfen. Du kannst sündigen, oder aber du brauchst es nicht tun. Du kannst lieben, oder aber du tust es nicht. Du kannst Mir dienen und mit Freuden dienen, und wenn du es nicht tust, bin und muß Ich auch zufrieden sein. Das Leben ist die Prüfungszeit und die Ewigkeit ist lang genug, um diese Prüfungszeit auszugleichen. Wo wäre Meine Wahrhaftigkeit, wo wäre Meine Treue, wenn es anders wäre, wenn Ich anders handeln wollte an Meinen Geschöpfen? Denn Ich bin ja ihr Schöpfer und die unendliche Weisheit ist es, die dich erschuf, und die mit sich zu Rate ging, als sie dich erschuf, o Mensch!

Und was könnte Ich weniger von dir verlangen, als daß du diese Weisheit mit dankbarem Gemüt anerkennst und dich in alles, was Ich über dich verordnete, mit deinem Willen fügest?“

Barbara: „Ich danke Dir, o Herr, für all die Belehrungen. O mein Jesus, Barmherzigkeit, für mich und alle Menschen.“

71 Erster Freitag im Mai 1896

„Daß nur diejenigen, die allen Einsprüchen Meines Geistes hartnäckig widerstehen, verlorengehen werden.“

Lied: Maria Maienkönigin...

Barbara: Und ich sehe meinen geliebten Herrn als den Bräutigam meiner Seele und neben Ihm Seine Mutter als Königin, als Maienkönigin, als die allerreinste Braut der Priester!

„O mein Jesus! Du hast mir gesagt, Du wolltest mich belehren, wie wir Deine heilige Mutter verehren und lieben sollen. O tue es doch, mein Herr, ich will Dir heute als eine gelehrige Schülerin all meine Aufmerksamkeit schenken. Vor allem bitte ich Dich um Verzeihung für alle Nachlässigkeiten, die ich in diesen vierzehn Tagen gegen Dich verübt habe. O wie armselig war ich in dieser Zeit, wo Du abwesend warst. O wie habe ich mich gesehnt in den letzten Tagen, doch einmal wieder Deine Nähe zu fühlen, mit Dir zu verkehren. O verzeih mir all die Gleichgültigkeit in dieser letzten Zeit, weil ich mir so wenig Mühe gegeben habe.“

Jesus: „Ja, siehst du, Meine Tochter, dadurch wollt’ Ich dich lehren, was du aus dir selbst kannst, und was du aus dir bist, du Häuflein Staub und Asche. Dein Herz ist ein Missetäterloch und sonst weiter nichts, und was gut an ihm ist, das ist Mein, das bin Ich. Darum höre Meine Stimme, höre, was Ich dir sage: Ich will Sie dir vorführen, in deren Fußstapfen du eintreten sollst, und das ist Meine heilige Mutter. Ich habe dir heute früh nach der heiligen Kommunion Meine heilige Mutter in gar herrlicher Gestalt gezeigt. Sie gab dir ein Sträußchen Blumen, weil du dich so sehr beklagtest, daß du in dem letzten Monat so nachlässig seiest gewesen und hast dich an Mich gewendet, Ich möchte ersetzen, was du in der ganzen Zeit gefehlt. Deswegen solltest du heute deine heilige Mutter schauen. Weißt du, was Sie dir mit dem Sträußchen Blumen, das Sie dir überreichte, sagen wollte? Blumen sind ein Sinnbild der christlichen Tugenden. Und wer hat diese Tugenden in vollendeter Weise ausgeübt: Meine heilige Mutter! Und Ihre Tugenden sollst du Mir zum Opfer bringen, damit ist alles ersetzt, was du gefehlt hast.

Siehe, das möchte Ich allen Erdenpilgern gesagt haben und durch diese, Meine kleine Dienerin, sagen lassen, daß doch ja niemand verzagen soll auf Erden. Darum habe Ich euch Meine heilige Mutter hinterlassen, die alles tun wird für euch. Und Ich sage dir: Große Verheißungen will Ich denen geben, die Meine Worte hören und sie mit gutwilligem Herzen aufnehmen.

Es sollen jene Priester in ihren Gemeinden eine Wirksamkeit entfalten, die sie nie in Bangigkeit versetzen soll wegen des Heils ihrer anvertrauten Kinder und Seelen. Ich meine jene Seelen, die noch im Schifflein Petri sind, die noch nicht ausgetreten und hinabgestürzt sind in die Fluten des Unglaubens, auch wenn sie nur noch auf dem äußersten Rand sitzen. Diese sollen gerettet werden durch die Wirksamkeit Meiner Priester, und sie, die Meine heilige Mutter als solche verehren und anerkennen, sie sollen jene Mitgift Ihr entgegenbringen, die Ich dir einmal an einem heiligen Dreikönigsfest angegeben habe. Dort habe Ich dir gesagt, Meine Tochter, sie sollen Ihr ihre Seele zum Opfer bringen, das heißt, ihre ganze Liebe, das ist der Weihrauch, das Gold der Liebe.

Zweitens habe Ich dir gesagt, sie sollen ihren Leib zum Opfer bringen, das heißt, sie sollen nichts in sich aufkommen lassen, was dieser ihrer allerreinsten Braut mißfallen könnte. Denn gleich wie Sie Ihr ganzes Sinnen und Streben nur darauf gerichtet hatte, Mir wohlgefallen zu sein und nicht der Welt, und nichts für Sich in Anspruch nahm und Ihr Wandel ganz im Himmel gewesen ist schon hier auf Erden, so sollen auch sie es tun. Sie sollen Ihr ihr Herz zum Opfer bringen mit all seinen Neigungen, das heißt, alles, was diesem Herzen Widerwärtiges begegnen wird in diesem Leben, all die Leiden, all die Opfer, die an ihr Herz gestellt werden und herantreten. Denn das Leben des Priesters ist ein beständiges Opferleben, weil auch Mein Leben ein beständiges Opferleben war, und diese ihre Leiden und ihre Opfer, die sie bringen müssen, die der Beruf mit sich bringt, Ihr Tag für Tag zum Opfer bringen und Ihr sagen: Du meine königliche Braut, Du Allerliebste meines Herzens, wenig ist es, was ich aus mir kann, alles was ich aber kann, das will ich Dir übergeben.

Sieh, der Herr setzte mich zum König über die Menschheit, der Herr setzte mich zum Herrscher über alle Herzen, über die Menschenherzen, also bin ich König der Schöpfung, König der katholischen Kirche, des Reiches Christi auf Erden. So nimm alles hin, was ich bin und habe, es gehört auch Dir. Darum komme und trete in gleiche Herrschaft mit mir, herrsche Du über die Herzen mit mir, über die Herzen meiner Kinder, meiner Pfarrei, dieses Klosters, dieser Stiftung, dieser Diözese, der ich vorstehen muß.

Sie sollen sehen, wie sie die Herzen gewinnen, mit welcher Liebe sie ihre Kinder behandeln, mit welcher Liebe sie ihre ausgearteten Kinder aufsuchen und ihnen nachgehen werden. Ich verspreche ihnen, daß keines ihrer anvertrauten Schäflein zugrunde geht, auch wenn es vorkommen sollte, daß ein Schäflein stirbt ohne die heiligen Sterbesakramente, weil man sie nicht zur rechten Zeit gerufen, mit oder ohne Schuld, oder weil sie selbst nicht kommen konnten.

Wenn diese Seelen nur vorher noch im Schifflein Petri gestanden sind, dann soll all ihre Angst sie nicht beunruhigen, denn sie sollen wissen, daß Eine an ihrer Seite steht, die sie unsichtbar vertritt in ihrem Amte, dem sie sichtbar nicht vorstehen konnten, und daß nur jene verlorengehen, die in den Abgrund des Unglaubens, den Abgrund des verstockten Unglaubens gestürzt sind. Das heißt, daß nur diejenigen, die allen Einsprüchen Meines Geistes hartnäckig widerstehen, verlorengehen werden. O mein Herz ist weit und groß, und was Ich anordne in Meiner Kirche, und was Ich spreche durch Meine Kinder, durch eine Seele, die, vereint mit Meinem Geist, eines Herzens und eines Sinnes mit Mir geworden ist, läßt erkennen, wie gut Ich bin, unendlich gut!

Höret, Meine Kinder, höret, Meine Diener, Meine Gleichgesinnten, Meine Brüder! O höret, ihr sollt herrschen über alle Geschöpfe, herrschen über die Mächtigen der Erde, herrschen über die Gewaltigen der Erde, aber herrschen sollt ihr nicht nur in Meiner Kirche, sondern mit Mir auf dem Throne, denn ihr sollt mit Mir die Stämme Israels richten. O höret es doch, Meine Söhne! Du aber, Meine kleine Dienerin, und deine beiden Mitschwestern, ihr sollt es so machen: Haltet alles verborgen vor anderen Menschen, wenigstens hier in der Stadt M. Ich will es nun einmal so. Daß Ich es verbreitet haben will, und daß es die Kirche wissen muß, habe Ich schon wiederholt genug aufgezeigt. Sag darum deinem Beichtvater, Meinem Diener Pater Bonifaz, daß er kein anderes Zeichen erhalten wird, als das Ich ihm gegeben habe, und das er in deinen Worten sichtbar sieht; denn Ich spreche mit ihm durch dich.

Ich habe es dir nicht umsonst gesagt, daß du nach Würzburg gehen sollst zu deinem Bischof, das heißt, weil Ich von jeher in Gleichnissen zu den Menschen rede, auch, als Ich auf Erden weilte, und Ich werde es so lange tun, solange Ich mit den Menschen verkehren werde auf dieser Welt. Das Schauen und Genießen setzt erst dann ein, wenn die Zeit der Prüfung vorbei ist.

Dann wird das zum Schauen und Genießen sein, was hier (auf der Erde) geglaubt, gehofft und geliebt wurde. Weil Ich dir diese Worte gesagt hatte und Meine Diener es dir nicht glauben wollten, darum muß Ich, wie immer, andere Wege einschlagen. Es gibt in der Welt keinen Zufall und wird keinen geben, solange die Welt steht. Ich habe den Sternen ihre Laufbahn angewiesen und alle Schritte des Menschen gezählt. Ich habe ausgerechnet, wann der Pulsschlag eines Menschen zum letzten Mal schlagen soll, und Ich habe nicht umsonst deine Schwägerin in A. im letzten Jahr, unmittelbar vor Fastnacht, abgerufen, weil die Diözese Würzburg wissen soll, daß Ich mit dir rede. In der Diözese Trier weiß man davon; in der Diözese Limburg auch. Das alles habe Ich so gefügt. N. wollte alles verhindern und verschweigen, der ist zuviel mit Menschenfurcht geplagt, dieser Mann. O daß er doch ruhig weiterginge, o daß er doch wüßte, wie nah Ich bei ihm bin. Sage ihm, daß eine Zeit kommen wird, wo auch er die Freude dieses Glückes genießen soll, wenn einmal alle seine Sünden und ihre Strafen abgebüßt sind. Sage ihm, daß er sich glücklich preisen könne, alle Fehler seines vergangenen Lebens hier abbüßen zu können, und daß Ich ihn einmal mit offenen Armen an der Schwelle der Ewigkeit erwarte, denn Mir entgeht nicht der leiseste Hauch seines gequälten Herzens.

Sage aber auch, daß doch die Schrift, die Pater Ludwig später abdrucken lassen will, erst deinem Bischof vorgezeigt werden soll, dem Bischof von M., denn jetzt bist du ein Schäflein der Herde, wo Bischof Leopold Paulus den Hirtenstab trägt, und es wäre eine Schmach und eine Zurücksetzung für diesen Meinen Diener, und das will Ich nicht haben. Sage Luise, sie selbst möge zu ihm gehen und ihm Kunde davon überbringen. Sie möge ihm alles sagen, wie es ist, und nichts umgehen und nichts verschweigen, ihm sagen, daß Pater Ludwig die Sache nicht so gleichgültig ansehen könne, er, als ein Mann von klarem Verstand, und weil er vieles zum Opfer brachte und wenig besitzt, auch einen tieferen Einblick in Meine Geheimnisse genießt und klarer schaut als manch andere, aber doch nicht ganz das Richtige ist, wie er angibt.

Es soll alles den einfachen Weg gehen, und nur dann muß und werde Ich andere Wege einschlagen, wenn diejenigen, an die Ich Meine Worte richte, Mir hindernd in den Weg treten, Meine Pläne vereiteln wollen; denn Ich will retten, was zu retten ist. O der Wert einer Seele! Klebt ja doch Mein Herzblut an ihr!

O ihr Priester helfet Mir! Ich mache euch keine Vorwürfe, denn Ich habe Meiner Dienerin an einer anderen Stelle immer gesagt, daß in den späteren Jahrhunderten von eurem Eifer berichtet werden soll. Euer Eifer soll gerühmt sein und das Saatfeld, das ihr bestellt, soll in üppiger Fülle dastehen zu eurem Ruhm. Nicht diejenigen, die dereinst in jenen Saatfeldern wandeln und daran sich ergötzen, sollen den Ruhm ernten, sondern diejenigen, die sie bestellt haben, und das seid ihr!“

Luise: „O mein Jesus, Ich fürchte, bei meinem geringen Verstand mehr zu verderben als gutzumachen. Wie soll ich das anfangen?“

Jesus: „Du gehst einfach hin und meldest dich an. Zuerst aber gehe noch einmal zu deinem Beichtvater und sag ihm, was Ich mit dir gesprochen habe durch diese Meine Dienerin. Dann gehst du hin und meldest dich an und sagst ihm, er möge doch einmal die erste Beschreibung des Lebens dieser Armseligen lesen und dann dir sagen, was du weiter zu tun hast, ob du diese Person zu ihm berufen sollst oder nicht.

Sage ihm, daß hier in M. unter den Laien noch niemand davon wisse als nur das, was in den ersten Jahren ausgeschwätzt worden ist, aber jetzt nicht mehr viel davon bekannt sei, und daß die Person um keinen Preis etwas aus sich machen will, vielmehr ganz verborgen in einem Winkel steht, wo niemand etwas ahnt, wo auch nur ein guter Funke geahnt werden könnte, und daß sie aber auch um keinen Preis sich vor der Welt zeigen wolle. Sie will nichts als Jesus lieben und Ihm dienen, daß aber in letzter Zeit ihre Gesundheit sehr zerrüttet ist von dem vielen Kummer und Verängstigungen, die sie auszustehen hat, weil sie selbst nicht wisse und aus sich heraus auch nicht getraue zu denken, wo das geringste Gute herkommen könne.

Wenn er es nicht für gut finde, ihr Leben, das sie in nur wenigen Stunden – wie von einer unsichtbaren Hand geleitet – aufgeschrieben hat, so soll er es vernichten oder in den Ofen werfen, ehe es an eine andere Stelle gelange. Wenn er aber herausfinde, welcher Geist die Seele leiten müsse, möge er dir die Erlaubnis erteilen, daß du es Pater Ludwig zuschicken darfst. Du kannst ihm auch sagen, daß du schon oft dabei gewesen seiest, wenn die Person spreche, und selbst deinem Bruder mitgeteilt hast. Mehr brauchst du nicht zu reden. Wenn er dann eine dieser Mitteilungen verlangt, die Ich durch sie rede, dann gibst du ihm die anderen Schriften und unterwirfst dich seinem Urteil. Dies tue, Meine Tochter, und die Verdemütigungen, die es dich kosten wird, die trage in Vereinigung mit deinen beiden Mitschwestern. Denn wer wurde tiefer gedemütigt als Ich Selbst, euer himmlischer Bräutigam. An das Kreuz wird man euch nicht schlagen, und das Kreuz der Verachtung und der Zurücksetzung ist nur ein kleiner Splitter jenes Kreuzes, das Ich trug. Also habt Mut, Meine Töchter!

Schauet hin auf das Beispiel jener, die euch zum Vorbild gegeben sind. N. sage, daß sie aus so nichtigen Gründen keine Kommunion mehr unterlassen soll. Sie soll Mir an jenem Tage, wo sie glaubt, aus Demut zurückbleiben zu wollen, die Kommunion aufopfern für andere Seelen, die in ähnlicher Versuchung sind, die aber freiwillig nachgeben und Wohlgefallen finden; denn nur dann ist eine Seele nicht wert, Mich in sich aufzunehmen. Sage aber Pater Ludwig einen freundlichen Gruß von Mir und nun lebet wohl, Meine Kinder!

N. in R. soll sich nur in dieser Angelegenheit mit ihrem Bischof besprechen und mit ihm vereinigt darauf einwirken auf jene, die damit in Verbindung stehen. Mein Segen wird an keinem Werke fehlen, wobei Mir nur gedient wird und Meine Ehre an erster Stelle steht; denn Ich bin ein eifersüchtiger Gott! Ich muß unbedingt Meine Ehre suchen bei Meinen Geschöpfen, sind sie ja doch die Werke Meiner Hände!“

Bitte um geistige Gnaden.

Jesus: „Ja seht, Meine Kinder, Ich bin bereit zu allem, Ich bin bereit, zu geben. Kommt alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken, aber nehmt Mein Joch auf euch, nehmt das Kreuz auf euch und folget Mir nach!“

Barbara: „Gib uns diese Sünder N. N.“

Jesus: „Jene Sünder, die ihr Mir empfehlet, dafür müßt ihr euch zum Opfer Mir bringen. Jeder, der etwas Großes von Mir verlangt, muß etwas Großes Mir zum Opfer bringen: Seinen eigenen Willen, sein eigenes Herz, und sich fortwährend anbieten für die ihm angelegene Sache, und Ich werde sie gewähren, aber erst dann, wenn die rechte Zeit gekommen ist, wenn Meine Kinder reif sind einzusehen, daß Ich es getan habe!

Man ist so kurzsichtig, man weiß aber nicht, wie unendlich die Gerechtigkeit Meines Vaters herausgefordert ist. Man beschränkt sich auf so weniges, und man sieht nicht auf den Strom, der eines so starken Dammes bedarf, um ihm Einhalt gebieten zu können. Nicht Ich habe diese Gerechtigkeit heraufbeschworen, sondern jene, die Ich richten soll. Wo bleibt nun aber die Sühne? Darum Geduld, alles geht nach eurem Willen, wenn ihr euch nur Meinem Willen beugen wollt. Ja, kämpfet nur, Meine Diener! Befolgt die Worte, die Ich zu euch spreche. Führet die Waffen gegen den Sozialismus der Zeit, ja ihr sollt sie führen, die Waffen, nicht die blutigen, sondern die Waffen des Gebetes und eures Wortes. Diese sollt ihr führen gegen Fürsten und Mächtige und gegen arme und verkommene Menschen, und es wird gewiß, Ich verspreche es euch, zum guten Ausgang kommen.“

Bitte, mehr für Jesus tun zu können, und zwar trotz Kränklichkeit.

Jesus: „Geht nur hin, wo ihr Mich findet, ihr werdet Mich immer finden. Bedenkt aber, daß ihr armselige Geschöpfe seid und werdet nicht mutlos; denn auch die Pflege des Leibes, um Mir zu dienen, gehört dazu. Denn Ich habe den Menschen erschaffen aus Fleisch und Blut, aus Leib und Seele. Lieschen vergiß das nicht!“

Morgens nach der heiligen Kommunion gab die Mutter Gottes Barbara ein Sträußchen und sagte:

Maria: „Nimm dies Sträußchen und sei ruhig, und gehe nicht zu deiner kranken Schwester. Ich werde für sie sorgen, denn nach acht Uhr wird Mein Sohn zu dir kommen!“

72 Kreuzauffindung 1896

„Daß Meine Mutter beständig verehrt werden soll als die Mithelferin der Erlösung des ganzen Menschengeschlechtes.“

Barbara: O wie schön! O wie schön! O wie schön ist das Kreuz! O heiliges Kreuz, sei uns gegrüßt! O du hochheiliges Zeichen unserer Erlösung.

Jesus: „Ja, Ich will dir zeigen, Meine Tochter, wie der liebliche Monat Mai, der schönste Monat des ganzen Kirchenjahres, der herrlichste ist, so ist Meine liebe Mutter unter allen Heiligen im himmlischen Hof die Schönste unter allen, und Ich wollte, daß dieses Fest, das Fest der Auffindung Meines heiligen Kreuzes, in diesem herrlichen Monat gefeiert werden soll, der Meiner Mutter geweiht ist, weil Ich will, daß Meine Mutter beständig verehrt werden soll als die Mithelferin der Erlösung des ganzen Menschengeschlechtes. Das Kreuz und Meine Mutter sind untrennbar miteinander verbunden, so wie Ich und das Kreuz nicht zu trennen sind. Das Kreuz habe Ich Mein ganzes Leben lang geliebt, und an dem Kreuz wollte Ich siegen, siegen über die Welt und über den Satan! Und warum denn? Ei ja, um den Menschen zu belehren, daß, da nun einmal das Paradies verscherzt war und der Paradiesweg verdorben ist, nur noch ein Weg zum Himmel führt, und das ist der Kreuzweg. Wer auf diesem Weg Mir folgen wird, wird siegen durch das Kreuz, wie Ich, ihr Herr und Meister, gesiegt habe.

Aber er braucht und muß einen Mann des Geleits (Lotsen), einen Führer haben, der ihm Aufschluß gibt, über all die Klippen und Felsenblöcke, die er zu übersteigen hat, und darum habe Ich ihm Meine heilige Mutter gegeben. Auch Ich war Mensch, aber Ich war doch ein Gottmensch. Meine Füße berührten diesen Staub der Erde, doch war Ich nicht Staub und Erde, weil Ich nicht daraus hervorging.

Mein Ausgang ist der Schoß Meines himmlischen Vaters, und die Liebe des Heiligen Geistes hat Mich gezeugt, Meine heilige Mutter ist aber genommen aus dem Schoß der Erde. Obwohl Sie die Sünde nicht berührt und Sie ohne jeglichen Makel der Erbsünde ist empfangen und geboren worden, ist Sie doch eine Tochter Adams. Jetzt kommt und schaut, ihr Menschenkinder, ob Ich zuviel von euch verlange, wenn Ich euch befehle, Meine Mutter zum Vorbild zu nehmen. Es ist gewiß nicht zuviel. Kommt nur mit Mir in jene Familie, wo Sie ausgegangen ist, ob sie nicht dieselben Menschen sind wie ihr, ob sie nicht in derselben Welt gelebt wie ihr, ob sie nicht denselben Weg durchwandeln mußten, den Kreuzweg? Kommt mit Mir, wenn Sie hineilt in den Tempel, um Sich Ihrem Herrn und Gott ganz darzubringen, wenn Sie heraustritt wieder in die Welt, weil Mein Wille Sie ruft und tritt ein in eine Familie, um jetzt Selbst Familienmutter zu werden. O begleitet Sie und seht zu, wie Sie über all die Klippen hinwegsteigt, wie Sie die Felsenblöcke erstieg und hinaufkletterte bis nach Golgotha, wie Sie Schmach und Verachtung aus Liebe zu Mir ertrug, wie Sie alles mit Füßen tritt, was von dieser Erde kommt und Ihr Herz hochhält auf jenem Berg, den Ich dir unlängst gezeigt habe, hoch in den Lüften bei Mir; im Staub der Erde tretend und wandelnd, ist Ihr Herz doch im Himmel bei Mir, mit Meinem Geist vereinigt vor Meinem himmlischen Vater. Wohl sieht Sie das Unrecht der Welt.

Sie sieht, wie man sein Heil mit Füßen tritt. Sie sieht, wie dieses verkehrte Geschlecht, die Pharisäer und Schriftgelehrten, die dem Volk den einen wahren Glauben erhalten sollten, selbst ganz unvernünftig geworden sind. Sie selbst haben ihre Seelen verloren in den Klippen dieser Welt. Sie sieht, wie so wenige da sind, die Ihre Gesinnungen sich anzueignen suchen, und doch steht Sie mitten unter ihnen, als sei Sie blind, taub und stumm, denn Ihr Wandel ist im Himmel mit Mir vereinigt vor Gott, Meinem Vater!“

Barbara: Und ich sehe eine heilige Frau, das ist die heilige Helena.

Jesus: „Ja siehst du, Meine Tochter, wie die Kirche vieles in ihrer Geschichte und in ihrer Entwicklung aufzuzeichnen hat, was auch das schwache Geschlecht für eine hohe Bedeutung hat in Meinem Reich? Zu allen Zeiten gab es Seelen, die an Hochherzigkeit und Großmut dem anderen Geschlecht zum Muster dienen sollten, ja, die dasselbe in vielen Stücken übertrifft. Der Mann ist wohl der König der Schöpfung, aber dem Weibe habe Ich starke Schultern gegeben, daß es im Kreuztragen in vielen Stücken dem Mann vorangeht. So ist es auch, wenn Ich in Meiner Kirche etwas zum Besten Meiner Kinder anordnen und ausführen wollte, habe Ich Mich vielfach des schwachen Geschlechtes bedient.

Dieses fromme Weib hier steht vor der Geschichte in seinem Mut vor den Männern. Schon ist eine geraume Zeit verflossen, seitdem das Christentum besteht. Sie hat durch ihr Gebet ihren Sohn gewonnen für das Christentum, und als die Verfolgung aufhörte, ist ihr erster Schritt, den sie tut, daß sie nachforschen läßt, wo Mein heiliges Kreuz verborgen sein mag. Seht den Großmut dieses Weibes. Sie scheut kein Hindernis, sie tritt vor die Männerwelt und vor die Priester. Gewiß hat es an Spöttern nicht gefehlt, aber sie ist unüberwindlich in ihrer Arbeit. So geht es mit allem. Was Ich ausführen will, führe Ich aus, auch wenn es durch ein einfaches Weib geschieht. Siehst du, wie dieser Herrscher es nicht verschmäht, obwohl er dieses Kleinod nicht aufgefunden hat. Dieses Weib hat es gefunden durch ihre Bemühungen, die sie anstellen ließ, aber dieser Herrscher nimmt es auf seine Schultern und trägt es fort. So will Ich es aber haben, sobald die Welt erkennt und Meine Diener, daß Mein Geist es ist, der sich in irgendeiner Seele oder in einer Sache zu erkennen gibt, und die den Stempel Meines Geistes an sich trägt, es auch angenommen werden soll. Niemals haben diejenigen es bereut, die Meiner Stimme gefolgt sind.

Wehe aber jenen, die es nicht tun, die Armseligen, die sich dünken, die Weisheit der Kleinen nicht anzuerkennen, denn jene sind die Kleinen, die nicht so sehr auf sich als auf Mein Wohlgefallen schauen, und die um Meines Wohlgefallens willen sich mit Füßen treten lassen, die ganz über sich hinweggehen und tun, was Ich ihnen sage. Das sind die Kleinen, die Demütigen, die von der Welt Verachteten, die aber von Meinem Geist geleitet, göttliche Dinge schauen. O ja, tut es nur, ihr Völker der Erde, tut es, ihr Diener Meiner Kirche, und ihr werdet es nicht bereuen, daß ihr es getan!“

Barbara: „O mein Jesus! O du hochheiliges Kreuz, daran mein Herr gehangen, ganz kläglich ausgespannt! O ich arme Sünderin, o laß mich doch genießen die Früchte dieses Kreuzes! O warum glänzt Du denn heute so herrlich, so unendlich schön? Das Kreuz war doch aus Holz und dieses ist aus Gold; warum denn, o Herr?“

Jesus: „Ja, Mein Kreuz war von Holz, aber die Liebe hat es vergoldet. Siehst du, das ist die Liebe, die Liebe jener treuen Seelen, die ausharren bei Mir, die ihre Liebe vereinigen mit Meiner Liebe, die ihr Kreuz vereinigen mit Meinem Kreuz und Mir das Kreuz erleichtern und tragen helfen. Ja, dann wird Mein Kreuz, das Ich einst trug auf Golgotha, das aber aus schweren Kreuzesbalken zusammengefügt war, eingesenkt in die Liebe, in das Gold der Liebe, das jene treuen Seelen zusammenwirkend anfertigen, und dabei bist auch du und deine beiden Freundinnen. Ihr sollt das Gold der Liebe über Mein Kreuz ausgießen, Meine treuen Kinder, und es Mir tragen helfen. Siehst du, Meine Tochter, damals, als Ich dir den Plan vorlegte, was Ich mit dir vorhabe, den Plan nämlich, daß du das Werkzeug sein solltest, durch das Ich der Welt wieder eine neue Wohltat zufließen lassen will, da sahest du Mich mit einem schwarzen Holzbalken auf dem Rücken. Du schautest in Mein Angesicht, das mit dicken Schweißtropfen bedeckt war, und Ich will dir heute den Sinn erklären:

Das Kreuz, das Ich schleppte, ist der Sozialismus der Zeit, der Zeitgeist, der so viele Meiner Kinder verschlingt und von Mir losreißt und so viele Seelen verlorengehen läßt, sovielmal wird Mein Schmerz erneuert, Meine Arbeit erschwert, so daß Ich stöhnend und ächzend nur noch das Kreuz trage und Mich umsehe, ob denn nicht eine Seele da sei, die es Mir, wenn auch nur etwas, erleichtern möchte. Und Ich habe dich gefunden, Meine Tochter! Und du hast es Mir erleichtert durch die vielen Verdemütigungen, durch die Verachtungen und Zurücksetzungen von seiten derjenigen, die das fromme Streben in dir hätten befördern sollen. Aber das alles ließ Ich so zu, damit es auch ein Kreuz für dich werde, denn du solltest mit Mir das Kreuz tragen, und nun stehst du am Schluß, du stehst auf dem Kalvarienberg und der Sieg beginnt, die Liebe hat gesiegt über all ihre Feinde.

Drum will Ich dir heute zeigen, mit welcher Freude Ich das Kreuz trage. Gold ist das Sinnbild der Liebe, es erfreut aber auch das menschliche Herz, sooft man es ansieht. Gold bringt Freude, wohin es gebracht wird. Darum ist Mein Kreuz heute nicht mehr aus Holz! O wie glücklich! O wie glücklich! Heilige Freude kommt überall hin, wo man deine Worte liest, und man wird jubeln über die Güte Meines Herzens, denn daß Ich mit dir verkehre, ist jedem einleuchtend und unverkennbar und darum sehr tröstend für jedes arme Menschenherz. Da du – eine so arme Sünderin und eine so unscheinbare Person, die so wenig gelernt und studiert hat – solche Gnade gefunden vor Mir, ist es nicht zu leugnen und jedem selbstverständlich, daß Ich ein guter Gott sein muß, Der Sich kümmert um das Wohl und Wehe Seiner Kinder.“

Barbara: „Ich kann die Freude nicht aussprechen, die mein Herz empfindet, weil ich sehe, wie gut Du bist, o mein Jesus! O was soll ich Dir denn anbieten, was kann ich Dir denn geben? Siehe, ich habe nichts und möchte Dir etwas geben (Tränen). Ich habe nichts, o Herr, als meine Seele mit ihren Kräften, mein Herz mit all seinen Neigungen, meinen Leib mit seinen Sinnen. Siehe, das schenke ich Dir! Ich danke Dir, daß Du meiner Sünden nicht gedenkst.“

Luise: „Ich möchte Dir doch auch was geben, was soll ich Dir denn schenken?“

Jesus: „Schüttle du noch den Staub von den Füßen, und was Ich von dir verlange, das sollst du mutig ausführen und dich nicht über das Gerede und Achselzucken der Menschen aufhalten. Gehe ruhig hin und gehe ruhig weiter, als ob du nichts gesagt hättest; wie du siehst, hat dies Meine Dienerin auch getan, und seid ruhig und kümmert euch nicht, denn ihr sollt Meinen Kindern vorangehen. Viele, viele, werden euch folgen, und es soll großer Friede einziehen in alle Herzen, die sich euch anschließen.

Ich bin der Mittelpunkt, und das Band ist Mein Herz, und die Quelle, die da sprudelt, ist der heilige Tabernakel. Aus ihm sollen sich die Ströme der Gnaden über die ganze Welt ergießen.

Sprudeln soll die Quelle, denn sie ist durch eine Meiner unwürdigen Dienerinnen wieder aufgegraben worden, und das bist du! Du hast den Quell wieder aufgegraben, denn du hast Mein Herz verwundet durch dein beständiges Verlangen, durch deine beständigen Seufzer, die du zu Mir abgeschickt hast, und siehe, Ich habe dich gesetzt an die Quelle, daß du daraus schöpfst und trinkst, und nun mögen Meine Diener die Quelle recht sprudeln lassen. Du hast sie wieder neu aufgerissen, du hast die Stäubchen weggetan. Wohlan, Meine Diener! Ihr seid die Diener, welche die Quelle sprudeln lassen sollen. Welche Freude für euch, die Ich euch gestellt habe zu Wächtern dieser Quelle. Ihr seid die Kanäle, durch welche die Quelle fließen soll. O verstopft sie nicht, laßt Meine Kinder erfahren, wie gut Ich bin und leitet Balsam in die gequälten Menschenherzen. Balsam Meines Trostes!

Welche Freude für euch. Ich habe euch hingestellt in die Welt; Ich habe aufgelöst alle Bande, die euch an sie anschmieden und anketten könnten, weil ihr nur ein Herz haben sollt, das Meinem Herzen geweiht, ihr seid ein zweiter Heiland, ein anderer Christus. O höret Meine Stimme.“

Barbara: „O Herr, ich bitte, halte alles verborgen hier in Mainz.“

Jesus: „Ich sorge dafür, daß Meine Geheimnisse nicht verraten werden, wenigstens nicht hier in Mainz.“

Barbara: „Ich bitte Dich für die Schwester von N.“

Ich sehe ihn und sehe sie neben ihm; also sie stirbt nicht eher.

Jesus: „Leiden soll sie und er mit. Ich habe die Geschwister zusammengeführt, und es ist recht und billig, daß sie sich lieben, aber nicht mit irdischer Liebe, Ich habe sie zu hohen Ehren gebracht, und Ich will sie noch zu höheren Ehren bringen, bei Mir in Meinem Reich, und dafür verlange Ich doch auch Opfer und Leiden, Ich muß es so tun; denn auch sie sind armselige Würmchen, aus der Erbsünde hervorgegangen.“

Barbara: „O mein Jesus! O mein Jesus! Ich danke Dir! Hilf doch N., o Herr!“

Jesus: „Zur rechten Zeit! Es ist immer Meine Absicht, wenn Ich auch hie und da eine Seele harte Wege führe, bezweckt es doch immer etwas Gutes, wenn dieses auch die kurzsichtigen Menschen nicht erkennen. Harre aus, Meine Schwester, es wird dir noch gutgehen und auch deiner Schwester.“

73 Zweiter Freitag im Mai 1896

„Wenn Ich Mich richten muß nach den verschiedenen Zeitaltern, als ihr Gott und Schöpfer, warum denn nicht auch sie?“

Lied: O Maria, Jungfrau rein...

Jesus: „Meine Tochter! Ich komme, um dich zu belehren, und um denjenigen zu zeigen, daß Ich es bin, will Ich auf all die Zweifel, die sie beunruhigen, heute antworten: Ich bin es, Der unter euch wohnt im Allerheiligsten Sakrament des Altares! Wenn Ich zu euch komme, zu Meinen Kindern, so komme Ich, um sie entweder zu trösten in ihren Leiden, und das sind diejenigen, die schon weit in der Tugend vorangeschritten – vorwärtsgeeilt – sind, die haben dann Meinen Trost vonnöten in ihren Leiden und in ihren vielfachen Bedrängnissen. Ich lasse dies so zu, um wieder eine Seele mehr einreihen zu können in die Zahl Meiner treuen Kinder, auch wenn es öfters von den heiligsten Personen herkommt, die glänzen sollen am Himmel Meiner Kirche.

Oder ein anderes Mal muß Ich diejenigen bestärken, die noch schwach sind und auf dem Weg schnell und gern ermatten und erliegen, weil sie noch so halb und halb den Weg zwischen der Welt und zwischen Mir gehen. Wieder ein anderes Mal muß Ich eine Seele für Mich gewinnen, muß durch Meine ganze Schönheit, Meine Liebenswürdigkeit, mit der Ich unter euch in diesem hochheiligsten Altarsakramente wohne, ihre Blicke mit einem Schlag auf Mich richten, um sie an Mich zu ziehen, um sie herauszureißen aus dem Getriebe der Welt, aus dem Reich der Finsternis, und wenn Mein Diener noch fragt, was hat denn das alles für einen Zweck, so soll er wissen, daß es einen so großen Zweck hat, wie Mein kostbares Blut wert ist, denn für jede Seele, die gerettet wird, habe Ich Mein kostbares Blut vergossen. Jede Seele ist soviel wert, wie es der Preis Meiner Erlösung wert ist.

Die Welt mag in Trümmern vergehen und alle Herrlichkeit mit ihr. Es ist wohl das Werk Meiner Hände, aber es ist nur geschaffen für den Menschen, für dieses edle Geschöpf, das Ich zu Meiner Freude erschuf, und das mit Mir ewig leben soll. Sag ihm nur, warum er noch fragen will, was das alles für Zwecke sind, die Meine Ehre fördern sollen, die Mir Seelen gewinnen sollen und Seelen zuführen sollen. Siehe, Meine Tochter! Nicht alle haben den Mut, mit solcher Entschiedenheit wie du zu kämpfen um ein großes Gut, das die heilige Kommunion ist, und das ist der Zweck, warum Ich mit dir rede, um jenen schwachen, armen, hilflosen Geschöpfen, die, mögen sie sich auch aufhalten in den verborgensten Winkeln der Erde, doch Meine Kinder sind, den Weg zu erleichtern. Mir sind alle Menschen gleich.

Vor Mir sind arme, unwissende Landmädchen, der arme schwarze Knabe, der auf der Bettelstraße umherläuft, gerade so lieb, wie eine Königstochter oder der Kronprinz oder der Kaiser selbst. Vor Mir gilt das arme, unwissende Landmädchen, wenn es nur Mich sucht mit lebendigem Glauben, mit festem Vertrauen, mit kindlicher Liebe, gerade soviel, und Ich beschäftige Mich mit ihm gerade so gern, wie mit jenem Meiner Diener, der auf dem Stuhle Petri sitzt; denn vor Mir sind alle Menschen gleich! Sie sind alle das Werk Meiner Hände. Ich sehe jeden Seufzer jedes armen Mädchens, in der verborgensten Bauernhütte, das Mich zu lieben sucht, und Ich will ihm den Weg erleichtern.

Sieh, Meine Diener halten manchmal allzu fest an einem Thema, das sich nicht nach den Zeitverhältnissen richtet; denn die Zeiten sind so verschieden wie die Menschen alt und verschieden sind, und wenn Ich Mich richten muß nach den verschiedenen Zeitaltern, als ihr Gott und Schöpfer, warum denn nicht auch sie? Es gab eine Zeit, die man die Goldene Zeit nannte, und das war jene Zeit in Meiner Kirche, als Meine Kinder täglich hingingen zu Meinem Tisch, und eine gab es, die man die Eiserne Zeit nannte, und das ist jene, wo Meine Kinder kalt und gleichgültig waren und sind gegen Mich im Allerheiligsten Altarsakrament, und wo Meine Kirche genötigt ist, ihre Kinder gleichsam zu zwingen. Ich will aber, daß das Eiserne Zeitalter verschwinden soll, und es soll das Goldene an seine Stelle treten.

Wo überall ein Priester steht, soll er die Quelle sprudeln lassen, an die Ich ihn gestellt habe. Er ist der Kanal, durch den Ich die Wasser der Gnade hineinleiten will, in Meine Kinder, und Ich verspreche Meiner Kirche, daß sie zur höchsten Blüte gelangen soll. Tut doch die Augen auf, ihr Priester, und seht, mit welchem Heißhunger Meine Kinder – die euch anvertrauten Seelen – alles aufnehmen, was sie Mir näherbringt. Seht, mit welcher Liebe und Begeisterung man jene Zeitschrift aufnimmt, die von Meiner wirklichen Gegenwart im Hochheiligsten Altarsakrament handelt.

Stehet Meinem Volk nicht zurück, Meine Diener, denn ihr seid ja die Führer desselben. Wißt ihr denn nicht, daß Ich Meine Mutter längere Zeit in Meiner Kirche noch fortleben ließ, um dieselbe zu unterstützen durch Ihr Gebet, durch Verdienste, durch Ihre Opfer und Ihr Sühneleben, die Sie Tag für Tag der jungen Kirche entgegenbrachte? Ihr müßt aber auch wissen, daß all eure Wirksamkeit nicht viel ausrichten wird, auch wenn ihr selbst Blut und Leben wagt, wenn unter eurer Leitung nicht Seelen stehen, die euer Opferleben begleiten. Seht euch doch um unter euren priesterlichen Laufbahnen, an welchen Orten das Christentum am meisten blühte! Nicht wahr, in jenen Gemeinden, wo fromme Seelen sich befanden.

Darum wundert euch nicht, Meine Diener, daß Ich Mich an diese, Meine Kleine, wende, um durch sie zu euch zu reden. Ihr werdet es nie bereuen, wenn Meine Worte euch zu Herzen gehen, wenn ihr sie befolgt. Sieh dich doch um, du Mainzer Bischof, in der Stadt, in welche Ich dich gestellt habe, ob du nicht bemerkst, daß der Sozialismus immer kleinlauter wird, und Ich sage dir, er wird verschwinden. Befolget nur und tut, wie Ich euch gesagt: Richtet den Damm auf, den Ich euch angezeigt, und laßt durch die Schleusen ruhig alles fließen, was ihr nicht zu hemmen vermöget. Schauet immer auf Mein Leben und seid ruhig, seid zufrieden.“

Barbara: „O mein Jesus! Deswegen hast Du mir gesagt, Du wolltest mich im Mai belehren, wie wir Deine heilige Mutter verehren sollen. Ja, jetzt erkenne ich: Wir sollen tun, was Sie getan; Sie lebte nur noch für die Kirche. Also, meine lieben Freundinnen und ihr alle, die ihr glaubt, daß der Herr es ist, der mit mir verkehrt, wir sollen nur noch leben für die Kirche, und nicht mehr für uns! O wie danke ich Dir für diese Erleuchtungen, denn ich empfange mit jedem Tag neue Gnaden; ich soll mich also ganz vergessen und nur mehr leben für die Kirche!“

Jesus: „Ja, das sollst du, Meine Tochter, und deine beiden Freundinnen mit dir! Sie sollen sich nur nicht wundern, daß Ich ihnen Leiden zuschicke, denn sie sind deine Freundinnen, deine Schwestern, und das Band der Liebe, das euch umschlingt, läßt keine Lücken zu, da muß alles Hand in Hand gehen. Sie müssen also das Kreuz mit dir tragen und Krankheit ist auch ein Kreuz, müssen also auch hie und da ein Opfer bringen.“ (Durch Versäumnis der heiligen Messe.)

Luise: „O Herr, ich hatte mich so gefreut auf die schönen Maipredigten, und nun mußte ich sie versäumen.“ (Der Herr lächelt)

Jesus: „Ich sage es euch, hört nur Meine Worte, Ich habe euch in Meiner Hand.“

Barbara: „O Herr gib, daß bei N. alles gut vonstatten geht.“

Jesus: „Ich habe es dir ja gesagt, ganz befreit wird sie nicht mehr, aber sie bleibt neben ihm stehen. Ich will durch Leiden die Menschen an Mich ziehen, damit sie im Glück Meiner nicht vergessen, denn Meine Herrlichkeit ist unendlich, und diese sollen sie dereinst doch genießen.“

Barbara: Viele Bitten – Ich sehe die liebe Mutter Gottes vor Ihrem liebsten Sohn knien und alle die Bitten mit uns vereinigen. „O hilf doch dem kranken N.“

Jesus: „Er wird ganz gewiß gesund!“

Am Montag der Bittwoche nach der heiligen Kommunion:

Jesus: „Sage Luise, sie solle heute zum H. H. Bischof gehen und ihm die Hefte bringen und über all das Gerede und Achselzucken der Menschen ruhig hinweggehen!“

Barbara bat Ihn gar sehr um Barmherzigkeit für das Dienstmädchen, das sich erhängt hatte.

Jesus: „Meine Gerechtigkeit läßt es nicht zu, daß du dies erfährst; denn Verzweiflung ist die größte Sünde, und es ist einerlei, ob einer gottlos gelebt und sich in die Verzweiflung stürzt, oder ob einer vorher fromm gelebt hat und verzweifelt ist.“

Aber Barbara bat fortwährend für sie. Plötzlich sah sie dieselbe in einer Landschaft daherkommen, ganz schwarz verkohlt. Als sie weiter bat, sagte Er:

Jesus: „Laß Mich jetzt in Ruhe!“

Bei der heiligen Wandlung in der Neun Uhr Messe sah sie, wie die liebe Mutter Gottes in einem Kelch das kostbare Blut Ihres göttlichen Sohnes auffing und es über die Anwesenden sprengte, dann sagte Sie zu Barbara:

Maria: „Komm mit Mir, Meine Tochter!“ Und sie gingen miteinander in das Fegefeuer, und Sie sprengte Es über die Armen Seelen, und es entstand unter ihnen große Freude darüber. Am Dienstag der Bittwoche sagte der Herr:

Jesus: „Wenn es möglich wäre, daß du – wo es doch klar ist, daß du nichts gesucht als Gott und dir so große Mühe gegeben und so große Opfer gebracht hast, um Ihn zu finden – dennoch jetzt getäuscht sein solltest – was aber unmöglich wäre –, so könnte dies ja einen Menschen zur Verzweiflung bringen. Ebenso sollte man bedenken, daß es den armen Sozialisten – wenn sie sähen, daß sie bei allem redlichen Fleiß und Bemühen nicht vorwärts kämen – nicht zu verdenken wäre, daß sie den verzweifelten Entschluß faßten, alles umzustürzen. Aus der Art und Weise, wie Ich Meinen Dienern angegeben habe, den Sozialismus zu bekämpfen, könnten sie schon alleine erkennen, daß Ich es bin und sein muß, Ich euer Herr und Gott.“

Am Mittwoch der Bittwoche sagte der Herr:

Jesus: „Hüte dich, daß du dir nicht unrechtes Gut aneignest. Kein Stäubchen darf an dir hängen bleiben.“

Als Barbara sich besann, wie das könne gemeint sein, sagte Er:

Jesus: „Daß du dir nicht Meine Gaben aneignest. Deswegen habe Ich dir Vorgesetzte besorgt, die immer zweifeln, weil Ich ihnen die Augen gebunden halte, damit sie nicht klar sehen. Es sind schon viele gestürzt, die gut angefangen, und deshalb werde Ich dir immer für solche Beichtväter sorgen.“

Am Feste Christi Himmelfahrt 1896, als Barbara morgens vor der Kommunionbank kniete, um Ihn zu empfangen, sagte der Herr:

Jesus: „Eile, Meine Braut, und komme!“

Nach dem Empfang der heiligen Kommunion aber sagte Er:

Jesus: „Was du Pater Bonifaz sagen willst, das sage ihm nicht; laß Mich das nur machen! Wenn sie es nicht anerkennen wollen, dann werde Ich Meinen Willen dennoch ausführen. Ich werde sie dann umgehen und Mir andere Personen aussuchen!“

74 Christi Himmelfahrt 1896

„Nicht die Wissenschaft macht Heilige, sondern das Kreuztragen.“

Lied: Heute ist gefahren Gottes Sohn, Alleluja...

Barbara: „O vereinigt euch mit mir, o ihr alle, die ihr meinen Jesus liebt! O kommt doch und freut euch mit mir. Ja, mein Jesus, ich sehe Dich unter den Aposteln, unter den Jüngern. Mit unaussprechlicher Liebe und Sehnsucht hängen sie heute an Dir, o Du verklärter, o Du unaussprechlich liebenswürdiger Bräutigam meiner Seele. Wie soll ich Dich denn lieben, wie loben, wie preisen, o mein allerliebster Jesus?“

Ja, eine große Schar sehe ich Ihm folgen: Die Apostel, die Jünger, die heiligen Frauen, alle, die es wissen. Er hat es ihnen ja schon in den vierzig Tagen, wo Er unter ihnen weilte, oft genug gesagt, daß Er auffahren werde zu Seinem und zu ihrem Vater. Und jetzt ist die glückselige Stunde für den Himmel gekommen, für die himmlischen Bewohner, ihren Gott und Herrn, Der sie gleichsam verließ, um das Paradies der sündigen Menschheit wieder zu begründen, der sündigen Menschheit wieder zu verdienen, und Er hat es hergerichtet. Er hat den Garten bebaut, bewässert und bepflanzt, gebaut in den dreiunddreißig Jahren, als Er unter den Menschen wandelte; bewässert am Kreuz mit Seinem kostbaren Blut. Ja, mit Strömen hat Er es bewässert, das Erdreich Seines Gartens; Er hat es bepflanzt mit Blumen und Bäumen, an denen auch schon Früchte wachsen, die schon heranreifen zur Ernte, mit Blumen, denn es sind schon eine Anzahl gläubiger Christen, die Ihm folgen auf den Ölberg, bepflanzt mit Bäumen, die hervorragen, an denen schon Früchte sich zeigen.

Das sind die Apostel und alle, die Er beauftragt hat, daß sie Seine Lehre Seinem Volk verkündigen sollen, und jetzt will Er Abschied nehmen von Seinem Paradies, das Er geschaffen, um hinaufzuziehen zu Seinem und unserem Vater. Noch einmal überschaut Er die Menge, die Ihm gefolgt, das kleine Häuflein Seiner treuen Kinder, die Er jetzt verläßt mit Seinem Leibe. O mit welcher Rührung hängen alle Blicke an ihrem Meister und Herrn. O vereinigt euch mit mir, ihr Menschenkinder, und seht jetzt die Blicke von allen Seiten, wie sie nur auf einen Gegenstand gerichtet sind. Sie haben nur noch eine Sehnsucht, sie haben nur noch ein Herz, in dem ihr Herz schlägt, in dem ihre Liebe zusammenfließt.

Es ist das Herz ihres Geliebten, Der sie jetzt verlassen will, und Ströme von Tränen fließen. Sie alle sind in heiliger Liebe entzückt, ihr Herz, das umschlungen ist von diesem einen Herz, das Sich von ihnen lostrennt und nun: Höher und höher steigt Es hinauf! Und ihr Herz und ihr Blick bleiben gefesselt, von diesem Herzen Jesu Christi, Das sie jetzt verläßt, und sie alle starren und stehen da wie angewurzelt, und aufwärts und immer weiter aufwärts steigt Es, und der Himmel öffnet sich. O mein Gott, o mein Herr! Der Himmel und die Erde sind verbunden miteinander. In diesem Augenblick sehen sie die Herrlichkeit des Himmels, diese Erdenbewohner. Sie sehen den Ort, der auch für sie bereitet ist. Jetzt kommt Ihm die glückselige Schar der heiligen Engel entgegen. Vereinigt mit Seinem Vater und mit dem Heiligen Geist ziehen Sie in die ewigen Tore, in die Tore der Herrlichkeit. O welch ein Jubel, o welche Freude!

„O mein Jesus! Wie danke ich Dir für Deine glorreiche Himmelfahrt. O nimm mich mit! O laß mich mit einziehen durch dieses Goldene Tor!“

Jesus: „Ja, Meine Tochter! Komme nur und nimm Platz hier an Meinem Herzen! Sieh, du arme Erdenpilgerin, dies ist ein Einblick in jene Glückseligkeit, die auch deiner wartet. Harre nur, warte nur zu, es kommt auch für dich die Stunde, wo du einziehen wirst durch dieses Goldene Tor, um nicht mehr daraus zu entkommen.

Heute, Meine Tochter, will Ich dich lehren, was du tun sollst, um nicht irre zu werden in all den Bedrängnissen, die deiner noch warten. Siehe, Ich habe das Kreuz getragen auf Golgotha hinauf, und an dem Kreuz wollte Ich sterben. Weil auch du das Kreuz tragen und am Kreuz auch du sterben sollst, wird es dir nicht anders ergehen als deinem Herrn und Meister, als es deinem Bräutigam erging, als Er Sich mit Seiner jungfräulichen Braut vermählen wollte, mit Seiner Kirche. Er wurde geschmäht, verachtet und verfolgt, und dir wird es nicht besser ergehen. Darum freue dich, dein Lohn ist groß im Himmel.

Sage deinen beiden Freundinnen, daß sie um nichts in der Welt sich mögen abwendig machen lassen von dem Gerede der Menschen, auch wenn es Meine Diener sind, denn auch sie sind Menschen von Fleisch und Blut und haben außer der Gewalt, die sie von Mir geerbt, und die Ich ihnen übertrug, doch auch ihre menschlichen Armseligkeiten, wie jeder andere arme Erdenpilger, und Schwächen, mit denen sie zu kämpfen haben, wie du und deine beiden Freundinnen und alle, die Mich lieben und Mir dienen wollen.

Nicht die Wissenschaft macht Heilige, sondern das Kreuztragen; Kreuztragen in der Art und Weise, wie Ich es trug. Wer Mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz täglich auf sich und folge Mir nach, und je mehr Mich jemand sucht, desto mehr wird er das Kreuz vorfinden, desto tiefer wird er eindringen in die Schule des Kreuzes, weil kein anderer Weg zum Himmel führt als der Kreuzweg, den Ich Selbst gegangen bin, als Ich auf Erden weilte. Der Paradiespfad ist nun einmal verloren und auf Erden nie mehr zu finden, außer bei denjenigen, die ihn im Kreuz suchen, denn diejenigen, die das Kreuz Mir nachtragen wollen, werden das Kreuz lieben, weil sie es freiwillig auf sich nehmen, und so ist es kein Kreuz mehr, es ist ihnen eine Lust und Befriedigung, denn sie wissen, daß sie auf dem Wege sind, den auch Ich ging, und die Tränen, die sie weinen, sie glänzen wie Diamanten im Sonnenstrahl.“

Barbara: „O so kommt denn mit mir, ihr alle, die ihr Jesus liebt. O kommt und sehet, wie schön Er ist, o kommt und lobet und preiset Ihn mit mir. O wie unendlich schön ist Er. O Herr, gib mir Worte, um Dich zu loben, ein Herz so groß und so weit, wie die ganze Welt, verteile es sovielmal, als es Menschenherzen gibt, damit ich für alle Menschen Dich lieben, loben und preisen kann. O ihr Menschen, warum liebt ihr Ihn nicht, warum jagt ihr so eitlen, vergänglichen Dingen nach, die euch nichts nützen können, o schließt euch an mit mir an dieses heiligste Herz. O wie ruht es sich hier so gut.“

Lied: Sei im Jubelschall erhoben...

„O meine Lieben, helft mir doch, Ihn loben und preisen! O wie unendlich schön, o wie liebenswürdig, o mein Jesus! O wie glücklich sind wir als Kinder der katholischen Kirche! O ich kann nicht, o Herr, o gib mir doch die Sprache, daß ich es schildern kann, was mein Herz empfindet, und was ich schaue, ich kann es ja gar nicht so wiedergeben!“

Jesus: „Ja, weil Ich es Meinen Kindern verborgen halten will und weil sie zu schwach sind, die Schönheiten zu schildern von dem, was du siehst.“

Barbara: „O heiliger Paulus, du verstehst mich; o heiliger Johannes, auch du hast es empfunden.“

Jesus: „Ja, sieh doch, Meine Tochter, dies will Ich dir nur zeigen, damit du stark werdest und es anderen sagst, wie Ich diejenigen belohne, die Meine Wege wandeln.“

Barbara: „O ihr jungfräulichen Seelen, o kommt, vereinigt euch mit mir, liebet mit mir, betet mit mir an. Mein Herz ist zu klein, meine Zunge zu schwach, mein Auge zu gering, die Dinge auszusprechen, die ich sehe, die ich höre, die ich umfasse, die ich heute in mich aufnehme.“

Jesus: „Ja, siehst du, Meine Tochter, ist es nicht der Mühe wert, etwas zu leiden? Nicht wahr, gewiß! Wenn Ich, euer Herr und Gott, imstande bin, eine Seele so zu beglücken, die noch im Fleische weilt, wie muß Ich belohnen können diejenigen, wenn einmal dies Fleisch im Staub zerfallen ist. Ich verlange nicht zuviel, wenn Ich euch sage: vereinigt euch mit Mir, Mich zu lieben. Ich, der Ich vorangehe, der Ich euch das Kreuz vorantrug, Ich will euch nur zurückführen, Ich, der gute Hirte. Ich will dich auf Meinen Schultern zurücktragen und in Meine Herde zurücknehmen, du armes Kind, das du dich verloren hast im Gestrüpp der Welt. Du hast dein Herz dort gesucht, wo du es nicht hättest suchen sollen und hast es Mir entzogen. O gib es Mir zurück! Mein Sohn, o gib es Mir zurück; Meine Tochter, gib Mir dein Herz. Glückselig diejenigen, die es glauben, daß Ich mit dir rede. Sie sollen hienieden schon kosten, wie süß der Herr ist, sie sollen Mich ewig, ewig besitzen in Meinem Reich.“

Lied: Singet laut in...

Barbara: „Preisen will ich Dich aus meinem ganzen Herzen, all Deine Wunder will ich erzählen, rühmen will ich mich im Namen des Herrn, es preisen Dich...

Ich empfehle Dir all die frommen Seelen, die Jungfrauen auf der ganzen Welt, in denen noch ein reines Herz schlägt. O bewahre sie in Deiner Liebe und in der Unschuld; gib Dich ihnen zu erkennen. Gib mir eine Sprache, die durch die ganze Welt dringen könnte, die man hört von Ost bis West, von Süd bis Nord, daß Du von allen geliebt wirst auf Erden. O ihr Jünglinge, ihr Jungfrauen, ihr alle kommt, kommt, vereinigt euch mit mir, harret aus, scheut nicht die Bedrängnisse, die Verfolgungen, die üblen Nachreden, die man euch anhängt. O wie süß ist der Herr. Eine einzige Stunde bei Ihm wiegt alle Verfolgungen der ganzen Welt auf.

Noch eine Bitte: Du hast mir damals, als Du mich beauftragtest, meinem Beichtvater vieles zu sagen, was mir viele Verspottungen und Verachtungen zuzog, gesagt, wenn ich über mich und über all die Dinge hinweggehe und es dennoch sage, so wolltest Du mir am heutigen Tage drei Verwandte aus dem Fegefeuer befreien, und heute hast Du mir gezeigt, wie Du meine Mutter, Tante und Schwager zu Dir in den Himmel nahmst und hast mir damals zugleich zu verstehen gegeben, wieviel wir an diesem Tag erlangen können. So schenke uns nun auch heute viele Arme Seelen. Ich opfere Dir auf all die Gebete von meinen beiden Freundinnen.

Wir vereinigen uns mit allen guten, gerechten Seelen und opfern Dir die Verdienste aller und den Gnadenschatz der ganzen heiligen Kirche auf, alle Verachtungen, die wir noch ertragen müssen; denn auch sie müssen dasselbe leiden. Wir opfern Dir... (lange Aufzählung) durch Deine jungfräuliche Mutter und um Ihrer Verdienste willen, wie Du mich gelehrt hast Anfang Mai, daß Du mir alle Gnaden durch Sie geben willst.“

Und jetzt kommt die liebe Mutter Gottes, und ich soll mit Ihr gehen. Ja, dort ist es jetzt ganz anders:

„O mein Gott, wie trauern sie, heute an Deinem Himmelfahrtstag. O ist es denn möglich, daß Du sie zurückhältst? O nimm sie alle mit hinauf, alle, alle! O gieße aus das kostbare Blut, wie ich gesehen diese Woche, daß Deine heilige Mutter es über alle ausgegossen, die bei der heiligen Messe zugegen waren. O gieße es jetzt aus über diese Armen Seelen. O könnte ich euch doch allen helfen, ich vereinige meine Tränen mit den Tränen meines Herrn und Seiner jungfräulichen Mutter. O liebe Mutter, sovielmal mein Atem einund ausgeht, mein Puls und mein Herz schlägt, sovielmal opfere ich Dir das kostbare Blut Deines lieben Sohnes auf! O nimm sie alle mit, o erbarme Dich ihrer.“

Und die erste ist eine wunderschöne Jungfrau, die Sie jetzt herauszieht – und jetzt ist es ein Priester – und jetzt sammelt sich eine ganze Schar um Sie. O welche Freude, o welch heiliger Friede auf aller Angesicht; und sie gehen jetzt in die Stadt des Friedens. Ja, die Mutter von S. ist auch dabei.

Verstorbene: „Dreiundzwanzig Jahre ist eine lange Zeit! O wie danke ich Dir so sehr!“

Luise: „Ich bitte für die dreiundzwanzig Ordensschwestern aus B.“

Barbara: „Ja, einige, sie sind befreit! O schenke sie uns alle“ (lange Bitten). „O heiliger Josef, komm uns doch zu Hilfe!“

Und er kommt – und bittet mit uns.

Jesus: „Deine Bitte sei dir gewährt.“

Barbara: „Ich bitte auch für die Familie N.“

Jesus: „Alle, die auf Mich vertrauen, werde Ich beschützen, aber das Kreuz muß überall stehen. Darum werde Ich auch sorgen, daß man das Kreuz nicht vergißt; denn am Kreuz bin Ich gestorben, und dies ist der Maßstab, den Ich an jede gute christliche Familie anlege, damit sie Mich nicht vergessen. Der Wunsch wird dir gewährt, aber jetzt noch nicht.“

Barbara: „O Herr, wie leid ist es mir, daß ich das, was ich schon im Leben leiden mußte, nicht so gut gelitten, wie ich sollte. Ich bitte Dich, Du möchtest aus unendlicher Güte Deines Herzens alles ersetzen und diese große Leere ausfüllen, daß ich Dir doch was zu opfern hätte.“

Jesus: „Ich habe es bereits getan, Meine Tochter!“

Barbara: „Wann kommst Du wieder?“

Jesus: „Wartet, bis Ich komme, und weil es Meine Freude ist, bei den Menschenkindern zu sein, so ist es immer eine glückliche Stunde für Mich, wenn Ich zu euch komme.“

Barbara: „Kommst Du morgen wieder?“

Jesus: „Das brauchst du nicht zu wissen.“ Am Tage danach sagte der Herr:

Jesus: „Das, was du Pater Bonifaz sagen willst, das sage nicht, denn der wahrhaft Demütige schweigt. Du mußt dich immer nur als Sprachrohr ansehen. Wenn der Schall entflohen ist, bleibt auch nicht ein Klang darin zurück. So ist es mit dir. Sie werden es zwar annehmen, euch aber noch viel zu leiden geben.

Sage Luise, sie solle diese Woche zum H. H. Bischof gehen, und fügte bei: Sie soll sich einmal auf ihren Stolz hin prüfen (durch die damit verbundenen Verdemütigungen). Wie schaden sich doch diejenigen, die an Meine Güte nicht glauben wollen, denn für eine Seele, die Mich liebt, m